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Veröffentlicht am 13.06.2023

Wer bist du wirklich?

Die Frau, die es nicht mehr gibt
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Darum geht es:
Mitte der 1980er-Jahre, eine Zeit, in der überall Fahndungsplakate mit Mitgliedern der RAF aushängen. Aber es ist auch die des Umbruchs: Alex trampt durch die Welt und schließlich es gibt ...

Darum geht es:
Mitte der 1980er-Jahre, eine Zeit, in der überall Fahndungsplakate mit Mitgliedern der RAF aushängen. Aber es ist auch die des Umbruchs: Alex trampt durch die Welt und schließlich es gibt einen Ort, wo sie bleibt: In Frankreich, im Lubéron-Gebirge. Das liegt vor allem an der Freundschaft zu Mado, Loic und Fantomas. Sie sind eine Clique, die mit Straßenkunst ihr Geld verdient. Mit ihrer Kamera vermag Alex ganz besondere Momente einzufangen. Schnell merkt sie, dass die Leute im Lubéron etwas ganz Besonderes sind. Erst hinterher erfährt sie, dass die meisten nicht die waren, für die sie sich ausgaben. Dazu zählt auch einer ihrer Freunde, wie sie 30 Jahre später erfährt.

Mein Leseeindruck:
In diesem Buch nimmt uns die Autorin mit auf eine Reise an einen ganz besonderen Ort, an dem sie selbst mehrere Jahre gelebt hat: Das Lubéron-Gebirge. Sie schafft es, die einzigartige Atmosphäre von damals in ihren Zeilen zu transportieren und hat mich ganz mit ihren Worten verzaubert.

Die Hauptpersonen der Geschichten sind Alexandra Richter alias Alex und Madeleine Verroux, einfach Mado genannt. Die beiden verbindet am Anfang die Sprache, später entwickelt sich eine Freundschaft zwischen den beiden. Zusammen mit den Jungs Fantomas und Loic bilden sie eine Clique, die den Sommer ihres Lebens zusammen haben und auch die Liebe kommt nicht zu kurz.

Schnell wird klar, dass Mado ein großes Geheimnis hat. Erst nach und nach wird alles über ihre Identität aufgedeckt und, was ich schön fand, auch erklärt.

Besonders ist auch die Mischung der Menschen, die in diesem Gebirge aufeinander trafen: Militärfamilien lebten zusammen mit alteingesessenen Provenzalen, Zugewanderten aus Südeuropa und Nordafrika, internationalen Hippies, Pazifisten und Künstlern.

Auch der kalte Krieg war in der Gegend sichtbar: Die Atomraketen Frankreichs waren in unmittelbarer Nähe auf dem Plateau d’Albion stationiert und auf Sowjetunion gerichtet.

Der schöne Sprachstil und die Formulierungen sind mir positiv aufgefallen und haben mein Leser-Herz erwärmt. Da ich es so gerne mochte, habe ich mir tatsächlich die älteren Bücher der Autorin Maiken Nielsen gekauft.

„Die Frau, die es nicht mehr gibt“ ist ein Buch über Identitäten und Freundschaft und hat die Atmosphäre eines besonderen Ortes in einer speziellen Zeit eingefangen. Ich bin immer noch ganz verzaubert und somit vergebe ich ganz klar 5/5 Sternen!

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Veröffentlicht am 13.06.2023

Eine Zeitreise in die 80er-Jahre

Großraumdisco
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Es ist das Jahr 1986 und Anni feiert zusammen mit ihrer besten Freundin Vera und ihren anderen Klassenkameraden das bestandene Abitur in der norddeutschen Provinz in einer Großraumdisco. Als die Abizeitung ...

Es ist das Jahr 1986 und Anni feiert zusammen mit ihrer besten Freundin Vera und ihren anderen Klassenkameraden das bestandene Abitur in der norddeutschen Provinz in einer Großraumdisco. Als die Abizeitung verteilt wird, bekommt sie einen Schock: Sie wird darin verspottet! Dabei weiß nur Vera von ihren „Ticks“ und Anni will nichts mehr mit ihrer besten Freundin zu tun haben. Sie geht nach Bremen, um Psychologie zu studieren und kommt da der Ursache für ihre Zwangshandlungen auf die Spur. Außerdem findet sie Freunde, lernt in einer Disco den Banker Christian kennen und nimmt einen Job bei einer Fernsehshow an. Es scheint sich alles zum Guten zu wenden, aber irgendwann holt sie die Vergangenheit wieder ein.

Ich fühlte mich beim Lesen zurückversetzt in die 80er-Jahre, der Zeit von Neonfarben, toupierten Haaren, Schulterpolstern und Davidoff Cool Water.

Das Buch spielt auf mehreren Zeitebenen und wird aus der Sicht von drei Leuten erzählt. Dabei fand ich es interessant, dass die Autorin verschiedene Arten der Erzählform gewählt hat.

Anni war für mich die Hauptperson. Sie schildert ihre Erlebnisse aus der Ich-Perspektive. Durch sie habe ich viel über Zwänge erfahren, was ich sehr interessant fand. Der Autorin gelingt es deutlich zu machen, dass die gesellschaftliche Akzeptanz von psychischen Erkrankungen noch gering ist und dass sich die Betroffenen meist schämen. Annis Job bei einer Fernsehproduktion mit Rudi Carrell hatte auch eine große Rolle in dem Buch und hat für mich viele Erinnerungen geweckt.

In einem weiteren Erzählstrang wird von einem auktorialen Erzähler von Christian berichtet. Er ist beruflich auf der Überholspur unterwegs, rutscht aber aufgrund seiner Vergangenheit in eine ungesunde Abhängigkeit ab. Seine Figur wirkte für mich leider zu sehr wie ein Stereotyp: Ein Banker kann seinen 14-Stunden-Tag nur überstehen, wenn er zwischendurch eine Line zieht.

Etwas unerwartet waren die in kursiver Schrift eingeschobenen Kapitel über eine kranke Person, der ich erst zum Schluss einen Namen zuordnen konnte. Die Einschübe wirkten für mich beim Lesen wie ein Stilbruch, ergaben aber zum Schluss Sinn.

Die Geschichte und vor allem der Ausgang dieser hat mich sehr berührt. Auch ich habe schon eine ähnliche Situation erlebt und so hat das Buch starke Emotionen in mir geweckt.

Was erst holprig wirkte, macht die Geschichte zum Schluss für mich aus und durch ihre Authentizität ist sie mir richtig unter die Haut gegangen.

Fazit: Such dir Hilfe, wenn du ein Problem hast und melde dich bei deinen Freunden. Wahre Freundschaften sind bekanntlich rar gesät.

Ich spreche eine Leseempfehlung aus und vergebe 4/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 11.06.2023

Die Geheimnisse werden gelüftet

Atlas - Die Geschichte von Pa Salt
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Die Buchreihe rund um die „Sieben Schwestern“ begleitet mich nun schon mehrere Jahre und ich war sehr traurig, als ich vom Tod der Autorin Lucinda Riley erfahren habe. Ihr Sohn Harry Whittaker hat ihr ...

Die Buchreihe rund um die „Sieben Schwestern“ begleitet mich nun schon mehrere Jahre und ich war sehr traurig, als ich vom Tod der Autorin Lucinda Riley erfahren habe. Ihr Sohn Harry Whittaker hat ihr Werk mit diesem Buch vollendet und das hat mich zum einen sehr gefreut und zum anderen war es auch ein sehr emotionales Leseerlebnis für mich.

Die Geschichte switcht wie die vorherigen Bände immer wieder von der Gegenwart in die Vergangenheit, was wieder gut gelungen ist und durch die Anordnung geschickt Spannung erzeugt. In diesem Fall studieren die Schwestern gleichzeitig die Tagebucheinträge ihres Vaters und nicht nur Geheimnisse (auf die hier nicht näher eingegangen wird) werden aufgelöst, sondern sie wachsen dadurch auch noch mehr zusammen.

Die Geschichte beginnt mit der Kindheit von Pa Salt und endet mit seinem Tod. Dabei reist er quer über den Erdball und hat interessante Begegnungen.

In den vorherigen Teilen ging es jeweils um die Geschichte einer Schwester, im finalen Band findet alles eine Verbindung und ergibt plötzlich Sinn. Auch wenn es teilweise schon echt lange her ist, dass ich die anderen Geschichten gelesen habe, hatte ich keine Probleme damit, mich an sie zu erinnern und die Geschehnisse zu verknüpfen.

Der Schreibstil unterscheidet sich nur in Details zu den Vorbänden (was eventuell auch der Übersetzung geschuldet ist) und reiht sich dennoch nahtlos ein. Harry Whittaker hat wirklich einen guten Job und damit seiner Mutter alle Ehre gemacht!

Mit dem Ende bin ich sehr zufrieden und ich freue mich die „Sieben Schwestern“-Serie mit diesem Finale abschließen zu können. „Atlas - Die Geschichte von Pa Salt“ war für mich ein Höhepunkt und würdiger Abschluss der „Sieben-Schwestern“-Reihe. Für mich war das Buch ein Highlight mit 5*/5 Sternen.


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Veröffentlicht am 09.06.2023

Großer Lesespaß

Wirbel um die Komtess
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In diesem Band begleiten wir Isabella von Seybach auf ihrer Suche nach der großen Liebe. Sie geht ganz zur Freude ihrer konservativen Großmutter auf rauschende Bälle und schon bald findet sich dort ein ...

In diesem Band begleiten wir Isabella von Seybach auf ihrer Suche nach der großen Liebe. Sie geht ganz zur Freude ihrer konservativen Großmutter auf rauschende Bälle und schon bald findet sich dort ein würdiger Verehrer für sie. Insgeheim jedoch lebt sie ihre Leidenschaft für das Theater aus und lernt dort eine aufregende und verruchte Seite Münchens kennen. Doch als dann ihr engster Vertrauter Leopold von Löwenstein auch eine Verlobte findet, weckt das ungeahnte Gefühle in ihr.

Es war ein großer (Lese-)Spaß mit dem bereits dritten Band dieser Reihe wieder an das Lilienpalais in München zurückzukehren, der sich der Geschichte rund um die Sandkastenfreunde Isabella und Leopold widmet. Da die Geschichte abwechselnd aus der Perspektive von den beiden erzählt wird, ist nach den ersten beiden Bänden einigermaßen klar (und ich spoilere nicht zu sehr), dass sie am Ende als Paar zusammen finden werden. Bis dahin haben sie und die Leserinnen aber noch einen weiten und sehr steinigen Weg vor sich.

Isabella hat mich mit ihrem Temperament und Wagemut überrascht und ich war sehr froh, durch sie auch mal eine andere Seite Münchens kennenzulernen. Durch ihren Wunsch, Schauspielerin zu werden, der sie ans Theater führt, kommt sie in unkonventionellere und durchaus auch verruchtere Gefilde. Damit hätte ich gar nicht gerechnet - in dieser Hinsicht steigert sich die Reihe von Band zu Band.

Leopold ist angehender Diplomat und betrachtet das Heiraten als Pflicht. Gefühle braucht er nicht, oder doch? Bis zum Schluss habe ich mitgefiebert, ob er es schafft, sein Herz zu öffnen.

Auch gesellschaftskritische Themen, wie zum Beispiel Homosexualität und die Erwartungshaltung an eine Frau in der Zeit bekommen in dem Buch einen großen Anteil, was mir sehr gut gefallen hat. Auch hier entwickelt sich die Reihe mit jedem Teil weiter.

Ich war wieder überrascht, wie es den vier Autorinnen, aus denen das Autorinnen-Kleeblatt Hannah Conrad besteht, gelungen ist, das Buch so zu verfassen, dass es eine konsequente Weiterentwicklung ohne Stilbrüche ist.

Das ganze Buch ist wieder sehr unterhaltsam, abenteuerlich und ernste Themen stehen im Rampenlicht.

Leser
innen mit einem Faible für Regency-Romanen sollten die Lilienpalais-Reihe unbedingt lesen! Von mir gibt es ganz klar 5/5 Sternen und ich freue mich auf die Fortsetzung, wo es um Nanette, „Die Dame mit Geheimnissen“ geht.

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Veröffentlicht am 03.06.2023

Ich bin begeistert!

DAS ENDE – Dein letzter Tag ist gekommen
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Darum geht es: Menschen, die scheinbar nichts miteinander verbindet, werden vor laufender Kamera ermordet. Die ganze Welt kann ihnen dabei in einem Livestream zusehen. Für Europols Topermittler Inga Björk ...


Darum geht es: Menschen, die scheinbar nichts miteinander verbindet, werden vor laufender Kamera ermordet. Die ganze Welt kann ihnen dabei in einem Livestream zusehen. Für Europols Topermittler Inga Björk und Christian Brand beginnt die Suche nach dem Täter und dem roten Faden. Ausgerechnet ihre neue Chefetage macht es ihnen nicht leicht, denn sie will die Ermittlungen der beiden unbedingt öffentlich inszenieren.

Hier handelt es sich bereits um den vierten Teil der Reihe rund um die Europol-Ermittler Inga Björk und Christian Brand. „Das Ende“ habe ich in einem Tag verschlungen, ein echter Page-Turner!

Wie es für die Bücher von Jan Beck typisch ist, schreibt er die Geschichte gleich aus mehreren Perspektiven. Ich finde, es ist eine besondere Gabe, wenn man sich in viele verschiedene Personen so hineinversetzen kann, dass das Geschriebene glaubwürdig rüberkommt und garantiert für Gänsehautmomente sorgt. In diesem Buch hat mich besonders die Sicht der Seniorin Margarethe Stramm eingenommen und berührt.

Bis zum Schluss habe ich keine Verbindung gesehen und war gebannt vom Geschehen. Dabei ist für mich das Ermittlerduo unumstritten der Star der Geschichte. Inga Björk, die kein Gesicht vergisst, mit ihrer dunklen Vergangenheit und Christian Brand, mit seiner Risikobereitschaft und seinem Hang die Sachen anzupacken, haben nicht nur neue Seiten von sich gezeigt, sondern mich auch wieder total begeistern können. Eben weil sie nicht dem Standard entsprechen, um die Ecke denken können und durch ihre Ecken und Kanten eine Anziehungskraft haben, nicht nur mir gegenüber.

Die blutigen Sequenzen sind hier für meinen Geschmack wohldosiert und waren auch für mich gut erträglich. Trotzdem war ich das eine oder andere Mal geschockt und spürte ordentlich Thrill. Was Lesende außerdem bekommen, sind Spannung, Action, Überraschungen und somit beste Thrillerunterhaltung.

Am Ende gipfelt alles in einem Showdown, mit dessen Ausgang ich so nicht gerechnet hatte.

Einziger Kritikpunkt: Das Ende war zu kompliziert für mich und ich hatte schließlich einen Knoten im Kopf. Das trübte aber nur ein bisschen mein Leseerlebnis und fällt unter die Kategorie „Jammern auf hohem Niveau“. 4,5/5 Sternen

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