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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 07.09.2023

Raffiniert à la Agatha Christie

Mord im Christmas Express
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Die Handlung ist von Anfang an unheilvoll, rätselhaft und fesselnd!

Der Schreibstil ist lebendig, bildstark sowie eindrücklich - ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und mit den Figuren fühlen. ...

Die Handlung ist von Anfang an unheilvoll, rätselhaft und fesselnd!

Der Schreibstil ist lebendig, bildstark sowie eindrücklich - ich konnte mir alles sehr gut vorstellen und mit den Figuren fühlen.

Die Charaktere sind großartig gezeichnet: Lebensnah, vielschichtig, mit echten Fehlern, Schwächen sowie Stärken.

Es war faszinierend zu erleben, was, wie während Zugfahrt alles passiert, denn da sind so viele Kleinigkeiten und die Andeutungen schwelender Konflikte, dunkler Geheimnisse sowie verborgener Pläne machen neugierig!

Die Atmosphäre ist grandios: Ein Nachtzug, der Im Schneechaos kurz vor Weihnachten von London nach Fort William fährt - in die schottischen Highlands. Die vielen verschiedenen Zuggäste sind interessant und es geht turbulent zu – das bunte Geschehen spielt sich hauptsächlich im Speisewagen ab, aber auch auf den Gängen, in den Abteilen und draußen im Schnee geht es ereignisreich zu...

Während der ersten Hälfte lernt man die Figuren kennen und erlebt, wie sie sich anfreunden oder anfeinden...

Ab ca. der 2. Hälfte geht es um den Mordfall. Roz, eine scharfsinnige Polizistin im Ruhestand, übernimmt die Ermittlungen, auch um sich von ihren Sorgen abzulenken. Sie hadert mit ihrer nicht verarbeiteten traumatischen Vergangenheit und ihrer Tochter steht eine komplikationsreiche Frühgeburt bevor. Roz hat ein unendlich schlechtes Gewissen, weil sie nicht früher losgefahren ist, um ihr beizustehen. Ihre komplizierte Lebensgeschichte wird feinfühlig sowie ergreifend geschildert. Für mich hätte es die (vielen) dramatischen Gegebenheiten rund um Roz nicht gebraucht, gestört sie mich allerdings auch nicht wirklich. Aber einige zeitgeistliche Elemente werden mir etwas zu demonstrativ dargestellt.

“Mord im Christmas Express” ist ein atmosphärisches, mysteriöses, unterhaltsames und spannendes Leseerlebnis!

Agatha Christie Fans sollten sich dieses Buch auf keinen Fall entgehen lassen!

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Veröffentlicht am 05.09.2023

Packend, originell & überraschend!

Die Fremde in meinem Haus
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Als die 15-jährige Anna sich bei Susie meldet, fällt diese aus allen Wolken, denn Anna ist das Mädchen, das Susi als junge problembeladene Frau zur Adoption geben musste. Dann erzählt Anna von ihren extrem ...

Als die 15-jährige Anna sich bei Susie meldet, fällt diese aus allen Wolken, denn Anna ist das Mädchen, das Susi als junge problembeladene Frau zur Adoption geben musste. Dann erzählt Anna von ihren extrem strengen Adoptiveltern und Susie will unbedingt helfen, auch weil sie ein unendlich schlechtes Gewissen hat. Anna ist immer öfter und länger zu Gast bei Susi sowie deren Ehemann, wobei nach und nach klar wird klar, dass Anna oft lügt, täuscht und betrügt...

Aber Anna ist nicht die Einzige, die es nicht so mit der Wahrheit hat und als die unschönen Fakten ans Licht kommt, wird die Lage für alle bedrohlich...

Die Enthüllungen sind geschickt mit der aktuellen “Woke-Stimmung” verflochten, die einerseits toll ist, da sie Missstände aufdeckt, angeprangert und hilft sie aufzulösen, andererseits schießt sie manchmal auch ein bisschen übers Ziel hinaus - oder nicht? Ein Teil der Handlung regt diesbezüglich zum Nachdenken an!

“Die Fremde in meinem Haus” ist ein wirklich fesselnder Thriller – voller Wendungen, die wirklich unvorhersehbar sind!

Die erste Hälfte fand ich subtil spannend: Es geht viel Verdächtiges vor sich und angedeutete Geheimnisse sowie Lügen erzeugen eine unheilvolle Atmosphäre.

Ab der 2. Hälfte wird es dann nervenzerreißend: Perfider Psychoterror, Manipulationen, Anschuldigungen und Gewalt lassen die Lage der Hauptfiguren aussichtslos erscheinen und ich konnte mir wirklich nicht vorstellen, wie die “Auflösung” aussieht!

Dieses Buch ist nicht nur ein fesselnder Thriller, sondern auch eine inspirierende Geschichte über Liebe und Loyalität!

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Veröffentlicht am 02.09.2023

Mir fehlte es an Spannung

Wer vom Teufel spricht
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Die Journalistin Kaysha hat getan, was sie am besten kann, sie hat recherchiert: Nachdem Jamie ihr übel mitgespielt hatte, hat sie ihn beobachtet und festgestellt, dass er ein tyrannischer Narzisst ist, ...

Die Journalistin Kaysha hat getan, was sie am besten kann, sie hat recherchiert: Nachdem Jamie ihr übel mitgespielt hatte, hat sie ihn beobachtet und festgestellt, dass er ein tyrannischer Narzisst ist, der auch anderen das Leben zur Hölle macht. Anschließend hat sie eine Art Selbsthilfegruppe mit den sechs Frauen, die Jamie ebenfalls zum Opfer gefallen sind, gegründet. Doch nun ist er tot, brutal ermordet, und keine von ihnen will es gewesen sein.

Dann spielt Kaysha wieder Schicksal: Sie sorgt dafür, dass ihre Ex, eine Polizistin, den Mord an Jamie untersucht...

“Wer vom Teufel spricht” ist ein feministischer Spannungsroman, in dem Frauenfeindlichkeit viel Raum einnimmt. Ich finde es generell toll, wenn Schriftsteller*innen gesellschaftliche Probleme in eine Romanhandlung einfließen lassen, hier ist mir das aber etwas zu explizit und dominant gestaltet – zum Beispiel, wieso sind Jamies Opfer alle weiblich?


Die Haupthandlung spielt im Januar 2000, es gibt aber viele (für mich zu viele) Rückblicke in die dramatische Vergangenheit der Protagonistinnen - diese sind zwar interessant sowie ergreifend, ich habe allerdings einen Thriller erwartet (so steht es auf dem Cover) und meiner Meinung nach ist dieses Buch ein Drama mit Spannungselementen.

Trotz der vielen Perspektiven fiel es mir leicht den Überblick zu behalten, da die einzelnen Frauen sehr einprägsam dargestellt werden.

Die Ermittlungen und die Ereignisse nach dem Mord sind spannend sowie nervenaufreibend.

Die Handlung ist komplex, düster, überraschend und erschütternd. Die vielen verschiedenen Beziehungen, die Jamie zu den sieben Frauen hatte, waren geprägt von Lügen, Manipulation und Betrug. Ich finde es sehr realistisch, dass einige von Jamies Opfern ebenfalls zerstörerisch waren und großen Schaden angerichtet haben, wenn auch nicht mit böser Absicht - für die Leidragenden dürfte das kaum einen keinen Unterschied machen...

Ich empfinde es irgendwie als “unfeministisch”, da klischeehaft aktiv vs. passiv oder raffiniert vs. naiv, dass der Mann der Teufel ist, der manipuliert, plant und gezielt eigennützig handelt, während die Frauen aus Versehen Schaden zufügen, weil sie es nicht besser wissen, z.B. wenn sie blind vor Liebe sind.

Der Mordfall bzw. die Ermittlungen sind ungemein packend und wendungsreich gestaltet, doch diese Elemente kommen für meinen Geschmack zu kurz. “Wer vom Teufel spricht” ist für meiner Meinung nach vielmehr ein Drama als ein Thriller, sodass meine Erwartungen in Bezug auf Nervenkitzel kaum erfüllt wurden.

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Veröffentlicht am 31.08.2023

Absolut fesselnd!

The Castaways
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Lori ist verschollen und kämpft mit drei ein halb Leidensgenossen ums Überleben auf einer einsamen Insel im Pazifik. Ihre Schwester Erin versucht verzweifelt sie zu finden - erfolglos. Zwei Jahre später ...

Lori ist verschollen und kämpft mit drei ein halb Leidensgenossen ums Überleben auf einer einsamen Insel im Pazifik. Ihre Schwester Erin versucht verzweifelt sie zu finden - erfolglos. Zwei Jahre später gibt es plötzlich eine vielversprechende Spur und Erin, die mittlerweile nur noch ein Schatten ihrer selbst ist, begibt sich erneut auf die Such nach Antworten.

Die unheilvolle Atmosphäre, die ausdrucksstarken Schilderungen der Gefühle & Gedanken der Schwestern sowie die rätselhafte, wendungsreiche Handlung haben mich sofort gepackt und nicht mehr losgelassen – einmal angefangen, habe ich 200 Seiten am Stück verschlungen!

Aus der Ich-Perspektive erzählt Erin von ihren Nachforschungen auf der Fidschi-Hauptinsel sowie von ihrem Hoffen und Bangen. Aus Loris Sicht erfahren die Leser/innen was nach der Bruchlandung auf einer unbewohnten Insel geschah. Dieser Wechsel macht "The Castaways" nervenzerreißend spannend, denn nach und nach wird auf beiden Zeitebenen Erschütterndes enthüllt.

Die Schwestern sind brillant gezeichnet – mit viel Tiefe und absolut authentisch. Besonders Erin mit ihrer tatkräftigen, (selbst)zerstörerischen, zu Extremen neigenden Art hat mir richtig gut gefallen. Aber auch die Nebenfiguren tragen zur beklemmenden Stimmung bei, denn sie sind herrlich undurchsichtig...

Das schwülheiße Setting bietet den perfekten Rahmen für die zermürbenden Erfahrungen, die beide Schwestern machen müssen und das völlig unerwartete Ende hat mich überwältig!

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Veröffentlicht am 30.08.2023

Ein Thriller-Drama von shakespeareschen Ausmaßen

Der Keller
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Was für ein Buch – ich fand es sehr weitschweifig, aber nie langatmig, da durchweg interessant bis faszinierend verstörend!

“Der Keller” ist für mich ein komplexes Thriller-Drama, denn der Plot entfaltet ...

Was für ein Buch – ich fand es sehr weitschweifig, aber nie langatmig, da durchweg interessant bis faszinierend verstörend!

“Der Keller” ist für mich ein komplexes Thriller-Drama, denn der Plot entfaltet sich innerhalb mehrerer Jahre.

Florenz bzw. die Nachbarorte und die dazugehörige Kunstgeschichte spielen eine große Rolle.

Die Ausgangssituationen, die dem Beginn der Handlung zugrunde liegen, sind absolut unerwartet, originell sowie erschütternd!

Die Geschichte beginnt im Grunde in der Mitte: Eine junge Frau fliegt nach Italien und verschwindet kurz nach ihrer Ankunft in Florenz. Dann geht es eine Weile lang um die Vorgänge innerhalb der Familie der Vermissten sowie die stümperhaften Ermittlungen – hier kommt Commissario Donato Neri ins Spiel. Im Anschluss kommt “Der Anfang”: Die Leserschaft erfährt, wie es dazu kommen konnte. Anschließend geht es wieder um die perfiden “Täter-Opfer-Beziehungen”, die immer komplexer werden und schließlich zur Auflösung führen.

Die Schilderungen der verschiedensten Umstände zeugen von viel Menschenkenntnis, zudem sind sie eindrücklich und psychologisch hoch interessant.

Der Humor, der immer wieder durchblitzt (meist in Zusammenhang mit Commissario Donato Neri), bildet einen gelungenen Kontrast zu den finsteren Begebenheiten.

Zum Ende hin fand ich die Geschehnisse wenig schlüssig bzw. ziemlich konstruiert: Ich hatte den Eindruck, dass sie dem Zweck dienen, den spektakulären Showdown herbeizuführen. Die Ironie des Schicksals spielt beim Ende allerdings in mehrfacher Hinsicht eine große Rolle, was gelungen tragisch komisch ist für meiner Meinung nach auf “philosophischer” Ebene Sinn macht.

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