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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2017

Gefühlsgeladener Prolog, danach sehr oberflächlich.

All for You – Sehnsucht
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Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, ...

Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, kommen beim Leser an und lassen diesen mitfiebern. Nach den fünf Jahren Kontaktlosigkeit ist die Beziehung jedoch völlig anders geartet, als sich die beiden wieder näherkommen: Es gibt unglaublich viele nervige Streitereien und mindestens genauso viel Versöhnungssex. Die Beziehung scheint auf einmal nur noch körperlicher Art zu sein und von den ach so tiefen Gefühlen, die die beiden füreinander hegen, merkt der Leser leider nur wenig. Dies zieht sich bis zum Ende hin und wurde in meinen Augen auch leider nicht mehr besser. Es wird viel auf Drama gemacht, aber statt den Leser in diesen Momenten mitzureißen und mitfühlen zu lassen, wirkten diese Momente auf mich pseudotiefgründig und melodramatisch. Der Eindruck einer tiefen Verbindung zwischen den Protagonisten konnte bei mir nicht mehr geweckt werden, obwohl das Buch in dieser Hinsicht mit dem Prolog so stark begann. <br /><br />Obwohl der Schreibstil durchgehend angenehm und flüssig zu lesen war und die Liebeszenen unglaublich gut und ansprechend geschildert waren (obwohl sie auf der Gefühlsebene zu wünschen übrig ließen), baute das Buch für mich immer weiter ab, sodass mir auch die Lust am Weiterlesen irgendwann abhandenkam. Dies ist auch den Protagonisten verschuldet. Maya war eine Protagonistin, mit der ich im Prolog richtig mitgelitten habe. Sie schien, ein schweres Geheimnis mit sich herumzutragen, das sie Cameron nicht anvertrauen konnte und aufgrund dessen sie seinen Heiratsantrag ablehnen musste. Leider war das Geheimnis in meinen Augen ziemlich mau. Es war nichts, was sie mit Cam nicht hätte besprechen können. Aufgrund dessen wirkte das Beziehungsdrama der beiden unnötig an den Haaren herbeigezogen und die ach so tiefe Verbindung von Maya und Cam bekam für mich einen Dämpfer, da hier offenbar eine Vertrauensbasis fehlte. Dazukam, dass Maya sich nach den fünf Jahren wirklich drastisch verändert hat, was natürlich nachvollziehbar war, mir aber zunehmend auf die Nerven ging. Sie war verständlicherweise abweisend und in Bezug auf Cam sehr vorsichtig, gleichzeitig aber auch verantwortungslos, was sich in ihrem enormen Alkoholkonsum äußerte. Ihr offensichtliches Unglücklichsein und ihr Kontrollverlust drückten auf die Stimmung, sprachen aber nicht mein Mitgefühl an. Sie ging mir zunehmend auf die Nerven, was sich bis zum Ende nicht mehr besserte. Ihre Entwicklung auf den letzten zwanzig Seiten war viel zu schnell und unrealistisch, sodass die eingeflochtenen Themen (beispielsweise die Alkoholabhängigkeit) nicht zufriedenstellend abgehandelt wurden. Daraus hätte man viel mehr machen können.<br /><br />Cam war daneben etwas sympathischer, aber auch nicht immer ein angenehmer Protagonist. Man merkt schon im Prolog, dass er klammernd und besitzergreifend ist, Mayas Wünsche auf etwas Bedenkzeit nicht akzeptieren kann, sondern auf eine sofortige Entscheidung pocht. Dadurch beginnt überhaupt erst das ganze Drama und er scheint auch nach fünf Jahren nicht sehr viel dazugelernt haben. Immer noch ist er besitzergreifend und will zu schnell zu viel, obwohl er sich zumindest Mühe gibt, etwas geduldiger zu sein. Die aktuelle Maya, die neue Maya, scheint er dabei aber irgendwie nicht zu sehen, er verrennt sich in der Vorstellung seiner früheren Beziehung mit ihr, liebt ihr altes Ich und akzeptiert nicht so richtig, dass sich Maya nach all der Zeit stark verändert hat, obwohl er ihr das vor allem auf den letzten Seiten versichert. Bei mir kam das leider nicht an. Hinzukommt, dass er Maya in absolut unangebrachten Momenten Vorwürfe macht, in denen sie eigentlich seine Unterstützung benötigen würde, wodurch meine Sympathie für ihn kleine Dämpfer bekommen hat. Cameron ist ein Protagonist, den man akzeptieren kann, der aber doch eher Durchschnitt ist. Ein Stereotyp – der besitzergreifende und schließlich durch die Frau weichgekochte Mann, den darüber hinaus aber keine besonderen Charaktereigenschaften auszeichnen. Er war irgendwie langweilig. <br /><br />Die Nebenfiguren waren dagegen deutlich sympathischer, obgleich auch nichts Neues in dem Genre. Bei Maya waren das der schwule beste Freund Eli und die beste Freundin Vanessa. Bei Cam der Aufreißer-Bruder und beste Freund Darren und die besorgte und deshalb Maya gegenüber abweisende Schwester Olivia, die beide in den nächsten Bänden ihr Glück finden sollen. Da diese doch schon interessantere Charaktereigenschaften aufwiesen, werde ich den nächsten Bänden vielleicht noch eine Chance geben.<br /><br /><strong>Fazit</strong><br /><br />Insgesamt hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich mir durch den Prolog sehr viel mehr erwartet habe. Im NA-Genre sticht dieses Buch leider nicht heraus – ich finde sogar, dass es etwas schlechter ist als der Durchschnitt, da mir irgendwann die Lust vergangen ist und ich mit den Protagonisten nicht mehr mitfühlen konnte. Von daher würde ich „All for you“ nur bedingt weiterempfehlen. Ich vergebe 2,5 Sterne und hoffe, dass die nächsten Bände mehr überzeugen können.

Veröffentlicht am 26.02.2018

2 Welten prallen aufeinander - ein vielversprechender, spannender Auftakt! Gebt mir Band 2 ♥

Save Me
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Worum geht es?<br /><br />Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun ...

<strong>Worum geht es?</strong><br /><br />Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun haben und vor allem James Beaufort, der unausgesprochene Anführer der Schule, verkörpert all das. Als sie Lydia Beaufort in einer eindeutigen Situation mit ihrem gemeinsamen Lehrer Mr. Sutton beobachtet, funktioniert ihr Unsichtbarkeitsumhang nicht mehr und James tritt auf den Plan, um sich ihr Schweigen zu erkaufen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass Ruby nicht käuflich ist…<br /><br /><strong>Meine Meinung</strong><br /><br />Mit Save Me hat Mona Kasten wieder einmal einen Reihenauftakt geschaffen, der von vorne bis hinten überzeugt und mich jetzt am Ende sogar fassungslos zurückgelassen hat. Das Ende war unglaublich fies und man möchte am liebsten sofort den nächsten Band hinterherschieben, weil man wissen möchte, wie es weitergeht. Weil man mit dem Ende einfach echt nicht leben kann…<br /><br />Mit Lesen der Leseprobe war ich zunächst mal überrascht, dass sich die Geschichte in einer Privatschule und nicht am College abspielt – dass wir es also mit minimal jüngeren Charakteren zu tun haben, als es in der Again-Reihe der Fall war. Trotz der deutlich anderen Kulisse – die meisten Szenen spielen sich in der Schule ab – herrscht doch die Mona-Kasten-übliche Atmosphäre: Wir haben eine toughe, schlagfertige Protagonistin, einen männlichen – manchmal charmanten, manchmal unmöglichen – Gegenpart, vielfältige Hintergrundgeschichten, genau die richtige Prise Drama und Nebencharaktere, die man ins Herz schließt und über deren Geschichte man ebenfalls mehr erfahren möchte. Das fand ich bisher auch immer so klasse an ihren Büchern: Dass sich nicht nur auf die Hauptcharaktere konzentriert wird, sondern auch Nebencharaktere gut genug ausgearbeitet werden, um für den Leser interessant zu sein. Und die Autorin hat das auch mit Save Me definitiv wieder geschafft.<br /><br />Ruby ist zunächst mal eine tolle Protagonistin, mit der ich mich gut identifizieren konnte. Zu keinem Zeitpunkt konnte ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen. Anfangs bin ich zunächst davon ausgegangen, dass wir es diesmal mit einer etwas ruhigeren, vielleicht sogar schüchternen Protagonistin zu tun haben, die nicht gerne im Mittelpunkt steht und gerne unsichtbar bleiben möchte. Stattdessen ist Ruby jedoch ein Mensch, der zwar tatsächlich gerne im Hintergrund bleibt, aber nicht auf den Mund gefallen ist, offen sagt, was er denkt, und dabei trotzdem zu keinem Zeitpunkt zickig wirkt, wenn sie James Kontra gibt. Sie ist ehrgeizig und weiß bereits ganz genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Sie will in Oxford studieren und das um jeden Preis.<br /><br />James‘ Zukunft ist ebenfalls schon von vorne bis hinten durchgeplant, nur nicht von ihm selbst: Er soll das milliardenschwere Unternehmen seiner Eltern übernehmen und scheint dabei keinerlei Mitspracherecht zu haben. Nach außen trägt er eine gleichgültige arrogante Haltung zur Schau, schießt sich am Wochenende mit seinen Freunden auf Partys ab und geht nebenbei in Lacrosse auf. Was hinter seiner Fassade steckt, weiß vielleicht höchstens seine Zwillingsschwester Lydia. Ruby ist ihm jahrelang nicht aufgefallen, bis es zu besagtem „Vorfall“ kommt, den Ruby unfreiwillig miterlebt und womit sie James‘ Aufmerksamkeit schlagartig auf sich zieht.<br /><br />Die Szenen mit den beiden haben mir unglaublich viel Spaß gemacht, weil sie so verschieden sind. Ruby ist völlig anders, als es in James‘ Welt üblich ist, und James wirkt auf Ruby die meiste Zeit wie ein eingebildeter Kotzbrocken – was er auch irgendwie ist. James wechselt dauernd vom Ekelpaket zum Charmeur (und wieder zurück) und auch als Leser weiß man nicht so richtig, ob man den Kerl jetzt lieben oder schütteln soll. Aber gerade deshalb haben mir die Schlagabtäusche der beiden so gefallen – es prallen wirklich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander.<br /><br />Wie schon erwähnt gibt es neben diesen beiden Charakteren eine Vielzahl an Nebencharakteren, die sowohl positiv als auch negativ auffallen. Trotz der Tatsache, dass man nur ein paar pikante Details über sie erfährt, bleiben sie nicht flach und sind durch ihre Geheimnisse oder Eigenarten für den Leser interessant. Sie bilden einen unterhaltsamen Rahmen um die Protagonisten und „beleben“ das Buch. Das hat den Spaßfaktor des Buches nochmal um einiges erhöht.<br /><br />Save Me hebt sich außerdem von einigen anderen Liebesromanen darin ab, dass es für einen Liebesroman auch überraschend viel Spannung gibt: Man fühlt sich dauerhaft unterhalten, weil immer wieder neue Geheimnisse ans Licht kommen, die man nicht erwartet und schließlich wieder neue Probleme aufwirbeln. Aufgrund dessen sticht Save Me für mich definitiv aus der Masse heraus.<br /><br /><strong>Fazit</strong><br /><br />Mir persönlich hat dieser Reihenauftakt besser gefallen als Begin Again (die anderen beiden Bände habe ich noch nicht gelesen) und ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!<br />Vielfältige, sympathische Charaktere und jede Menge Geheimnisse – einfach klasse! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und fast perfekte 4,5 Sterne für diesen vielversprechenden, spannenden Auftakt.

Veröffentlicht am 17.10.2018

Eine beunruhigende und doch faszinierende Zukunftsvision. Überraschend tiefgründig!

White Maze
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White Maze war eines der Bücher, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe, denn als Fan von Videospielen sind Bücher, die dieses spannende Thema aufgreifen, für mich ein absolutes Muss. Erwartet ...

White Maze war eines der Bücher, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe, denn als Fan von Videospielen sind Bücher, die dieses spannende Thema aufgreifen, für mich ein absolutes Muss. Erwartet habe ich zwar eine Gaming-Welt wie in Ready Player One, die ich leider nicht bekommen habe, aber White Maze überzeugt, wenn schon nicht durch eine packende Gaming-Welt, durch eine beunruhigende, gar nicht mal so unrealistische Zukunftsvision, die zum Nachdenken anregt.<br /><br />Ich gestehe: Zu Anfang war ich skeptisch, da ich den Eindruck hatte, dass sich das Buch an eine jüngere Zielgruppe – vielleicht 13 - 16 Jahre – richtet. Dieser Eindruck entstand durch den tagebuchartigen Schreibstil, der sich jedoch nur auf den Anfang beschränkt, und das sehr oberflächliche Handeln und Denken der Protagonistin, die außer dem Erobern ihres Schwarms keine anderen Sorgen hat. Dies ist jedoch gewollt, denn gerade dort setzt die Charakterentwicklung an. Zu Beginn lebt Vivian Tallert tatsächlich in ihrer kleinen Welt, in der die nächste Party und das neueste Videospiel das Wichtigste für sie sind. Ihre Mutter ist die weltbeste Programmiererin und Entwicklerin des neuen Spiels „White Maze“, das zusammen mit den neuen Lucent-Linsen auf den Markt kommen und die Realität auf noch bahnbrechendere Weise verändern soll, als es bisher der Fall war. Doch bevor Vivian dazu kommt, die Linsen noch vor allen anderen zu testen, muss sie mitansehen, wie ihre Mutter diese voller Panik in der Mikrowelle pulverisiert und aufgelöst aus dem Haus stürmt, um dieses schließlich nie wieder zu betreten. Durch den Tod ihrer Mutter wird Vivian wachgerüttelt, sie muss von einem Moment auf den anderen erwachsen werden, ihre Trauer und ihre Angst zurückstellen, um den mysteriösen Umständen des Todes ihrer Mutter auf den Grund zu gehen. Schnell wird ihr klar, dass es sich um einen Mord handeln muss, denn ihre Mutter hat ihr ein Rätsel hinterlassen, das nur sie lösen kann. Sie soll „White Maze“ abschalten, denn jemand hat das Spiel manipuliert. Dafür muss sie aber die virtuelle Welt betreten, in der sie dem Mörder ihrer Mutter schutzlos ausgeliefert ist.<br /><br />Mich hat diese Idee von Anfang bis Ende fasziniert, denn sie erscheint tatsächlich denkbar und in der Zukunft möglich. Eine virtuelle Welt, in der wir alles sein, alles tun können, ohne Sorgen und Probleme, glücklich und zufrieden. Eine Welt, die unsere Sinne manipuliert und uns täuscht. In der wir nicht mehr unterscheiden können, was real ist und was falsch. „White Maze“ führt uns die Gefahren einer solchen Zukunft vor Augen, denn was ist, wenn diese Welt so manipuliert wird, dass es keine Schmerzgrenze gibt? Dass es möglich ist, in dieser Welt zu sterben, weil uns unsere Sinne etwas vorgaukeln, was in Wahrheit gar nicht da ist? Wenn diese „Waffe“ in die falschen Hände gerät?<br /><br />June Perrys Roman geht sogar noch weiter, verliert sich in philosophischen Fragen, die zum Nachdenken anregen. Denn was ist, wenn wir unseren Sinnen nicht mehr trauen können? Bestimmt unsere Umwelt, bestimmen unsere Sinne was wir sind und was uns ausmacht? Würden wir selbst in einer Welt leben, die perfekt ist und uns glücklich macht, in dem vollen Bewusstsein, dass es nicht real ist? Ich bin wirklich positiv von dem Buch überrascht, denn es geht viel tiefer als erwartet. Handlung und Gedankenanstöße erscheinen bedeutsam und zwingen den Leser, sich während des Lesens näher mit der Thematik auseinanderzusetzen.<br /><br />Ich war zu Beginn ein wenig enttäuscht darüber, dass die „Gaming-Welt“ eher eine perfekte, bessere Realität (beziehungsweise eine „erweiterte Realität“) abzeichnet, als wirklich eine Gaming-Atmosphäre zu vermitteln (obgleich es auch Quests und dergleichen gibt, die aber kaum der Rede wert sind), dies wird jedoch absolut dadurch wettgemacht, wie eindrucksvoll und bildlich die Autorin diese virtuelle Welt beschreibt. Farben, Formen, Geräusche, Gerüche und Gefühle werden wie nebenbei erwähnt, ziehen den Leser in das Buch und lassen ihn die Handlung hautnah miterleben.<br /><br />Den einzigen Kritikpunkt sehe ich darin, dass diese spannende Idee vielleicht zu kurz umgesetzt wurde. Rückblickend betrachtet gibt es zwar gar nicht mal so viel Handlung (und trotzdem genug Spannung, um zu fesseln!), aber am Ende geht alles wahnsinnig schnell, was ich ein bisschen unzufriedenstellend finde. Insgesamt hatte ich den Eindruck, hätte man der Idee mehr Raum gegeben, dann wären einem die Figuren mehr ans Herz gewachsen, man hätte bei der Liebesgeschichte mehr mitgefiebert, weil sie glaubhafter gewesen wäre, wenn sie mehr Zeit gebraucht hätte, sich zu entfalten, und gewisse Charaktertode wären einem stärker an die Nieren gegangen. Meiner Meinung nach schwächelt das Buch in diesem Punkt ein bisschen.<br /><br />Trotz meiner leichten Unzufriedenheit das schnelle Ende betreffend, hat es der „Cliffhanger“, wenn man das so nennen kann, jedoch fast wieder rausgerissen. Ob dieser einen zweiten Teil andeutet oder doch wieder nur Stoff zum Nachdenken liefern soll?<br /><br /><strong>Fazit</strong><br /><br />June Perry entführt uns in keine packende, spannende Gaming-Welt, sondern in eine gar nicht mal so unrealistische, erweiterte Realität, in der man sich nicht mehr sicher sein kann, was real ist und was nicht. „White Maze“ regt zum Nachdenken an, fasziniert und beunruhigt. Ich war von der Tiefgründigkeit des Buches positiv überrascht, fühlte mich sehr gut unterhalten und kann deshalb eine klare Leseempfehlung aussprechen. Ich vergebe 4 Sterne.

Veröffentlicht am 13.10.2018

Die Liebesgeschichte gerät hinter den schweren Schicksalen leider in den Hintergrund.

Mitten im Sturm
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Es passiert selten, dass mich ein Buch schon mit dem ersten Satz abholt.<br />„Ich habe einen Menschen getötet“ heißt es am Anfang von Jessica Winters neuem Liebesroman. Die Neugier auf den weiteren Verlauf ...

Es passiert selten, dass mich ein Buch schon mit dem ersten Satz abholt.<br />„Ich habe einen Menschen getötet“ heißt es am Anfang von Jessica Winters neuem Liebesroman. Die Neugier auf den weiteren Verlauf der Geschichte ist sofort geweckt, ebenso werden Fragen zu der Vergangenheit der Protagonistin aufgeworfen.<br /><br />In diesem Fall ist das Grace, die mir schon gleich zu Anfang sofort sympathisch war, als sie Eric ungefragt seinen Kaffee abnimmt und sich damit als verpeilte, positiv verrückte Persönlichkeit outet. Wenn wir es nicht schon durch den ersten Satz des Buches ahnen würden, so wird spätestens durch die hingesprühte Nachricht auf Grace‘ Tür deutlich, dass sich irgendetwas in ihrer Vergangenheit zugetragen hat, was sie jetzt einholt – die Leichen in ihrem Keller klopfen buchstäblich an ihre Tür. Statt um Hilfe zu bitten, versucht sie die Angelegenheit mit sich selbst auszumachen und ein Lügengerüst um sich herum aufzubauen, um die Wahrheit mit niemandem teilen zu müssen. Ein Umstand, der Eric sofort bitter aufstößt und ihn trotz aller widerwilligen Faszination misstrauisch macht, denn Ehrlichkeit ist für Eric das A und O. Aufgrund dessen lernt man auch Eric sofort als absoluten Sympathieträger kennen, denn er ist jemand, dessen Unterstützung und Loyalität man sich sicher sein kann, sollte man ihn zum Freund haben. Er tut alles für seine Familie und ist aus Sorge um seinen Freund Matt, der Grace offensichtlich verfallen ist, Grace gegenüber besonders vorsichtig. Es dauert aber nicht lange, bis er diese Vorsicht in den Wind schießt und es auf einmal Grace ist, die er um jeden Preis beschützen will.<br /><br />Man entwickelt recht schnell eine Ahnung, was sich in etwa in Grace‘ Vergangenheit zugetragen haben könnte. Aufgrund dessen habe ich eine emotionale Liebesgeschichte erwartet, die nicht wenige Hürden zu überwinden hat, aber angesichts des Humors, der bereits in der Leseprobe anklingt, auch Momente zum Luftholen und Lachen bieten wird. Tatsächlich ist dies auch der Fall, jedoch hatte ich mit der Zeit zunehmend das Gefühl, keine Liebesgeschichte, sondern eine Geschichte darüber zu lesen, wie sich die Protagonistin den Dämonen ihrer Vergangenheit stellt und daran wächst. Die Autorin greift hier ein sensibles Thema auf und behandelt dieses authentisch und feinfühlig, ohne unnötig dramatisch zu werden und eine unrealistische Charakterentwicklung zu zeichnen. Grace‘ Geschichte ist bedrückend und vermag es, den Leser ins Herz zu treffen und zu berühren.<br /><br />Jedoch muss die Liebesgeschichte hinter dieser starken Hintergrundgeschichte zurückstecken, sodass man sie schon fast als nebensächlich bezeichnen kann. Es wird viel Wert auf den Aufbau der Liebesgeschichte gelegt, der sich durch das gesamte Buch zieht und den Leser dazu zwingt, viel Geduld aufzubringen. Normalerweise mag ich das sehr, weil gerade das Knistern und das Entwickeln der Gefühle das Spannende in einem Liebesroman ist, aber hier kam das Knistern und das Aufbauen der Gefühle viel zu kurz – ja, eigentlich war es fast gar nicht existent. Es hätte auch genauso gut eine Geschichte über Freundschaft sein können, denn Liebesgefühle kommen eigentlich erst gegen Ende richtig durch – und das geschah mir fast zu unspektakulär, wenn ich ehrlich bin. Natürlich spielt in diese Tatsache mit hinein, dass Grace keine leichte Vergangenheit hat und man aufgrund dessen nicht erwarten kann, dass es sofort eine Annäherung zwischen den beiden gibt, aber für mich persönlich bewegten sich die beiden dennoch zu sehr auf der platonischen Ebene, sodass mir die Schwärmereien und das Entgegenfiebern auf mehr zwischen den beiden etwas abkam. Dies kam auch dadurch zustande, dass zu viele Probleme von Nebenfiguren in den Fokus gerückt und zu ausführlich behandelt wurden.<br /><br />Alles in allem ist die Liebesgeschichte also mehr ein netter Beigeschmack, während die Charaktere mit ernsten Problemen zu kämpfen haben. Wenn man so will, also eine Geschichte, die direkt aus dem Leben gegriffen sein könnte – nur mit einer Aneinanderreihung von schweren Schicksalen, wie man sie in dieser Vielfalt wohl seltener in der Realität antreffen würde.<br /><br /><strong>Fazit</strong><br /><br />Für mich persönlich, die eine emotionale, aber auch humorvolle Liebesgeschichte lesen wollte, erfüllt das Buch nur zu Anfang meine Ansprüche, um sich dann immer mehr in den tragischen Hintergrundgeschichten der Personen zu verlieren. Das Buch ist angenehm und emotional geschrieben, aber wegen meiner falschen Erwartungshaltung bin ich leider enttäuscht, weil es zu viele Momente gab, die ich lieber überflogen hätte, da sie mich nicht so sehr interessiert haben. Aufgrund dessen vergebe ich 3,5 Sterne und eine bedingte Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 10.10.2018

Erst zu kriegslastig, dann kommt volles Fantasy-Feeling auf - eine klasse Fortsetzung!

Die Chroniken von Azuhr - Die Weiße Königin
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Puh. Das waren wahnsinnig anspruchsvolle 622 Seiten. Nicht nur, dass Hennen hier einer gewaltigen, intelligent zusammengesponnenen Idee Leben eingehaucht hat, die man bis zuletzt nicht komplett zu durchblicken ...

Puh. Das waren wahnsinnig anspruchsvolle 622 Seiten. Nicht nur, dass Hennen hier einer gewaltigen, intelligent zusammengesponnenen Idee Leben eingehaucht hat, die man bis zuletzt nicht komplett zu durchblicken scheint, auch der zeitliche Abstand zu Band 1 war für mich eine große Herausforderung, denn ich hatte viele wichtige Details vergessen, die mir für das volle Verständnis der Handlung gefehlt haben. Aufgrund dessen rate ich definitiv, die Bände wenn möglich direkt hintereinander zu lesen, damit keine Wissenslücken aufkommen, wie es bei mir der Fall war. Diese werden nämlich nicht alle durch den zweiten Band geschlossen.<br /><br />Auch aufgrund dessen waren die ersten 300 Seiten für mich mehr Anstrengung als Freude. Man wird erbarmungslos in die Welt gestoßen, zunächst mit unbekannten Figuren konfrontiert, die man nicht einzuordnen weiß, und mit den zahlreichen Namen der verschiedenen Völker überhäuft, dass ich mich erstmal ganz schön überfordert gefühlt habe, weil alles aus Band 1 nicht mehr so präsent war. Dazu kam, dass die ersten 300 Seiten vor allem Einblicke in das Kriegsgeschehen geben und das Schmieden und Umsetzen von Schlachtplänen und Intrigen im Vordergrund stehen.<br /><br />Ich muss gestehen, es fiel mir diese 300 Seiten lang wirklich schwer, am Ball zu bleiben, weil mich diese Schlachteinblicke nicht in dem Ausmaß interessiert haben. Es ist definitiv wahnsinnig gut und anschaulich geschrieben, sodass man sich Personen, Handlungen und Umgebungen gut vorstellen kann, aber Hennen verliert sich – für meinen persönlichen Geschmack – manchmal etwas zu sehr in Details, zum Beispiel in die ausführliche Beschreibung von Rüstungen. Wenn man dann nicht so sehr mit dem dazugehörigen Vokabular vertraut ist, kann das beim Lesen eher anstrengend werden. Gleichzeitig wird aber gerade dadurch die Kriegsatmosphäre aufgebaut.<br /><br />Es ist anspruchsvoll und man muss konzentriert lesen, um alles zu verstehen, aber für mich hat sich das nach den 300 Seiten wirklich gelohnt. Denn hat man erstmal die erste Hälfte des Buches gelesen, tritt das Kriegerische schließlich immer mehr hinter den Mären zurück, die mich schon in Band 1 so gefesselt haben. Die Märenfiguren, die auftauchen, kommen einem stellenweise bekannt vor, sind aber doch ganz eigen und machen die Geschichte zu etwas Besonderem. Durch das Auftauchen der verschiedenen Wesen wird die Spannung immer wieder in die Höhe geschraubt. Das Lesen hat in der zweiten Hälfte unglaublich viel Spaß gemacht und ich bin ein weiteres Mal beeindruckt davon, wie viel Überlegung und Kreativität hinter der Geschichte steckt. So viele vermeintlich unabhängige Handlungsstränge laufen zu einem großen Ganzen zusammen, das sich uns wohl erst in dem finalen Band erschließen wird.<br /><br />Dieser zweite Band hat mich vor allem mit Verwirrung zurückgelassen, denn es haben sich Wendungen ergeben, die eigentlich mehr Fragen aufgeworfen als Antworten gegeben haben. Das Besondere der Reihe liegt auch darin, dass man eigentlich zu keinem Zeitpunkt weiß, auf wessen Seite man stehen sollte. Wer ist hier gut, wer ist böse? Jeder hat seine Licht- und Schattenseiten. Die Figuren wirken wie echte Menschen. Es gibt nicht die eine gute Seite, die all die intelligenten Pläne knüpft, um die andere Seite in eine Falle zu locken, sondern jede Seite hat seine sympathischen Figuren mit genialen Einfällen, die sich gegenseitig immer wieder herausfordern. Zu keinem Zeitpunkt ist klar, welche Seite siegen wird, niemand ist dem anderen gnadenlos überlegen. Dadurch weiß die Reihe einen stetig zu überraschen, zu fesseln und, ja, auch zu verwirren.<br /><br /><strong>Fazit</strong><br /><br />Alles in allem hat mir dieser zweite Band wieder gut gefallen. Es ist keine leichte Kost, man muss konzentriert lesen und stetig mitdenken, um alles zu verstehen. Die erste Hälfte des Buches kann für Leser, die sich nicht so sehr für Kriegsführung und dergleichen interessieren, nicht ganz so spannend, ja vielleicht sogar anstrengend sein (ich persönlich habe das so empfunden). Aber in der zweiten Hälfte treffen wir immer mehr auf interessante Märengestalten (Basilisken, Einhörner, der Krähenmann, etc.) und das Fantasy-Feeling kommt endlich durch und reißt einen mit. Ab da war ich durchgehend begeistert und kann deshalb vier Sterne vergeben und eine klare Leseempfehlung aussprechen.