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Veröffentlicht am 12.09.2024

Grandiose Umsetzung eines schwierigen Themas

Solange wir schwimmen
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Alice ist pensionierte Rentnerin und schwimmt täglich ihre Bahnen im Schwimmbad der Stadt, was unterirdisch liegt und wo es immer nach Chlor riecht. Täglich kommen die immer gleichen Menschen hierher: ...

Alice ist pensionierte Rentnerin und schwimmt täglich ihre Bahnen im Schwimmbad der Stadt, was unterirdisch liegt und wo es immer nach Chlor riecht. Täglich kommen die immer gleichen Menschen hierher: der Blumenverkäufer, die Langsamschwimmer, die Inhaberin des Lottogeschäfts und viele mehr. Sie haben ihre Rituale eingeprägt und jeder kennt seine Bestimmung hier. Im Wasser sind alle gleich, egal wie fit oder alt.
Als in Bahn vier jedoch eines Tages ein kleiner Riss zu sehen ist, ignorieren ihn die einen und machen weiter wie bisher die Anderen. Bald jedoch wird Bahn vier gesperrt und die Gerüchte nehmen zu. Die Menschen nehmen den Riss mit nach Hause, lassen ihn größer werden. Auch die Verwaltung des Schwimmbads kümmert sich nun um den Riss in Bahn vier, in dieser Zeit vergisst Alice die Namen ihres Mannes und ihrer Tochter.

Ich hatte bereits "Wovon wir träumten" von Julie Otsuka gelesen und war sehr gespannt auf diesen Roman von ihr. Auch wenn das Buch nur fünf Kapitel beinhaltet, haben die es gewaltig in sich. Die Autorin erzählt leise und unaufgeregt vom Beginn einer Demenz bei einer fitten Rentnerin. Der Erzählstil ist typisch Otsuka, mich hat er zu jeder Zeit abgeholt und berührt.
Grob lässt sich das Buch in zwei Teile unterteilen: im ersten Teil wird das Schwimmen beschrieben, es wird mal mehr, mal weniger auf die Menschen im Schwimmbad eingegangen, es werden die Regeln und die Rituale beschrieben. Schwimmen bedeutet für die meisten Auszeit, Freiheit, Selbstbestimmung und Loslassen. Im zweiten Teil wird auf die beginnende Demenz Alice´ eingegangen. Sie vergisst immer öfter Namen und verlegt Dinge, irgendwann muss sie ins Pflegeheim, auch das wird hervorragend und eindrücklich beschrieben.

Eine wirkliche Handlung sucht man in dem Buch vergebens, aber das ist auch nicht nötig, denn das Buch erzählt seine eigene Geschichte über die Gemeinschaft beim Schwimmen, den Riss im Schwimmbad und im Kopf. Sprachlich hervorragend ausgearbeitet ist das Buch eine große Metapher.
Ich hatte vorher so gut wie keinen Zugang zum Thema Demenz, dieses Buch gibt dem Leser einen Zugang, ohne belehrend zu wirken. Eine Empfehlung für alle, die sich mit diesem Thema beschäftigen möchten und einen hervorragenden Roman lesen möchte!

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Veröffentlicht am 11.09.2024

Gelungener Auftakt einer Krimireihe

Cold Case - Das verschwundene Mädchen
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Tess Hjalmarsson arbeitet in der Cold Case-Abteilung der Polizei in Schweden. Als zu einem früheren Vermisstenfall neue Spuren am Tatort auftauchen, öffnet sie die Akte erneut und ist fest entschlossen, ...

Tess Hjalmarsson arbeitet in der Cold Case-Abteilung der Polizei in Schweden. Als zu einem früheren Vermisstenfall neue Spuren am Tatort auftauchen, öffnet sie die Akte erneut und ist fest entschlossen, den Täter zu finden. Als dann wieder ein Mädchen verschwindet, geht Tess davon aus, dass es derselbe Täter wie damals sein muss. Aber sie muss sich beeilen, bevor er erneut zuschlagen kann.

Ich hatte von Tina Frennstedt bereits "Cold Case - Das letzte Bild" gelesen (den neuesten Band) und dies hier war mein zweiter Band. Wieder einmal konnte mich Tina Frennstedt mit ihrem Krimi überzeugen.
Der Erzählstil ist gut und leicht zu lesen. Die beiden Geschichten sind sehr spannend erzählt und man rätselt die ganze Zeit mit, wer der Täter ist. Auch das Privatleben von Tess, was nicht immer einfach ist, wird beleuchtet, das hat mir gut gefallen und lässt die Geschichte noch realistischer und nahbarer erscheinen. Auch die Auflösung ist schlüssig. Mein einziger kleiner Kritikpunkt sind die Längen, die das Buch an einigen Stellen hatte, was dem Ganzen in seiner Spannung keinen Abbruch tut.

Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung an alle, die einen gut gearbeiteten, kurzweiligen und vor allem spannenden Krimi suchen!

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Veröffentlicht am 10.09.2024

Das Leben des berühmten Schriftstellers Robert Louis Stevenson

Die Leuchttürme der Stevensons
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Der Roman erzählt die Geschichte des Schriftstellers Robert Louis Stevenson Ende des 18. Jahrhunderts. Die Familie Stevenson ist seit Generationen für ihren Leuchtturmbau in aller Welt bekannt. Louis soll ...

Der Roman erzählt die Geschichte des Schriftstellers Robert Louis Stevenson Ende des 18. Jahrhunderts. Die Familie Stevenson ist seit Generationen für ihren Leuchtturmbau in aller Welt bekannt. Louis soll als Ingenieur die Leuchtturmbaudynastie fortführen, belegt ein Studium der Ingenieurwissenschaften in Edinburgh und hilft seinem Vater im Büro und bei Planungen und Kontrollen der Leuchttürme vor Ort. Louis kann dem ganzen allerdings wenig abgewinnen und flüchtet sich zunehmend in die Schreiberei - sehr zum Missfallen seines Vaters, der die große Verantwortung um den Leuchtturmbau an Louis weitergeben möchte.

Dies war mein erster Roman von Sabine Weiss. Direkt aufgefallen ist mir das Cover mit seinen harmonischen Farben, der tosenden See und dem klassischen Leuchtturm. Zu Beginn wird erzählt, wie Louis schon seit seiner Kindheit mit Krankheiten zu kämpfen hat. Es wird eine besonders schlimme Nacht beschrieben, in der er nicht aufhören kann zu husten und sein Kindermädchen sowie seine Eltern es mit der Angst zu tun bekommen. Auch Louis Mutter, Maggie, ist oft kränklich und schwach, sein Vater ebenso, auch wenn dieser es so gut es geht, um der Firma wegen, versteckt.
Die eigentliche Handlung beginnt im Jahr 1868. Louis belegt Kurse an der Universität und muss bei seinem Vater im Büro helfen. Es wird schnell deutlich, dass der Vater ihm einen ungeheuren Druck auferlegt und ihn regelrecht zwingt, als einziges Kind, die Firma fortzuführen. Von einer Karriere als Schriftsteller will er nichts hören und lässt Louis das auch oft spüren. Von ihm geht eine Strenge und Härte aus, die mit Sicherheit der damaligen Zeit geschuldet ist, aber es lässt einen als Leser doch oft traurig zurück.
Louis ist ein sympathischer junger Mann. Er widmet sich voller Hingabe der Schreiberei, feilt mit seinem Cousin an einer Geschichte und bringt dafür den nötigen Elan auf, der ihm für den Leuchtturmbau fehlt. Man merkt ihm seinen Zwiespalt direkt zu Beginn an: er möchte seine Eltern zufriedenstellen und blickt auch mit Demut auf die Leistung seiner Vorfahren zurück, möchte sich andererseits auch selbst verwirklichen und Schriftsteller werden.
Man begleitet Louis bei seinemAlltag, er kämpft immer mehr mit diesem Zwiespalt. Die Eltern trauen ihm wenig zu, auch wegen seiner Kränklichkeit, andererseits werden auch oft unlösbare Dinge verlangt und ein immenser Druck ausgeübt.
Das Ende hätte für meinen Geschmack noch weiter ausgeführt werden können, der Epilog liefert jedoch die Antworten auf viele Fragen, die man beim Lesen hatte. Allgemein hatte das Buch einige Längen, wohingegen einige wichtige Passagen eher schnell abgehandelt werden und man gerne mehr darüber gelesen hätte.

Im Nachwort der Autorin wird deutlich, wie viel Mühe und Zeit sie in die Recherche und Planung des Buches gesteckt hat. Man bekommt selbst direkt Lust, sich die Leuchttürme anzusehen, die die Familie Stevenson gebaut und hinterlassen hat. Im Buchumschlag ist eine wunderschöne und detaillierte Karte der Leuchttürme der Stevenson rund um Großbritannien gedruckt. Sie hätte für mich noch mehr Details haben können, aber jeder kann sich dank der vielen Quellen aus Weiss´ Nachwort selbst über einige Dinge und Details informieren.

Sabine Weiss hat sich eng an die wirkliche Geschichte der Familie Stevenson gehalten und daraus einen unterhaltsamen und gut gearbeiteten Roman gebaut, der die jungen Jahre des späteren Schriftstellers Robert Louis Stevenson beleuchtet. Ich werde mir die Werke von ihm nochmals vornehmen und mit anderen Augen darauf schauen, weil ich nun bei vielen Geschichten weiß, woher die Inspiration dazu kam.
Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gerne Bücher von Stevenson liest und sich für die Anfangsjahre des Schriftstellers interessiert, aber auch einen spannenden und gut ausgearbeiteten Roman sucht.

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Gefährliche Polizeiarbeit in einem Schalker Fanclub

Eric Holler: Blau und Weiß
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Georg Himmelreich ist neuer Kommissariatsleiter in Gelsenkirchen-Buer und heuert Privatdetektiv Eric Holler an, sich in einen Schalker Fanclub einzuschleusen. Dort sollen zwielichtige Dinge laufen. Da ...

Georg Himmelreich ist neuer Kommissariatsleiter in Gelsenkirchen-Buer und heuert Privatdetektiv Eric Holler an, sich in einen Schalker Fanclub einzuschleusen. Dort sollen zwielichtige Dinge laufen. Da die Polizei Beweise braucht, sollen Holler und der Kommissar Manfred Werthofen den Fanclubgründer Thomas Ritterlich dingfest machen. Der schreckt jedoch vor nichts zurück und Holler und Werthofen machen sich die Geldgier Ritterlichs mit einem gefährlichen Plan zunutze. Werden die den Fall lösen können und unbeschadet aus der Ermittlung raus kommen?

Ich hatte vorher noch nichts von Roman Just gelesen. Das Cover spricht mich leider gar nicht an, die Spiegelungen der Texte passen nicht ins Bild, auch die Farben nicht.
Da es ein paar Vorgängerbände zu dem Krimi gibt, musste ich mich erst in die Geschichte rein finden, man ist zwar sofort im Geschehen, aber die Charaktere bleiben erstmal oberflächlich. Generell hätte ich mir mehr Tiefe sowohl der Charaktere als auch der Handlung gewünscht, mit 150 Seiten ist der Krimi auch sehr kurz, gerade das Ende hätte für meinen Geschmack mehr ausgestaltet werden können. Ich hätte gerne gewusst, wie es unmittelbar danach weitergeht.
In der Fußballthematik bin ich generell nicht bewandert, es war aber interessant zu sehen, wie es in einem Fanclub zugehen kann und die Polizei dann versucht, den Club zu sprengen. An manchen Stellen war es mir allerdings zu viel des Guten mit dem Thema Schalke und Fußball.
Auch einige Rechtschreibfehler sind mir aufgefallen.

Alles in allem ein kurzweiliges Krimivergnügen mit ein paar Schwachstellen und Luft nach oben.

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Veröffentlicht am 05.09.2024

Seichter Auftakt einer Cosy Crime-Reihe mit Luft nach oben

Nuss und Schluss. Ein Hansel & Pretzel Krimi
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Die deutsche Auswanderin Linn Sommer zieht nach einer gescheiterten Ehe ins beschauliche Örtchen Kitchener-Waterloo in Kanada. Doch der Schein der Idylle trügt: an ihrem ersten Arbeitstag in einer deutschen ...

Die deutsche Auswanderin Linn Sommer zieht nach einer gescheiterten Ehe ins beschauliche Örtchen Kitchener-Waterloo in Kanada. Doch der Schein der Idylle trügt: an ihrem ersten Arbeitstag in einer deutschen Bäckerei findet sie eine Leiche hinter dem Haus. Die unbeliebte Stadträtin Sydney Stark ist tot, neben ihr liegt eine Nussecke. Sofort geraten die Besitzer der Bäckerei Marianne und Rainer in Verdacht. Linns Ermittlungsinstinkt ist geweckt und sie ermittelt auf eigene Faust. Beim Ermitteln stößt sie außerdem auf zwei Männer, die ihr Interesse wecken.

Mich hat das Cover direkt angesprochen, es vermittelt einerseits gut die Idylle in der Kleinstadt, verrät aber auf den zweiten Blick auch anhand des blutigen Messers, dass es um einen Mord geht. Direkt zu Beginn gibt es eine Auflistung und kurze Beschreibung der einzelnen Charaktere im Buch als Übersicht, was ich sehr gut als Orientierung finde. Auch der Einstieg fällt einem als Leser leicht, man ist direkt in der Geschichte drin, als Linn die Leiche findet. Das Buch ist aus ihrer Sicht geschrieben. Man erfährt so viel über ihre Gefühlslage und Eindrücke, jedoch bleibt auch alles sehr subjektiv. Vielleicht hätte mir ein außenstehender Erzähler hier besser gefallen.
Linn ist einem sympathisch, sie ist oft tollpatschig und unbedarft, hilft aber auch, wo sie kann und ist bemüht, den wahren Mörder Sydneys zu finden. Oft hat mich aber auch ihre Art in Bezug auf Männer genervt. Sie ist Single und gerade frisch getrennt, deshalb setzt anscheinend ihr Verstand komplett aus, sobald sie ein männliches Wesen sieht, das ihr zusagt. Das war mir oft zu viel des Guten.
Das Setting und die Kleinstadt an sich werden gut beschrieben, auch über die Charaktere erfährt man Einiges. Aber z.B. ihre Mitbewohner waren mir zu gewollt unterschiedlich und deshalb wirkten sie oft unglaubwürdig und überzogen. Zudem gibt es aufgrund von Sydneys Unbeliebtheit mehr als viele Verdächtige, für mich ein paar zu viel, da sich für fast jeden ein Motiv und einige Indizien finden lassen.
Das Ende konnte mich leider nicht überzeugen, für mich mutete es zu unrealistisch an.
Positiv allerdings sind die Rezepte auf den letzten Seiten, die man Nachbacken kann, sehr passend zum Thema der Bäckerei.

Alles in allem ein Cosy Crime, der sich gut weg lesen lässt, ich hätte mir allerdings mehr Tiefe der Figuren gewünscht und einige Dinge waren für mich unrealistisch und überzogen dargestellt. Da es jedoch noch mehr Teile der "Hansel & Pretzel" Reihe geben wird, wird auf Einiges vielleicht in den Folgebänden näher eingegangen. Fans von locker-leichtem Cosy Crime werden bei dem Krimi sicher auf ihre Kosten kommen.

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