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Veröffentlicht am 23.10.2023

Sehr vielversprechender und spannender Auftakt

Schule der Meisterdiebe
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Eine Schule für Meisterdiebe, auf der man professionelles Täuschen, Stehlen, Schlösserknacken lernt, und das als Jugendbuch? Ich war zunächst skeptisch, ob ich das wirklich als geeignet für meinen Sohn ...

Eine Schule für Meisterdiebe, auf der man professionelles Täuschen, Stehlen, Schlösserknacken lernt, und das als Jugendbuch? Ich war zunächst skeptisch, ob ich das wirklich als geeignet für meinen Sohn ansehen sollte, doch die Geschichte hat mich absolut überzeugt. Die Schule verfolgt einen Robin-Hood-Ansatz, der das Gaunern nur erlaubt um zu überleben oder wenn hierdurch geschehenes oder bestehendes Unrecht wieder aufgehoben wird.

Den 13jährigen Protagonisten Gabriel Avery schloss ich sofort ins Herz. Generell gefiel mir die Figurenzeichnung im Buch sehr gut. Die Charaktere sind vielschichtig angelegt, und einige lassen Geheimnisse erahnen. Ob ehrgeizige Einzelkämpferin, tollpatschige Techniknerds im Doppelpack oder stilles Kletterass - alle haben ihre Ecken und Kanten, bringen Farbe in die Geschichte und wachsen zusammen.  Denn: "Allein kann man außergewöhnlich werden, zusammen unaufhaltsam."

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm zu lesen, uns bereits nach wenigen Seiten war ich vollends in die Geschichte abgetaucht. Ein bisschen erinnert das Setting an die klassischen Internatsgeschichten, die seit Jahrzehnten erfolgreich sind und die ich schon in meiner eigenen Jugend liebte, jedoch mit einem wirklich aussergewöhnlichen Hintergrund und einer guten Portion Spannung. Als wohltuend empfand ich angesichts der Flut an Fantasy-Geschichten, dass dieses Buch in der realen Welt spielt.

Der Autor entwirft eine komplexe Geschichte mit mehreren losen Enden und vielen Andeutungen, wobei sehr schnell klar ist, dass nicht alle in diesem Buch aufgelöst werden können, und offenbar eine Fortsetzung oder gar eine Reihe geplant ist. Dennoch ist das Buch in sich rund und ein wichtiger Handlungsstrang wird abgeschlossen, so dass das Buch zwar einen Folgeband andeutet, aber nicht "mittendrin" mit einem Cliffhanger endet.

Fazit: J.J. Arcanjo hat mit der Schule der Meisterdiebe eine wirklich fesselnde und ideenreiche Geschichte geschrieben, die eine perfekte Mischung aus Internatsleben und Spannung bietet. Ich freue mich jetzt schon richtig auf die Fortsetzung und bin gespannt, wie es mit Gabriel und seinen Freunden weitergeht.

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Veröffentlicht am 23.10.2023

Ein schmerzhafter Roman über Kindheitstraumata

Endstation Malma
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"Endstation Malma" war mein erster Roman von Alex Schulman, und schon die Leseprobe hat mich sehr berührt. Auf kunstvolle Weise verbindet Schulman erzählerisch meisterhaft Vergangenheit und Gegenwart der ...

"Endstation Malma" war mein erster Roman von Alex Schulman, und schon die Leseprobe hat mich sehr berührt. Auf kunstvolle Weise verbindet Schulman erzählerisch meisterhaft Vergangenheit und Gegenwart der Protagonisten Harriet, Oskar und ihrer gemeinsamen Tochter Yana miteinander, die alle zu unterschiedlichen Zeiten auf der Zugstrecke von Stockholm nach Malma unterwegs sind. Den meisten Raum nimmt Harriets Geschichte ein, die wir als Kind, Ehefrau und Mutter erleben. Über die Bahnfahrten gewinnt man Einblick in die Gedankenwelt der Figuren, ihre Träume und Traumata, und erfährt von einschneidenden Erlebnissen, die teils jahrzehntelang nachwirken.

Der Schreibstil ist eindringlich, lebendig, emotional, und ich konnte mich schnell in die Figuren einfühlen und mit ihnen mitleiden. Die Grundstimmung ist düster, das Ehepaar hat sich auseinandergelebt, Harriet kämpft zeitlebens mit ihren Traumata aus der Kindheit, die sie auch als Mutter gegenüber Yana blockieren. Schulman zeigt, wie negative Erfahrungen aus der Kindheit ein ganzes Leben prägen können, wie sie unsere Fähigkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, blockieren und und sich auch über Generationen hinweg fortsetzen. Das ist teilweise schmerzhaft zu lesen, und das Buch hat mich stellenweise sehr mitgenommen, so dass ich öfter innehalten und eine kurze Pause einlegen mußte.

Dieser Roman wird mir - auch als Mutter und Tochter - sicherlich noch sehr lange im Gedächtnis bleiben. Schulman hat mich inhaltlich und stilistisch beeindruckt, und ich werde auf jeden Fall auch seine bisherigen Bücher lesen. Endstation Malma möchte ich unbedingt weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Hatte mir mehr erwartet

Das Vampirtier und die Sache mit den Tomaten
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Von der Autorin kennen mein Sohn und ich bereits die "Detektei für magisches Unwesen", die uns sehr gut gefällt, und so waren wir auf das Vampirtier gespannt.

Emma wünscht sich zum 8. Geburtstag sehnlichst ...

Von der Autorin kennen mein Sohn und ich bereits die "Detektei für magisches Unwesen", die uns sehr gut gefällt, und so waren wir auf das Vampirtier gespannt.

Emma wünscht sich zum 8. Geburtstag sehnlichst einen Hund, doch ihr Papa ist strikt dagegen.  Stattdessen zieht an diesem Tag seine neue Freundin mit ihren beiden Jungs bei ihm und Emma ein. Da alle drei Hundeliebhaber sind, kapituliert Emmas Papa bald und ein kleiner Vierbeiner darf einziehen. Dieser kommt aus dem rumänischen Tierschutz und verhält sich so ganz anders als erwartet...

Leider konnte mich die Geschichte nicht überzeugen. Alles wirkt etwas unrund und sehr oberflächlich. Das Zusammenziehen der beiden Erwachsenen und ihrer Kinder läuft ohne Konflikte ab, die Internet-Anzeige für den Hund aus Rumänien ist auf deutsch und so seltsam formuliert, daß niemand diesen Hund nehmen würde, das Auftauchen von Dracula scheint die Kinder wenig zu schockieren, und die Sache mit der Villa am Ende würde jeden Erwachsenen stutzig machen. Die Figuren wirken eindimensional, die böse Vermieterin platt und stereotyp, die Sache mit den Riesentomaten im Gewächshaus überzogen. Alles in allem für uns leider enttäuschend.

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Wunderbar illustriert!

Biblioteca Obscura: Frankenstein
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Auch wenn ich mich normalerweise nicht aufgrund des Covers für ein Buch entscheide, hat mich die Aufmachung von "Frankenstein" sofort angezogen. Das schaurig-schöne Titelbild mit dem Herz, das in einer ...

Auch wenn ich mich normalerweise nicht aufgrund des Covers für ein Buch entscheide, hat mich die Aufmachung von "Frankenstein" sofort angezogen. Das schaurig-schöne Titelbild mit dem Herz, das in einer regnerischen Nacht quasi wie durch einen Blitz zum Leben erweckt wird, gefällt mir richtig gut.

Martin Minor hat diese Schmuckausgabe ganz wunderbar illustriert. Neben kleinen Zeichnungen in Schwarz und Weiß, die in die Textseiten integriert sind oder ganzseitig mit grau-blauem Hintergrund dargestellt werden, enthält das Buch viele ganzseitige, sehr detaillierte Illustrationen des Künstlers, die sich in verschiedener Farbgebung wiederholen - neben schwarz-weiss in schwarz-rot und schwarz-sepia. Besonders die schwarz-roten Varianten gefallen mir sehr gut. Marcin Minor ist es hervorragend gelungen, die unheilvolle und schaurige Atmosphäre der Geschichte in seinen Bildern einzufangen.

Jedes Kapitel beginnt mit einem großen Initial, die Seitenzahlen werden von zwei kleinen Ranken flankiert. Immer wieder werden einzelne Textseiten oder kleinere Textpassagen ganzseitig
auf farbigem Hintergrundmuster gedruckt. Dieses erinnert an die Verästelung von Blutgefäßen im Körper und ist ebenfalls in schwarz-weiß, schwarz-rot, schwarz-sepia und schwarz-blau gehalten.

Der Inhalt des wohl weltweit berühmtesten Schauerromans, den Mary Shelley 1818 mit gerade einmal 21 Jahren veröffentlichte, dürfte allgemein bekannt sein. Mich fasziniert daran vor allem, wir aktuell dieser bis heute ist: Er gemahnt an die Gefahren, wenn sich der Mensch in den Wissenschaft als Schöpfer aufspielt, und an die Verantwortung des Menschen für seine Handlungen, zeigt, welche Folgen soziale Isolation, Ächtung und Ausgestoßensein haben kann, und was Hybris und Größenwahn anrichten.

Fazit: Die Schmuckausgabe aus der Reihe Biblioteca Obscura der arsEdition ist ein echter Blickfang, und sicher auch ein tolles Geschenk für Liebhaber klassischer Literatur.

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Veröffentlicht am 21.10.2023

Unfassbar gut!

Schatten – Das Portal (Schatten 2)
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"Das Portal" ist der zweite Band vom Timo Parvelas Schatten-Trilogie, und es geht nahtlos dort weiter, wo Band 1 endete. Sara und Pete begeben sich mit Humpf und Boris durch das Portal ins Weihnachtsland, ...

"Das Portal" ist der zweite Band vom Timo Parvelas Schatten-Trilogie, und es geht nahtlos dort weiter, wo Band 1 endete. Sara und Pete begeben sich mit Humpf und Boris durch das Portal ins Weihnachtsland, genannt Auroria, um dort ihre Schatten zu suchen. Es beginnt ein spannendes und mitreißendes Abenteuer, in dem viele Fragen, die Band 1 aufwarf, geklärt werden. Als Leserin erfährt man nun mehr über den Wichtelkrieg und seine Auslöser, die Schatten und die Rolle des Weihnachtsmannes. Während Band 1 auf mich teilweise etwas unrund wirkte, ist Band 2 aus einem Guss und gefällt mir noch besser. Die Geschichte bleibt düster und geheimnisvoll und hat uns total gefesselt. Wir konnten gar nicht aufhören und haben das Buch in einem Zug gelesen. Wie Band 1 endet auch dieser mit einem Cliffhanger, so dass wir nun ungeduldig auf den letzten Teil warten.

Unfassbar genial sind wieder Pasi Pitkänens düstere Illustrationen, die häufig eine komplette Doppelseite umfassen und sogar noch reichhaltiger ausgefallen sind als im bereits fantastisch ausgestatteten ersten Teil. Ein derartig aufwändig und detailliert illustriertes, durchgehend farbiges Jugendbuch hat absoluten Seltenheitswert und ist einfach wahnsinnig schön. Man spürt, mit wie viel Hingabe und Sorgfalt hier gearbeitet wurde. Mein Sohn und ich sind absolut begeistert von diesem Buch und freuen uns auf "Die Macht des Lichts" als Abschluss der Trilogie.

Fazit: Allen Leser
innen ab ca. 10 Jahren, die sich gerne gruseln, können wir die Schatten-Reihe von Parvela und Pitkänen rundum empfehlen!

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