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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.03.2023

Tolles, interessantes und schönes gestaltetes Buch!

Das erbarmungslos ehrliche Tagebuch der Rebella Rosin - Retterin der Seepferdchen
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Rebella ist 10 Jahre alt und sauer. Anstatt in den Ferien zocken zu können, schicken ihre Eltern sie zu ihrer Oma an die Küste, ohne Handy und Computer! Die Oma betreibt an der See eine Algenfarm, und ...

Rebella ist 10 Jahre alt und sauer. Anstatt in den Ferien zocken zu können, schicken ihre Eltern sie zu ihrer Oma an die Küste, ohne Handy und Computer! Die Oma betreibt an der See eine Algenfarm, und nach und nach findet Rebella Gefallen an der Unterwasserwelt und ihren Bewohnern, und lernt neue Freunde kennen.

Das Buch ist in Tagebuchform geschrieben und sehr liebevoll gestaltet. Gleich zu Beginn des Buches findet man eine sehr schön gestaltete Karte von Wellenstadt, und die Tahebuchseiten sind mit witzigen Zeichnungen illustriert. Einige Wörter in den Einträgen sind etwas größer, fett und einer anderen Schriftart gedrückt und werden dadurch besonders betont, so dass sie Rebellas Gefühlslage toll unterstreichen. Ein Highlight sind die dunklen Seiten bei Nacht, das habe ich zuvor noch bei keinem anderen Buch gesehen!

Der Schreibstil ist typisch für eine pubertäre Jugendliche, rebellisch (nomen est omen), aufmüpfig und zuweilen altklug. Es wirkt sehr lebendig, und wir hatten sie während des Lesens lebhaft vor Augen.
Besonders gut gefiel mir die außergewöhnliche Thematik der Unterwasserwelt und der Algenfarm. Ganz nebenbei und geschickt wurden Umweltschutz und die Müllproblematik miteingeflochten, sodass bei den jungen Lesern ein Bewusstsein für das fragile Ökosystem der Meere und dessen Gefährdung durch unsere Lebensweise entsteht ohne aufdringlich oder belehrend zu wirken.

Am Ende des Buches finden sich als i-Tüpfelchen noch Rätsel, Tipps und weitere Informationen. Für meinen Sohn und mich ist das Buch rundum gelungen und wir können es nur weiterempfehlen!

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Veröffentlicht am 07.03.2023

Interessant und abwechslungsreich

Maß für Maß
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In "Maß für Maß" widmet sich der renommierte italienischen Physikprofessor Martin Piero den Einheiten Meter, Kilogramm, Sekunde, Ampere, Kelvin, Mol und Candela. Anhand dieser sieben SI-Einheiten ist alles ...

In "Maß für Maß" widmet sich der renommierte italienischen Physikprofessor Martin Piero den Einheiten Meter, Kilogramm, Sekunde, Ampere, Kelvin, Mol und Candela. Anhand dieser sieben SI-Einheiten ist alles meßbar, sie bilden die Grundlage moderner Wissenschaft und ohne sie wären unser Leben und unsere Zivilisation nicht denkbar.

Da ich selbst Naturwissenschaftlerin bin, war ich sehr gespannt auf dieses Buch. Normalerweise bin ich bei populärwissenschaftlichen Büchern zur Physik sehr skeptisch, da sie mir oft zu stark vereinfachen oder bemüht locker daherkommen. Martin Piero hingegen hat mich mit diesem Buch wirklich begeistert! Es gelingt ihm, fundiertes naturwissenschaftliches Wissen eingebettet in historische Zusammenhänge zu vermitteln, und gleichzeitig so verständlich, anschaulich, unterhaltsam und abwechslungsreich zu schreiben, dass ich das Buch gar nicht mehr weglegen wollte. 

"Maß für Maß" ist für mich eine echte Entdeckung, und ich möchte es allen empfehlen, die sich für Physik und Wissenschaftsgeschichte interessieren!

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Veröffentlicht am 01.03.2023

Ein berührender und fesselnder Roman

Als Großmutter im Regen tanzte
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Die Norwegerin Juni ist Mitte 30, als sie nach dem Tod ihrer Mutter Lilla ins Haus ihrer verstorbenen Großeltern Tekla und Konrad auf einer kleinen norwegischen Insel zurückkehrt, um es auszuräumen. Die ...

Die Norwegerin Juni ist Mitte 30, als sie nach dem Tod ihrer Mutter Lilla ins Haus ihrer verstorbenen Großeltern Tekla und Konrad auf einer kleinen norwegischen Insel zurückkehrt, um es auszuräumen. Die Beziehung zu ihrer Mutter war schwierig, und auch das Verhältnis zwischen Lilla und Tekla war belastet von Schatten aus der Vergangenheit, über die zeitlebens geschwiegen wurde. In den Habseligkeiten ihrer Mutter und Großeltern entdeckt Juni Fotos und Briefe, die sie dem Geheimnis ihrer Familie auf die Spur bringen, und sie beginnt, weiter nachzuforschen. Und je tiefer sie in Teklas Leben eintaucht, desto mehr lernt sie auch über sich selbst.

"Als Großmutter im Regen tanzte" wird parallel in zwei zeitlich versetzten Handlungssträngen erzählt: Der erste spielt in der Gegenwart und beschreibt mit Juni als Ich-Erzählerin ihr Leben und ihre Spurensuche in der Vergangenheit. Der zweite beginnt gegen Ende des 2. Weltkrieges in Norwegen und erzählt die Geschichte der junge Tekla.

Der Roman ist berührend und fesselnd geschrieben und zog mich ab der ersten Seite so sehr in seinen Bann, dass ich ihn nicht mehr aus der Hand legen konnte und ihn innerhalb eines Tages gelesen habe. Insbesondere der Handlungsstrang um Tekla hat mich richtig gepackt, der zweite um Juni ist etwas blasser und ein bisschen zu glatt. Die Geschichte hat mich insgesamt sehr nachdenklich gestimmt, zeigt sie doch, wie sich Traumata über Generationen fortsetzen können, und wie sehr unsere Identität auch vom Leben unserer Vorfahren geprägt ist, auch wenn wir uns dessen oft nicht bewusst sind.

Ich habe durch diesen Roman erstmals von den entsetzlichen Geschehnissen 1945 im ostdeutschen Demmin erfahren, und ich bin fassungslos, dass ich zuvor noch nie davon gehört hatte. Ferner thematisiert das Buch die teils lebenslange Ächtung norwegischer Frauen, die sich im zweiten Weltkrieg in deutsche Soldaten verliebten. Trude Teige greift damit zwei wichtige, aber bisher wenig beachtete Themen auf und bewahrt sie vor dem Vergessen. Sehr interessant ist in diesem Zusammenhang auch ihr Nachwort am Ende des Romans.

Der Autorin gelingt es, historische Details und Zusammenhänge geschickt in den Roman einzubinden und die Schmerzen, Verluste und Wunden der Norweger, Deutschen und Russen gleichermaßen begreiflich zu machen. Viele Stellen des Romans sind schmerzhaft zu lesen, und das sinnlose Leid, das Kriege zu allen Zeiten über die Beteiligten auf allen Seiten bringen, wird schonungslos offenbar.

Auch wenn der Roman stellenweise tieftraurig ist, bewahrt er sich Hoffnung und Trost durch den  Glauben an die inneren Stärke, die Freundschaft und Liebe.

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Veröffentlicht am 27.02.2023

Bitterböse Satire auf die Politikelite der DDR

Herr Aurich
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Die Erzählung "Herr Aurich" von Monika Maron entstand bereits 1982 in der DDR und wurde nun von Hoffmann & Campe neu herausgegeben.

Herr Aurich ist Parteifunktionär eines ungenannten Staates, bei dem ...

Die Erzählung "Herr Aurich" von Monika Maron entstand bereits 1982 in der DDR und wurde nun von Hoffmann & Campe neu herausgegeben.

Herr Aurich ist Parteifunktionär eines ungenannten Staates, bei dem es sich unverkennbar um die DDR handelt. Infolge eines Herzinfarktes wird Herr Aurich in ein Krankenhaus für verdiente Personen gebracht, und er deutet jede Geste als ein Vorzeichen darauf, dass er zu Höherem berufen ist. Er ist weniger um seinen Gesundheitszustand besorgt als um seine Stellung im System, denn "Oben war da, wo Aurich war." Je tiefer er in der Bedeutungslosigkeit, der namenlosen Masse, versinkt, desto mehr Genugtuung verschafft es ihm, gegen die zu treten, die noch schwächer sind, und desto stärker spürt er die Verantwortung des gesamten Staates auf seinen Schultern lasten...

Die Erzählung umfasst nur 65 Seiten, Monika Maron verdichtet jedoch sprachlich so pointiert, dass sie darin die Verlogenheit, die Ängste und den Opportunismus des politischen Apparates der DDR in ihrem Kern erfasst. Die feinen Klassenunterschiede werden zum identitätsstiftenden Merkmal in der Elite der klassenlosen Gesellschaft. Das Buch ist eine herrlich bitterböse, scharfzüngige Satire, und
allein die Beschreibung Herrn Aurichs beim Anziehen seiner Hose charakterisiert ihn in einem einzigen Satz so messerscharf, dass es ein reines Vergnügen ist, dies zu lesen.

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Veröffentlicht am 27.02.2023

Spannend und toll geschrieben

Schattenbruch
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"Schattenbruch" ist der 6. und finale Band der Münsterlandkrimis um die beiden Kommissare Maik Bertram und Heinrich Tenbrink. Tenbrink ist inzwischen pensioniert und Bertram wurde zum Hauptkommissar befördert. ...

"Schattenbruch" ist der 6. und finale Band der Münsterlandkrimis um die beiden Kommissare Maik Bertram und Heinrich Tenbrink. Tenbrink ist inzwischen pensioniert und Bertram wurde zum Hauptkommissar befördert. Bertram, der als Untermieter im Haus von Tenbrink wohnt, wacht eines Morgens benommen auf. Neben seinem Bett findet er den leblosen Körper seiner Geliebten, mit Würgemalen am Hals. Bertram gerät unter dringendem Tatverdacht und setzt zusammen mit Tenbrink alles daran, um seine Unschuld zu beweisen und den wahren Mörder zu finden.

Da der Fall in sich abgeschlossen ist, ist er auch problemlos lesbar, ohne die Vorgängerbände zu kennen, allerdings enthält er immer wieder Anspielungen auf frühere Fälle, die für Fans der Reihe eine besondere Freude sind und das Ende der Reihe sehr schön abrunden.

Besonders gut gefiel mir, dass die Charaktere glaubhaft handeln und die gesamte Handlung unaufgeregt, aber abwechslungsreich und fesselnd ist. Sehr erfrischend fand ich die Mutter von Hauptkommissarin Isa, die für einige unterhaltsame Szenen sorgt und mich öfters zum Schmunzeln brachte. Da ich bisher zum Münsterland keinen Bezug hatte, freute ich mich über immer wieder eingestreute Worte im münsterländischen Platt und die Beschreibung regionaltypischer Eigenheiten.

Ich hatte viel Freude an diesem spannenden Fall und kann das Buch in jedem Fall weiterempfehlen!

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