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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.09.2024

Nicht mein Humor und sehr hundelastig

Prima, fein gemacht!
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Bisher war mir der Name Martina Brandl kein Begriff, und ich bin eher zufällig auf dieses Buch aufmerksam geworden. In 45 Episoden greift die Kabarettistin die unterschiedlichsten Themen auf, von der Krux ...

Bisher war mir der Name Martina Brandl kein Begriff, und ich bin eher zufällig auf dieses Buch aufmerksam geworden. In 45 Episoden greift die Kabarettistin die unterschiedlichsten Themen auf, von der Krux mit kneifenden Unterhosen über Politisches bis hin zu Krankheiten, über die man nicht so gerne spricht. Einen Schwerpunkt bilden die Hundekolumnen (aus "Das Magazin") sowie die "Interviews mit unmöglichen Gesprächspartnern" (aus der Wochenendbeilage der Frankfurter Rundschau). Auch wenn ich über einige Pointen gelacht habe, muss ich doch sagen, dass Frau Brandl insgesamt nicht meinen Humor traf und mir das meiste zu seicht und/oder übertrieben war. Zudem nahm mir der Hund mit einem Drittel der Themen im Programm zu viel Raum ein (angesichts des Titelbildes war ein gewisser Schwerpunkt vielleicht zu erwarten, doch das war mir dann doch zu dominant. Hundefans mögen das anders sehen.). Insgesamt hat mich Martina Brandl mit ihrem Buch leider nicht erreicht.

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Veröffentlicht am 30.08.2024

Spannender und atmosphärischer Krimi

Das Diamantenmädchen
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Berlin, Herbst 1926. Die Protagonistin Lilli Kornfeld, 27 Jahre alt und Journalistin bei der "Berliner Illustrirten" gerät unversehens in die Mordermittlungen um einen Toten, bei dem ein Rohdiamant gefunden ...

Berlin, Herbst 1926. Die Protagonistin Lilli Kornfeld, 27 Jahre alt und Journalistin bei der "Berliner Illustrirten" gerät unversehens in die Mordermittlungen um einen Toten, bei dem ein Rohdiamant gefunden wird. Welche Rolle spielt ihr Jugendfreund Paul, der Diamantenschleifer, und wieweit kann sie Kommissar Schambacher vertrauen?

Ewald Arenz erzählt abwechselnd aus den Perspektiven von Lilly und Dr. Schambacher. In Rückblenden erfahren die Leser/innen mehr über Lillis Jugendjahre. Der Schreibstil ist intensiv, bildhaft und lebendig, und ich kann sofort in die Atmosphäre der 20er Jahre eintauchen und sehe die mondänen Bars und Clubs, die Mode und Leuchtreklamen vor mir, auf den Straßen herrscht reges Treiben, Pferdefuhrwerke, Droschken und Automobile sind unterwegs. Politisch ist die Situation angespannt, die Niederlage des Ersten Weltkrieges und die Reparationszahlungen lasten schwer auf der jungen Republik, der Nationalsozialismus wirft seine Schatten voraus.

Ewald Arenz zeichnet ein stimmungsvolles Bild des herbstlich-regnerischen Berlin, in dem die durchbrechenden Sonnenstrahlen für faszinierende Lichtspiele sorgen - passend zum Funkeln der Diamanten, die das Licht tausendfach brechen und reflektieren.

Der Fall entwickelt sich spannend, und auch wenn ich bezüglich bestimmter Personen sehr schnell den richtigen Riecher hatte, hat mich die Geschichte bis zur letzten Seite gefesselt.

Ewald Arenz verwebt historische Figuren wie den berühmten Kriminalrat Ernst Gennat, Wegbereiter der modernen Kriminalistik, oder den Staatssekretär Carl von Schubert geschickt mit einem spannenden Mordfall. Auch die realen Ullstein Zeitungsverlage mit ihrem charakteristischen Auslieferungs-LKW und das berühmte "Mordauto" der Berliner Mordkommission sorgen für Authentizität.

Fazit: Ein äußerst spannender und stimmungsvoller Krimi über das flirrende Berlin der 20er Jahre - unbedingt lesenswert!

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Hochaktuell und lesenswert

Fenster ohne Aussicht
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In "Fenster ohne Aussicht" beschreibt der israelische Schriftsteller Dror Mishani sein Leben unmittelbar nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dem ersten halben Jahr danach. Er lebt mit seiner ...

In "Fenster ohne Aussicht" beschreibt der israelische Schriftsteller Dror Mishani sein Leben unmittelbar nach dem Terrorangriff vom 7. Oktober 2023 und dem ersten halben Jahr danach. Er lebt mit seiner Frau, seinem Sohn und seiner Tochter im Teenager-Alter in Tel Aviv. Sehr offen und ehrlich schildert er seine Gedanken, erzählt von Ängsten, von Diskussionen mit der Mutter, dem Bruder, der Ehefrau, den Kindern, die das Geschehen teils unterschiedlich wahrnehmen und darauf reagieren. Sein Hang zur Literatur wird spürbar, wenn er Trost in Schriften und Büchern sucht. So zitiert er immer wieder mit dem Buch Ezechiel aus der Heiligen Schrift, und auch Homers Ilias zieht er regelmäßig zu Rate. Mishani meldet sich freiwillig zum Ernteeinsatz nahe Gaza, besucht die Mahnwache am "Geiselplatz", und denkt intensiv darüber nach, wie die Spirale der Gewalt enden kann. Er gibt einen seltenen unmittelbaren unf bewegenden Einblick in das Leben mit einer ständigen existenziellen Bedrohung und verliert hierbei doch nie auch das Leid auf der anderen Seite aus dem Blick.

Ein hoch aktuelles und sehr lesenswertes Buch!

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Die perfekte Reiselektüre!

Nachtzugtage
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In " Nachtzugtage" nimmt uns Millay Hyatt mit auf ihre zahlreichen Zugreisen quer durch Europa und bis nach Georgien, in die Türkei, nach Spanien, Paris, Bulgarien oder Schottland. Jede Reise besitzt ein ...

In " Nachtzugtage" nimmt uns Millay Hyatt mit auf ihre zahlreichen Zugreisen quer durch Europa und bis nach Georgien, in die Türkei, nach Spanien, Paris, Bulgarien oder Schottland. Jede Reise besitzt ein eigenes Kapitel und kann unabhängig von den anderen gelesen werden. Vorangestellt ist jeweils eine kleine Streckenzeichnung der Reiseroute.

Kurzweilig und eindrücklich schildert Hyatt ihre Erlebnisse und Begegnungen, verbindet ihre Gedanken mit passenden Zitaten aus ihrer Reiselektüre.

Meine letzte Zugfernreise ist schon viele Jahre her, und mit dem Nachtzug war ich zuletzt vor 25 Jahren unterwegs. Umso gespannter war ich auf Hyatts Buch. Ich habe einiges über die Kuriositäten des europäischen Bahnverkehrs, Anschlussprobleme und die aberwitzigen Schwierigkeiten internationaler Zugbuchungen erfahren, die mich beim Lesen den Kopf schütteln ließen. Entschädigt wird der bzw. die Reisende im Nachtzug durch einzigartige Landschaften, die am Fenster in der Dämmerung oder im Morgengrauen vorüberziehen, und die man in einem Zwischenzustand aus Wachen und Schlaf wahrnimmt, und die unterschiedlichsten Menschen, mit denen man für einige Stunden eine Schicksalsgemeinschaft bildet. Bei der Lektüre wurden alte Erinnerungen wieder wach, und ich konnte mich gut in Hyatt hineinversetzen. Eine äußerst unterhaltsame Lektüre, die zur Einstimmung auf eine Zugreise oder als Reiselektüre ganz hervorragend geeignet ist - oder ganz gemütlich auf Balkonien, fernab von Reisetrubel und Buchungschaos.

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Veröffentlicht am 27.08.2024

Eine warmherzige Freundschaftsgeschichte, herausragend illustriert

Mats und Mathilde 1. Eine große Freundschaft
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Wir lieben die Dachs-Naseweis-Reihe von Christian Wunderlich, und so waren wir natürlich gespannt auf die Abenteuer von Mats und Mathilde.

Der vorwitzige, liebenswerte Schwatz Mats Pieps, halb Schwalbe,  ...

Wir lieben die Dachs-Naseweis-Reihe von Christian Wunderlich, und so waren wir natürlich gespannt auf die Abenteuer von Mats und Mathilde.

Der vorwitzige, liebenswerte Schwatz Mats Pieps, halb Schwalbe,  halb Spatz, der unter Höhenangst leidet, und die herzensgute Vogelscheuche Mathilde bilden ein wunderbares Gespann, das sich zusammen auf eine abenteuerliche und fantastische Reise begibt.

Mats und Mathilde kommen hierbei an viele verschiedene fantastische Orte und lernen die unterschiedlichsten Wesen kennen. Sie halten stets fest zusammen und stehen füreinander ein, so dass sie spannende und auch gefährliche Abenteuer gemeinsam meistern können.

Die Geschichte  sprüht geradezu vor kreativer Einfälle. Ganz besonders schätze ich an Christian Wunderlich seinen Umgang mit Sprache und seine lautmalerischen Wortschöpfungen. Sein Stil ist so lebendig, wortgewandt und einfallsreich, dass es auch als Erwachsene großen Spaß macht, seine Bücher vorzulesen. Das ist in dieser Altersklasse leider nicht selbstverständlich.

Mit 250 Seiten ist das Buch für die Zielgruppe ab fünf Jahren ziemlich umfangreich, zumal es auch noch einen zweiten Teil geben wird, der die Geschichte fortsetzen wird (ab Frühjahr 2025). Insgesamt gefällt uns Dachs Naseweis noch etwas besser als "Mats und Mathilde", und das hat zwei Gründe: Zum einen hat "Mats und Mathilde" ein offenes Ende, das bei meinem jungen Zuhörer für viel Enttäuschung gesorgt hat. Nach einer so langen Geschichte erwartet ein kleines Kind eine Auflösung. Dass es Randthemen gibt, die im nächsten Band weiterverfolgt werden, ist kein Problem, aber für Kinder dieses Alters sollte der Kern der Geschichte abgeschlossen sein.

Zum zweiten habe ich den Eindruck, dass der Autor auch inhaltlich manchmal ein bisschen an der Zielgruppe vorbei geschrieben hat. Viele Wortspiele und Referenzen verstehen oft nur Erwachsene oder Jugendliche. So gibt es eine Figur mit dem etwas missglückten Namen "Der mit dem Wolf tanzt". Da diesen Film kein Kind kennt, mutet er sehr merkwürdig an (und trotz Filmkenntnis erschließt sich auch mir die Namenwahl nicht). Eine "Warsagerin" (ohne h!), die in die Vergangenheit sieht, wird mit "nicht nur perfekt, sondern auch Plusquamperfekt" beworben - ein augenzwinkernder Sprachwitz, der von den wenigsten Kindern verstanden werden dürfte. Dasselbe gilt für die Anspielung auf Nahrungsmittelunverträglichkeiten durch die Großmutter-Intoleranz des kleinen Wolfes oder die Halbwissen verbreitende Vicky Pedia. In der Spielestadt wählt der Autor Spiele wie Monopoly oder Scrabble, die 5-Jährigen ebenfalls unbekannt sind. Stellenweise habe ich mich hier besser amüsiert als mein Kind. Insgesamt würde ich die Altersklasse eher mit 6-9 Jahren angeben und das Buch Kindern empfehlen, die sich schon gut konzentrieren können und die Ausdauer für eine lange Geschichte mitbringen.

Besonders hervorheben möchte ich die unglaublich tolle und reichhaltige Gestaltung des Covers und des  Buchinneren. Anne Hofmann hat viele wunderbare Bilder in warmen und leuchtenden Farben entworfen, die die Geschichte perfekt ergänzen. Alle Illustrationen sind doppelseitig, und die  Schriftfarbe ist passend hierzu gewählt. Das reinweiße Papier ist etwas dicker, und der Buchblock ist fadengeheftet - eine Seltenheit heutzutage im Kinderbuchbereich. Durch diese hochwertige Ausstattung ist das Buch ein echter Hingucker und eignet sich auch hervorragend als Geschenk.




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