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Veröffentlicht am 08.03.2026

Komplizierte Beziehungsdynamik

Ultramarin
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Der Roman setzt mit einem gemeinsamen Urlaub in Dänemark ein. Geplant war die Reise ursprünglich zu viert, doch nachdem Sophie kurzfristig absagt, bleiben schließlich nur Lou, Raf und Nora zurück. Zwischen ...

Der Roman setzt mit einem gemeinsamen Urlaub in Dänemark ein. Geplant war die Reise ursprünglich zu viert, doch nachdem Sophie kurzfristig absagt, bleiben schließlich nur Lou, Raf und Nora zurück. Zwischen den drei Figuren entwickelt sich schnell eine spürbar angespannte Dynamik: Lou und Raf verbindet eine langjährige, komplizierte sexuelle Beziehung, während Nora Gefühle für Lou hegt. Als Nora plötzlich verschwindet, verdichtet sich die ohnehin angespannte Atmosphäre zunehmend.

Das Buch lebt stark von seiner Stimmung. Die Sprache vermittelt die Landschaft ebenso wie die Dynamik innerhalb der Freundesgruppe sehr anschaulich, sodass sich die Atmosphäre gut nachvollziehen lässt. Der Schreibstil trägt wesentlich dazu bei, dass man schnell in die Handlung hineinfindet und in die Szenerie eintauchen kann.

Die Beziehung zwischen Lou und Raf empfand ich allerdings als sehr schwer zu lesen. Lou stellt seine eigenen Bedürfnisse häufig vollständig zurück und wirkt stark auf Raf fixiert. Teilweise erscheint er dabei wie ein Schoßhündchen, das dessen Verhalten kaum hinterfragt und allem zustimmt. Raf wiederum hält Lou emotional auf Distanz, ohne ihn jedoch wirklich loszulassen. Besonders in den sexuellen Begegnungen entsteht dabei häufig der Eindruck eines deutlichen Ungleichgewichts; sie wirken teilweise eher erzwungen als eindeutig einvernehmlich. Diese Dynamik erscheint insgesamt klar toxisch und durchgehend ungesund.

Während der Szenen zwischen Lou und Raf wollte ich das Buch mehrfach zur Seite legen, da ich sowohl ihre Beziehung als auch Lous Naivität als sehr anstrengend empfand. Umso überzeugender fand ich es, dass Nora schließlich selbstbestimmt handelt.

Positiv hervorheben möchte ich jedoch, dass sich der Roman sehr angenehm lesen lässt. Der Stil ist zugänglich und flüssig, sodass man zügig durch die Seiten kommt.

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Ein leises Buch über das Wiederfinden – und das Innehalten im Alltag

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen
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"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist eines dieser stillen Bücher, die sich unauffällig ins Herz schleichen und dort lange nachklingen.
Kikuko Tsumura erzählt ruhig, klug und feinfühlig ...

"Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen" ist eines dieser stillen Bücher, die sich unauffällig ins Herz schleichen und dort lange nachklingen.
Kikuko Tsumura erzählt ruhig, klug und feinfühlig von einer jungen Frau, die nach einem Burnout versucht durch verschiedene, oft ungewöhnliche Jobs, wieder ins Leben zurückzufinden.

Jedes Kapitel wirkt wie eine kleine, in sich geschlossene Kurzgeschichte, und doch entsteht daraus ein sanft fließender Roman über Selbstfindung, Menschlichkeit und die Kunst, wieder Vertrauen ins Leben zu fassen.

Besonders mochte ich Tsumuras Schreibweise: ruhig, präzise, manchmal fast meditativ. Sie beschreibt Alltägliches mit solcher Aufmerksamkeit, dass selbst kleinste Gesten Bedeutung bekommen. Zwischen Melancholie und Hoffnung erzählt sie von den kleinen Momenten, die uns heilen – von Begegnungen, die uns verändern, auch wenn sie flüchtig sind. Besonders schön fand ich die Figur von Frau Eriguchi, die für die Erzählerin jemand ist, der hilft, ohne es zu merken.

Gleichzeitig gelingt es der Autorin, über das Persönliche hinaus einen Blick auf die moderne japanische Arbeitswelt zu werfen: auf Leistungsdruck, Entfremdung und die Schwierigkeit, in einer Gesellschaft, die Arbeit mit Identität gleichsetzt, gesund zu bleiben. Trotzdem bleibt das Buch nie schwer oder zynisch – im Gegenteil, es wirkt tröstlich und warm, fast wie ein freundlicher Blick auf die eigene Verletzlichkeit.

Lasst mich einfach hier sitzen und Yakisoba essen ist ein zartes, kluges und wunderbar unaufgeregtes Buch über Selbstfürsorge und Neubeginn. Es erinnert daran, dass Heilung manchmal im Unspektakulären liegt – und dass es völlig in Ordnung ist, einfach mal dazusitzen und Yakisoba zu essen.

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Veröffentlicht am 25.10.2025

Vielschichtig und spannend

Die drei Leben der Cate Kay
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„Die drei Leben der Cate Kay“ erzählt eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Liebe und die Suche nach der eigenen Identität. Im Mittelpunkt stehen Annie und Amanda, zwei beste Freundinnen, die gemeinsam ...

„Die drei Leben der Cate Kay“ erzählt eine bewegende Geschichte über Freundschaft, Liebe und die Suche nach der eigenen Identität. Im Mittelpunkt stehen Annie und Amanda, zwei beste Freundinnen, die gemeinsam große Träume haben: Nach der Highschool wollen sie nach Hollywood ziehen und als Schauspielerinnen groß rauskommen. Doch ein einschneidender Vorfall verändert alles – Annie verlässt ihren alten Plan, bricht mit ihrer Vergangenheit und beginnt ein neues Leben unter dem Namen Cass. Ihre Geschichte verarbeitet sie literarisch und veröffentlicht ihr Debüt unter dem Pseudonym Cate Kay – ohne zu ahnen, welche Wellen das schlagen wird. Die drei Persönlichkeiten lassen sich bereits auf den Cover erkennen, wodurch bereits ohne die Handlung zu kennen bildlich in diese eingeführt wird.

Zu Beginn ist es mir leider etwas schwer gefallen in die Handlung hineinzufinden. Die wechselnden Perspektiven der verschiedenen Figuren haben mir den Einstieg in die Handlung etwas erschwert, doch je mehr ich gelesen habe, desto mehr ergaben die unterschiedlichen Blickwinkel Sinn und ich habe den Wechsel der Perspektiven genossen. Im Verlauf der Geschichte entfalten sie eine beeindruckende Tiefe und verleihen den Charakteren und ihren Entscheidungen mehr Gewicht und Glaubwürdigkeit. Die chronologische Abfolge der Perspektiven hat dazu geführt, dass die Handlung an Struktur und Spannung gewonnen hat, dennoch fand ich manche Figuren etwas unnötig und hätte auf diese verzichten können.

Auch die eingestreuten Fußnoten aus der Sicht von Cate Kay waren für mich ein echtes Highlight – sie haben der Erzählung eine zusätzliche Dimension gegeben und haben deutlich gemacht, wie sehr die Grenzen zwischen Fiktion und Realität in dieser Geschichte verschwimmen. Ebenso fand ich das Ende sehr gelungen: Die Schlüsselfiguren finden dort auf bewegende Weise zueinander und bilden eine Einheit, wodurch sich die Geschichte zu einem stimmigen, runden Abschluss fügt. Auch fand ich die Entwicklung der Protagonistin Annie/Cass/Cate im verlauf der Handlung bemerkenswert und konnte sie vollends in mein Herz schließen.

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