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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.09.2025

Spannender und atmosphärischer Roman, der vor der Kulisse des Schwarzwalds spielt - mit ein paar Schwächen

Schattengrünes Tal
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Lisa lebt gemeinsam mit ihrem Mann Simon mitten im Schwarzwald in Herzogsbrunn, ihre Tochter absolviert gerade ein Auslandsjahr. Lisas Vater betreibt ein kleines Hotel, das jedoch in die Jahre gekommen ...

Lisa lebt gemeinsam mit ihrem Mann Simon mitten im Schwarzwald in Herzogsbrunn, ihre Tochter absolviert gerade ein Auslandsjahr. Lisas Vater betreibt ein kleines Hotel, das jedoch in die Jahre gekommen ist. Sie hilft ihm bei der Buchhaltung, Simon ist Förster im angrenzenden Wald. Lisas ausgeprägten Helferkomplex nutzt ihr Vater Carl gerne aus - trotzdem werden Ideen zur Veränderung und Modernisierung des Hotels ihrerseits stets abgelehnt. Als sich Daniela Arnold als Gast in das Hotel einquartiert, kommt Lisa immer öfter mit ihr ins Gespräch. Die beiden "freunden" sich an und Daniela nimmt einen immer größeren Raum in Lisas Leben ein. Sie ahnt nicht, dass Daniela keine Unbekannte ist und ganz andere Absichten verfolgt als nur den Schwarzwald zu entdecken...

Ich hatte zuvor noch nichts von Kristina Hauff gelesen, aber wie toll ist das Cover bitte? Auch der Klappentext macht direkt Lust aufs Lesen und verspricht eine spannende und tolle Handlung. Das Buch ist dann doch etwas hinter meinen Erwartungen zurück geblieben.

Die Figuren sind allesamt klischeehaft und stereotyp gezeichnet, was allerdings zur Handlung und dem traditionsreichen Umfeld passt. Lisa ist aufopferungsvoll und hilft lieber anderen als sich selbst, Simon ist eher verschlossener, auch wenn sein Charakter oft an der Oberfläche bleibt. Carl ist der typische Patriarch der Familie, er hält die Zügel in der Hand, gibt sie aber auch nicht aus der Hand und nur er ist in seiner Vorstellung stets im Recht. Margret, die eine mehr oder weniger heimliche Liebesbeziehung mit Carl hat und das Hotel mittlerweile so gut wie alleine schmeißt, ist unterwürfig und abhängig. Am interessantesten ist für mich Daniela, die wie aus dem Nichts auftaucht und sich nach und nach sowohl im Dorf als auch im Hotel und Lisas Leben einnistet. Geschickt manipuliert sie jeden in ihrem Umfeld und schnell wird klar, dass sie nicht durch Zufall in genau diesem Hotel gelandet ist.
Die Sprache ist meist neutral, an manchen Stellen fast schon sachlich, man kann der Handlung gut folgen. Die Kapitel sind abwechselnd aus Lisas Simons und Margrets Sicht geschrieben, was dem Leser jeden Charakter nochmal näher bringt. Die Handlung fängt stark an, von Anfang an herrscht eine kaum greifbare und düstere Atmosphäre. Die Spannung baut sich kontinuierlich auf, im letzten Drittel allerdings wird die Handlung zunehmend vorhersehbarer. Das Ende konnte mich nicht wirklich überzeugen und wurde für mich zu schnell abgehandelt.

"Schattengrünes Tal" ist ein interessanter Roman, der mit den Klischees eines idyllischen Dorfes und deren Bewohner spielt und die Themen toxische Beziehungen, Manipulationen und Abhängigkeit beinhaltet.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.08.2025

Wichtiges und eindrückliches Buch, das eine Kindheit im Krieg schildert

Radio Sarajevo
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Tijan Sila ist zehn Jahre alt, als im April 1992 in Sarajevo die ersten Bomben fallen und der Krieg beginnt. Mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder wohnt er in einer kleinen Wohnung in einem Plattenbau. ...

Tijan Sila ist zehn Jahre alt, als im April 1992 in Sarajevo die ersten Bomben fallen und der Krieg beginnt. Mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder wohnt er in einer kleinen Wohnung in einem Plattenbau. Zwischen Trümmern, Bombenalarm und Soldaten muss die Familie versuchen zu überleben. Auch die Flucht der Familie im Jahr 1994 nach Deutschland wird thematisiert. Er schildert die Zeit im Krieg, das Überleben, die Winter ohne Ofen, die Vorfreude auf die Schule und das Ankommen in Deutschland.

Beim Cover hätte ich zuerst nicht gedacht, welche gewaltige Geschichte sich im dem Buch verbirgt. Vom Krieg in Bosnien und Herzegowina und Serbien habe ich im Schulunterricht gehört, die Bilder gehen einem immer noch unter die Haut. Ein Buch dazu und dann noch so ein persönliches habe ich aber noch nicht gelesen - umso wichtiger, dass ich "Radio Sarajevo" entdecken durfte!
Tijan Sila beschreibt aus der Ich-Perspektive sein Leben als Zehnjähriger, angefangen beim ersten ersten Beschuss bis zum Einleben in Deutschland. Dabei hat er eine ganz eigene Erzählweise, als Erwachsener beschreibt er rückblickend die Zeit damals einerseits kindlich-naiv, andererseits klar und sachlich. Man begleitet ihn beim Treffen mit seinen beiden besten Freunden, beim Schule schwänzen, beim Schwarzhandel mit Soldaten der UN und in seinem Alltag mit der Familie. Was anfangs noch unvorstellbar erscheint, wird bald zum traurigen Alltag: der Beschuss auf Sarajevo wird normal für ihn, er lernt, sich mehr oder weniger in dieser grauenvollen und dunklen Zeit zu arrangieren.
Oft musste ich das Buch für einen Moment beiseite legen, weil mir das Ausmaß an Zerstörung und Krieg bewusst wurde, gerade wenn von Toten und den schrecklichen Verletzungen erzählt wird.

Tijan Sila gelingt es, sowohl schonungslos ehrlich als auch emotional die Brutalität und Komplexität des Krieges zu schildern. Dieses schwierige Thema, was ich bislang meist aus dem Schulunterricht kannte, wird zugänglicher und menschlicher und zeigt, was es heißt, als Kind im Krieg zu überleben. Aktueller denn je kann ich "Radio Sarajevo" nur empfehlen, trotz des schweren Themas lohnt es sich, das Buch zu lesen. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 21.08.2025

Von Schlaf, Träumen und Wirklichkeit - unkonventionell und fesselnd

Der längste Schlaf
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Mara Lux ist Wissenschaftlerin und lebt in London, sie hat sich auf das Gebiet des Schlafs spezialisiert. Sie selbst schläft so gut wie gar nicht und leidet darunter. Als Kind hatte sie oft Träume, die ...

Mara Lux ist Wissenschaftlerin und lebt in London, sie hat sich auf das Gebiet des Schlafs spezialisiert. Sie selbst schläft so gut wie gar nicht und leidet darunter. Als Kind hatte sie oft Träume, die sich dann bewahrheitet haben und genau so eingetreten sind. Als Erwachsene träumt sie nicht mehr und sie hat sich mit ihrem Los arrangiert. Als sie jedoch eine E-Mail eines deutschen Anwalts in Frankfurt bekommt, wird sie stutzig: sie soll ein Herrenhaus geerbt haben von einem ihr völlig unbekannten Mann. Neugierig entschließt sie sich letztlich dazu, nach Deutschland zu reisen und sich das Haus wenigstens mal anzusehen. Sie ahnt nicht, dass sie damit eine Reihe von Dingen in Gang setzen wird, die nicht nur sie sondern das ganze Dorf nachhaltig verändern werden...

Ich hatte zuvor noch nichts von Melanie Raabe gelesen und war gespannt, was es mit dem "längsten Schlaf" auf sich hat. Jedoch hätte ich nicht erwartet, welche gewaltige und wunderbare Geschichte sich hinter dem unscheinbaren Klappentext verbirgt!
Man ist schnell in der Handlung und begleitet Mara bei ihrem Alltag in ihrem Büro. Melanie Raabe schreibt klar und mit kraftvollen Worten, auch energisch, man spürt die Umtriebigkeit und Unruhe der Protagonistin. Mein einziger Kritikpunkt sind die Längen, die das Buch am Anfang hat, aber danach geht es schnell immer tiefer in die Handlung hinein und als Leser muss man unbedingt weiter lesen.

"Der längste Schlaf" lässt sich für mich keinem Genre wirklich zuordnen, es verschwimmt viel mehr und oft weiß man nicht, was gerade Realität und was Fiktion ist. Diese Mischung zieht den Leser in einen Sog, dem man sich kaum entziehen kann. Ich möchte gar nicht zu viel von der Handlung verraten, denn man muss selbst in diese ganz andere Geschichte hinein tauchen. Es ist anders, als ich vom Klappentext her vermutet hatte und hat mich umgehauen - sowohl von der Sprache und Handlung als auch der Protagonistin selbst.

Von mir gibt es eine große Leseempfehlung für diese unkonventionelle und fesselnde Geschichte. Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 20.08.2025

Spannender Krimi mit tollem Setting und unerwarteten Wendungen

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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Die 17-jährige Robyn wohnt mit ihrer Großtante Nelly in einer kleinen Wohnung in San Bernardino. Sie ist aufgrund einer Krankheit die meiste Zeit an Bett und Rollstuhl gefesselt und auch kleinste Aktivitäten ...

Die 17-jährige Robyn wohnt mit ihrer Großtante Nelly in einer kleinen Wohnung in San Bernardino. Sie ist aufgrund einer Krankheit die meiste Zeit an Bett und Rollstuhl gefesselt und auch kleinste Aktivitäten sind mühsam. Als großer True Crime-Fan verschlingt sie vor allem den Podcast ihres Idols Ivy Cooper. Genau gegenüber ihrer Wohnung steht das Hotel Ambrosia. In dem Hotel passieren immer wieder mysteriöse Dinge und Gewaltverbrechen. Als stille Beobachterin verfolgt Robyn die Geschehnisse gebannt. Bis sie eines Tages sieht, wie eine junge Frau in einem der Zimmer entführt wird. Sie selbst kann nicht aus der Wohnung raus, aber durch Zufall lernt sie den jungen AJ kennen, der sich unter falschem Namen eincheckt. Er deckt Dinge auf, die ihm und vor allem Robyn mehr als gefährlich werden...

Mir hat das Cover bereits sehr gut gefallen und auch der Klappentext verspricht eine spannende Geschichte. Und natürlich rundet der wunderschöne Farbschnitt das Ganze dann noch ab.
Ich war sehr gespannt, wie die Autorin die Handlung aufbaut, denn natürlich kannte ich die Geschichte des Cecil Hotels, das durch das Verschwinden der jungen Elisa Lam berühmt geworden ist und an das die Geschichte entfernt erinnert. Man ist auch direkt im Geschehen, in einem Mailverkehr zwischen Robyn und Podcastern Ivy wird schnell deutlich, dass Robyn True Crime liebt - da haben wir etwas gemeinsam :) Die Kapitel sind übersichtlich lang und wechseln sich immer wieder ab mit E-Mails, Textnachrichten und Skizzen. Das gefällt mir sehr gut und bringt viel Abwechslung in die Geschichte.
Die Geschichte wird aus Robyns Perspektive erzählt, auch das gibt einen tollen Einblick in die Gefühlswelt der Protagonistin. Robyns Alltag wird detailreich dargestellt, hervorheben möchte ich auch das toll umgesetzte und wichtige Thema der Krankheit ME/CFS, das eine große Rolle einnimmt.
Die Spannung baut sich nur langsam auf, das erste Drittel plätschert vor sich hin. Das ist auch mein einziger Kritikpunkt, denn umso schneller nimmt die Geschichte dann an Fahrt auf und man kann das Buch kaum noch aus der Hand legen. Mit den Plottwists hätte ich NIE gerechnet!
Sowohl Robyn als auch die Nebenfiguren sind allesamt toll gezeichnet, vor allem Robyn erscheint sympathisch und man fühlt beim Lesen mit ihr mit: sie kann die Wohnung nicht verlassen, macht Homeschooling und hat so gut wie keine Freunde.

Die Autorin verwebt hier wunderbar nicht nur den spannenden Kriminalfall sondern ebenso die wichtigen Themen wie die Krankheit ME/CFS, Freundschaft, Einsamkeit und Selbstbestimmung.
Von mir gibt es eine große Empfehlung nicht nur für Jugendliche, das Buch spricht alle True Crime-Fans und Liebhaber von spannenden Thrillern und Krimis an. Große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 19.08.2025

Starker Anfang, aber der die Twist und die Auflösung waren nicht meins

LAKE – Das Haus am dunklen Ufer
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Casey Fletchers Mann ist vor einem Jahr im Lake Greene in Vermont ertrunken, wo sie ein Haus besitzt und die beiden eine Auszeit genommen haben. Casey ist Schauspielerin und nach dem Verlust verliert sie ...

Casey Fletchers Mann ist vor einem Jahr im Lake Greene in Vermont ertrunken, wo sie ein Haus besitzt und die beiden eine Auszeit genommen haben. Casey ist Schauspielerin und nach dem Verlust verliert sie sich im Alkohol. Ihre Mutter schickt sie deshalb an genau den Ort, wo das Unglück geschah. Caseys Tage bestehen aus Alkohol und Grübeln mit Blick auf den See. Als am gegenüberliegenden Ufer ein Pärchen neu einzieht, ist ihre Neugier geweckt. Schnell merkt sie, dass irgendwas mit den beiden nicht stimmt und als die Frau Katherine dann noch spurlos verschwindet ist sich Casey sicher, dass sie nun selbst ermitteln muss.

Ich hatte zuvor noch nichts von Riley Sager gelesen und habe auf einen spannenden und dunklen Psychothriller gehofft. Leider ist das Buch dann hinter meinen Erwartungen zurück geblieben.
Die Kapitel sind allesamt aus der Ich-Perspektive von Casey geschrieben, womit man direkt im Geschehen ist und vor allem ihren Schmerz und die Trauer nachfühlen kann. Die Kapitel sind unterteilt in "Davor" und "Jetzt", wo bei die gegenwärtigen Kapitel den größten Teil einnehmen. Diese Einteilung hat mir gut gefallen, sie geben immer wieder häppchenweise preis, wohin die große Eskalation führen wird.
Riley Sager baut gekonnt direkt zu Beginn eine dichte und düstere Atmosphäre und Spannung auf, man liest gespannt und gebannt weiter. Ein großer Kritikpunkt ist für mich allerdings der Umgang mit Alkohol, der sowohl selbstverständlich ist in der Handlung als auch einen enorm großen Raum einnimmt. Zu jeder Tages- und Nachtzeit wird von Casey getrunken, sie schlüsselt genau auf, was sie wann in welcher Reihenfolge trinkt. Das Thema wird für mich verharmlost und zu viel Raum gegeben.
Die düstere Atmosphäre und Spannung können lange weiter aufgebaut werden, als es jedoch zur Auflösung kam, war ich enttäuscht. Der Twist ist einfach unrealistisch und, sagen wir, "übernatürlich" und konnte nicht an die Spannung vorher anknüpfen. Casey als Person blieb mir auch lange fremd, ich konnte sie meist nicht wirklich greifen, sie erzählt dennoch gekonnt und abwechslungsreich.

Für mich blieb der Thriller leider hinter den Erwartungen zurück und konnte nicht halten, was er verspricht.

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