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Veröffentlicht am 08.11.2019

der vorletzte Band einer weiterhin sehr empfehlenswerten Reihe, nach dessen Ende man überaus gespannt darauf ist, was einen in den letzten Kapiteln wohl noch erwartet

Paper Girls 5
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Mit Paper Girls 5 ist dem Team um Autor Brian K. Vaughan erneut eine rasante, abenteuerliche und garantiert niemals langweilige Fortsetzung gelungen, die man innerhalb kürzester Zeit verschlingt.
Im fünften ...

Mit Paper Girls 5 ist dem Team um Autor Brian K. Vaughan erneut eine rasante, abenteuerliche und garantiert niemals langweilige Fortsetzung gelungen, die man innerhalb kürzester Zeit verschlingt.
Im fünften Band kann man zusammen mit den Paper Girls endlich einen genaueren Blick auf die überaus faszinierende Zukunft werfen. Diesbezüglich sind vor allem die sprachlichen Aspekte unheimlich interessant. Im Hinblick auf die Geschichte macht einen das allerdings nicht unbedingt schlauer, diese bleibt nämlich, trotz einiger weiterer Details, noch immer ziemlich undurchsichtig. Das Ziel der Oldtimer bleibt einem als Leser weiterhin unklar, doch sie scheinen zumindest keine tödlichen Absichten zu haben, was die Suche nach den Mädchen betrifft. Versuchen sie am Ende die Vergangenheit zu beschützen bzw. in ihrer ursprünglichen Abfolge aufrecht zu erhalten? Was genau planen dann ihre Widersacher?

Für Überraschung sorgt insbesondere die Begegnung mit einer schon bekannten Figur, von der man nicht gedacht hätte, dass man ihr im Laufe der Serie noch einmal begegnen würde, erst recht nicht in diesem Zusammenhang. Ein vollkommen anderes Ereignis im Verlauf der temporeichen Handlung ist hingegen besonders bestürzend und es bleibt insofern nur zu hoffen, dass es den Mädchen irgendwie gelingen wird das Geschehene rückgängig zu machen. Glücklicherweise halten die vier Paper Girls noch immer zusammen und helfen einander dabei ihr gemeinsames Ziel zu erreichen.

Auch im voraussichtlich vorletzten Band der Serie bleiben die Macher sich am Schluss treu und lassen diesen erneut mit einem beunruhigenden Cliffhanger enden. Dem Erscheinen des Finales fiebert man infolgedessen auf jeden Fall gespannt entgegen. Gleichzeitig kann man sich nur schwer vorstellen, dass die Reihe mit dem sechsten Teil tatsächlich abgeschlossen wird und es dem Autor gelingt alle offenen Fragen in vermutlich nur fünf weiteren Kapiteln zufriedenstellend zu beantworten.

Die Zeichnungen von Cliff Chiang wurden von Matt Wilson dieses Mal deutlich farbenfroher koloriert als bislang. Die Hintergründe sind oftmals schlicht und einfarbig gehalten. Auffallend hell sind stets die Szenen mit einer ganz bestimmten Figur, was schließlich die Frage aufwirft, ob das reiner Zufall ist oder eine tiefere Bedeutung dahinter steckt.

FAZIT
Paper Girls 5 ist der vorletzte Band einer weiterhin sehr empfehlenswerten Reihe, nach dessen Ende man überaus gespannt darauf ist, was einen in den letzten Kapiteln wohl noch erwartet. Das Finale wird man sich in der Hoffnung auf eine gekonnte Auflösung und einen zufriedenstellenden Abschluss also keinesfalls entgehen lassen.

Veröffentlicht am 08.11.2019

keineswegs ein schlechtes Kinderbuch, allerdings auch keines, das besonders positiv aus der Masse heraussticht

Wörter mit L
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Wörter mit L ist aufgrund der Kürze zwar recht schnell gelesen und alles in allem ganz nett, vermag jedoch leider keine echte Begeisterung auszulösen.
Dafür könnte unter anderem der Schreibstil von Tamara ...

Wörter mit L ist aufgrund der Kürze zwar recht schnell gelesen und alles in allem ganz nett, vermag jedoch leider keine echte Begeisterung auszulösen.
Dafür könnte unter anderem der Schreibstil von Tamara Bach mitverantwortlich sein. Die Sätze sind oftmals entweder sehr lang oder extrem kurz und geradezu abgehackt, was mehrfach den Lesefluss hemmt. Auffällig ist zudem die teils merkwürdige Wortwahl, insbesondere wenn man bedenkt, dass die Autorin sich hier für die Ich-Perspektive entschieden hat und die Protagonistin Pauline gerade einmal elf Jahre alt ist. Bei einigen Wörtern kann man sich insofern nur schwer vorstellen, dass Pauline diese nicht nur kennt, sondern sogar aktiv verwendet, beispielsweise bei der Bezeichnung ihres kleinen Bruders als „Krawallknoten“.

Darüber hinaus fühlt sich die Geschichte insgesamt nicht richtig abgeschlossen an, obschon einige Konflikte am Ende durchaus aufgelöst werden. Das könnte vielleicht daran liegen, dass der vermeintliche Höhepunkt kaum als solcher bezeichnet werden kann bzw. beim Lesen schlicht nicht als solcher empfunden wird. Die Handlung plätschert ohne spürbare Entwicklung vielmehr die meiste Zeit einfach so vor sich hin.

Interessant ist hingegen der Einblick in den Alltag eines Kinders, dessen getrennt lebende Eltern das gemeinsame Sorgerecht haben und das sogenannte Wechselmodell praktizieren. Pauline verbringt also die Hälfte der Woche bei ihrer Mutter und wohnt die andere Hälfte im Haushalt ihres Vaters. In der Realität ist die Umsetzung dieses Modells oft schwierig, bei Paulines Eltern funktioniert es allerdings relativ gut. Wenn die Eltern sich entsprechend gut verständigen und denselben Wohnort haben, scheint ein solcher Wechsel also durchaus möglich zu sein. Sehr schön ist auch die Art und Weise wie Pauline mit ihrem vierjährigen (Halb-)Bruder Jonathan umgeht. Abgesehen von ein paar harmlosen geschwisterlichen Neckereien ist Pauline sehr lieb zu ihm und die beiden sind wirklich süß zusammen.

Im Verlauf des Buches wird Pauline mit einigen, mehr oder weniger typischen Konflikten für Kinder ihres Alters konfrontiert, darunter die alltäglichen Schwierigkeiten des Lebens in zwei verschiedenen Haushalten, der erste große Streit mit der besten Freundin und ein neuer Mann an der Seite ihrer Mutter. Bei ihren Mitschülern setzt außerdem langsam aber sicher die Pubertät ein. Bei ihrer besten Freundin Natascha führt genau das eben dazu, dass diese anfängt sich für Jungs zu interessieren, während Pauline das ganze Drama noch gar nicht nachvollziehen kann. Unbeabsichtigt verletzt sie eines Tages Nataschas Gefühle, was zu einem großen Streit führt. Doch als Pauline ihre beste Freundin dringend braucht, finden sie schließlich schnell wieder zueinander. Darüber hinaus lernt Pauline den charmanten Lukas kennen und könnte Natascha daher vielleicht schon bald besser verstehen.

Mit ihrer Mutter kommt es zu Problemen, nachdem diese einen neuen Mann kennen gelernt hat und ihm nun langsam näher kommt. Dadurch vernachlässigt sie ihre Tochter nämlich ein wenig bzw. schenkt sie ihr nicht genügend Aufmerksamkeit als diese sich wegen des Streits mit Natascha an ihre Mutter wendet. Die Zurückweisung durch ihre Mutter verletzt Pauline sehr, deren Gefühle insoweit sehr authentisch und verständlich beschrieben werden. Bei einem solchen Start fällt es schwer der neuen Person im Leben ihrer Mutter aufgeschlossen gegenüber zu stehen. Zwar hat Pauline noch ihren Vater sowie ihre Stiefmutter Jette, diese und ihre Mutter Marlene sind jedoch sehr verschieden und so sehr die Elfjährige Jette mag, sehnt sie sich manchmal eben nach ihrer „richtigen“ Mutter. Sie hat auch „an Papa-Tagen manchmal Mamabedarf“, wie sie es selbst so schön formuliert, und es ist nicht in Ordnung von ihrer Mutter Pauline allein deshalb abzuwimmeln bzw. auf andere Tage zu verströsten, wenn diese sich mit einem aus ihrer Sicht ernsten Problem an ihre Mutter wenden will.

Positiv hervorzuheben sind abschließend noch die wunderbar illustrierten Kapitelanfänge. Dort befindet sich in der Regel eine kleine, dafür aber umso schönere Zeichnung, passend zur Handlung des jeweiligen Kapitels.

FAZIT
Wörter mit L ist zwar keineswegs ein schlechtes Kinderbuch, allerdings auch keines, das besonders positiv aus der Masse heraussticht und wird nach dem Lesen daher vermutlich nicht allzu lange im Gedächtnis bleiben.

Veröffentlicht am 08.11.2019

ein sehr gelungener New Adult Roman, dessen überraschendes Ende eine vielversprechende Fortsetzung in Aussicht stellt

Wild Hearts - Kein Blick zurück
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Wild Hearts – Kein Blick zurück ist ein empfehlenswerter und trotz kleinerer Schwächen insgesamt sehr gelungener New Adult Roman und Auftakt zur Outskirts Dilogie von T.M. Frazier.
Die Geschichte um Finn ...

Wild Hearts – Kein Blick zurück ist ein empfehlenswerter und trotz kleinerer Schwächen insgesamt sehr gelungener New Adult Roman und Auftakt zur Outskirts Dilogie von T.M. Frazier.
Die Geschichte um Finn und Sawyer wird abwechselnd aus den Ich-Perspektiven der beiden Protagonisten erzählt, wobei der Anteil an Kapiteln aus Sawyers Sicht vor allem zu Beginn noch deutlich größer ist. Dadurch kann man sich in beide Figuren gut hineinversetzen und sie unabhängig vom Eindruck des anderen besser kennenlernen. Außerdem weiß man so stets, was sie tatsächlich übereinander denken.

Mit Sawyer fühlt man sich auf Anhieb verbunden und man fiebert vom ersten Moment an richtig mit ihr mit. Sie ist liebenswert, stark und weiß auch die kleinen Dinge des Lebens zu schätzen. Man kann sich kaum vorstellen, wie es für sie gewesen sein muss in einer fundamentalistischen Gemeinschaft und zugleich mit einem gewalttätigen, alkoholabhängigen Vater aufzuwachsen. Trotzdem ist sie mutig genug, um ihr altes Leben von heute auf morgen hinter sich zu lassen. Umso mehr freut man sich daher mit ihr über ihre Flucht, ihre neu gewonnene Freiheit und die vielen ersten Male, die sie mit der Zeit erlebt.

Statt aus Prinzip einfach genau das Gegenteil von dem zu tun, was man einst von ihr erwartet hat, beginnt sie alles, was man ein Leben lang versucht hat ihr einzutrichtern, genau in Frage zu stellen und herauszufinden, womit sie selbst sich wohl fühlt. Sie erkennt, wie verkehrt und rückständig die Ansichten ihrer ehemaligen Gemeinschaft sind und kostet nun ihre Freiheit aus, was wundervoll anzusehen ist. Außerdem macht sie keine ihrer neuen Erfahrungen zu einem schlechteren Menschen, ganz im Gegenteil.

Bei Finn dauert es hingegen ein wenig länger bis man ihn wirklich ins Herz schließt. Anfangs wirkt er überaus mürrisch, unfreundlich und unnahbar. Er wird von Schuldgefühlen geplagt und kann sich nicht von der Vergangenheit befreien. Diese unliebsamen Emotionen versucht er in Alkohol zu ertränken, was von der Autorin allerdings zu sehr verharmlost wird. Erst seine unerwünschte Nachbarin holt Finn langsam wieder in die Gegenwart zurück und dieser Prozess ist sehr schön zu beobachten. Er lässt Sawyer nach und nach näher an sich heran, öffnet sich seiner Umgebung und wird wieder der Mensch, der er vermutlich einst war.

Finn und Sawyer sind ein wunderbares Paar, das sich im Rahmen einer authentischen Entwicklung erst langsam näher kommt. Sie ergänzen sich prima und lösen völlig neue Gefühle im jeweils anderen aus. Das geht selbst Finn so, obwohl er im Unterschied zu Sawyer natürlich deutlich erfahrener ist. Er ist ihr gegenüber immer verständnisvoll und geduldig. Er drängt sie zu nichts, sondern passt sich vollständig ihrem Tempo an. Die dazugehörigen Sexszenen sind recht ansprechend beschrieben, zum Teil aber auch ein wenig übertrieben bzw. werden Sawyer und Finn ab einem gewissen Zeitpunkt einfach eine Spur zu oft intim. Weniger wäre hier also mehr gewesen. Schön ist insofern jedoch, dass Finn wirklich nur einvernehmlich handelt und sich diesbezüglich stets bei Sawyer versichert.

Neben Finn und Sawyer gibt es darüber hinaus noch einige tolle Nebencharaktere, die Sawyer nach ihrer Ankunft in Outskirts unterstützen und die man dafür einfach lieben muss. Dazu zählen insbesondere die selbstbewusste Polizistin Josh und Sawyers Chef Critter.

Die Handlung ist durchgängig fesselnd, vor allem wegen der prickelnden Liebesgeschichte, weist allerdings ein paar Logikfehler bzw. Fehler im Ablauf auf, vermutlich weil nachträglich Szenen getauscht wurden. Manchmal erscheint sie einem Zwischendurch zudem etwas lückenhaft, so als fehlte eine Szene oder zumindest ein nachvollziehbarer Übergang. Auf den letzten Seiten wird es dann noch richtig spannend und der Cliffhanger am Ende macht einen nahezu sprachlos. Man ist regelrecht entsetzt, dass das Buch an dieser Stelle endet, noch dazu mit einer so schockierenden Wendung. Genau genommen erwarten den Leser am Schluss sogar zwei Enthüllungen, doch nur eine davon hat man kommen sehen.

Danach möchte man folglich am liebsten sofort zur Fortsetzung greifen, die inzwischen glücklicherweise schon erschienen ist. Man ist gespannt darauf wie es mit Sawyer und Finn weiter geht, sehnt sich nach Antworten auf die vielen, offenen Fragen und sieht der zwangsläufig bevorstehenden, erneuten Begegnung zwischen Sawyer und ihrem Vater sowie seiner Reaktion auf seine völlig veränderte Tochter erwartungsvoll entgegen.

FAZIT
Wild Hearts – Kein Blick zurück ist, von wenigen Kritikpunkten abgesehen, ein sehr gelungener New Adult Roman, dessen überraschendes Ende eine vielversprechende Fortsetzung in Aussicht stellt, deren Lektüre man nun kaum noch erwarten kann.

Veröffentlicht am 08.11.2019

eine überaus empfehlenswerte Novelle, die sich anders, als der Titel vielleicht vermuten lässt, gesellschaftskritisch mit der Flüchtlingsthematik auseinander setzt

Wie man einen Toaster überlistet
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Mit Wie man einen Toaster überlistet hat Cory Doctorow eine sehr gelungene und schnell gelesene Novelle geschrieben, die vollkommen anders ist als der Titel vermuten lässt. Obwohl die Erzählung keinen ...

Mit Wie man einen Toaster überlistet hat Cory Doctorow eine sehr gelungene und schnell gelesene Novelle geschrieben, die vollkommen anders ist als der Titel vermuten lässt. Obwohl die Erzählung keinen bitterernsten Ton anschlägt, ist es kein humoristisches Werk, jedenfalls keines, wie man es in der Buchhandlung im Humor-Regal finden würde.
Es handelt sich vielmehr um eine eigenständige, in sich abgeschlossene Geschichte mit einem geradlinigen Handlungsablauf, die wegen ihres geringen Umfangs allerdings noch nicht als Roman bezeichnet werden kann. Im Hinblick auf das Genre bewegt sich der Autor auf einem schmalen Grat zwischen Science Fiction und zeitgenössischer Literatur, denn das Buch spielt genau genommen zwar in der Zukunft, diese scheint hier jedoch nur wenige Jahre von der Gegenwart entfernt zu sein. Inhaltlich ist es vor allem ein gesellschaftskritisches Werk, im besten Sinne, es hält der aktuellen Gesellschaft nämlich den Spiegel vor. Durch überspitzte Darstellungen weist Cory Doctorow darin gekonnt auf schon jetzt vorhandene Probleme hin, an denen wir alle arbeiten sollten.

Die junge Protagonistin Salima lebt gegenwärtig in den USA, stammt aber ursprünglich aus Libyen und kam vor einigen Jahren als Flüchtling in dieses Land. Sie ist clever und arbeitet hart, verdient jedoch nicht besonders viel Geld, sodass sie sich keine reguläre Wohnung leisten kann. Sie wohnt deshalb, genau wie viele andere ehemalige Flüchtlinge, in einer der Sozialwohnungen eines teuren Hochhauses, in dem sie beschämenderweise wie Menschen zweiter Klasse behandelt werden.

Um bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, dürfen zukünftige Vermieter gemäß eines Gesetzes beispielsweise fünfzig statt andernfalls nur dreißig Stockwerke hoch bauen, wenn sie im Gegenzug auf einer bestimmten Anzahl an Etagen Sozialwohnungen einrichten, bei denen sich die Höhe der Miete nach dem Einkommen des Mieters richtet. Die günstige Miete ist allerdings an Bedingungen geknüpft, darunter die Verwendung lizensierter bzw. autorisierter (=teurer) Produkte in den eingebauten Markengeräten in Küche und Badezimmer wie dem bereits im Titel erwähnten Toaster. Es ist zwar möglich diese Geräte zu hacken, dies ist aber natürlich verboten und sollten sie erwischt werden, riskieren sie nicht nur eine strafrechtliche Verfolgung, sondern die Kündigung des Mietvertrages. Sogar der Austausch der Geräte bzw. sich ein anderes, vergleichbares Gerät zusätzlich anzuschaffen, ist laut Mietvertrag untersagt, da die Vermieter durch Verträge mit den jeweiligen Herstellern Einnahmen über die bestellten Produkte generieren wollen. Um der perversen Überwachung und Ausbeutung in dieser Welt noch die Krone aufzusetzen, unterliegen selbst Schulbücher außerhalb des Schulgeländes sowie der eigenen Wohnung einer Sperre, die nur durch die Zahlung zusätzlicher Gebühren überwunden werden kann.

Diese Mieter sind jedoch nicht nur zahlreichen, unfairen Beschränkungen unterworfen, es wird ihnen auch von Vornherein jede noch so kleine Annehmlichkeit verwehrt, was einem absolut unbegreiflich ist. In dem Gebäude, in dem Salima wohnt, gibt es insgesamt fünfzig Etagen, acht davon mit Sozialwohnungen, und ganze sechzehn Fahrstühle, doch jeder einzelne von ihnen ist grundsätzlich für die sogenannten Vollzahler reserviert. Solange ein Vollzahler sie benutzt, halten sie ausschließlich auf deren Stockwerken, sodass Salima und die anderen Sozialmieter zum Teil bis zu einer Stunde auf einen Fahrstuhl warten müssen. Da sie alle in der 34. bis 41. Etage untergebracht sind, ist die Nutzung der Treppen aber keine tägliche Option, vor allem nicht mit Einkäufen und/oder Kindern.

Die Fahrstuhl-Programmierung sowie die separaten Eingänge sollen gewährleisten, dass die Vollzahler und die Mieter der Sozialwohnungen sich keinesfalls begegnen, was die Kluft zwischen Arm und Reich nur noch größer macht. Dabei ist der wohlhabende, privilegierte Teil der Bevölkerung ohnehin meist schon so ignorant, dass er die Probleme der Geringverdiener nicht versteht. Das wird besonders deutlich als Leute, die selbst nie eines dieser besagten Markengeräte kaufen würden, um nicht denselben Einschränkungen zu unterliegen, herablassend von sich geben, dass Salima und die anderen dafür schließlich weniger Miete zahlen müssten und die Wahl gehabt hätten. Das ist nur zutreffend, sofern man die Entscheidung zwischen einer eigenen Wohnung und der Option weiterhin mit zahlreichen, fremden Menschen in einer Flüchtlingsunterkunft ohne echte Privatsphäre oder individuelle Planungsmöglichkeiten zu hausen, ernsthaft als solche bezeichnen möchte.

Der Umgang mit Flüchtlingen ist ebenfalls ein zentraler Aspekt der Novelle und diese nach wie vor aktuelle Thematik wird insbesondere in Rückblenden näher beleuchtet. Cory Doctorow beschreibt sehr anschaulich, was Salima alles erlebt und durchlitten hat bis sie an den Punkt gelangte, an dem sie heute ist; wie andere sie behandelt haben und welche Steine ihr in den Weg gelegt wurden. Zugleich weist er auf Widersprüche und Paradoxa hin. So musste Salima beispielsweise für ihre Unterkunft verschiedene Arbeitsdienste leisten, hatte vor lauter Arbeit dann allerdings kaum Zeit sich um eine richtige Arbeitserlaubnis zu bemühen, um sich einen echten Job suchen zu können.

Aufgrund ihrer überwiegend schlechten Erfahrungen besteht Salimas privates, soziales Umfeld lange Zeit ausschließlich aus anderen Flüchtlingen bzw. Einwanderern. Erst in der etwa gleichaltrigen Wyoming findet Salima schließlich eine erste und loyale Freundin außerhalb ihres bisherigen Milieus. Ihr jeweiliger Erfahrungsschatz könnte natürlich kaum unterschiedlicher sein – Wyoming ist wahrscheinlich relativ behütet aufgewachsen und musste sicher nie einer ungewissen Zukunft entgegen sehen – trotzdem ist eine Freundschaft zwischen ihnen möglich, da sie einander unvoreingenommen und ohne Vorurteile begegnen.

Abschließend noch ein paar Worte zum Schreibstil des Autors: Zunächst hat man ein paar Schwierigkeiten mit den gelegentlich sehr langen Schachtelsätzen, die anfangs ein wenig den Lesefluss hemmen, doch mit der Zeit gewöhnt man sich daran. Darüber hinaus enthält das Buch teilweise recht viele technische Abläufe und Details, die aber durchaus interessant sind, sobald man die Erklärungen erst einmal verstanden hat.

FAZIT
Wie man einen Toaster überlistet ist eine überaus empfehlenswerte Novelle, die sich anders, als der Titel vielleicht vermuten lässt, gesellschaftskritisch mit der Flüchtlingsthematik auseinander setzt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 08.11.2019

mit Abstand eines der besten New Adult Bücher, die man finden kann

Wenn Donner und Licht sich berühren
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Mit Wenn Donner und Licht sich berühren hat Brittainy C. Cherry einen wahrlich wundervollen und sehr berührenden New Adult Roman geschrieben, der trotz eines kleinen Kritikpunktes auf jeden Fall zu den ...

Mit Wenn Donner und Licht sich berühren hat Brittainy C. Cherry einen wahrlich wundervollen und sehr berührenden New Adult Roman geschrieben, der trotz eines kleinen Kritikpunktes auf jeden Fall zu den besten Werken des Genres zählt.
Die Handlung ist in zwei große Abschnitte unterteilt, wobei der erste einem mitunter sogar noch besser gefällt als der zweite. Zwischen den beiden Teilen liegt eine Zeitspanne von sechs Jahren, auf die insgesamt nicht näher eingegangen wird. Die Geschichte beginnt somit in der Vergangenheit, in der die beiden Protagonisten gerade einmal sechzehn Jahre alt sind, und wird dann nach dem Zeitsprung später in der Gegenwart fortgesetzt.

Jasmine begegnet Elliott, nachdem sie mit ihrer Mutter nach New Orleans gezogen ist, und oberflächlich betrachtet könnten die beiden kaum unterschiedlicher sein. Sie ist wunderschön und beliebt, er ist schmächtig und wird regelmäßig von seinen Mitschülern schikaniert. In Wahrheit haben die zwei jedoch unendlich viel gemeinsam. Sie sehen den jeweils anderen so, wie er wirklich ist, und haben daher ein tiefes Verständnis füreinander.

Elliott ist ein großartiger, unfassbar liebenswerter Protagonist mit einem großen Herz. Er kümmert sich stets um andere und hat so viel Liebe zu geben, dass die Menschen in seinem Umfeld praktisch gezwungen sind sich gut zu fühlen, wenn sie mit ihm zusammen sind. Man leidet mit ihm, wann immer er in der Schule nicht nur gemobbt, sondern sogar körperlich angegriffen, um nicht zu sagen misshandelt wird. Es ist einem unbegreiflich, wie er trotz dieser täglichen Torturen zu so einer freundlichen und aufgeschlossenen Person werden konnte. Vielleicht liegt es an dem Rückhalt, den er immerhin von seiner Familie bekommt, also von seiner Mutter Laura, seiner Schwester Katie und seinem Nachbar TJ, von dem Elliott zudem Musikunterricht bekommt. Bevor er Jasmine begegnet ist, war Musik nämlich Elis einzige Zuflucht.

Jasmine ist ebenfalls von Anfang an sympathisch und hat es im Alltag beinahe genauso schwer wie Elliott, nur dass ihr Kummer durch ihre kalte und herzlose Mutter verursacht wird. Diese kontrolliert das gesamte Leben ihrer Tochter und setzt sie permanent unter Druck, damit sie eines Tages Karriere als Pop-Sängerin macht – um jeden Preis. Egal wie sehr Jazz sich auch bemüht, ihre Mutter ist einfach nie zufrieden und hat statt bedingungsloser Liebe nur harsche Kritik für sie übrig. Die einzige echte Bezugsperson in Jasmines Leben und das genaue Gegenteil von ihrer Mutter ist ihr liebevoller Ziehvater Ray, der sie stets tröstet und versucht ihr zu helfen. Für ihn spielt es keine Rolle, dass er nicht ihr biologischer Vater ist, doch ihre Mutter lässt es aufgrund dieser Tatsache nicht zu, dass er Einfluss auf ihre Erziehung oder ihren Tagesablauf nimmt.

In dieser schweren Zeit retten Eli und Jazz sich gegenseitig und geben einander Hoffnung. Für den jeweils anderen sind sie das Licht in ihrer dunklen Welt. Obwohl man bereits durch den Klappentext weiß, dass es an irgendeinem Punkt unweigerlich zu einer Trennung kommt, kann man sich deshalb lange Zeit über nicht vorstellen, wie es dazu kommen soll. Umso härter trifft einen am Ende des ersten Abschnitts schließlich das schockierende Ereignis, das vor allem Elliotts Leben für immer verändert. Der Schmerz ist kaum zu ertragen und als Leser kann oder vielmehr will man gar nicht glauben, was man gerade liest.

Die Veränderung, die Eli anschließend durchläuft, ist ziemlich krass, aber durchaus verständlich, obschon es einen traurig macht ihn so zu sehen. Er zieht sich vollkommen zurück, stößt alle anderen von sich und errichtet eine Mauer um sich herum. Doch zum Glück lassen die Menschen in seinem Leben ihn trotzdem nicht allein und Jasmine gelingt es irgendwann zu ihm durchzudringen. Dank ihr nähert er sich seinem alten Ich irgendwann langsam wieder an und schafft es letztlich mit der Vergangenheit abzuschließen. Obwohl sie beide sich in der Zwischenzeit sehr verändert haben, sind sie also sind nicht nur in der Vergangenheit ein fantastisches Paar, sondern auch in der Gegenwart.

Jasmines Veränderung ist im Unterschied zu Elis allerdings weniger offensichtlich. An ihr zeigt Brittainy C. Cherry vielmehr sehr anschaulich, dass ein Lächeln nicht immer bedeutet, dass es einem gut geht. Eine emotionale Misshandlung kann genauso schlimme Auswirkungen haben wie eine körperliche. Jazz will es selbst nicht wahrhaben, aber in ihr tobt ein wütender Sturm, weil sie ihre Gefühle so lange unterdrückt hat. Das ist weder gesund noch lässt es die unliebsamen Emotionen einfach verschwinden. Darüber hinaus betont die Autorin die wichtige Erkenntnis, dass der eigene Schmerz nicht automatisch unbedeutend ist, nur weil andere womöglich noch Schlimmeres erlebt haben.

Die Handlung ist durchgängig fesselnd, vor allem natürlich weil man mit den liebenswürdigen Protagonisten mitfiebert, und rührt mehrfach zu Tränen. Im Verlauf der Geschichte wartet die eine oder andere überraschende Wendung auf den Leser und es gibt zahlreiche gefühlvolle, ebenso wie einige traurige und schmerzhafte Momente. Außerdem steckt die bewegende Geschichte voller wunderbarer Botschaften. Vorhersehbar ist allenfalls der Ausgang der Liebesgeschichte, doch jedes andere Ende wäre in diesem Genre undenkbar, sofern es keine Fortsetzung gibt, was hier nicht der Fall ist, denn die Geschichte um Eli und Jasmine ist in sich abgeschlossen. Kritisieren kann man im Grunde nur, dass die insgesamt nachvollziehbare und wünschenswerte Entwicklung der Charaktere am Ende etwas zu schnell geht, was sich im Endeffekt aber nicht in der Bewertung niederschlägt, da die positiven Aspekte ganz klar überwiegen. Abgesehen vielleicht vom Epilog, der den Leser zum Schluss noch einen Blick auf die Zukunft der Protagonisten zu verschiedenen Zeitpunkten werfen lässt, kommt Wenn Donner und Licht sich berühren überdies erfreulicherweise ganz ohne Kitsch aus.

Da Elliott und Jasmine in der ersten Hälfte noch sehr jung sind, gibt es im Vergleich zu anderen New Adult Romanen hier nur sehr wenige erotische Szenen, eigentlich sogar nur eine, die ausführlicher geschildert wird und noch dazu recht kurz ist. Man hat deshalb jedoch nicht das Gefühl, dass etwas fehlen würde, das Buch kommt nämlich auch prima ohne aus, zumal es zwischen den Charakteren dafür umso heftiger prickelt.

Erwähnenswert sind zudem noch die vielen großartigen Nebenfiguren im Leben von Eli und Jazz, die die Geschichte enorm bereichern und ihr noch mehr Intensität verleihen. So tolle Menschen wie TJ, Elliotts besten Freund Jason oder Jasmines Vater Ray, die in schweren Zeiten ebenfalls zu einem halten, sollte jeder in seinem Leben haben.

Abschließend hervorzuheben ist schließlich noch der wunderschöne und malerische Schreibstil von Brittainy C. Cherry mit den wechselnden Perspektiven, der sich nicht nur angenehm lesen lässt, sondern positiv heraussticht. Des Weiteren hat die Autorin zahlreiche Metaphern und Vergleiche mit musikalischem Bezug eingebaut, passend zur Handlung und den Protagonisten, die als Saxophonist und Jazzliebhaber bzw. Sängerin und Soulliebhaberin natürlich beide Musik lieben.

FAZIT
Wenn Donner und Licht sich berühren erzählt die wahrlich berührende Geschichte zweier außerordentlich liebenswerter Charaktere und ist mit Abstand eines der besten New Adult Bücher, die man finden kann.