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Veröffentlicht am 06.12.2025

Ein leiser Roman, der laut nachhallt

Zwei Leben
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1971, ein Dorf in Süddeutschland:
Roberta kehrt nach ihrer Schneiderlehre auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie liebt die körperliche Arbeit und die Natur, doch tief in ihr lebt der Wunsch nach einem eigenen, ...

1971, ein Dorf in Süddeutschland:
Roberta kehrt nach ihrer Schneiderlehre auf den Hof ihrer Eltern zurück. Sie liebt die körperliche Arbeit und die Natur, doch tief in ihr lebt der Wunsch nach einem eigenen, selbstbestimmten Leben und dem Traum, Kleider zu entwerfen. Im Dorf allerdings zählen Disziplin, Arbeit und Tradition. Ihre Träume passen hier nicht ins Bild.

Dann gibt es da noch Wilhelm, den Pfarrerssohn, den Roberta liebt und wegen dem sie bleibt. Seine Mutter Gertrud hingegen leidet unter dem Landleben. Sie fühlt sich eingeengt, abgestempelt, unfrei. Nur Wilhelm hält sie zurück.

Als beide Frauen schwanger werden, stehen sie vor Entscheidungen, die ihr Leben nachhaltig beeinflussen könnten. Doch ein tragisches Unglück wirft beide auf völlig neue Wege und zwingt sie, sich selbst, ihre Wünsche und ihre Zukunft neu zu definieren.

„Zwei Leben“ von Ewald Arenz ist ein feinfühliger, leiser und unglaublich atmosphärischer Roman über Freiheit, Erwartungen und die Last familiärer Pflichten. Arenz schreibt mit einer beeindruckenden emotionalen Tiefe und zeigt zwei Frauen, die trotz vollkommen unterschiedlicher Sehnsüchte in derselben engen Welt um ihr Glück ringen.

Mit 368 Seiten ist er auch für den nächsten Urlaub perfekt fürs Handgepäck geeignet, egal ob auf dem Weg zum Skifahren oder an den Strand.

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Veröffentlicht am 06.12.2025

Ein Buch wie ein Spaziergang durch den Herbst

Falling Like Leaves
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Ellis will eigentlich an der Columbia University studieren und Journalistin werden, doch ihre Pläne zerbrechen, als ihre Eltern sich trennen und sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das kleine Städtchen Bramble ...

Ellis will eigentlich an der Columbia University studieren und Journalistin werden, doch ihre Pläne zerbrechen, als ihre Eltern sich trennen und sie gemeinsam mit ihrer Mutter in das kleine Städtchen Bramble Falls ziehen muss. Zwischen Kürbisdeko, herbstlich raschelnden Blättern und dem jährlichen Herbstfestival soll sie plötzlich mithelfen Events zu organisieren, statt an ihrer Zukunft zu arbeiten.
Der einzige Lichtblick: Cooper, der Junge, mit dem sie vor drei Jahren ihren ersten Kuss geteilt hat. Anfangs scheint er sich kaum an sie zu erinnern, doch schon bald knistert es zwischen ihnen stärker als jeder Harvest Spice Latte (Bramble Falls ist so klein, Pumpkin ist da Fehlanzeige). Während Ellis versucht, sich in diesem Kleinstadtleben zurechtzufinden, merkt sie, dass Bramble Falls vielleicht mehr für sie bereithält als gedacht.
„Falling Like Leaves“ hat für mich die perfekte Mischung aus Cozy Romance und Kleinstadt-Vibes getroffen. Die Geschichte versprüht so viel Herbst- und Winterstimmung, die unter anderem auch dich das tolle Design zum Ausdruck kommt. Bunte Blätter, Festivallicht, Cookies, warme Getränke, da kann man super eintauchen. Diese süße Second-Chance-Romance, die sich anfühlt wie ein Wohlfühlfilm an einem kalten Tag bekommen wir auf 352 Seiten zum dahinschmelzen geliefert.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Neuer Job. Neues Leben. Neuer Fall.


Das erkaufte Glück
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Lea Nielsen wagt einen Neuanfang in Ostfriesland und stolpert direkt in ihren ersten Fall: Die 19-jährige Maya ist verschwunden. Während Mayas Vater verzweifelt wirkt, bleibt die erfolgreiche Life-Coach-Mutter ...


Lea Nielsen wagt einen Neuanfang in Ostfriesland und stolpert direkt in ihren ersten Fall: Die 19-jährige Maya ist verschwunden. Während Mayas Vater verzweifelt wirkt, bleibt die erfolgreiche Life-Coach-Mutter eisig und verschlossen. Je tiefer Lea gräbt, desto mehr Widersprüche tauchen auf und parallel dazu muss sie sich um ihren demenzkranken Vater kümmern, der sie selbst einst im Stich ließ. Ein Vermisstenfall, der Lea beruflich wie privat an ihre Grenzen bringt. Autorin Anna Johannsen hat noch einen drauf gesetzt und Lea komplizierte neue Kollegen an die Seite gestellt, die die Sache auch nicht einfacher machen.

„Das erkaufte Glück“ ist ein stiller, atmosphärischer Krimi mit einer starken Ermittlerin, viel psychologischer Tiefe und einem Fall, der lange nachhallt. Ich finde ihn perfekt für Fans von ruhig aufgebauter Spannung, komplexen Familiengeflechten und authentischen Figuren.

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Veröffentlicht am 09.11.2025

Was passiert, wenn die Demokratie fällt?

2033
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Deutschland im Jahr 2033: Eine rechtsextreme Partei regiert das Land und das Grundgesetz steht kurz davor, abgeschafft zu werden. Die junge Anwältin Marie Wigand wird in einen historischen Prozess hineingezogen, ...

Deutschland im Jahr 2033: Eine rechtsextreme Partei regiert das Land und das Grundgesetz steht kurz davor, abgeschafft zu werden. Die junge Anwältin Marie Wigand wird in einen historischen Prozess hineingezogen, der über die Zukunft der Demokratie entscheidet. Während sie an der Seite ihrer Chefin für Gerechtigkeit kämpft, steht bald nicht nur das politische System, sondern auch ihr eigenes Leben auf dem Spiel.

Ich war absolut begeistert von diesem Buch. "2033" ist mitreißend, beklemmend und erschreckend realistisch. Es liest sich spannend von der ersten bis zur letzten Seite und konfrontiert einen beim Lesen immer wieder mit wichtigen Fragen über Demokratie, Verantwortung und Freiheit. Bijan Moini schafft es, hochaktuelle Themen in eine fesselnde Geschichte zu verpacken, die noch lange nachhallt.

Dieses Buch ist nicht sexy, es ist nicht schön und es ist nicht bequem. Hier haben wir einen intensiven und klugen Roman mit 336 Seiten, der einen nicht nur unterhält, sondern auch zum Nachdemken provoziert. Für alle, die Geschichten lieben, die relevant, packend und erschütternd realistisch sind. Lest es und lasst euch begeistern und hoffentlich auch zum kritischen Denken anregen.

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Veröffentlicht am 07.11.2025

Nordlichter und Nervenkitzel

Die verstummte Welt
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Norwegen, 2041
Die Menschheit steht kurz vor dem Kollaps. Eine außer Kontrolle geratene KI bedroht die Zivilisation, und nur ein verschlüsseltes Vermächtnis könnte sie aufhalten.
Als Henk die geheimen ...

Norwegen, 2041
Die Menschheit steht kurz vor dem Kollaps. Eine außer Kontrolle geratene KI bedroht die Zivilisation, und nur ein verschlüsseltes Vermächtnis könnte sie aufhalten.
Als Henk die geheimen Aufzeichnungen seines verstorbenen Großvaters findet, er war eines der frühen Mitglieder eines KI-Projekts aus dem Jahr 2026, erkennt er, dass darin ein Schlüssel liegt, um die Katastrophe vielleicht noch zu stoppen.
Gemeinsam mit seinem Mann und einer genialen IT-Spezialistin wagt er den letzten Versuch, das Unvermeidbare aufzuhalten.

Klingt nach einem spannenden KI-Thriller, allerdings war für mich der Einstig sehr abrupt. Anstatt die Bedrohung langsam aufzubauen, startet das Buch direkt mitten in der Apokalypse, ohne dass man versteht, wie es überhaupt dazu kam. Dadurch fehlt der Handlung am Anfang etwas Substanz und Nachvollziehbarkeit. Einige Szenen wirkten zudem unlogisch, etwa wenn die Protagonist:innen, die teilweise KI-Expert:innen sind, überrascht sind, dass die KI sie überwacht, während sie gleichzeitig weiterhin alle digitale Geräte nutzen.

Leider konnte mich "Die verstummte Welt" von Harry Knopf trotz seines hochaktuellen Themas nicht ganz überzeugen.

Sprachlich gibt es immer wieder Sätze, die deplatziert oder unfertig wirken. Manche Gedankensprünge lassen eher Verwirrung zurück als Spannung, und an einigen Stellen wirkt es, als hätte der Autor frühere Details im Verlauf der Geschichte vergessen. Das Spotlight, das anfangs noch eine Rolle spielt, verliert sich beispielsweise völlig.

Trotzdem ist die Grundidee spannend: die Auseinandersetzung mit den Gefahren einer übermächtigen KI, eingebettet in eine kalte nordische Atmosphäre. Wer Lust auf ein KI-Szenario mit düsterem Setting hat, könnte hier fündig werden, ich persönlich hätte mir jedoch mehr Tiefe, Logik und sprachliche Präzision gewünscht.

Mein Fazit: Eine interessante Idee mit viel Potenzial, das leider nicht ganz ausgeschöpft wurde.

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