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Veröffentlicht am 12.09.2025

Vielschichtig, magisch, anders

Das vergessene Museum
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Für Liam, einen Fahrradkurier, der in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, wird plötzlich von einem Moment auf den anderen alles anders. Als er ein Paket in einem Museum ausliefert, wird er in einen Mordfall ...

Für Liam, einen Fahrradkurier, der in einem Waisenhaus aufgewachsen ist, wird plötzlich von einem Moment auf den anderen alles anders. Als er ein Paket in einem Museum ausliefert, wird er in einen Mordfall hineingezogen. Der sterbende Kurator ernennt ihn dann auch noch zu seinem Nachfolger. Somit ist klar, dass die Polizei Liam verdächtigt, etwas damit zu tun zu haben. Doch der arme Kerl kennt weder den Kurator Mr. Bradford, noch versteht er, warum er plötzlich sein Erbe antreten soll.

Trotz der merkwürdigen Vorkommnisse zieht er in das Museum und übernimmt auch Shakespeare, den Hund des Verstorbenen.

Plötzlich ist er der Siegelwahrer von London. Liam wird in ein ungeahntes Abenteuer katapultiert, deren Ausmaße er sich nicht in seinen kühnsten Träumen vorstellen konnte.

Ich kenne die MORDs-Team-Buchreihe und die Heliosphere-Hörspielreihe des Autors und war gespannt auf dieses neue Buch. Andreas Suchanek beweist einmal wieder viel Fantasie. Es geht magisch, übernatürlich und rätselhaft zu.
Die Fragen stehen im Raum, warum Mr. Bradford getötet wurde und von wem. Und was genau von Liam erwartet wird, denn einfach wird es nicht.

Man muss sehr genau lesen, bzw.. zuhören, da die magische Welt vielschichtig ist und ungewöhnliche Artefakte, gepaart mit Wissen über reale Figuren der Geschichte das Ganze abrunden. Es geht auch mythologisch zu, anhand des Spiegels der Medusa.

Selbstverständlich gibt es Momente voller Action, Überraschungen, und für Lacher sorgt Liams Freund Harry, der um keinen Spruch verlegen ist.

Und der Hauptcharakter ist sehr sympathisch.

Der Schluss-Showdown war spannend, jedoch etwas verwirrend. Sicher werden sich in der Fortsetzung ungelöste Fragen beantworten und das Verständnis für die Welt, die hier geschaffen wurde, wird sich mehr klären als bisher.

Ich habe das Hörbuch gehört. Es ist angenehm gesprochen.

4,5 Sterne

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Veröffentlicht am 11.09.2025

Vorsicht, Lady Lydia ermittelt

Nightingale
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Lydia ist Amerikanerin und hat Nigel Nightingale geheiratet. Er und seine Familie sind gut betucht, sie liebt ihn, und so könnte es doch ein schönes Leben sein, oder?
Doch nach der Hochzeit erlebt sie ...

Lydia ist Amerikanerin und hat Nigel Nightingale geheiratet. Er und seine Familie sind gut betucht, sie liebt ihn, und so könnte es doch ein schönes Leben sein, oder?
Doch nach der Hochzeit erlebt sie ein böses Erwachen.
Nigels ehemalige Geliebte, die Malerin Florentine wird im Musensaal tot aufgefunden. Ein ungewöhnlicher Fundort.
Nigel wird verhaftet, weil Indizien auf ihn verweisen, und Lydia befindet sich von nun an in einem Albtraum.
Doch sie legt nicht die Hände als neue Lady in den Schoß, sondern fängt an, zu ermitteln. An ihrer Seite ist Godfrey, Butler ihrer Schwiegermutter Charlotte, die von diversen Gläschen Sherry geradezu besessen zu sein scheint.
Und so versucht Lydia ihrem frisch Angetrauten zu helfen, denn für die Polizei ist er der Verdächtige Nummer eins.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. So stelle ich mir einen Cozy Crime Krimi vor. Die Beschreibungen des Anwesens waren bildhaft, und die ganze Ermittlungsarbeit, sei es von den beiden Hobbydetektiven oder der Polizei, ist nachvollziehbar und selbsterklärend. Hier wird alles logisch angegangen und erklärt.
Dazu noch das englische Flair, es passt.

Mir gefielen auch die Personen, allen voran Godfrey, der wunderbar trocken und sehr intelligent mit Lydia ermittelt. Dadurch, dass die Maskenbildnerin ist, kann sie in auch mal in eine andere Rolle schlüpfen.
Charlotte, die Mutter von Nigel konnte ich richtig vor mir sehen. Angeblich von allem geplagt, immer ein gut gefülltes Glas zur Hand und in die kunstvollsten Kostüme gekleidet.

Die Dialoge gefielen mir auch sehr gut. Als würde man einen englischen Krimi schauen. Lawson, der Ermittler der Polizei, hatte da ein paar Highlights. Genervt und doch dienstbeflissen.

Das Buch lebt von seinen Figuren und der Handlung, wird niemals langweilig und treibt den Lesenden an, selbst nachzugrübeln, wie nun alles zusammenhängt und wer der Täter ist. Das mag ich.

Spannend, mit etwas trockenem englischen Humor und sehr bildhaft.

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Veröffentlicht am 04.09.2025

Von Selbsterkenntnissen und dem Mut, sein Innerstes mitzuteilen

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Kogetsu, halb Fuchsgeist, halb Mensch, führt die Confiserie Kohaku in der Mondlichtgasse. Nur Menschen, die mit sich und anderen hadern, verschlägt es bei einem Schrein in diese geheimnisvolle Gasse, die ...

Kogetsu, halb Fuchsgeist, halb Mensch, führt die Confiserie Kohaku in der Mondlichtgasse. Nur Menschen, die mit sich und anderen hadern, verschlägt es bei einem Schrein in diese geheimnisvolle Gasse, die mit roten und weißen Papierlaternen gesäumt ist, statt mit Laternen.

Das besondere Flair und die Neugier der Person überwiegt, trotz kleiner Gänsehaut und verwitterten Geschäften bis zum Ende zu den Köstlichkeiten zu gehen.

Dort wird man von dem überirdisch schönen Kogetsu empfangen, der mit Süßigkeiten wie Bonbons oder Pralinen in das Leben des Hilfsbedürftigen eingreift, oder sagen wir, diesem ein wenig auf die Sprünge hilft. Denn der Fuchsgeist weiß genau, wie er die Gefühlswelten seiner Kunden zu deuten hat und ihnen durch die passende Köstlichkeit das Dasein zu erleichtern.

Mir hat das Buch unglaublich gut gefallen. Die Kurzgeschichten mit all den verschiedenen Schicksalen und Charakteren konnte ich nur allzu gut nachvollziehen. Wie man aneinander vorbei redet, nicht viel kommuniziert, vermeintlich schlechtes Benehmen hinnimmt oder es hinweg lächelt, begegnet uns tagtäglich. Dabei sind aber auch Irrungen möglich, denn oft unterschätzt man, nachzufragen und nachzuhaken. Das würde viele Probleme und Sorgen ersparen. Doch was wären wir ohne unsere Gefühle?

Ich konnte mich mit den einzelnen Charakteren gut identifizieren. Die meisten von uns hatten schon derlei Ängste oder die Furcht davor, das anzusprechen, was einen bedrückt.
Ich mag Kogetsu, mit seiner sarkastischen, jedoch auch liebevollen Art. Diese Diskrepanz in seinem Wirken und seine ironischen Kommentare bilden einen amüsanten Kontrast.

Auch die Kapitelnamen der Süßigkeiten, wie Nimmersatt-Konpeito oder Zauberschein-Liebesapfel passen sehr zu den Wünschen der Menschen, die den Laden besuchen. Dabei kristallisiert sich immer wieder heraus, dass Reden Gold ist, nicht das Schweigen.

Man erfährt auch etwas über den Fuchsgeist.

Am Ende des Buches befindet sich ein Glossar, dass nicht nur die Zusammensetzungen der Süßigkeiten erklärt, sondern auch die Showa-Ära zum Beispiel, oder Kleidungen der asiatischen Kultur.

Dies ist ein Buch, das hoffentlich viel gelesen wird, denn hier offenbart sich die Tiefe einer Seele. Man spürt, dass die Autorin von japanischen Fabeln und Märchen ein Fan ist.

Fantasiereich, mit vielen Botschaften gespickt und lehrreich, ohne belehren zu wollen.

Ein süßes, kleines Buch mit wahrhaftigen Botschaften für ein besseres Miteinander.

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Veröffentlicht am 27.08.2025

Pfandhaus der Entscheidungen

Water Moon
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In Tokio gibt es ein Ramenrestaurant. Moment mal, davon gibt es sicher viele, oder? Aber dieses ist andersartig. Denn je nachdem, was man fühlt und denkt, was falsche Entscheidungen betrifft, landet man ...

In Tokio gibt es ein Ramenrestaurant. Moment mal, davon gibt es sicher viele, oder? Aber dieses ist andersartig. Denn je nachdem, was man fühlt und denkt, was falsche Entscheidungen betrifft, landet man plötzlich nach dem Übertreten der Schwelle in einem Pfandhaus.

Die Menschen, die hierher finden, sind natürlich überrascht und wollen insgeheim jedoch ihren Seelenfrieden zurück. Hana steh kurz davor, dass Pfandhaus ihres Vaters zu übernehmen.

Doch dann geschieht etwas Schreckliches: Als sie morgens wach wird, ist das Pfandhaus verwüstet und ihr Vater verschwunden.

Zusammen mit Keishin, der auch in den Laden gefunden hat, begibt sich Hana auf eine abenteuerliche Reise, um ihn zu suchen, denn sie ahnt, dass etwas Schlimmes passiert sein könnte.

Mir hat das Buch unwahrscheinlich gut gefallen. Ich bin entzückt, welchen Ideenreichtum die Autorin mit ihrer wilden Reise der beiden bewiesen hat. Man denkt ja, man hat schon viel und oft das Gleiche gelesen, aber die Geschichte besticht durch Andersartigkeit, viel Poesie, Momente, die schaudern lassen, denn die beiden werden verfolgt, und Einfällen, auf die man erst einmal kommen muss.

Ich kann mir das Buch sehr gut als Verfilmung vorstellen, weil die Handlung so rasant und nie langweilig war. Außerdem ist man gezwungen, nachzudenken und nicht alles abzutun, denn die Welt, die hier erschaffen wurde, wird mit Spannung aufgebaut.

Auch die süße Liebesgeschichte hat mir gefallen, weil sie dezent mit der Handlung verwoben wurde.
Der Schreibstil ist sehr angenehm, die Seiten sind so schnell gelesen, dass man sich fragt, wie das sein kann.

Hervorheben möchte ich noch die Gestaltung des Buches mit wunderschönen Zeichnungen auf dem Einband, außerdem besitzt das Buch noch einen Schutzumschlag mit Origamidarstellungen, die man frei falten kann, wenn man möchte.

Water Moon spricht Liebhaber der japanischen Mythologie an, die viel Fantasie haben und sich nicht scheuen, mal was ganz Neues zu lesen.

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Veröffentlicht am 10.08.2025

Der Funke ist nicht übergesprungen

Meine Sommer mit Marx
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Die 28jährige Cècile, die Sessy genannt wird, kehrt in die Villa Wittlow nach Lavnitz zurück. Vor zehn Jahren verbrachte sie einen Sommer dort bei Edith, der Hausherrin. Zusammen mit Max, den sie aufgrund ...

Die 28jährige Cècile, die Sessy genannt wird, kehrt in die Villa Wittlow nach Lavnitz zurück. Vor zehn Jahren verbrachte sie einen Sommer dort bei Edith, der Hausherrin. Zusammen mit Max, den sie aufgrund seiner Wälzer, die er ständig dabei hatte, Marx nennt.

Sie ist mittlerweile eine Frau geworden, die viel herumgekommen und gereist ist. Sie mag Party feiern und Shoppen.

Max ist das genaue Gegenteil. Er lebt immer noch bei Edith und versteckt sich vor der Welt. Max ist ein introvertierter Charakter, der ruhig und besonnen agiert.
Die beiden passen so gar nicht zusammen. Sie wie das alles verschlingende Feuer, er wie das gegenteilige Eis.

Doch Sessy kommt zurück, weil sie sich gefragt hat, ob er nicht doch der Richtige für sie ist.


Zuerst einmal möchte ich hervorheben, wie toll ich den Schreibstil finde. Das Buch lässt sich locker und leicht lesen.

Auch die Beschreibungen der Personen und der Villa sind bildhaft dargestellt.

Ich mochte Max, der mit seiner zurückhaltenden Art Sessy dazu bringt, ihn erobern zu wollen. Denn sie bekommt meistens, was sie möchte.

Leider wurde ich mit Sessy nicht warm. Das hat mehrere Gründe: Sie war mir zu extrem extrovertiert. Ich habe bei ihr Gefühle vermisst, richtig nahe gehende Emotionen, die es einfacher machen, einer Romanfigur näher zu kommen. Das fehlte mir leider. Zudem verhält sie sich im Heute auch nicht grundlegend anders und packt ihre alten Verhaltensweisen wieder aus. Sie kam mir wie ein Teenager immer noch vor.

Mit Max hatte ich oft Mitgefühl, weil er immer aufgrund ihres Agierens reagieren musste. Solche Persönlichkeiten kommen nicht so leicht aus sich heraus. Hier bedarf es Fingerspitzengefühl, das Sessy leider nicht besaß. Und auch wenn man argumentieren könnte, dass er ihr Gegenwind hätte bieten und sich auf ihre Spielchen einlassen hätte sollen, so kann man nur sagen, dass das für jemanden wie Max nie einfach war.

Aber er muss dringend lernen, sich mehr und mehr durchzusetzen.

Die Handlung spielt sich in und um die Villa ab und verlässt sich meistens auf die beiden Hauptakteure und ihre Irrungen und Wirrungen in Sachen Liebe, Eifersucht und dem Leben dazwischen.

So liest man Sessys Gedanken im Heute und Max's Gedanken im Damals.

Spannend wäre es gewesen, es anders herum lesen zu können, was zwar vorkam, aber nur in kurzen Kapiteln.

Dabei gibt es auch erotische Szenen, die ich so nicht erwartet hatte.

Mir geht es nicht darum, dass Buch grundlegend nicht weiter zu empfehlen.
Sicher gibt es da draußen Leser, die mit Sessy mehr anfangen können als ich. Ich empfand sie als sehr anstrengend und manipulierend.

Das hat meinen Lesefluss trotz fliegender Seiten ein gedämpft. So wurde es mir von Seite zu Seite egal, ob die beiden sich am Ende bekommen und wie.

Das Buch hat den Charakter eines Sommerromans, von der ersten Liebe und dem hoffnungsvollen Wiedersehen in all seinen Facetten.

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