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Skadi

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.06.2022

Großartig!

Wen der Rabe ruft
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Blue Seargent stammt aus einer Familie von Wahrsagerinnen – als einziges Mitglied kann sie weder Geister sehen, noch die Zukunft eines Menschen voraussagen. Bis sie mit ihrer Tante in der Nacht vor dem ...

Blue Seargent stammt aus einer Familie von Wahrsagerinnen – als einziges Mitglied kann sie weder Geister sehen, noch die Zukunft eines Menschen voraussagen. Bis sie mit ihrer Tante in der Nacht vor dem Markustag am Totenweg wartet, um die Namen derer, die im kommenden Jahr sterben werden, aufzuschreiben. Plötzlich sieht auch sie einen Geist: den Jungen, den sie mit ihrem Kuss umbringen wird …
Die Handlung selbst ist spannend gestaltet. Der Anfang hat es echt in sich und wirft zahlreiche Fragen auf. Danach wird es allerdings erst mal etwas zäher. Doch mit jeder Seite nimmt die Spannung wieder zu – für jede Frage, die beantwortet wird, werden mindestens zwei Neue aufgeworfen. Die Magie ist zwar von Anfang an Teil der Handlung, tritt aber erst in der zweiten Hälfte des Buches deutlich zu Tage. Durch die vielen aufgeworfenen Fragen, ergeben sich immer wieder spannende Wendungen, mit denen man kaum rechnet. Am Ende fügt sich jedoch alles äußerst schlüssig zusammen.
Der Stil entspricht dem typischen Jugendbuchstil, der vor einigen Jahren verbreitet war. Wer das nicht mehr gewohnt ist, wird ein wenig brauchen, um rein zu kommen, doch dann lässt er sich flüssig und angenehm lesen. Die Verbindung aus Drama und Humor lockert das Buch immer wieder auf, ohne es ins Lächerliche zu ziehen und ist eine angenehme Mischung.
Blue als Protagonistin ist gut ausgearbeitet und durchaus sympathisch. Wahrscheinlich ist sie sogar die „normalste“ in ihrer Familie, was auch daran liegen mag, dass sie keine eigenen Fähigkeiten besitzt. Deutlich interessanter als sie sind allerdings die Jungen rund um Gansey. Seine Besessenheit von bestimmten Themen ist teilweise schwer nachzuvollziehen – ganz im Gegensatz zu Blues anfänglicher Abneigung gegen ihn. Umgeben wird Gansey stets von Adam, einem sturen Jungen aus ärmlichen Verhältnissen, Ronan, der bei jeder Kleinigkeit durch die Decke geht und dem geheimnisvollen Noah, den man beim Lesen nur schwer greifen kann. Am interessantesten ist die Dynamik zwischen den vier Jungen. Gansey scheint sich um seine drei Freunde stets zu kümmern und die drei himmeln ihn (teilweise übertrieben) an. Untereinander kommen sie dagegen die meiste Zeit nicht besonders gut klar. Diese Dynamik zwischen den vier Jungen macht die Geschichte auch abseits der eigentlichen Handlung äußerst spannend.
Ebenso wie Blues Familie, die mit ihrer herrlich chaotischen Art die ganze Geschichte auflockert. Allerdings konnte ich die vielen Namen nicht ganz auseinander halten – insbesondere am Anfang war es schwierig, bei den Verwandtschaftsverhältnissen den Überblick zu halten. Dass sich keine der Frauen tatsächlich wie eine vernünftige Erwachsene verhält, macht das ganze nicht einfacher.
Für mich war „Wen der Rabe ruft“ das erste Buch von Maggie Stiefvater, wenngleich ich viel Positives über ihre Bücher gehört habe. Dieser Meinung kann ich mich inzwischen nur anschließen. Ein großartiges Fantasy-Jugendbuch, das mir wieder gezeigt hat, dass ich aus diesem Genre doch nicht rausgewachsen bin und damit durch und durch empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 29.05.2022

Großartiger Abschluss

Wir sind für die Ewigkeit
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Spanien ist endlich eine Demokratie! Das Franco-Regime, unter dem Lucía und ihre Familie so lange gelitten haben, ist Geschichte. Doch das Leben der Familie geht turbulent weiter – wird Lucía Agustín finden ...

Spanien ist endlich eine Demokratie! Das Franco-Regime, unter dem Lucía und ihre Familie so lange gelitten haben, ist Geschichte. Doch das Leben der Familie geht turbulent weiter – wird Lucía Agustín finden und mit ihm glücklich werden können? Wird es ein Wiedersehen zwischen ihnen und ihrer verlorenen Tochter Felicidad, die inzwischen eine eigene Familie hat, geben?
„Wir sind für die Ewigkeit – Berührung“ ist der letzte Teil der herzergreifenden Spanien-Saga aus der Feder von Astrid Töpfner. Vorab sollte man die anderen beiden Bände gelesen haben, um dem Geschehen folgen zu können, da die einzelnen Teile fest aufeinander aufbauen. Wie auch in den beiden Vorgänger-Bänden verfolgt das Buch das Leben von Lucía und ihrer Familie – insbesondere ihrer beiden Töchter Felicidad und Luz – über mehrere Jahre hinweg.
Der Schreibstil ist gewohnt bildhaft, mitreißend und unglaublich emotional. Dieses Buch kann absolut niemanden kalt lassen! Die Geschichte des Landes ist wieder geschickt in die Handlung miteingewoben. Der Fokus liegt dieses Mal weniger auf dem Franco-Regime (das ja vorüber ist) und dem Wiederstand, sondern vor allem auf den Frauenrechten, die etabliert werden wollen. Die Szenen, an denen das Unrecht, das den spanischen Frauen viel zu lange wiederfahren ist, deutlich gemacht werden, sind schockierend und machen unglaublich wütend. Aber sie tragen viel zum Verständnis der spanischen Geschichte bei.
Lucía ist nach wie vor eine bewundernswerte Kämpferin. Egal wie oft das Leben sie zurückwirft, steht sie wieder auf und versucht mit der neuen Situation, vor der sie steht, klarzukommen. Manchmal braucht es etwas Zeit, bis ihr das gelingt, doch es gelingt ihr immer wieder. Mit ihrem Mut und ihrem Glauben an das Richtige, setzt sie sich nicht nur für sich und ihre Familie, sondern auch für Fremde ein, die ihre Hilfe brauchen.
Auch Felicidad ist so eine Kämpfernatur – obwohl es bei ihr deutlich länger dauert, bis sie es schafft endlich wieder aufzustehen und die Suche nach ihren richtigen Eltern wieder aufzunehmen.
Luz verliert immer mehr von La Enfadada. Die Wut, die sie immer angetrieben hat, schrumpft zusammen. Die Szenen aus ihrer Perspektive waren für mich persönlich am schwierigsten zu lesen. Hat man am Ende von Band 2 noch das Gefühl, dass diese junge Frau definitiv ihren Weg gehen wird, so schwindet dieser Eindruck schnell.
Die Handlung knüpft relativ eng an den zweiten Band an und begleitet die Familie durch weiterhin stürmische Zeiten. Gefühlt gab es in diesem Band noch mehr Rückschläge für sie alle, sodass über allem etwas melancholisches und zugleich hoffnungsvolles schwebt. Die Atmosphäre, die die Symbiose aus Handlung Stil erschafft ist einzigartig und mitreißend und die angesprochenen Themen leider in manchen Teilen der Welt noch immer von höchster Aktualität.
Die gesamte Spanien-Saga ist nicht nur eine Familien- oder Romance-Trilogie, sie ist ein wichtiges Gesamtkunstwerk, das auf Ungerechtigkeiten aufmerksam macht, die schrecklichen Seiten des Lebens zeigt und einem beim Lesen dennoch Hoffnung macht, dass am Ende alles gut werden kann. „Berührung“ ist der durch und durch gelungene Abschluss dieser Trilogie, die ich nur jedem ans Herz legen kann, der gerne mit den Figuren mitfiebert und auf ganz große Emotionen steht.

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Veröffentlicht am 07.05.2022

Eine mutige junge Frau ...

Das Land, von dem wir träumen
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Das Land von dem wir träumen
Der erste Weltkrieg ist vorbei und Südtirol gehört plötzlich zu Italien. Die Menschen müssen sich an die neuen Machthaber anpassen und werden von diesen in ihrer Freiheit immer ...

Das Land von dem wir träumen
Der erste Weltkrieg ist vorbei und Südtirol gehört plötzlich zu Italien. Die Menschen müssen sich an die neuen Machthaber anpassen und werden von diesen in ihrer Freiheit immer weiter eingeschränkt. Die Deutsche Sprache wird verboten und ihr Gebrauch unter Strafe gestellt. Für Franziska Bruggmoser bedeutet das, dass sie nicht unterrichten darf.
Kurzerhand entscheidet sie, eine „Katakombenschule“ in einem abgelegen Turm auf den Feldern ihres Elternhofes zu gründen. Im geheimen unterrichtet sie dort Kinder in ihrer Muttersprache und bringt sich damit in Gefahr …
„Das Land von dem wir träumen“ ist der gelungene Auftakt der Familiensaga um die Bruggmosers und ihren Hof in Südtirol.
Der Schreibstil ist wundervoll atmosphärisch, wie man es von einem Historienroman erwartet. Besonders angetan haben mir es die Beschreibungen der Umgebung – der Dolomiten – die meine Sehnsucht nach Bergen immer wieder geweckt haben. Außerdem ist er locker und flüssig zu lesen, dass man förmlich durch die Kapitel fliegt. Angesichts der vielen Geheimnisse ist es insgesamt schwer, das Buch aus der Hand zu legen.
Die Figuren sind für mich ein wahres Highlight dieses Buches. Allen voran Franziska mit ihrem beeindruckenden Mut. Sie stellt sich immer wieder gegen die Zeichen ihrer Zeit, obwohl sie sich dem hohen Risiko bewusst ist. Auch abseits davon ist sie eine sympathische junge Frau, in die man sich gut hineinversetzen kann.
Ebenso wichtig wie Franziska ist Wilhlem der Knecht. Es dauert etwas, bis man beim Lesen Zugang zu ihm erhält – vor allem, weil Franziska ihm gegenüber in den ersten Kapiteln noch misstrauisch und distanziert ist. Doch je weiter die Geschichte voran schreitet, desto mehr lernt man seine guten Seiten kennen: treu durch und durch, selbst wenn er selbst darunter leidet. Und die Liebesgeschichte, die sich zwischen Franziska und ihm entwickelt ist einfach zauberhaft.
Auch viele andere Figuren sind hervorragend ausgearbeitet. In der Familie Bruggmoser spiegeln sich die unterschiedlichen Haltungen der damaligen Zeit wieder: Franziska, die rebelliert steht gegenüber ihrem Vater, der sich nun Luigi nennt, um bei den neuen Machthabern gut anzukommen. Von ihren vier Brüdern haben nur 2 den Krieg überlebt – der eine flüchtet sich in den Alkohol, der andere flüchtet aus dem Land. Und dazwischen ihre Mutter, die die meiste Zeit völlig neben sich steht.
Meine absolute Lieblingsfigur ist allerdings Franziskas beste Freundin Lea: sie ist absolut liebenswürdig und steht Franziska immer zur Seite – so eine Freundin kann sich nur jeder wünschen!
Abgesehen davon gibt es noch zahlreiche großartige Figuren, die hier zu nennen wären (Johanna und Josepha muss man einfach ins Herz schließen), aber das wäre an dieser Stelle alles zu ausführlich.
Die Handlung selbst ist durch und durch spannend. Die stetige Gefahr, Franziska könnte auffliegen, dazu noch die Geheimnisse, die alle mit sich herumtragen – das führt zu so manch spanender Wendung. Die Liebesgeschichte zwischen Franziska und Wilhelm entwickelt sich langsam. Für mich war dies eine willkommene Abwechslung zu vielen anderen Romanzen, bei denen sich die Liebenden schnell finden und dann wieder getrennt werden. Dazu kommen die vielen offenen Fragen zum Schicksal des Hofes, an dem Franziska so hängt und den ihr alkoholabhängiger Bruder erben soll – denn dass sie als Frau übernimmt ist in diesen Zeiten scheinbar noch undenkbar.
Darüber hinaus erfährt man in jedem Kapitel mehr über die wechselhafte und dramatische Geschichte Südtirols. Wer sich dafür interessiert, ist bei diesem Buch genau richtig!
Insgesamt ein rundum gelungener Reihenauftakt für alle Fans von Historienromanen. Das Printbuch erscheint zwar relativ dünn, dies liegt aber am Papier – die Geschichte ist trotzdem lang „genug“ (außer man verliert sich so sehr in der Geschichte wie ich, dann kann man gar nicht genug davon bekommen). Ich freue mich jedenfalls schon auf den zweiten Band!

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Veröffentlicht am 24.04.2022

Packender Krimi

Neben wem du erwachst
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Louise Reakes ist es gewohnt verkatert und verschwitzt aufzuwachen. Doch in dieser Nacht ist etwas anders, denn der Mann, der neben ihr im Bett liegt ist nicht ihr Ehemann. Und noch viel schlimmer: er ...

Louise Reakes ist es gewohnt verkatert und verschwitzt aufzuwachen. Doch in dieser Nacht ist etwas anders, denn der Mann, der neben ihr im Bett liegt ist nicht ihr Ehemann. Und noch viel schlimmer: er ist tot.
Ohne eine Erinnerung an die vergangene Nacht, versucht Louise die Spuren zu verwischen und legt die Leiche des Mannes in ihrem Garten ab. Doch schon bald führen alle Hinweise zu ihr als Täterin und Louise sieht sich mit einer Verhaftung konfrontiert.
„Neben wem du erwachst“ ist der dritte Band der Reihe um DCI Jonah Sheens und sein Team. Schon der erste Teil „Bis ihr sie findet“ konnte mich voll und ganz überzeugen – ich muss allerdings gestehen, dass ich mir versehentlich diesen dritten Band, statt des zweiten gekauft habe. Da die Fälle strikt voneinander getrennt sind, ist dies für die Haupthandlung allerdings überhaupt kein Problem. Neben den Fällen gibt es allerdings die übergreifende Handlung aus dem Leben des Ermittlerteams, bei dem man einige Zusammenhänge nicht ganz versteht, wenn man die vorherigen Teile nicht gelesen hat (wobei vieles soweit nochmal geschildert wird, dass man sich den Kontext zusammenreimen kann).
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Perspektive verschiedener Ermittler und Louise Reakes, wobei letztere vor allem in Form eines Briefs an ihren Ehemann Niall erfolgt. Diese Brief-Kapitel sorgen nicht nur für Abwechslung, sondern auch für Spannung. Sie geben einen Einblick in Louises Vergangenheit, ohne zu schnell zu viel zu verraten und charakterisieren ihr Umfeld nochmal aus einer anderen Perspektive, die teilweise stark von der des Ermittler-Teams abweicht.
Das Ermittlerteam ist sympathisch, vor allem, da sie offen ermitteln und bei jedem Schritt deutlich wird, wie wichtig es ihnen ist, den (richtigen) Täter zu finden. Allerdings bleibt das Verhältnis zu ihnen beim Lesen teilweise distanziert – insbesondere bei Jonah. Dafür lernt man Juliette Hanson und ihre dramatische Geschichte besser kennen. Die Angst, die sie vor ihrem Ex-Freund hat ergänzt sich als Handlungsstrang perfekt mit der Angst, die Louise Reakes vor fremden Männern und sich selbst empfindet.
Louise Reakes als Verdächtige ist eine ambivalente Figur. Durch die Brief-Kapitel erhält man einen direkten Einblick in ihre Gedanken- und Gefühlswelt und entwickelt dadurch so etwas wie Mitleid mit ihr. Gleichzeitig ist es schwer, sie mit ihrem Alkoholismus und als Verdächtige tatsächlich ins Herz zu schließen – was im Laufe der Geschichte aber immer weniger wird.
Ihre beste Freundin April sowie Nialls Ex-Frau dagegen wirken beide völlig überzeichnet. Letztere ist die klassische narzisstische rachsüchtige Ex, die nicht akzeptieren kann, dass ihr Ex mit seinem Leben einfach weitermacht. Aprils Verhältnis zu Louise ist dagegen auf vielen Ebenen eigenartig. Einerseits scheint sie sich nicht im geringsten um andere Menschen zu scheren, andererseits kümmert sie sich um Louise – auch wen sie sie dabei immer weiter mit sich in den Abgrund zieht.
Die Handlung hat es eindeutig in sich. Obwohl die Handlung in den Grundzügen relativ abgedreht klingt, ist alles in sich schlüssig und jedes Detail im Gesamtbild logisch verortet. Zunächst scheint der Fall für – zumindest aus Leser:innen-Perspektive – eindeutig: Louise hat den Mann mit nach Hause genommen und umgebracht. Nur das „Warum?“ scheint noch nicht geklärt. Doch im Laufe des Buches stellt sich immer wieder heraus, dass nichts und niemand so ist, wie es scheint und auf jede mögliche Erklärung folgt eine überraschende Wendung, sodass es bis zum Schluss spannend bleibt.
Der Schreibstil ist überwiegend nüchtern, wird allerdings an den richtigen Stellen atmosphärisch. Auch stilistisch unterscheiden sich die Ermittlungs- und Brief-Szenen voneinander. Während selbst dramatische Ereignisse während der Ermittlungen relativ nüchtern und distanziert beschrieben werden, kommen Louises Emotionen in ihrem Brief deutlich herüber.
„Neben wem du erwachst“ ist ein packender Krimi und eine gelungene Fortsetzung der Reihe. Wer den ersten Band mochte, sollte diesen Teil definitiv auch lesen!

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Veröffentlicht am 02.12.2021

Ein Buch, das süchtig macht

Das Chalet
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Erin arbeitet zusammen mit dem Koch Danny in einem Luxuschalet in den französischen Alpen. Ihre nächsten Gäste sind die wichtigsten Mitarbeiter des IT-Startups Snoop – eine Musik-App mit der man zur exakt ...

Erin arbeitet zusammen mit dem Koch Danny in einem Luxuschalet in den französischen Alpen. Ihre nächsten Gäste sind die wichtigsten Mitarbeiter des IT-Startups Snoop – eine Musik-App mit der man zur exakt selben Zeit wie andere Nutzerinnen deren Musik hören kann. Neun Personen sind angemeldet, doch zehn reisen an. Denn die ehemalige Assistentin und heutige Teilhaberin Liz wurde (mal wieder) vergessen.
Doch statt dass die Gruppe einen entspannten Urlaub genießen kann, wird schnell deutlich: hier liegt einiges im Argen. Eine der Geschäftsführerinnen startet einen Putsch gegen ihren Kollegen … und überlebt den ersten Ski-Tag nicht. Als das Chalet dann auch noch von einer Lawine überrollt wird, eskaliert die Lage endgültig.
Bevor die Geschichte „richtig“ losgeht, werden die wichtigsten Personen des IT-Startups (Geschäftsführer, Abteilungsleiter etc.) vorgestellt – im Stile einer Vorstellung, wie sie wohl auf der betreffenden Homepage erfolgt, unbedingt auf witzig getrimmt, wie es zu einem „hippen“ Startup passt. Diese kurze Vorstellung hilft zu Beginn die Figuren auseinander zu halten, ist gleichzeitig jedoch ein wenig verwirrend, weil weder Liz als ehemalige Mitarbeiterin, noch die Assitent
innen der Geschäftsführung erwähnt werden und dadurch in den ersten Kapiteln noch einige Namen mehr vorkommen. Darauf folgt ein „Zeitungsartikel“, der zeitlich allerdings nach der Geschichte steht und die Berichterstattung über die Ereignisse im Chalet widerspiegelt – zwar werden Informationen nur rar gesät und ein Rückschluss auf potenzielle Täter ist nicht möglich. Dafür wird leider verraten, wie viele Menschen sterben, was ab einem gewissen Punkt etwas die Spannung herausnimmt. Gemeinsam mit der Anfangs verwirrenden Fülle an relevanten Personen (irrelevante Personen gibt es in diesem Buch so gut wie nicht), sind das allerdings die einzigen (kleinen) Makel, die die Geschichte aufweist.
Erzählt wird die Geschichte abwechselnd aus Perspektive der ehemaligen Mitarbeiterin und Teilhaberin Liz und der Leiterin des Chalets, Erin. Beide wirken zunächst sympathisch, jedoch wird deutlich, dass sie – wie auch alle anderen Figuren – ihre Geheimnisse aus der Vergangenheit haben. Besonders interessant ist die Gruppendynamik zwischen den Snoop-Leuten. Insbesondere das Verhältnis zwischen den beiden Geschäftsführern Eva und Topher, deren Konflikt Auswirkungen auf die gesamte Gruppe hat.
Sie alle sind detailliert ausgearbeitet, haben ihre Stärken und Schwächen und wirken dadurch lebendig. Und was für einen Krimi/ Thriller noch wichtig ist: sie haben alle ein Motiv. Damit entwickelt sich das Buch rasch zu einem klassischen „Whodunit“-Krimi, der es echt in sich hat und lange Zeit äußerst spannend bleibt.
Für mich war es das erste Buch von Ruth Ware. Von ihrem Stil bin ich nach der Lektüre voll überzeugt. Schnörkellos und doch atmosphärisch führt sie die Leser durch den Krimi. Und je kälter es im Chalet wird, desto düsterer wird auch die Atmosphäre – Gänsehaut beim Lesen mitinbegriffen.
Die Handlung selbst entwickelt zu Beginn langsam. Die Gruppenkonflikte werden offengelegt, ohne dass bereits zu viel verraten wird. Erst mit dem ersten Tod, kommt Fahrt auf – dann aber so richtig. Doch so sehr man sich durch das schlingen will, so aufmerksam sollte man lesen, wenn man das Rätsel um den Täter schon vor dem großen Finale lösen will. Immer wieder sind im Text kleine Hinweise versteckt, die man jedoch sehr leicht übersieht und sich teilweise erst später in ein stimmiges Puzzle einfügen.
Bis auf die beiden kleinen Makel, die ich zu Beginn genannt habe, ist „Das Chalet“ ein rundum gelungenes Buch – ein Krimi der Extraklasse, der mich mit jeder Seite mehr in seinen Bann gezogen hat und den ich jedem Krimi- und Thriller-Fan unbedingt empfehle! Für mich definitiv eines der Lesehighlight dieses Jahres.

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