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Veröffentlicht am 16.01.2020

vermag nicht zu überzeugen

Big little Love
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„Zuhause wartete das heißeste Mädchen der Schule auf mich, und ich fantasierte hier über einen Giftzwerg, der mir gerade mal bis zur Brust reichte. Wir passten vorne und hinten nicht zusammen. Das besagte ...

„Zuhause wartete das heißeste Mädchen der Schule auf mich, und ich fantasierte hier über einen Giftzwerg, der mir gerade mal bis zur Brust reichte. Wir passten vorne und hinten nicht zusammen. Das besagte schon die Hierarchie der High School.“
(Ian in Big little love)

Worum geht’s?

Nach einer Trennung hat Anna heftige Essattacken und zahlreiche Kilos in kurzer Zeit zugelegt. Sie ist unglücklich und fühlt sich unwohl. Die Lösung? Eine Klinik, in der sie über die Ferien nicht nur abnehmen, sondern auch gesunde Ernährung lernen soll. Anna freut sich auf den Aufenthalt, muss aber direkt am ersten Tag feststellen, dass sie jemand Bekannten vor Ort trifft: Ian, Footballstar und ihr erklärter Erzfeind. Er muss eine Strafe absitzen und deshalb beim Sportprogramm in der Klinik helfen. Schlimmer kann es für Anna nicht kommen. Ausgerechnet vor ihm soll sie abnehmen?

Big little love ist ein Einzelband und in sich abgeschlossen.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist in roten und gelben Tönen gehalten. Es wirkt sehr ansprechend, gibt jedoch wenig über den Inhalt preis. Dennoch gefällt es mir sehr gut. Die Hardcover-Version verfügt über einen abnehmbaren Schutzumschlag mit dem Cover, das Buch selbst ist matt-grau. Es verfügt zudem über ein Bandlesezeichen.

Die Geschichte wird linear aus Sicht von Anna und Ian erzählt. Beide wechseln sich als Ich-Erzählerin ab, wobei Annas Kapitel stark überwiegen. Das Buch lässt sich gut und einfach lesen, der Schreibstil ist flüssig und angenehm. Sprachlich bewegt sich das Buch auf einem guten Niveau für Jugendliche und (junge) Erwachsene. Das Buch enthält keine expliziten Sexszenen, jedoch an einigen Stellen Kraftausdrücke.

Mein Fazit

Big little love ist mein zweites Buch von der Autorin. Ich hatte bereits „Zwei Brüder plus ich gleich Chaos“ gelesen und fand das Buch ganz nett, mehr aber leider nicht. Dennoch wollte ich der Autorin eine zweite Chance geben und dachte, dass dieses Buch eine geeignete Möglichkeit darüber wäre. Zugegeben, ich hatte anfangs bereits etwas Bauchschmerzen, denn 13kg Übergewicht und Abnehmklinik? Das klang für mich doch etwas radikal. Nach den ersten positiven Rezensionen habe ich mich doch herangewagt – rückblickend keine gute Idee.

Das Buch steigt unmittelbar vor Annas Fahrt in die Abnehmklinik ein. Von ihr erzählt erfährt man, wie es ihr in letzter Zeit ergangen ist, wie sie die ganze Situation selbst einschätzt und was sie sich erhofft und erwartet. Dann ist sie auch schon in der Klinik, wo sie 8 Wochen verbringen wird, was fast das komplette Buch einnimmt. Nach einem ausführlichen Überblick über die Institution erfährt man, dass hier auch Magersüchtige und Bulimiker behandelt werden und zudem auch einige Diabetiker. Eine bunte Mischung also. Man erhält Einblicke in Annas Tagespläne, die Sporteinheiten und wie sie dich Zeit mit anderen Patienten verbringt. Und dann ist da Ian. Ian bekommt eine Sozialarbeitsstrafe, weil er aufm Schulgelände gekifft hat. Ausgerechnet er, der arrogante Footballsuperstar von Annas Schule. Und die beiden haben eine gemeinsame Vergangenheit, die bei beiden Abneigung gegenüber einander hinterlassen hat. Vor Ort laufen sich beide immer wieder über den Weg, streiten sich, necken sich, hassen sich. Aber mit der Zeit scheint es so, als wäre für Hass kein Platz mehr. Doch ist das nur eine Phase, hier in den Räumen der Abnehmklinik?

Grob genommen hat das Buch zwei Thematiken: Annas Abnehmreise und Annas Beziehung zu Ian. Das war’s eigentlich auch schon. Prinzipiell reicht mir das auch, denn beide – vor allem zusammen – kann ausreichen, um ein Buch zu füllen. Hier jedoch war das nicht der Fall. Eigentlich ist es so, dass die erste Hälfte des Buches Annas erste Zeit in der Klinik intensiv und ihre Beziehung zu Ian oberflächlich (vor allem durch Neckereien) beschreibt, die zweite Hälfte dann die restliche Zeit oberflächlich und ihre Beziehung zu Ian sowie eine kurze Zeit nach der Klinik intensiv.

Beleuchten wir zunächst Ian und Anna. Die beiden haben seit der 5. Klasse einen Zwist, der Groll hält vor allem auf Annas Seite weiter an. Es war für mich schwer nachvollziehbar, wie nach all den Jahren das noch so tief sitzen konnte, dass sie Ian direkt anfährt, obwohl er ihr nichts getan hat. Die beiden sind einander gegenüber misstrauisch, so denkt Ian, Anna würde ihn auffliegen lassen wollen und Anna glaubt, Ian würde sie vorführen wollen. So kommt es immer wieder zu Reibereien, die zumeist recht unterhaltsam zu lesen waren. Das Problem ist allerdings, dass für mich zu keiner Zeit der Sprung von Feinden zu Freunden (und zu Liebenden) nachvollziehbar war. Es war wie ein Cut, von einer auf die andere Seite war da eine Anziehung und zack, zack wird da dann mehr draus. Natürlich wartet noch das übliche Drama, was aber auch schnell weggebügelt wird. Somit vermochte die Liebesgeschichte schon einmal nicht überzeugen, denn sie hatte einfach zu wenig Substanz.

Dann wäre da also noch Annas Ausflug in die Abnehmwelt. Und da wird es schwierig. Anna hat 13kg zugenommen und hat Fressattacken. Das erzählt sie direkt zu Beginn. Der Leser erhält Einblicke in ihre Gedankenwelt aus Donuts und Zucker, gepaart mit ihrer Unzufriedenheit und depressiven Verstimmung. Sie hat merklich zugenommen, die Hosen kneifen. Aber ist sie übergewichtig? Hat sie die Unterbringung in einer Anstalt wirklich nötig? Das sind Fragen, die nie erörtert werden. Dafür aber wirkt es das ganze Buch über so, als hätte Anna 130kg zugenommen. Ernährungsberatung, 4 Stunden Sport am Tag, wöchentliches Wiegen, detaillierte Ausführungen zu ihren Essgelüsten – alles ist dabei. Und zugleich macht sie sich permanent selbst fertig. Schwabbel, fett, undiszipliniert, es ist wirklich alles dabei. Sie schämt sich vor Ian, mehr als einmal. Sie startet wahnwitzige Aktionen, um sich vor Ian nicht zu zeigen. Sie zieht regelmäßig ihr Shirt runter, damit man ihren Hüftspeck nicht sieht. Und Stück für Stück wurde ich immer fassungsloser. Man möge sich noch einmal in Erinnerung rufen, dass sie 13kg zugenommen hat, allein in der ersten Klinikwoche schon 4kg abnimmt. Selbst ich als Erwachsene habe mit der Zeit angefangen, in dieser Gedankenwelt gefangen zu sein. Habe ich den einen Tag beim Essen gelesen, ist mir doch glatt der Appetit vergangen. Doch damit leider nicht genug. Denn auch den anderen gegenüber waren Annas Gedanken mehr als schwierig. So denkt sie über ein Mitpatientin, dass sie sich falsche Hoffnungen bei Ian macht, denn mit ihrem Übergewicht sei sie nicht Ians Zielgruppe. Sie kommentiert in Gedanken das Verhalten ihrer Mitbewohnerin, die an Bulimie erkrankt ist, dass sie nicht nachvollziehen könne, wie man sein leckeres Essen erbrechen kann. Sie wundert sich über das Selbstbewusstsein ihrer übergewichtigen Freundin, die sogar enge Oberteile trägt, was sie selbst mit ihren paar Kilo zuviel ja nicht einmal machen würde. Ich habe in diesem Buch einen Haufen Zwangsgedanken gefunden, die ungefiltert und unkommentiert in den Raum geworfen wurden. Manche Leser werden damit keine Probleme haben, vielleicht noch darüber lachen. Andere hingegen, für die könnte das triggernd sein. Und das finde ich ziemlich bedenklich. Ja, Anna mag an den Anfängen einer Essstörung sein und diese gehört behandelt. Aber führt der Weg dazu in eine Abnehmklinik, wo sie ihre 13kg zu viel wieder wegtrainieren soll? Sicher nicht. Man hätte sich hier vor allem dann mehr auf den psychologischen Teil konzentrieren sollen als aufs reine Abnehmen.

Das Buch wirkt insgesamt leider recht klischeehaft und oberflächlich, zugleich gesellen sich aber mutmaßlich triggernde Inhalte dazu und es wird in einer für mich nicht ausreichend reflektierten Art mit der Thematik umgegangen. Die Charaktere sind zu keiner Zeit sympathisch, vor allem Anna teilt gegen alles und jeden aus, was mich irgendwann zur Weißglut gebracht hat. Ian bleibt blass und eindimensional, ist kein Love Interest, bei dem man mitfiebert, dass die Protagonistin ihn bekommt und macht so ziemlich alles, was man erwartet. Die Randcharaktere sind sehr stereotypisch und klischeehaft ausgestaltet, da ist die zickige Cheerleaderin als Tyrannin, der stets abwesende Vater, die prolligen Footballer und auch in der Klinik wird ein sehr unreflektiertes Bild aufgezeigt.

Es tut mir im Herzen weh, dass mich das Buch nicht überzeugen konnte. Denn ich finde die Grundthematik um das Abnehmen und das eigene Körperbild durchaus wichtig. Die Art, wie es hier umgesetzt wurde, lässt mich aber nur ratlos zurück. Mein Gegenwarts-Ich denkt an mein 15-Jähriges Ich, was beim Lesen des Buches Komplexe und negative Gedanken bekommen hätte. Und das finde ich schwierig. Mir fehlt der taktvolle Umgang mit dem Thema. Und vor allem die Langfristigkeit. Denn Anna nimmt ab, alles ist toll und wunderbar und sie kriegt ihren Traumprinzen und sowieso. Dass ihre Gedanken aber teilweise hochgradig gefährlich sind und dass mit ein bisschen Abnehmen nicht alles plötzlich gut ist, das wird hier nicht aufgezeigt. Es ist wie ein Märchen, bei dem am Ende alle glücklich sind.

Das Buch mag vielleicht unterhaltsam sein, da Ian und Anna gern einmal aneinander geraten und die Idee mit der Abnehmklinik ist für mich durchaus innovativ. Aber der Umgang mit dem ganzen Thema ist für mich einfach nur unpassend und oberflächlich. Ich konnte keine Verbindung zu den Charakteren aufbauen, die Beziehungsentwicklung war für mich nicht greifbar, es fehlte an Tiefe. Und so gehe ich enttäuscht und vielleicht auch ein Stück wütend aus dem Buch, denn ich frage mich, ob dieses Buch in den falschen Händen nicht vielleicht sogar unbewusst Schaden anrichten könnte.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Vertrieb überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

enttäuschende Fortsetzung

Newport Prince Bd. 2
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„Als sie mich verlassen hat, war in mir etwas unwiederbringlich zerbrochen. Ich war leer ohne sie.“
(Aiden in Newport Prince – Find you)

Worum geht’s?

Es waren Schicksalsschläge, die alles für immer ...

„Als sie mich verlassen hat, war in mir etwas unwiederbringlich zerbrochen. Ich war leer ohne sie.“
(Aiden in Newport Prince – Find you)

Worum geht’s?

Es waren Schicksalsschläge, die alles für immer verändern sollten. Nach den schrecklichen Ereignissen am Ende von Band 1 sind drei Jahre vergangen. Ava ist gegangen und hat alles zurückgelassen, sogar ihren geliebten Hund und Aiden mit einem gebrochenen Herzen. Doch wie aus dem Nichts taucht sie plötzlich wieder auf und Aidens Welt steht Kopf und sein Herz in Flammen. Nie wieder wird sie weglaufen, verspricht sie ihm. Nur um ihr Versprechen kurze Zeit später zu brechen. Doch dieses Mal gibt Aiden nicht so leicht auf und folgt ihr. Nach Vancouver. Dem Ort, an dem sie sich offenbar ein neues Leben aufgebaut hat. Wird Aiden in diesem Leben einen Platz finden? Und kann er sein Herz überzeugen, sich erneut auf Ava einzulassen?

Newport Prince – Find you ist Band 2 einer mehrbändigen Reihe. Die Geschichte ist nicht in sich geschlossen, es werden Vorkenntnisse aus Band 1 benötigt und die Geschichte wird in Band 3 fortgesetzt.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist dieses Mal in zarten Pastelltönen gehalten und zeigt einen idyllischen Steg am See vor einem Horizont. Es ist ein klassisches, zurückhaltendes Cover ohne Hinweis auf den Inhalt. Anders als bei Band 1 vermittelt das Cover direkt den Eindruck, man hätte ein Drama/Liebesroman vor sich.

Die Erzählweise des Buches erfolgt erneut in linearer Form mit wechselnden Erzählern. Dies sind dieses Mal ausschließlich Aiden und Ava. Die Kapitel sind entsprechend übertitelt, sodass man weiß, wer erzählt. Der Schreibstil der Autorin ist gewohnt leichtfüßig, man kann dem Geschehen gut folgen. Anders als in Band 1 fällt mir Aiden nicht durch seine explizite Ausdrucksweise auf. Das Buch beinhaltet erneut erotische Szenen, die nicht übermäßig explizit, aber stets niveauvoll ausgeführt werden.

Mein Fazit

Das Ende von Newport Prince 1 hat mich erschüttert, überrascht und in Trümmern zurückgelassen. Mit vielem gerechnet, ein 0815-Standard-Ende wartet und dann so eiskalt erwischt von dem Scherbenhaufen, der mir präsentiert wurde. Sofort war klar: Band 2 muss her. Wie können Ava und Aiden damit leben, was passiert ist? Auf diese Antworten war ich so gespannt. Und dann kam Band 2. Und ich war am Verzweifeln. Und das leider nicht im positiven Sinne.

Ich habe schnell ins Buch gefunden und war recht schnell wieder in der Geschichte drin. Nach einem Prolog, in dem man zumindest etwas erfährt, was sich in Avas Leben getan hat, startet die Geschichte mit Avas Rückkehr nach Newport. Wie freiwillig diese ist, vermag ich nicht zu sagen, denn nach dem Prolog glaube ich, dass Avas nicht ganz so begeistert ist. In Newport hat sich vieles verändert, aber zugleich ist in einigen Aspekten auch die Zeit stehengeblieben. Unvermeidbar kommt es zum Aufeinandertreffen von Ava und Aiden, bei dem alte Gefühle hervorbrechen. Doch Ava hat gar nicht beabsichtigt, in Newport zu bleiben und verschwindet schon bald in einer Nacht- und Nebelaktion zurück nach Vancouver. Aiden reist ihr hinterher, denn er will sie nicht aufgeben. Können sie die Schatten ihrer Vergangenheit überwinden?

Es begann mit dem Aufeinandertreffen von Ava und Aiden. Drei Jahre, kein einziges Wort, ein Wissen und ein zurückgelassener Diego. Innerlich zerrissen und immer noch am Trauern. Und jetzt treffen sie wieder aufeinander. Ich habe mir diese Szene in so vielen Facetten ausgemalt – doch keine war so ernüchternd, wie das tatsächliche Aufeinandertreffen. Ok, nicht schlimm. Es muss ja nicht immer Mord und Totschlag, Tränen und Geschrei sein. Jeder verarbeitet so eine Situation ja anders. Aber irgendwie war in diesem Moment bereits das erste Lichtlein in mir erloschen. Wo sind die Ava und der Aiden aus Band 1? Zu dem Zeitpunkt habe ich mir noch eingeredet, dass sie sich einfach verändert haben. Doch bereits einige Seiten später musste ich mir eingestehen, dass es keine Charakterveränderung ist. Nein, vielmehr wirkt alles komplett weggebügelt. Aiden hegt gelegentlich leichte Zweifel, ob er einfach so weitermachen kann wie zuvor. Als Ava dann verschwindet und er ihr hinterherreist, dachte ich: Jetzt kommt Stimmung. Aber nein, auch hier erlischt das Feuer, bevor es überhaupt ansatzweise entfachen konnte. Wo sind die Emotionen, wo ist die Verzweiflung, wo ist das Durcheinander, was jene Schicksalsnacht hinterlassen hat? Einfach weg. Alles, was bleibt, ist ein wenig Sex hier und da, ein wenig angehauchtes und direkt begrabenes Drama. Keine Erklärungen, keine Rückblicke. Und dann kam für mich der größte Schock: Ein Zeitsprung von weiteren drei Jahren.

Ja, bereits nach knapp 80 Seiten springt die Geschichte weitere drei Jahre in die Zukunft. Sechs Jahre später insgesamt. Und was bleibt von Band 1? Nichts. Das meine ich gar nicht böse. Sondern vielmehr enttäuscht. Ich hatte so viele Fragen bezüglich Lilly, Avas Eltern, Avas Flucht nach Kanada, Aidens Leben in Newport. Auf keine einzige erhielt ich eine Antwort. Ganz im Gegenteil spielen die Themen Lilly und Avas Eltern nur noch eine Randrolle im Buch, als wäre die Erschütterung des Schicksals so belanglos gewesen, dass es egal wäre, es noch zu erwähnen. Und das war der Punkt, wo Frust kam. Ich wollte Newport Prince 2 lesen, um zu sehen, was passiert ist nach dieser Nacht. Doch was habe ich bekommen? Einen seichten Liebesroman mit überraschend viel Sex, einige lustigen Momenten unter Freunden, hier und da vereinzeltem Drama durch die Randcharaktere und als roter Faden der Geschichte geht es um die Frucht der Liebe von Aiden und Ava. Ist ja schön und gut, das Ganze. Aber es ist nicht das, was man möchte. Wofür man gekommen ist. So ging es zumindest mir. Die Handlung von Band 1 war so stark, überraschend, hat Emotionen in mir hervorgerufen. Band 2 plätscherte vor sich hin, konnte mich nicht mitreißen und die anfängliche „das wird schon noch“-Einstellung habe ich auch recht bald aufgegeben, als ich merkte: Nein, da kommt nichts mehr. Zwar gibt es wieder Ups and Downs in der Geschichte, die dieses Mal jedoch nicht so heftig ausfallen und wahrscheinlich größtenteils vermeidbar wären, würden Ava und Aiden miteinander reden. Aber die großen Gefühle, diese nagende Verzweiflung und naive Hoffnung, die ich in Band 1 verspürt habe, fehlt komplett. Und ich verstehe überhaupt nicht, wieso sich die Autorin für so eine 180-Grad-Wende mit Notbremsung entschieden hat. Es gibt einige nette Momente in der Geschichte, die sicher dem ein oder anderen begeistern werden, bei mir aber nicht im Herzen angekommen sind. Es ist fast so, als würde man eine komplett neue Geschichte lesen, ab dem Moment, wo die Geschichte 3 Jahre in die Zukunft springt, da bis auf minimale Bezugspunkte (etwa durch das Auftauchen eines Mädchens) gar keine Verbindung mehr zur Vergangenheit hergestellt wird.

Hierdurch hatte ich auch einige Probleme in der Beziehung von Ava und Aiden. Waren sie in Band 1 recht komplexe Charaktere und müssten sie nach dem Ende von Band 1 eigentlich ziemliche Päckchen mit sich tragen, merkt man davon in Band 2 irgendwie recht wenig. Ich hatte nicht das Gefühl, dass sich ihre Beziehung entwickelt oder sich die Dynamik zwischen den beiden verändert. Aiden bleibt übermäßig beschützend mit einem Hauch von Eifersucht, die ihn weiterhin impulsiv handeln lässt. Ava ist weiter Everybodys Darling und versucht, für alle dazusein. Aber es fehlte mir das Feuer der beiden und zwischen den beiden. Aiden und Ava sind nun mittlerweile etwas älter, gehen ihren Jobs nach bzw. studieren (was auch mehrfach angesprochen wird), aber zugleich fühlt es sich irgendwie gar nicht so an. Es ist zB so, dass Ava im Rahmen ihrer Forschungsarbeit zur Uni fährt und dann nach Hause kommt. Sie hätte genauso gut aber auch im Fitnessstudio sein können oder einkaufen. Die ganze Clique um Aiden bliebt omnipräsent und ging mir so manches Mal auch auf den Keks. Neu am Bord sind die Freundinnen von einigen der Jungs. Der Hund Diego und die Haushälterin Magda sind auch wieder mit dabei.

Das Ende. In Band 1 mein Highlight. Ich war schockiert und begeistert, sogar ein Stück weit verzweifelt und sauer. Das Ende von Band 2? Nichtssagend. Ich habe es zweimal gelesen, um zu sehen, ob ich etwas übersehen habe, missverstanden habe. Ich denke, die Autorin möchte einen angesiedelten Konflikt weiter ausbauen, bei dem ich aber gar nicht verstehe, wie der entstehen konnte und der für mich nicht greifbar ist. Daher schockt mich das Ende nicht und vor allem lässt es mich nicht verzweifeln. Es ist ein Ende. Punkt. Mehr nicht. Ich habe keine offenen Fragen, die mich nach Band 3 dürsten lassen. Und das finde ich wirklich sehr schade. Klar, einige Themen aus Band 2 sind noch nicht beendet, vor allem auch der rote Faden-Plot muss noch fortgeführt werden, aber irgendwie hat es mich nicht gecatcht.

Ironischerweise hat sich im Vergleich zu meiner Kritik an Band 1 viel getan. Störte mich der ewige Fokus auf Avas Brüsten, ist hier nichts mehr davon zu sehen. Dafür wirkt das Buch generell aber etwas sexueller. Kritisierte ich den kurzen Zeitverlauf in Band 1 und das „Zuviel“ an Geschehnissen, deckt Band 2 einen riesigen Zeitraum von 6 Jahren ab, präsentiert aber wenig Handlung. Waren mir die Charaktere im Band 1 zu reif für ihr Alter, wirken sie jetzt mit Mitte 20 zu jung. Das trifft vor allem auf die männlichen Nebencharaktere zu, bei denen ich das Gefühl hatte, sie sind in der Zeit steckengeblieben, denn sie benehmen sich einfach noch exakt wie damals. Es ist wirklich, als wäre alles genau das Gegenteil von dem, was Band 1 hatte. Und es verwirrt mich ungemein. Bin ich einfach zu schwer zufriedenzustellen?

Am Ende bleibe ich doch enttäuscht zurück. Waren meine Erwartungen zu hoch? Oder wollte die Autorin einfach etwas anderes, als ich mich gewünscht hätte? Ich weiß es nicht. Aber Newport Prince 2 war für mich leider nicht einmal ansatzweise so gut wie Band 1. Es ist eine solide Liebesgeschichte mit wenig Tiefe, ein wenig Drama und ganz viel Nebelbomben drumherum. Die Seiten werden gefüllt, doch sie erreichen weder mein Hirn noch mein Herz. Daher leider nur ein Buch, was ich zwischendurch gelesen habe, um für Band 3 vorbereitet zu sein. Es war für mich nicht stimmig als Fortsetzung zu Band 1, aber auch als eigenständiges Buch – wie es für mich zum Großteil wirkte -kann es nicht überzeugen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Vertrieb überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.01.2020

gelungener Mix aus Action, Erotik und Emotionen

Blood & Roses - Buch 5
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„Ich wird nicht lange zulassen, dass sein Mund das Letzte bleibt, was deine Lippen berührt hat, Sloane. Das verspreche ich dir. Ich brauch bloß noch ein bisschen mehr Zeit.“ (Zeth zu Sloane in Blood and ...

„Ich wird nicht lange zulassen, dass sein Mund das Letzte bleibt, was deine Lippen berührt hat, Sloane. Das verspreche ich dir. Ich brauch bloß noch ein bisschen mehr Zeit.“ (Zeth zu Sloane in Blood and Roses 5)

Worum geht’s?

Jäger oder Gejagter? Feind oder Freund? Noch nie waren die Grenzen so verwischt. Nach den Enthüllungen aus Band 4 sind Zeth und Sloane nicht nur auf der Flucht vor der Polizei. Gejagt von Julio und Charlie am Jagen scheint das endgültige Chaos ausgebrochen zu sein. Als dann auch noch Rebel auf den Plan tritt und Lacey eine folgeschwere Entscheidung trifft, scheint das Schicksal besiegelt: Lasst den Krieg beginnen. Wird Sloane stark genug sein, an der Seite ihres Unterwelt-Badboys Zeth zu bestehen und wird Zeth sein Herz auf Stein brechen können, um Sloane zu geben, was sie braucht?

Blood & Roses 5 ist der fünfte Band einer sechsteiligen Reihe. Das Buch ist nicht in sich geschlossen und auch nicht abgeschlossen. Es wird fortgesetzt und der Leser benötigt Vorkenntnisse aus den vier Vorgängerbänden.

Schreibstil / Gestaltung

Auch Band 5 kommt wieder mit einem wunderbar passenden Cover daher, was sich nahtlos in die Vorgänger einfügt und das Auge anspricht. Der Schreibstil der Autorin bleibt gewohnt vielseitig und direkt. Zeth darf weiterhin fluchen, Sloane fängt an zu fluchen, es gibt niveauvolle Erotik, einige Gewaltszenen und jede Menge ruppige Sprache. Der Schreibstil bleibt stimmig und passend. Erzählt wird hauptsächlich wechselnd durch Sloane und Zeth in der Ich-Perspektive, aber auch Michael kommt zur Wort.

Mein Fazit

Man könnte meinen, dass es irgendwann langweilig wird. Band 5 einer Reihe, immer noch das gleiche Thema, die gleichen Protagonisten. Genau davor hatte ich große Angst. Denn meine Begeisterung für die Blood and Roses Reihe ist enorm und ich zweifelte stark daran, ob die Autorin es schafft, die Kraft der Reihe aufrechtzuerhalten, ohne sich in langweilige Nebenstränge zu verlaufen. Und Gott verdammt, ich ziehe den Hut, denn sie schafft es.

Obwohl Band 4 schon wieder einige Zeit her ist, kam ich sehr schnell in das Buch. Wie zu erwarten war, setzt die Geschichte nicht direkt da an, wo Band 4 aufgehört hat, sondern beginnt mit einem Aspekt, der die Möglichkeit eröffnet, Zeth besser kennenzulernen und zu verstehen, wie er zu dem vermeintlich gefühlskalten Menschen wurde, als der er sich präsentiert. Von da an geht es vor allem darum, dass Zeth Sloane aus der Schusslinie raushaben möchte, die Liste der Jäger und Gejagten immer länger wird und man verzweifelt versucht, alle Informationen zusammensetzen, die Puzzleteile aber vorne und hinten nicht passen.

Ähnlich wie Band 4 ist die Geschwindigkeit in Band 5 anfangs auch stark reduziert. Bis etwa ein Drittel des Buches wartet man fast ungeduldig, dass es losgeht und etwas passiert – weil man weiß, dass in Zeths Welt der vermeintliche Frieden nie lange währt. Dafür konzentriert sich die Handlung hier wieder auf die Beziehung von Sloane und Zeth, was vor allem durch Einblicke in Zeths Kindheit in vielerlei Hinsicht relevant ist. Generell passiert in Band 5 viel in Richtung Entwicklung und Veränderung in der Beziehungsdynamik zwischen Zeth und Sloane, vor allem auf Zeths Seite. Dabei bleibt es dabei, dass Zeth nicht plötzlich zum weichgespülten Traumprinzen mutiert, es jedoch zu Veränderungen in ihm kommt. Sloane gewinnt weiter an Stärke, die sie vor allem daraus schöpft, wie wichtig Zeth für sie ist. Sie wird nicht zur Wonderwoman und nicht zum Racheengel, keine Sorge. Callie Hart schafft es wunderbar, Zeth und Sloane wachsen zu lassen, ohne sich selbst komplett aufzugeben. Und dennoch ist für den Leser auch der ein oder andere Moment dabei, wo einem das Herz aufgeht – oder auch das Herz bricht. Denn mittlerweile hat man Zeth und Sloane so sehr ins Herz geschlossen, dass man wirklich übel mitfühlen muss.

Bei der übergeordneten Rahmenhandlung passiert wenig und zugleich viel. Die am Ende von Band 4 aufgeworfene Thematik um Alexis wird in Band 5 kaum weitergeführt, dafür gibt es einige Enthüllungen und Überraschungen bezüglich Zeth, Lacey und Charlie. Es gibt neue Feinde, alte Feinde, vermeintliche Feinde, überraschende Verbündete – insgesamt ein Haufen Chaos, den Zeth irgendwie bewältigen muss. Zeth foltert, Zeth leidet, Zeth ist wütend. Sloane ist mutig, Sloane ist verletzt, Sloane öffnet ihr Herz. Und man fragt sich permanent eigentlich nur, wie dieser ganze Wahnsinn aufgelöst werden soll und wie die Zukunft von Zeth und Sloane aussehen könnte, sofern sie überhaupt eine haben. Ich habe mittlerweile das Gefühl, bei Blood and Roses ist alles möglich und nichts so, wie es scheint. Es bleibt ein gelungener Mix aus vielseitiger Action, sinnlicher Erotik und überraschenden Emotionen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge schaue ich Band 6 entgegen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass Callie Hart alle Plotstränge in einem gigantischen Finale zusammenbringen wird, dass einem Hören und Sehen vergeht. Es werden weitere Überraschungen auf den Leser warten und es wird ein bittersüßer Abschied von zwei fantastischen Protagonisten, die man über so viele Seiten lieben gelernt hat. Obwohl Zeth und Sloane die krassesten Gegensätze sind, habe ich selten ein Paar in einem Buch gehabt, bei dem ich so sicher war, dass sie so sehr füreinander bestimmt sind. Die Frage wird nur sein: Bekommt ihre Liebe die Chance, die sie verdient, oder werden die beiden ein für alle Mal in ein tragisches Verderben gestürzt? Bald werde ich es wissen und ich weiß nicht, ob ich bereit dafür bin, von der für mich mit Abstand besten Dark Romance Reihe Abschied zu nehmen.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2020

für Einsteiger im Real Crime vielleicht geeignet

Der Mensch ist böse
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Worum geht’s?

Julian Hannes, bekannt als „Jarow“ mit seinem Youtube-Channel zu Kriminalfällen und Mysterien, präsentiert in diesem Buch 13 reale Geschichten aus dem Bereich der Kriminalfälle. Die Fälle ...

Worum geht’s?

Julian Hannes, bekannt als „Jarow“ mit seinem Youtube-Channel zu Kriminalfällen und Mysterien, präsentiert in diesem Buch 13 reale Geschichten aus dem Bereich der Kriminalfälle. Die Fälle sind zum Teil ungelöst und decken ganz unterschiedliche Bereiche ab. Mit Informationsseiten zwischendurch und Interviews mit dem Profiler Mark T. Hofmann wird das Buch abgerundet.

Schreibstil / Gestaltung

Das Cover ist komplett in schwarz gehalten und zeigt nur den Augenausschnitt eines Mannes, der böse guckt. Die Gesamtgestaltung ist sehr zurückhaltend, schlicht und unaufdringlich. Das Buch umfasst nach einem kurzen Vorwort des Autoren eine mehrseitige Einleitung des Profilers Hofmann zum Thema „Ist der Mensch wirklich böse?“. Im Anschluss werden 13 reale Fälle vorgestellt, die jeweils mit einer schwarzen Doppelseite mit dem jeweiligen „Falltitel“ eingeleitet und dann in kleinen Unterabschnitten abgearbeitet werden. Am Ende jedes Falles steht ein Fazit vom Autor und es folgt eine thematisch passende Informationsseite, zB zum Thema Spürhunde oder Gefängnisausbruch.

Der Schreibstil ist relativ nüchtern, wirkt jedoch etwas wie die Niederschrift von etwas Gesagtem. Der Autor baut viele Fragen in den Text ein, die er weitergehend dann beantwortet (oder auch nicht). Gelegentlich schleichen sich wertende Worte in den Text, der eigentlich die reine Situationsbeschreibung sein sollte.

Mein Fazit

Zunächst muss ich betonen, dass ich den Autor als „Jarow“ nicht kenne. Seine Youtubevideos waren mir bisher unbekannt. Nach Beendigung des Buches habe ich mir einige seiner Vides angeschaut. Hätte ich dies vorher getan, hätte ich das Buch vermutlich nicht mehr lesen wollen. Man merkt deutlich, dass Jarow beim geschriebenen Wort einen ähnlichen Stil an den Tag legt wie bei seinen Videos, nur, dass es bei den Videos passt. Aber kommen wir zum Buch:

Als Real Crime-Fan, leidenschaftlicher Real Crime-Leser und Stern Crime-Abonnent war für mich das Buch automatisch ein „Must have“. Immerhin liebe ich Kriminalgeschichten. Die Ernüchterung kam recht fix. Das Buch deckt 13 Fälle ab. Hiervon sind welche teils fast 100 Jahre alt, einige sind international, wenige national, einige ungelöst. Vor allem sind die Fälle aber eins: Für mich als Genrefan zum Großteil bekannt. Der Fall Maddie McCain, der Fall Rebecca Reusch – beide kommen im Buch vor. Von den restlichen 11 Fällen kannte ich 8 aus anderen Büchern, einem Computerspiel (Men of Medan) oder der Stern Crime. Die verbleibenden 3 Fälle waren unter anderem ein Fall aus den 1880ern, ein Fall, der mich thematisch gar nicht interessiert hat und für mich auch nicht zu den menschlichen Abgründen passt und der Fall Tigereltern, von dem ich noch nie gehört habe.

Sei’s drum, gelesen habe ich sie trotzdem. Vielleicht entdeckt man ja einmal einen neuen Aspekt. Der Aufbau der Fälle hat mir recht gut gefallen, nach einer kurze Einleitung führt der Autor durch die Fakten des Falls, präsentiert auch Theorien und Ansätze und findet am Ende dann sein eigenes Fazit. Die Fakten des Falles sind gut aufgearbeitet, die Überleitungen sind manchmal mit Wertungen oder Effekthascherei versehen. Wirklich etwas Neues habe ich nicht erfahren, für Leute, die die Fälle nicht kennen, ist aber einiges Interessantes dabei. Leider habe ich oftmals das Gefühl gehabt, dass über die Fälle nur drübergebügelt wurde. So hätte man bei vielen Fällen deutlich mehr erzählen können (und sollen) und dafür vielleicht weniger Fälle ins Buch aufnehmen sollen. Denn gerade, wenn man im Fall drin ist – ist er vorbei. Das fand ich sehr schade. Die nach jedem Fall kommenden Faktenseiten haben mir gut gefallen, wenn auch etwas kurz geraten.

Was mir leider gar nicht zugesagt hat, waren die Fazits von Jarow. Der Mehrwert ergab sich hierbei für mich nicht. Das liegt vor allem daran, dass der Autor selbst ja offenbar keine einschlägige Ausbildung hat, wie etwa der mitbeschäftige Profiler Hofmann. Daher ist es einfach eine reine „Meine Meinung zu dem Fall“-Geschichte. Das funktioniert von mir aus auf Youtube oder auch bei einem Podcast, wo man dann im Anschluss darüber diskutieren kann. Aber im Buch hat mir das nicht zugesagt. Vielleicht liegt es einfach daran, dass ich mich gefragt habe, wieso mich die Meinung dieses Mannes interessieren sollte. Beim letzten Fall über Rebecca (laut Youtubekanal wohl Jarows Lieblingsthema momentan) gibt es noch ein Interview mit Hofmann zum Fall. Das ist ansich aber überflüssig, weil hauptsächlich mediale Fakten neu aufgearbeitet werden und von zwei Leuten bewertet werden, die gar nicht am Fall mitermitteln.

Insgesamt ist „Der Mensch ist böse“ ein strukturell gut gelungenes Buch, was jedoch in der Fallauswahl nicht wirklich überzeugen kann. Ob man mit dem Autor etwas anfangen kann, muss jeder für sich selbst entscheiden. Mir hat er nicht zugesagt und seine Meinungen und Wertungen haben mich weder angesprochen noch überzeugt. Der Profiler Hofmann, der sicher Mehrwert bringen könnte, bleibt in diesem Buch stark im Hintergrund. Für mich ein typischer Fall von jemanden, der aus seiner Bekanntheit Geld machen möchte, das nötige Handwerkszeug aber nicht mitbringt und daher seinen Erzählstil aus den Videos verschriftlicht.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, dass mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 03.01.2020

niedlich und nett für zwischendurch

Backstage - Bühne frei für Daisy
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„Du wirst dich nicht über den Tisch beugen und ihm ein paar Schläge auf den Hinterkopf geben. Du schlägst ihn nicht. Setz ein Lächeln auf, sonst vermasselst du noch deinen ganzen Racheplan.“
(Daisy über ...

„Du wirst dich nicht über den Tisch beugen und ihm ein paar Schläge auf den Hinterkopf geben. Du schlägst ihn nicht. Setz ein Lächeln auf, sonst vermasselst du noch deinen ganzen Racheplan.“
(Daisy über Trevin in Backstage 3)

Worum geht’s?

Als Daisy von ihrer Mutter gezwungen wird, die Ferien bei ihrem Vater Beau zu verbringen, könnte sie unbegeisterter nicht sein. Nicht nur, dass ihr Vater sich kaum meldet und sie seit Jahren regelrecht vergisst, nein, er ist auch der Bodyguard der Band Seconds to Juliet. Früher hat sie die Band, insbesondere den Frontmann Trevin geliebt. Doch dann hat Trevin ihr Herz gebrochen. Bei einem Wettbewerb hat Daisy Trevin als Homecoming-Date gewonnen – und er hat sie versetzt. Und mit dem soll sie jetzt wochenlang unterwegs sein? Das schreit nach Rache…

Backstage – Bühne frei für Daisy ist der dritte Band einer mehrteiligen Reihe um die fiktive Band Seconds to Juliet. Jeder Band handelt von einem anderen Mitglied der Band und ist in sich abgeschlossen, einzelne Charaktere aus Vor- und Nachfolgebänden kommen aber vor. Dieses Buch kann jedoch ohne Vorkenntnisse aus Band 1 und 2 gelesen werden.


Schreibstil / Gestaltung

Das erneut in rot und rosa gehaltene Cover mit der Silhouette eines Mädchens passt wieder zum Buch und zur Reihe, macht die Abgrenzung aber immer schwerer.

Das Buch startet wieder mit einem kurzen Steckbrief, dieses Mal zu Trevin. Die Erzählung erfolgt chronologisch, allerdings gibt es zwischen dem Prolog und dem ersten Kapitel einen Zeitsprung von neun Monaten. Die Erzählung erfolgt wieder durch einen Erzähler mit wechselndem Fokus auf Daisy und Trevin, der Fokus wechselt wieder innerhalb des Kapitels. Erneut ist das Buch von einer anderen Autorin geschrieben als die beiden Vorgängerbücher, erstmals hatte ich das Gefühl, dies auch gemerkt zu haben. Der Schreibstil ist zwar wieder leicht und gut lesbar, die Charaktere fluchen aber deutlich mehr, sind deutlich vorlauter und ruppiger.

Mein Fazit

Nachdem mich die Geschichte um Aimee und Mia schon gut unterhalten haben, war es für mich klar, dass ich auch Band 3 lesen möchte. Band 1 war eine sehr süße Geschichte ohne viel Tiefe, Band 2 eine unterhaltsame, energiegeladene Story für Zwischendurch und auch Band 3 reiht sich da recht mühelos ein, ist aber inhaltlich eher an Band 1 orientiert.

Bereits der Prolog hat mir doch ganz leicht das Herz gebrochen. Daisy wartet voller Vorfreude auf Trevin, den sie seit längerer Zeit anhimmelt und mit dem sie dank eines Umweltwettbewerbs auf den Homecoming-Ball gehen darf. Doch er kommt nicht. Stattdessen kommt nur ein schneller Brief, dass er einen Auftritt hat. Für Daisy bricht an dem Tag nicht nur ihre Welt zusammen, sondern auch die Hölle los. Über Wochen wird sie gemobbt und die Leute mache sich über sie lustig. Als dann neun Monate später ihre Mutter ihr eröffnet, dass sie vorübergehend zu ihrem Vater soll und mit ihm und der Band auf Tour gehen wird, ist Daisy zunächst erschüttert. Doch dann reift in ihr ein Plan: Sie wird sich rächen an Trevin. Als sie auf die Band trifft, versteht Trevin die Welt nicht. Wieso ist Daisy von Anfang an so abgeneigt ihm gegenüber? Mit der Zeit entwickelt Trevin Gefühle für Daisy. Doch dann kommt sein Bandkollege Ryder und schlägt ihm eine Wette vor: Schafft er es, dass die abweisende Daisy sich in Trevin verliebt bis zum Sommer? Trevin nimmt die Wette an. Und fortan spielen Daisy und Trevin einander etwas vor, um ihre eigenen Pläne durchzusetzen. Aber was passiert, wenn die Grenzen zwischen Vorspielen und Wirklichkeit verschwimmen? Und was ist, wenn ihre Geheimnisse sie einholen?

Zugegeben, die Idee ist natürlich nicht neu. Beide haben eine geheime Agenda und beide sind sich mit der Zeit unsicher, ob sie sie ausführen wollen. Das Problem hierbei war für mich, dass es natürlich recht schwer ist, zu erklären, wie beide zueinanderfinden sollen, wenn eigentlich alles gewollt fake ist. Und wie möchte man eine solide Beziehung hinbekommen, wenn beide so ein Geheimnis mit sich tragen? Insgesamt hat die Autorin das schon ganz zufriedenstellend gelöst und mich auf dem Weg gut unterhalten. Für mich gab es in diesem Buch keine Überraschungen, da der Verlauf insgesamt sehr klischeehaft war. Der Drama-Bogen ist erneut recht flach, dafür ist die Geschichte inhaltlich ganz niedlich geworden. Das Band- und Tourleben wird erneut passend, aber nicht überpräsent eingeflochten. Natürlich gibt es wieder das klassische Enddrama, bei dem es wieder zu Enthüllungen kommt, die mich nicht überrascht haben. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich Band 1 und 2 kenne und daher weiß, wer in diesen Büchern eigentlich die schlimmste Person ist. Daher war mir von Seite 1 an klar, wer hinter dem Ganzen steckt. Ich hoffe sehr, dass in Band 4 oder 5 da endlich mal ein Schlussstrich gezogen wird und die Jungs erkennen, wer sie manipuliert.

Was mir leider etwas zu sehr untergegangen ist, war die Thematik um Daisy und ihren Vater. Die beiden haben eine schwierige Beziehung, da ihr Vater die Familie verlassen hat, sich kaum meldet und sie ihn sowieso nur alle Jubeljahre mal sieht. Zwischen den beiden gibt es recht viel zu klären, aber das geht im Buch unter. Er ist der typische, übervorsichtige Vater, der seiner Tochter andauernd diktiert, dass sie nicht mit den Jungs allein sein darf. Die wenige Momente, die die beiden zusammen haben, wirken zwar wie ein guter Anfang, aber definitiv nicht ausreichend für die weitere Entwicklung. Daher fühlte ich mich etwas überrumpelt, als am Ende dann alles super war und die beiden in stetem Frieden wieder miteinander Kontakt haben. Schade war auch, dass die Probleme um Trevins Familie zwar angerissen wurden, aber zu keiner Zeit irgendwie weiter behandelt oder vertieft wurden.


Daisy war von Anfang an recht sympathisch, sie hat Ideale und steht für diese ein. Ihr Racheplan war für mich etwas zu kindisch und manchmal fehlte mir etwas das Verständnis, dann rief ich mir allerdings ihr Alter vor Augen und die tiefe Demütigung, die sie erlitten hat. Trevin ist auch sehr sympathisch, er wirkt sehr vernünftig und bodenständig. Das steht natürlich im starken Kontrast zu seinem Verhalten im Prolog, was auch Daisy mit der Zeit verwirrt. Durch die Wette, bei der es um seine musikalische Zukunft geht, gerät die Sympathie allerdings etwas ins Wanken. Insgesamt muss ich aber sagen, dass beide mich etwas an Miles und Aimee erinnert haben und tendenziell sehr schlicht waren. Sie machen für mich beide im Buch keine große Entwicklung durch. Dadurch präsentiert Backstage 3 keine tiefgründige Geschichte, sondern eher eine niedliche Boyband-Fanfiction. Auch die anderen Bandmitglieder kommen wieder vor. Komischerweise ist mir Ryder dieses Mal extrem negativ aufgefallen, er wirkt permanent notgeil (obwohl er sich in Band 2 doch massiv entwickelt hatte) und würde nicht permanent daran erinnert werden, dass er Mia hat, wäre das echt befremdlich. Miles und Aimee beschränken sich aufs Skypen. Will und Nathan werden mehr oder weniger präsent mitgeschleift, sie werden ihre Bücher ja noch kriegen. Sie sind bisher jedenfalls recht blass im Vergleich zu den anderen. Die Band insgesamt wirkt in diesem Buch recht pubertär und rebelliert ein wenig gegen ihr Management. Ich bin gespannt, wie sich das noch weiter entwickelt.

Backstage 3 konnte mich wieder gut unterhalten und die Geschichte um Trevin und Daisy hat mir gut gefallen, auch wenn sie natürlich ultimativ vorhersehbar war und keine Überraschungen für mich bereithielt. Es bleibt für mich eine Wohlfühlbuchreihe, die man als Erwachsener super zwischendurchlesen kann, für Jugendliche stelle ich mir aber vor, dass die deutlich begeisterter sein könnten. Das Buch lädt zum Träumen ein und entführt zumindest kurzzeitig in die Scheinwelt der Boybands. Ich freue mich bereits jetzt auf Band 4.

[Diese Rezension basiert auf einem Rezensionsexemplar, das mir freundlicherweise vom Verlag überlassen wurde. Meine Meinung ist hiervon nicht beeinflusst.]

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere