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Veröffentlicht am 01.07.2025

Coming-of-Age im China der 80er

Himmlischer Frieden
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Auch wenn mich das Cover zunächst nicht angesprochen hat, so hat mich der Klappentext doch sehr neugierig gemacht. Ich erinnere mich noch an die Tian’anmen-Proteste im Jahr 1989, die ich als Kind in den ...

Auch wenn mich das Cover zunächst nicht angesprochen hat, so hat mich der Klappentext doch sehr neugierig gemacht. Ich erinnere mich noch an die Tian’anmen-Proteste im Jahr 1989, die ich als Kind in den Nachrichten am Rande mitbekam, und wollte nun gerne mehr über die damalige Zeit und die gesellschaftlichen und politischen Umstände in China erfahren. Wie aus dem Nachwort hervorgeht, hat Lai Wen ihre eigene Lebensgeschichte als Grundlage genommen und zu einem autofiktionalen Roman verarbeitet.

Mit 560 Seiten ist „Himmlischer Frieden“ durchaus umfangreich, und ich muss zugeben, dass ich anfangs etwas gebraucht habe, bis ich ins Buch reingekommen bin. Je tiefer ich in die Geschichte eintauchte, desto stärker hat sie mich jedoch gefesselt.

Den Großteil des Romans nimmt das Heranwachsen der Protagonistin ein und ihre familiären Beziehungen. Die Figuren sind detailliert gezeichnet und ich hatte sie alle lebhaft vor Augen, insbesondere die wunderbare Großmutter, die in Lais Entwicklung eine zentrale Rolle spielt. Durch die Beschreibung zahlreicher Alltagssituationen entsteht ein vielschichtiges Gesamtbild, das mir beim Lesen die Atmosphäre in der Familie und die gesellschaftlichen Strukturen eindrücklich vor Augen führte. Zudem wird deutlich, wie tief in einem autoritären Regime das Politische und Private miteinander verwoben sind.

Lais Studienzeit fällt in eine Phase des politischen und gesellschaftlichen Aufbruchs, der im Tian’anmen-Massaker am 4. Juni 1989 sein blutiges Ende fand. Allerdings spielen diese Ereignisse im Buch eine eher kleine Rolle; angesichts des Titels hatte ich hier einen anderen Schwerpunkt erwartet. Ungeachtet dessen hat mich dieses Buch sehr berührt und interessante Einblicke in die damalige chinesische Gesellschaft ermöglicht.

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Veröffentlicht am 01.07.2025

Ein echtes Highlight!

National Geographic Kids - Jenseits der Unendlichkeit
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Ich erinnere mich noch sehr gut an den Start des Hubble-Teleskops in meiner Jugend, und als Familie von Naturwissenschaftlern finden wir natürlich die Erkenntnisse, die das James-Webb-Teleskop liefern ...

Ich erinnere mich noch sehr gut an den Start des Hubble-Teleskops in meiner Jugend, und als Familie von Naturwissenschaftlern finden wir natürlich die Erkenntnisse, die das James-Webb-Teleskop liefern kann, ganz besonders spannend. Auch mein Sohn (11) ist fasziniert von den detailreichen und atemberaubenden Bildern, die „Jenseits der Unendlichkeit“ enthält. Ob Polarlichter am Uranus oder galaktische Spiralnebel – dieses Buch macht einfach Lust auf Astronomie. Neben Weltraumaufnahmen erfährt man einiges über die Technologie an Bord des Teleskopes und über die speziellen Herausforderungen, die durch die extremen Bedingungen im All an die Technik gestellt werden. Auch hierzu gibt es tolles Bildmaterial. Eine Doppelseite enthält zudem einen kleinen Exkurs über die Geschichte der Teleskopie. Sehr gut gefallen hat mir, dass in kurzen Interviews auch vier Astronominnen bzw. Astrophysikerinnen zu Wort kommen. Die kleinen Anekdoten über Missgeschicke und Pannen bei der Entwicklung des James-Webb-Teleskopes fand ich sehr charmant, und sie zeigen den Kindern, dass Rückschläge auch in der Wissenschaft dazugehören und überwunden werden können.

Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die etwas wuchtig wirkenden sechseckigen Textboxen, die manchmal zudem etwas ungünstig platziert sind und Bildteile verdecken. Hier hätte ich mir eine etwas dezentere Gestaltung gewünscht.

Fazit: Ein wirklich faszinierendes Buch für die ganze Familie, das zum Entdecken und Diskutieren einlädt und ein perfektes Geschenk für alle jungen Weltraumfans!

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Veröffentlicht am 01.07.2025

wie wir unsere Gene aktiv beeinflussen können

Der Epigenetik-Code
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Der Biochemiker Martin Auerswald zeigt in „Der Epigenetik-Code“, wie wir uns die Erkenntnisse der Epigenetik für ein möglichst langes und gesundes Leben zunutze machen können. Er erklärt in einem einführenden ...

Der Biochemiker Martin Auerswald zeigt in „Der Epigenetik-Code“, wie wir uns die Erkenntnisse der Epigenetik für ein möglichst langes und gesundes Leben zunutze machen können. Er erklärt in einem einführenden Kapitel allgemeinverständlich und dadurch stark vereinfacht, womit sich die Epigenetik befasst. Dieses noch recht junge Forschungsgebiet untersucht, durch welche äußeren Einflüsse die Aktivierung bzw. Deaktivierung bestimmter Gene gesteuert wird, und inwieweit sich dies auf unsere Nachkommen vererbt.

Der Autor gibt viele konkrete Tipps, wie wir unseren Lebensstil so ausrichten können, um aus Sicht der Epigenetik einen möglichst positiven Einfluss auf unsere Gesundheit zu erlangen. Vieles davon ist nicht neu – regelmäßig Sport und Bewegung, frische Luft, emotionale Ausgeglichenheit, zwischenmenschliche Bindungen, gesunde Ernährung –, erscheint aber unter dem Blickpunkt der Genaktivierung noch einmal in einem anderen Licht. Aus epigenetischer Sicht haben wir also durch unser Verhalten unsere Gesundheit selbst in der Hand. Das ist grundsätzlich positiv, birgt allerdings auch die Gefahr, dass kranken Menschen die Schuld an ihrem Zustand gegeben werden könnte.

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Veröffentlicht am 24.06.2025

Ein Leben in Co-Abhängigkeit

Vergiss mich
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In „Vergiss mich“ schreibt Alex Schulman über die Alkoholsucht seiner Mutter Lisette Schulman, die seine Kindheit und Jugend geprägt hat und ihn auch als Erwachsenen nicht loslässt. Über 30 Jahre hat es ...

In „Vergiss mich“ schreibt Alex Schulman über die Alkoholsucht seiner Mutter Lisette Schulman, die seine Kindheit und Jugend geprägt hat und ihn auch als Erwachsenen nicht loslässt. Über 30 Jahre hat es gedauert, bis Alex Schulman seine Mutter auf ihren Alkoholismus anspricht. Lisette blockt daraufhin komplett ab und die Mutter-Sohn-Beziehung droht daran zu zerbrechen. Sehr einfühlsam beschreibt Alex Schulman seine Gefühlswelt, seine Ängste, Sorgen, Trauer und auch Wut. Trotz allem, was seine Brüder und er durch die Sucht seiner Mutter mitgemacht haben, ist im Text eine tiefe Liebe zu seiner Mutter spürbar, verbunden mit dem Wunsch nach Verständnis und Versöhnung.

Immer wieder blickt Schulman zurück in seine Kindheit: Gesten, Blicke und typische Verhaltensweisen seiner Mutter rufen Erinnerungen an oft schmerzliche Begebenheiten hervor. Sehr klar zeigen sich hier die klassischen Zeichen der Co-Abhängigkeit: Alex übernimmt schon früh viel Verantwortung, kompensiert die Ausfälle seiner Mutter, hilft seiner Mutter, die Sucht nach außen hin zu vertuschen. Immer wieder fördern die Brüder und auch der Vater durch ihr Verhalten die Sucht geradezu. Besonders berührt hat mich hierbei, wie sehr Alex sich als Kind nach der Anerkennung seiner Mutter sehnt und darunter leidet, dass sie ihn immer wieder mit Missachtung straft. Generell handelt Lisette gegenüber Alex immer wieder hoch manipulativ, und in diesen Momenten fiel es mir tatsächlich sehr schwer, Mitgefühl für Lisette aufzubringen, und ich hätte Alex am liebsten wachgerüttelt, damit er hier eine klare Grenze zieht.

Noch immer wird Alkohol in unserer Gesellschaft mehrheitlich nicht als gefährliche Droge und Zellgift wahrgenommen, sondern gehört leider bei Feiern und häufig auch im Alltag ganz selbstverständlich dazu. „Vergiß mich“ zeigt, wie Alkohol das Leben des Süchtigen, aber auch seiner Familienangehörigen massiv beeinträchtigt und prägt, und das oft für den Rest des Lebens. Unbedingt lesenwert!

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Veröffentlicht am 17.06.2025

hat mich leider nicht erreicht

Takeshis Haut
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Letztes Jahr hat mich Lucy Fricke mit „Das Fest“ sehr berührt, und so war ich gespannt auf „Takeshis Haut“. Dieser Roman erschien erstmals 2015 und wird nun neu aufgelegt.
Frida geht auf die 40 zu, ist ...

Letztes Jahr hat mich Lucy Fricke mit „Das Fest“ sehr berührt, und so war ich gespannt auf „Takeshis Haut“. Dieser Roman erschien erstmals 2015 und wird nun neu aufgelegt.
Frida geht auf die 40 zu, ist Geräuschemacherin und lebt zusammen mit ihrem Partner Robert in Berlin. Das Geld ist immer knapp, und so kann sie nicht Nein sagen, als ein eines Tages ein junger Filmemacher aus reichem Hause in ihrem Studio steht und einen ungewöhnlichen Auftrag für sie hat: Bei seinem Film ist die komplette Tonspur abhandengekommen, und Frida soll nun nach Japan an die Drehorte reisen, um den Ton neu aufzunehmen. Als Frieda in Kyoto ankommt, lernt sie Takeshi kennen, der ihre Gefühlswelt komplett durcheinander bringt. Und dann ist da noch ein seltsames Geräusch, wie eine Vorahnung auf eine Katastrophe, die kurz bevor steht…
Ich muss gestehen, dass ich mich mit diesem Buch sehr schwer getan habe. Frida blieb mir bis zum Schluss sehr fremd in ihrem Fühlen, Denken und Handeln, und ich habe mich ihrem Freund Robert verbundener gefühlt als ihr. Takeshi wirkte auf mich von Anfang an egoistisch und unsympathisch, so dass ich nicht nachvollziehen kann, was Frida zu ihm hinzog. Vielleicht bin ich selbst einfach zu bürgerlich konservativ, um für Frida Verständnis aufzubringen. Ebenfalls als störend empfand ich den ständigen übermäßigen Alkoholkonsum im Buch. Fridas eher gewöhnliche Probleme in den Kontext einer derart weitreichenden Katastrophe wie Fukushima zu stellen, neben der alles andere verblasst, ist zudem sehr gewagt.
Sehr interessant fand ich es dagegen, Japan über seine Geräusche wahrzunehmen, und die Beschreibungen hierzu waren faszinierend.

Insgesamt war „Takeshis Haut“ aber leider kein Buch für mich.

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