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Veröffentlicht am 22.04.2018

ein wirklich bewegender New Adult Roman

From Scratch - Alles neu mit dir
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From Scratch - Alles neu mit dir ist trotz kleinerer Schwächen ein sehr gelungener New Adult Roman, den man gerne liest und der vor allem mit den außerordentlich liebenswerten Protagonisten punkten kann, ...

From Scratch - Alles neu mit dir ist trotz kleinerer Schwächen ein sehr gelungener New Adult Roman, den man gerne liest und der vor allem mit den außerordentlich liebenswerten Protagonisten punkten kann, an die man sich noch lange erinnern wird. Demzufolge wird man früher oder später wahrscheinlich auch zur Fortsetzung greifen, in der dann allerdings andere Figuren im Mittelpunkt stehen werden.

Amanda ist eine unglaublich tapfere Heldin, die man für ihre Stärke und ihre kämpferische Haltung nur bewundern kann. Sie hat etwas unfassbar Traumatisches erlebt und überstanden, ist aber nicht daran zerbrochen und versinkt auch nicht in Selbstmitleid, obschon das durchaus verständlich wäre. Natürlich haben diese Erfahrungen Spuren hinterlassen, sowohl seelische als auch körperliche, und folglich hat sie beispielsweise noch immer Schwierigkeiten im Alltag zurechtzukommen und wird häufig von nachvollziehbaren Ängsten beherrscht. Trotzdem hat sie Ziele und Träume, an denen sie festhält und die sie erreichen will. In ihren Augen macht sie allerdings nicht schnell genug Fortschritte, sondern hat das Gefühl auf der Stelle zu treten, nicht voran zu kommen. Zu allem Überfluss gibt sie sich selbst die Schuld an ihrem schlimmen Schicksal, obwohl jeder andere ihr selbstverständlich nie einen solchen Vorwurf machen würde.

Chase geht ebenfalls viel zu hart mit sich ins Gericht und steht sich oft selbst im Weg, weil er ein viel zu schlechtes Bild von sich und zu wenig Selbstwertgefühl hat. In der Vergangenheit hat er sicherlich viel Mist gebaucht, inzwischen hat er jedoch an sich gearbeitet, sich verändert, und ist nun entschlossen sein Leben wieder in den Griff zu bekommen. Er will seine zweite Chance unbedingt nutzen und alles richtig machen, glaubt aber selbst nicht daran diese zweite Chance überhaupt zu verdienen.

Da die gesamte Geschichte abwechselnd aus den Perspektiven von Amanda und Chase erzählt wird, fühlt man sich beiden Figuren relativ schnell verbunden, kann sich sehr gut in sie hineinversetzen und sie besser kennen lernen als es aus nur einem Blickwinkel möglich wäre. Man erhält einen umfassenden Einblick in die Gedanken und Gefühle beider Protagonisten, was immer dann besonders schön ist, wenn beide unabhängig voneinander das Gleiche danken, zum Beispiel dass sie sich in der Gegenwart des jeweils anderen selbst lieber mögen.

Nach dem ersten eher unschönen Zusammentreffen der beiden, das keineswegs zufällig stattfindet und daher realistischer ist als vielleicht gedacht, beschließen die beiden sich gegenseitig zu helfen und letztlich gelingt ihnen das auch, wenngleich dies auf eine völlig andere Art und Weise geschieht als erwartet. Die beiden verbringen viel Zeit miteinander und kommen sich dabei immer näher. Amanda und Chase haben ein tiefes Verständnis füreinander und sehen den anderen, wie er wirklich ist, was der Grund dafür ist, dass sie sich ineinander verlieben. Anders als von ihrer Familie und sogar Chase befürchtet, nimmt Amanda nämlich den echten Chase war und ist sehr gut in der Lage diesen von seinen Rollen und dem Bild, das der Öffentlichkeit präsentiert wird, zu unterscheiden.

Chase ist in Bezug auf Amanda ausgesprochen aufmerksam und rücksichtsvoll. Er hört ihr zu, respektiert ihre Grenzen und Entscheidungen, versucht sie zu verstehen, fasst sie aber, wie von ihr gewünscht, nicht permanent mit Samthandschuhen an. Er bemerkt sofort, wenn sie sich unwohl fühlt und versucht das Problem zu lösen, indem er sie fragt, was sie stört oder braucht. Dafür muss man ihn einfach lieben.

Die beiden harmonieren gut miteinander, daher freut man sich sehr, als die beiden ein Paar werden. Durch Chase lernt Amanda, dass sie sich doch noch - körperlich - zu jemandem hingezogen fühlen und sogar so etwas wie Lust empfinden kann. Er zeigt ihr, dass Berührungen schön sein können und Intimität nicht mit Demütigung oder Schmerz verbunden sein muss.

Unglücklicherweise ist es jedoch ausgerechnet diese Beziehung, die zugleich Anlass zur Kritik gibt. Nach zwei Jahren mit nur minimalen Fortschritten entwickelt sich Amanda in nur wenigen Tagen plötzlich so rasend schnell weiter, dass es einfach unrealistisch erscheint und für den Leser nicht wirklich nachvollziehbar ist. Das betrifft sowohl die emotionale als auch die körperliche Ebene ihrer Beziehung zu Chase. Obwohl Küsse und Berührungen schon enorme Fortschritte für Amanda darstellen, wird daraus nämlich schnell mehr - zu schnell. Innerhalb kürzester Zeit gehen Amanda Chase zu sehr intimem Körperkontakt über und es passiert in dieser Hinsicht viel zu viel, was diese Szenen von Mal zu Mal weniger authentisch wirken lässt. Vorübergehend scheint ihre ganze Beziehung nur noch aus dem Erreichen des nächsten Höhepunktes zu bestehen, worüber die eigentliche Handlung kurzzeitig fast in Vergessenheit gerät.

Stilistisch sind die erotischen Szenen ebenfalls nicht immer ansprechend. Abgesehen davon, dass sie zu schnell hintereinander vorkommen und vielleicht nicht unbedingt dem persönlichen Geschmack entsprechen, sind sie an einigen Stellen fast schon zu detailliert und fügen sich manchmal nicht sonderlich gut in die Handlung ein.

Ansonsten ist das Buch jedoch durchweg gelungen und die Handlung durchgängig fesselnd. Gespannt verfolgt man, wie sich die junge Beziehung zwischen Amanda und Chase weiter entwickelt und wartet bangend auf den Moment, in dem ein anfängliches Geheimnis einen Keil zwischen die beiden treibt, was leider nur eine Frage der Zeit ist. Das zu erleben schmerzt einen sehr, insbesondere da man als Leser um die beiderseitige Echtheit ihrer Gefühle füreinander weiß. Darüber hinaus hält die Geschichte, gerade zum Ende hin, aber noch einige Überraschungen bereit, die man so nicht hat kommen sehen, unter anderem eine ungeahnte Bedrohung, die sich im Verlauf immer weiter zuspitzt.

Neben Amanda und Chase spielt außerdem noch Amandas komplizierte, um nicht zu sagen anstrengende, Familie eine wichtige Rolle, die hinsichtlich des Genesungsprozesses von Amanda alles andere als hilfreich ist. Zwar haben auch Amandas Eltern und ihre beiden Schwestern einiges durchgemacht, wofür man ihnen Verständnis entgegen bringt, ihr permanenter Streit untereinander und ihre ständige Bevormundung schaden der Familie insgesamt aber eher.

Ihre kleine Schwester Mia wird von den Eltern kaum beachtet, was diese wiederum Amanda übel nimmt. Mia ist sehr selbstsüchtig und Amanda gegenüber oftmals sehr unfair, was sich im späteren Verlauf allerdings bessert und sie ein wenig sympathischer macht. Ihre große Schwester Liza und ihr Vater können Amanda kaum in die Augen sehen, gehen ihr mitunter sogar aus dem Weg, und würden offenbar lieber so tun, als wäre nie etwas geschehen. Ihre Mutter ist im Gegensatz dazu überfürsorglich und versucht krampfhaft das unschuldige Mädchen zurückzuholen, das schlicht nicht mehr existiert.

Ein richtiges Gespräch ist die meiste Zeit über nicht möglich, schon gar nicht über die Vergangenheit, und Amandas Wünsche werden von keinem wirklich ernst genommen. Umso schöner sind deshalb die Aussprachen zwischen verschiedenen Familienmitgliedern im letzten dritten des Buches, die einen die einzelnen Beweggründe zum Teil besser verstehen lassen.

Am Ende wird es noch einmal unerwartet dramatisch, was hier aber nicht übertrieben, sondern durchaus passend wirkt. Der Ausgang entspricht, wie nicht anders zu erwarten war, dem, was für das Genre eben typisch ist und von den meisten Lesern vorausgesetzt wird. Ein paar Fragen, vor allem im Hinblick auf das Schicksal einer Figur, die man von Anfang an gehasst hat, bleiben jedoch leider offen. Dafür erhält man mittels eines Epilogs abschließend noch einen kurzen Ausblick auf das zukünftige Leben der beiden Protagonisten.


FAZIT

Mit From Scratch - Alles neu mit dir hat Stacey Kade einen wirklich bewegenden New Adult Roman geschrieben, dessen zwei Protagonisten man sehr schnell ins Herz schließt, wodurch man das Buch trotz der Kritikpunkte positiv in Erinnerung behält.

Veröffentlicht am 16.12.2018

das rundum gelungene Finale der wundervollen Reihe

Der letzte erste Song
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Grace und Mason sind im Grunde nicht viel mehr als flüchtige Bekannte und selbst das nur, weil sie gemeinsame Freunde haben. Doch eines verbindet die zwei Kommilitonen, die sonst unterschiedlicher kaum ...

Grace und Mason sind im Grunde nicht viel mehr als flüchtige Bekannte und selbst das nur, weil sie gemeinsame Freunde haben. Doch eines verbindet die zwei Kommilitonen, die sonst unterschiedlicher kaum sein könnten: Die Liebe zur Musik. Deshalb lässt Grace sich auch von ihrer besten Freundin Emery dazu überreden für Masons Band vorzusingen, obwohl sie sich eigentlich geschworen hatte nie wieder außerhalb ihres Studiums auf einer Bühne zu singen. Sie hatte allerdings nicht damit gerechnet, dass die Band so von ihrer Stimme begeistert sein würde, dass sie ihr tatsächlich den Posten als ihre neue Sängerin anbieten. Nach einigem Zögern willigt Grace schließlich ein und während der Proben kommen sie und Mason sich langsam immer näher. Es gibt da nur ein Problem: Beide sind bereits in festen Händen …




Der letzte erste Song ist ein sehr gelungenes, Wehmut auslösendes Finale der Reihe um Emery, Dylan, Elle, Luke, Tate, Trevor, Grace und Mason, die man im Verlauf dieser wundervollen Serie alle unheimlich ins Herz geschlossen hat und deshalb auch überaus positiv in Erinnerung behalten wird. Bianca Iosivoni bringt darin nicht nur die Geschichte um das letzte, verbliebene Paar gekonnt zum Abschluss, sondern schreibt für die gesamte Clique ein würdiges Ende, insbesondere durch den Epilog, der auf alle Charaktere noch einmal Bezug nimmt und den Leser einen kurzen Blick auf die Zukunft der unterschiedlichen Figuren werfen lässt. Es ist ein Ende, mit dem man sehr gut leben kann, wenngleich man traurig über den unausweichlichen Abschied ist und diese einzigartigen Studenten sehr vermissen wird.

Selbst wenn man Grace zu Beginn des vierten Bandes (noch) nicht annähernd so sehr mochte wie ein paar der anderen Figuren, schließt man sie spätestens in Der letzte erste Song ebenso sehr ins Herz und das schon nach kurzer Zeit. Obwohl sie bereits in den Vorgängern eine Rolle spielte, stellt man erstaunt fest, dass man bisher im Ergebnis kaum etwas über sie wusste. Umso mehr freut man sich darüber, sie nun ebenfalls besser kennen zu lernen. Schnell wird klar, dass der erste Eindruck täuscht und Grace vor ihrem Studium kein allzu leichtes Leben hatte. Sie wird von vielen Ängsten, Selbstzweifeln und Unsicherheiten geplagt, die ihr immer wieder Probleme bereiten und ihr Glück verhindern.

Verantwortlich dafür ist vor allem ihre Mutter bzw. deren schreckliches Verhalten, damals wie heute, denn sie übt noch immer sehr viel Druck auf ihre Tochter aus. Grace kann ihr offenbar nichts recht machen und man kann sehr gut nachvollziehen, dass die fiesen Sprüche ihrer Mutter nicht einfach so an ihr abprallen und sie stattdessen permanent beeinflussen, wenn auch gegen ihren Willen. Diese Erziehung hat Spuren bei Grace hinterlassen und Verhaltensmuster ausgelöst, von denen sie sich nicht ohne Weiteres lösen kann, erst recht nicht von heute auf morgen, und obschon ihre Reaktionen mitunter sehr krass wirken, sind sie prinzipiell durchaus nachvollziehbar.

Maze mag man von Anfang an bzw. mochte man ihn bereits in den vorherigen Bänden und daran ändert sich nichts; außer, dass man ihn manchmal gern schütteln würde, um ihm endlich die Augen bezüglich seiner Freundin Jenny zu öffnen. Sie ist nie für ihn da, wenn er sie braucht, wohingegen er sich den Arsch für sie aufreißt, aber nichts dafür zurück bekommt. Ihr ambivalentes Verhalten ist schlicht unverständlich und macht sie total unsympathisch, weshalb man auch nicht wirklich nachvollziehen kann, was Mason an ihr findet oder warum er sich das alles schon so lange gefallen lässt. Bei Mason und Jenny wartet man daher geradezu sehnsüchtig darauf, dass ihre Beziehung ein für allemal endet.

Die Chemie zwischen Mason und Grace ist hingegen deutlich spürbar und es gibt zahlreiche tolle Szenen zwischen ihnen. Wer Musik genauso liebt wie die beiden, wird die vielen, sehr authentisch wirkenden Bandszenen lieben, insbesondere die, in denen sie zusammen Songs schreiben. Trotz aller Gegensätze passen sie sehr gut zusammen und man kann den Moment kaum erwarten, in dem die beiden sich endlich näher kommen. Dass es passiert, ist nämlich nur eine Frage der Zeit, schließlich denken die beiden irgendwann mehr an den jeweils anderen als an ihre Partner. Erfreulicherweise geben die beiden der gegenseitigen Anziehung zwischen ihnen, die sie ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr leugnen können, aufgrund der Tatsache, dass sie anfangs beide in einer Beziehung sind, jedoch erst nach, als das auf beiden Seiten unabhängig voneinander nicht mehr der Fall ist. Zum Glück kommt es dazu aber schneller als vielleicht gedacht.

Die Handlung ist durchgängig fesselnd und wird wieder abwechselnd aus den Perspektiven beider Protagonisten geschildert, wodurch man sich stets gut mit ihnen identifizieren kann. Gerade zu Beginn platziert Bianca Iosivoni zudem gezielt viele, kleine Andeutungen hinsichtlich Grace’ Vergangenheit, die den Leser natürlich neugierig machen. Das letzte Drittel ist dann noch einmal besonders emotional und hält ein paar Überraschungen bereit.

Etwas zwiespältig steht man allenfalls dem Umstand gegenüber, dass die Autorin es im Verlauf der Geschichte zwischen einem der früheren Paare gewaltig kriseln lässt. Allerdings nicht etwa, weil die beiden Charaktere dadurch so viel Raum einnehmen, sondern aus Angst, dass ihr einstiges Happy End nun ruiniert wird oder es offen bleibt, ob sie ihre Probleme lösen können. Diese Sorgen sind letztlich jedoch unbegründet.


FAZIT

Der letzte erste Song lässt den Leser mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück, denn das rundum gelungene Finale der Reihe kann nicht gänzlich darüber hinweg trösten, dass man sich von der wundervollen Clique, die man im Laufe der Zeit so lieb gewonnen hat, nun endgültig verabschieden muss.

Veröffentlicht am 05.10.2018

Kopfkino garantiert

Das Mädchen aus Feuer und Sturm
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Mit Das Mädchen aus Feuer und Sturm ist Renée Ahdieh ein fesselnder Auftakt gelungen, der einen die Fortsetzung und zugleich das Finale dieser außergewöhnlichen Dilogie gespannt erwarten lässt.
Das Setting ...

Mit Das Mädchen aus Feuer und Sturm ist Renée Ahdieh ein fesselnder Auftakt gelungen, der einen die Fortsetzung und zugleich das Finale dieser außergewöhnlichen Dilogie gespannt erwarten lässt.
Das Setting ist offenkundig an das feudale Japan angelehnt, allerdings ohne Anspruch auf geschichtliche Genauigkeit, denn es handelt sich schließlich nicht um einen historischen Roman. Ein entscheidender Unterschied besteht zudem darin, dass in der Welt, die die Autorin erschaffen hat, Magie existiert, wobei dies nur hier und da am Rande angedeutet wird und zumindest im ersten Band noch keinen Schwerpunkt der Handlung darstellt. Allzu viele Erklärungen hinsichtlich der vorhandenen Magie sowie des Schauplatzes und der vorherrschenden Gesellschaft sollte man daher nicht erwarten.

Dafür überzeugt Renée Ahdieh mit ihrem beeindruckenden Schreibstil. Ganz ohne ausschweifende, übermäßig detaillierte Beschreibungen gelingt es der Autorin die verschiedenen Szenen und Charaktere vom Prolog an vor dem geistigen Auge des Lesers zum Leben zu erwecken, beinahe so als würde man einen Film sehen. Lediglich an die vielfach verwendeten japanischen Begriffe, die einem in der Regel nicht geläufig sind, muss man sich erst einmal gewöhnen. Sie passen jedoch sehr gut zum Setting und tragen zum asiatischen Flair der Geschichte bei.

Mariko ist eine clevere und mutige Heldin, die die Chance ergreift ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen, als sich ihr die Gelegenheit dazu bietet. Sie möchte, verständlicherweise, ihren Wert beweisen und nicht nur als hübsches Accessoire gesehen werden, das man gewinnbringend verschachern kann. Sie handelt meist sehr überlegt, kann sich impulsive Antworten aber vor allem einer bestimmten Person gegenüber oftmals nicht verkneifen. Es fällt ihr also schwer ihre Zunge im Zaum zu halten, was sie sowohl menschlich als auch sympathisch macht, da es zeigt, dass sie nicht nur Stärken, sondern auch Schwächen hat.

Es gelingt Mariko sich als Junge verkleidet beim schwarzen Clan, den mutmaßlichen Attentätern, einzuschleusen und langsam das Vertrauen einzelner Mitglieder zu gewinnen. Doch je mehr sie über den Clan und seine Taten erfährt, desto mehr geraten ihr Entschluss Rache zu üben und ihre Gewissheit, dass er hinter dem Überfall steckt, ins Wanken. Einerseits, weil sie manche von ihnen sehr bald ins Herz schließt, andererseits, weil sie ernstliche Zweifel an deren Verantwortung hegt. Ein solcher Angriff passt schlicht nicht zum sonstigen Verhalten des Clans, deren Aktionen eher denen von Robin Hood als denen skrupelloser Meuchelmörder ähneln. Außerdem bietet der Clan Mariko einen Platz, an dem sie sie selbst sein kann und dafür geschätzt wird.

Als Leser findet man vor allem Okami besonders interessant und liebenswert, auch wenn er stets nur sehr wenig von sich preis gibt. Die Chemie zwischen ihm und Mariko ist von Anfang an deutlich spürbar. Das verwirrt Okami jedoch zutiefst, da er Mariko, genau wie alle anderen, für einen Jungen hält und seine widersprüchlichen Gefühle für sie demzufolge nicht richtig einzuordnen weiß. Dass sie sich ebenso stark zu ihm hingezogen fühlt, sorgt bei Mariko hingegen für Gewissensbisse, da diese Emotionen nicht mir ihrer selbst auferlegten Mission vereinbar sind.

Die Szenen der beiden, insbesondere ihre Streitgespräche, bringen einen regelmäßig zum Schmunzeln, weshalb man sich über jede einzelne von ihnen freut; sogar noch mehr, als Okami endlich ihr Geheimnis erfährt und sich eine zarte Liebesgeschichte zwischen ihnen entwickelt, die sich aber nicht zu sehr in den Vordergrund drängt.

Viele andere Charaktere kann man nur schwer einschätzen und kaum bis gar nicht durchschauen. Speziell die Mitglieder der kaiserlichen Familie, ihre Absichten und Beziehungen untereinander bleiben einem bis zum Ende bzw. noch darüber hinaus ein Rätsel, das in der Fortsetzung hoffentlich gelöst werden kann. Sie alle planen zweifellos Intrigen und spinnen ein Netz aus Lügen, doch man weiß noch nicht, wo das Ganze letztlich hinführen soll oder wen sie damit zu fangen beabsichtigen.

Marikos Bruder Kenshin steht man ebenfalls zwiespältig gegenüber, im Verlauf der Handlung verliert er eher noch an Sympathie. Er behauptet mehrfach, Ehre sei das wichtigste, handelt aber zunehmend unehrenhaft, um nicht zu sagen rücksichtslos, und nicht jede seiner Handlungen lässt sich auf äußere, möglicherweise magische Einflüsse zurückführen.

Trotz des Er-/Sie-Erzählers fühlt man sich mit einigen der Charaktere, allen voran natürlich Mariko und Okami, sehr verbunden und fiebert mit ihnen mit. Besonders positiv hervorzuheben sind dabei die wechselnden Perspektiven, die einen umfassenden Einblick in die Geschichte, zum Teil an verschiedenen Schauplätzen zu etwa der gleichen Zeit, sowie das Innenleben mehrerer Figuren ermöglichen, ohne zu viel vorweg zu nehmen. Dass es Abschnitte aus der Sicht einer bestimmten Person gibt, bedeutet jedoch nicht zwangsläufig, dass man diese auch versteht, denn Renée Ahdieh ist sehr geschickt darin stets nur so viel zu verraten, dass die Neugier des Lesers aufrecht erhalten bleibt.

Die Handlung ist durchgängig mitreißend und die vielen Andeutungen hier und da animieren konsequent zum Weitelesen. Im Verlauf der Geschichte warten zahlreiche Überraschungen und unerwartete Wendungen auf den Leser, insbesondere im letzten Drittel des Buches. Die Autorin zögert nämlich zum Glück nicht alle Enthüllungen bis zum zweiten Band hinaus.

Der Auftakt endet gewissermaßen mit einem Cliffhanger, dieser ist aber nicht ganz so fies wie bei einigen anderen Romanen, was das Verlangen nach der Fortsetzung allerdings nicht schmälert. Es bleiben am Schluss unzählige Fragen offen, nach deren Antworten man sich sehnt. Zum einen, um zu erfahren, ob etwaige Spekulationen sich bestätigen, zum anderen, weil man absolut keine Ahnung hat, was diese oder jene Figur mit ihrem Verhalten bezweckt bzw. welche Motive tatsächlich dahinter stecken. Die letzten Entwicklungen kündigen auf jeden Fall ein vielversprechendes Finale an, welches man nun gespannt erwartet.


FAZIT

Das Mädchen aus Feuer und Sturm ist der Auftakt zu einer packenden, ereignisreichen Geschichte, die nie langweilig wird und bei der Kopfkino garantiert ist. Man bekommt beim Lesen definitiv Lust auf mehr – von dieser Geschichte und der Autorin.

Veröffentlicht am 19.08.2018

ein sehr gelungener Jugendthriller, der sowohl Alt und Jung als auch Mann und Frau begeistern wird

Saeculum
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Mit Saeculum ist der inzwischen mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Autorin Ursula Poznanski ein weiterer Jugendthriller gelungen, der sowohl die eigentliche Zielgruppe als auch ältere ...

Mit Saeculum ist der inzwischen mit dem deutschen Jugendliteraturpreis ausgezeichneten Autorin Ursula Poznanski ein weiterer Jugendthriller gelungen, der sowohl die eigentliche Zielgruppe als auch ältere Leser zu begeistern vermag.
Der Anfang ist zunächst ein wenig langatmig und zieht sich etwas, denn es dauert fast ein Fünftel des Buches bis das Rollenspiel richtig beginnt. Von da an nimmt die Handlung aber immer mehr an Fahrt auf und damit steigt auch die Spannung kontinuierlich. Durch das äußerst abgeschiedene Waldstück als Handlungsort schafft es die Autorin eine sehr unheimliche Atmosphäre zu kreieren und spätestens als plötzlich Mitglieder aus der Gruppe einer nach dem anderen spurlos verschwinden, bekommt man es mit der Angst zu tun. Dieses Gefühl wird noch durch die schwarzen Seiten verstärkt, die zwischendurch ein paar Mal auftauchen und kurze, aber sehr beängstigende Szenen beschreiben, die man zu diesem Zeitpunkt absolut noch nicht einzuordnen vermag. Man stellt sich danach unweigerlich die Frage, was wohl noch alles auf einen zukommen wird.

Immer wieder werden neue Fragen aufgeworfen, deren Antworten man unbedingt erfahren möchte. Auf die meisten davon muss man allerdings bis zum Ende warten, wodurch das Interesse und die Neugier des Lesers stets aufrechterhalten werden. Ist das Rollenspiel tatsächlich harmlos oder in Wirklichkeit sehr gefährlich? Gibt es einen richtigen Fluch oder steckt doch eher irgendeine Person dahinter?

Auch die einzelnen Charaktere sind äußerst geheimnisvoll und mysteriös. Fast alle verbergen irgendetwas, sodass man die meisten von ihnen nicht richtig einschätzen kann.
Sandra ist dem Leser zum Beispiel zunächst noch sympathisch, ändert aber schon bald darauf ihr ganzes Verhalten, vor allem gegenüber Bastian, und man bekommt immer mehr das Gefühl, dass etwas mit ihr nicht stimmt. Warum verhält sie sich nun so abweisend? Warum hat sie Bastian wirklich zur Teilnahme an diesem Spiel überredet? Und warum durfte er mitkommen, aber andere, erfahrenere Spieler, nicht?
Lisbeth und Paul werfen ebenfalls Fragen auf und verhalten sich eigenartig. Warum flippt Liesbeth so aus, nur weil sie ihr Medaillon verloren hat? Was meint Paul damit, dass er mehr von Bastian will als nur Freundschaft?

Lediglich bei Bastian und Iris hat man das Gefühl, dass man ihnen trauen kann und sie nichts Böses im Schilde führen, da die Geschichte zum größten Teil abwechselnd aus ihren beiden Perspektiven erzählt wird. Iris verheimlicht zwar auch etwas vor den anderen Mitspielern, das hat jedoch etwas mit ihrer eigenen Vergangenheit zu tun. Man weiß, dass sie auf der Flucht ist, aber noch nicht, vor wem. Für die Furcht einflößenden Geschehnissen im Wald ist sie aber nicht verantwortlich, genauso wenig wie Bastian, mit dem man sich als Leser gemeinsam die Frage stellt, worauf er sich da nur eingelassen hat. Denn selbst, wenn man sich mit der Situation an sich nicht so richtig zu identifizieren vermag, weil man nicht einmal im Traum daran denken würde, im Wald das Leben im Mittelalter nachzustellen, kann man Bastian gut verstehen und fühlt mit ihm mit.

Zum Ende hin spitzt sich das Geschehen mehr und mehr zu und man kann das Buch im letzten Drittel gar nicht mehr aus der Hand legen, weil man endlich wissen will, wer oder was für das alles verantwortlich ist. Das Gefühl von Gefahr wird noch einmal gesteigert und es tun sich erschreckende menschliche Abgründe auf, für die man sich eigentlich nur schämen kann.

Die Lösung des Ganzen ist Ursula Poznanski dann wirklich brillant gelungen und man ist überrascht und schockiert zugleich. Alles Mögliche hatte man sich ausgemalt und mit allem Möglichen gerechnet, nur nicht mit dem, was die Autoren ihren Lesern dann tatsächlich präsentiert. Für einen solchen ausgeklügelten Plot hat sie einfach nur Bewunderung verdient.

Für die Romantiker hat die Autorin außerdem noch eine kleine Liebesgeschichte in den Roman eingebaut, die sich allerdings nicht in den Vordergrund drängt und somit auch die männlichen Leser nicht verschrecken dürfte.


FAZIT

Saeculum ist ein sehr gelungener Jugendthriller, der sowohl Alt und Jung als auch Mann und Frau begeistern wird. Die Autorin hat sich eine wirklich faszinierende und fesselnde Geschichte ausgedacht und diese auch fantastisch umgesetzt. Die Auflösung, die man so keinesfalls erwartet hat, macht die kleinen Längen am Anfang wieder gut und vermag den Leser absolut zu überraschen.

Veröffentlicht am 19.08.2018

Im Gegensatz zum ersten Band macht Engelsmorgen, vor allem durch das unvorhergesehene Ende, richtig Lust auf den nächsten Teil.

Engelsmorgen
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Nach Engelsnacht, dem etwas schwachen ersten Teil der Serie, waren manche Leser noch unschlüssig, ob sie dem zweiten Teil eine Chance geben sollten. Wer den Auftakt nicht schlecht, sondern einfach nur ...

Nach Engelsnacht, dem etwas schwachen ersten Teil der Serie, waren manche Leser noch unschlüssig, ob sie dem zweiten Teil eine Chance geben sollten. Wer den Auftakt nicht schlecht, sondern einfach nur mittelmäßig fand, sollte dies auf jeden Fall tun, denn Engelsmorgen ist in vielerlei Hinsicht wesentlich besser gelungen als sein Vorgänger.
Während man im ersten Band mit Luce völlig im Dunkeln tappt, was teilweise wirklich sehr frustrierend war, wird man im zweiten Teil geradezu mit den verschiedensten Informationen überhäuft. Das hilft einem zunächst jedoch nicht wirklich weiter, da man sie noch nicht richtig einzuordnen vermag und sie teilweise auch sehr widersprüchlich sind, sodass man noch genauso ratlos ist wie zuvor. Was hat es wirklich mit Luce und Daniel auf sich? Was ist damals beim Engelssturz geschehen? Was für ein Kampf steht kurz bevor? Und warum haben es so viele auf Luce abgesehen?
Nach und nach kommt aber zumindest ein wenig Licht ins Dunkel. Es sind zwar immer noch unzählige Fragen offen, aber die Autorin gibt dem Leser immerhin endlich Raum für Spekulationen. Der ein oder andere Verdacht kommt schließlich auf und kann dann in den folgenden Bänden entweder bestätigt oder entkräftet werden.

Die Handlung von Engelsmorgen ist fesselnder und actionreicher als die des Vorgängers. Vor allem im letzten Abschnitt kommt wieder richtig Spannung auf und Lauren Kate überrascht mit einem interessanten, unerwarteten Ende, das wirklich neugierig auf den dritten Teil macht.

Im Vordergrund stehen aber die Gedanken und Gefühle von Luce, deren Persönlichkeit man in diesem Teil viel näher kennen lernt, wodurch man sich auch besser mit ihr identifizieren kann. Lediglich ihre regelrechte Besessenheit von Daniels Flügeln kann man nicht unbedingt nachempfinden.
Durch ihren Aufenthalt in Shoreline erkennt Luce, dass die Welt nicht nur schwarz/weiß ist, sondern es auch etliche Grautöne gibt. Sie kann nicht alle Engel in die Schublade „gut“ und alle Dämonen in die Schublade „böse“ stecken, wie sie es bisher angenommen hatte. Sie beginnt sogar an ihren Gefühlen für Daniel und ihrer Beziehung zu ihm zu zweifeln, was sehr nachvollziehbar ist. Was weiß sie schon wirklich über ihn? Was verbindet sie, abgesehen von ihrer gemeinsamen Vergangenheit, von der Luce aber nichts weiß, miteinander? Würde sie ihn auch lieben, wenn es diese frühren Leben nicht gäbe? Außerdem hinterfragt Luce die wenigen Informationen, die Daniel von sich aus preisgibt, weil er ihr noch wesentlich mehr verheimlicht.

Im Gegensatz zu Luce, die dem Leser inzwischen mehr ans Herz gewachsen ist, muss Daniel wegen seines gebieterischen Verhaltens an Sympathie einbüßen. Es ist zwar durchaus verständlich, dass er Luce um jeden Preis beschützen will, nach dem er sie schon so oft hat sterben sehen ohne etwas dagegen tun zu können, aber er kann in der heutigen Zeit nicht von Luce erwarten, dass sie ihm blind gehorcht und einfach alles was er sagt bzw. eigentlich schon befiehlt hinnimmt, ohne irgendwelche plausiblen Gründe dafür zu nennen. Es ist nicht verwunderlich, dass Luce sich nicht an seine „Regeln“ hält, wenn er sie wie ein kleines Kind behandelt und über alles in Unwissenheit lässt, insbesondere über die Frage, wer es auf sie abgesehen hat und wieso. Er belügt sie, verschweigt ihr alles Mögliche und beantwortet so gut wie nie irgendeine Frage. Das ist furchtbar und lässt einen manchmal sogar an seinen Gefühlen für Luce zweifeln.

Neben den bereits bekannten Figuren wie z.B. Cam, der leider nur sehr selten auftaucht und von dem man immer noch nicht so wirklich weiß, wo er nun steht bzw. wie er zu Luce steht, hat der zweite Teil der Serie außerdem ein paar tolle, neue Charaktere zu bieten. Dazu zählen vor allem Shelby und Miles, die Luce in Shoreline kennen lernt und die Beide zu den Nephilim gehören.
Miles hat einen sehr liebenswerten Charakter und heißt Luce von Anfang an mit offenen Armen in dem Internat willkommen. Er ist ein toller Zuhörer und wird ihr ein richtig guter, aufrichtiger Freund.
Das gilt auch für Shelby, allerdings dauert es bei ihr wesentlich länger, weil sie Luce gegenüber zunächst Vorurteile hat und sich sehr abweisend ihr gegenüber verhält. Mit der Zeit lernt sie ihre Mitbewohnerin aber besser kennen und trotz der anfänglichen Differenzen bauen die Beiden eine sehr enge Beziehung zueinander auf.
Beide Figuren wachsen einem total ans Herz und sie werden hoffentlich auch im nächsten Band wieder eine so große Rolle spielen.

Der Schreibstil von Lauren Kate ist stellenweise ziemlich pathetisch und etwas zu überladen. Nach einer Weile gewöhnt man sich jedoch daran, sodass es einem nicht mehr ganz so stark auffällt und den Lesefluss zumindest nicht bremst. Über diesen Kritikpunkt sieht man aber angesichts der anderen grundlegenden Verbesserungen gern hinweg.


FAZIT

Die Handlung an sich war schon bei Engelsnacht interessant, doch die Umsetzung ist bei Engelsmorgen im Vergleich zum Vorgänger erheblich besser gelungen und übertrifft die niedrigen Erwartungen, mit denen man nach dem ein wenig enttäuschenden ersten Teil vielleicht an die Fortsetzung heran geht, um Längen.
Man lernt verschiedene Facetten von Luce kennen und ihr Charakter erhält mir Tiefe, wodurch man nun eine richtige Bindung zu ihr aufbauen kann. Man erfährt endlich etwas mehr über die verschiedenen Zusammenhänge und kann ein paar Vermutungen anstellen.

Im Gegensatz zum ersten Band macht Engelsmorgen, vor allem durch das unvorhergesehene Ende, richtig Lust auf den nächsten Teil, der hoffentlich noch in diesem Jahr erscheint.