Der Funke ist nicht übergesprungen
Meine Sommer mit MarxDie 28jährige Cècile, die Sessy genannt wird, kehrt in die Villa Wittlow nach Lavnitz zurück. Vor zehn Jahren verbrachte sie einen Sommer dort bei Edith, der Hausherrin. Zusammen mit Max, den sie aufgrund ...
Die 28jährige Cècile, die Sessy genannt wird, kehrt in die Villa Wittlow nach Lavnitz zurück. Vor zehn Jahren verbrachte sie einen Sommer dort bei Edith, der Hausherrin. Zusammen mit Max, den sie aufgrund seiner Wälzer, die er ständig dabei hatte, Marx nennt.
Sie ist mittlerweile eine Frau geworden, die viel herumgekommen und gereist ist. Sie mag Party feiern und Shoppen.
Max ist das genaue Gegenteil. Er lebt immer noch bei Edith und versteckt sich vor der Welt. Max ist ein introvertierter Charakter, der ruhig und besonnen agiert.
Die beiden passen so gar nicht zusammen. Sie wie das alles verschlingende Feuer, er wie das gegenteilige Eis.
Doch Sessy kommt zurück, weil sie sich gefragt hat, ob er nicht doch der Richtige für sie ist.
Zuerst einmal möchte ich hervorheben, wie toll ich den Schreibstil finde. Das Buch lässt sich locker und leicht lesen.
Auch die Beschreibungen der Personen und der Villa sind bildhaft dargestellt.
Ich mochte Max, der mit seiner zurückhaltenden Art Sessy dazu bringt, ihn erobern zu wollen. Denn sie bekommt meistens, was sie möchte.
Leider wurde ich mit Sessy nicht warm. Das hat mehrere Gründe: Sie war mir zu extrem extrovertiert. Ich habe bei ihr Gefühle vermisst, richtig nahe gehende Emotionen, die es einfacher machen, einer Romanfigur näher zu kommen. Das fehlte mir leider. Zudem verhält sie sich im Heute auch nicht grundlegend anders und packt ihre alten Verhaltensweisen wieder aus. Sie kam mir wie ein Teenager immer noch vor.
Mit Max hatte ich oft Mitgefühl, weil er immer aufgrund ihres Agierens reagieren musste. Solche Persönlichkeiten kommen nicht so leicht aus sich heraus. Hier bedarf es Fingerspitzengefühl, das Sessy leider nicht besaß. Und auch wenn man argumentieren könnte, dass er ihr Gegenwind hätte bieten und sich auf ihre Spielchen einlassen hätte sollen, so kann man nur sagen, dass das für jemanden wie Max nie einfach war.
Aber er muss dringend lernen, sich mehr und mehr durchzusetzen.
Die Handlung spielt sich in und um die Villa ab und verlässt sich meistens auf die beiden Hauptakteure und ihre Irrungen und Wirrungen in Sachen Liebe, Eifersucht und dem Leben dazwischen.
So liest man Sessys Gedanken im Heute und Max's Gedanken im Damals.
Spannend wäre es gewesen, es anders herum lesen zu können, was zwar vorkam, aber nur in kurzen Kapiteln.
Dabei gibt es auch erotische Szenen, die ich so nicht erwartet hatte.
Mir geht es nicht darum, dass Buch grundlegend nicht weiter zu empfehlen.
Sicher gibt es da draußen Leser, die mit Sessy mehr anfangen können als ich. Ich empfand sie als sehr anstrengend und manipulierend.
Das hat meinen Lesefluss trotz fliegender Seiten ein gedämpft. So wurde es mir von Seite zu Seite egal, ob die beiden sich am Ende bekommen und wie.
Das Buch hat den Charakter eines Sommerromans, von der ersten Liebe und dem hoffnungsvollen Wiedersehen in all seinen Facetten.