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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.01.2025

Merkwürdige Kombination aus Bilderbuch und Ratgeber

Mein artgerecht-Geschwisterbuch: Ich zuerst! Nein, ich!
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Streit und Konkurrenz unter Geschwisterkindern kennen die meisten Eltern aus ihrem Alltag, und dieses Buch regt dazu an, Wege aus Konflikten zu finden und ein harmonisches Miteinander unter Geschwistern ...

Streit und Konkurrenz unter Geschwisterkindern kennen die meisten Eltern aus ihrem Alltag, und dieses Buch regt dazu an, Wege aus Konflikten zu finden und ein harmonisches Miteinander unter Geschwistern zu fördern. Das Buch ist wunderschön illustriert und die kleinen Eichhörnchen schließt man sofort ins Herz.

Richtig toll ist auch das Zahnputzlied zur Melodie von „Brüderlein, komm tanz mit mir“ (wie passend!) – damit macht das allabendliche Zahnputzritual gleich mehr Spaß!

Ein bisschen schade finde ich, dass im Buch neben den Kindern nur die Mama vorkommt, ein Papa fehlt. Das suggeriert, dass die Erziehung nach wie vor reine Aufgabe der Mutter ist. Sehr zwiespältig stehe ich auch den an und für sich sinnvollen Erziehungstipps am Ende des Buches gegenüber. Diese haben meiner Meinung nach in einem Bilder- bzw. Vorlesebuch, das sich an Kinder richtet und auch von diesen gelesen wird (etwa älteren Geschwistern, die ihren jüngeren Geschwistern vorlesen) nichts verloren und gehören in einen Elternratgeber. Auch werden sich die Tipps in der Praxis nicht immer 1:1 umsetzen lassen und ich kann auch nicht alle Ratschläge mittragen. So ist es in vielen Familien schon aus finanziellen Gründen gar nicht anders möglich, als Kleidung und Spielzeug an jüngere Geschwister weiterzuvererben. Die Formulierung in der Wir-Form ist zudem sehr gewöhnungsbedürftig. Ich könnte mir auch vorstellen, dass durch diese Tipps das Buch, sollte es von Großeltern, Tante, Freundin etc. geschenkt werden, von sehr sensiblen Eltern als versteckte Kritik an ihrer Erziehung verstanden werden kann.

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Veröffentlicht am 02.01.2025

Genial!

Wackelkontakt
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Eigentlich liebe ich realistische Geschichten, die so tatsächlich passieren könnten. Eigentlich. Denn für Wolf Haas mache ich mit großer Freude immer wieder eine Ausnahme. Wie schon in „Das Wetter vor ...

Eigentlich liebe ich realistische Geschichten, die so tatsächlich passieren könnten. Eigentlich. Denn für Wolf Haas mache ich mit großer Freude immer wieder eine Ausnahme. Wie schon in „Das Wetter vor 15 Jahren“ bedient sich Haas bei „Wackelkontakt“ der Metafiktion. Escher, dessen Steckdose einen Wackelkontakt hat, liest, während er auf den Elektriker wartet, ein Buch über einen Kronzeugen der Mafia, der seinerseits ein Buch liest über Escher, der auf den Elektriker wartet. Ähnlich wie bei einem elektrischen Wackelkontakt schaltet das Buch flirrend zwischen den Erzählebenen um, wechselt zwischen Escher und dem Mafioso, treibt beide Handlungen voran, aufeinander zu und verwebt sie kunstvoll miteinander. Gepaart mit Haas‘ messerscharfer Sprache und seinem unverwechselbaren Wortwitz ist hierdurch ein Roman entstanden, der beim Lesen auf mich einen regelrechten Sog ausgeübt hat, so dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen wollte. Auch nachdem ich das Buch beendet hatte, ging es mir lange nicht aus dem Kopf, und ich sinnierte über Dinge nach, die im Vagen geblieben waren, und meine Gedanken zu Perspektiven, Zeitschleifen, Kausalität begleiteten mich sogar in den Schlaf.

Da im Buch Themen wie Selbstreferenzialität und Zeitschleifen eine Rolle spielen, erinnerte ich mich wieder an "Gödel, Escher, Bach - ein endloses geflochtenes Band" von Douglas R. Hofstadter, das ich vor über 20 Jahren während meines Mathematikstudiums gelesen habe. Ich habe das Gefühl, dass auch Wolf Haas dieses Buch und seine philosophischen Theorien kennt.

Fazit: Sprachlich und erzählerisch ein echter Haas, der mich wieder begeistert hat. Für mich ein echtes Highlight und eine unbedingte Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Ehrfurcht vor dem Leben

Albert Schweitzer
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Vor ca. 30 Jahren habe ich als Kind ein Buch über das Leben Albert Schweitzers gelesen („Das Zeichen von Lambarene“ von Karl-Rolf Seufert), und war nun sehr gespannt darauf, ein Jugendbuch über diesen ...

Vor ca. 30 Jahren habe ich als Kind ein Buch über das Leben Albert Schweitzers gelesen („Das Zeichen von Lambarene“ von Karl-Rolf Seufert), und war nun sehr gespannt darauf, ein Jugendbuch über diesen beeindruckenden Menschen zu entdecken, das dem aktuellsten Stand der Forschung entspricht.

Alois Prinz schreibt anschaulich und lebendig, so dass sich dieses Sachbuch sehr flüssig liest, und ist bemüht um eine ausgewogene und objektive Sicht auf Albert Schweitzer. Beginnend mit Alberts Kindheit und Jugend legt der Autor ausführlich dessen langjährige Suche nach einem sinnvollen, zutiefst menschlichen Leben in der Nachfolge Jesu dar, die schließlich, auf vielen Umwegen und nach Jahren des Studiums der Theologie, Philosophie und Medizin sowie als gefeierter Organist, in seinem Aufbruch nach Lambarene mündete.

Auch die zunächst rein freundschaftliche Beziehung zu seiner späteren Frau Helene Bresslau, die seine wichtigste Ratgeberin und engste Vertraute war, wird ausführlich thematisiert. Sie begleitete Schweitzer bereits auf seiner ersten Reise 1913 nach Lambarene und wirkte dort als Krankenschwester und rechte Hand Schweitzers, musste jedoch aufgrund ihrer angegriffenen Gesundheit immer wieder kürzertreten und nach Europa zurückkehren.
Sehr ausführlich widmet sich das Buch Albert Schweitzers Sicht auf den Glauben und seiner Ethik der „Ehrfurcht vor dem Leben“. Mit zunehmender Berühmtheit sah sich Albert Schweitzer auch mit Kritik konfrontiert. Auch diese bringt Alois Prinz zur Sprache und bemüht sich, sie sachlich einzuordnen.

Angesichts der durchaus anspruchsvollen und zuweilen recht trockenen Themen wie Philosophie und Ethik empfinde ich die Altersempfehlung ab 12 Jahren als zu niedrig, und würde die Zielgruppe bei 14 Jahren und älter sehen. Auch sollten die Leserinnen und Leser bereits über grundlegendes Wissen zum politischen Geschehen in Europa im 20. Jahrhundert sowie zur Geschichte der Kolonisation Afrikas und den Verbrechen der Kolonialmächte verfügen. Mein elfjähriger Sohn hat das Buch auch zur Hand genommen, jedoch bereits nach dem Prolog das Interesse verloren. In ein paar Jahren sieht das sicher anders aus.

Fazit: Ein sehr empfehlenswertes Buch über Albert Schweitzers Leben, Denken und Wirken für Jugendliche ab 14 Jahren und Erwachsene.

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Veröffentlicht am 26.12.2024

Das Crookhaven-Abenteuer geht weiter!

Schule der Meisterdiebe 3: Die geheimnisvolle Insel
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Mein Sohn (11) und ich sind große Fans der Crookhaven-Reihe um die „Schule der Meisterdiebe“, und so haben wir voller Ungeduld auf den dritten Band der auf insgesamt fünf Bände angelegten Reihe gewartet, ...

Mein Sohn (11) und ich sind große Fans der Crookhaven-Reihe um die „Schule der Meisterdiebe“, und so haben wir voller Ungeduld auf den dritten Band der auf insgesamt fünf Bände angelegten Reihe gewartet, um ihn gemeinsam und abwechselnd (vor-)zulesen.

Nachdem Band 2 mit einem kleinen Cliffhanger endete, geht es im dritten Teil nahtlos weiter, und man sollte unbedingt zuvor die Bände 1 und 2 gelesen haben. Gabriel Avery, inzwischen 15 Jahre alt, und seine Freunde müssen sich nun den Namenlosen stellen. Zusätzlich warten in Crookhaven neue Herausforderungen auf die Bande: Der Gaunerpokal lockt, die diesjährige Einbruch-Challenge verspricht, besonders knifflig zu werden, eine geheimnisvolle Gärtnerin bereitet Gabriel Kopfzerbrechen, und zudem ist die Bande auf der Suche nach Maravel, einem ehemaligen Crookhaven-Absolventen. Ausgerechnet jetzt zeigen sich Risse in der verschworenen Gemeinschaft, und sie zieht nicht wie sonst an einem Strang. Gabriel Avery als Anführer der Bande sieht sich vor der großen Aufgabe, die Mitglieder wieder zu vereinen und zu einem Team zusammenzuschweißen.

Die Geschichte geht direkt spannend und actionreich los, und wir waren sofort wieder mitten im Geschehen. Gabriel, Penelope, Ade, Ede und Amira sind uns inzwischen schon sehr vertraut, und jeder Charakter zeichnet sich durch besondere Eigenheiten, Talente und auch Schwächen aus. Dieser Band greift einige Handlungselemente, die in den Vorgängerbänden angedeutet bzw. aufgebaut wurden, auf, und es entwickelt sich eine höchst abwechslungs- und wendungsreiche Geschichte, die bis zum Schluss richtig spannend bleibt.

Wie in den beiden bisherigen Bänden auch spielen Freundschaft, Gemeinschaft und Zusammenhalt eine große Rolle. Diesmal haben die Freunde jedoch stärker als zuvor mit sich selbst zu kämpfen, und die Bande steht vor einer Bewährungsprobe, in der sie zeigen muss, dass sie auch schwierige Phasen durchstehen kann.

Verglichen mit Band 1 und 2 tritt der Humor in diesem Teil etwas in den Hintergrund, und es gab in der Geschichte vor allem gegen Ende die eine oder andere Wendung, die auf mich ein bisschen konstruiert wirkte, was meinem Sohn jedoch nicht weiter auffiel.

Wir hatten auf jeden Fall wieder sehr viel Spaß mit der „Schule der Meisterdiebe“ und sind schon sehr gespannt darauf, was Gabriel und seine Freunde im nächsten Schuljahr erwartet und wie der Kampf gegen die Namenlosen weitergeht.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Unterhaltsam und lehrreich!

Wieso? Weshalb? Warum? Meine Vorlesegeschichten, Band 2 - Was passiert in Wald und Wiese?
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Die tollen Bücher aus dem Wieso? Weshalb? Warum?-Universum begleiten uns schon seit Jahren. Nun haben sie mit den Vorlesegeschichten Zuwachs bekommen, und mit „Was passiert in Wald und Wiese?“ erscheint ...

Die tollen Bücher aus dem Wieso? Weshalb? Warum?-Universum begleiten uns schon seit Jahren. Nun haben sie mit den Vorlesegeschichten Zuwachs bekommen, und mit „Was passiert in Wald und Wiese?“ erscheint nach „Was erleben wir Tag für Tag?“ der zweite Band. Die 15 voneinander unabhängigen Geschichten spielen in der kleinen Stadt Brummelsby. Im Mittelpunkt stehen fünf Familien mit Kindern zwischen vier und dreizehn Jahren, die in ganz verschiedenen Familienkonstellationen leben und auch unterschiedlicher ethnischer Herkunft sind. Auch klassische Rollenmuster werden zum Teil aufgebrochen, so dass die Geschichten auch eine große Bandbreite familiärer und gesellschaftlicher Realitäten spiegeln. Gleichgeschlechtliche Eltern und diverse Personen kommen jedoch nicht vor.

Die Geschichten sind in leicht verständlicher, aber dennoch abwechslungsreicher Sprache geschrieben und eignen sich perfekt zu Vorlesen für Kinder ab ca. vier Jahren. Ganz nebenbei vermitteln sie interessantes Wissen über Natur und Tiere und regen zu eigenen Beobachtungen oder Aktivitäten an. Ganz besonders gut gefiel mir gleich die erste Geschichte, in der die Kids etwas über Krähen und deren Intelligenz erfahren. Weitere Themen sind selbstgemachtes Wassereis, ein Ausflug ins Moor, Wespen, Bienen und Honig, der Nachthimmel, Winterschlaf und Winterruhe, Eichhörnchenkobel und vieles mehr.

Ein sehr gelungenes Buch, das schöne Vorlesestunden garantiert!

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