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Veröffentlicht am 14.08.2025

ein starkes Debüt!

Wohin du auch gehst
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Bijoux ist zwölf Jahre alt, als sie 1993 zu Beginn des Studentenaufstandes aus Kinshasa zu ihrer Tante Mira nach London geschickt wird. Mira ist schweigsam, unnahbar, und auch zwölf Jahre später haben ...

Bijoux ist zwölf Jahre alt, als sie 1993 zu Beginn des Studentenaufstandes aus Kinshasa zu ihrer Tante Mira nach London geschickt wird. Mira ist schweigsam, unnahbar, und auch zwölf Jahre später haben die beiden noch keinen Draht zueinander gefunden. Als sich Bijoux in eine Frau verliebt, muss sie ihre Liebe geheim halten, denn Homosexualität gilt in der evangelikalen Kirchengemeinde, die den Mittelpunkt des Lebens der strengreligiösen Tante bildet, als „unafrikanisch“ und widernatürlich.

Christina Fonthes erzählt abwechselnd und auf verschiedenen Zeitebenen aus der Perspektive von Mira und Bijoux. Bijoux‘ Kapitel zeigen eindrücklich ihre Zerrissenheit zwischen Familie und Tradition einerseits und ihrem Wunsch, als lesbische Frau frei und selbstbestimmt leben zu können. Miras Geschichte, die im Jahr 1974 beginnt, offenbart Schritt für Schritt, wie aus dem einst fröhlichen und ausgelassenen Mädchen eine vermeintlich unerbittliche, strenge und gefühlskalte Frau wurde.

Ich liebe Romane mit Zeitsprüngen und Perspektivwechseln, und erzählerisch hat mir „Wohin Du gehst“ sehr gut gefallen. Bijoux und Mira sind glaubwürdige und vielschichtige Charaktere, in die ich mich gut hineinversetzen konnte und deren Handeln aus dem Kontext heraus für mich nachvollziehbar war, obwohl ich einen völlig anderen kulturellen Hintergrund habe.

Inhaltlich waren einige Entwicklungen für mich jedoch vorhersehbar, und der Schluss war mir ein bisschen zu dick aufgetragen. Sprachlich hat mich „Wohin Du gehst“ nicht ganz überzeugt, da sich einige Satzmuster recht oft wiederholten. So wird ein bestimmtes Parfum ganze siebenmal als „Mischung aus Vetiver, Lavendel und Moschus“ beschrieben, die honigfarbenen Augen zwei Personen werden neunmal hervorgehoben, Bijoux`“Zerfallen“ beim Liebesspiel achtmal. Auch die häufige Beschreibung diverser Kleidungsstücke, Frisuren und Gerüche hätte ich nicht gebraucht. Zum Ende hat sich noch ein kleiner Fehler eingeschlichen, da ein bestimmter medizinischer Test im Jahr 1982 erwähnt wird, der erst 1984 entwickelt wurde.

Fazit: Abgesehen von kleineren Kritikpunkten ein sehr lesenswertes Debüt!

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Veröffentlicht am 09.08.2025

Wenn aus Liebe Hass wird

Die Rosenschlacht
7

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine ...

Jonathan und Barbara Rose sind eine echte Vorzeigefamilie: Sie leben in einem großen Haus, das mit sorgfältig ausgewählten Antiquitäten eingerichtet ist, haben zwei liebenswerte Kinder und führen eine Bilderbuchehe. Geld ist im Überfluss vorhanden, Jonathan ist ein erfolgreicher Anwalt und Barbara gerade dabei, sich einen exklusiven Catering-Service aufzubauen. Beide zelebrieren ihr Glück auch nach außen. Als Jonathan eines Tages mit Verdacht auf Herzinfarkt in die Klinik kommt, eilt Barbara jedoch nicht zu ihm, sondern eröffnet ihm nach seiner Entlassung, dass sie die Scheidung will. Und das Haus. Doch Jonathan ist nicht bereit, das Haus aufzugeben, koste es, was es wolle. Und so beginnt ein nervenaufreibender Krieg, in dem mit immer härteren Bandagen gekämpft wird…

Das Buch „The War of the Roses“ von Warren Adler ist erstmals 1981 erschienen und wurde als „Der Rosenkrieg“ mit Michael Douglas, Kathleen Turner und Danny de Vito verfilmt. Der Film besitzt inzwischen Kultstatus. Anlässlich der Neuverfilmung mit Olivia Colman und Benedict Cumberbatch erscheint mit „Die Rosenschlacht“ eine Neuauflage des Romans.

Von Anfang hat mich die Handlung in ihren Bann gezogen und einen regelrechten Sog entwickelt, so dass ich das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen wollte. Jonathan und Barbara überbieten sich mit bösartigen Einfällen gegenüber dem jeweils anderen. Es zählt nicht mehr, selbst eine bestimmte Sache zu bekommen, sondern nur noch, dass der andere sie nicht erhält. Die Anwälte der beiden beobachten das Treiben aus der Distanz, untätig-amüsiert. Solange die Rechnungen bezahlt werden, ist ihnen das alles ziemlich gleichgültig.

Warren Adler schreibt herrlich überspitzt – sowohl, was den immer aberwitzigeren Krieg der Eheleute angeht, als auch in Bezug auf die beiden Anwälte. Während des Lesens ertappte ich mich dabei, dass ich eher auf Jonathans Seite war. Hier spürt man ein bisschen, dass das Buch von einem männlichen Autor verfasst wurde und ein Kind seiner Zeit ist. Heute würde die Schuldfrage wohl etwas differenzierter betrachtet werden, während bei Adler anklingt, dass Barbara aufgrund einer fixen Idee alles aufgibt, um sich selbst zu verwirklichen. Sie wirkt egoistisch, undankbar und streckenweise auch etwas naiv, was ihr Geschäft anbelangt.

Abgesehen davon hat mir der Roman sehr gut gefallen, und gerade die Zuspitzungen machen den besonderen Reiz aus. Auch wenn diese auf den ersten Blick überzogen wirken, treffen sie doch den Kern vieler oft jahrzehntelanger Streitigkeiten, ob unter Geschwistern, Eheleuten oder Nachbarn. Man kämpft verbittert gegeneinander, weiß oft schon gar mehr, was der ursprüngliche Grund war, und sinnt nur noch darüber nach, dem anderen das Leben schwer zu machen. Und die einzigen, die davon profitieren, sind höchstens die Anwälte. Insofern hält „Die Rosenschlacht“ auch der Gesellschaft den Spiegel vor und regt zu Nachdenken darüber an, wie wir miteinander umgehen und welchen Preis wir letztendlich dafür bezahlen.

Eine ganz klare Leseempfehlung und volle 5 Sterne!

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Veröffentlicht am 08.08.2025

Die Drei ??? als ältere Herren

Die Auferstehung
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In meiner Jugend habe ich die Folgen der Drei ??? rauf und runter gehört, und so war die Aussicht auf eine Erwachsenenversion der drei Detektive sehr verlockend.

Justus, Peter und Bob sind mittlerweile ...

In meiner Jugend habe ich die Folgen der Drei ??? rauf und runter gehört, und so war die Aussicht auf eine Erwachsenenversion der drei Detektive sehr verlockend.

Justus, Peter und Bob sind mittlerweile in ihren 50ern und haben sich, auch aufgrund eines tragischen Vorfalls, aus den Augen verloren. Eines Tages taucht plötzlich eine Frau wieder auf, die vor sieben Jahren im brasilianischen Dschungel bei einem Unwetter verschollen ist und für tot erklärt wurde. Da es sich hierbei um Tracy Hitfield, die Enkelin des legendären Albert Hitfield, handelt, dauert es nicht lange, bis jeder der drei auf die eine oder andere Weise mit dem aufsehenerregenden Ereignis zu tun bekommt, denn es gibt jemanden, der Zweifel daran hat, dass die Vermisste tatsächliche diejenige ist, für die sie sich ausgibt…

Der Werdegang von Justus, Peter und Bob in den letzten 30 Jahren ist glaubwürdig dargestellt, und auch, dass sich ihre Wege getrennt hatten, war für mich nachvollziehbar. Dass Freundschaften zerbrechen oder einschlafen, passiert oft genug. Die Erzählweise erinnert sehr an die Originalwerke, was vermutlich beabsichtigt ist, mich aber doch etwas gestört hat. Bei einem Roman für Erwachsene hatte ich einen etwas anspruchsvolleren Stil erwartet. Auch der Handlungsverlauf erinnert mich eher an ein Jugendbuch, da die Geschichte und die Charaktere sehr oberflächlich bleiben, die Wendungen vorhersehbar sind und insgesamt viel zu viele Zufälle eintreten, um plausibel zu sein. Echte Spannung kam beim Lesen leider nicht auf. In manchen Situationen fühlte ich mich auch ein bisschen an „Die Drei ??? und das leere Grab“ erinnert.

Arg breitgetreten wurden die Anfälle von Nostalgie und die Vergleiche zwischen der Technik von damals und heute, wenn sich die drei immer wieder wundern, was heute im Gegensatz zu früher alles möglich ist. Da hatte ich eher den Eindruck, diese wären Mitte 70 und nicht Mitte 50. Kurios klingt in einem Dialog auch der Satz „Das ist ein riesiges Gebiet, größer als Österreich“ angesichts eines amerikanischen Settings. Ich bezweifle, dass in den USA irgendjemand Österreich als Vergleichsmaßstab heranziehen würde. Er würde wohl eher South Carolina wählen.

So charmant ich die Idee finde, die Geschichte der Drei ??? als Erwachsene weiterzuführen, die Umsetzung in „Die Auferstehung“ konnte mich leider nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Kompakt und informativ

Die Altersformel
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In „Die Altersformel“ erläutert Prof. Martin Middeke kompakt und allgemeinverständlich die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zeigt auf, wie wir durch unsere Lebensweise aktiv ...

In „Die Altersformel“ erläutert Prof. Martin Middeke kompakt und allgemeinverständlich die wichtigsten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und zeigt auf, wie wir durch unsere Lebensweise aktiv unsere Durchblutung beeinflussen können. Bücher zu dieser Thematik gibt es einige, aber hier gefällt mir besonders gut, dass Prof. Middeke kurz und präzise auf den Punkt kommt und fundiert die für Laien wesentlichen Informationen vermittelt. Sehr positiv finde ich, dass der Autor hierbei auch immer wieder auf die Unterschiede zwischen Männern und Frauen eingeht. Einziger Kritikpunkt ist die etwas altbacken wirkende optische Aufmachung von Textsatz und Diagrammen.

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Veröffentlicht am 03.08.2025

Flucht aus der DDR - eine beeindruckende wahre Geschichte

Der Tunnelbauer
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2024 jährt sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend ...

2024 jährt sich die Gründung der beiden deutschen Staaten zu 75. Mal, und es sind genau 60 Jahre vergangen, seit durch den erfolgreichsten aller Fluchttunnel 57 Menschen in den Westen gelangten. Passend hierzu erscheint das Hörbuch "Der Tunnelbauer" von Maja Nielsen, in dem die bewegende Geschichte von Joachim (Achim) Neumann erzählt wird, der selbst kurz nach dem Mauerbau mit 18 Jahren in den Westen floh und am Bau mehrerer Fluchttunnel beteiligt war, unter anderem an dem erwähnten Tunnel 57.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive von Achim und seiner Freundin Christa, der Achim von Westberlin aus zur Flucht aus der DDR verhelfen möchte, erzählt. Im Hörbuch werden beide von unterschiedlichen Sprecher*innen dargestellt: Mio Lechenmeyer verstimmlicht Achim und Diana Gantner liest Christa. Beide haben eine sehr angenehme Stimme und ein gutes Sprechtempo, so dass ich ihnen sehr gerne zugehört habe. Ihr Vortrag lässt die Risiken einer Flucht, die dramatischen Umstände der Fluchttunnel und die emotionale Belastung und Anspannung aller Beteiligten lebendig werden. Besonders gut gefällt mir, dass der echte Achim Neumann am Anfang und Ende selbst zu Wort kommt (auch eine ganz tolle Stimme, ich hätte ihm gerne noch länger zugehört!). Im Nachwort erzählt er, was aus den realen Vorbildern der im Hörbuch erwähnten Fluchthelfer geworden ist (Alle im Hörbuch vorkommenden Personen hat es tatsächlich gegeben, aus Datenschutzgründen werden sie aber bis auf Christa und Achim nicht mit ihrem richtigen Namen genannt.). Dies rundet das Buch hervorragend ab.

Maja Nielsen hat den Inhalt perfekt auf eine jugendliche Zielgruppe ab ca. 14 Jahren abgestimmt. Geschickt verwebt sie Informationen über die ideologische Ausgangssituation in der DDR, das gesellschaftliche Klima und die Gefahren einer Republikflucht für den Flüchtenden und seine Angehörigen mit einer spannend erzählten Geschichte.

Fazit: Gleichzeitig lehrreich und sehr lebendig erzählt "Der Tunnelbauer" ein beeindruckendes Stück deutscher Geschichte. Ich möchte es jedem Jugendlichen und auch allen Lehrern der Mittel- und Oberstufe dringend ans Herz legen.

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