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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2019

tolles Buch, was leider etwas abfärbt

LYX Book Journal
4

Was ist das?

Wer viel liest, kennt das Problem vielleicht: Viele Erinnerungen an Bücher verschwimmen, man hat viele tolle Zitate und weiß nicht, wohin damit. Buchtagebücher gibt es viele, jetzt hat auch ...

Was ist das?

Wer viel liest, kennt das Problem vielleicht: Viele Erinnerungen an Bücher verschwimmen, man hat viele tolle Zitate und weiß nicht, wohin damit. Buchtagebücher gibt es viele, jetzt hat auch das LYX-Verlag ein eigenes herausgebracht. Auf über 255 Seiten ist Platz, seine Bucherinnerungen für immer festzuhalten.

Wie sieht es aus?

Das Book Journal ist etwas größer als das klassische A5-Format und erinnert von der Dicke her ungefähr an einen Taschenkalender. Das Buch besticht mit einem stabilen Hardcover-Einband. Der Einband ist mit einer an Kreidefarbe erinnernden blauen Farbe eingefärbt, die Rückseite und der Buchrücken sind blank (eine Ausnahme ist das Preisschild auf der Rückseite). Auf der Vorderseite ist goldfarben Verlag und Name eingeprägt.

Die Haptik des Journal ist sehr schön, es fühlt sich wertig an. Leider ist der Einband sehr anfällig für Macken. Bereits nach zwei Tagen in Nutzung waren die Ränder leicht abgestoßen, sodass man die weiße Unterseite sehen kann. Zudem färbt das Journal leider leicht ab. Im Regal neben einem weißen Buch stehend war dies leicht „eingeschlumpft“. Auch der Lieferschein, in dem das Journal eingewickelt war, war teils deutlich blau verfärbt. Man sollte daher ein wenig Vorsicht walten lassen – ich habe das Buch mittlerweile in einem Schutzumschlag á la Schulheft eingefasst. Zudem lässt sich das Preisschild leider nicht rückstandslos vom Journal abziehen und hinterlässt unschöne Klebereste bzw. entfernt Teile der Einfärbung.

Die gesamte Gestaltung des Buches ist in weiß-blau und sehr einheitlich gehalten. Das Buch startet auf der ersten Seite mit der Besitzangabe „gehört:..“ in gleicher Schrift wie der Titel auf dem Cover. Es folgt ein einseitige Vorwort vom Verlag nebst einer Art Inhaltsverzeichnis für die „Special Pages“ im Buch – insgesamt 11 verschiedene. Somit gibt es immer wieder etwas zu entdecken, z.B. gibt es Seiten für „Bücher, die ich noch lesen möchte“ oder „meine Lieblingspärchen“ und „Book-Events, auf die ich gehen möchte“.

Das eigentliche Büchertagebuch bietet Platz für bestimmt über 100 Bücher. Für jedes Buch gibt es eine Doppelseite, die stets identisch ist. Auf der linken Seite ist Platz für die Daten zum Buch, während die rechte Seite als Mood Board zur eigenen Gestaltung einlädt. Egal, ob Hinweise zu Folgebänden, Gedanken zum Buch, Aufkleber – hier kann man sich austoben. Immer wieder findet man Zitate aus LYX-Büchern in dem Journal. Diese wurden durch eine Community-Aktion ausgesucht und passen perfekt zum Journal und natürlich auch zum LYX-Verlag. Die Zitate sind dezent, aber schön ausgearbeitet und man freut sich immer wieder, wenn man auf eins stößt.

Die Seiten sind aus festerem Papier und nicht beschriftet. Kugelschreiber, Textmarker und normale Fineliner drücken bei mir nicht durch und trocknen schnell und pannenfrei. Es gibt zudem ein Band als Lesezeichen, aber leider keine Art „Verschluss“ etwa in Form eines Gummibandes.

Mein Fazit

Book Journals gibt es viele. Meistens bin ich aber von der unübersichtlichen Darstellung erschlagen oder sie bieten einfach nicht die Eintragungen, die man sich wünscht. Das Book Journal vom LYX ist da anders. Sehr schlicht ohne viel Schnickschnack, aber dennoch schön aufgearbeitet merkt man, dass hier viel Zeit und Liebe hereingeflossen ist.

Die Doppelseiten zum Büchereintragen sind umfangreich, geben einige Punkte vor, lassen aber dank der zweiten Blankoseite viel Platz für eigene Notizen. Die Sonderseiten, die zusätzlich eingefügt wurden, passen thematisch super zum Thema Buch und Lesen. Nicht so sehr gefällt mir aber, dass diese sich verstreut im Buch befinden. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn alles gesammelt am Anfang oder Ende wäre. Andererseits ist das Journal paginiert und vorne gibt es eine Art Inhaltsübersicht, weshalb die Seiten sich gut finden lassen. Sehr gefallen habe mir hingegen die Zitate. Sie sind eine bunte Mischung aus bisherigen LYX-Büchern und passen sich hervorragend in das Buch ein.

Leider bin ich mit der äußeren Gestaltung nicht so zufrieden. Dass ein Buch Macken bekommt, ist klar und normal. Allerdings sollte dies nicht direkt nach 1-2 Tagen Nutzung so sein und vor allem ist es sehr ungünstig, dass das Buch abfärbt. Jetzt, da ich es weiß und entsprechende Maßnahmen ergreifen konnte, stört es mich nicht mehr – die Erkenntnis zu gewinnen, hat allerdings durch das Abfärben an anderen Sachen etwas wehgetan.

Insgesamt ist das LYX-Journal ein wirklich toll ausgearbeitetes Buchtagebuch. Es ist super geeignet für Leute, die analog ihre Gedanken festhalten möchten und Spaß am Aufschreiben ihrer Eindrücke haben. Ich habe mich in das süße Buch verliebt und freue mich, es mit Leben zu füllen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, was mir freundlicherweise von dem Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 10.06.2019

statt Gefühlen gab es Längen und ein fragwürdiges Ende

Falling Fast
3

„Ein Buch ist nicht bloß ein Buch, Hails. Es ist die Chance, etwas von sich selbst in der Welt zu hinterlassen, wenn man eines Tages nicht mehr da ist.“ (Jesper zu Hailee in Falling Fast)

Worum geht’s?

Als ...

„Ein Buch ist nicht bloß ein Buch, Hails. Es ist die Chance, etwas von sich selbst in der Welt zu hinterlassen, wenn man eines Tages nicht mehr da ist.“ (Jesper zu Hailee in Falling Fast)

Worum geht’s?

Als Hailee im Rahmen ihres Roadtrips in der kleinen Stadt Fairwood landet, um das Grab ihres besten Freundes zu besuchen, hat sie nur ein Ziel: Möglichst schnell wieder aufzubrechen. Doch ihr Auto macht ihr einen Strich durch die Rechnung. Durch einen Motorschaden ist sie gezwungen, vorerst in Fairwood zu bleiben. Dort lernt sie Chase kennen. Und schon bald muss Hailee sich die Frage stellen: Möchte sie überhaupt wieder aufbrechen? Aber die Zeit drängt. Denn Hailee hat ein ultimatives Ziel…

Falling Fast ist der erste Teil einer Dilogie und ist nicht in sich geschlossen. Die Geschichte wird in Band 2 fortgeführt.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist ein wahrer Hingucker in zartem Lila mit goldenen Highlights. Das Cover lässt jedoch keinerlei Rückschluss auf den Inhalt des Buches zu. Im Laden wäre es mir jedoch definitiv aufgefallen.

Das Buch startet nach einer Triggerwarnung mit einer Art Prolog, dem ein Sprung in die Vergangenheit vor drei Wochen folgt. Ab hier wird die Geschichte durchgängig in linearer Form erzählt. Hailee und Chase führen den Leser in der Ich-Perspektive durch das Buch, wobei die Kapitel jeweils entsprechend übertitelt sind, teilweise jedoch auch mitten im Kapitel der Erzähler wechselt. Die charakterliche Darstellung bei den unterschiedlichen Erzählern fällt nicht sehr unterschiedlich aus, sodass man keinen wirklichen Unterschied merkt, je nachdem, wer erzählt. Der Schreibstil ist locker und gut lesbar. Das Spruch ist sprachlich angemessen für das Genre und die Protagonisten. Teilweise sind die Sätze der Autorin jedoch sehr umfangreich und detailliert, sodass man sich etwas im Text verliert.

Mein Fazit

Falling Fast ist mein erstes Buch der Autorin. Ich hatte etwas Sorge, ob mir das Buch gefallen kann, weil mir im Vorfeld von vielen Leute zugetragen wurde, dass Bianca Iosivoni für ihre sehr gefühlvolle und emotionale Schreibweise bekannt ist, wovon ich nicht ganz der Fan bin. Am Ende konnte mich das Buch aber aus zahlreichen anderen Gründen nicht überzeugen.

Der Einstieg in das Buch gelang mir ganz gut. Hailee kommt nach Fairwood, lernt in einer Bar Chase kennen, am nächsten Tag trifft sie ihn erneut in einem Cafe und kurz darauf will sie eigentlich aufbrechen. Doch ihr Auto streikt und eine Freundin von Chase, die Automechanikerin ist, prognostiziert eine längere Wartezeit. Ein Glück findet Hailee sofort eine kostenfreie Unterkunft, hierfür muss sie nur ein wenig kellnern. Schnell freundet sie sich mit Chase an, lernt seine Freunde kennen und erfährt dabei noch mehr über ihren besten Freund Jesper, der verstorben ist und dessen Grab sie besuchen wollte. Denn Chase und seine Freunde kannten Jesper aus Kindheitstagen und s schwelgt man gemeinsam in Erinnerungen. Der Einstieg ist seicht, zurückhaltend und frei von Dramen. Das ist ok, denn ein Buch muss nicht immer direkt mit einem Schlag anfangen. Das Problem bei Falling Fast ist jedoch, dass es über ca. 90% des Buches so bleibt. Denn viel mehr als die Geschichte um Jesper, mit dem Hailee befreundet ist, nachdem Chase sich mit ihm zerstritten hat, eine sich vorhersehbar anbahnende Liebesgeschichte zwischen Hailee und Chase und ein bisschen dörfliches Drumherum hat Falling Fast erstmal nicht zu bieten. Bereits am Anfang wird methodisch ein Thema nach dem anderen abgehandelt und nach einem Drittel fragte ich mich, was eigentlich noch kommen soll und nach dem zweiten Drittel erst recht, weil wirklich kaum noch eine Storyline übrig war bzw. gewisse Themen einfach im Sande verliefen, z.B. Chase Enthüllung über sein unfreiwilliges Hobby oder das Thema um Jespers Manuskript. Doch eine Sache bleibt da noch: Hailess Roadtrip, den sie per se nicht aufgeben möchte, und von dem sie andauernd spricht, dass er an einem bestimmten Tag an einem bestimmten Ort enden soll. Der Leser fragt sich: Warum? Dies ist eigentlich der einzige wirkliche Spannungspunkt in der Geschichte.

Über weite Strecken passiert also nichts, die Geschichte plätschert seicht vor sich hin. Sie erfüllt nebenbei noch ein paar Klischees, bringt noch ein paar schöne Momente und „Das Leben ist so wunderbar“-Aktionen mit sich, fügt sich wunderbar in diverse amerikanische Jugendfilme ein, wo gemeinsam am Lagerfeuer gesessen wird. Zwischendurch erinnert Hailee sich selbst, Chase und den Leser immer wieder daran, dass sie ja nur begrenzt vor Ort ist. Und hier fängt es an, schwierig zu werden. Denn tatsächlich umfasst Band 1 einen Zeitraum von drei Wochen. Das ist ein sehr kurzer Zeitraum, um eine solide und glaubhafte Liebesgeschichte aufzubauen. Und ich muss sagen: Die Autorin ist bei mir definitiv gescheitert. Da helfen auch die ach so romantische Momente, bei denen wahrscheinlich sogar Nicolas Sparks neidisch wird, nicht. Es gibt zahlreiche objektiv wunderschöne Szenen, die toll ausgemalt werden – bei mir aber keinerlei Gefühle ausgelöst haben, mir zu künstlich wirkten und auch zur Story nicht ganz passten, weil sie fast schon drüber wirken. Es ist so paradox, aber die Zeit im Buch war zu kurz und das Buch dafür zu lang. Es fehlt vorne und hinten an der Greifbarkeit der Gefühle, an der eigentlich normalen Entwicklung von Anziehung und springt direkt von 0 auf Liebe meines Lebens. Es fehlte an so vielen Stellen im Buch die Tiefe, dass ich nicht mitleiden konnte und keine emotionale Bindung zum Gelesenen gefühlt habe.

Die letzten paar Seiten von Falling Fast sind der Schlüssel des Buches. Sie sind die Erklärung für Hailees Verhalten und zugleich auch nicht. Ich habe mitbekommen, dass sehr viele Leser vom Ende geschockt, überrumpelt und entsetzt waren. Dies ist für mich nicht ganz nachvollziehbar, da spätestens ab zwei Drittel des Buches für mich sehr offensichtlich war, wie die Geschichte enden wird. Es ist ein heftiges und auch ein mutiges Ende für ein derartiges Buch. Es kam für mich nicht überraschend, ich kann aber nachvollziehen, wenn es andere Leser verblüffen mag. Inwieweit das Ende nachvollziehbar ist, sei mal dahingestellt. Für mich macht es aber vor allem im Hinblick auf Band 2 arge Probleme. Denn vieles bleibt ungeklärt und ihr Verhalten ist für mich etwas widersprüchlich und bedarf auf jeden Fall noch mehr Erklärung. Vor dem Hintergrund des Endes finde ich die von LYX geführte Marketing-Kampagne, die auf Hailees Motto für den Roadtrip „Sei mutig“ basiert, jedenfalls fast schon perfide und sarkastisch.

Zu den Charakteren muss ich festhalten: Hailee und ich sind über das gesamte Buch nicht warm geworden. Ich mochte sie nicht, sie wirkte über weite Strecken unauthentisch und sprunghaft. Durch ihre – zwar erklärbare – flatterhafte Art ist Hailee als Charakter wenig greifbar und das führte dazu, dass ich mich nicht wirklich für sie interessiert habe. Sie wirkt teilweise leider auch unauthentisch. Eigentlich ist sie schüchtern, dann faltet sie aber Chase volle Kanne zusammen, dann ist sie schüchtern und muss sich andauernd Mut zusprechen, klettert aber auf einem Felsen über einem Abgrund rum und fährt mit einem Wildfremden Motorrad, obwohl sie nichtmal zu Chase ins Auto steigen wollte. Chase hingegen gefällt mir sehr. Er wirkt nett, reflektiert und hat einiges einzustecken mit den ganzen Umständen. Sie soll 21 sein, benimmt sich teilweise aber irgendwie wie 15. Am meisten hat mich ihre vorverurteilende Art genervt, die vor allem Chase regelmäßig zu spüren bekam. Chase hingegen gefällt mir sehr. Er wirkt nett, reflektiert und hat einiges einzustecken mit den ganzen Umständen. Dennoch bleibt er eher zurückhaltend, zu perfekt und oberflächlich. Tatsächlich finde ich beide Charaktere sehr eindimensional und habe mir deutlich mehr Tiefe gewünscht. Vor allem Hailees eventuellen Gefühle blieben mir ein Rästel. ob und wie Hailee sich in Chase verliebt hat. Dass er sich verliebt – ich würde eher sagen verknallt – hat, war noch greifbar. Aber Hailees Gefühle waren für mich überhaupt nicht greifbar. Es wirkt für mich eher, als sei Chase ein angenehmer Zeitvertreib für sie.

Zudem muss ich sagen, dass es mich sehr gestört hat, dass die Autorin die Band Waiting for Juliet eingebaut hat, welche wohl aus einer anderen Buchreihe von ihr stammt. Das könnte natürlich für Fans der Autorin ein nettes Easter Egg sein, wenn man die anderen Bücher wie ich aber nicht kennt, wirkt es ehrlich gesagt nur nervig und verwirrend, weil es kein Punkt für mich ist, der ausufernder Beschreibung bedarf, während andere Sachen deutlich zu sehr auf der Strecke bleiben und mehr im Fokus stehen sollten als eine seitenlange Ausführung über diese Band.

Falling Fast ist ein Buch, welches viel Potenzial mitgebracht hat, sich auf dem Weg aber irgendwie selbst verlaufen hat und zu einer fast schon perfiden, nicht unbedingt nachvollziehbaren Lovestory mutiert ist, die sich mit diesem Ende im Hinblick auf einen glaubhaften Band 2 selbst im Weg steht. Statt mit dem Cliffhanger die Motivation in mir zu wecken, Band 2 unbedingt lesen zu wollen, bin ich mit argen Bauchschmerzen und einem heftigen Kopfschütteln zurückgeblieben. Und mit der traurigen Erkenntnis, dass durch die mangelnde Verbindung zu Hailee, der Fortlauf der Story für mich keine Relevanz hat und ihr Schicksal mir leider gleichgültig ist. Ob ich Band 2 lese, bleibt daher zum gegenwärtigen Zeitpunkt unklar.

+++ es folgen im Weiteren Spoiler!!! +++

Woran ist es gescheitert, dass das Ende mich so ratlos und unzufrieden zurückgelassen hat? Hierfür muss man sich vor Augen halten, wie das Buch endet. Hailee hat sich bereits vor ihrem Roadtrip dazu entschieden, nach den drei Monaten „on the road“ aus dem Leben scheiden zu wollen, um mit ihrer Schwester Katie wiedervereint werden zu können. So steht ihr Entschluss, die Zeit in Fairwood und die Annährung mit Chase kann sie nicht aufhalten, sie hinterlässt einen Abschiedsbrief und bricht auf. Chase findet diesen und erfährt ihren finalen Plan. Das Buch endet hiermit. Nur: Was soll denn jetzt passieren? Weil: Hailee will sie umbringen. Die bisherigen Umstände haben nicht gereicht, sie im Leben zu halten. Ich bezweifle aber stark, dass die Autorin sie wirklich sterben lässt (bzw. Chase sie jedenfalls rechtzeitig findet). Einzig logische Konsequenz wäre dann für mich aber eine entsprechende fachpsychologische Behandlung. Ich hoffe also sehr, dass die Autorin in Band 2 das Ganze nicht so leichtfertig abarbeitet, dass Hailee sich dann doch noch umentscheidet und beide dann glücklich bis an ihr Lebensende leben, ohne dass es noch großartig thematisiert und vor allem behandelt wird. Es waren für Hailee nicht genug Gründe, Freundschaften geschlossen zu haben, sich verknallt zu haben und Aussicht auf einen Buchvertrag zu haben. Es wird eine schmale Gradwanderung, in Band 2 verständlich zu machen, wieso sie dann doch im Leben bleiben will. Sollte sie wider Erwarten aus dem Leben scheiden, so wird es vor dem Hintergrund der kurzen Zeit wenig erklärbar, dass Chase ewig leiden wird. Auf jeden Fall wird Fingerspitzengefühl benötigt, um hier eine nachvollziehbare, realistische und nicht idealistische Lösung zu finden.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 14.06.2019

irrsinniger Wahnsinn, der einen fesselt

Silent King - Elite Kings Club
1

„In dieser Nacht hatte ich einfach zu viel erlebt. Dinge, die ich mir nicht erklären konnte. Und Dinge, von denen ich nicht sicher wusste, ob ich sie mir überhaupt erklären wollte.“
(Madi über die Enthüllungen ...

„In dieser Nacht hatte ich einfach zu viel erlebt. Dinge, die ich mir nicht erklären konnte. Und Dinge, von denen ich nicht sicher wusste, ob ich sie mir überhaupt erklären wollte.“
(Madi über die Enthüllungen aus Broken Puppet in Silent King)

Worum geht’s?

Nach einem mehrfachen Paukenschlag am Ende von Band 2 steht Madis Leben Kopf. Alles ist anders, als sie dachte. Hin und her gerissen, ob sie mit den Kings noch etwas zu tun haben will, kommt sie dennoch von Bishop einfach nicht los. Sie braucht Antworten, denn so viel, was sie zu wissen glaubte, ist anders, als sie dachte. Und die Kings müssen feststellen, dass sie nicht alles geheim halten können und sollten, denn eine mächtige Gefahr steht im Hintergrund und wartet nur darauf, die Kings und ihre Weltordnung zu zerschlagen…

Silent King ist der dritte Teil der Elite Kings Club Buchreihe vom Amo Jones, die voraussichtlich 7 Teile haben wird. Man benötigt Vorkenntnisse aus Band 1 und 2, das Buch kann nicht eigenständig gelesen werden.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover von Silent King passt sich wunderbar in die Reihe ein. In schwarz gehalten und schlicht erzeugt es die düstere Atmosphäre, die auch das Buch ausmacht. Die männlich anmutende Krone passt zum Titel.

Anders als die beiden Vorgängerbände erhalten wir dieses Mal nicht nur Einsicht in Madis Erzählung, sondern auch Bishop berichtet zwischendurch in der Ich-Perspektive, allerdings nicht in einem 50/50 Verhältnis. Außerdem gibt es in einigen Kapiteln mittendrin einen Sprung zu Daemon, die Sprünge werden entsprechend übertitelt. Der Erzählerwechsel bei Madison und Bishop wird nicht gesondert ausgewiesen, man weiß zum Kapitelstart also nicht, wer erzählen wird. Allerdings erkennt man dies durch den Sprachstil meist schnell. Die Geschichte ist größtenteils linear aufgebaut, es gibt allerdings einige Zeitsprünge nach vorne und nach hinten In einigen Kapitel erleben Madison und Bishop zudem einige Flashbacks, die durch Kursivschrift sofort erkennbar sind. Strukturell ist Silent King hiermit etwas aufwendiger zu verstehen.

Der gewöhnungsbedürftige Schreibstil der Autorin, den ich als ruppig und sprunghaft beschreiben würde, ist in diesem Buch nicht so ausgeprägt wie in den beiden Vorgängern. Zwar bleibt es bei größtenteils kurzen Sätzen und vielen Gedankensprüngen, allerdings wirkt Band 3 strukturiert. Dennoch bleibt Silent King wie seine Vorgänger wirr und unkontrolliert, was zum Inhalt hervorragend passt und finde es als atmosphärisches und charakterliches Stilmittel sehr passend. Auch in Band 3 geizt die Autorin nicht an Kraftausdrücken, insbesondere die Kapitel aus Bishops Sicht enthalten eine für Bishop angemessene Dosis deutlicher Sprache.

Mein Fazit

Die Elite Kings. Kontrovers, wirr, absurd, verkorkst – es gibt so viele Adjektive, die mir einfallen, wenn es um die Reihe geht. Doch wie erklärt man seine Begeisterung für ein Buch, was sich so schwer in Worte fassen lässt, was mit dem Leser spielt und Spaß daran hat, ihn an den Rand der Verzweiflung zu treiben? Ich habe Silver Swan geliebt, weil es unkontrolliert und unerwartet war. Ich habe Broken Puppet geliebt, weil es von Seite zu Seite alles Geglaubte stets demontiert hat und den Leser immer wieder neu verblüfft hat – mit vollkommen absurden Handlungssträngen und schockierenden Enthüllungen. Und ja, ich habe auch Silent King geliebt. Doch warum?

„Mein Leben war eine Art Enzyklopädie, in die ständig neue Informationen eingetragen wurden, sodass ich es unaufhörlich ändern und umschreiben musste.“
(Madi in Silent King)

Diese Antwort ist sicher nicht einfach und mit einem Satz zu geben. Das Buch steigt mit einem kurzen Rückblick auf das Ende von Broken Puppet direkt wieder ins Geschehen ein. Erwartet der Leser, dass Madi sich jetzt auf die Suche nach Antworten begibt, so wird man enttäuscht. Denn zunächst geht es vollkommen unerwartet um die instabile, schwierige Beziehung zwischen Madi und Bishop. Denn Madi hat das Bedürfnis, Bishop eins auszuwischen und macht mit Nate und Brantley rum. Hier lag der erste Test für den Leser – es war ein wahrer „was zum Teufel“-Moment. Doch vielleicht war er auch notwendig, um mich daran zu erinnern, dass die Elite Kings auf einem ganz anderen Level spielen. Aus diesem Intermezzo folgt eine komplizierte Rache-Wut-Entwicklung zwischen Madi und Bishop. Ihre Beziehung ist toxisch, so könnte man es wohl am besten beschreiben. Aber: Durch diesen kleinen Umweg erhält man Einblicke in Bishops Psyche, die Bedeutung von Madison für die Kings und die Macht des Zusammenhalts. Und diese Einblicke benötigt man. Denn nach etwa einem Viertel ist das Buch wieder in seinen Heimatgewässern: Es wird wirr, es wird geheimnisvoll und es wird verdammt gefährlich. Madi und auch der Leser erhält einige Antworten, einige Puzzleteile fügen sich zusammen, wieder andere hingegen zeigen sich als Blendgranate. Lange saß ich da, las Seite um Seite und wusste nicht, wo mich Amo Jones hinsteuern möchte. Hilflos wie eine Nussschale auf dem offenen Meer, aber zumindest nicht mehr ganz so ahnungslos wurde ich langsam zu einem epischen Finale geleitet – naja, Zwischenfinale. Silent King ist ja nicht das Ende der Reihe, nur das Ende meiner Nerven.

Ja, es gab ein episches „Midseason-Finale“ in bester Serien-Blockbuster-Manier. Ich habe mit vielen gerechnet, hiermit aber sicher nicht. Es ist so überzogen, dass man nicht weiß, ob man gerade aus Versehen bei Game of Thrones oder Twilight gelandet ist, naja, nur ohne den Fantasie-Teil. Denn tatsächlich – so übertrieben es auch ist – konnte mich am Ende die komplette Auflösung rund um die Kings, die offenen Fragen aus Band 2 und Madisons Rolle im ganzen Spiel doch sehr zufrieden stellen. Überraschungen gab es zu Genüge. Leute, die plötzlich auftauchten, Leute, die plötzlich verschwanden und in einem unschuldigen, nachgeschobenen Kapitel wird wie ein Schlag in die Magengrube offenbart, dass die Elite Kings sich zu Unrecht in Sicherheit wiegen. End of Story? Ganz sicher nicht. Bei den Elite Kings gibt es sowas wie Happy Ends ganz sicher nicht. Von einer Katastrophe in die nächste…

„Diese Jungs leben nach ihren eigenen Regeln und Ritualen. Dass ich sie nicht verstand, machte sie nicht ungültig.“ (Madi über die Kings)

Man nehme einen Haufen 17-20jährige, die unfassbar teure Autos fahren, von Tattoos nur so überzogen sind, saufen wie ein Loch, kiffen, durch die Betten hüpfen (gern auch mal unkonventionell), von den Eltern Freifahrtscheine für so quasi alles haben, mit Messern und Waffen umgehen können und keinen einzigen Tag in der Schule verbringen, außer vielleicht mal in der Cafeteria. Hierzu packe man ein Mädchen, 17 Jahre, unschuldig mit einer Vorliebe für Waffen, und ihre leicht abgedrehte beste Freundin – die allein lebt ohne elterliche Aufsicht. Klingt realistisch? Absolut nicht. Doch ist man von ihnen fasziniert, schockiert, entsetzt und verblüfft? Aber sowas von. Denn das macht gerade den Spaß aus: Die Elite Kings sind so unglaublich übertrieben, dass es Spaß macht. Man lacht mit ihnen, man verdreht die Augen ihretwegen und man denkt unweigerlich „ach, was habe ich mit meinen süßen 17 Jahren so gemacht“ – ganz sicher keine Menschen getötet (oh, sorry, Bishop hat mit 13 angefangen!). Und dadurch, dass die Charaktere sind wenig greifbar sind, sind sie eine Wundertüte für den Leser. So auch hier in Silent King, wo vor allem Madi am Ende eine Schlüsselrolle einnimmt, die man nie erwartet hätte und einem mit offenem Mund zurücklässt. Man muss einfach drüberstehen, dass es hier nicht um eine realistische nette Story geht, sondern einfach um Unterhaltung. Und das sind die Kings auf jeden Fall.

„Ich war süchtig nach dem brennenden Schmerz, der sich in mir ausbreitete, wenn Bishop mir wieder einmal das Herz brach.“ (Madi über Bishop in Silent King)

Auch in diesem Band liegt der Fokus primär auf Madi und Bishop, dieses Mal aber mit deutlich mehr Randfiguren. So spielt vor allem Nate eine Rolle, der im Fokus von Buch 4 und 5 stehen soll und somit bereits ansatzweise seine Storyline eingeführt wurde – unvorhersehbar und mit einem großen, kleinen Bang. Im Verlauf kommt durch eine Enthüllung eine weitere, altbekannte Person als relevante Randfigur dazu. Auch Daemon ist wieder am Start, zahlreiche Kings verschiedener Generationen, der Vater von Bishop, Tatum, ein paar weitere Leutchen und die unfassbar interessante Mutter von Bishop. Es wird voll in diesem Buch. Die weiteren Kings bleiben Randfiguren, die nur wenn notwendig angeführt werden. Dadurch, dass man nunmehr auch Einblick in Bishops Gedanken erhält, wird einiges klarer und ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass Bishop in seiner verqueren Art süß sein kann. Madi hat ihre Naivität noch einmal mehr abgelegt und zeigt oftmals vor allem Eier. Nichtsdestotrotz ist die Beziehung zwischen den beiden kompliziert und bereitet dem Leser durchaus Kopfschmerzen. Sind sie gut füreinander, sind sie schlecht füreinander, wer wird für wen das Verderben sein? Man bleibt unschlüssig und ändert gern seine Meinung, aber passt schon, in diesem Buch ist ja alles sehr sprunghaft. Also darf der Leser es auch sein.

Während Broken Puppet mich mit seinen groben Sexszenen doch etwas überrumpelt hat, muss ich sagen, dass Silent King überraschend unsexy ist. Sicher, es gibt vereinzelt sexuelle Thematiken und auch Verkehr, jedoch in einem weit unterdurchschnittlichen Verhältnis. Es fehlt bei den ganzen Geschehnissen vielleicht etwas die Zeit. Dafür wurde etwas an der Gewaltschraube gedreht. Silent King ist halt wie seine Brüder kein Jugendbuch, aber auch nicht wirklich ein Dark Romance Buch. Was genau es ist? Ich weiß es nicht. Nur, dass es grandios ist. Und manchmal frustrierend. Oft sogar.

Silent King hat es noch mehr als seine Vorgänger geschafft, meine Grenzen auszutesten: Meine Frustrationsgrenze, meine Toleranzgrenze und meine Bereitschaft, sich einer komplett absurden, wirren Geschichte hinzugeben. Zwar schlägt Silent King deutlich in die kerbe wie Silver Swan und Broken Puppet, bringt aber doch eine etwas andere Dynamik mit. Das Buch spielt weniger mit dem Leser und ist endlich bereit, einige Auflösungen zu präsentieren. Hierdurch geht etwas die Unberechenbarkeit des Buches verloren, doch wenn man bis hierhin durchgehalten hat, hat man es definitiv verdient, Antworten zu erhalten. Die Elite Kings konnten mich – once again – fesseln und noch heute, einige Tage nach dem Buchende, frage ich mich, welche Windungen in meinem Gehirn durchgeknallt sind, denn ja, Silent King mag objektiv betrachtet der größte Müll sein, eine vollkommen absurde Geschichte präsentieren und die Charaktere sind vollkommen drüber – und dennoch habe ich jede Sekunde des Lesens genossen und nach diesem Ende, welches wieder mit zwei, drei schockierenden Enthüllungen fast schon höhnisch lachend alles auf den Kopf stellt, freue ich mich wieder sehr auf die Fortsetzung. Denn ich dachte, ich habe das Puzzle gelöst. Aber da ist noch so viel mehr…

„Die kriegen schon noch, was ihnen zusteht. Mit Zugabe.“
(eine neue, verborgene Gefahr am Ende von Silent King über die Kings)

Wäre Silent King ein Film, würde er wahrscheinlich bei „die schlechtesten Filme aller Zeiten“ gelistet sein und die Elite Kings würden als Trash-Perlen gehandelt werden. Ja, der Sprachstil ist gewöhnungsbedürftig, die Charaktere sind lächerlich verkorkst, die Storyline ist so wirr und absurd, dass man sich fragt, welche Drogen man genommen hat. Das Buch ist objektiv schlecht. Aber die Kunst eines Buches liegt daran, wie es sich für den Leser anfühlt. Und subjektiv ist dieses Buch der Wahnsinn. Jeder muss für sich selbst herausfinden, ob er in diese wirre Welt eintauchen kann und mag. Man wird sie lieben oder man wird sie hassen, ausnahmsweise gibt es kein Dazwischen. Aber haben die Kings dich erst einmal gecatcht, wirst du ihnen nicht entkommen. Niemals.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 13.04.2019

fasziniernd, frustrierend, fesselnd

Broken Puppet - Elite Kings Club
1

„Wenn man schon auf den Teufel hereinfällt, sollte man wenigstens aufpassen, dass er einem im Sturz nicht noch die Hörner ins Herz bohrt.“ (Madi über Bishop in Broken Puppet)

Worum geht’s?

Nach den Enthüllungen ...

„Wenn man schon auf den Teufel hereinfällt, sollte man wenigstens aufpassen, dass er einem im Sturz nicht noch die Hörner ins Herz bohrt.“ (Madi über Bishop in Broken Puppet)

Worum geht’s?

Nach den Enthüllungen und Erlebnissen aus Band 1 will Madi nur noch eins: Weg. Weg von Bishop, weg von den Kings, weg von dem ganzen Chaos und Geheimnissen. Gemeinsam mit Tatum flieht sie. Doch die Kings lassen so schnell niemanden gehen und Bishop wäre nicht Bishop, wenn er Madi überall finden würde. Und so steht Madi schneller als ihr lieb ist wieder im Durcheinander aus Geheimnissen und Lügen. Aber Madi kann nicht ahnen, dass die bisherigen Enthüllungen erst der Anfang waren…

Broken Puppet ist der zweite Teil der Elite Kings Club Buchreihe vom Amo Jones. Man benötigt Vorkenntnisse aus Band 1, das Buch kann nicht eigenständig gelesen werden. Das Buch ist nicht abgeschlossen und wird in Band 3 fortgeführt.

Schreibstil / Gestaltung

Auch Broken Puppet überzeugt wie sein Vorgänger wieder mit einem düsteren, schlichten Cover, welches hervorragend zu Band 1, jedoch nicht ganz zum Titel passt. Dennoch signalisiert das Cover für mich ausreichend die Botschaft, dass es hier düster und gefährlich wird.

Wie bereits Silver Swan wird das Buch ausschließlich durch Madison in der Ich-Erzähler-Perspektive erzählt. Die Geschichte ist linear aufgebaut, es gibt allerdings einige Zeitsprünge nach vorne. In den Kapitel erlebt Madison zudem einige Flashbacks, die durch Kursivschrift sofort erkennbar sind. Die 22 Kapitel des Buches sind fast alle überdurchschnittlich lang.

Der Schreibstil von Amo Jones ist bleibt gewöhnungsbedürftig. In Silver Swan störte ich mich anfangs stark an den kurzen Sätzen, den abrupten Wechseln und der teilweise sehr sprunghaft-unkontrolliert wirkenden Erzählweise. Auch in Broken Puppet behält die Autorin dies bei. Allerdings habe ich mich mittlerweile dran gewöhnt und finde es als atmosphärisches und charakterliches Stilmittel sehr passend, denn es spiegelt sowohl die Charaktere als launisch und unangepasst als auch die Story als wirr und unvorhersehbar sehr gut wider. Auch in Band 2 geizt die Autorin nicht an Kraftausdrücken und deutlicher Sprache.

Mein Fazit

Nachdem ich von Silver Swan eiskalt überrascht wurde und eine derart heftige, düstere Story mit so vielen Twists gar nicht erwartet hatte (und somit einen Platz als Jahreshighlight in meinem Herzen fand), war ich mir sicher, dass Broken Puppet mich nicht so überraschen und schockieren kann. Tja, ich war naiv und ich hatte keine Ahnung…

Der Bucheinstieg mit Tatums und Madis Flucht war für mich interessant, wenn auch zugleich extrem unrealistisch und irgendwie nicht wirklich zur Geschichte passend. Entsprechend schwer fiel mir der Einstieg in das Buch auch, da die ersten 20 Seiten der Flucht deplatziert wirkten. Aber sobald der erste King wieder auf die Bildfläche tritt, hat das Buch einen – der Groove ist wieder da, die ganzen Geheimnisse und Fragezeichen. Und Broken Puppet schlägt komplett in die Kerbe, die Silver Swan in Leichtigkeit vorgearbeitet hat. Broken Puppet ist düster, böse, verwirrend, unvorhersehbar, verkorkst, erschreckend – und es macht verdammt süchtig. Rein objektiv betrachtet müsste man wahrscheinlich feststellen, dass das Buch kein Kunstwerk der Sprache ist und die Storylines eine mittlere Katastrophe sind. Die Charaktere handeln zu keiner Zeit altersangemessen, es passiert extrem viel, dass man eigentlich das Buch vor lauter Unlogik wegwerfen will, und der arme Leser? Der blickt nichts.

„Hier kommt ein Rätsel…“ (SMS an Madi in Broken Puppet)

Aber genau das ist die Kunst, die Amo Jones vollbracht hat: Ich konnte das Buch nicht wegwerfen. Ich war gefesselt. Gefangen zwischen Faszination und Frustration, zwischen Entsetzen und Freude, zwischen Fassungslosigkeit und Genugtuung passiert so viel beim Lesen. Ja, die Charaktere handeln nicht wie 17-20jährige – aber sie erheben auch nie den Anspruch, sich auf ihr Alter zu berufen. Daher war es für mich leicht, das Alter zu überblenden und einfach so zu tun, als seien die alle Mitte 20. Ja, das Buch mag nicht gerade mit einer realistischen Storyline aufwarten, dennoch zaubert die Autorin immer wieder neue Plottwists hervor, die komplett unvorhersehbar sind, die die Geschichte jedes Mal in ein neues Licht tauchen und sich am Ende aber wieder als Finte erweisen, denn mit der nächsten Enthüllung wird alles wieder über einen Haufen geworfen. Ich hatte noch nie ein Buch, welches es geschafft hat, dass ich bis zur letzten Seite und darüber hinaus vollkommen planlos bin, in welche Richtung die Geschichte gehen kann und wird, welche Bedeutung hinter dem ganzen Kings Club steht und welche Rolle Madi spielt. Selbst jetzt, nach zwei Bänden, bleibt der Elite Kings Club für mich ein Rätsel.

„Wann ist mein Leben eigentlich derart aus den Fugen geraten? Gut, eigentlich war es schon immer ein einziges Chaos, aber im Moment stoße ich immer nur auf neue Fragen, je mehr ich erfahre.“ (Madi zu Bishop und Nate in Broken Puppet)

So ging es mir. Permanent fragte ich mich, womit Madi das ganze eigentlich verdient. Es gibt zahlreiche Flashbacks in diesem Buch, die am Ende zu einer großen Enthüllung führen – eigentlich zu mehreren Enthüllungen direkt hintereinander. Atemlos saß ich auf den letzten 40 Seiten dort, geschockt und überrascht von einem der zahlreichen Geheimnisse. Und was ist die Folge der Enthüllungen? Noch mehr Fragen. Für jedes begrabene Fragezeichen kommen 20 neue. Es ist frustrierend und es fühlt sich so unfassbar gut an. Das Buch verlangt vom Leser viel ab. Toleranz und Akzeptanz, eine Prise „ok, ich gucke da jetzt mal drüber hinweg“ und jede Menge „das ist nicht dein Ernst“ – denn wie bei Silver Swan begibt sich Madi jedes Mal willentlich in Situationen, die nur schlecht enden können. Möchte ich sie stoppen? Eigentlich nicht, aber eigentlich schon. Möchte ich, dass Bishop sie rettet? Unsicher, denn weiß ich, wer Bishop wirklich ist? Das Buch spielt mit jeder Menge innerer Zerrissenheit. Daher ist es für mich unvermeidlich, dass sich die Geister an dem Buch scheiden – man hasst es oder man liebt es, kein Dazwischen, keine Einschränkungen.

„Fast? So etwas wie fast gibt es bei mir nicht, Madison. Ich mache kein Fehler. Ich handle. Und wenn ich etwas tue, kannst du deinen Ar*ch darauf verwetten, dass ich vorher jeden einzelnen Aspekt durchdacht habe. Ich bin nicht unberechenbar. Ich bin berechnend.“ (Bishop zu Madi in Broken Puppet)

Auch in diesem Band liegt der Fokus primär auf Madi und Bishop, mit Nate als Randfigur. Im Verlauf kommt durch eine Enthüllung eine weitere Person als relevante Randfigur dazu. Die weiteren Kings bleiben Randfiguren, die nur wenn notwendig angeführt werden. Bishop wirkt in Band 2 deutlich unberechenbarer als in Band 1, während Madison sich charakterlich etwas weiterentwickelt hat. In Band 1 war es besonders ihre Naivität, die einen fast schon genervt hat, jetzt in Band 2 wirkt sie deutlich stärker, was sie aber nicht davon abhält, von einer Falle in die nächste zu tappen. Alle männlichen Charaktere bleiben weiterhin undurchsichtig, verwirrend und gefährlich. Würde man sich als Leser mit ihnen abgeben? Ganz sicher nicht. Faszinieren sie einen dennoch? Absolut.

Festzustellen ist, dass Broken Puppet mit einem unnormal hohen Spannungsbogen daherkommt. Das Tempo ist hoch, die Anzahl der Enthüllungen und Geheimnisse wie Gewehrsalven und die Intensität der Geschehnisse so heftig, dass es ein Wunder ist, dass ich das Buch ohne zahlreiche Herzinfarkte überlebt habe. Einige Enthüllungen waren schrecklich wie ein Eimer eiskaltes Wasser, während einzelne Sätze im Buch plötzlich eine Regung der „Aw“-Gefühle hervorriefen – komplette emotionale Verwirrung. Wie auch der Vorgänger ist das Buch kein Jugendbuch, denn insbesondere die Sexszenen gehen an die Substanz und sprengen einige Grenzen, wenngleich man aus dem Dark Romance Genre härteres, dennoch beim LYX-Verlag doch eher seichteres gewohnt ist. Das gesamte Buch ist von Grobheit, Dunkelheit und Gewalttätigkeit geprägt.

Broken Puppet hat alles geschafft, was auch Silver Swan geschafft hat. Es ist eine absolut würdige, starke Fortsetzung, die zu jeder Zeit fesselt und entsetzt. Ich kam mir vor wie bei einem Ausflug in die Hölle, mit Bishop als Teufel hochstpersönlich. Broken Puppet ist in einigen Punkten für mich stärker, zugleich aber auch unberechenbarer gewesen. Eine Fortsetzung, die so viel Lust auf mehr macht und einen verzweifelt zurücklässt. Es ist ein Buch, welches man mit dem Gedanken „was zum Henker habe ich hier gelesen“ beendet, nur um dann verzweifelt auf den Kalender zu schauen, wann endlich Band 3 kommt. Denn am Ende steht die Erkenntnis, dass alles, was man glaubte zu wissen, falsch ist und es steht fest:

„Wie ich schon sagte, du hast ja keine Ahnung.“ (Brentley zu Madi in Broken Puppet)

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 10.04.2019

extrem spanennd und super fesselnd

Blood & Roses - Buch 2
1

„Inzwischen solltest du es eigentlich besser wissen, Sloane. Du bist ein zorniges Mädchen, ja, aber ich bin auch ein zorniger Junge. Und wenn du vorhast, Bestrafungen auszuteilen, dann must du besser auch ...

„Inzwischen solltest du es eigentlich besser wissen, Sloane. Du bist ein zorniges Mädchen, ja, aber ich bin auch ein zorniger Junge. Und wenn du vorhast, Bestrafungen auszuteilen, dann must du besser auch bereit, im Gegenzug einzustecken.“ (Zeth zu Sloane in Blood & Roses)

Worum geht’s?

Sloane konnte auf der Suche nach ihrer vermissten Schwester einen großen Fortschritt machen: Zeth sagt, er hat sie gefunden. Doch um sie zu retten, will er Sloane nicht in Gefahr bringen. Als er aufbricht und Sloane darum bittet, auf seine Freundin Lacey aufzupassen, muss diese sich die Frage stellen: Wie sehr kann sie Zeth vertrauen? Denn Zeth bewegt sich in einer dunklen Welt und schon bald kommt auch Sloane ungewollt mit ihr in Berührung…

Blood & Roses 2 ist der zweiter Band einer sechsteiligen Reihe und ist nicht in sich geschlossen. Es werden Vorkenntnisse aus dem ersten Band benötigt, da die Geschichte unmittelbar fortgeführt wird.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover von Blood & Roses 2 ist gut gelungen. Es passt hervorragend zu Band 1, wirkt geheimnisvoll und düster. Herzkönig und Herzdame – ist dies ein versteckter Hinweis auf den Fortgang der Story? Man wird es sehen.

Nach einem ersten Kapitel aus Zeths Sicht gibt es einen Zeitsprung zurück. Ab hier wird das Buch chronologisch erzählt. Der Prolog gibt Hinweise auf Geschehnisse, die am Ende des Buches und in Band 3 eine Rolle spielen könnten. Erneut erzählen wieder Sloane und Zeth abwechselnd aus ihrer Sicht. Hierbei fällt erneut auf, wie differenziert die beiden Charaktere ausgearbeitet sind, denn beide wirken in ihren Kapiteln passend unterschiedlich mit ihrer eigenen Art und Sprechweise. Ähnlich wie Band 1 ist auch Band 2 sehr direkt geschrieben, lässt sich leicht und flüssig lesen. Insbesondere Zeth präsentiert gerne Kraftausdrücke und es gibt auch einige Erotikszenen, die erneut anspruchsvoll und niveauvoll ausgearbeitet sind. Sprachlich zeigt das Buch, dass es zum Dark Romance Genre gehört.

Mein Fazit

Band 1 war eine absolute Lesefreude. In einem Rutsch durchgelesen und voller Begeisterung mit jeder Menge Fragen zurückgelassen war daher klar, dass Band 2 schnell hermuss.

In das Buch habe ich unproblematisch hereingefunden. Das erste Kapitel stellte mich direkt auf die Probe, denn hier wird auf ein zukünftiges Erlebnis Bezug genommen und man möchte verdammt nochmal wissen, was da passiert ist und was es zu bedeuten hat. Danach springt die Story zwei Wochen zurück zum Ende von Band 1 und verläuft sodann linear. Hier passiert einiges und noch viel mehr wird angedeutet. Der Spannungsbogen des Buches ist erneut sehr hoch. Man erhält in Band 2 wesentlich mehr Einblicke in Zeths bisherigen und gegenwärtiges Leben. Hierdurch gewinnt man einen komplett neuen Eindruck von Zeth, realisiert aber auch, wie böse und düster seine Welt eigentlich ist. Es gibt viele interessante Storylines und insgesamt kommt Blood & Roses 2 mit viel Action, einer gehörigen Portion Thrill und etwas Drama daher. Die Mischung ist dabei so gut gelungen, dass jede Facette des Buches begeistert und ein „ich will mehr“ hervorruft. Man möchte mehr über Sloane und ihre Schwester wissen, man möchte mehr über Zeth wissen, man möchte mehr über eine mögliche Verschwörung im Hintergrund wissen und nicht zuletzt möchte man wissen, was aus Zeth und Sloane wird. Wie bereits in Band 1 ist man unentschlossen, ob Zeth das Verderben für Sloane bedeuten wird oder ob Sloane das Licht in Zeths Leben sein wird. Denn bei Blood & Roses bin ich mir gegenwärtig nicht sicher, welchen Weg die Autorin einschlagen wird. Dafür ist und bleibt Zeth zu unvorhersehbar und Sloane berechtigt skeptisch. Es gibt einige Twists, einige Überraschungen und jede Menge Fragezeichen – genug, dass man sich gut unterhalten fühlt, aber nicht zu viel, als dass es unrealistisch und überzogen wird. Die Autorin spielt hierbei aber auch sehr gut mit dem Leser, denn es gibt zahlreiche Szenen, die Sloanes Zerrissenheit und Zeths Empathielosigkeit zeigen, nur um dann später aus dem Nichts mit einzelnen Sätzen das Herz schwerwerden zu lassen. So hat einer von Zeths Gedankengängen kurz vor Ende des Buches mein Herz endgültig herausgerissen.

Eines meiner Highlights in Band 1 war ja Zeth. Und auch in Band 2 bleibt er mein Highlight. Die Autorin präsentiert uns einen kaputten, brutalen Badboy, der nicht gerade mit seinen Gefühlen und seiner Empathie punkten kann, dabei aber stets interessant und faszinierend daherkommt. Seine bissigen Kommentare, seine selbstironischen Gedanken und auch die Direktheit seiner Ansagen gegenüber Sloane machen ihn einfach durchweg besonders. Man kann definitiv sagen, dass ich mich komplett in Zeth verschossen habe. Und dann ist da Sloane, die in ihrer Gestaltung so gut gelungen ist, dass es eine Freude ist, über sie und ihre Gedanken zu lesen. Sie ist mutig, sie ist stark – aber dabei nicht überzogen. Sie traut sich was, manchmal geht es aber auch schief. Oftmals nervt es an Büchern, wenn die komplett unterfahrenen Protagonistinnen auf einmal in jeder Situation die rettende Idee haben und wie Wonder Woman wirken. Nicht so bei Sloane. Bodenständig, intelligent, tapfer – aber eben auch nicht unfehlbar. Sie reflektiert ihre Handlungen, sie weiß um Zeth und seine ungesunden Seiten, sie kennt Elend und Abgründe durch ihren Job. Gemeinsam mit Zeth ist sie die perfekte Mischung für ein Buch, bei dem man auf jeder Seite die Chemie der Charaktere regelrecht greifen kann. Die beiden bewegen sich auf Augenhöhe, schrecken nicht voreinander zurück, es gibt starke Wortgefechte und noch stärkere Erotikszenen. Es macht einfach Spaß, sich von den beiden verzaubern zu lassen.

Band 2 schlägt im Bereich Erotik etwas mehr zu als Band 1, dafür empfand ich die Szenen als weniger heftig. Durchweg sind die Szenen sehr fesselnd und sinnlich verpackt. Die Autorin legt ein hohes Niveau an den Tag und schafft es dabei zugleich, die Erotikszenen so selbstverständlich passend einzubauen, dass man wirklich die Notwendigkeit für den Fortgang der Story sieht. Das habe ich nicht oft bei Dark Romance Büchern, denn oftmals wirkt es so, als sei die Erotik sehr willkürlich eingebaut.

Band 2 hat knapp 30 Seiten mehr als Band 1 – aber immer noch verhältnismäßig wenig. Hierdurch leidet aber weder die Spannung noch die Handlung selbst. Als die letzte Seite angebrochen war, war daher die Trauer groß, dass das Buch vorbei ist. Man wünscht sich als Leser nur, dass es weitergeht, dass man mehr von Zeth und Sloane miterleben darf und freut sich auf die Fortsetzungen. Denn Blood & Roses ist jeden Cent wert. Blood & Roses 2 konnte mich genauso - wenn nicht sogar noch mehr – begeistern wie Band 1. Nach zwei Büchern muss ich sagen: Blood & Roses ist eindeutig die beste Dark Romance Reihe, die ich bisher gelesen habe.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]