Profilbild von Stinsome

Stinsome

aktives Lesejury-Mitglied
offline

Stinsome ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stinsome über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.09.2017

Authentizität - check!

Immer diese Herzscheiße
0 0

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht der 15-Jährigen Sarah, deren Zukunftspläne sich auf Hartz IV und Schwarzarbeit beschränken. Schwänzen, Trinken und Klauen gehören für sie zum Alltag und von Erwachsenen ...

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht der 15-Jährigen Sarah, deren Zukunftspläne sich auf Hartz IV und Schwarzarbeit beschränken. Schwänzen, Trinken und Klauen gehören für sie zum Alltag und von Erwachsenen lässt sie sich sowieso nichts sagen. Als sie beim Dealen erwischt wird, stellt ihr Lehrer sie vor die Wahl: Entweder sie wirkt bei einem Theaterprojekt mit oder sie bekommt einen Schulverweis. Was sie am Anfang zum Kotzen findet, macht ihr mit der Zeit doch Spaß – nicht nur deshalb, weil der schüchterne Paul, der so ganz anders ist als der Typ Junge, auf den Sarah sonst so steht, ebenfalls Teil der Theatergruppe ist…

Dieses Buch hat mich des Öfteren stark an Fack ju Göhte erinnert. Ein Teenager ohne Zukunftsperspektiven und wenig Vertrauen in seine Fähigkeiten gelangt mit einem veränderten Umfeld auf die richtige Bahn. Dies wird von der Autorin sehr realistisch geschildert, denn diese Entwicklung vollzieht sich nicht von jetzt auf gleich, sondern es gibt auch immer wieder Rückfälle, die zeigen, dass es nicht so leicht ist, alte Verhaltensmuster abzulegen und sich selbst auch eine Chance zu geben. Sarah ist zwar ein selbstbewusster und schlagfertiger Teenager, aber sie ist auch von Unsicherheiten und fehlendem Vertrauen in sich selbst gekennzeichnet, was es ihr schwer macht, Vertrauen in andere zu fassen, die ihr weismachen wollen, dass sie auch mehr aus ihrem Leben machen kann. Dieses Buch macht deutlich, dass es auch anders laufen kann, wenn das passende Umfeld nicht gegeben ist. Ohne Personen wie Sarahs Bruder Najim, Katharina, Paul und auch ihren Lehrer Herr Straubmann hätte Sarahs Geschichte auch ganz anders verlaufen können.

Authentizität wird vor allem durch den Schreibstil gewährleistet, denn das Buch ist in starker Umgangssprache verfasst. Da werden dann mal Verben oder Artikel weggelassen („Ich also rüber zum Straubmann“) oder Wörter falsch geschrieben („Lürik“, „Stüropor“). Ich war immer wieder überrascht, wie gut sich die Autorin in ein 15-jähriges Mädchen (mit problematischem Umfeld) hineindenken kann, denn auch Sarahs Gefühlswelt ist sehr nachvollziehbar und glaubwürdig dargelegt. Vor allem am Anfang des Buches hatte ich Probleme damit, Sarah sympathisch zu finden, denn sie ist wirklich ein sehr rebellischer und aufmüpfiger Charakter, der es weder ihren Großeltern noch Kathi oder Paul leicht macht. Mit der Zeit wurde sie jedoch eine angenehme Protagonistin, deren Verhalten ich mit jeder Seite mehr verstehen konnte. Andere Charaktere wie Paul oder Selim und Daniel waren mir auf Anhieb sympathisch, mit anderen wie Dixi oder Pit konnte ich dagegen bis zum Ende nicht warm werden.

Eine Besonderheit lag darin, dass bestimmte Worte oder Sätze fettgedruckt, klein- oder großgeschrieben waren - sei es, um zu verdeutlichen, dass jemand etwas laut oder leise sagte oder um wichtige Sätze hervorzuheben. Das hatte ich noch in keinem anderen Buch so erlebt und hat die Geschichte interessant bereichert. Ein anderes Highlight waren die vielen schönen Sprüche, die beispielsweise Paul vom Stapel lässt, die sich aber auch immer wieder in Sarahs Denken finden.

„Ob das Herz mehr weiß als der Kopf?“ (S. 91)

„Ich konnte fühlen, dass es in den Momenten, die wirklich wehtun, nicht darauf ankommt, ob es tatsächlich gut ist. Es reicht, wenn ein Mensch da ist, der dich liebt und dich festhält und dir sagt, dass alles gut wird.“ (S. 232)

„Das echte Leben ist eine einzige große Herzscheiße mit ein paar Eimern voller Glück.“ (S. 176)

„Für die Welt bist du irgendjemand, aber für irgendjemand bist du die Welt.“ (S. 264)

Das Buch war ein unterhaltsamer Spaß für zwischendurch, aber ich hatte dennoch das Gefühl, dass mir hier und da etwas fehlte. Das sind beispielsweise Rückblicke in die Vergangenheit oder ein ausführlicherer Abschluss, denn am Ende ging doch alles sehr schnell und vieles wurde für mich unzufrieden stellend abgehakt. Es ist in meinen Augen noch ein wenig Luft nach oben.

Fazit

Ein realitätsnaher Jugendroman in einem besonderen, authentischen Schreibstil verfasst, der einen in die Gefühlswelt eines 15-jährigen Mädchens abholt. Mir hat es Spaß gemacht und ich fühlte mich gut unterhalten – von mir gibt es 3,5 Sterne.

Veröffentlicht am 10.09.2017

Weniger eine Liebesgeschichte als ein Einblick in das Leben verschiedener Personen

Morgen ist es Liebe
0 0

Mich an „Morgen ist es Liebe“ heranzuwagen, war eine ganz spontane Entscheidung. Nachdem ich wochenlang schon um diesen Roman herumgegeistert bin und mich das Cover einfach so gar nicht angesprochen hatte, ...

Mich an „Morgen ist es Liebe“ heranzuwagen, war eine ganz spontane Entscheidung. Nachdem ich wochenlang schon um diesen Roman herumgegeistert bin und mich das Cover einfach so gar nicht angesprochen hatte, überwand ich mich schließlich doch dazu, mir wenigstens mal den Klappentext durchzulesen. Und siehe da – mein Interesse war sofort geweckt!

„Morgen ist es Liebe“ bietet eine sehr spannende Ausgangssituation. In einer eisigen Winternacht hat mal wieder das Schicksal seine Finger im Spiel, denn obwohl die junge Ärztin Alexandra trotz einer vorangehenden Feier keinen Tropfen Alkohol getrunken hat und sehr vorsichtig fährt, verunglückt sie mit dem Auto und wird bewusstlos. Weit und breit findet sich kein einziger Zeuge des Unfalls außer Martin, der in den Weinberg kam, um seinem Leben mit Schlaftabletten und der eisigen Kälte ein Ende zu setzen. Er muss nicht lange überlegen, bevor er der jungen Frau hilft und sie aus dem Auto zieht, das schon wenige Momente später in Flammen aufgeht. Als er sie mit seinem Mantel zudeckt und Hilfe holen möchte, hört er bereits erste Sirenen und beschließt kurzerhand, das Weite zu suchen. Alexandras Erinnerungen an die Unfallnacht sind durch die Gehirnerschütterung stark verblasst und so bringt ihr vor allem der für den „Fall“ zuständige Polizist viel Misstrauen entgegen. Der befreundete Reporter sieht in dem Geschehen seine neueste Titelstory und möchte den Retter mithilfe einer Belohnung hervorlocken. Und vor dem Haus von Martha, Alexandras Mutter, taucht auf einmal ein Bettler auf, der sich bei dem starken Schneefall als große Hilfe erweist. Dieser hatte eigentlich ganz andere Gründe dort aufzutauchen, denn er braucht dringend seinen Mantel zurück, in dem sich sein Abschiedsbrief befindet…

Den Schreibstil des Buches fand ich zu Anfang sehr gewöhnungsbedürftig, was zum einen daran lag, dass sich die Figuren oft derart förmlich und gehoben ausdrückten, als stammten sie aus einem anderen Jahrhundert. Da wird dann die richtige Verwendung einer Serviette gelobt oder eine 33-Jährige Frau schämt sich wegen eines leidenschaftlichen Kusses (von dem der Leser nicht einmal Einzelheiten geschildert bekommt), weil sie sich „so gehen lässt“. Das empfand ich zwar nicht als übermäßig störend, fiel mir aber doch immer wieder auf. Die Gespräche wirkten zum Teil doch schon ziemlich gestelzt oder sehr förmlich.
Zum anderen lag es an der merkwürdigen Erzählperspektive, denn es wird immer wieder auf derselben Seite zwischen den Sichten der verschiedenen Personen gewechselt. Fand ich dies anfangs sehr abstrus, so gefiel mir das mit der Zeit immer mehr, da man so einen umfassenden Einblick in die Gedanken jeder handelnden Person bekam. Man musste sich nicht fragen, was denn die andere Person in dem Gespräch gerade dachte, denn es wurde schon Sekunden später geschildert. Das kommt in Büchern oft zu kurz und hat mich hier sehr positiv überrascht, denn es wirkte anfangs zwar ungewohnt, aber keinesfalls ungeschickt oder unpassend. Man gewöhnt sich daran und es ist meiner Meinung nach schließlich unglaublich bereichernd.

Des Weiteren hat mich überrascht, dass die Liebesgeschichte zwischen Martin und Alexandra gar nicht so sehr im Vordergrund stand, wie es der Klappentext andeutet. Man liest nämlich auch aus der Sicht anderer Personen, die mit dem Geschehen zwar irgendwie zu tun haben, aber doch eher im Hintergrund agieren. Auch in deren Leben bekommt man einen umfassenden Einblick. Es werden interessante Nebengeschichten eingeflochten, die schließlich irgendwie zusammenlaufen und das Geschehen zusätzlich spannend machen. Martha, Alexandras Mutter, erhielt sogar weit mehr Raum als Alexandra, denn auch diese Dame darf sich nach dem unerwarteten Tod ihres Mannes noch einmal verlieben. Diese Liebesgeschichte gefiel mir sogar deutlich besser als die zwischen Alex und Martin, denn sie wurde viel authentischer und schöner aufgebaut. Während es bei Martha und ihrem Auserwählten in kleinen, nachvollziehbaren Schritten voranging, so entwickelte es sich bei Martin und Alexandra schnell und unrealistisch. Es sind Gefühle aus dem Nichts entstanden. Ich kann mich im Nachhinein an einen einzigen vertrauten Moment zwischen den beiden erinnern, ansonsten war ihr Umgang miteinander von Alexandras Misstrauen und Martins schroffer Zurückhaltung geprägt. Nicht gerade eine Liebesgeschichte, die man voller Freude und mit Herzklopfen mitverfolgt. Da war das Annähern der älteren Generation viel schöner und liebevoller gestaltet!

Die Figuren und ihre Konstellation haben mir im Großen und Ganzen sehr gut gefallen. Es gab sowohl Charaktere, die man weniger mochte, als auch welche, die man richtig ins Herz schließen konnte. Da ganz vorne mit dabei war Martha, die mir mit ihrer teilweise naiven, aber auch freundlichen und aufgeschlossenen Art sofort sympathisch war. Alexandra geriet daneben stark in den Hintergrund, denn trotz ihres anfangs sehr positiven Eindrucks baute sie mit der Zeit ab, da sie, meinem Anschein nach, auch immer weniger auftauchte. Martha war viel mehr Protagonistin als sie. Martin ist ein komischer, aber sympathischer Kauz, dessen Gutherzigkeit und Hilfsbereitschaft authentisch wirkte. Hin und wieder störte seine Unbeholfenheit, endlich mal mit der Sprache herauszurücken, die oft nervige, aber gewollte Missverständnisse provozierte. Dadurch wirkte das Geschehen stellenweise schon etwas konstruiert. Umrandet werden diese Figuren von einigen Nebenfiguren, denen man Mitgefühl, Unverständnis, Antipathie und eine ganze Palette anderer Emotionen entgegenbringt, sodass man sich insgesamt gut unterhalten fühlt.

Fazit

Erwartet habe ich eine ungewöhnliche Liebesgeschichte mit tragischen Elementen, bekommen habe ich etwas völlig anderes, das dennoch auf seine Art zu überzeugen weiß. Eine unterhaltsame Lektüre für zwischendurch, die vor allem in den Wintermonaten Freude bereiten kann und definitiv mal etwas anderes ist. Ich vergebe 3 Sterne.

Veröffentlicht am 06.09.2017

Spannung, Witz, interessante Charaktere - was will man mehr?

Spectrum
0 0

Spectrum war für mich eine Überraschung, denn obwohl ich nicht in der Stimmung war, einen Thriller zu lesen, so hat es nicht lange gedauert, bis mich dieses Buch abgeholt und begeistert hat.

In „Spectrum“ ...

Spectrum war für mich eine Überraschung, denn obwohl ich nicht in der Stimmung war, einen Thriller zu lesen, so hat es nicht lange gedauert, bis mich dieses Buch abgeholt und begeistert hat.

In „Spectrum“ wird man ähnlich wie in „The Mentalist“ mit einem ungewöhnlichen Charakter konfrontiert, der entscheidend zu der Lösung des Falls beiträgt. Denn Dr. August Burke hat das Asperger-Syndrom, tut sich dementsprechend schwer im Kontakt mit anderen Menschen, ist aber hochintelligent und mit einer hervorragenden Kombinationsgabe ausgestattet. Aufgrund dessen wird er von Special Agent Samuel Carter, der durch eine Beförderung erst kürzlich hinter den Schreibtisch verbannt wurde, sich aber dennoch lieber in den Außendienst stürzt, bei einer Geiselnahme als Berater des FBIs hinzugezogen. Schnell wird klar, dass seine Hilfe hier auch dringend notwendig ist, denn die Geiselnehmer verhalten sich ungewöhnlich und schinden Zeit und Burke scheint der einzige zu sein, dem wichtige Details auffallen. Bestärkt wird das Team unter anderem durch Dominic „Nic“ Juliano, der sich aus den Zwielichtigkeiten seiner Familie zurückgezogen hat und nun dem SWAT-Team angehört. Es entwickelt sich ein ungleiches Dreiergespann, das der Lösung des Falls durch Burkes geniale Eingebungen immer wieder ein Stück näherkommt. Parallel dazu können weitere Handlungsstränge verfolgt werden, wie der der Geiselnehmer und der von Constable Isabel Price, einer südafrikanischen Polizistin, die einen persönlichen Rachefeldzug gegen einen der Geiselnehmer plant.

Da die Handlung aus der Sicht vieler verschiedener Personen erzählt wird, kann es schnell passieren, dass man sich – vor allem zu Anfang – überfordert fühlt und Namen durcheinanderbringt. Mit der Zeit konnte ich sie jedoch auseinanderhalten und es gefiel mir zunehmend gut, dass die Perspektive immer wieder gewechselt wurde. Dazu tragen auch die wirklich sehr kurzen Kapitel bei, die ein schnelles Lesen garantieren und eine gewisse Dynamik reinbringen. Auf diese Weise muss man sich auch nicht ewig mit einem Handlungsstrang abmühen, den man vielleicht eher uninteressant findet.

Der Schreibstil ist flüssig zu lesen und stellenweise mit gutem Humor gespickt, der mich immer wieder breit grinsen oder sogar laut auflachen ließ. Vor allem die Schlagabtäusche innerhalb des engeren Kreises (Nic, Carter, Burke, Taz, …) waren sehr amüsant, aber auch Burkes etwas ungewöhnliche Art, weil er beispielsweise Ironie oder Hyperbeln nicht verstand, war unglaublich charmant. Im Gegensatz dazu finden sich hin und wieder Passagen, die auch mal etwas mehr Konzentration erfordern, so zum Beispiel, wenn Burke etwas wissenschaftlich erklärt oder einen seiner brillanten Einfälle sehr detailliert äußert. Da kommen manchmal auch die jeweiligen Gesprächspartner nicht mit. Dies war aber nicht störend, sondern unterstrich noch einmal die Einmaligkeit von Burkes Charakter.

Gerade Burke ist auch die Figur, die in diesem Buch am meisten Aufmerksamkeit erhält, denn nicht nur seine geistigen Ergüsse werden immer wieder thematisiert, sondern auch seine Ängste und Zweifel, die durch das Asperger-Syndrom für ihn einhergehen. Da es ihm schwerfällt, Gefühle und Verhalten anderer Personen, mit denen er interagiert, vorherzusagen und zu deuten, verhält er sich nicht selten für die Situation unangemessen und mitunter auch verletzend und vermeintlich arrogant. Mehr als einmal äußert er aber, dass er anderen nur helfen und niemandem auf den Schlips treten möchte. Der Autor hat Burke wirklich sympathisch und authentisch entworfen. Auch Menschen, die von dem Asperger-Syndrom noch nie etwas gehört haben, bekommen hier einen guten Eindruck davon, was darunter zu verstehen ist und welche negativen wie auch positiven Aspekte damit einhergehen. Burke war der aufregendste und interessanteste Charakter, bei dem man nie abschätzen konnte, wie er sich verhalten würde, und der immer wieder für Überraschungen gut war. Die erste Überraschung ergab sich auch schon gleich bei seinem ersten Auftritt, denn entgegen meiner Erwartung, die sich vor allem durch seinen etwas unmodernen Namen gebildet hat, handelt es sich bei Burke um einen jungen Mann um die 20, der schon auf der Highschool drei Collegeabschlüsse und einen Doktortitel online - und unter falschem Namen - erworben hat.

Seine Beziehung zu Nic und Carter war eine ganz besondere Komponente des Buches. War anfangs noch eine gewisse Abneigung gegenüber Burke auf Seiten Nicks zu spüren, so entwickelte sich mit der Zeit eine Freundschaft, die mich dann und wann zum Schmunzeln brachte. Carter fügt sich in das Dreiergespann ebenfalls wunderbar ein, indem er sowohl für Burke als auch für Nic eine Art Vaterrolle einnimmt. Die drei bei ihrer Arbeit mitzuverfolgen, war eigentlich das Interessanteste an dem Buch und hebt es auch gegenüber anderen Büchern aus dem Genre hervor.

In die Handlung sind sowohl spannungsreiche als auch ruhigere Passagen eingeflochten, in denen man mehr über die Personen erfährt oder Nic, Burke und Carter bestimmten Indizien nachgehen. Hier ist eine gute Balance gefunden, sodass das Buch zu keinem Zeitpunkt für mich langweilig oder uninteressant wurde. Plätscherte die Handlung schon längere Zeit vor sich hin, so wurde sie durch Burkes ungewöhnliches Vorgehen und seine Theorien oder auch durch überraschende Wendungen belebt, die wieder Spannung garantierten.
Je weiter es sich dem Ziel näherte, desto eher hatte ich jedoch den Eindruck, dass die Zusammenhänge immer komplizierter wurden und manche von Burkes Geistesblitzen vielleicht etwas zu weit hergeholt und nicht ganz nachvollziehbar waren. Dennoch war das große Finale in meinen Augen ein angemessener und spannender Abschluss für Spectrum, der Interesse an den Folgebänden weckt. Ich möchte definitiv mehr von Burke, Carter, Nic und auch Isabel lesen, die in diesem Buch leider etwas kurz gekommen ist.

Fazit

Mir hat „Spectrum“ überraschend gut gefallen. Der Thriller überzeugt durch eine sehr durchdachte Handlung, genau dem richtigen Maß an Spannung und Witz sowie außergewöhnliche und spannende Charaktere, deren Beziehung zueinander interessant mitzuverfolgen ist. Ich hatte mit diesem Auftakt sehr viel Freude und kann ihn definitiv weiterempfehlen. Wer Serien wie „The Mentalist“ und „Death Note“ mag, kommt bei „Spectrum“ definitiv auf seine Kosten. 4,5 Sterne!

Veröffentlicht am 03.09.2017

Guter Humor, niveauvolle Erotik und unglaublich sympathische Charaktere!

Perfect Touch - Ergeben
0 0

Worum geht es?

„Perfect Touch – Ergeben“ dreht sich um die Seifenherstellerin Chelsea Hall und den Milliardär Sebastian Cabral, die sich auf einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden kennenlernen und gleich ...

Worum geht es?

„Perfect Touch – Ergeben“ dreht sich um die Seifenherstellerin Chelsea Hall und den Milliardär Sebastian Cabral, die sich auf einer Hochzeit von gemeinsamen Freunden kennenlernen und gleich auf einer Wellenlänge sind. Sie beide sind nicht auf der Suche nach einer Beziehung und von den Kupplungsversuchen der Braut eher genervt als angetan. Da beschließen sie kurzerhand das Sicherheitsdate füreinander zu sein und Anmachen auf diese Weise vorzubeugen. Und warum nicht noch weiter gehen und heiraten? Denn Sebastian wird von seiner Mutter, Star einer Reality-Show und ruhmbesessen, unter Druck gesetzt, für die Einschaltquoten wieder mit seiner Exfreundin zusammenzukommen, obwohl er mit der Show eigentlich nichts zu tun haben möchte. Die lockere, charismatische Chelsea erscheint ihm da wie ein Geschenk des Himmels, denn sie erklärt sich erstaunlich schnell zu einer Scheinehe bereit. Ihr kommt sie nämlich auch nur recht, da sie Männern ohnehin abgeschworen hat. Zudem hat das Zusammenwohnen mit Sebastian einen entscheidenden Vorteil: Sie ist nicht alleine in ihrer Wohnung und in Sebastians Gegenwart fühlt sie sich sicher. Bald muss Sebastian jedoch feststellen, dass sich das Platonische in ihrer Ehe schwieriger gestaltet als gedacht und Chelsea auch noch Geheimnisse vor ihm zu haben scheint.

Meine Meinung

Bei diesem Buch habe ich lange zwischen 4 und 5 Sternen geschwankt und mich schlussendlich für die goldene Mitte entschieden. „Ergeben“ ist der erste Band, den ich aus der „Perfect Touch“-Reihe gelesen habe, und hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen, die Charaktere sind sympathisch und authentisch gestaltet und Jessica Clare hat ein Händchen dafür, erotische Szenen ansprechend und niveauvoll zu beschreiben. Man spürt das Knistern zwischen den Protagonisten, obwohl es sich in Bezug darauf hier eher schwieriger gestaltet, was die Handlung aber umso interessanter und spannender macht. Chelseas Geheimnis lässt sich zwar schnell ungefähr erahnen, wird aber überraschenderweise ohnehin relativ schnell aufgelöst. Wie sich das Annähern der beiden aufgrund dessen gestaltet, war spannend und unterhaltsam mitzuverfolgen und mit Szenen gespickt, die ich in anderen Romanen aus dem Genre so noch nicht gelesen habe. Das Buch schafft den Balanceakt zwischen humorvollen und amüsanten sowie gefühlvollen und aufwühlenden Momenten.

Ein besonderes Highlight waren die Charaktere, da sie meine Ansprüche an Protagonisten bis ins letzte Detail erfüllt haben. Chelsea ist nach außen hin eine toughe, junge Frau immer mit einem kecken Spruch auf den Lippen und einer guten Portion Humor, die sich in ihrem Inneren jedoch mit einem Ereignis aus der Vergangenheit herumschlägt, das sie auch unsicher und ängstlich macht. Aufgrund dessen schimmert immer wieder ihre Schwäche durch, die sie authentisch wirken und den Leser mit ihr fühlen lässt. Sie hat sich zu keinem Zeitpunkt für mich nicht nachvollziehbar verhalten und war eine perfekte Mischung aus stark und verletzlich. Ihre Entwicklung vollzog sich in langsamen Schritten und damit sehr realistisch.

Sebastian ist ein wahrer Traum. Es wäre toll, wenn wir alle einen Sebastian Cabral haben könnten, denn er ist wirklich perfekt. Mit Charme und einer unverschämten Portion Selbstbewusstsein gesegnet wird er schnell eine Stütze für Chelsea, denn in seiner Gegenwart fühlt sie sich – im Gegensatz zu anderen fremden Männern – von Anfang an sicher. Sebastian beweist sowohl ihr als auch dem Leser immer wieder, dass er ihr Vertrauen mehr als verdient hat, denn er ist fürsorglich und liebevoll, mit einem starken Beschützerinstinkt ausgestattet und begegnet Chelsea mit unglaublich viel Verständnis. Ich weiß nicht, wie man ihn nicht mögen könnte.

Aufgrund dessen fällt es nicht schwer, nachzuvollziehen, warum sich die beiden ineinander verlieben. Man spürt ihre Verbindung zueinander und kann verstehen, was sie an dem jeweils anderen mögen. Ihre Beziehung wirkt authentisch und da macht das Lesen gleich viel mehr Spaß.

Zudem wird das Interesse an den anderen Bänden der Reihe geweckt, denn auch die Protagonisten aus diesen Bänden tauchen stellenweise auf, ohne Wissenslücken entstehen zu lassen. Ich werde mir nun auch noch die anderen vorknöpfen müssen.

Fazit

„Ergeben“ hat mir sehr gut gefallen und bietet vor allem guten Humor, niveauvolle Erotik und unglaublich sympathische Charaktere. Von mir gibt es 4,5 Sterne!

Veröffentlicht am 01.09.2017

Leider nicht mehr als Durchschnitt und eine unreife Protagonistin.

Salzige Sommerküsse
0 0

Worum geht es?

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht Crickets, die sich nach der Scheidung ihrer Eltern oft bei ihrer besten Freundin Jules aufhält, um der depressiven Stimmung ihrer Mutter zu entkommen. ...

Worum geht es?

Geschrieben ist das Buch aus der Sicht Crickets, die sich nach der Scheidung ihrer Eltern oft bei ihrer besten Freundin Jules aufhält, um der depressiven Stimmung ihrer Mutter zu entkommen. Jules‘ Familie behandelt sie, als würde sie dazugehören, und plant sogar, sie in den Urlaub nach Nantucket mitzunehmen. Cricket schmiedet bereits allerlei Sommerpläne, unter anderem ihre zukünftige Verliebtheit in Jay Logan, als ihr das Leben dazwischenfunkt: Jules‘ Mutter Nina stirbt überraschend und Cricket wird aus dem Familienurlaub wieder ausgeladen. Um ihrer besten Freundin in dieser schweren Zeit dennoch beistehen zu können, fährt sie alleine nach Nantucket und heuert als Zimmermädchen in einer Pension an. Jules ist davon jedoch eher weniger begeistert und während sich die beiden immer mehr auseinanderleben, kommt Cricket jemand anderem überraschenderweise näher, von dem sie eigentlich die Finger lassen sollte: Nicht wie geplant Jay Logan, sondern Jules‘ jüngerem Bruder Zack.

Meine Meinung

Ich bin mit einer relativ falschen Erwartungshaltung an das Buch herangegangen. Ich hatte angenommen, dass es sich um eine lockerleichte Sommerlektüre handelt, in der die Protagonistin einem streng gehütetem Geheimnis auf den Grund geht und sich dabei in eine Person verliebt, die für sie tabu ist. Ich dachte an einen deutlich älteren Jungen oder womöglich Jules‘ Freund, stattdessen hat man es mit einem 18 Monate jüngeren Jungen zu tun, der aber in seinem Verhalten deutlich reifer wirkt als die Protagonistin. Dies ist jedoch nicht unbedingt schwer, denn Cricket verhält sich trotz ihrer fast 18 Jahre wie eine pubertäre 13-Jährige, die plant (!), sich in ihren Schwarm zu verlieben, Listen über dessen Vorzüge verfasst und unbedachte Beleidigungen vom Stapel lässt, nur um dann wieder einen Rückzieher zu machen. Ich weiß nicht. Jemand, der das darauffolgende Jahr aufs College geht, sollte erwachsener sein und es nicht merkwürdig finden, wenn eine gleichaltrige Person mit einer „Erwachsenenstimme“ spricht, geschweige denn das Wort „Erwachsenenstimme“ verwenden.

Zack dagegen wirkte dagegen deutlich älter als sechzehn, sowohl von seinem Verhalten als auch (laut Cricket) von seinem Aussehen her. Er ist selbstbewusst und schlagfertig, ergreift in Bezug auf Cricket immer wieder die Initiative und macht sich nichts aus der Meinung anderer. Ich habe ihn schon gleich zu Anfang schnell ins Herz geschlossen, denn es sind die Momente mit ihm, die besonders witzig oder besonders gefühlvoll sind. Man spürt die Verbindung zwischen den beiden und kann verstehen, warum sie sich ineinander verlieben. Sie sind auf einer Wellenlänge, müssen ihre Beziehung aber geheimhalten, um Jules nicht zu verletzen.

Jules fand ich, um ehrlich zu sein, absolut unmöglich. Anfangs war sie mir noch sehr sympathisch, aber nach dem Tod ihrer Mutter veränderte sie sich so drastisch und nahm sich derartig viel raus, dass ich nur noch Antipathie und leider kein Verständnis für sie übrig hatte. Zack hat den gleichen Verlust zu tragen und verhält sich gegenüber Cricket nicht wie das letzte Ekel, die ihr ja schließlich auch nur helfen möchte, weil Jules ihr viel bedeutet.

Weitere sehr tolle Charaktere sind Jules‘ Mutter Nina, die leider nur anfangs auftaucht, aber mit ihrer verrückten, verpeilten Art direkt sympathisch ist, und andere Randfiguren wie Liz, die einen deutlichen Kontrast zu Jules darstellt, oder George, ein Journalist, bei dem Cricket später ein Praktikum macht. Sogar Jay Logan war überraschenderweise ein sympathisches Kerlchen, was mich sehr überrascht hat, da das in anderen Liebesromanen sehr oft anders ist.

Die Annahme einer „lockerleichten Sommerlektüre“ stellte sich zudem ebenfalls als falsch heraus, denn es herrscht hin und wieder eine eher drückende, traurige Stimmung, verursacht durch den Tod Ninas, der nicht nur Jules und Zack sehr nahegeht, sondern auch Cricket, die in ihr eine zweite Mutter gesehen hat. Weitere Probleme wie die plötzlich gefährdete Freundschaft zwischen Cricket und Jules dämpfen ebenfalls die gelöste Stimmung, werden aber auch immer wieder von amüsanten Szenen mit Zack kurz, aber erfolgreich in den Hintergrund gedrängt. Das Geheimnis, dem Cricket auf die Spur kommt, kann nicht wirklich als ein solches bezeichnet werden und wirkte auf mich eher nebensächlich für die Handlung, weshalb mein Interesse stets mehr der Entwicklung der Liebesgeschichte galt, die wirklich schön beschrieben ist und träumerisch mitverfolgt werden kann.

Das Ende lässt mich etwas zwiegespalten zurück. Einerseits bleiben einige Dinge ungeklärt, andererseits wird aber gerade durch die fehlende Klärung mancher Konflikte Authentizität gewährleistet, da manches eben Zeit braucht, um gekittet oder überwunden zu werden.

Fazit

„Salzige Sommerküsse“ ist ein unterhaltsamer, gefühlvoller Sommerroman mit einer eher unreifen Protagonistin und einem sympathischen männlichen Gegenpart, der aber aus der riesigen Menge von Liebesromanen nicht heraussticht. Eine durchschnittliche Lektüre für zwischendurch, die Spaß macht. Von mir gibt es 3 Sterne!