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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2017

Gefühlsgeladener Prolog, danach sehr oberflächlich.

All for You – Sehnsucht
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Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, ...

Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, kommen beim Leser an und lassen diesen mitfiebern. Nach den fünf Jahren Kontaktlosigkeit ist die Beziehung jedoch völlig anders geartet, als sich die beiden wieder näherkommen: Es gibt unglaublich viele nervige Streitereien und mindestens genauso viel Versöhnungssex. Die Beziehung scheint auf einmal nur noch körperlicher Art zu sein und von den ach so tiefen Gefühlen, die die beiden füreinander hegen, merkt der Leser leider nur wenig. Dies zieht sich bis zum Ende hin und wurde in meinen Augen auch leider nicht mehr besser. Es wird viel auf Drama gemacht, aber statt den Leser in diesen Momenten mitzureißen und mitfühlen zu lassen, wirkten diese Momente auf mich pseudotiefgründig und melodramatisch. Der Eindruck einer tiefen Verbindung zwischen den Protagonisten konnte bei mir nicht mehr geweckt werden, obwohl das Buch in dieser Hinsicht mit dem Prolog so stark begann.

Obwohl der Schreibstil durchgehend angenehm und flüssig zu lesen war und die Liebeszenen unglaublich gut und ansprechend geschildert waren (obwohl sie auf der Gefühlsebene zu wünschen übrig ließen), baute das Buch für mich immer weiter ab, sodass mir auch die Lust am Weiterlesen irgendwann abhandenkam. Dies ist auch den Protagonisten verschuldet. Maya war eine Protagonistin, mit der ich im Prolog richtig mitgelitten habe. Sie schien, ein schweres Geheimnis mit sich herumzutragen, das sie Cameron nicht anvertrauen konnte und aufgrund dessen sie seinen Heiratsantrag ablehnen musste. Leider war das Geheimnis in meinen Augen ziemlich mau. Es war nichts, was sie mit Cam nicht hätte besprechen können. Aufgrund dessen wirkte das Beziehungsdrama der beiden unnötig an den Haaren herbeigezogen und die ach so tiefe Verbindung von Maya und Cam bekam für mich einen Dämpfer, da hier offenbar eine Vertrauensbasis fehlte. Dazukam, dass Maya sich nach den fünf Jahren wirklich drastisch verändert hat, was natürlich nachvollziehbar war, mir aber zunehmend auf die Nerven ging. Sie war verständlicherweise abweisend und in Bezug auf Cam sehr vorsichtig, gleichzeitig aber auch verantwortungslos, was sich in ihrem enormen Alkoholkonsum äußerte. Ihr offensichtliches Unglücklichsein und ihr Kontrollverlust drückten auf die Stimmung, sprachen aber nicht mein Mitgefühl an. Sie ging mir zunehmend auf die Nerven, was sich bis zum Ende nicht mehr besserte. Ihre Entwicklung auf den letzten zwanzig Seiten war viel zu schnell und unrealistisch, sodass die eingeflochtenen Themen (beispielsweise die Alkoholabhängigkeit) nicht zufriedenstellend abgehandelt wurden. Daraus hätte man viel mehr machen können.

Cam war daneben etwas sympathischer, aber auch nicht immer ein angenehmer Protagonist. Man merkt schon im Prolog, dass er klammernd und besitzergreifend ist, Mayas Wünsche auf etwas Bedenkzeit nicht akzeptieren kann, sondern auf eine sofortige Entscheidung pocht. Dadurch beginnt überhaupt erst das ganze Drama und er scheint auch nach fünf Jahren nicht sehr viel dazugelernt haben. Immer noch ist er besitzergreifend und will zu schnell zu viel, obwohl er sich zumindest Mühe gibt, etwas geduldiger zu sein. Die aktuelle Maya, die neue Maya, scheint er dabei aber irgendwie nicht zu sehen, er verrennt sich in der Vorstellung seiner früheren Beziehung mit ihr, liebt ihr altes Ich und akzeptiert nicht so richtig, dass sich Maya nach all der Zeit stark verändert hat, obwohl er ihr das vor allem auf den letzten Seiten versichert. Bei mir kam das leider nicht an. Hinzukommt, dass er Maya in absolut unangebrachten Momenten Vorwürfe macht, in denen sie eigentlich seine Unterstützung benötigen würde, wodurch meine Sympathie für ihn kleine Dämpfer bekommen hat. Cameron ist ein Protagonist, den man akzeptieren kann, der aber doch eher Durchschnitt ist. Ein Stereotyp – der besitzergreifende und schließlich durch die Frau weichgekochte Mann, den darüber hinaus aber keine besonderen Charaktereigenschaften auszeichnen. Er war irgendwie langweilig.

Die Nebenfiguren waren dagegen deutlich sympathischer, obgleich auch nichts Neues in dem Genre. Bei Maya waren das der schwule beste Freund Eli und die beste Freundin Vanessa. Bei Cam der Aufreißer-Bruder und beste Freund Darren und die besorgte und deshalb Maya gegenüber abweisende Schwester Olivia, die beide in den nächsten Bänden ihr Glück finden sollen. Da diese doch schon interessantere Charaktereigenschaften aufwiesen, werde ich den nächsten Bänden vielleicht noch eine Chance geben.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich mir durch den Prolog sehr viel mehr erwartet habe. Im NA-Genre sticht dieses Buch leider nicht heraus – ich finde sogar, dass es etwas schlechter ist als der Durchschnitt, da mir irgendwann die Lust vergangen ist und ich mit den Protagonisten nicht mehr mitfühlen konnte. Von daher würde ich „All for you“ nur bedingt weiterempfehlen. Ich vergebe 2,5 Sterne und hoffe, dass die nächsten Bände mehr überzeugen können.

Veröffentlicht am 26.02.2018

2 Welten prallen aufeinander - ein vielversprechender, spannender Auftakt! Gebt mir Band 2 ♥

Save Me
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Worum geht es?

Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun ...

Worum geht es?

Ruby Bell ist Stipendiatin am Maxton Hall College und fliegt lieber unter dem Radar. Mit der Welt der Reichen bestehend aus Geld, Macht, Partys, Drogen und Alkohol will sie nichts zu tun haben und vor allem James Beaufort, der unausgesprochene Anführer der Schule, verkörpert all das. Als sie Lydia Beaufort in einer eindeutigen Situation mit ihrem gemeinsamen Lehrer Mr. Sutton beobachtet, funktioniert ihr Unsichtbarkeitsumhang nicht mehr und James tritt auf den Plan, um sich ihr Schweigen zu erkaufen. Nur hat er nicht damit gerechnet, dass Ruby nicht käuflich ist…

Meine Meinung

Mit Save Me hat Mona Kasten wieder einmal einen Reihenauftakt geschaffen, der von vorne bis hinten überzeugt und mich jetzt am Ende sogar fassungslos zurückgelassen hat. Das Ende war unglaublich fies und man möchte am liebsten sofort den nächsten Band hinterherschieben, weil man wissen möchte, wie es weitergeht. Weil man mit dem Ende einfach echt nicht leben kann…

Mit Lesen der Leseprobe war ich zunächst mal überrascht, dass sich die Geschichte in einer Privatschule und nicht am College abspielt – dass wir es also mit minimal jüngeren Charakteren zu tun haben, als es in der Again-Reihe der Fall war. Trotz der deutlich anderen Kulisse – die meisten Szenen spielen sich in der Schule ab – herrscht doch die Mona-Kasten-übliche Atmosphäre: Wir haben eine toughe, schlagfertige Protagonistin, einen männlichen – manchmal charmanten, manchmal unmöglichen – Gegenpart, vielfältige Hintergrundgeschichten, genau die richtige Prise Drama und Nebencharaktere, die man ins Herz schließt und über deren Geschichte man ebenfalls mehr erfahren möchte. Das fand ich bisher auch immer so klasse an ihren Büchern: Dass sich nicht nur auf die Hauptcharaktere konzentriert wird, sondern auch Nebencharaktere gut genug ausgearbeitet werden, um für den Leser interessant zu sein. Und die Autorin hat das auch mit Save Me definitiv wieder geschafft.

Ruby ist zunächst mal eine tolle Protagonistin, mit der ich mich gut identifizieren konnte. Zu keinem Zeitpunkt konnte ich ihr Verhalten nicht nachvollziehen. Anfangs bin ich zunächst davon ausgegangen, dass wir es diesmal mit einer etwas ruhigeren, vielleicht sogar schüchternen Protagonistin zu tun haben, die nicht gerne im Mittelpunkt steht und gerne unsichtbar bleiben möchte. Stattdessen ist Ruby jedoch ein Mensch, der zwar tatsächlich gerne im Hintergrund bleibt, aber nicht auf den Mund gefallen ist, offen sagt, was er denkt, und dabei trotzdem zu keinem Zeitpunkt zickig wirkt, wenn sie James Kontra gibt. Sie ist ehrgeizig und weiß bereits ganz genau, wie ihre Zukunft aussehen soll: Sie will in Oxford studieren und das um jeden Preis.

James‘ Zukunft ist ebenfalls schon von vorne bis hinten durchgeplant, nur nicht von ihm selbst: Er soll das milliardenschwere Unternehmen seiner Eltern übernehmen und scheint dabei keinerlei Mitspracherecht zu haben. Nach außen trägt er eine gleichgültige arrogante Haltung zur Schau, schießt sich am Wochenende mit seinen Freunden auf Partys ab und geht nebenbei in Lacrosse auf. Was hinter seiner Fassade steckt, weiß vielleicht höchstens seine Zwillingsschwester Lydia. Ruby ist ihm jahrelang nicht aufgefallen, bis es zu besagtem „Vorfall“ kommt, den Ruby unfreiwillig miterlebt und womit sie James‘ Aufmerksamkeit schlagartig auf sich zieht.

Die Szenen mit den beiden haben mir unglaublich viel Spaß gemacht, weil sie so verschieden sind. Ruby ist völlig anders, als es in James‘ Welt üblich ist, und James wirkt auf Ruby die meiste Zeit wie ein eingebildeter Kotzbrocken – was er auch irgendwie ist. James wechselt dauernd vom Ekelpaket zum Charmeur (und wieder zurück) und auch als Leser weiß man nicht so richtig, ob man den Kerl jetzt lieben oder schütteln soll. Aber gerade deshalb haben mir die Schlagabtäusche der beiden so gefallen – es prallen wirklich zwei völlig verschiedene Welten aufeinander.

Wie schon erwähnt gibt es neben diesen beiden Charakteren eine Vielzahl an Nebencharakteren, die sowohl positiv als auch negativ auffallen. Trotz der Tatsache, dass man nur ein paar pikante Details über sie erfährt, bleiben sie nicht flach und sind durch ihre Geheimnisse oder Eigenarten für den Leser interessant. Sie bilden einen unterhaltsamen Rahmen um die Protagonisten und „beleben“ das Buch. Das hat den Spaßfaktor des Buches nochmal um einiges erhöht.

Save Me hebt sich außerdem von einigen anderen Liebesromanen darin ab, dass es für einen Liebesroman auch überraschend viel Spannung gibt: Man fühlt sich dauerhaft unterhalten, weil immer wieder neue Geheimnisse ans Licht kommen, die man nicht erwartet und schließlich wieder neue Probleme aufwirbeln. Aufgrund dessen sticht Save Me für mich definitiv aus der Masse heraus.

Fazit

Mir persönlich hat dieser Reihenauftakt besser gefallen als Begin Again (die anderen beiden Bände habe ich noch nicht gelesen) und ich freue mich riesig auf die Fortsetzung!
Vielfältige, sympathische Charaktere und jede Menge Geheimnisse – einfach klasse! Von mir gibt es eine absolute Leseempfehlung und fast perfekte 4,5 Sterne für diesen vielversprechenden, spannenden Auftakt.

Veröffentlicht am 27.10.2018

Eine authentische & berührende Geschichte über Hoffnung, Selbstakzeptanz und die große Liebe! ♥

The Ivy Years - Solange wir schweigen
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Worum geht es?

Michael Graham fällt aus allen Wolken, als John Rikker nach 5 Jahren in der Umkleidekabine seiner Hockeymannschaft auftaucht und als neues Teammitglied vorgestellt wird. Alle Zweifel und ...

Worum geht es?

Michael Graham fällt aus allen Wolken, als John Rikker nach 5 Jahren in der Umkleidekabine seiner Hockeymannschaft auftaucht und als neues Teammitglied vorgestellt wird. Alle Zweifel und Ängste drängen an die Oberfläche, denn Rikker ist der einzige, der sein größtes Geheimnis kennt und sein Leben von jetzt auf gleich ins Chaos stürzen könnte. Und dann sind da auch noch die Schuldgefühle, die er innerhalb der 5 Jahre Funkstille nicht ablegen konnte, denn wie könnte er sich den größten Fehler verzeihen, den er je begangen hat? Rikker ist zu recht wütend und vermutlich verdient Graham es, dass Rikker ihn mit provokanten Bemerkungen aus der Reserve zu locken versucht, aber sein größtes Problem scheint nicht Rikker zu sein, der ihn jederzeit outen könnte, sondern die Gefühle, die Rikker nach all der Zeit immer noch in ihm auslöst …

Meine Meinung

Nachdem mich der erste Band der The Ivy Years-Reihe förmlich von den Socken gehauen hatte, habe ich sehnsüchtig auf die nächsten Bände gewartet. Vor allem auf „Solange wir schweigen“ habe ich mich gefreut, weil uns Sarina Bowen hier zwei männliche (!) Protagonisten vor die Nase setzt und die dazugehörige Liebesgeschichte einfach spannend klingt. Tatsächlich konnte sie bei mir auch wieder auf ganzer Linie punkten und meinen hohen Erwartungen nach Band 1 absolut gerecht werden.

Grahams und Rikkers Geschichte hat alles, was eine gute – nein, fantastische! – Liebesgeschichte braucht: Zwei zum Hinknien wunderbare Charaktere, eine Vorgeschichte mit Konfliktpotential und vorprogrammierter Spannung, große Gefühle, Bauchkribbeln und sprühende Funken. Ich hätte gerne noch viel mehr von den beiden gelesen, weil ich sie so sehr ins Herz geschlossen habe.

Graham und Rikker sind zwei auf Anhieb sympathische Charaktere, aber vor allen Dingen sind sie authentisch. Sie wirken wie echte Menschen, haben eine Vergangenheit, die sie geprägt hat, und ein familiäres Umfeld, das sie zu dem Menschen hat werden lassen, der sie sind. Ihre Gefühle fühlen sich echt an, ihr Verhalten ist fast immer nachvollziehbar, weil man ihre Beweggründe kennt, man versteht, was sie antreibt oder hemmt. Manches ist angesichts ihrer Vorgeschichte aber auch überraschend und beeindruckend.

Das gilt vor allem für Rikker. Seine Eltern sind streng gläubig und waren dementsprechend von seinem Outing nicht gerade begeistert. Es folgte der Rauswurf aus dem Haus, später auf dem College der Rauswurf aus dem Eishockey-Team, als sein Trainer von seiner sexuellen Orientierung Wind bekam. Statt sich jedoch in sein Schneckenhaus zurückzuziehen, kämpft er für das, was er liebt: Eishockey. Er steht zu sich und reagiert auf feindselige Bemerkungen unerwartet schlagfertig und witzig. Und doch ist er kein unrealistisch entworfener Superheld, der über allen Dingen steht und solche Bemerkungen einfach an sich abperlen lässt, denn trotz aller Schlagfertigkeit erhascht man als Leser auch einen Blick auf seine verletzliche Seite, die nun mal angriffslustig reagiert, wenn er sich bedroht fühlt. Es dauerte vielleicht zwei Seiten, bis er zu meinem absoluten Lieblingscharakter wurde, weil ich bei ihm einfach das Gefühl hatte, dass er sich wie eine reale Person verhält, die ich noch dazu unglaublich beeindruckend fand. Selbst sein anfänglich provozierendes Verhalten Graham gegenüber war irgendwie charmant, weil ich seinen Drang, Graham irgendeine Reaktion zu entlocken, absolut nachvollziehbar und schlichtweg menschlich fand.

Rikker ist der Part, der sich mit seinem ungewollten Outing und den Reaktionen seiner Mitmenschen herumschlagen muss. Graham ist der, der sich vor alldem fürchtet und praktisch gegen sich selbst kämpft, indem er sein wahres Ich verbirgt. An ihm zeigt sich, wie schwer das ist: Er trinkt zu viel, ist unverkennbar unglücklich und paranoid und tut alles Mögliche, um als heterosexuell durchzugehen. Seien es Mädchen, die er mit auf sein Zimmer nimmt, oder nur unauffällige Kleidung – er hat jahrelang Schutzmechanismen aufgebaut, um keinen Verdacht zu erregen. Als Rikker neu ins Team kommt, drängt seine Angst an die Oberfläche. Er befürchtet, von ihm geoutet zu werden, und macht sich gleichzeitig wegen dem fertig, was vor fünf Jahren vorgefallen ist. Obwohl er sich selbst immer als Feigling bezeichnet – und dieser Umstand wohl nicht von der Hand zu weisen ist – ist auch sein Verhalten durchgängig nachvollziehbar, denn man sieht an Rikker nur zu gut, dass seine Angst, sich zu outen, nicht unberechtigt ist, weil es nicht nur wohlwollende Reaktionen gibt.

Aber eben diese wohlwollenden Reaktionen sind es, die in diesem Liebesroman hervortreten. Zwar werden die Schattenseiten eines Coming-Outs im Sportbereich, Mobbing und Intoleranz thematisiert, aber es ist der emotionale Rückhalt von echten Freunden, von liebevollen Familienmitgliedern und wunderbaren Menschen im Allgemeinen, der im Mittelpunkt steht. Es gibt so viele wunderbare Nebencharaktere, die Rikkers und Grahams Geschichte mit so vielen schönen und berührenden Szenen ausstatten – und sei es auch nur eine ganz kurze, in der der Trainer den Kopf aus der Tür streckt, um argwöhnisch eine Unterhaltung einzuschätzen und sicherzugehen, dass Rikker nicht mies behandelt wird. Neben Rikker und Graham bestehen meine persönlichen Charakter-Highlights in besagtem Trainer, der immer wieder die richtigen Worte gefunden hat, Rikkers Oma und Grahams Mom, die sich beide gleichermaßen durch ihre liebevolle, süße Art in mein Herz geschlichen haben, Bella, die beiden eine wunderbare Freundin ist, Hartley, den wir aus Band 1 kennen und der Rikker von Anfang an ins Team integrieren möchte, nicht, weil das von ihm als Team-Kapitän verlangt wird, sondern weil das nun mal einfach seine Art ist, und sogar Rikkers Exfreund Skippy, der sich immer noch inbrünstig für ihn einsetzt. Vermutlich könnte ich die Liste sogar noch fortsetzen.

Trotz einiger bedrückender Szenen oder Szenen, die einen aufregen und den Kopf schütteln lassen, weil es neben diesen positiven Charakteren auch einige Vollpfosten gibt, lässt das Buch einen mit einem rundum guten, zufriedenen und positiv aufwühlendem Gefühl zurück, denn neben Mobbing und Intoleranz ist die Geschichte auch voller Hoffnung, großen Emotionen und spontanen, unkontrollierten Lächelattacken.

Fazit

Wieder ein wunderbarer Band aus der The Ivy Years-Reihe, der mich zum Lächeln, Grinsen und Lachen bringen und berühren konnte. Grahams und Rikkers Geschichte ist so viel mehr als eine bloße Romanze: Es geht darum, sich selbst zu akzeptieren, zu sich zu stehen und für sich einzutreten. Mich konnte „Solange wir schweigen“ wieder absolut begeistern, deshalb gibt es eine klare Leseempfehlung und 5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 23.10.2018

Eine berührende, intensive und authentische Liebesgeschichte - trifft ins Herz! ♥

All In - Tausend Augenblicke
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Durch Kaceys und Jonahs Liebesgeschichte habe ich mich ein wenig an „Ein ganzes halbes Jahr“ erinnert gefühlt, obwohl die Geschichte doch so anders ist. Aber wie auch das erwähnte Lieblingsbuch lässt mich ...

Durch Kaceys und Jonahs Liebesgeschichte habe ich mich ein wenig an „Ein ganzes halbes Jahr“ erinnert gefühlt, obwohl die Geschichte doch so anders ist. Aber wie auch das erwähnte Lieblingsbuch lässt mich Kaceys und Jonahs Liebesgeschichte glücklich, bedrückt, aufgewühlt, mit einem lachenden und einem weinenden Auge zurück. Ich habe von Anfang an damit gerechnet, dass Tränen fließen und Taschentücher benötigt werden würden, aber ich habe dennoch nicht erwartet, dass mich diese Liebesgeschichte so tief berühren und mir über 50 Seiten oder mehr durchgängig die klare Sicht rauben würde. Emma Scott hat hier eine wunderschöne Liebesgeschichte geschrieben, die einfach ins Herz trifft.

Ihr Schreibstil liest sich angenehm und flüssig und überzeugt durch die berührenden Worte der Figuren, die poetischen Weisheiten, die sich ab und zu in die Zeilen verirren, und die bildhaften, farbenfrohen, eindrucksvollen Beschreibungen von Jonahs Glaskunst, den Umgebungen, Personen und Gefühlen. Ich habe mir sogar den einen oder anderen Satz markiert, weil er mir so bedeutsam und wichtig erschien.

Die Leseprobe hatte mich vor allem deshalb überzeugt, weil Jonah und Kacey sofort als sympathische, interessante Menschen auftreten. Jonah ist der anständige, liebe Kerl mit dem neuen Herzen und dem strikten Zeitplan und Kacey das draufgängerische Party-Girl mit verletzlicher Seite, das diesem Zeitplan in die Quere kommt. Bis zuletzt haben mich diese beiden Charaktere nicht enttäuscht, denn ich hatte auf jeder Seite das Gefühl, noch eine weitere bewundernswerte Eigenschaft an ihnen zu entdecken. Jonah zeichnet sich schon durch den Umstand aus, dass er einer wildfremden Frau hilft, der man auf den ersten Blick vielleicht eher misstrauen würde, und im weiteren Verlauf des Buches wird klar, dass er das Wohl der Menschen, die er liebt, stets über sein eigenes stellt. Es gibt nicht viele, die einen so tollen Kerl wie ihn verdient haben, aber Kacey gehört dazu. Sie kommt aus einem ganz anderen, lauten Leben voller Partys, Alkohol und Musik und ist doch von Anfang an darauf bedacht, Jonahs Gesundheit nicht zu gefährden und ihn vor fettigen Pommes und koffeinhaltigem Kaffee zu beschützen. Sie ist ganz anders, als man es erwarten würde. Ich habe beide sofort ins Herz geschlossen, weshalb mich ihre Liebesgeschichte umso mehr berührt hat.

Anfangs war ich dieser erst skeptisch gegenüber, denn trotz zahlreicher Momente voller Schmunzeln, Grinsen und unkontrolliertem Lächeln war die tiefe Verbindung zwischen den beiden für mich zu plötzlich vorhanden. Erst ist da Misstrauen und distanzierte Vorsicht und aus heiterem Himmel spricht Jonah davon, wie wohl er sich bei Kacey fühlt und dass er sie schon nach wenigen Stunden vermisst. Da ich diesen Wechsel nicht nachvollziehen konnte, war ich zunächst etwas skeptisch, aber die Autorin konnte definitiv noch die Kurve kriegen. Auch wenn die tiefere Verbindung zwischen den beiden aus dem Nichts zu kommen scheint, wird sie im weiteren Verlauf stärker und authentisch beschrieben. Weil die starken Gefühle der beiden schließlich auch wirklich bei mir angekommen sind, konnte ich jeder Annäherung entgegenfiebern und mich gleichzeitig vor dem Ende fürchten, denn ich konnte bis zuletzt das Gefühl nicht abschütteln, dass es kein gutes Ende nehmen wird …

Ob dies der Fall ist, müsst ihr selbst herausfinden. Mich hat das Buch verschiedenste Gefühle durchleben lassen und am Ende durchgehend zu Tränen gerührt. Kaceys und Jonahs Liebesgeschichte ist tiefgründig, emotional, berührend, authentisch und aufwühlend geschrieben. Es wird nicht an der Oberfläche gekratzt, beide Figuren haben eine Hintergrundgeschichte, die sie zu dem Menschen gemacht hat, der sie sind. Sie finden in einer für sie beide ungünstigen Lebenslage zueinander, verlieben sich, machen einander glücklich und lassen diese Gefühle auf den Leser übergehen. Ich bin von der Geschichte immer noch ganz eingenommen und freue mich auf den zweiten Band.

„Eine Liebe kann jederzeit beginnen, in jeder Lebensphase. Darin liegt die Schönheit – und die Hoffnung – der menschlichen Existenz.“ (S. 421)

Fazit

Kaceys und Jonahs Liebesgeschichte berührt, bedrückt, bringt einen zum Lächeln, zum Grinsen und zum Weinen. Sie kratzt nicht an der Oberfläche, sondern geht tief und schildert die Gefühle der Figuren authentisch und glaubwürdig. Taschentücher bereithalten und sich auf diese beiden wunderbaren Charaktere und ihre Liebesgeschichte einlassen – ich spreche eine klare Leseempfehlung aus und vergebe 4,5 Sterne. Danke für diese emotionalen Lesestunden und die wundervollen Worte, die du gefunden hast, Emma Scott!

Veröffentlicht am 17.10.2018

Eine beunruhigende und doch faszinierende Zukunftsvision. Überraschend tiefgründig!

White Maze
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White Maze war eines der Bücher, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe, denn als Fan von Videospielen sind Bücher, die dieses spannende Thema aufgreifen, für mich ein absolutes Muss. Erwartet ...

White Maze war eines der Bücher, auf die ich mich dieses Jahr besonders gefreut habe, denn als Fan von Videospielen sind Bücher, die dieses spannende Thema aufgreifen, für mich ein absolutes Muss. Erwartet habe ich zwar eine Gaming-Welt wie in Ready Player One, die ich leider nicht bekommen habe, aber White Maze überzeugt, wenn schon nicht durch eine packende Gaming-Welt, durch eine beunruhigende, gar nicht mal so unrealistische Zukunftsvision, die zum Nachdenken anregt.

Ich gestehe: Zu Anfang war ich skeptisch, da ich den Eindruck hatte, dass sich das Buch an eine jüngere Zielgruppe – vielleicht 13 - 16 Jahre – richtet. Dieser Eindruck entstand durch den tagebuchartigen Schreibstil, der sich jedoch nur auf den Anfang beschränkt, und das sehr oberflächliche Handeln und Denken der Protagonistin, die außer dem Erobern ihres Schwarms keine anderen Sorgen hat. Dies ist jedoch gewollt, denn gerade dort setzt die Charakterentwicklung an. Zu Beginn lebt Vivian Tallert tatsächlich in ihrer kleinen Welt, in der die nächste Party und das neueste Videospiel das Wichtigste für sie sind. Ihre Mutter ist die weltbeste Programmiererin und Entwicklerin des neuen Spiels „White Maze“, das zusammen mit den neuen Lucent-Linsen auf den Markt kommen und die Realität auf noch bahnbrechendere Weise verändern soll, als es bisher der Fall war. Doch bevor Vivian dazu kommt, die Linsen noch vor allen anderen zu testen, muss sie mitansehen, wie ihre Mutter diese voller Panik in der Mikrowelle pulverisiert und aufgelöst aus dem Haus stürmt, um dieses schließlich nie wieder zu betreten. Durch den Tod ihrer Mutter wird Vivian wachgerüttelt, sie muss von einem Moment auf den anderen erwachsen werden, ihre Trauer und ihre Angst zurückstellen, um den mysteriösen Umständen des Todes ihrer Mutter auf den Grund zu gehen. Schnell wird ihr klar, dass es sich um einen Mord handeln muss, denn ihre Mutter hat ihr ein Rätsel hinterlassen, das nur sie lösen kann. Sie soll „White Maze“ abschalten, denn jemand hat das Spiel manipuliert. Dafür muss sie aber die virtuelle Welt betreten, in der sie dem Mörder ihrer Mutter schutzlos ausgeliefert ist.

Mich hat diese Idee von Anfang bis Ende fasziniert, denn sie erscheint tatsächlich denkbar und in der Zukunft möglich. Eine virtuelle Welt, in der wir alles sein, alles tun können, ohne Sorgen und Probleme, glücklich und zufrieden. Eine Welt, die unsere Sinne manipuliert und uns täuscht. In der wir nicht mehr unterscheiden können, was real ist und was falsch. „White Maze“ führt uns die Gefahren einer solchen Zukunft vor Augen, denn was ist, wenn diese Welt so manipuliert wird, dass es keine Schmerzgrenze gibt? Dass es möglich ist, in dieser Welt zu sterben, weil uns unsere Sinne etwas vorgaukeln, was in Wahrheit gar nicht da ist? Wenn diese „Waffe“ in die falschen Hände gerät?

June Perrys Roman geht sogar noch weiter, verliert sich in philosophischen Fragen, die zum Nachdenken anregen. Denn was ist, wenn wir unseren Sinnen nicht mehr trauen können? Bestimmt unsere Umwelt, bestimmen unsere Sinne was wir sind und was uns ausmacht? Würden wir selbst in einer Welt leben, die perfekt ist und uns glücklich macht, in dem vollen Bewusstsein, dass es nicht real ist? Ich bin wirklich positiv von dem Buch überrascht, denn es geht viel tiefer als erwartet. Handlung und Gedankenanstöße erscheinen bedeutsam und zwingen den Leser, sich während des Lesens näher mit der Thematik auseinanderzusetzen.

Ich war zu Beginn ein wenig enttäuscht darüber, dass die „Gaming-Welt“ eher eine perfekte, bessere Realität (beziehungsweise eine „erweiterte Realität“) abzeichnet, als wirklich eine Gaming-Atmosphäre zu vermitteln (obgleich es auch Quests und dergleichen gibt, die aber kaum der Rede wert sind), dies wird jedoch absolut dadurch wettgemacht, wie eindrucksvoll und bildlich die Autorin diese virtuelle Welt beschreibt. Farben, Formen, Geräusche, Gerüche und Gefühle werden wie nebenbei erwähnt, ziehen den Leser in das Buch und lassen ihn die Handlung hautnah miterleben.

Den einzigen Kritikpunkt sehe ich darin, dass diese spannende Idee vielleicht zu kurz umgesetzt wurde. Rückblickend betrachtet gibt es zwar gar nicht mal so viel Handlung (und trotzdem genug Spannung, um zu fesseln!), aber am Ende geht alles wahnsinnig schnell, was ich ein bisschen unzufriedenstellend finde. Insgesamt hatte ich den Eindruck, hätte man der Idee mehr Raum gegeben, dann wären einem die Figuren mehr ans Herz gewachsen, man hätte bei der Liebesgeschichte mehr mitgefiebert, weil sie glaubhafter gewesen wäre, wenn sie mehr Zeit gebraucht hätte, sich zu entfalten, und gewisse Charaktertode wären einem stärker an die Nieren gegangen. Meiner Meinung nach schwächelt das Buch in diesem Punkt ein bisschen.

Trotz meiner leichten Unzufriedenheit das schnelle Ende betreffend, hat es der „Cliffhanger“, wenn man das so nennen kann, jedoch fast wieder rausgerissen. Ob dieser einen zweiten Teil andeutet oder doch wieder nur Stoff zum Nachdenken liefern soll?

Fazit

June Perry entführt uns in keine packende, spannende Gaming-Welt, sondern in eine gar nicht mal so unrealistische, erweiterte Realität, in der man sich nicht mehr sicher sein kann, was real ist und was nicht. „White Maze“ regt zum Nachdenken an, fasziniert und beunruhigt. Ich war von der Tiefgründigkeit des Buches positiv überrascht, fühlte mich sehr gut unterhalten und kann deshalb eine klare Leseempfehlung aussprechen. Ich vergebe 4 Sterne.