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Veröffentlicht am 15.01.2026

Angst, Trauer und Schuld um ein rätselhaftes Verschwinden

Middle of the Night
1

In einer Sommernacht vor dreißig Jahren verschwand der zehnjährige Billy aus dem Zelt, in dem er zusammen mit seinem besten Freund Ethan übernachtete.

Jetzt kehrt Ethan (aus verschiedenen Gründen) in ...

In einer Sommernacht vor dreißig Jahren verschwand der zehnjährige Billy aus dem Zelt, in dem er zusammen mit seinem besten Freund Ethan übernachtete.

Jetzt kehrt Ethan (aus verschiedenen Gründen) in sein Elternhaus zurück, wo er von Schlaflosigkeit und wiederkehrenden Albträumen geplagt wird. Außerdem gehen in dem Bilderbuchvorort von Princeton seltsame Sachen vor sich und er fragt sich, ob es eine Verbindung zu Billys Verschwinden geben könnte oder ob gar sein verschollener Freund zurückgekehrt ist – vielleicht als Geist?


Ethan versucht, den verstörenden Vorkommnissen auf den Grund zu gehen und herauszufinden, was die geheimnisvollen Geschehnisse, die sich damals vor Billys Verschwinden ereigneten, bedeuten könnten. Damals gab es beunruhigende Gegebenheiten, die er als Kind kaum verstand. Nun muss er erkennen, dass sein Umfeld (die Gegend, die Nachbarn & Nachbarinnen) nicht so ist, wie er dachte.



Der Erzählstil ist ausdrucksstark und herrlich düster-atmosphärisch, zudem fand ich den traumatisierten Protagonisten faszinierend, weil er trotz seiner Labilität mutig und stark ist, dennoch mehr existiert als lebt.

Erzählt wird auf zwei Zeitebenen (1994/heute) sowie aus verschiedenen Perspektiven. Die Geschehnisse und zwischenmenschlichen Dynamiken in der Vorstadtsiedlung sind fesselnd und facettenreich: ein geheimnisvolles Gebäude hinter dem Wald an einem See, problembelastete Kinder, Jugendliche und Eltern, eine Clique, die sich auf ein Abenteuer einlässt, verstörende Vorfälle im Vorort, Schuld, Scham – dann neue Ermittlungen …

Die unterschiedlichen Zeitebenen und Blickwinkel verweben sich zu einem mehrdimensionalen Mosaik, das absolut mitreißend ist. Die psychologisch interessanten Hintergründe der Figuren, die greifbar beklemmende Stimmung, die rätselhafte, vielschichtige Handlung und die erschütternden Enthüllungen haben mich (nahezu) restlos begeistert! Ich fand auch die herzerwärmenden Elemente am Rande wirklich gelungen!

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Veröffentlicht am 13.01.2026

Ich möchte 10 Sterne vergeben – Ein Buch für eine Nacht

Tödliche Tiefen
1

Kill me again, please – dieses Buch ist wie ein Best of seiner Thriller!

Der 28-jährige Damon ertrinkt: Unzählige Erinnerungen laufen wie Filmszenen vor seinen Augen ab. Da ist noch ein unbekannter toter ...

Kill me again, please – dieses Buch ist wie ein Best of seiner Thriller!

Der 28-jährige Damon ertrinkt: Unzählige Erinnerungen laufen wie Filmszenen vor seinen Augen ab. Da ist noch ein unbekannter toter Junge. Er wird wiederbelebt, doch das Trauma und die Vision verfolgen ihn. Seine Kindheitserinnerungen sind aufgrund einer entsetzlichen Erfahrung verloren gegangen und er ist überzeugt davon, dass der Junge eine wichtige Rolle spielt. Er wird zum Schatten seiner selbst und sein kompliziertes Liebesleben macht es nicht besser. Ihm wird klar, dass er erneut sterben und wiederbelebt werden muss, so oft, bis er die Bedeutung des Jungen herausfindet. Auf der Suche nach jemandem, der ihm dabei hilft, macht er sich eine skrupellose Feindin. Zudem bringt jede Todeserfahrung zwar neue Hinweise, allerdings auch neue Fragen sowie “Nebenwirkungen” mit sich. Er beginnt zusätzlich in der “realen Welt” in seiner Vergangenheit zu wühlen, doch je tiefer er gräbt, desto komplexer, verstörender und gefährlicher wird es …

Damons Sucht nach den Erkenntnissen, zu denen die Todeserfahrungen ihm verhelfen, und die heftigen Nachwirkungen haben mich an den Film “Flatliners” erinnert. Sein Leben wird zum Albtraum, Realität und Visionen verschwimmen, er wird immer obsessiver, überschreitet Grenzen, verhält sich (selbst)zerstörerisch …

Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven: Damon, seine Ex, seine Pflegemutter, eine mysteriöse Frau (John Marrs-Fans werden “begeistert” von ihr sein!) und eine überraschende Figur schildern ihre Sicht, hauptsächlich kommt jedoch Damon zu Wort.

Ich fand die Handlung psychologisch hochinteressant: Wer sind wir ohne bestimmte Erinnerungen? Wie sehr prägen sie uns? Wie sehr schaden oder bereichern sie? Und wie sehr bestimmen Erfahrungen, welche Anlagen zum Tragen kommen?

John Marrs hat es einfach drauf, die Faszination des Grauens in eine vielschichtige, tiefschürfende, fesselnde und plausibel wendungsreiche Geschichte zu packen!!!


“Tödliche Tiefen” ist ein weiteres Meisterwerk und gehört mMn zu seinen besten Büchern. Ich finde, es ähnelt eher seinen “älteren” Thrillern wie “The Vacation”, “Wenn Schweigen tötet” oder “Die gute Seele”. Hier stimmt einfach alles: der eindringliche Schreibstil, der Hauch von subtilem britischem Humor, die lebensecht wirkenden, faszinierend verstörenden Figuren, die originelle, unendlich düstere, nervenaufreibende, ausgeklügelte, überraschende Handlung voller moralischer Dilemmata und das verblüffende Ende!

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Veröffentlicht am 11.01.2026

Ich hatte das Hörbuch - Überraschend!!!

She’s Not Sorry – Du könntest die Nächste sein
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Für meinen Geschmack dauerte es ein bisschen zu lange, bis Spannung aufkam, doch nach einer Weile fand ich die Handlung wirklich packend. Eine Wahnsinns-Wendung (es gibt glücklicherweise mehrere) ist meiner ...

Für meinen Geschmack dauerte es ein bisschen zu lange, bis Spannung aufkam, doch nach einer Weile fand ich die Handlung wirklich packend. Eine Wahnsinns-Wendung (es gibt glücklicherweise mehrere) ist meiner Meinung nach wenig gelungen umgesetzt, sie trifft allerdings mit voller Wucht – und danach überschlagen sich die Ereignisse!

Die Erzählerin ist toll - sehr angenehm zu hören!

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Ein ausgeklügeltes Katz-und-Maus-Spiel

Das Böse nebenan
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Anna aus Südengland braucht einen Neustart und erhofft sich den in dem idyllischen nordenglischen Dorf St. Abel’s Chapel. Doch der Schein trügt - in dem friedlich anmutenden kleinen Ort häufen sich verdächtige ...

Anna aus Südengland braucht einen Neustart und erhofft sich den in dem idyllischen nordenglischen Dorf St. Abel’s Chapel. Doch der Schein trügt - in dem friedlich anmutenden kleinen Ort häufen sich verdächtige Vorfälle, zudem erfährt sie, dass in den letzten Jahren mehrere Jugendliche verschwunden oder verstorben sind. Als eine 15-Jährige um Hilfe bittet, beginnt sie, Fragen zu stellen, aber die verschiedenen Antworten, die auf Gerüchten, Spekulationen oder Beschönigungen zu beruhen scheinen, bringen mehr Verwirrung als Klarheit.

Der ausdrucksstarke, atmosphärische Erzählstil, die faszinierend verstörende Dynamik zwischen den Charakteren und die unheilvollen Andeutungen sind von Anfang an mitreißend!

Die Handlung entfaltet sich aus drei Perspektiven und auf zwei Zeitebenen: In der Gegenwart erfährt man aus der Sicht einer offenkundig niederträchtigen Person, wie sie sich selbst, ihren Nachbarn (einen Feuerwehrmann), die neu zugezogene Anna sowie ihre Bäckerei voller dekadenter Köstlichkeiten erlebt. Eineinhalb Jahre zuvor begleitet man eine Psychiaterin und ihren Patienten beim Evaluationsprozess: der 17-Jährige hatte einen aggressiven Ausraster in der Schule und soll auf seine Gefährlichkeit hin bewertet werden. Doch er spielt, nicht nur während der Sitzungen, äußerst gekonnt perfide Psychospielchen …

Die raffiniert passiv-aggressive Person beobachtet, lauscht und intrigiert – sie hat Hinterlist zur Kunstform erhoben, sie hat einen sechsten Sinn für die Schwächen anderer und lebt dafür Zwietracht und Chaos zu säen. Sie ist die reinste Karikatur einer toxischen Person und zugleich erschreckend lebensecht.

Ab einem gewissen Punkt wird erkennbar, wie die Handlungsstränge zusammenhängen könnten, und es geht es zunehmend um die suspekten Vorgänge im Dorf: Jeden Herbst reisen Hunderte an und versammeln sich für einige Wochen im Herrenhaus am See – wer sind diese Leute und was tun sie dort? Sie geben sich freundlich, aber zugeknöpft, und wenn man ihrem Territorium zu nahekommt, reagieren sie über. Die perfide Person, Anna sowie der Feuerwehrmann werden in die Angelegenheiten der mysteriösen Versammlung hineingezogen und lassen sich, aus verschiedenen Gründen, darauf ein …


“Das Böse nebenan” ist ein düsterer, rätselhafter, ausgeklügelter Pageturner mit Wahnsinns-Wendungen – mit einem Twist konnte ich leider wenig anfangen, weil ich persönlich kein Fan dieser Art Enthüllung bin. Das manipulative Miteinander, das von versteckten Motiven sowie Plänen geprägt ist, und das originelle Ende sind wirklich verblüffend.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Das Ende hat mir gar nicht gefallen

Nebelinsel
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Die Frau des Schriftstellers Grady wird vermisst; ihr verlassenes Auto wurde auf einer Klippe gefunden. Ein Jahr später trauert er immer noch; er kann nicht mehr schreiben und trinkt zu viel. Seine Agentin ...

Die Frau des Schriftstellers Grady wird vermisst; ihr verlassenes Auto wurde auf einer Klippe gefunden. Ein Jahr später trauert er immer noch; er kann nicht mehr schreiben und trinkt zu viel. Seine Agentin schickt ihn auf eine abgelegene schottische Insel, wo er in ihrem Ferienhaus auf andere Gedanken kommen und wieder schreiben soll. Doch schon bei seiner Ankunft wird er erschüttert, denn er sieht seine vermisste Frau - aber das kann nicht sein, oder? Merkwürdige Vorkommnisse häufen sich, dann überschlagen sich die Ereignisse …

“Nebelinsel” hat mich lange begeistert: Die greifbar düstere Atmosphäre, der scharfsinnige Schreibstil, der die Themen Ehe sowie Kinderkriegen von allen Seiten beleuchtet, die undurchsichtigen Charaktere und die vielschichtige, rätselhafte Handlung haben mich nonstop mitgerissen, fasziniert, gefesselt – ich habe das Buch in nur zwei Zügen verschlungen! Aber die Auflösung hat mich persönlich sehr enttäuscht, da ich sie als unglaubwürdig, konstruiert sowie bizarr empfand.

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