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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2019

tolles Buch, was leider etwas abfärbt

LYX Book Journal
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Was ist das?

Wer viel liest, kennt das Problem vielleicht: Viele Erinnerungen an Bücher verschwimmen, man hat viele tolle Zitate und weiß nicht, wohin damit. Buchtagebücher gibt es viele, jetzt hat auch ...

Was ist das?

Wer viel liest, kennt das Problem vielleicht: Viele Erinnerungen an Bücher verschwimmen, man hat viele tolle Zitate und weiß nicht, wohin damit. Buchtagebücher gibt es viele, jetzt hat auch das LYX-Verlag ein eigenes herausgebracht. Auf über 255 Seiten ist Platz, seine Bucherinnerungen für immer festzuhalten.

Wie sieht es aus?

Das Book Journal ist etwas größer als das klassische A5-Format und erinnert von der Dicke her ungefähr an einen Taschenkalender. Das Buch besticht mit einem stabilen Hardcover-Einband. Der Einband ist mit einer an Kreidefarbe erinnernden blauen Farbe eingefärbt, die Rückseite und der Buchrücken sind blank (eine Ausnahme ist das Preisschild auf der Rückseite). Auf der Vorderseite ist goldfarben Verlag und Name eingeprägt.

Die Haptik des Journal ist sehr schön, es fühlt sich wertig an. Leider ist der Einband sehr anfällig für Macken. Bereits nach zwei Tagen in Nutzung waren die Ränder leicht abgestoßen, sodass man die weiße Unterseite sehen kann. Zudem färbt das Journal leider leicht ab. Im Regal neben einem weißen Buch stehend war dies leicht „eingeschlumpft“. Auch der Lieferschein, in dem das Journal eingewickelt war, war teils deutlich blau verfärbt. Man sollte daher ein wenig Vorsicht walten lassen – ich habe das Buch mittlerweile in einem Schutzumschlag á la Schulheft eingefasst. Zudem lässt sich das Preisschild leider nicht rückstandslos vom Journal abziehen und hinterlässt unschöne Klebereste bzw. entfernt Teile der Einfärbung.

Die gesamte Gestaltung des Buches ist in weiß-blau und sehr einheitlich gehalten. Das Buch startet auf der ersten Seite mit der Besitzangabe „gehört:..“ in gleicher Schrift wie der Titel auf dem Cover. Es folgt ein einseitige Vorwort vom Verlag nebst einer Art Inhaltsverzeichnis für die „Special Pages“ im Buch – insgesamt 11 verschiedene. Somit gibt es immer wieder etwas zu entdecken, z.B. gibt es Seiten für „Bücher, die ich noch lesen möchte“ oder „meine Lieblingspärchen“ und „Book-Events, auf die ich gehen möchte“.

Das eigentliche Büchertagebuch bietet Platz für bestimmt über 100 Bücher. Für jedes Buch gibt es eine Doppelseite, die stets identisch ist. Auf der linken Seite ist Platz für die Daten zum Buch, während die rechte Seite als Mood Board zur eigenen Gestaltung einlädt. Egal, ob Hinweise zu Folgebänden, Gedanken zum Buch, Aufkleber – hier kann man sich austoben. Immer wieder findet man Zitate aus LYX-Büchern in dem Journal. Diese wurden durch eine Community-Aktion ausgesucht und passen perfekt zum Journal und natürlich auch zum LYX-Verlag. Die Zitate sind dezent, aber schön ausgearbeitet und man freut sich immer wieder, wenn man auf eins stößt.

Die Seiten sind aus festerem Papier und nicht beschriftet. Kugelschreiber, Textmarker und normale Fineliner drücken bei mir nicht durch und trocknen schnell und pannenfrei. Es gibt zudem ein Band als Lesezeichen, aber leider keine Art „Verschluss“ etwa in Form eines Gummibandes.

Mein Fazit

Book Journals gibt es viele. Meistens bin ich aber von der unübersichtlichen Darstellung erschlagen oder sie bieten einfach nicht die Eintragungen, die man sich wünscht. Das Book Journal vom LYX ist da anders. Sehr schlicht ohne viel Schnickschnack, aber dennoch schön aufgearbeitet merkt man, dass hier viel Zeit und Liebe hereingeflossen ist.

Die Doppelseiten zum Büchereintragen sind umfangreich, geben einige Punkte vor, lassen aber dank der zweiten Blankoseite viel Platz für eigene Notizen. Die Sonderseiten, die zusätzlich eingefügt wurden, passen thematisch super zum Thema Buch und Lesen. Nicht so sehr gefällt mir aber, dass diese sich verstreut im Buch befinden. Mir persönlich wäre es lieber gewesen, wenn alles gesammelt am Anfang oder Ende wäre. Andererseits ist das Journal paginiert und vorne gibt es eine Art Inhaltsübersicht, weshalb die Seiten sich gut finden lassen. Sehr gefallen habe mir hingegen die Zitate. Sie sind eine bunte Mischung aus bisherigen LYX-Büchern und passen sich hervorragend in das Buch ein.

Leider bin ich mit der äußeren Gestaltung nicht so zufrieden. Dass ein Buch Macken bekommt, ist klar und normal. Allerdings sollte dies nicht direkt nach 1-2 Tagen Nutzung so sein und vor allem ist es sehr ungünstig, dass das Buch abfärbt. Jetzt, da ich es weiß und entsprechende Maßnahmen ergreifen konnte, stört es mich nicht mehr – die Erkenntnis zu gewinnen, hat allerdings durch das Abfärben an anderen Sachen etwas wehgetan.

Insgesamt ist das LYX-Journal ein wirklich toll ausgearbeitetes Buchtagebuch. Es ist super geeignet für Leute, die analog ihre Gedanken festhalten möchten und Spaß am Aufschreiben ihrer Eindrücke haben. Ich habe mich in das süße Buch verliebt und freue mich, es mit Leben zu füllen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, was mir freundlicherweise von dem Verlag zur Verfügung gestellt wurde. Meine Meinung wurde hierdurch nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 13.04.2019

fasziniernd, frustrierend, fesselnd

Broken Puppet - Elite Kings Club
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„Wenn man schon auf den Teufel hereinfällt, sollte man wenigstens aufpassen, dass er einem im Sturz nicht noch die Hörner ins Herz bohrt.“ (Madi über Bishop in Broken Puppet)

Worum geht’s?

Nach den Enthüllungen ...

„Wenn man schon auf den Teufel hereinfällt, sollte man wenigstens aufpassen, dass er einem im Sturz nicht noch die Hörner ins Herz bohrt.“ (Madi über Bishop in Broken Puppet)

Worum geht’s?

Nach den Enthüllungen und Erlebnissen aus Band 1 will Madi nur noch eins: Weg. Weg von Bishop, weg von den Kings, weg von dem ganzen Chaos und Geheimnissen. Gemeinsam mit Tatum flieht sie. Doch die Kings lassen so schnell niemanden gehen und Bishop wäre nicht Bishop, wenn er Madi überall finden würde. Und so steht Madi schneller als ihr lieb ist wieder im Durcheinander aus Geheimnissen und Lügen. Aber Madi kann nicht ahnen, dass die bisherigen Enthüllungen erst der Anfang waren…

Broken Puppet ist der zweite Teil der Elite Kings Club Buchreihe vom Amo Jones. Man benötigt Vorkenntnisse aus Band 1, das Buch kann nicht eigenständig gelesen werden. Das Buch ist nicht abgeschlossen und wird in Band 3 fortgeführt.

Schreibstil / Gestaltung

Auch Broken Puppet überzeugt wie sein Vorgänger wieder mit einem düsteren, schlichten Cover, welches hervorragend zu Band 1, jedoch nicht ganz zum Titel passt. Dennoch signalisiert das Cover für mich ausreichend die Botschaft, dass es hier düster und gefährlich wird.

Wie bereits Silver Swan wird das Buch ausschließlich durch Madison in der Ich-Erzähler-Perspektive erzählt. Die Geschichte ist linear aufgebaut, es gibt allerdings einige Zeitsprünge nach vorne. In den Kapitel erlebt Madison zudem einige Flashbacks, die durch Kursivschrift sofort erkennbar sind. Die 22 Kapitel des Buches sind fast alle überdurchschnittlich lang.

Der Schreibstil von Amo Jones ist bleibt gewöhnungsbedürftig. In Silver Swan störte ich mich anfangs stark an den kurzen Sätzen, den abrupten Wechseln und der teilweise sehr sprunghaft-unkontrolliert wirkenden Erzählweise. Auch in Broken Puppet behält die Autorin dies bei. Allerdings habe ich mich mittlerweile dran gewöhnt und finde es als atmosphärisches und charakterliches Stilmittel sehr passend, denn es spiegelt sowohl die Charaktere als launisch und unangepasst als auch die Story als wirr und unvorhersehbar sehr gut wider. Auch in Band 2 geizt die Autorin nicht an Kraftausdrücken und deutlicher Sprache.

Mein Fazit

Nachdem ich von Silver Swan eiskalt überrascht wurde und eine derart heftige, düstere Story mit so vielen Twists gar nicht erwartet hatte (und somit einen Platz als Jahreshighlight in meinem Herzen fand), war ich mir sicher, dass Broken Puppet mich nicht so überraschen und schockieren kann. Tja, ich war naiv und ich hatte keine Ahnung…

Der Bucheinstieg mit Tatums und Madis Flucht war für mich interessant, wenn auch zugleich extrem unrealistisch und irgendwie nicht wirklich zur Geschichte passend. Entsprechend schwer fiel mir der Einstieg in das Buch auch, da die ersten 20 Seiten der Flucht deplatziert wirkten. Aber sobald der erste King wieder auf die Bildfläche tritt, hat das Buch einen – der Groove ist wieder da, die ganzen Geheimnisse und Fragezeichen. Und Broken Puppet schlägt komplett in die Kerbe, die Silver Swan in Leichtigkeit vorgearbeitet hat. Broken Puppet ist düster, böse, verwirrend, unvorhersehbar, verkorkst, erschreckend – und es macht verdammt süchtig. Rein objektiv betrachtet müsste man wahrscheinlich feststellen, dass das Buch kein Kunstwerk der Sprache ist und die Storylines eine mittlere Katastrophe sind. Die Charaktere handeln zu keiner Zeit altersangemessen, es passiert extrem viel, dass man eigentlich das Buch vor lauter Unlogik wegwerfen will, und der arme Leser? Der blickt nichts.

„Hier kommt ein Rätsel…“ (SMS an Madi in Broken Puppet)

Aber genau das ist die Kunst, die Amo Jones vollbracht hat: Ich konnte das Buch nicht wegwerfen. Ich war gefesselt. Gefangen zwischen Faszination und Frustration, zwischen Entsetzen und Freude, zwischen Fassungslosigkeit und Genugtuung passiert so viel beim Lesen. Ja, die Charaktere handeln nicht wie 17-20jährige – aber sie erheben auch nie den Anspruch, sich auf ihr Alter zu berufen. Daher war es für mich leicht, das Alter zu überblenden und einfach so zu tun, als seien die alle Mitte 20. Ja, das Buch mag nicht gerade mit einer realistischen Storyline aufwarten, dennoch zaubert die Autorin immer wieder neue Plottwists hervor, die komplett unvorhersehbar sind, die die Geschichte jedes Mal in ein neues Licht tauchen und sich am Ende aber wieder als Finte erweisen, denn mit der nächsten Enthüllung wird alles wieder über einen Haufen geworfen. Ich hatte noch nie ein Buch, welches es geschafft hat, dass ich bis zur letzten Seite und darüber hinaus vollkommen planlos bin, in welche Richtung die Geschichte gehen kann und wird, welche Bedeutung hinter dem ganzen Kings Club steht und welche Rolle Madi spielt. Selbst jetzt, nach zwei Bänden, bleibt der Elite Kings Club für mich ein Rätsel.

„Wann ist mein Leben eigentlich derart aus den Fugen geraten? Gut, eigentlich war es schon immer ein einziges Chaos, aber im Moment stoße ich immer nur auf neue Fragen, je mehr ich erfahre.“ (Madi zu Bishop und Nate in Broken Puppet)

So ging es mir. Permanent fragte ich mich, womit Madi das ganze eigentlich verdient. Es gibt zahlreiche Flashbacks in diesem Buch, die am Ende zu einer großen Enthüllung führen – eigentlich zu mehreren Enthüllungen direkt hintereinander. Atemlos saß ich auf den letzten 40 Seiten dort, geschockt und überrascht von einem der zahlreichen Geheimnisse. Und was ist die Folge der Enthüllungen? Noch mehr Fragen. Für jedes begrabene Fragezeichen kommen 20 neue. Es ist frustrierend und es fühlt sich so unfassbar gut an. Das Buch verlangt vom Leser viel ab. Toleranz und Akzeptanz, eine Prise „ok, ich gucke da jetzt mal drüber hinweg“ und jede Menge „das ist nicht dein Ernst“ – denn wie bei Silver Swan begibt sich Madi jedes Mal willentlich in Situationen, die nur schlecht enden können. Möchte ich sie stoppen? Eigentlich nicht, aber eigentlich schon. Möchte ich, dass Bishop sie rettet? Unsicher, denn weiß ich, wer Bishop wirklich ist? Das Buch spielt mit jeder Menge innerer Zerrissenheit. Daher ist es für mich unvermeidlich, dass sich die Geister an dem Buch scheiden – man hasst es oder man liebt es, kein Dazwischen, keine Einschränkungen.

„Fast? So etwas wie fast gibt es bei mir nicht, Madison. Ich mache kein Fehler. Ich handle. Und wenn ich etwas tue, kannst du deinen Ar*ch darauf verwetten, dass ich vorher jeden einzelnen Aspekt durchdacht habe. Ich bin nicht unberechenbar. Ich bin berechnend.“ (Bishop zu Madi in Broken Puppet)

Auch in diesem Band liegt der Fokus primär auf Madi und Bishop, mit Nate als Randfigur. Im Verlauf kommt durch eine Enthüllung eine weitere Person als relevante Randfigur dazu. Die weiteren Kings bleiben Randfiguren, die nur wenn notwendig angeführt werden. Bishop wirkt in Band 2 deutlich unberechenbarer als in Band 1, während Madison sich charakterlich etwas weiterentwickelt hat. In Band 1 war es besonders ihre Naivität, die einen fast schon genervt hat, jetzt in Band 2 wirkt sie deutlich stärker, was sie aber nicht davon abhält, von einer Falle in die nächste zu tappen. Alle männlichen Charaktere bleiben weiterhin undurchsichtig, verwirrend und gefährlich. Würde man sich als Leser mit ihnen abgeben? Ganz sicher nicht. Faszinieren sie einen dennoch? Absolut.

Festzustellen ist, dass Broken Puppet mit einem unnormal hohen Spannungsbogen daherkommt. Das Tempo ist hoch, die Anzahl der Enthüllungen und Geheimnisse wie Gewehrsalven und die Intensität der Geschehnisse so heftig, dass es ein Wunder ist, dass ich das Buch ohne zahlreiche Herzinfarkte überlebt habe. Einige Enthüllungen waren schrecklich wie ein Eimer eiskaltes Wasser, während einzelne Sätze im Buch plötzlich eine Regung der „Aw“-Gefühle hervorriefen – komplette emotionale Verwirrung. Wie auch der Vorgänger ist das Buch kein Jugendbuch, denn insbesondere die Sexszenen gehen an die Substanz und sprengen einige Grenzen, wenngleich man aus dem Dark Romance Genre härteres, dennoch beim LYX-Verlag doch eher seichteres gewohnt ist. Das gesamte Buch ist von Grobheit, Dunkelheit und Gewalttätigkeit geprägt.

Broken Puppet hat alles geschafft, was auch Silver Swan geschafft hat. Es ist eine absolut würdige, starke Fortsetzung, die zu jeder Zeit fesselt und entsetzt. Ich kam mir vor wie bei einem Ausflug in die Hölle, mit Bishop als Teufel hochstpersönlich. Broken Puppet ist in einigen Punkten für mich stärker, zugleich aber auch unberechenbarer gewesen. Eine Fortsetzung, die so viel Lust auf mehr macht und einen verzweifelt zurücklässt. Es ist ein Buch, welches man mit dem Gedanken „was zum Henker habe ich hier gelesen“ beendet, nur um dann verzweifelt auf den Kalender zu schauen, wann endlich Band 3 kommt. Denn am Ende steht die Erkenntnis, dass alles, was man glaubte zu wissen, falsch ist und es steht fest:

„Wie ich schon sagte, du hast ja keine Ahnung.“ (Brentley zu Madi in Broken Puppet)

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 10.04.2019

extrem spanennd und super fesselnd

Blood & Roses - Buch 2
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„Inzwischen solltest du es eigentlich besser wissen, Sloane. Du bist ein zorniges Mädchen, ja, aber ich bin auch ein zorniger Junge. Und wenn du vorhast, Bestrafungen auszuteilen, dann must du besser auch ...

„Inzwischen solltest du es eigentlich besser wissen, Sloane. Du bist ein zorniges Mädchen, ja, aber ich bin auch ein zorniger Junge. Und wenn du vorhast, Bestrafungen auszuteilen, dann must du besser auch bereit, im Gegenzug einzustecken.“ (Zeth zu Sloane in Blood & Roses)

Worum geht’s?

Sloane konnte auf der Suche nach ihrer vermissten Schwester einen großen Fortschritt machen: Zeth sagt, er hat sie gefunden. Doch um sie zu retten, will er Sloane nicht in Gefahr bringen. Als er aufbricht und Sloane darum bittet, auf seine Freundin Lacey aufzupassen, muss diese sich die Frage stellen: Wie sehr kann sie Zeth vertrauen? Denn Zeth bewegt sich in einer dunklen Welt und schon bald kommt auch Sloane ungewollt mit ihr in Berührung…

Blood & Roses 2 ist der zweiter Band einer sechsteiligen Reihe und ist nicht in sich geschlossen. Es werden Vorkenntnisse aus dem ersten Band benötigt, da die Geschichte unmittelbar fortgeführt wird.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover von Blood & Roses 2 ist gut gelungen. Es passt hervorragend zu Band 1, wirkt geheimnisvoll und düster. Herzkönig und Herzdame – ist dies ein versteckter Hinweis auf den Fortgang der Story? Man wird es sehen.

Nach einem ersten Kapitel aus Zeths Sicht gibt es einen Zeitsprung zurück. Ab hier wird das Buch chronologisch erzählt. Der Prolog gibt Hinweise auf Geschehnisse, die am Ende des Buches und in Band 3 eine Rolle spielen könnten. Erneut erzählen wieder Sloane und Zeth abwechselnd aus ihrer Sicht. Hierbei fällt erneut auf, wie differenziert die beiden Charaktere ausgearbeitet sind, denn beide wirken in ihren Kapiteln passend unterschiedlich mit ihrer eigenen Art und Sprechweise. Ähnlich wie Band 1 ist auch Band 2 sehr direkt geschrieben, lässt sich leicht und flüssig lesen. Insbesondere Zeth präsentiert gerne Kraftausdrücke und es gibt auch einige Erotikszenen, die erneut anspruchsvoll und niveauvoll ausgearbeitet sind. Sprachlich zeigt das Buch, dass es zum Dark Romance Genre gehört.

Mein Fazit

Band 1 war eine absolute Lesefreude. In einem Rutsch durchgelesen und voller Begeisterung mit jeder Menge Fragen zurückgelassen war daher klar, dass Band 2 schnell hermuss.

In das Buch habe ich unproblematisch hereingefunden. Das erste Kapitel stellte mich direkt auf die Probe, denn hier wird auf ein zukünftiges Erlebnis Bezug genommen und man möchte verdammt nochmal wissen, was da passiert ist und was es zu bedeuten hat. Danach springt die Story zwei Wochen zurück zum Ende von Band 1 und verläuft sodann linear. Hier passiert einiges und noch viel mehr wird angedeutet. Der Spannungsbogen des Buches ist erneut sehr hoch. Man erhält in Band 2 wesentlich mehr Einblicke in Zeths bisherigen und gegenwärtiges Leben. Hierdurch gewinnt man einen komplett neuen Eindruck von Zeth, realisiert aber auch, wie böse und düster seine Welt eigentlich ist. Es gibt viele interessante Storylines und insgesamt kommt Blood & Roses 2 mit viel Action, einer gehörigen Portion Thrill und etwas Drama daher. Die Mischung ist dabei so gut gelungen, dass jede Facette des Buches begeistert und ein „ich will mehr“ hervorruft. Man möchte mehr über Sloane und ihre Schwester wissen, man möchte mehr über Zeth wissen, man möchte mehr über eine mögliche Verschwörung im Hintergrund wissen und nicht zuletzt möchte man wissen, was aus Zeth und Sloane wird. Wie bereits in Band 1 ist man unentschlossen, ob Zeth das Verderben für Sloane bedeuten wird oder ob Sloane das Licht in Zeths Leben sein wird. Denn bei Blood & Roses bin ich mir gegenwärtig nicht sicher, welchen Weg die Autorin einschlagen wird. Dafür ist und bleibt Zeth zu unvorhersehbar und Sloane berechtigt skeptisch. Es gibt einige Twists, einige Überraschungen und jede Menge Fragezeichen – genug, dass man sich gut unterhalten fühlt, aber nicht zu viel, als dass es unrealistisch und überzogen wird. Die Autorin spielt hierbei aber auch sehr gut mit dem Leser, denn es gibt zahlreiche Szenen, die Sloanes Zerrissenheit und Zeths Empathielosigkeit zeigen, nur um dann später aus dem Nichts mit einzelnen Sätzen das Herz schwerwerden zu lassen. So hat einer von Zeths Gedankengängen kurz vor Ende des Buches mein Herz endgültig herausgerissen.

Eines meiner Highlights in Band 1 war ja Zeth. Und auch in Band 2 bleibt er mein Highlight. Die Autorin präsentiert uns einen kaputten, brutalen Badboy, der nicht gerade mit seinen Gefühlen und seiner Empathie punkten kann, dabei aber stets interessant und faszinierend daherkommt. Seine bissigen Kommentare, seine selbstironischen Gedanken und auch die Direktheit seiner Ansagen gegenüber Sloane machen ihn einfach durchweg besonders. Man kann definitiv sagen, dass ich mich komplett in Zeth verschossen habe. Und dann ist da Sloane, die in ihrer Gestaltung so gut gelungen ist, dass es eine Freude ist, über sie und ihre Gedanken zu lesen. Sie ist mutig, sie ist stark – aber dabei nicht überzogen. Sie traut sich was, manchmal geht es aber auch schief. Oftmals nervt es an Büchern, wenn die komplett unterfahrenen Protagonistinnen auf einmal in jeder Situation die rettende Idee haben und wie Wonder Woman wirken. Nicht so bei Sloane. Bodenständig, intelligent, tapfer – aber eben auch nicht unfehlbar. Sie reflektiert ihre Handlungen, sie weiß um Zeth und seine ungesunden Seiten, sie kennt Elend und Abgründe durch ihren Job. Gemeinsam mit Zeth ist sie die perfekte Mischung für ein Buch, bei dem man auf jeder Seite die Chemie der Charaktere regelrecht greifen kann. Die beiden bewegen sich auf Augenhöhe, schrecken nicht voreinander zurück, es gibt starke Wortgefechte und noch stärkere Erotikszenen. Es macht einfach Spaß, sich von den beiden verzaubern zu lassen.

Band 2 schlägt im Bereich Erotik etwas mehr zu als Band 1, dafür empfand ich die Szenen als weniger heftig. Durchweg sind die Szenen sehr fesselnd und sinnlich verpackt. Die Autorin legt ein hohes Niveau an den Tag und schafft es dabei zugleich, die Erotikszenen so selbstverständlich passend einzubauen, dass man wirklich die Notwendigkeit für den Fortgang der Story sieht. Das habe ich nicht oft bei Dark Romance Büchern, denn oftmals wirkt es so, als sei die Erotik sehr willkürlich eingebaut.

Band 2 hat knapp 30 Seiten mehr als Band 1 – aber immer noch verhältnismäßig wenig. Hierdurch leidet aber weder die Spannung noch die Handlung selbst. Als die letzte Seite angebrochen war, war daher die Trauer groß, dass das Buch vorbei ist. Man wünscht sich als Leser nur, dass es weitergeht, dass man mehr von Zeth und Sloane miterleben darf und freut sich auf die Fortsetzungen. Denn Blood & Roses ist jeden Cent wert. Blood & Roses 2 konnte mich genauso - wenn nicht sogar noch mehr – begeistern wie Band 1. Nach zwei Büchern muss ich sagen: Blood & Roses ist eindeutig die beste Dark Romance Reihe, die ich bisher gelesen habe.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 02.04.2019

düster und fesselnd - ein toller Reihenauftakt

Blood & Roses - Buch 1
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„Das ist meine Welt. Eine Welt, in der regelmäßig Menschen abgestochen und erschossen werden. Sie ist dunkel. Sie ist beängstigend. Menschen sterben darin.“ (Zeth zu Sloane in Blood & Roses)

Worum geht’s?

Um ...

„Das ist meine Welt. Eine Welt, in der regelmäßig Menschen abgestochen und erschossen werden. Sie ist dunkel. Sie ist beängstigend. Menschen sterben darin.“ (Zeth zu Sloane in Blood & Roses)

Worum geht’s?

Um ihre entführte Schwester zu retten, ist Sloane bereit, ein großes Opfer zu bringen: Um an Informationen zu gelangen, gibt sie ihre Jungfräulichkeit auf. Der Unbekannte, der Sloane die Unschuld raubt und hierbei in der Dunkelheit verborgen bleibt, ist düster und geheimnisvoll. Und wie er in ihr Leben kam, so verschwand er auch wieder. Doch Sloane kann ihn nicht vergessen. Als zwei Jahre später eine junge Frau in das Krankenhaus eingeliefert wird und Sloane als Ärztin sie rettet, hört sie seine unverkennbare Stimme. Und jetzt hat sie nicht nur ein Gesicht zur Stimme, sondern auch einen Namen: Zeth. Doch wer ist Zeth und was weiß er über Sloanes Schwester?

Blood & Roses 1 ist der Auftaktband einer sechsteiligen Reihe und ist nicht in sich geschlossen.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover von Blood & Roses ist in dunklen Farben mit einer goldenen Maske sehr passend für das Buch. Es ist eine direkt Anspielung zu einer Szene gegen Ende des Buches und stimmt den Leser gestalterisch auf die düstere Welt des Buches ein.

Das Buch ist chronologisch erzählt mit einem größeren Zeitsprung nach dem ersten Kapitel. Die Geschichte wird sowohl aus Sloanes als auch aus Zeths Sicht in der jeweiligen Ich-Perspektive erzählt. Sprachlich merkt man hierbei sofort, welcher Charakter erzählt. Die Kapitel sind zumeist etwas länger.

Der Schreibstil ist sehr direkt, die Autorin ist ein Freundin ungeschönter Worte. Es gibt diverse Kraftausdrücke und einige Erotikszenen. Dennoch bewegt sich das Buch auf einem anspruchsvollen und angemessenen Niveau, wirkt weder billig noch überzogen.

Mein Fazit

Blood & Roses war eine Reihe, um die ich immer ein wenig herumgetänzelt bin. Laut Festa hat das Buch eine Einstufung 5 von 5 auf der Sex- und Obszönitätenskala. Gelinde gesagt: Ja, ich hatte ein wenig Angst. Doch die Story klang so interessant, dass ich am Ende doch den Sprung über die Klippe wagen wollte. Und so viel sei bereits jetzt verraten: Ich habe keine Sekunde davon bereut.

Der Einstieg in das Buch gelang mir sehr gut und packte mich sofort. Das Buch beginnt mit der Situation, in der Sloane auf den Unbekannten trifft und sie Sex haben. Die Szene ist extrem fesselnd, etwas düster und hat mich zum Luftanhalten gebracht. Denn wir wissen zu dem Zeitpunkt nur, was Sloane weiß. Wer ist der Unbekannte, was will er, welche Informationen hat er? So beginnt bereits ab Seite 1 ein Rätselraten, welches nie verstummt. Denn immer wieder tauchen neue Storylines auf, die das Interesse wecken. Wir tauchen ein in ein Milieu aus Drogen- und Menschenhandel, aus Verderben und Verführung. Am Ende des Buches bleiben viele Fragen: Was ist mit Sloanes Schwester passiert, welche Geheimnisse hat Zeth, was wird im Großen und Ganzen gespielt?

Der Spannungsbogen des Buches ist sehr hoch. Durchgängig ist man entweder von Fragen oder von den Erlebnissen getrieben, weiterzulesen. Ein Schock jagt den nächsten, man fühlt sich dem hilflos ausgeliefert und es fühlt sich ziemlich gut an. Es gibt zahlreiche Erkenntnisse, die einen wie ein Schlag in die Magengrube vorkommen. Es gibt zahlreiche Momente, wo man unsicher ist, ob man „aw“ sagen soll oder lieber ganz schnell weglaufen mag. Es gibt Momente, in denen man sich wie ein stiller Beobachter fühlt, der eigentlich Reißaus nehmen sollte, aber sich nicht abwenden kann und mit einem Gefühlswirrwarr aus Faszination und Frustration doch am Ball bleibt. Man kann regelrecht Zeths hämisches Lachen im Nacken spüren, wie er sich darüber lustig macht, dass man ihm und dem Buch von Seite zu Seite mehr verfällt, entgegen aller Warnungen. Denn Zeth macht seinen Job verdammt gut: Er warnt uns regelmäßig, dass er nicht der Märchenprinz ist. Doch ein Fünkchen Resthoffnung bleibt doch…

Selten haben mich zwei Charaktere so sehr begeistert wie Zeth und Sloane. Sloane ist mutig, ohne zu übertrieben zu wirken. Sie reflektiert und realisiert vieles, geht an ihre Grenzen und darüber hinaus. Zu keiner Zeit hatte ich hierbei aber das Gefühl, dass ich ihre Entscheidungen nicht nachvollziehen kann. Häufig ist im Dark Romance Genre bei mir leider so, dass die Protagonistinnen wahnwitzige Entscheidungen ohne Sinn, Verstand und Erklärung treffen. So ging es mir bei Sloane nie, insbesondere, da sie selbst regelmäßig im inneren Zwiespalt steht. Sloane weiß, was sie will. Zeth hingegen ist düster, gefährlich, wirkt etwas unkontrolliert und zugleich unglaublich betörend. Sein Job ist ungewöhnlich, sein Verhalten ist ungehobelt, aber zugleich glänzt er mit Intelligenz und einer interessanten Seite, die man mit viel Wohlwollen vielleicht als leicht empathisch bezeichnen könnte. Und diese beiden zusammen machen einfach Spaß - starke Wortgefechte, eine wahnsinnige Energie und eine undefinierbare Anziehungskraft.

Besonders gut gelungen fand ich aber auch, dass Zeth in seinen Kapiteln häufig bissig-sarkastische und selbstironische Kommentare von sich gibt. Das lockert das Buch sehr gut auf und man verliert sich nicht zu sehr in dieser dunklen Welt. Generell ist die unterschiedlich gewählte Erzählweise für Sloanes und Zeths Kapitel hervorragend gelungen. Man merkt den Unterschied in ihrem Charakter, in ihren Verhaltensweise und so spiegelt es sich auch in der Wort- und Denkweise wider. Während Sloanes Kapitel eher bodenständig sind, flucht Zeth viel und nimmt kaum ein Blatt vor dem Mund.

Der durch die Festa-Skala befürchtete hohe und harte Erotikanteil blieb tatsächlich zum Großteil aus. Es gibt wenige Erotikszenen, die dafür aber sehr intensiv und packend sind. Die Autorin hat die Szenen hierbei aber sehr niveauvoll und ansprechend verpackt. Dennoch gibt es Inhalte, die eventuell nicht jeder lesen mag. Ohne zu spoilern mag ich hierbei zumindest so viel sagen, dass die Beteiligung mehrere Leute eine Rolle spielt und auch ein Messer. Blood & Roses befindet sich irgendwo zwischen „was zum Teufel“ und „wow“, geht für mich jetzt aber nicht ins Unerträgliche.

Die Magie des Buches fesselt einen von Seite 1 an. Man merkt gar nicht, wie Seite um Seite vergehen, man mehr und mehr gebannt dort sitzt und mehr will. Man möchte Sloane zurufen, sie soll weglaufen, doch tief im Herzen will man, dass sie es nicht tut. Man möchte Zeth zurufen, er soll seine verdammten Finger von ihr lassen, doch insgeheim will man sehen, wer für wen am Ende das Verdammnis sein wird. Leider ist das Buch verhältnismäßig kurz, mit nur knapp 170 Seiten. Hierdurch lässt sich das Buch andererseits aber auch gut an einem Abend lesen.

Blood & Roses ist ein packender, düsterer Auftakt, der absolut Lust auf mehr macht. Das Buch hat mich vollkommen gebannt und nicht wieder losgelassen. Ich brauche mehr, ich will mehr!

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

Veröffentlicht am 30.01.2019

kein Thriller, wenig Spannung, bleibt hinter den Erwartungen zurück

Anatomie eines Skandals
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„Aber verbringen Sie mal einige Zeit an irgendeinem Gericht – dann können Sie sehen, wie fragil das Leben ist. Wie die vertraute Welt ganz schnell in sich zusammenfallen kann, wenn man sich ein einziges ...

„Aber verbringen Sie mal einige Zeit an irgendeinem Gericht – dann können Sie sehen, wie fragil das Leben ist. Wie die vertraute Welt ganz schnell in sich zusammenfallen kann, wenn man sich ein einziges Mal für einen schicksalshaften Sekundenbruchteil nicht an das Gesetz hält.“ (Kate in Anatomie eines Skandals)

Worum geht’s?

Es ist eine der größten Schlagzeilen der Presse: James, Staatssekretär und guter Freund des Premiers, soll fremdgegangen sein, mit seiner Referentin, über längere Zeit. James Ehefrau Sophie ist geschockt. Doch weder sie noch James ahnen, dass es mit der öffentlichen Demütigung nicht getan ist. Denn kurze Zeit später ist plötzlich nicht mehr nur von einer Affäre die Rede – James soll seine Kollegin vergewaltigt haben. Die taffe Anwältin Kate möchte alles daransetzen, James wegen Vergewaltigung zu verurteilen. Eine nervenaufreibende Zeit für James, Sophie und Kate beginnt, denn neben der öffentlichen Meinung müssen sie sich auch ihrer Vergangenheit stellen…

Das Buch ist in sich geschlossen, es gibt keine Fortsetzung.

Schreibstil / Gestaltung

Auf dem Cover sieht man ausschnittsweise eine Frau, die durch etwas durchzuluschern scheint. Das Cover wirkt geheimnisvoll und so, als würde man etwas Intimes beobachten. Die Covergestaltung ist insoweit im Bezug auf das Buch ganz gut gelungen. Auch der Untertitel „Du willst deinem Ehemann glauben, sie will ihn zerstören“ passt sehr gut zum Buch.

Der Schreibstil des Buches ist teils komplex. Es gibt viele verschachtelte Sätze und sehr ausufernde Situations- und Ortsbeschreibungen. Es kostete mich einige Konzentration, das Buch über längere Strecken zu lesen. Sprachlich würde ich das Buch als durchschnittlich anspruchsvoll bezeichnen. Es gibt parallel einen Handlungsstrang in der Gegenwart und einen Handlungsstrang in der Vergangenheit, beide Stränge werden durch Datumsangaben am Kapitelanfang differenziert. Es wird teilweise tageweise gesprungen, weshalb ich gelegentlich zurückblättern musste, da ich unsicher war, wo in der Story ich aktuell bin. Darüber hinaus wechseln regelmäßig die Erzählperspektiven, es wird aus Sicht mehrere Personen erzählt, allerdings in der dritten Person mit Ausnahme von der Anwältin Kate, diese erzählt uns in der Ich-Perspektive ihre Eindrücke. Ich habe insgesamt etwas gebraucht, in das Buch herein zu finden, da es doch einige Beteiligte und viele Sprünge gibt.

Mein Fazit

Zu dem Buch habe ich hauptsächlich aufgrund der Story gegriffen. In Zeiten von #MeToo gibt es immer wieder Anschuldigungen gegen bekannte Persönlichkeiten und hier habe ich erwartet, dass man einen Roman in den Händen hält, der sich sowohl in politischer Hinsicht als auch in persönlicher Hinsicht dem Thema widmet, wie die Grenzen verwischen können und ein derartiges Gerichtsverfahren abläuft.

Bereits der Einstieg in das Buch fiel mir unerwartet schwer. Die Geschichte beginnt mit der Vorstellung von Kate, wie sie den Fall auf den Tisch erhalten hat, springt dann aber zeitlich erst einmal einige Monate zurück und stellt uns Sophie und James vor, wie die Affäre auffliegt. Es dauert relativ lange, bis wir wirklich beim Verfahren ankommen. Dies ist neben doch sehr ausufernden Sätzen zu Situationen und Orten vor allem auch dem zweiten Handlungsstrang in der Vergangenheit geschuldet. In diesem 1993-Strang wurde sehr viel Energie gelegt, ohne dass bis etwa 2/3 des Buches überhaupt klar ist, wofür der Strang gut ist. Das empfand ich als sehr schade, weil ich zeitweise fast vergessen hatte, dass es eigentlich um die Frage „Vergewaltigung oder nicht“ geht.

Das Strafverfahren gegen James wird für meinen Geschmack und meinen Anspruch sehr nebensächlich thematisiert. Eigentlich hätte es für mich der Schwerpunktsteil im Buch sein müssen, insgesamt erhält der Leser aber nur hin und wieder einige Sätze aus der Vernehmung und zudem sehr viele Gedankengänge von Kate zu dem Thema. James Perspektive erfahren wir ziemlich selten und dann wirkt er extrem unsympathisch. James Frau Sophie wird für mich auch oft zu nebensächlich behandelt, erst im letzten Drittel tritt sie etwas in den Vordergrund.

Die Autorin versucht, eine vielschichtige und spannungsvolle Geschichte zu spinnen. Bei mir hat sich dieses Gefühl aber leider nie wirklich eingestellt. Ich weiß, dass das Buch vielerorts sehr gehyped wird und als sehr suspensevoll betitelt wird. Dem kann ich mich nicht anschließen. In der Vergangenheitsgeschichte werden einige Fragen und zwei große Geheimnisse aufgeworfen, die sich in der Gegenwart entladen sollen. Tatsächlich ist es aber so, dass das eine Geheimnis für mich vorhersehbar, aber leider storyschädlich ist, während das andere Geheimnis für mich vollkommen irrelevant und uninteressant ist. Besonders das vorhersehbare Geheimnis zerstört für mich einen großen Teil der Glaubwürdigkeit der Geschichte und stellt die Vorzeichen der Frage „Schuld oder nicht“ eher auf „kann James sich retten oder nicht“.

Leider ist es auch so, dass nach hinten hinaus die Geschichte ab ca. 70% nur noch dahinplätschert. Ab Enthüllung des vorhersehbaren Geheimnisses war für mich das Gerichtsverfahren ehrlich gesagt gegessen und uninteressant geworden, wobei bereits vorher durch die wenigen Einblicke gar keine eigene Meinung hinsichtlich eines möglichen Schuldspruches entwickelt werden konnte. Nach der Enthüllung verhalten sich aber auch alle Figuren plötzlich anders und komisch. Die eine schaut gutmütig über das Geheimnis hinweg und eine Person steht plötzlich als labil da. Auch danach wirkt es leider so, als würde die Autorin krampfhaft versuchen, jetzt noch Twists einzubauen. Es gibt es Urteil und unmittelbar danach versucht die Autorin, das Urteil auf andere Weise wieder zu zerstören. Da frage ich mich: Wenn sie das Ergebnis doch unbedingt haben wollte, wieso hat sie es dann nicht so gemacht? Es wirkt so einfach nur gewollt, vor allem mit den noch folgenden Enthüllungen und den Reaktionen hierauf, insbesondere von Sophie. Die letzten 100 Seiten des Buches geht es hauptsächlich um die Auswirkungen des Urteils, hier wird auch ganz krampfhaft dann versucht, dass das vorhersehbare Geheimnis noch sinnvoll eingebaut wird, was meiner Meinung nach aber fehlschlägt.

Insgesamt konnte mich das Buch stellenweise nett unterhalten, größtenteils plätscherte die Geschichte aber vor sich hin, mit wenig Spannung, wenig Raum für eigene Meinungen und vielen fehlschlagenden Twists. Dieses Buch ist für mich weder ein Thriller noch dem Genre Suspense zuzuordnen. Tendenziell wäre es wahrscheinlich als Drama mit etwas Spannung besser deklariert. Ich kann den Hype absolut nicht nachvollziehen und sehe hier einen Roman, der so viel Potenzial hatte, aber durch eine übermütige Autorin in eine ganz andere Richtung gelenkt wurde. Schade, dass hier nicht das Augenmerk aufs Verfahren gelegte wurde und eine „He said, she said“-Geschichte präsentiert wird, bei der der Leser anhand der Beweise selbst einen Eindruck zusammenbauen kann.

+++ es folgen im Weiteren mögliche Spoiler +++

Mein größter Kritikpunkt ist das Thema 1993 und Kate in der Gegenwart. Durch die Enthüllung um James und Kate wird mit sofortiger Wirkung die Geschichte um Olivia und James irrelevant, weil aus einem Vergewaltigungsverfahren eher ein Racheversuch wird. Eine Prozessanwältin, die die Anklage vertritt, ist also befangen, bringt eine Grundwut gegen den Angeklagten mit und dann endet der Handlungsstrang einfach. Ja, es wird nur für den Leser aufgelöst, wieso Kate die Anklage machen wollte, wieso sie so engagiert war, aber nicht in der Story. Nur ihre Freundin Ali, die sich das absolut absurd zusammengereimt hat, weiß davon und entscheidet sich, obwohl sie heftige Sorgen hatte, das Thema einfach sein zu lassen. Trotzdem möchte sie aber unbedingt Sophie erzählen, was ihr Mann für ein Abschaum ist. Weil Ali und Sophie sich aber eigentlich nicht kennen, muss halt zufälligerweise ein Klassentreffen her, bei dem die betrunkene Ali Sophie das nochmal entgegenschleudern muss. Und Sophie? Die fängt mit dem Wissen um ihren Mann, der offenbar bereits mindestens zweimal vergewaltigt hat, nichts an. Stattdessen lässt sich ein Geheimnis aus der Collegezeit platzen, dass James und Tom den Tod eines Studenten miterlebt haben. Ja, miterlebt, nicht verursacht. Dass dies das große Geheimnis um James und Tom war, war am Ende fast schon lachhaft und spielte keine Rolle. Für mich ist das nicht einmal ein richtiger Skandal.

Somit ist insgesamt immer wieder etwas aufgegriffen worden, was aber letztendlich verpufft ist. Kates eigene Vergewaltigung spielt keine Rolle, Alis Wissen spielt keine Rolle, Kate selbst verpufft eigentlich auch, da ihre Befangenheit nicht aufgedeckt wird und der Prozess nicht gefährdet ist, Sophies Wissen spielt keine Rolle, Toms Geheimnis hat nichts mit der Vergewaltigung zu tun – alles, was aufgegriffen wurde, spielt im Endeffekt keine Rolle.

Ich habe einfach extreme – persönliche – Probleme damit, wenn der tragende Hauptcharakter die Anklage vertritt und so vehement gegen sämtliche Prinzipien des Rechtsstaats verstößt, dem sie sich verschrieben hat und den zu achten und zu vertreten sie sich zur Lebensaufgabe gemacht hat, anstatt diesen Rechtsstaat für ihren eigenen Fall um eine Entscheidung zu ersuchen. Dass diese Bombe dann aber sich als Blindgänger entwickelt, weil es eigentlich keine Rolle spielt, macht es nicht einfacher.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]