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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr spezieller Schreibstil, aber spannend bis zum Schluss

Das letzte Buch von Marceau Miller
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„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) ...

„Das letzte Buch von Marceau Miller“ ist in jeder Hinsicht ein ungewöhnlicher Thriller. Als Autor wird „Marceau Miller“ angegeben, ein Pseudonym, das suggeriert, dass der Großteil des Buches vom den (fiktiven) Autor geschrieben ist, der im Buch gleich im Prolog tödlich verunglückt. Dies ist so nicht ganz richtig. Zwar spielt sein letztes Manuskript eine wichtige Rolle und ist auch Teil des Buches, nimmt aber vergleichsweise wenig Raum ein. Stimmiger hätte ich es als gefunden, wenn ein anderer Autor auf dem Cover gestanden hätte.

Sarah, Marceaus Ehefrau, setzt alles daran, den Tod ihres Mannes aufzuklären, denn sie ist felsenfest davon überzeugt, dass es sich um keinen Unfall handelt. Der Großteil des Thrillers ist aus ihrer Perspektive erzählt. Sarah ist ein höchst ungewöhnlicher Charakter: Sie neigt zu Impulshandlungen und Wutausbrüchen, ist unausgeglichen, teilweise völlig neben der Spur. Einerseits verständlich angesichts ihrer Situation, andererseits auch ein bisschen zu viel für mich. Vor allem, dass sie ihre beiden Kinder, die immerhin ihren Vater verloren haben, völlig links liegen lässt, passt für mich nicht ins Bild. Ich wurde mit Sarah nicht warm und hatte nicht das Gefühl, es mit einer Figur aus Fleisch und Blut zu tun zu haben, sondern eher mit einer Kunstfigur. Das galt leider für sämtliche Personen in diesem Thriller. Einen großen Anteil daran hat sicher der sehr poetische, öfters ins Kitschige abdriftende Schreibstil, der mir eine Spur zu „drüber“ war. Die Verklärung von nahezu symbiotischen Freundschaften wirkte auch mich wenig glaubhaft, und auch die Geheimnisse, die Marceaus Leben und das seiner Clique umgaben, waren mir zu viel und letztlich nicht glaubwürdig. Hinzu kommen kleinere logische Fehler (so liegt zwischen den 22. April und dem 16. Mai nicht nur eine Woche, wie mehrfach behauptet).

Ungeachtet dessen ist der Thriller bis zum Schluss temporeich, voller überraschender Wendungen und spannend, so dass ich mich dennoch gut unterhalten gefühlt habe.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

aufrüttelnd und wichtig

Undercover unter Nazis
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Unter dem Decknamen Isabell hat sich die Investigativ-Journalistin Angelique Geray in die rechte Szene eingeschleust. Über einen Zeitraum von zwei Jahren recherchierte sie, unterstützt von Stern und RTL, ...

Unter dem Decknamen Isabell hat sich die Investigativ-Journalistin Angelique Geray in die rechte Szene eingeschleust. Über einen Zeitraum von zwei Jahren recherchierte sie, unterstützt von Stern und RTL, was insbesondere Jugendliche dazu bewegt, sich rechten Gruppierungen anzuschließen. Überraschenderweise üben rechte Ideologien auch auf junge Frauen eine große Faszination aus. Das zu lesen, war für mich besonders überraschend, geht das doch neben dem menschenverachtenden Gedankengut zusätzlich mit extrem rückwärtsgewandten Frauenbildern einher – und welches junge Mädchen will schon freiwillig zurück an den Herd, dem Ehemann untergeben sein und in knöchellangem Omakleid herumlaufen?

Angelique Geray erhielt Zutritt zu rechten Social-Media- und Chatgruppen, begleitete einen jungen Neonazi zum Waffenkauf nach Tschechien, nahm an Jugendlagern und Demonstrationen teil und meldet sich auf rassistischen Dating Apps an. Das alles unter größten persönlichen Risiken – nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn ihre Tarnung aufgeflogen wäre. Besonders abstoßend empfand ich ihre Erfahrungen auf den einschlägigen Dating-Portalen und den Treffen, die hierdurch zustande kamen. Die Vorstellungen der Männer, die sich dort tummeln, sollten auch die letzte Frau wachrütteln, was es bedeutet, wenn rechtsgesinnte Kräfte wieder an Macht gewinnen.

Ich habe größten Respekt vor dem Engagement und dem Mut der Autorin, die bis heute aus der rechten Szene bedroht wird, und möchte dieses Buch wirklich allen unter die Nase halten, die noch nicht begriffen haben, wohin uns der Rechtsruck führen wird. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 26.04.2026

sehr berührend

In den Flügeln das Licht
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Aufgrund der aktuellen politischen Lage habe ich erst kürzlich ein Buch über die gesellschaftliche Situation in Iran gelesen. „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi hat mich daher sofort neugierig ...

Aufgrund der aktuellen politischen Lage habe ich erst kürzlich ein Buch über die gesellschaftliche Situation in Iran gelesen. „In den Flügeln das Licht“ von Aidin Halimi hat mich daher sofort neugierig gemacht, insbesondere, weil es in den 80er Jahren zur Zeit der islamischen Revolution spielt, mit der ich mich bisher nicht näher auseinandergesetzt hatte.

Als Kāveh und sein Bruder Ābtin noch kleine Kinder sind, wird ihr Vater Sohrāb, ein politischer Aktivist, verhaftet und für viele Jahre im Evin-Gefängnis inhaftiert, bevor er willkürlich hingerichtet wird. Das Buch beginnt mit dem Tod des Vaters und erzählt in Rückblicken vom Leben und der Liebe der Eltern, der Hoffnung und den Idealen, die anfänglich mit der Revolution verbunden waren, und der tiefen Verbundenheit der beiden Brüder mit ihrem Vater. Gleichzeitig schildert der Autor, wie Tārā, die Mutter und Ehefrau, nach der Inhaftierung und späteren Hinrichtung ihres Mannes Stärke zeigt trotz aller Widrigkeiten, für ihre Söhne kämpft und sich nicht vereinnahmen lässt. Die ständige Unsicherheit, die Willkür des Regimes, die Besuche im Gefängnis nach Gutdünken erlaubt oder streicht, die Ungewissheit, was mit Sohrāb passiert ist und wo sein Leichnam verblieben ist – all das ist zermürbend für die Familie. Und doch finden die beiden Brüder Halt in ganz unterschiedlichen Dingen: Kāveh entdeckt seine Liebe zu Büchern und Ābtin zur Natur.

Ganz besonders bleibt mir Aidin Halimis Schreibstil im Gedächtnis:Eer schreibt leise, teilweise poetisch, und gleichzeitig sprachgewaltig, bildlich und kraftvoll. Hierdurch bekommt das Buch eine ganz außergewöhnliche, sehr berührende Atmosphäre. Man spürt die große Liebe Halimis zu den Figuren, ihren Idealen und ihrer Kultur.

Mich hat „In den Flügeln das Licht“ sehr berührt und ich kann es nur wärmstens weiterempfehlen.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

spannend wie ein Roman

Cooks letzte Reise
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Dass Barack Obama dieses Buch als ein Lieblingsbuch bezeichnet, hat mich neugierig gemacht, auch wenn ich mich bisher nicht näher mit der Thematik beschäftigt hatte. Hampton Sides schreibt so lebendig, ...

Dass Barack Obama dieses Buch als ein Lieblingsbuch bezeichnet, hat mich neugierig gemacht, auch wenn ich mich bisher nicht näher mit der Thematik beschäftigt hatte. Hampton Sides schreibt so lebendig, spannend und kenntnisreich, dass ich im Nu durch das 512 Seiten starke Buch geflogen bin. Man spürt, wie sehr dem Autor daran gelegen ist, ein möglichst wirklichkeitsgetreues, ausgewogenes Bild zu zeichnen, das James Cook in allen Facetten gerecht wird, und die Reise in den damaligen politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Kontext einzuordnen. Für seine akribische Recherche standen ihm zahlreicher historischer Dokumente zur Verfügung, die einen einzigartigen Blick auf diese Reise erlauben. Ich kann dieses Buch nur rundum weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 07.04.2026

erschütternd

Meine Liebe stirbt nicht
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In „Meine Liebe stirbt nicht“ erzählt Roberto Saviano die wahre Geschichte von Rossella Casini, die 1981 mit 24 Jahren spurlos verschwand. Sie war die Verlobte von Francesco, einem Sohn einer `Ndrangheta-Familie, ...

In „Meine Liebe stirbt nicht“ erzählt Roberto Saviano die wahre Geschichte von Rossella Casini, die 1981 mit 24 Jahren spurlos verschwand. Sie war die Verlobte von Francesco, einem Sohn einer `Ndrangheta-Familie, und hatte versucht, diesen zu überreden, gegenüber der Staatsanwaltschaft über eine blutige Fehde zwischen zwei Mafia-Familien auszupacken und auszusteigen.
Saviano hat sorgfältig recherchiert und laut Vorbemerkung die Dialoge aus Abhörprotokollen, Interviews, Verhören und Gerichtsurteilen rekonstruiert. So entsteht ein faszinierender und zugleich erschütternder Roman über eine Frau aus Florenz, die sich mit 20 in einen jungen Studenten verliebt und erst im Laufe der Zeit herausfindet, dass dieser Teil einer kalabrischen Mafiafamilie ist. Liebe macht blind, und so realisiert auch Rossella nicht, welche Konsequenzen diese Beziehung für sie hat. Beim Lesen war ich gleichzeitig beeindruckt von Rosellas unerschütterlichem Mut und verwundert über ihre Naivität, mit der sie glaubt, Francesco aus den Mafia-Strukturen herausholen zu können.

Der Autor, der aufgrund seiner aufsehenerregenden Bücher über die Mafia selbst unter Polizeischutz steht, hat mit diesem Buch Rosella Casini ein Denkmal gesetzt und die Erinnerung an sie bewahrt. In der Vorbemerkung und den Nachworten geht er genauer auf die Dokumente ein, die ihm zur Verfügung standen und erläutert auch den Verlauf der viele Jahre später stattgefundenen Gerichtsprozesse.
Leider ist es mir nicht so ganz gelungen, mit dem stellenweise sehr pathetischen Schreibstil von Saviano warm zu werden. Angesichts dessen, dass der Autor eine wahre Geschichte erzählt und auch einige Gedanken und Gefühle von Rosella nach eigenem Ermessen ergänzen muss, um die Lücken zu füllen, hätte ich einen nüchterneren Stil bevorzugt.

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