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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2017

Gefühlsgeladener Prolog, danach sehr oberflächlich.

All for You – Sehnsucht
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Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, ...

Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, kommen beim Leser an und lassen diesen mitfiebern. Nach den fünf Jahren Kontaktlosigkeit ist die Beziehung jedoch völlig anders geartet, als sich die beiden wieder näherkommen: Es gibt unglaublich viele nervige Streitereien und mindestens genauso viel Versöhnungssex. Die Beziehung scheint auf einmal nur noch körperlicher Art zu sein und von den ach so tiefen Gefühlen, die die beiden füreinander hegen, merkt der Leser leider nur wenig. Dies zieht sich bis zum Ende hin und wurde in meinen Augen auch leider nicht mehr besser. Es wird viel auf Drama gemacht, aber statt den Leser in diesen Momenten mitzureißen und mitfühlen zu lassen, wirkten diese Momente auf mich pseudotiefgründig und melodramatisch. Der Eindruck einer tiefen Verbindung zwischen den Protagonisten konnte bei mir nicht mehr geweckt werden, obwohl das Buch in dieser Hinsicht mit dem Prolog so stark begann.

Obwohl der Schreibstil durchgehend angenehm und flüssig zu lesen war und die Liebeszenen unglaublich gut und ansprechend geschildert waren (obwohl sie auf der Gefühlsebene zu wünschen übrig ließen), baute das Buch für mich immer weiter ab, sodass mir auch die Lust am Weiterlesen irgendwann abhandenkam. Dies ist auch den Protagonisten verschuldet. Maya war eine Protagonistin, mit der ich im Prolog richtig mitgelitten habe. Sie schien, ein schweres Geheimnis mit sich herumzutragen, das sie Cameron nicht anvertrauen konnte und aufgrund dessen sie seinen Heiratsantrag ablehnen musste. Leider war das Geheimnis in meinen Augen ziemlich mau. Es war nichts, was sie mit Cam nicht hätte besprechen können. Aufgrund dessen wirkte das Beziehungsdrama der beiden unnötig an den Haaren herbeigezogen und die ach so tiefe Verbindung von Maya und Cam bekam für mich einen Dämpfer, da hier offenbar eine Vertrauensbasis fehlte. Dazukam, dass Maya sich nach den fünf Jahren wirklich drastisch verändert hat, was natürlich nachvollziehbar war, mir aber zunehmend auf die Nerven ging. Sie war verständlicherweise abweisend und in Bezug auf Cam sehr vorsichtig, gleichzeitig aber auch verantwortungslos, was sich in ihrem enormen Alkoholkonsum äußerte. Ihr offensichtliches Unglücklichsein und ihr Kontrollverlust drückten auf die Stimmung, sprachen aber nicht mein Mitgefühl an. Sie ging mir zunehmend auf die Nerven, was sich bis zum Ende nicht mehr besserte. Ihre Entwicklung auf den letzten zwanzig Seiten war viel zu schnell und unrealistisch, sodass die eingeflochtenen Themen (beispielsweise die Alkoholabhängigkeit) nicht zufriedenstellend abgehandelt wurden. Daraus hätte man viel mehr machen können.

Cam war daneben etwas sympathischer, aber auch nicht immer ein angenehmer Protagonist. Man merkt schon im Prolog, dass er klammernd und besitzergreifend ist, Mayas Wünsche auf etwas Bedenkzeit nicht akzeptieren kann, sondern auf eine sofortige Entscheidung pocht. Dadurch beginnt überhaupt erst das ganze Drama und er scheint auch nach fünf Jahren nicht sehr viel dazugelernt haben. Immer noch ist er besitzergreifend und will zu schnell zu viel, obwohl er sich zumindest Mühe gibt, etwas geduldiger zu sein. Die aktuelle Maya, die neue Maya, scheint er dabei aber irgendwie nicht zu sehen, er verrennt sich in der Vorstellung seiner früheren Beziehung mit ihr, liebt ihr altes Ich und akzeptiert nicht so richtig, dass sich Maya nach all der Zeit stark verändert hat, obwohl er ihr das vor allem auf den letzten Seiten versichert. Bei mir kam das leider nicht an. Hinzukommt, dass er Maya in absolut unangebrachten Momenten Vorwürfe macht, in denen sie eigentlich seine Unterstützung benötigen würde, wodurch meine Sympathie für ihn kleine Dämpfer bekommen hat. Cameron ist ein Protagonist, den man akzeptieren kann, der aber doch eher Durchschnitt ist. Ein Stereotyp – der besitzergreifende und schließlich durch die Frau weichgekochte Mann, den darüber hinaus aber keine besonderen Charaktereigenschaften auszeichnen. Er war irgendwie langweilig.

Die Nebenfiguren waren dagegen deutlich sympathischer, obgleich auch nichts Neues in dem Genre. Bei Maya waren das der schwule beste Freund Eli und die beste Freundin Vanessa. Bei Cam der Aufreißer-Bruder und beste Freund Darren und die besorgte und deshalb Maya gegenüber abweisende Schwester Olivia, die beide in den nächsten Bänden ihr Glück finden sollen. Da diese doch schon interessantere Charaktereigenschaften aufwiesen, werde ich den nächsten Bänden vielleicht noch eine Chance geben.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich mir durch den Prolog sehr viel mehr erwartet habe. Im NA-Genre sticht dieses Buch leider nicht heraus – ich finde sogar, dass es etwas schlechter ist als der Durchschnitt, da mir irgendwann die Lust vergangen ist und ich mit den Protagonisten nicht mehr mitfühlen konnte. Von daher würde ich „All for you“ nur bedingt weiterempfehlen. Ich vergebe 2,5 Sterne und hoffe, dass die nächsten Bände mehr überzeugen können.

Veröffentlicht am 26.02.2018

2 Welten prallen aufeinander - ein vielversprechender, spannender Auftakt! Gebt mir Band 2 ♥

Save Me
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Worum geht es?

Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun ...

Worum geht es?

Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun haben und vor allem James Beaufort, der unausgesprochene Anführer der Schule, verkörpert all das. Als sie Lydia Beaufort in einer eindeutigen Situation mit ihrem gemeinsamen Lehrer Mr. Sutton beobachtet, funktioniert ihr Unsichtbarkeitsumhang nicht mehr und James tritt auf den Plan, um sich ihr Schweigen zu erkaufen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass Ruby nicht käuflich ist…

Meine Meinung

Mit Save Me hat Mona Kasten wieder einmal einen Reihenauftakt geschaffen, der von vorne bis hinten überzeugt und mich jetzt am Ende sogar fassungslos zurückgelassen hat. Das Ende war unglaublich fies und man möchte am liebsten sofort den nächsten Band hinterherschieben, weil man wissen möchte, wie es weitergeht. Weil man mit dem Ende einfach echt nicht leben kann…

Mit Lesen der Leseprobe war ich zunächst mal überrascht, dass sich die Geschichte in einer Privatschule und nicht am College abspielt – dass wir es also mit minimal jüngeren Charakteren zu tun haben, als es in der Again-Reihe der Fall war. Trotz der deutlich anderen Kulisse – die meisten Szenen spielen sich in der Schule ab – herrscht doch die Mona-Kasten-übliche Atmosphäre: Wir haben eine toughe, schlagfertige Protagonistin, einen männlichen – manchmal charmanten, manchmal unmöglichen – Gegenpart, vielfältige Hintergrundgeschichten, genau die richtige Prise Drama und Nebencharaktere, die man ins Herz schließt und über deren Geschichte man ebenfalls mehr erfahren möchte. Das fand ich bisher auch immer so klasse an ihren Büchern: Dass sich nicht nur auf die Hauptcharaktere konzentriert wird, sondern auch Nebencharaktere gut genug ausgearbeitet werden, um für den Leser interessant zu sein. Und die Autorin hat das auch mit Save Me definitiv wieder geschafft.

Ruby ist zunächst mal eine tolle Protagonistin, mit der ich mich gut identifizieren konnte. Zu keinem Zeitpunkt konnte ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen. Anfangs bin ich zunächst davon ausgegangen, dass wir es diesmal mit einer etwas ruhigeren, vielleicht sogar schüchternen Protagonistin zu tun haben, die nicht gerne im Mittelpunkt steht und gerne unsichtbar bleiben möchte. Stattdessen ist Ruby jedoch ein Mensch, der zwar tatsächlich gerne im Hintergrund bleibt, aber nicht auf den Mund gefallen ist, offen sagt, was er denkt, und dabei trotzdem zu keinem Zeitpunkt zickig wirkt, wenn sie James Kontra gibt. Sie ist ehrgeizig und weiß bereits ganz genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Sie will in Oxford studieren und das um jeden Preis.

James‘ Zukunft ist ebenfalls schon von vorne bis hinten durchgeplant, nur nicht von ihm selbst: Er soll das milliardenschwere Unternehmen seiner Eltern übernehmen und scheint dabei keinerlei Mitspracherecht zu haben. Nach außen trägt er eine gleichgültige arrogante Haltung zur Schau, schießt sich am Wochenende mit seinen Freunden auf Partys ab und geht nebenbei in Lacrosse auf. Was hinter seiner Fassade steckt, weiß vielleicht höchstens seine Zwillingsschwester Lydia. Ruby ist ihm jahrelang nicht aufgefallen, bis es zu besagtem „Vorfall“ kommt, den Ruby unfreiwillig miterlebt und womit sie James‘ Aufmerksamkeit schlagartig auf sich zieht.

Die Szenen mit den beiden haben mir unglaublich viel Spaß gemacht, weil sie so verschieden sind. Ruby ist völlig anders, als es in James‘ Welt üblich ist, und James wirkt auf Ruby die meiste Zeit wie ein eingebildeter Kotzbrocken – was er auch irgendwie ist. James wechselt dauernd vom Ekelpaket zum Charmeur (und wieder zurück) und auch als Leser weiß man nicht so richtig, ob man den Kerl jetzt lieben oder schütteln soll. Aber gerade deshalb haben mir die Schlagabtäusche der beiden so gefallen – es prallen wirklich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander.

Wie schon erwähnt gibt es neben diesen beiden Charakteren eine Vielzahl an Nebencharakteren, die sowohl positiv als auch negativ auffallen. Trotz der Tatsache, dass man nur ein paar pikante Details über sie erfährt, bleiben sie nicht flach und sind durch ihre Geheimnisse oder Eigenarten für den Leser interessant. Sie bilden einen unterhaltsamen Rahmen um die Protagonisten und „beleben“ das Buch. Das hat den Spaßfaktor des Buches nochmal um einiges erhöht.

Save Me hebt sich außerdem von einigen anderen Liebesromanen darin ab, dass es für einen Liebesroman auch überraschend viel Spannung gibt: Man fühlt sich dauerhaft unterhalten, weil immer wieder neue Geheimnisse ans Licht kommen, die man nicht erwartet und schließlich wieder neue Probleme aufwirbeln. Aufgrund dessen sticht Save Me für mich definitiv aus der Masse heraus.

Fazit

Mir persönlich hat dieser Reihenauftakt besser gefallen als Begin Again (die anderen beiden Bände habe ich noch nicht gelesen) und ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!
Vielfältige, sympathische Charaktere und jede Menge Geheimnisse – einfach klasse! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und fast perfekte 4,5 Sterne für diesen vielversprechenden, spannenden Auftakt.

Veröffentlicht am 09.08.2018

Unerwartet spannend und sehr fesselnd! Früher oder später kommt die Wahrheit immer ans Licht ...

Between us
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Worum geht es?

Nachdem Nora Kincaid im vergangenen Collegejahr ordentlich auf den Putz gehauen hat, muss sie den Partys nun abschwören, um ihr Stipendium nicht vollständig zu verlieren. Lernen und volle ...

Worum geht es?

Nachdem Nora Kincaid im vergangenen Collegejahr ordentlich auf den Putz gehauen hat, muss sie den Partys nun abschwören, um ihr Stipendium nicht vollständig zu verlieren. Lernen und volle Konzentration aufs Studium sind angesagt, dafür bricht sie den Kontakt zu ihrer besten Freundin Marcela ab und sucht sich eine neue Bleibe bei einem Mitbewohner, der die gleiche Einstellung zu Partys hat wie sie selbst. Matthew klingt wie der perfekte Mitbewohner: ein ordentlicher, fleißiger Stubenhocker. Als sie bei der Wohnungsbesichtigung aber auf einmal Campushengst und Partyboy Nummer 1 Kellan – Matthew – McVey gegenübersteht, fällt sie aus allen Wolken. Nicht nur, dass er so gar nicht in ihre Vorstellung des für ihren neuen Lebensstil perfekten Mitbewohners passt, er hat auch ihren One-Night-Stand vor einigen Monaten vergessen und erinnert sich nicht an sie. Obwohl sie weiß, dass es keine gute Idee ist, lässt sie sich von einigen Zugeständnissen seinerseits ködern und zieht bei ihm ein. Und als wäre Kellan nicht schon schlechter Einfluss genug, hängt auch noch sein bester Freund Crosbie ständig bei ihnen in der Wohnung …

Meine Meinung

Ich war von dem Klappentext und der Leseprobe sofort hin und weg, weil beides mal wieder einen richtig guten New Adult Roman versprochen hat, der nicht nach dem typischen Schema verläuft. Kurzzeitig war ich von einigen etwas negativeren Rezensionen verunsichert, entschloss mich dann aber meinem persönlichen Gefühl zu trauen und dem Buch eine Chance zu geben. Und diese Entscheidung war absolut richtig, denn für mich war „Between us“ ein absoluter Volltreffer!

Wie schon erwähnt, läuft dieses Buch nicht nach dem typischen Schema „Womanizer trifft auf Mauerblümchen und wird von diesem umgekrempelt“. Stattdessen kommt es mit einer Protagonistin daher, die weder komplett in die „Mauerblümchen“- noch in die „Partygirl“-Kategorie eingeordnet werden kann. Nora begibt sich absichtlich in die Unscheinbarkeit, verabschiedet sich von ihrem gewagteren Kleidungsstil und versucht sich aufs College zu konzentrieren. Kellan und Crosbie gegenüber verschweigt sie, dass sie im vergangenen Collegejahr auf Verbindungspartys Dauergast war, den einen oder anderen One-Night-Stand hatte (unter anderem Kellan, der sich ja aber an nichts erinnern kann) und sogar verhaftet wurde. Nach ihrer Aufmachung bei der Wohnungsbesichtigung würden die beiden ihr das ohnehin nicht glauben. Aufgrund dessen kam schon der erste interessante Aspekt in die Handlung, denn als Leser fieberte man darauf hin, dass Noras Partyvergangenheit ans Licht kommt.

Die immer unterschwellig vorhandene Spannung kommt jedoch vor allem durch die Frage zustande, wann Kellan sich wieder an den One-Night-Stand mit Nora erinnern kann und wann Crosbie davon erfährt, denn es wird recht schnell klar, dass dieser Umstand vermutlich noch zu Problemen führen wird. Crosbie mag zwar eine Supersportskanone und ein Frauenmagnet sein, dessen Eroberungen von allen „Crosbabes“ genannt werden, aber er steht auch im Schatten von Kellan und scheint immer nur die Nummer zwei zu sein. Bis Nora daherkommt.

Ich mochte sowohl Nora und Crosbie als auch Kellan auf Anhieb. Nora war eine angenehme und interessante Protagonistin, die sich für mich stets nachvollziehbar verhalten hat und vor allem durch ihr liebes Verhalten Crosbie gegenüber besonders sympathisch wurde, Crosbie ein spannender Gegenwart, hinter dessen Fassade eindeutig mehr steckt, als es zunächst den Anschein hat, und Kellan war trotz seiner unleugbaren Oberflächlichkeit trotzdem irgendwie charmant. Wer hier ein Liebesdreieck erwartet, den muss ich leider enttäuschen, aber es gibt die eine oder andere Szene, die dahingehend doch ganz interessant ist. Eifersucht spielt hier definitiv eine Rolle.

Hinsichtlich der bereits erwähnten Spannung versteht es die Autorin immer wieder, geschickt Köder auszulegen und den Protagonisten Hindernisse in den Weg zu legen, um die Spannung noch ein bisschen anzuheizen und es nie langweilig werden zu lassen. Die Handlung ist zwar nicht unbedingt unvorhersehbar (nicht mehr als die meisten anderen Liebesroman auch), weiß aber doch das eine oder andere Mal zu überraschen, sodass ich mich stets gut unterhalten fühlte.

Vor allem von dem Ende war ich positiv überrascht. Nicht nur lässt es einen mit einem rundum schönen Zufriedenheitsgefühl zurück, es wartet auch mit einem Epilog auf, mit dem ich gar nicht gerechnet hätte und der Noras und Crosbies Geschichte perfekt abschließt. Ich bin schon auf die nächsten Bände gespannt!

Fazit

Ein unerwartet spannender New-Adult-Roman, der von dem allseits bekannten „Womanizer/Mauerblümchen“-Schema abweicht und auf ganzer Linie überzeugt. Ich habe es in einem Rutsch lesen müssen. Von mir gibt es eine große Leseempfehlung und 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 05.08.2018

Außen pfui, innen hui! Authentische Charaktere, große Emotionen & Wohlfühlfaktor - ein schönes Buch!

Verliebt bis in die Fingerspitzen
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Worum geht es?

Schon früh hat Fliss gelernt, dass man sich niemals verletzlich zeigen sollte. Deshalb hat sie es perfektioniert, sich ihre Gefühle nicht anmerken zu lassen und Problemen einfach aus dem ...

Worum geht es?

Schon früh hat Fliss gelernt, dass man sich niemals verletzlich zeigen sollte. Deshalb hat sie es perfektioniert, sich ihre Gefühle nicht anmerken zu lassen und Problemen einfach aus dem Weg zu gehen. Nicht mal ihre Zwillingsschwester Harriet hat Zugang zu ihren Gefühlen, vor allem nicht zu denen, die mit ihrem Exfreund Seth zu tun haben, den sie das letzte Mal vor 10 Jahren gesehen hat und der überraschenderweise von ihrem Bruder in ihrem Wohnort Manhattan gesichtet wurde. Eine Begegnung und die dazugehörige sicher schmerzvolle Aussprache möchte sie um jeden Preis vermeiden, weshalb sie sich nicht zweimal bitten lässt, als ihre Großmutter in den Hamptons Hilfe benötigt. In den Hamptons, in denen damals alles angefangen hat. Spätestens hier wird sie davon überzeugt, dass Karma eine Zicke ist, denn schon direkt bei ihrer Ankunft begegnet sie niemand Geringerem als Seth und es scheint unmöglich, der längst fälligen Aussprache zu entgehen. Oder vielleicht doch nicht? In ihrer Panik schlüpft sie einfach mal in die Rolle ihrer Zwillingsschwester …

Meine Meinung

Ich habe von der Autorin schon einiges gehört, dies war jedoch mein erstes Buch von Sarah Morgan. „Verliebt bis in die Fingerspitzen“ ist der sechste Band der „From Manhattan with Love“-Reihe, weshalb Leser der vorherigen Bände schon mit einigen der auftauchenden Charaktere wie Chase, Matilda, Molly, Daniel und den Zwillingen Harriet und Fliss vertraut sein dürften. Für mich hätte es trotz nicht eingehaltener Reihenfolge keinen besseren Start in die Reihe geben können, denn Seth‘ und Fliss‘ Geschichte war ein Volltreffer, der definitiv Lust auf mehr macht.

Dieses Buch bietet nicht nur eine packende Liebesgeschichte, sondern auch starke Geschwisterbeziehungen, bei denen einem das Herz aufgeht, und eine besondere Charakterentwicklung, die mit der Einsicht verbunden ist, dass man Probleme nicht immer mit sich selbst ausmachen, sondern den damit verbundenen Schmerz auch mal mit anderen teilen sollte, um nicht daran kaputt zu gehen. Sarah Morgan kratzt hier nicht nur an der Oberfläche, sondern hat Charaktere geschaffen, die glaubwürdig und gut genug ausgearbeitet sind, um als reale Personen empfunden zu werden. Sie haben ihre persönliche Geschichte, ihre Probleme, ihre Eigenarten und handeln in Hinblick darauf für den Leser stets nachvollziehbar. Nie hatte ich das Gefühl, dass irgendein Verhalten zu dramatisch, zu überzogen oder zu unrealistisch gewesen wäre.

Vor allem Fliss ist ein sehr komplexer Charakter, der gerade deshalb umso echter wirkte, denn Menschen sind in der Realität nun mal komplex. Ich hatte selten das Vergnügen einer so authentisch und ungewöhnlichen Protagonistin, die ich noch dazu sofort sympathisch fand. Im Gegensatz zu ihrem Zwilling Harriet, die in ihrer Kindheit gestottert hat und eher schüchtern und zurückhaltend ist, ist Fliss eine starke, selbstbewusste junge Frau, die mit ihren Gefühlen hinter dem Berg hält – Gründe dafür sind wie schon angedeutet in ihrer Kindheit zu verorten – und stets für die Menschen einsteht, die sie liebt. Schon früher hat sie Kinder, die ihre Schwester wegen ihres Stotterns gemobbt haben, in ihre Schranken verwiesen und auch heute noch steht ihre Schwester für sie an erster Stelle. Spätestens durch Seth’ plötzliches Auftauchen in Manhattan wird jedoch klar, dass es da noch eine andere Seite in ihr gibt: Eine verletzliche voller Selbstzweifel und einem angeknacksten Selbstbild. Gerade wegen dieses Gegensatzes war sie ein unglaublich interessanter Charakter, der mir sofort imponiert hat und mit dem ich von der ersten Seite an mitgefühlt habe. Nicht zuletzt wegen Fliss‘ komplexen Wesens ist das Buch auch sehr emotional und tiefschichtig. Es gibt nicht wenige Momente, die mich wirklich bedrückt haben, weil Fliss‘ Bild von sich selbst so negativ ist. Wenn es dann Momente gab, in denen ihr von anderen – Harriet, ihrer süßen Großmutter oder Seth – gezeigt wurde, dass diese sie völlig anders sehen, war ich immer sehr berührt, sodass ich hin und wieder sogar Tränen in den Augen hatte.

Seth hat mit Fliss also keine leichte Aufgabe vor sich. Im Vergleich zu ihr ist er schon eher ein typischer männlicher Protagonist, der fast schon an der Vollkommenheit kratzt. Er wird von allen geliebt, ist charmant, gutaussehend, verständnisvoll, neckisch und vor allem geduldig. Kurzum: Er ist perfekt für Fliss, denn Geduld ist nötig, um mit Fliss‘ Verschlossenheit umgehen und sie aus der Reserve locken zu können. Das macht Seth wirklich gut. Ganz bedächtig setzt er seine Eroberungspläne um und baut damit Spannung auf, weil man als Leser gespannt darauf ist, ob und wie er Fliss‘ Schutzmauern einreißen wird. Man konnte bei der Liebesgeschichte richtig mitfiebern.

Liebesgeschichten, in denen die Protagonisten eine Vorgeschichte haben, liebe ich ganz besonders, da die Gefühle so meist noch intensiver und glaubwürdiger wirken. Und das war hier auch absolut der Fall. Man hat beiden die tiefen Gefühle füreinander abgekauft, hat den Schmerz mitfühlen können und war gespannt darauf, was in der Vergangenheit vorgefallen sein könnte, dass sich die beiden getrennt haben.

Mich hat das Buch mit einem rundum guten Gefühl und Vorfreude auf die anderen Bände der Reihe zurückgelassen. Einziger Kritikpunkt? Das Cover, das mich wohl alleine nicht zum Lesen bewogen hätte.

Fazit

Bei „Verliebt bis in die Fingerspitzen“ handelt es sich um eine tiefgründige Liebesgeschichte mit authentischen, vielschichtigen Charakteren und einer glaubwürdigen Entwicklung der Liebesbeziehung. Das Buch lädt einen zum Wohlfühlen ein und wartet mit einem schönen, zufriedenstellenden Happy-End auf. Ich kann es jedem Genreliebhaber nur ans Herz legen und vergebe 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 02.08.2018

Eine romantische, neugierig machende Einstimmung auf die Reihe - schön! <3

Wenn die Sterne Schleier tragen
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Worum geht es?

Cecilia führt ein ganz normales Leben: Sie spielt leidenschaftlich gerne Klavier und Tennis, malt in ihrer Freizeit und trifft sich mit ihren Freundinnen. Als ihr auf einmal eröffnet wird, ...

Worum geht es?

Cecilia führt ein ganz normales Leben: Sie spielt leidenschaftlich gerne Klavier und Tennis, malt in ihrer Freizeit und trifft sich mit ihren Freundinnen. Als ihr auf einmal eröffnet wird, dass sie den Kronprinzen von Europa heiraten und damit zur Königin von Europa werden soll, ist sie alles andere als begeistert. Wie kann ihr Vater ihr das antun? Sie kennt Prinz Noran doch gar nicht! Nicht wirklich jedenfalls, wenn man davon absieht, dass er ihr vor vielen Jahren mal Juckpulver untergejubelt hat. Dennoch bleibt ihr nichts anderes übrig, als sich den Wünschen ihres Vaters und des Königs zu fügen, der sie unerklärlicherweise unbedingt auf dem Thron sehen will. Mit ihrer Familie reist sie in den Königspalast, um ihren Zukünftigen näher kennenzulernen, und muss dort feststellen, dass sich Noran über die Jahre zu einem freundlichen, charmanten jungen Mann entwickelt hat, der obendrein auch noch sehr gut aussieht. Vielleicht ist das Vorhaben ihrer Väter doch nicht so schlimm wie gedacht? Wenn da nur nicht Norans jüngerer Bruder Elias wäre, der sie mit seinen spöttischen Bemerkungen und seiner ganz eigenen charmanten Art zunehmend verwirrt. Kann man sich in zwei Menschen gleichzeitig verlieben? Und wieso verhält sich ihr Vater mit einem Mal so merkwürdig? Steckt hinter den Heiratsplänen womöglich mehr, als es den Anschein hat?

Meine Meinung

Das Cover hat mich auf das Buch aufmerksam werden lassen, denn es hat mich auf Anhieb ein wenig an Selection erinnert. Dieses Cover hier gefällt mir aber nochmal um einiges besser: Die Schrift, die Verzierungen, das königliche gelbe Kleid auf dem gelblichen Hintergrund – einfach schön! Da war ich mir dann schon sicher, dass ich das Buch gerne in meinem Regal hätte.

Das Buch ist aber nicht nur äußerlich, sondern auch inhaltlich ein wahrer Genuss. Es hat mich von der ersten Seite an überzeugt und bis zum Ende begeistert.

Der Schreibstil ist leicht und angenehm zu lesen, weiß den Leser bei Laune zu halten, ihm Bilder in den Kopf zu zaubern und ihn von der königlichen Stimmung einfangen zu lassen. Durch die gelegentlich sarkastischen oder ironischen Kommentare von Lia oder Elias fließt auch eine Prise Humor ein, die mich gut zu unterhalten wusste.

Auch vom Inhalt her erinnert das Buch leicht an Selection, wobei ich mir jedoch lange nicht sicher war, in welches Genre ich die Geschichte einordnen sollte. Zum Lesen hatte mich vor allem der „Royal“-Aspekt bewogen. Mit der Zeit zeigte sich jedoch, dass es sich um eine Art Dystopie bzw. um eine Geschichte handelt, die in der Zukunft und nach einem Großen Krieg spielt, der zur Folge hatte, dass sich die Länder der Welt neu geordnet haben. Drei Großmächte sind übrig geblieben: Indasien, Europa und Amerika, von denen die letzten beiden nicht sonderlich gut aufeinander zu sprechen sind …

Dieser erste Band kann gut und gern als neugierig machende Einführung in die Reihe betrachtet werden, denn der Leser bekommt hier nur einen oberflächlichen Eindruck von der zugrundeliegenden Geschichte und den möglichen Intrigen, die sich im Hintergrund abspielen. Es ist alles sehr mysteriös und geheimnisvoll gehalten und sowohl Lia als auch der Leser tappen im Dunkeln, wodurch Spannung aufgebaut und Interesse und Neugier auf die Folgebände geweckt wird.

Besonders im Vordergrund steht vor allem das Kennenlernen der Charaktere und die Entwicklung der verschiedenen Liebesgeschichten, denn – Überraschung! – es gibt eine Dreiecksbeziehung. Das stößt vielen ja mittlerweile bitter auf, mir persönlich hat dieser Aspekt jedoch sehr gut gefallen, weil die Konstellation zwar klischeehaft, aber durchaus interessant war: Cecilia verliebt sich in zwei Brüder – der Kronprinz, der durch seine charmante, liebevolle Art ihr Herz gewinnt und ihr versprochen ist, und der kecke jüngere Bruder, mit dem sie ständig aneinandergerät, der ihre Liebe zum Klavierspiel teilt und der sie auch ohne Worte zu verstehen scheint. Tricky – aber ich war vom ersten Moment an mit Leib und Seele Team Elias, denn …

Bei Noran konnte ich bis zum Ende mein Misstrauen nicht ablegen. Eigentlich tut er nichts, weshalb man an ihm zweifeln sollte: Er verhält sich wie der perfekte Gentleman, trägt Lia auf Händen und sagt zauberhafte, romantische, süße Dinge zu ihr - kurzum: Er ist zu perfekt, um wahr zu sein! Vielleicht hatte ich gerade deshalb ständig Zweifel.

Oder es lag daran, dass ich dieses merkwürdige, argwöhnische Gefühl bei Elias überhaupt nicht hatte. Er wirkte in seiner spöttischen, charmanten Art echter, greifbarer und interessanter. Bei Noran wusste man die ganze Zeit, dass er sich sowieso immer richtig verhält, aber Elias überraschte häufiger durch sein undurchschaubares Verhalten. Gerade auch dieser Gegensatz in ihm – der unsichere, liebe vs. der provozierende, spöttische Kerl – machte den besonderen Reiz bei ihm aus und ihn sehr schnell zu meinem Lieblingscharakter.

Beide Liebesgeschichten entwickeln sich jedoch auf ihre ganz eigene Art authentisch, spannend und sehr unterschiedlich voneinander. Ich habe sowohl die Szenen mit Elias als auch mit Noran sehr genossen. Man kann als Leser mitfiebern, bekommt mit Cecilia Herzklopfen und Bauchkribbeln, gerät ins Schwärmen und rauft sich hier und da die Haare. Vor allem aber ist man ganz schön oft verwirrt, weil so viele offene Fragen bleiben: Was führt der König im Schilde? Welche Rolle hat dabei Lias Vater? Warum sind die beiden Brüder so schlecht aufeinander zu sprechen? Und und und … es bleibt viel Stoff für die Fortsetzung.

Ich bin gespannt, wie es mit Elias, Noran und Lia weitergeht, und freue mich schon darauf, mehr von ihnen zu lesen.

Fazit

„Wenn die Sterne Schleier tragen“ ist ein unterhaltsamer, romantischer Auftakt voller Gefühl, Spannung und Herzklopfen, der den Leser behutsam in die Reihe einführt, ihn mit den Charakteren vertraut macht, sie liebgewinnen lässt und Vorfreude auf die Fortsetzung weckt. Ich bin gespannt, wo das alles hinführt, und kann das Buch guten Gewissens weiterempfehlen! Von mir gibt es 4,5 Sterne.