Eine bildgewaltige Reise in die Vergangenheit
Das verborgene ParadiesDas Buch „Das verlorene Paradies“ von Luca di Fulvio ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Das Buch spielt in einem kleinen italienischen Dorf zur Zeit der Inquisition, 400 Jahre in der Vergangenheit. ...
Das Buch „Das verlorene Paradies“ von Luca di Fulvio ist im Bastei Lübbe Verlag erschienen. Das Buch spielt in einem kleinen italienischen Dorf zur Zeit der Inquisition, 400 Jahre in der Vergangenheit. In einer schicksalhaften Nacht kreuzen sich die Wege von Susanna und Daniele. Während die eine geboren wird, verliert der andere seine Mutter. Beide wachsen im Kloster auf und laufen sich im Laufe ihres Lebens immer wieder über den Weg.
Doch der klugen Susanna wird übel mitgespielt, denn sie wird der Hexerei und des Mordes an ihrem Ehemann bezichtigt. Der Scheiterhaufen droht. Kann Daniele sie davor bewahren?
Wie in vielen Büchern des Autors stehen wieder einmal Kinder im Mittelpunkt der Geschichte, die sich im Laufe der Zeit gegen die Widrigkeiten des Lebens durchsetzen und ihren steinigen Weg gehen müssen. Wieder einmal wird einem Mädchen übel mitgespielt, hier bleibt sich di Fulvio treu. Doch obwohl es oft ein männlicher Retter ist, wirken die Charaktere nicht stereotyp, sondern lebendig, mutig und stark, was den Leser mit den Protagonisten mitfiebern lässt.
Luca di Fulvios Schreibstil und seine bildhafte Sprache schaffen es, dass der Leser vollkommen in das Buch versinkt. Schnell entstehen die Landschaften, Spielorte und Charaktere vor dem inneren Auge. Das Buch ist eines der düstersten Bücher, die ich vom Autoren kenne und die präzisen Schilderungen lassen Schauer über den Rücken laufen.
Obwohl das Buch 400 Jahre in der Vergangenheit spielt, sind manche Themen aktuell wie nie. Noch immer werden Frauen unter dem Deckmantel der Religion unterdrückt. Noch immer dürfen Frauen in vielen Teilen der Welt keine Bildung genießen. Noch immer werden sie teilweise der Verführung bezichtigt und sein selbst schuld an Verbrechen ihnen gegenüber.
Luca di Fulvio gelingt mit der Erzählung, auch der heutigen Gesellschaft einen Spiegel vorzuhalten und daran zu erinnern, dass frau auch heute nicht gleichbehandelt wird – lange nachdem wir das Mittelalter hinter uns gelassen haben.
Auch „Das verlorene Paradies“ ist wieder ein bildgewaltiges Werk von Luca di Fulvio, welches Spaß macht zu lesen, auch wenn viel Unschönes passiert.