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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.05.2022

interessant und informativ

Der perfekte Mord?
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Worum geht’s?

Dr. Alexander Stevens ist Fachanwalt für Strafrecht, seit Jahren in Deutschland praktizierender Strafverteidiger und zudem aus dem TV bekannt, unter anderem in seiner Rolle bei Richter Alexander ...

Worum geht’s?

Dr. Alexander Stevens ist Fachanwalt für Strafrecht, seit Jahren in Deutschland praktizierender Strafverteidiger und zudem aus dem TV bekannt, unter anderem in seiner Rolle bei Richter Alexander Hold. Stevens hat bereits mehrere Bücher im Real Crime Sektor veröffentlicht, bei denen er von seinen Erfahrungen mit der deutschen Justiz berichtet. In seinem Buch „Der perfekte Mord?“ geht es dieses Mal um ausgewählte Fälle, bei denen zwar jemand verurteilt wurde, der Autor aber ausführlich erklärt, wieso es entweder Zweifel an der Täterschaft gibt oder ob vielleicht noch weitere Hinterleute ungestraft davon gekommen sind. Unter der Prämisse „Was, wenn ein Unschuldiger verurteilt wurde, dann würde der wahre Täter ja noch frei herumlaufen“ entführt er den Leser kurzweilig und informativ in echte Fälle, die teilweise Fragen aufwerfen.


Schreibstil

Bei diesem Buch handelt es sich um ein True Crime-Buch, bei dem der Autor wahre Fälle beleuchtet, die zum Teil noch nicht rechtskräftig abgeschlossen sind. Nach einem knappen Vorwort zur Einleitung, bei dem der Autor insbesondere auch seine Intention für dieses Buch erklärt, folgen die 6 Fälle, die kapitelweise aufgearbeitet sind. Innerhalb der Kapitel stellt der Autor den Fall vor, beleuchtet die Beweislage, stellt aber auch immer wieder kritische Fragen an den Leser und beleuchtet das gerichtliche Urteil. Hierbei werden auch immer wieder relevante Themen des Strafrechts eingeführt und vom Autor treffend für Laien erklärt. Das Buch schließt mit einem kurzen Nachwort.

Der Schreibstil ist relativ locker, gut verständlich und der Autor spricht den Leser oftmals auch direkt an, etwa durch (rhetorische) Fragen. Jeder Fall ist für sich einzigartig und zielt auf eine andere Thematik ab (z. B. Hintermänner, falsche Beweiswürdigung, Beweise gegen Beweise). Der Autor war sehr bedacht darauf, alles verständlich und nachvollziehbar zu erklären.

Meine Meinung

Ich oute mich an dieser Stelle wohl als kleines Alexander Stevens-Fangirl. Seitdem mein Chef mir vor einigen Jahren „Sex vor Gericht“ zum Geburtstag geschenkt hatte, habe ich alle weiteren Titel des Autors gelesen oder als Hörbuch gehört. Jedes der Bücher habe ich – auf seine eigene Art und Weise – gemocht, da der Autor mit seiner entspannten und informativen Art sachlich, aber gleichzeitig auch interessant verpackt verschiedene Fälle, Strafrechtsproblematiken und gesellschaftliche Phänomene aufgearbeitet hat. Entsprechend hoch waren meine Erwartungen auch an dieses Buch. Und ich muss sagen, dass ich dieses Mal irgendwie nicht so 100% überzeugt war wie sonst. Aber wieso?

Nach einem sehr kurzen Vorwort, wo der Autor ein wenig dazu ausführt, was die Idee hinter dem Buch ist, geht es direkt mit dem ersten Fall los. Jeder Fall kriegt wieder ein eigenes Kapitel und bei jedem Kapitel steht eine andere Idee hinter dem vorgestellten Fall. Die Fälle könnten unterschiedlicher nicht sein. So ist bei einem Fall der eigentliche Mord unstreitig, es geht aber darum, ob es eine Auftragstat war und wie die Justiz hiermit umgeht. Bei einem anderen Fall geht es um die Frage, wie Beweiswürdigung von Zeugenaussagen funktioniert und ob 3 gegen 1 auch zu dem Ergebnis führen, dass 3 recht haben. Ein weiterer Fall wirft Fragen zu Alibis und gerichtsmedizinischen Berechnungen auf, während ein anderer Fall die Prämisse „folge dem Geld“ dem Leser erklärt. Jeder Fall war für sich genommen interessant und ich kannte bisher tatsächlich auch keinen der vorgestellten Fälle, was bei True Crime durchaus selten ist.

Der Autor hat sich wahnsinnig viel Mühe gegeben, die Fälle – bzw. die jeweilige Beweislage – für den Leser greifbar, strukturiert und dennoch ergebnisoffen zu schildern. Das gelingt mal mehr, mal weniger. An einigen Stellen merkt man natürlich, welche Position der Autor vertritt, was mich nicht unbedingt gestört hat, zumal das Buch ja auch nicht den Anspruch hat, unvoreingenommen sein zu wollen, immerhin geht es um wahre Fälle eines Strafverteidigers. Ein Großteil der Zweifel war für mich auch absolut nachvollziehbar, anhand von kriminologischen und kriminalistischen Ermittlungstechniken wunderbar erklärt und hat bei mir an vielen Stellen auch zum Nachdenken geführt. Man merkt, dass es dem Autor ein großes Anliegen ist, sich nicht in komplexen juristischen Ausführungen zu verlieren, sondern dem Leser wohldosiert und handfest die Problematiken zu erklären. Zentraler Fokus liegt hierbei einfach auf der Thematik Beweiswürdigung durch das Gericht und die durchaus berechtigte Frage, wie hier eigentlich Sicherheit herrschen kann, wenn es doch eher eine Gefühl- und Pi-Mal-Daumen-Regelung ist, die Richter offenbar bei ihrer Urteilsfindung anwenden.

Naturgemäß ist – wie auch teilweise bei seinen Vorgängerbänden – der Buchinhalt geeignet, einiges an Angst zu schüren, wenn man als strafrechtlich vielleicht nicht unbedingt involvierte Person die Ausführungen liest. Man darf nie vergessen, dass es hier um einen Bruchteil der Fälle geht, die täglich in Deutschland verhandelt werden. Mir hat aber leider vom Gefühl her bei diesem Buch ein wenig die Einordnung durch den Autor gefehlt, dass eben nicht immer so gearbeitet wird, wie hier. In solchen Büchern landen ja nur Grenzfälle, die unproblematischen Themen ja nicht. Das sollte sich der Leser auch stets vor Augen halten. Da dieses Buch für mich im Vergleich zu den bisherigen Werken eher weniger einen wissenschaftlichen Ansatz verfolgt (in den bisherigen Büchern ging es ja häufig um Prozesstaktiken, um Glaubwürdigkeitsbeurteilungen und ähnliches), kam es für mich so rüber, als würde eine gewisse Basis fehlen. Das kann auch daran liegen, weil ich selbst im strafrechtlichen Bereich zuhause bin und entsprechend viele Sachen kenne oder vielleicht auch anders einordne als der durchschnittliche Leser, aber im direkten Vergleich zu den bisherigen Werken war dies für mich eher ein Buch, bei dem ich das Gefühl hatte, der Autor wollte sein Unverständnis und seine persönliche Ansicht niederschreiben. Natürlich gibt es auch sachlichen und fachlichen Kontext, aber es wirkte für mich so, als wäre das für die Fälle weniger entscheidend gewesen. Entsprechend wirkte auf mich auch das Nachwort. Der Autor lässt am deutschen Justizsystem nur bedingt ein gutes Haar. Viele seiner Einschätzungen (insbesondere die, dass in den USA das Jurysystem derartige Urteile verhindert hätte), teile ich etwa in keiner Form. Ich mag kritische Bücher, bei denen auch die Fehler der Justiz aufgezeigt werden, aber irgendwie hat mich das Buch dieses Mal in der Hinsicht nicht greifbar abholen dürfen.


Mein Fazit

Insgesamt ist „Der perfekte Mord?“ erneut ein interessantes Buch des Autors mit durchaus mitreißenden Fällen. Der gewohnt gute Schreibstil des Autors kann auch hier wieder überzeugen. Anders als bei den bisherigen Büchern empfand ich dieses Werk aber als weniger fundiert und mir fehlten irgendwie die tieferen Lehren, die ich aus den anderen Büchern mitnehmen konnte. Einige der Fälle passen für mich auch nicht so ganz zu der aufgeworfenen Frage. Dennoch habe ich das Buch wieder verschlungen und bin gespannt, womit der Autor als nächstes kommt. Das Buch ist gewohnt kurzweilig und in meinen Augen für True Crime-Fans, aber auch Gelegenheitsleser gut geeignet. Gutes Buch für Zwischendurch, aber auf jeden Fall nicht sein bestes Werk!

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 05.05.2022

starke Geschichte behutsam erzählt

With you I dream
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„Das ist das Schöne an einem Neuanfang. Du entscheidest, wie es weitergeht.“
(Mias Schwester zu Mia in With you I dream)

Worum geht’s?

Hals über Kopf verlässt die Studentin Mia New York, um einer ...

„Das ist das Schöne an einem Neuanfang. Du entscheidest, wie es weitergeht.“
(Mias Schwester zu Mia in With you I dream)

Worum geht’s?

Hals über Kopf verlässt die Studentin Mia New York, um einer toxischen Beziehung zu entkommen. Bei ihrer Adoptivschwester in der Kleinstadt Belmont Bay in Idaho, umgeben von glitzernden Seen und den Rocky Mountains, will sie zur Ruhe kommen. Stattdessen beschert ihr der mürrische, aber irritierend gutaussehende Conner bald ziemliches Herzklopfen. Doch je näher Mia Conner kommt, desto größer werden ihre Zweifel: Ist sie wirklich schon wieder bereit, sich jemandem zu öffnen? Und was verheimlicht ihr Conner, das ihn immer wieder in die endlosen Wälder Idahos zieht?

With you I dream ist Band 1 der Belmont Bay Reihe und ist in sich geschlossen. Die Charaktere der Folgebände kommen bereits als Nebencharaktere vor.

Inhaltliche Hinweise

Die Geschichte wird durch Conner und Mia in der Ich-Perspektive erzählt, wobei Mias Erzählanteil überwiegt. Das Buch beinhaltet Thematiken, die triggern können, insbesondere aus dem Bereich häuslicher Gewalt.

Meine Meinung

With you I dream ist mein erstes Buch von der Autorin und ich hatte dementsprechend nicht wirklich Erwartungen. Der Klappentext hatte mich sehr angesprochen und ich hatte irgendwie ein wenig in Richtung von Green Valley gedacht, dass man hier mit Belmont Bay einen süßen, atmosphärischen Ort hat, der zum Entspannen und Träumen einlädt. So ist es auch – aber gleichzeitig ist With you I dream auch so viel mehr.

In dem Buch geht es um Mia, die gerade sehr kurzfristig nach Belmont Bay aufgebrochen ist. Hier lebt ihre Schwester, bei der sie Zuflucht sucht. Wieso, das erfährt der Leser bereits am Anfang zumindest ein wenig: Sie kommt aus einer toxischen und gewalttätigen Beziehung. Wie umfassend und tief das Thema aber am Ende ist, zeigt sich im Laufe der Geschichte. Abtauchen, Luftholen und irgendwie auch Neuanfangen – das sind Mias Ziele. Wie genau, weiß sie noch nicht. Ihr Medizinstudium hat sie aufgegeben, ihren nunmehr Ex ohne Information zurückgelassen und eingeweiht hat sie sowieso nur ihre Schwester. Nun kommt sie in diesem beschaulichen Ort an, wo sich Neuigkeiten schneller verbreiten als ein Lauffeuer. Doch die Einwohner von Belmont Bay sind nicht nur Tratschtanten, sondern auch wahnsinnig liebe Persönlichkeiten. Im Fokus der Geschichte steht hier vor allem Conner, der von vielen angehimmelt wird, aber selbst kein Interesse zeigt. Denn Conner hat einen dunklen Fleck in seiner Vergangenheit, der dazu führt, dass er immer noch an Schuldgefühle zergeht und er sich seitdem kein Glück mehr erlaubt hat. Nun mit Mia in der Stadt gerät aber auch seine kalte Fassade schnell ins Wanken. Werden die beiden ihre Wunden zusammen heilen können?

Bereits Mias Ankunft in Belmont Bay hat das richtige Feeling vorgegeben. Süßer Ort, urige Einwohner, jeder kennt jeden. Die ruhige Atmosphäre, das undramatische Kleinstadtleben – ein wunderbarer Kontrast zu der schweren Geschichte um Mias Vergangenheit. Beide Aspekte ergänzen sich auf großartige Weise, denn durch die seichte Umgebung kann der Leser immer wieder verschnaufen und Mias Erlebnisse sacken lassen. Die Thematik toxische Beziehung/häusliche Gewalt ist gewiss nicht neu, aber ich ziehe vor der Autorin den Hut, wie behutsam und gefühlvoll sie das Thema angeht und dem Leser, der (im Idealfall) mit dem Thema bisher keine Berührungspunkte hatte, die Dimensionen aufzeigt. Es geht hier nicht nur um körperliche Wunden, auch um psychische und seelische Qualen, um Ängste, um Verzweiflung. Es geht um Unverständnis aus dem Umfeld, auch das eigene Unverständnis, wieso man eine derartige Situation nicht verlässt. Das Thema ist so facettenreich und es kam mir so vor, als hätte die Autorin wirklich an alles gedacht. So wird Victimblaming angesprochen, die Hürde wirklich zu gehen, die teilweise unbedarften Äußerungen des Umfelds, die nicht böse gemeint sind, aber teilweise falsch ankommen können. Wirklich der gesamte Handlungsstrang hat mich begeistert und überzeugt. Es hat mich emotional berührt, zum Nachdenken angeregt und wird am Ende auch noch ein wenig dramatisch. Ich mochte, dass die Autorin Mia immer wieder hat struggeln lassen, aber die Botschaft war immer klar: Sie möchte und sie wird es schaffen. Die Geschichte gibt viel Hoffnung.

Die Liebesgeschichte um Mia und Conner war ganz süß. Es ist tendenziell eher eine Slow Burn Geschichte, die sich daraus ergibt, dass beide immer mal wieder aufeinandertreffen und sich gut verstehen, Mia sich in seiner Gegenwart auch wohlfühlt und Conner ihr ein bisschen was von Belmont Bay und insbesondere den Wäldern zeigt. Man merkt, dass ein wenig die Funken fliegen, es ist jetzt aber kein emotionales Feuerwerk und auch so spielt die Liebesgeschichte zwar durchaus eine Rolle, aber man merkt, dass der Fokus eher auf Mias Entwicklung liegt. Natürlich unterstützt die Zeit mit Conner sie dabei, aber für mich war die Liebesgeschichte eben auch nicht der Kernpunkt des Buches. Conner ist ein sympathischer, etwas kantiger Charakter, mit dem man ein wenig warmwerden muss. Er kommt eigentlich etwas zu kurz in der Geschichte, gleichzeitig darf man aber eben die Gewaltigkeit von Mias Geschichte nicht verkennen, sodass Conner für mich lieber untergeordnet ist als dass das Buch vollkommen überläuft, weil zu viel los ist. Conners Geheimnis war etwas unerwartet und interessant, aber auch kein wirkliches Highlight. Es passt jedenfalls alles gut zusammen und gibt ein stimmiges Bild ab. Manchmal wirkt die Geschichte ein bisschen sprunghaft oder gewisse Szenen enden für meinen Geschmack etwas abrupt, aber das hat mich nicht so sehr gestört. Ich denke, man kann sagen, dass es Herzensszenen für die Autorin gab und dann eben das „Drumherum“. So fühlt es sich zumindest an.

Beymont Bay und seine Einwohner sind bezaubernd. Mias Schwester Megan fand ich schon fantastisch und freue mich auf ihre Geschichte. Mia fängt in der örtlichen Hausarztpraxis an bei Chris, der gleichzeitig Conners bester Freund ist. Die Dinner-Besitzer, der ulkige alte Mann, die Stadtzicke Caroline – jeder hat seine Rolle und alles fügt sich stimmig zusammen. Im Buch wird auch viel Shakespeare thematisiert, da die Stadt für ihre Aufführungen bekannt ist, was mich manchmal etwas gelangweilt hat, aber eben gleichzeitig in einigen Punkten auch zu Mia und ihrer Entwicklung beiträgt. Auf jeden Fall freue ich mich schon sehr, in den Folgebänden nach Belmont Bay zurückzukehren.

Mein Fazit

With you I dream hat mich sehr überrascht. Ich hatte eine ruhige, atmosphärische Geschichte erwartet, was hier auch geliefert wird. Mias Geschichte berührt jedoch sehr und die innerliche Zerrissenheit wird von der Autorin sehr greifbar und behutsam dargestellt. Die Liebesgeschichte kann mittelmäßig überzeugen, aber der Schwerpunkt liegt hier auch auf Mias Entwicklung. Tolles Buch, was Lust auf die Folgebände macht.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 05.05.2022

das war wohl nichts

Swimming in Light
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„Wenn man einmal mit dem Helfen angefangen hatte, war es schwer, an etwas anderes zu denken als an all die Menschen, die litten.“
(Teddi in Swimming in light )

Worum geht’s?

Ruffian will nur eins: ...

„Wenn man einmal mit dem Helfen angefangen hatte, war es schwer, an etwas anderes zu denken als an all die Menschen, die litten.“
(Teddi in Swimming in light )

Worum geht’s?

Ruffian will nur eins: seiner verstorbenen Mutter ein Denkmal setzen, indem er die obdachlosen Menschen, um die sie sich gekümmert hat, aus der bitteren Armut befreit. Dafür ist er sogar bereit, das Gesetz zu brechen und ins Gefängnis zu gehen. Als es ihm gelingt, sich in die Kreise der wohlhabenden Gesellschaft einzuschleichen, trifft er auf ein unerwartetes Hindernis: Teddi Burathon und ihre liebevolle Familie. Ein Kuss ist genug, um zu begreifen, dass Teddi die Eine für Ruffian ist. Aber um seinen Plan durchzuziehen, muss er sie belügen, ganz gleich, wie sehr sein Herz dabei blutet. Doch er hat nicht mit Teddis Entschlossenheit gerechnet, ihn vor sich selbst zu beschützen und für ihre Liebe zu kämpfen ...

Swimming in light ist Band 2 der Always You-Reihe. Die Geschichte ist in sich geschlossen, es kommen jedoch am Rande die Charaktere aus Band 1 vor. Vorkenntnisse sind nur bedingt nötig.

Inhaltliche Hinweise

Die Geschichte wird durch Ruffian und Teddy in der Ich-Perspektive erzählt. Das Buch beinhaltet keine triggernde Thematiken. Das Buch beinhaltet sexuellen Content.

Meine Meinung

Dieses Rezension zu schreiben fällt mir wahnsinnig schwer. Einmal, weil ich für dieses Buch wirklich kaum ein gutes Wort übrig haben werden, andererseits aber auch, weil ich wahnsinnig enttäuscht bin. Band 1 war für mich ein emotionales Buch, was mich tief beeindruckt und berührt hat. Meine Vorfreude auf Band 2 war enorm, der Klappentext klang vielversprechend – und dann kam ein wirres, konstruiertes, unstimmiges, sprunghaftes Durcheinander mit einer komplett unsoliden Liebesgeschichte und jeder Menge Fragezeichen.

Künstlerische Freiheit in Büchern ist eine gute Sache. So kann man immer wieder in neue Welten eintauchen. Bei Swimming in Light ist dies für mich aber vollkommen schiefgelaufen. Die Geschichte ist so unfassbar konstruiert, dass ich irgendwann aufgehört habe, mitzuzählen, wie oft ich das Buch abbrechen wollte. Es geht um Ruffian, der mit seiner Mutter und einem Haufen Obdachloser auf der Straße lebt bzw. in einer Art kleiner Community, die mal in Wäldern, mal auf Grundstücken haust. Als seine Mutter stirbt, muss der noch nicht volljährige Ruffian einen Vormund finden – und so kommt er zu Gaze, dem Protagonisten aus Band 1, der sein Halbbruder ist. Gaze ist von einer sehr liebevolle Familie adoptiert worden und als Ruffian jetzt bei Gaze vor der Tür steht, nimmt dieser ihn mit zu seiner neuen Familie, die Ruffian sofort aufnehmen, ihm ein Zimmer geben und zeitnah die Pflegschaft übernehmen. Süße Sache, auf jeden Fall. Es fühlt sich nur leider alles so unglaublich unnatürlich, zurechtgebogen, falsch an. Er wird sofort liebevoll aufgenommen, kriegt alle Freiheiten, es werden Sachen für ihn gekauft. Und Teddi wirft sofort ein Auge auf Ruffian. Wirklich etwas passieren tut zwischen beiden nicht, außer dass Teddi manchmal mit ihm unterwegs ist, man in kuriose Clan-Crew-Aktivitäten gerät, immer wieder irgendwelche fragwürdigen Erlebnisse passieren und Ruffian auch noch anfängt, eine reiche Freundin von Teddi zu daten. Wieso? Weil er ein großes Ding drehen will, wo er eine Million Dollar machen möchte, um für seinen Obdachlosen auszusorgen. Ich muss wirklich sagen, dass ich Ruffian von Anfang an unausstehlich fand. Er ist dreist, unangenehm, verlogen und es wird halt leider auch nicht besser. Selbst als er die Familie und Teddi besser kennt, will er nicht von seinem Plan abweichen. Das führte für mich dazu, dass egal, wie es weitergeht, Ruffian nicht mehr mein Herz gewinnen kann. Dadurch habe ich mit der – eh schon sehr untergeordneten – Beziehung zu Teddi nicht mitgefiebert. Ich habe mich an so vielen Stellen über Ruffian, über seine Gedanken aufgeregt, dass auch sein Background das alles nicht rechtfertigen kann. Es tut mir leid, aber die Autorin hat hier einfach einen schrecklichen Charakter zusammengezimmert.

Seine mutmaßlichen Robin Hood Motive waren ebenfalls nur schwer greifbar. Der eigentliche Coup ist dann leider auch dermaßen lächerlich von der Autorin ausgestaltet worden, dass es wehtat. Man hätte sich sicher wenigstens Mühe geben können, aber das war halt wirklich leider nichts. Die komplette Thematik, auch mit der Beuteverwertung, war einfach nur grenzwertig und führte zu Kopfschütteln. Als die Autorin zur finalen Auflösung ansetzt, wie Teddi das Problem lösen möchte, war ich endgültig bedient. Sorry, aber es ging hier um eine Million Dollar. Viel zu viel heile Welt, viel zu wenig Gedanken, alles zurechtgebogen und irgendwie unfassbar unglaubwürdig. Ich habe mich fast schon beleidigt gefühlt, dass die Autorin glaubt, mit so etwas überzeugen zu können. Entsprechend resigniert habe ich dann auch den Epilog zur Kenntnis genommen. Anders kann ich es nicht sagen, weil sorry, aber nein. Einfach nein. Das war einfach nichts und vor allem nicht zuende gedacht. Unglaubwürdige Geschichte sind einfach nicht meins.

Teddi als Charakter hat mir noch ganz gut gefallen, gleichzeitig fand ich sie wahnsinnig anstrengend. Ihr Hauptpunkt in der Geschichte sind die „Partys“, die sie veranstaltet, also Eventtage, bei denen sie, das Cheerleaderteam, das Footballteam und ihre Familie für kranke Kinder unvergessliche Erlebnisse veranstalten. Die Präsenz, die das Thema im Buch einnimmt, ist sehr groß. Um ehrlich zu sein, wirkte die komplette Storyline aber losgelöst vom Rest und zu gut, zu perfekt, zu gewollt. Handlungsunterstützend ist die Thematik nicht, sie gibt minimale Einblicke auf Teddis Persönlichkeit und irgendwie war es irgendwann leid, wenn es schon wieder um Teddis Gutmütigkeit ging. Generell wirkt vieles einfach wirr zusammengezimmert, einzelne Szenen sind einfach so hingeworfen und dann kommt was komplett anderes. Auch die gelegentlichen Auftritte von Teddis Familie und auch von Gaze sind random. Mir fehlte der rote Faden, der Kleister, der alles zusammenhält. Mir fehlte das Gefühl, das Miteinander, das Emotionale. Die Charaktere haben wenig bis keine Chemie, sogar die Unterhaltungen wirken gestellt und zurechtgebogen. Ich habe selten ein so hölzernes Buch gelesen, bei dem ich das Gefühl hatte, die Autorin wusste gar nicht, was sie will und wie sie es umsetzen soll. Auf der einen Seite traut sie sich mit Ruffians Geschichte einiges, auf der anderen Seite schießt sie so dermaßen über das Ziel hinaus, dass es wirklich wehtut. Man fragt sich halt auch irgendwann einfach nur noch, wieso alle eigentlich so blind und gewollt naiv sind.

Die Liebesgeschichte ist in diesem Buch eigentlich nicht vorhanden. Es gibt eine rudimentäre Anziehungskraft zwischen beiden, die nicht erklärt wird und wenig erklärbar ist. Ruffian datet dann auch relativ lange eine „Freundin“ von Teddi (natürlich aus eigennützigen Motiven, von denen niemand etwas wissen darf), gleichzeitig ist ihm Teddi aber ja so wichtig. Wer’s glaubt. Die nervigen Kommentare von Teddis Freundinnen sind anstrengend, die komplette Geschichte ist einfach nur anstrengend. Über 500 Seiten und man fragt sich nur, ob die Autorin einen eigentlich veralbern möchte. Eigentlich war ich kurz davor, dem Buch nur einen Stern zu geben, weil ich wirklich so gefrustet und wütend war, als ich es endlich bis zum Ende geschafft habe. Da aber zumindest der Schreibstil wieder gut ist, die Familie wie in Band 1 stark zusammenhält und ich ein wenig die Grundidee der Autorin mag (die Umsetzung nur leider überhaupt nicht), bekommt das Buch gerade noch und mit beiden Augen zugedrückt zwei Sterne.

Mein Fazit

Swimming in light ist für mich wahrscheinlich die erste große Enttäuschung des Jahres gewesen und ich habe mich beim Bewerten echt schwergetan. Die Geschichte ist hochgradig konstruiert, macht an vielen Stellen wenig bis gar keinen Sinn, die Auflösung ist fast schon lächerlich und die Beziehung zwischen Teddi und Ruffian ist nicht greifbar. Einzig der Schreibstil und der familiäre Zusammenhalt, den man aus Band 1 kannte, konnte mich hier minimal überzeugen, weshalb ich dem Buch überhaupt mehr als einen Stern gebe.


[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 19.04.2022

interessant und vielseitig

Worlds Collide
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„Ich vertraue dir, und ich weiß nicht, wieso.“
(Fiona zu Demian in Worlds Collide)

Worum geht’s?

Fiona hat es geschafft: Sie ist eine der erfolgreichsten Beauty-YouTuber:innen Englands, reist von Event ...

„Ich vertraue dir, und ich weiß nicht, wieso.“
(Fiona zu Demian in Worlds Collide)

Worum geht’s?

Fiona hat es geschafft: Sie ist eine der erfolgreichsten Beauty-YouTuber:innen Englands, reist von Event zu Event und wird schon bald eine eigene Make-up-Linie herausbringen. Aber ihr Leben war nicht immer so glamourös. Aufgewachsen in einer finanziell schwachen Familie, nutzt sie jetzt ihre Reichweite, um anderen zu helfen. Ihr gutes Image gerät allerdings ins Wanken, als YouTuber Demian einen Skandal aufdeckt, in den Fiona unfreiwillig verwickelt ist. Auf einer Convention will sie ihren guten Ruf retten - doch dann sitzt bei dem Panel ausgerechnet Demian neben ihr ...

Worlds Collide ist Band 1 der Worlds-Reihe. Das Buch ist in sich abgeschlossen, es kommen aber zum Teil Charaktere der Folgebände bereits vor.

Inhaltliche Hinweise

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive durch Fiona und Demian erzählt. Im Buch ist sexuell expliziter Content enthalten.

Meine Meinung

Worlds Collide ist mein erstes Buch von der Autorin und ich muss sagen, dass ich mit etwas gemischten Gefühlen an das Buch gegangen bin, obwohl ich das gar nicht wollte. Der Klappentext und generell die Influencer-Thematik hat mich wirklich sehr angesprochen, ich hatte nur im Vorfeld leider über die vorige Reihe der Autorin fast nur negatives gehört. Dennoch dachte ich mir, ich mag dem Ganzen eine Chance geben und bin rückblickend darüber sehr froh.

Zu Beginn der Geschichte darf der Leser Fiona begleiten, die gerade dabei ist, als erfolgreiche Beautyyoutuberin ihre erste eigene Kosmetiklinie zu veröffentlichen. Es gibt eine große Releaseparty, sie berichtet dem Leser ausführlich über den Prozess und zeigt voller Stolz, wie viel Arbeit, Gedanken und Liebe in die Produkte geflossen sind. Man erfährt generell einiges über sie, über ihren familiären Background und ihren Erfolg. Und dann platzt die große Bombe: Enthüllungsyoutuber Dexposed veröffentlicht ein Video, in dem Fiona mit drei weiteren Stars angeklagt wird, bei einer Spendengala die horrenden Spenden für sich einkassiert zu haben. Fiona fällt aus allen Wolken, denn die Vorwürfe sind haltlos, sie wusste von nichts. Doch schon bald beginnt sie, Follower zu verlieren, alle berichten über den Skandal und ihre Karriere gerät ordentlich in Schräglage. Es hilft nur die Flucht nach vorn und so sucht sie Dexposed aka Demian auf, um ihn zu überzeugen, ihr zu helfen. Beide stehen einander skeptisch gegenüber, doch je mehr Zeit sie miteinander verbringen, desto mehr stellen sie fest, wie falsch sie voneinander gedacht haben – und es entwickelt sich bald mehr als nur Respekt und eine Freundschaft.

Ich muss gestehen, dass ich Worlds Collide wirklich gut gelungen fand. Die Idee mit dem Skandal, die Folgen, das ganze komplexe Thema, wie Fans auf derartige Enthüllungen reagieren und wie schnell man sich online vielleicht auch seine eigene Meinung bildet – das alles hat die Autorin wunderbar eingefangen. Die gesamte Influencer-Thematik wurde mit viel Liebe fürs Detail, mit viel Tiefe und vor allem auch sehr viel Vielseitigkeit aufgebaut. So begleitet man Fiona und Demian dabei, wie sie Videos drehen, erhält Einblicke in die fragile Thematik der Kooperationen, Fanpflege und sieht auch, welcher Druck teilweise auf den Content Creatoren liegt. Demian, der mit Dexposed eigentlich nur Untaten aufzeigen möchte, wird von seinem Netzwerk sehr gepusht, das Thema wieder und wieder anzugehen, obwohl man merkt, dass es ihm gegen den Strich geht. Denn eigentlich will er lieber einen Astronomie-Channel betreiben. Generell hat mir die Thematik rund um die Netzwerke und Managements der beiden enorm gut gefallen. Man merkt, wie viel Einfluss hier genommen wird, wie künstlich Drama produziert wird, wie manchmal gegen die eigene Überzeugung gehandelt werden soll und wie schnell der Ruhm vorbeisein kann. Der Druck, die Verzweiflung, die Hoffnung – wunderbar eingefangen. In dieser Hinsicht ist der Autorin das Buch wirklich fantastisch gelungen. Es wurde nie langweilig, man war gespannt, was als nächstes passiert, auf welche blöden Ideen die Netzwerke jetzt wieder kommen und wie die Fans reagieren werden. Der Handlungsstrang um den Skandal nimmt auch sehr viel Raum ein, so dauert es sicher erst einmal die Hälfte vom Buch, bis Demian und Fiona sich als „Menschen“ richtig kennenlernen und bis dahin geht es eigentlich nur um den Skandal, die Folgen, die verschiedenen Perspektiven.

Leider kam dann in der Mitte ein kleiner Hänger. Ich hatte die erste Hälfte in einem Rutsch durchgelesen, hatte dann aber ein wenig das Gefühl, gelangweilt zu werden. Zugegeben ist das Buch mit seinen fast 600 Seiten auch sehr lang geraten und es kann nicht durchweg knallen, aber der Bruch war doch sehr auffällig. Demian und Fiona lernen sich als Menschen – und Liebende – besser kennen, erleben süße Momente miteinander und ganz langsam brodelt im Hintergrund der große Knall, der alles auf den Kopf stellen wird. Ich muss zugeben, dass bei der Liebesgeschichte dieser Wandel von Skepsis über Freundschaft zu Liebe für mich nicht ganz greifbar war. Die beiden verstehen sich gut, lernen die echten Seiten des anderen kennen und vor allem Demian hat viel Mitleid mit Fiona. Es ist eine Slow Burn Liebe, auf jeden Fall. Aber mir fehlte irgendwie die Tiefe, das Greifbare. Und so vergeht ein Drittel des Buches mit niedlichen Momenten, die für mich leider relativ austauschbar und „normal“ waren. Zum Ende hin nimmt das Buch nochmal kurz Fahrt auf, aber leider fehlt der Biss. Dazu gleich aber noch mehr. Die Liebesgeschichte war jedenfalls nett, aber für mich kein wirkliches Highlight.

Fiona und Demian sind beide gut gelungen, wobei der Fokus eindeutig eher auf Fiona liegt. Sie wird sehr vielseitig beleuchtet, Demian ist eher schmückendes und zielführendes Beiwerk. Sein Hauptthema ist die Astronomie und ein bisschen der Frust, dass er hier nicht so viel machen kann, weil es zu wenig Reichweite hat. Seine Familie kommt ein wenig vor, ist ganz süß und gibt nettes Vibes. Aber so wirklich viele Facetten hatte Demian nicht. Fiona hingegen ist wunderbar komplex. Es gibt das Thema um sie und ihren Channel, das Drama, ihre Freundschaft zu Kaycee (der Protagonistin aus Band 2), ihre Bestrebungen der sozialen Hilfe – und als ganz gewichtige Storyline die Geschichte um sie und ihre Mutter. Selten habe ich in einem Buch eine derart toxische Familiengeschichte gefunden und die Autorin hat sich so viel Mühe gegeben, diese nachvollziehbar aufzubauen. Fionas Mutter beschuldigt ihre Tochter, ihr das Leben weggenommen zu haben und dafür zahlt Fiona jetzt – buchstäblich. Sie steckt so viel Geld in ihre Mutter, die durchweg undankbar, manipulativ, schrecklich und verletzend daherkommt. Der Kontrast zwischen Fionas Bemühungen und den Reaktionen ihrer Mutter hierauf war wirklich schmerzhaft. Tatsächlich würde ich sagen, dass mich die Familiengeschichte mehr berührt hat als die Liebesgeschichte. Man wollte Fiona schütteln, weil sie nicht mitkriegt, wie schlecht ihre Mutter sie behandelt bzw. es nicht wahrhaben möchte. Der Aspekt des Buches ist auf jeden Fall sehr gelungen und ist auch stark verwoben mit dem Skandal.

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zum obligatorischen Bruch in der Geschichte: Der große Knall. Schon ab etwa der Hälfte war vorhersehbar, wie dieser Bruch aussehen dürfte und so kam er auch. Kann man machen, möchte ich gar nicht in Abrede stellen. Aber er war vorhersehbar, ehrlich gesagt zeigt er aber auch, wie instabil die Beziehung von Fiona und Demian bisher ist und war und wie wenig Vertrauen zwischen beiden lag. Es ist der klassische Fall von „einfach mal miteinander reden“. Auch wird der Skandal noch aufgelöst, aber in einer relativ unspektakulären Weise und zugegebenermaßen auch etwas sehr mau. Wenn man bedenkt, wie viel Mühe sich auf Autorin am Anfang gegeben hat, wirkt es am Ende so, als hätte sie keine glaubwürdige Lösung gesehen, das Feuer eben wieder zu löschen. Es passiert zu viel (und gleichzeitig zu wenig) auf einmal, alles wird wieder gut, die Puzzleteile fallen zusammen. Gerade auch der Aspekt mit Fionas Mutter war für mich einfach viel zu wenig und viel zu schnell abgehakt. Insbesondere auch vor dem Hintergrund, dass das Buch zwischendurch Längen hat, hätte man hier sicher etwas mehr Tiefe geben können. So wirkt es wie ein schneller Rutsch, einfach alles irgendwie abzuschließen – passt schon irgendwie. So wirklich begeistert hat mich daher leider das Ende nicht, es war für meinen Geschmack zu einfach, zu seicht und zu perfekt.

Mein Fazit

Worlds Collide hat mich wirklich positiv überrascht. Die Geschichte um Demian und Fiona konnte mich fast durchgehend begeistern, die Thematik war spannend und die Autorin gibt interessante Einblicke. Die Liebesgeschichte ist ein ziemlicher Slow Burn, ist aber nicht schlecht gemacht. Leider hat das Buch zwischendurch immer wieder Hänger und auch die Auflösung ist sehr einfach geraten. Dennoch ein wirklich gutes und interessantes Buch.

[Diese Rezension basiert auf einem vom Verlag oder vom Autor überlassenen Rezensionsexemplar. Meine Meinung wurde hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 14.04.2022

spannend, aber wenig Gefühl

Keep Her Safe
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„Blut ist dicker als Wasser, aber ist Liebe stärker als Schuld?
(Überschrift von Keep her safe)

Worum geht’s?

Seit Grace denken kann, lebt sie in einem Trailerpark, wo es niemanden interessiert, dass ...

„Blut ist dicker als Wasser, aber ist Liebe stärker als Schuld?
(Überschrift von Keep her safe)

Worum geht’s?

Seit Grace denken kann, lebt sie in einem Trailerpark, wo es niemanden interessiert, dass ihr Vater ein korrupter Cop war und ihre Mutter stetig auf den Drogentod zusteuert. Bis eines Tages Noah aus ihrer Vergangenheit vor ihrer Tür steht und eine Tasche voller Geld dabeihat, das angeblich für sie sein soll. Beide fühlen sich zueinander hingezogen, auch wenn es aufgrund ihrer Vorgeschichte kaum schlechtere Vorzeichen für sie geben könnte. Um Grace zu helfen, den Namen ihres Vaters reinzuwaschen, müsste Noah den Ruf seiner toten Mutter aufs Spiel setzen. Aber irgendjemand ist mit allen Mitteln darauf aus, dass die Wahrheit von damals auf keinen Fall ans Licht kommt …

Keep her safe ist ein Einzelband und abgeschlossen.

Inhaltliche Hinweise

Die Geschichte spielt auf verschiedenen Zeitebenen. Die Protagonisten Grace und Noah sind als Ich-Erzähler die Haupterzähler, andere Beteiligte haben aber auch vereinzelte Kapitel in der Vergangenheit. Im Buch ist sexueller Content enthalten. Das Buch beinhaltet möglicherweise triggernde Themen wie Suizid, Drogenmissbrauch und sexuellen Missbrauch.

Meine Meinung

Keep her safe ist mein erstes Buch von der Autorin und hat mich hauptsätzlich durch den Klappentext angesprochen. Ich hatte zuvor schon öfter gehört, dass die Autorin für ihre komplexen und tiefgründigen Geschichten bekannt ist und war entsprechend sehr gespannt auf dieses Buch. Leider muss ich sagen, dass der Klappentext etwas anderes verspricht, als das Buch hält. Das kann gut oder schlecht sein, je nachdem, was man erwartet.

Noah und Grace kennen sich aus ihrer Kindheit, wo Graces Mutter auf Noah aufgepasst hat. Noahs Mutter und Grace Vater haben zusammen als Polizisten gearbeitet, bis alles den Bach runterging und Graces Vater Abe erschossen und als korrupter Cop gelabelt wurde, woraufhin Grace und ihre Mutter weggezogen sind. Seitdem hat sich Graces Leben sehr ins Negative entwickelt, sie leben in einem Trailerpark und ihre Mutter ist schwer drogensüchtig. Grace arbeitet in mehreren Jobs, um die beiden am Leben zu halten, hat keine Kontakte mehr in die Vergangenheit und kann bis heute nur schwer glauben, dass die Vorwürfe gegen ihren Vater stimmen könnten. Nun steht plötzlich, eine Ewigkeit später, Noah vor ihrer Tür, an den sie nur noch schwache Erinnerungen hat, weil sie noch sehr klein war. Noahs Mutter ist mittlerweile Polizeichefin geworden und scheint an dem Druck zerbrochen zu sein, sodass sie ihrem Leben ein Ende gesetzt hat, aber Noah noch letzte Botschaften hinterlassen hat, die dazu führen, dass er sich fragen muss, ob damals die Vorwürfe gegen Abe tatsächlich stimmten. Gemeinsam mit Grace begibt es sich nun auf die Suche und stößt hierbei auf viele Gesichter der Justizbehörden, die ihm nicht alle wohlgesonnen sind. Je tiefer beide graben, desto mehr Abgründe tun sich auf – bis niemand mehr weiß, wem man tatsächlich noch trauen kann und sollte.

Keep her safe ist keine Liebesgeschichte. Das möchte ich vorwegnehmen. Zwar entwickelt sich etwas zwischen Noah und Grace, ehrlich gesagt hat es sich mir aber nicht so wirklich erschlossen. Auf einmal war es da und es zeigt sich vor allem dadurch, dass beide oftmals an unpassenden Stellen sexuelle Gedanken übereinander haben. Daher möchte ich die Thematik Lovestory gern direkt ausklammern, weil es hierzu wenig bis gar nichts zu sagen gibt. Tatsächlich hat es in meinen Augen die Liebesgeschichte auch nicht zwingend gebraucht, Grace und Noah könnten auch als reine Freunde gut funktionieren.

Der gesamte Schwerpunkt der Geschichte liegt auf den Ereignissen einer schicksalsbehafteten Nacht vor vielen Jahren, die zu Abes Tod führte und wonach es Vorwürfe gegen ihn gab, dass er ein korrupter, drogendealender Cop war. Noahs Mutter hat Hinweise hinterlassen, die darauf hinweisen, dass alles wohl doch anders war. Nun beginnt Noah, nachzuforschen. Es tauchen viele Personen auf, etwa sein Onkel, Leute vom FBI, ehemalige Kollegen und auch der vorige Polizeichef. Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto mehr hatte ich das Gefühl, man kann und sollte hier niemandem mehr trauen. Noah und Grace gehen an einigen Stellen etwas naiv an die Sache ran, gleichzeitig sind sie für ihr Alter teilweise aber auch sehr abgeklärt, was mit ihren bisherigen Erlebnissen zu erklären ist, gerade bei Grace. Stück für Stück entfaltet sich die Wahrheit, nur um dann mutmaßlich oder tatsächlich wieder überworfen zu werden. In dieser Hinsicht ist der Autorin eine gute Geschichte gelungen, die nie langweilig wird. Man möchte weiterlesen, möchte verstehen und die Hinweise zusammensetzen, hat aber auch immer wieder das Gefühl, dass alles noch nicht so ganz passt. Leider ist es so, dass zwischendurch immer über weite Strecken die Story stehenbleibt oder sich im Kreis dreht, was auch dazu führt, dass Noah und Grace gern mal etwas anderes machen oder ewig über einen Aspekt diskutieren. Das Buch gerät hierdurch recht lang, was nicht nötig gewesen wäre. Insbesondere, da abseits der Ermittlungsthematik recht wenig präsentiert wird, führte das zwischendurch gelegentlich zu Frust. Natürlich gibt es mit Einblicken in Graces Leben und mit der Thematik um ihre drogensüchtige Mutter durchaus Kriegsnebenschauplätze, ich hatte aber schlichtweg das Gefühl, man hätte dies mehr nutzen können. Im Hinblick auf Noah muss ich sagen, dass er eigentlich untergeht. Er ist nur unterstützender Charakter bei der Aufklärung, hat selbst aber wenig Raum.

Von den Charakteren her hat es mir Grace leider echt nicht leicht gemacht. Ich mochte sie anfangs schon nicht sonderlich und das ändert sich im Laufe des Buches auch nur geringfügig. Sicher geprägt durch ihre Erlebnisse ist sie ein recht spezieller Charakter, der wenig Impulskontrolle hat und oftmals ohne nachzudenken handelt. Das führt teilweise zu Problemen. Noah hingegen ist sehr bodenständig, der absolute Goodguy und sehr nachdenklich und vorausschauend, hat gleichzeitig aber einen absoluten Blindspot in seinem privaten Umfeld. Generell muss ich sagen, dass an vielen Stellen die Erfolge der beiden eher dem Zufall als der Intelligenz geschuldet waren. Das ändert aber an der Grundspannung nichts. Die Auflösung des Ganzen hat mich aber tatsächlich begeistern können, auch weil sie sehr vielschichtig war und man die Motive der einzelnen Personen nach und nach verstehen konnte.

Mein Fazit

Keep her safe ist ein durchaus spannendes Buch, was bis zur letzten Seite mit kleineren Twists daherkommt und einige grundlegende, sozialkritische Fragen stellt, aber auch einige Längen aufweist. Die Liebesgeschichte um Noah und Grace spielt für mich jedoch eine sehr untergeordnete Rolle und konnte ich auch nur bedingt überzeugen. Für mich ist das Buch eher ein Drama Suspense-Roman mit etwas Liebe. Wer sowas mag, kann hier mit einer guten Geschichte rechnen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]