Schöne Geschichte, nur leider zur für mich falschen Zeit
Das unglaubliche Leben des Wallace PriceWallace ist ein Griesgram, wie er im Buche steht. Seine Mitmenschen sind ihm herzlich egal und ob er eine eigentlich gute Mitarbeiterin aus unerfindlichen Gründen feuert, ist auch kein Problem, das er ...
Wallace ist ein Griesgram, wie er im Buche steht. Seine Mitmenschen sind ihm herzlich egal und ob er eine eigentlich gute Mitarbeiterin aus unerfindlichen Gründen feuert, ist auch kein Problem, das er nach Feierabend mit nach Hause nimmt. Freunde hat er schon lange vergrault und auch seine Exfrau ist alles andere als gut auf ihn zu sprechen. Als Wallace eines Tages an einem Herzinfarkt stirbt, ist er Gast auf seiner eigenen Beerdigung und kann seinen Augen und Ohren kaum glauben.
Tot, aber nicht wirklich verschwunden, fängt er an, sich und sein Leben infrage zu stellen, Freundschaften zu knüpfen und über eine Liebe zu stolpern.
Die Charaktere waren wirklich allesamt unfassbar toll gezeichnet. Auch wenn ich gerne mehr von Wallaces früherem Leben mitbekommen hätte, weil ich mir nicht vorstellen konnte, wie er so werden konnte. Seine Entwicklung zu sehen war wirklich schön, vor allem wenn man an die herzlosen Einblicke denkt, mit denen das Buch startete. Aber genau deswegen ist es für mich nicht ganz nachvollziehbar gewesen, wie ein (später) so reflektierter und bedachter Mensch zu so einem Ekel werden konnte.
Auch Mei, Hugo und Nelson haben unglaubliche Feel-good-Vibes versprüht & waren einfach herzerwärmend.
Ebenso die Geschichten um Nancy, Allan und Cameron hatten ihre Daseinsberechtigung und waren tragisch und wichtig zugleich.
Der Schreibstil des Autors hat mir wirklich gut gefallen. T. J. Klune hat eine sehr bildhafte Sprache geschaffen, die mich das Gelesene als Film hat in meinem Kopf abspielen lassen.
Die vermeintliche Schwere des Buches aufgrund des Themas wurde super durch humoristische Elemente abgefedert.
Leider konnte mich das Buch nicht vollends überzeugen. Obwohl es schön geschrieben war, die einzelnen Erkenntnisse der Charaktere wichtig waren und die Beziehungen untereinander fesselnde Dynamiken hatten. Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich mit der Geschichte so wirklich warm werden konnte. Wallaces Reise zu Beginn des Buches zog sich für mich unwahrscheinlich in die Länge und hätte mich fast verloren. Ebenso plätschert das Buch nach einer Weile vermeintlich ziellos umher. Ich weiß, dass sich manche Kapitel auf die Entwicklung des Protagonisten fokussierten und es eigentlich nie einen wirklichen „Stillstand“ gab, dennoch fühlte ich mich ein wenig verloren und fragte mich mehrfach, wo die Geschichte denn hinführen soll.
Ich geh stark davon aus, dass ich einfach nicht wirklich bereit für das Buch war und mich somit nicht komplett auf die Geschichte einlassen konnte, obwohl sie eigentlich wie perfekt für mich scheint.
Dennoch sollte sich das Buch niemand entgehen lassen, der auf kurzweilige Geschichten, herzerwärmende Charaktere, Freundschaft und eine späte Liebe steht.