Atmosphärisch, rätselhaft, düster!
Tod in SiebenbürgenDer Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein ...
Der Journalist Paul war seit Jahrzehnten nicht mehr in seiner Kindheitsheimat Rumänien, doch ein Brief, der einen verstörenden Verdacht in ihm aufkommen lässt, führt ihn zurück nach Siebenbürgen, in ein Dorf, in dem Zeit stehen geblieben zu sein scheint.
Das Rätsel um seine Familiengeschichte muss allerdings warten, da Sorin, Pauls Kindheitsfreund, wird zum Hauptverdächtigen in einem Mordfall: er soll einen Mann im “Dracula-Schloss” Bran getötet haben. Paul will helfen, aber er fühlt sich unbeholfen: es fällt ihm schwer, sich zu konzentrieren, denn seine rätselhafte Familiengeschichte beschäftigt ihn, er leidet unter Albträumen und seltsame Vorfälle häufen sich ...
Hinzu kommen die Unmengen an reichhaltigem Essen und Schnaps - Paul kann kaum jemanden ansprechen, ohne zum Essen mit anschließendem “Trinkgelage” eingeladen zu werden.
Ich hatte in meiner Kindheit viel mit Leuten, die aus Siebenbürgen stammen zu tun, und dieser Krimi, der ungemein viel greifbares Lokalkolorit enthält, rief Erinnerungen an die Namen, die Gastfreundschaft, das Essen (Nudeln mit Zucker & Mohn, rumänische Polenta, selbstgemachte Waffelsüßigkeiten, Paprika-Auberginenaufstrich) und die Bräuche wach.
Der Zusammenhang zwischen Siebenbürgen und dem Mythos “Graf Dracula” ist genau das, ein Mythos: Bram Stokers “Dracula” ist zwar von dem (aller Wahrscheinlichkeit nach) in Siebenbürgen geborenen Kriegerfürsten Vlad III inspiriert, doch er regierte bzw. lebte in der Walachei! Zudem ist das als “Dracula-Schloss” vermarktete Schloss Bran so etwas wie eine Touristenfalle, da Vlad III dort wohl nur einmal übernachtete, wenn überhaupt. Aber märchenhaft schön ist es allemal und seine Geschichte ist dennoch interessant.
„Tod in Siebenbürgen“ beschwört düstere wie idyllische Stimmungen herauf und erzählt warmherzig von der Geschichte der Region, den Leuten, Traditionen sowie einem Familiendrama und Verbrechen. Aberglauben, Armut und Diskriminierung einer bestimmten Bevölkerungsgruppe spielen auch eine Rolle ...
Dieser vielschichtige Regionalkrimi schreitet für meinen Geschmack zwar gemächlich voran, doch das hat mich kaum gestört: Das greifbare Lokalkolorit, die beklemmende Atmosphäre, der trockene Humor und die authentisch gezeichneten, interessanten Figuren wiegen die (mMn) langsam in Gang kommende Krimihandlung auf!
Uve Teschner erzählt wie immer großartig, er gilt nicht umsonst als einer der besten Hörbuchsprecher!!!