Profilbild von Snowcat

Snowcat

Lesejury Star
offline

Snowcat ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Snowcat über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.05.2025

Spannend, ergreifend, wendungsreich

Der dunkle Sommer
0

Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, ...

Ein Haus für einen Euro – da kann die deutsch-italienische Architektin Tilda nicht NEIN sagen. Die verfallene Villa auf Sardinien, in dem (fiktiven) Geisterdorf Botigalli in den Bergen, ist ein Projekt, in das sie all ihre Energie stecken will, denn: sie braucht nach einer traumatischen Erfahrung, die sie privat und beruflich erschüttert hat, einen Neuanfang.

Doch ihr neues Zuhause erweist sich nicht wie erwartet als wild romantisch, sondern gruselig: seltsame Vorfälle, feindselige Botschaften sowie vage Warnungen häufen sich ...

Nach und nach erfährt Tilda von den Horrormärchen, aber auch von den verstörenden historischen Fakten, die Botigalli ausmachen. Als Tildas jüngerer, leichtsinniger, abgebrannter Bruder um Asyl bittet, nimmt sie ihn widerwillig auf. Sie hilft ihm auf die Beine, in der Hoffnung, dass der chaotische Hausgast bald wieder verschwindet – und das tut er, allerdings unter rätselhaften Umständen.

Plötzlich scheint alles mit allem zusammenzuhängen: Die finstere Geschichte von Botigalli. Täter und Opfer von alten sowie neuen Verbrechen. weitrechender Verrat. Familiengeheimnisse. Lebenslügen. Und nur einer kann das Puzzle zusammensetzen ...

Der spektakulär atmosphärische, ausdrucksstarke Erzählstil, die hoch interessanten, teilweise undurchsichtigen, Figuren, die mysteriös unheilvolle Handlung sowie das Italien-Flair haben mich von Anfang an gepackt und nicht mehr losgelassen!!!

Erzählt wird aus drei Perspektiven: aus Tildas, aus der eines Investigativ-Journalisten und aus Francas, die in Botigalli im Jahr 1982 einen dunkelschwarzen Sommer erlebte.

Ich mochte Tilda sehr, sie ist tough, direkt, jedoch nicht barsch, sondern empathisch und sie geht die Dinge pragmatisch rational an, obwohl ihr das oft nicht leichtfällt. Der engagierte bis besessene Journalist Enzo war mir auch sympathisch, am tiefsten hat mich allerdings Franca bewegt. Botigalli, wo es 1982 zuging wie in archaischen Zeiten, war ein gefährlicher Ort für die emanzipierte, unerbittliche Franca, die für das einstand, was ihr wichtig war, die sich von NICHTS und NIEMANDEM einschüchtern ließ.

“Der dunkle Sommer” ist grandios und mMn das bisher beste Buch der Autorin!!! Die greifbar unheimliche Stimmung, die durch den schwül heißen Sommer verstärkt wird, die lebensechten, toll gezeichneten Charaktere, ihr Zusammenspiel, die abwechslungsreiche, clever aufgebaute, spannende, zutiefst erschütternde Handlung voller Überraschungen und die Wahnsinns-Auflösungen haben mich restlos begeistert!

Im Nachtwort wird erklärt, dass ein entsetzliches Handlungselemente (das infam frauenfeindlich ist, da es eine perfide Täter-Opfer-Umkehr darstellt bzw. die Opfer bestraft!!!), in Italien bis in die 1980er Jahre per Gesetz verankert war!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.05.2025

Ein mutiges Werk!

Das Geflüster
0

Die Nachbarschaft der Harlow Street trifft sich zu einem Gartenfest: Alle scheinen eine gute Zeit zu haben, doch das ist nur Fassade, unter der schönen Oberfläche brodelt es. Dann verliert die Gastgeberin ...

Die Nachbarschaft der Harlow Street trifft sich zu einem Gartenfest: Alle scheinen eine gute Zeit zu haben, doch das ist nur Fassade, unter der schönen Oberfläche brodelt es. Dann verliert die Gastgeberin die Fassung, sie schreit ihren neunjährigen Sohn wütend an, so dass alle es mitbekommen. Als er einige Zeit später aus seinem Kinderzimmerfenster fällt, machen Verdächtigungen die Runde, diese verwandelt sich schnell in Verurteilungen, der Skandal wird passiv aggressiv ausgeschlachtet. In der Harlow Street ist allerdings kaum jemand ehrlich, alle haben etwas zu verbergen ...

Es geht um vier unglücklich, verstörte Frauen, die mit ihren Rollen als Ehefrau und (verwaister) Mutter zu kämpfen haben. Eine geht in ihrer Mutterrolle auf, entwickelt jedoch Hass auf ihren Mann. Eine erträgt ihre Kinder nur in “homöopathischen” Dosen. Eine 82-jährige ist zutiefst verbittert. Eine ist einem Albtraum gefangen, aus dem sie lange nicht aufwachen will, weil sie glaubt, ihn in einen schönen Traum verwandeln zu können.

“Das Geflüster” ist wirklich einzigartig: packend, intensiv, psychologisch interessant, verstörend, vor allem mutig!!!

Der “Sinn” des Buches erschließt sich mir allerdings nicht. Mir ist klar, dass die “offene Struktur” höchstwahrscheinlich ein Stilmittel ist, für mich fühlt es sich dennoch irgendwie unvollständig an. Ich fand die eindringlichen Schilderungen von Verzweiflung, Obsession, (Selbst)Zerstörung, Wut und (Selbst)Hass interessant sowie bewegend, aber mir fehlt eine tiefere Botschaft bzw. ein übergeordneter Kontext.

Geht es darum, dass die meisten Menschen anscheinend mit naiven Vorstellungen in die Familiengründung starten? Dass sie die Hinweise drauf, dass Elternschaft große Herausforderungen mit sich bringt bzw. Opfer erfordert, nicht ernst genommen haben? Dass die Kluft zwischen Erwartung und Realität unvermeidlich zu Frust führen muss?

Oder geht um gesellschaftliche Strukturen, verinnerlichte veraltete Rollenvorstellungen etc., die es Frauen unmöglich machen sich nicht schuldig zu fühlen - entweder weil sie nicht ihrer Mutterrolle aufgehen, weil sie mehr wollen oder weil sie zu sehr darin aufgehen und keine weiteren nennenswerten Ambitionen haben?

Soll das Buch eine Warnung sein?

Ist die Vorstellung von einer guten Ehe UND harmonischen Familie, mit echter Lebensqualität, eine Illusion? Gibt es realistische Möglichkeiten, trotz scheinbar unvereinbarer Wünsche, alles unter einen Hut zu kriegen?

Oder ist es Sinn und Zweck, dass all diese Fragen aufkommen?

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.05.2025

Wenn das Paradies zum Albtraum wird

The Island - Auf der Flucht
0

Die Hotelmanagerin Lola muss Hongkong, ihren Job und Freund, überstürzt verlassen, weil sie in eine heikle Angelegenheit geraten war, die böse ausging – in mehrfacher Hinsicht ...

Ihr ehemaliger Vorgesetzter ...

Die Hotelmanagerin Lola muss Hongkong, ihren Job und Freund, überstürzt verlassen, weil sie in eine heikle Angelegenheit geraten war, die böse ausging – in mehrfacher Hinsicht ...

Ihr ehemaliger Vorgesetzter Moxham, der die chinesische Insel vor ihr verließ, um in der Karibik zu arbeiten, verschafft ihr allerdings direkt einen neuen Job: in dem Luxusresort, auf einer kleinen Privatinsel, das er leitet. Dort ist Lola dafür zuständig, die (zumeist lächerlichen) Probleme der verwöhnten Gäste freundlich lächelnd zu lösen. Doch kurz nach Lolas Ankunft taucht eine Leiche auf, und sie hat Grund zu der Annahme, dass es sich nicht wie allgemein angenommen, um einen Unfalltod handelt.

Lola begibt sich auf die Suche nach Antworten und obwohl Moxham ihr geraten hat, niemandem auf der Insel zu vertrauen, tut sie sich gezwungenermaßen mit einer Kollegin zusammen, um herauszufinden, was wirklich geschah. Sie stößt auf ein Motiv sowie jede Menge Verdächtige - zu viele! Zu allem Überfluss kommt ihr der Nachhall des Vorfalls, der sich in Hongkong ereignete, in die Quere und ihre Familie in London braucht sie.

Der locker leichte, amüsante Erzählstil ist von Anfang an mitreißend, die Figuren sind interessant bzw. herrlich undurchschaubar und die turbulente, abwechslungsreiche Handlung fesselt mit rätselhaften Begebenheiten, sich allmählich ergebenden Erkenntnissen, Gefahren sowie überraschenden Wendungen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 15.05.2025

Ich möchte 10 Sterne vergeben!

Die unsichtbare Hand
0

Kalifornien, Sommer 1975: In der Kleinstadt Ojai werden zwei Geschwister erstochen in ihrem Elternhaus aufgefunden und wenig später machen Gerüchte die Runde, dass der seltsame, wütende mittlere Bruder ...

Kalifornien, Sommer 1975: In der Kleinstadt Ojai werden zwei Geschwister erstochen in ihrem Elternhaus aufgefunden und wenig später machen Gerüchte die Runde, dass der seltsame, wütende mittlere Bruder Vincent sie bestimmt getötet hat. Der hat allerdings ein Alibi, weshalb der Doppelmord unaufgeklärt bleibt. Doch die Verdächtigungen und das Gerede hören nicht auf - wieso also ist er nie aus Ojai weggezogen? Warum hat er dort eine Familie gegründet? Weshalb hat seine Frau ihn und die damals 5-jährige Tochter verlassen?

Kalifornien, Sommer 2024: Die 44-jährige Ghostwriterin Olivia hat es gewagt einen erfolg- sowie einflussreichen Kollegen anzuprangern und bekommt seit einer ganzen Weile keine Aufträge mehr. In ihrer Verzweiflung tut sie etwas, das ihr zutiefst widerstrebt: Sie schreibt ein Buch für ihren Vater, mit sie eigentlich nichts zu tun haben will, weil er sie, als sie ihn am meisten brauchte, im Stich ließ

Ihr Vater war ein selbstsüchtiger Alkoholiker, ein erfolgreicher Horror-Autor und er ist der Mann, der als Teenager angeblich seine Geschwister erstochen hat. Olivia hat, trotz all seiner Fehler, nie daran geglaubt, dass er ein Mörder sein könnte. Ich finde es herrlich un-klischeehaft, dass Olivia den Kontakt zu ihm nicht abgebrochen hat, weil sie den Gerüchten glaubt, sondern weil er ein Ich-bezogener Alkoholiker war, der sie vernachlässigte.

Zwischen den beiden herrschte gut zwanzig Jahre Funkstille und als sie ihn besucht, um als Ghostwriterin für ihn zu arbeiten, nutzt sie den Aufenthalt in Ojai auch, um den Mord an seinen Geschwistern aufzuklären. Sie stoßt auf Dinge, die ihren Vater verdächtig wirken lassen, eventuelle Ermittlungspannen, toxische Verhältnisse, tiefe dunkle Abgründe - ein Labyrinth aus Geheimnissen, Lügen sowie fatalen Fehleinschätzungen ...

Die Handlung wird, absolut fesselnd!!!, auf zwei Zeitebenen erzählt: 2024 aus Olivias Sicht, 1975 aus der Perspektive ihres Vaters und der seiner damals 14-jährigen Schwester.

Olivias Nachforschungen und die Ereignisse von 1975 (vor & während der Mordnacht) nähern sich allmählich der Wahrheit an, lassen sich Zeit zu wirken - das gemächliche Tempo störte mich allerdings kaum, da die ausführlichen Schilderungen (von Gedanken, Personen, Situationen & der Umgebung) interessant sind sowie zur Atmosphäre beitragen. Durch die detailreichen Beschreibungen lernt man die faszinierenden Charaktere hautnah kennen und kann völlig in die Geschehnisse dieses genial ausgeklügelten Thrillers eintauchen!

“Die unsichtbare Hand” ist für mich das bisher beste Buch von Julie Clark! Die großartig gezeichneten, lebensechten Figuren bzw. die Dynamik zwischen ihnen, die grandios umgesetzte Gesellschaftskritik, das packende True-Crime-Flair, die eindrückliche “Ein-entsetzlicher-Albtraum-in-einer-idyllischen-Kleinstadt"- Stimmung, das Familiendrama, die Last der Geheimnisse und Lügen, die die Mordnacht sowie schließlich der Ruf von Vincent mit sich brachte bzw. bringt, die stetig steigende Spannung und natürlich die markerschütternde, brillante Auflösung - haben mich restlos begeistert!!!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.05.2025

Ein beklemmender, rasanter Thriller!

Die Lektorin - Ich schreibe dein Ende!
1

Die Lektorin Lilli erhält einen verstörendes Manuskriptauszug: in dem Text geht es um sie und ihre Familie, um sehr private Angelegenheiten, zudem scheint es, als sich hätte der Verfasser oder die Verfasserin ...

Die Lektorin Lilli erhält einen verstörendes Manuskriptauszug: in dem Text geht es um sie und ihre Familie, um sehr private Angelegenheiten, zudem scheint es, als sich hätte der Verfasser oder die Verfasserin Zugang zu ihrem Haus verschafft. Lilli tut, was sie kann, um ihre Familie und sich zu schützen, doch da die Polizei keine große Hilfe ist, ermittelt sie auf eigene Faust, geht dabei gezwungenermaßen einige Risiken ein. Weitere Manuskriptauszüge tauchen auf und es sieht so aus, als würde die Person, die sie terrorisiert, sie ständig beobachtet, mehr über ihre Familie wissen als sie selbst. Mit jedem neuen Text wird das perfide Katz-und-Maus-Spiel nervenaufreibender, zudem wird die Gefahr konkreter ...

Der lebendige Schreibstil reißt mit, die lebensechten Figuren sind interessant, die packende Handlung ist wendungsreich und die Enthüllungen bzw. Auflösungen sind erschütternd! “Die Lektorin” ist ein tolles Debüt und ein beklemmender, rasanter Thriller!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere