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Veröffentlicht am 25.05.2020

Hohe Erwartungen enttäuscht - Mangel an großen Emotionen und ein kindischer Protagonist.

V is for Virgin
10

Von „V is for Virgin“ habe ich mir wirklich eine Menge erwartet. Nicht nur habe ich von „Cinder & Ella“ viel Gutes gehört, auch die Leseprobe hat mir unheimlich gut gefallen und mir Lust auf das Weiterlesen ...

Von „V is for Virgin“ habe ich mir wirklich eine Menge erwartet. Nicht nur habe ich von „Cinder & Ella“ viel Gutes gehört, auch die Leseprobe hat mir unheimlich gut gefallen und mir Lust auf das Weiterlesen gemacht. Leider konnte der weitere Verlauf der Geschichte meinen hohen Erwartungen gar nicht mehr gerecht werden, im Gegenteil: Ich war stellenweise sogar etwas genervt von dem Geschehen und den Charakteren. Sehr schade!

Der Schreibstil hat mir eigentlich gut gefallen. Er liest sich schnell und flüssig und hat mich gelegentlich auch zum Grinsen gebracht. Lediglich in Bezug auf die Emotionen, die ja für einen Liebesroman (aber natürlich auch für andere Genre) sehr wichtig sind, ließ er stark zu wünschen übrig. Ich habe bis auf die sexuelle Anziehung zwischen Kyle und Val nichts gefühlt, aber dazu gleich mehr.

Val ist mir in der Leseprobe sehr sympathisch geworden: Mir hat es gefallen, dass sie als nicht übermäßig selbstbewusst dargestellt wird, sich aber trotzdem für das einsetzt, was ihr wichtig ist. Ihr setzen die Kommentare ihrer Mitschüler zu, aber sie ist stark und steht zu ihrem Beschluss, mit dem Sex bis zur Ehe warten zu wollen. Die Tatsache, dass sie sich sogar dafür einsetzen möchte, dass sich niemand dafür schämen muss, Jungfrau zu sein und/oder mit dem Sex noch warten zu wollen, hat mich für sie eingenommen.

Leider hat sie diesen Eindruck schon innerhalb kürzester Zeit etwas zerstört. Im Laufe des Buches legt sich das zwar, aber vor allem am Anfang musste ich leider feststellen, dass Val nicht viel besser ist als manche ihrer Mitschüler, denn sie ist auch alles andere als tolerant. Manche ihrer Gedanken und auch Bemerkungen gehen schon in Richtung Slut Shaming, was für mich einiges – und vor allem ihren Charakter – kaputt gemacht hat. Besser hätte es mir gefallen, wenn Val wirklich das Vorbild ist, als das sie im gesamten Buch dargestellt wird, und klar die Botschaft in die Welt aussendet, dass jeder mit seiner Sexualität so umgehen dürfen sollte, wie er das möchte. Gegen Ende bekommt das Buch dahingehend zwar noch irgendwie die Kurve (wenn auch nur implizit), aber am Anfang ist mir das sehr bitter aufgestoßen.

Bei Kyle war es eher andersherum, auch wenn ich selbst jetzt noch nicht behaupten kann, dass er mir vollkommen sympathisch ist. Er tritt eigentlich die meiste Zeit sehr unsympathisch auf, macht mehr als deutlich, dass er Val nur ins Bett bekommen möchte, stellt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit bloß und beutet sie gewissermaßen auch aus, um den Erfolg seiner Band zu steigern. Besonders auf die Nerven ging es mir aber, dass er sich oft sehr kindisch verhalten hat. Die meiste Zeit ist er herausfordernd und selbstbewusst, aber wenn Val den Spieß umdreht und seine Provokationen mit Nettigkeit plattmacht, dann entwickelt er sich in ein Kleinkind, das vor Wut mit dem Fuß aufstampft. Auch dass er ihr seine Erfolge unter die Nase reibt, insgeheim aber möchte, dass sie stolz auf ihn ist, ist kindisches Verhalten, das für mich zu einem um die Zwanzigjährigen nicht so recht passen wollte. Durch meinen negativen Eindruck von Kyle litt für mich die gesamte „Liebesgeschichte“, die ich leider nicht mal als solche bezeichnen würde.

Denn Kyle bessert sich mit der Zeit zwar etwas, aber die Verbindung zwischen ihnen bleibt doch bis zum Ende sehr oberflächlich. Man spürt die sexuelle Anziehungskraft und das Knistern, weil die beiden sich bei jedem Aufeinandertreffen irgendwie in die Haare bekommen (Val immer genervt und doch irgendwie angetan, Kyle meist amüsiert, wenn es darum geht, Val auf die Palme zu bringen), aber die tiefen Gefühle bleiben auf der Strecke. Erst gegen Ende werden zwei etwas tiefergehende Gespräche geführt, die die Liebe, die Val und Kyle angeblich füreinander empfinden, aber trotzdem nicht nachvollziehbar machen. Dadurch konnte ich bei der Geschichte leider gar nicht mitfiebern und habe im Gegenteil über manche Dinge sogar die Augen verdreht.

Insgesamt ist in dem Buch vieles überzogen und unglaubwürdig, Hindernisse sucht man vergeblich und das meiste ist einfach nur Friede-Freude-Eierkuchen. Es wendet sich immer alles zum Guten, Feinde werden zu Freunden und es wird sich zahlreich versöhnt, auch wenn es dafür mal einen Zeitsprung braucht. Besonders enttäuscht hat mich der Zeitsprung vor dem Epilog, der vier Jahre umfasst und der Autorin die Arbeit abnimmt, eine authentische Entwicklung von Kyle darzustellen, auf die ich eigentlich von seinem ersten Auftritt an gewartet habe. Dadurch und durch die fehlenden Emotionen und das fehlende Mitfiebern bei der „Liebesgeschichte“ ist meine Neugier auf Band 2 eher dürftig und ich weiß noch nicht, ob ich ihn wirklich lesen werde.

Fazit

Nach meinen hohen Erwartungen bin ich jetzt sehr enttäuscht. Das Lesen hat mir leider kaum Spaß gemacht, ich war im Gegenteil sogar stellenweise genervt und musste mich zum Weiterlesen zwingen, weil die Geschichte keinen Sog auf mich ausgewirkt hat. Sympathische Charaktere fehlen, tiefe Gefühle fehlen und eigentlich fehlt sogar die gesamte Liebesgeschichte. Sehr schade. Für mich sind es leider nur 2,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Geschichte
  • Figuren
Veröffentlicht am 01.05.2020

May und Alec sind ein sympathisches, witziges, knisterndes Duo, das mich sehr gut unterhalten hat.

True North - Ein Moment für immer
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Als Sarina Bowen-Fan war für mich klar, dass ich mich irgendwann auch an die True North-Reihe heranwagen würde. „Ein Moment für immer“ hatte mich besonders angesprochen, weshalb der Band, auch wenn er ...

Als Sarina Bowen-Fan war für mich klar, dass ich mich irgendwann auch an die True North-Reihe heranwagen würde. „Ein Moment für immer“ hatte mich besonders angesprochen, weshalb der Band, auch wenn er offiziell eigentlich erst der 5. der Reihe ist, mein erster Ausflug in das True North-Universum war. Vielleicht ein Fehler, weil ich jetzt die Befürchtung habe, dass die Protagonisten der anderen Bände, die einem hier natürlich auch begegnen, es sehr schwer haben werden, mit May und Alec mitzuhalten. Ihre Geschichte hat mir unglaublich viel Spaß gemacht.

Wie man das von Sarina Bowen kennt, ist das Buch sehr humorvoll gehalten. Die Atmosphäre ist eher locker und entspannt, aber es werden auch einige ernsteren Dinge thematisiert wie die Tatsache, dass May eine trockene Alkoholikerin ist. Dieses Thema ist oft präsent und Mays Sucht wird glaubwürdig dargestellt, aber es wird gleichzeitig auch nicht übermäßig in die Tiefe gegangen. Hier und da habe ich tatsächlich gespürt, dass das Buch ein fünfter Band einer Reihe ist, denn es werden einige Geschehnisse aus der Vergangenheit angesprochen, die hier etwas schwammig bleiben, in anderen Bänden aber sicher tiefergehend thematisiert werden. Das fand ich nicht allzu schlimm, bestimmt ist es aber sinnvoll, die anderen Bände vorher gelesen zu haben – auch weil man sich auf ein Wiedersehen mit den bekannten Charakteren freuen kann. Ich persönlich wurde dafür aber auf ihre jeweiligen Geschichten neugierig gemacht.

Ich habe trotzdem das Gefühl, dass die anderen Charaktere May und Alec für mich nicht toppen werden. Dafür sind sie einfach zu nah an meiner Vorstellung für perfekt-unperfekte Protagonisten. Ich habe sie schon innerhalb weniger Seiten ins Herz geschlossen. Vor allem Alec hat mächtig Eindruck auf mich gemacht: Mit seiner charmanten, witzigen Art ist er in der Lage, jede noch so unangenehme Situation aufzulockern, sodass man sich in seiner Gegenwart gar nicht unwohl fühlen kann. Irgendwie gelingt es ihm, gleichzeitig unverschämt selbstbewusst und bescheiden zu sein. Die Mischung aus süßen Verhaltensweisen, mit denen er sich May gegenüber als guter Freund erweist, und geschickten Flirtversuchen hat mir unglaublich gut gefallen und jede Szene zwischen ihm und May zu einem wahren Genuss gemacht.

May war mir auch sofort sympathisch, sie ist eine mehr als angenehme Protagonistin, die weder schüchtern noch übermäßig extrovertiert daherkommt. Durch ihre Sucht wird sie von ihrer Familie stärker überwacht und bekommt von dieser gerne aufs Brot geschmiert, dass sie Daniela (wenn auch berechtigt) für einen absoluten Fehlgriff halten/gehalten haben. May hat es satt, von allen nur als Chaos-Queen gesehen und ständig unterschätzt zu werden, weshalb sie die Zeit mit Alec, der sie weder be- noch verurteilt, umso mehr genießt. Zwar kann sie sich schon seit Längerem nur noch mit einer Frau eine Zukunft vorstellen, aber Alec bringt diese Vorstellung gefährlich ins Wanken.

Obwohl sie vorher nicht wirklich etwas miteinander zu tun hatten (und Alec die Shipleys eigentlich sogar hasst), kommt es durch Danielas Fremdgehen in Alecs Bar zu einer unerwarteten Freundschaft zwischen Alec und May, die aber überraschend schnell zu mehr wird. Erst wollen sie Daniela nur ein bisschen eifersüchtig machen, dann erliegen sie ihrer Anziehungskraft zueinander und Daniela ist erstaunlich schnell vergessen. Mir haben sowohl die amüsanten und/oder süßen Dialoge gefallen, die Alec immer wieder mit charmanten Flirtversuchen garniert, als auch die knisternden Annäherungen zwischen ihnen. Obwohl Alec in Bezug auf die Tatsache, dass er allergisch gegen feste Bindungen ist, klischeehaft entworfen ist, war ich positiv überrascht davon, wie bereitwillig und unkompliziert er von dieser Regel abrückt, als er merkt, dass er sich langsam in May verliebt. Bei einigen seiner Bemerkungen und Gedanken konnte ich nicht anders als dümmlich vor mich hin zu grinsen.

Es gibt kein dämliches, künstliches Herumgeeiere, sondern lediglich ein kleines Hindernis, das durchaus nachvollziehbar ist und über das man sich als Leser nicht groß ärgern muss. Das Buch liest sich sehr entspannt und ist am Ende höchstens ein bisschen in die Länge gezogen, was aber angesichts der wunderbaren Protagonisten nicht dramatisch ist. Ich habe das Buch mit einem guten Gefühl beendet und habe einen weiteren männlichen Lieblingsprotagonisten dazugewonnen.

Fazit

Ein sehr unterhaltsamer, süßer, knisternder Liebesroman, der mit einer sympathischen Protagonistin und einem mehr als charmanten Gegenpart daherkommt, deren Dialoge ein wahrer Genuss sind. Ich habe May und Alecs Geschichte sehr gerne gelesen und vergebe 4,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.04.2020

Amüsante Schlagabtäusche, süße Annäherungen und ein Hauch Eifersucht - unterhaltsam!

New Beginnings
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Von »New Beginnings“ habe ich hauptsächlich Positives gehört und mir aufgrund des Covers und des Klappentextes einen leichten Liebesroman erwartet, bei dem man sich beim Lesen wohlfühlt und entspannt zurücklehnen ...

Von »New Beginnings“ habe ich hauptsächlich Positives gehört und mir aufgrund des Covers und des Klappentextes einen leichten Liebesroman erwartet, bei dem man sich beim Lesen wohlfühlt und entspannt zurücklehnen kann. Genau das habe ich auch bekommen, »New Beginnings“ hat mir einige unterhaltsame Lesestunden beschert.

Auch wenn durchaus auch ernstere Themen angesprochen werden, erschafft die Autorin doch hauptsächlich eine entspannte Atmosphäre. Es ist stellenweise witzig, es gibt verspielte Annäherungen, die zum Schmunzeln bringen, grummelige Schlagabtäusche, bei denen man grinsen muss, aber auch tiefergehende Gespräche, die der Geschichte etwas Substanz beisteuern.

Mir waren beide Protagonisten sympathisch. Lena ist als Großstadtmädchen anfangs nicht so begeistert von der Umgebung, in der sie ihre Zeit als Au-pair verbringen wird, muss mit der Zeit aber feststellen, dass die Gegend ihren ganz eigenen Charme hat und sie sich vor allem bei den Coopers sehr wohlfühlt, auch wenn die ungeplante Anwesenheit von Ryan Cooper daran zunächst Zweifel aufkommen lässt. Ryan gibt sich direkt bei ihrem ersten Treffen spöttisch und unhöflich, aber Lena merkt schnell, dass das nicht wirklich etwas Persönliches ist – schließlich erfährt Ryans Bruder Jack eine ähnliche Behandlung. Wegen seiner aufs Eis gelegten Profikarriere lässt Ryan seinen Frust an anderen aus und vor allem Lena gerät dabei oft in die Schusslinie, was sich diese aber nicht so einfach gefallen lässt. Sie gibt ihm nicht nur Kontra, sondern tritt ihm auch in den Hintern, damit er endlich wieder anfängt zu leben.

Ich war überrascht davon, wie mitteilsam Ryan ab einem gewissen Punkt war – ganz anders, als man das von vielen männlichen Protagonisten in dem Genre gewohnt ist, die sich unnötig geheimnisvoll geben und ständig zumachen. Ryan muss zwar auch erst ein bisschen auftauen – wer würde es ihm verübeln, dass er einer völlig Fremden nicht sofort sein Herz ausschüttet? – aber dann spürt man, dass er langsam ein besonderes Verhältnis zu Lena aufbaut. Er öffnet sich ihr gegenüber und lässt sie immer öfter an seinen Gedanken teilhaben. Das hat mir wirklich gut gefallen.

Ohne Frage: Das Buch ist natürlich vorhersehbar von vorne bis hinten und man ahnt recht früh, auf welchen Konflikt es am Ende nochmal zusteuern wird, aber das fand ich nicht allzu dramatisch, da mir die Szenen zwischen Ryan und Lena dafür zu gut gefallen haben. Ich habe mit ihnen mitgefiebert, die amüsanten, aber auch die ernsteren Gespräche zwischen ihnen genossen, über die kleinen Eifersuchtssequenzen gegrinst, mit Lena aber auch die negativen Gefühle hautnah miterlebt. Ein, zwei Momente – da war tatsächlich Zähneknirschen angesagt. Am Ende gibt es aber natürlich ein Happy End, das wahrscheinlich auch schon viel früher möglich gewesen wäre, ich auf diese Art aber durchaus realistisch fand.

Mir hat der Ausflug nach Green Valley sehr gut gefallen und ich bin jetzt schon gespannt auf Izzy und Wills Geschichte, die wir in diesem Band auch schon kennenlernen durften. Den berühmt-berüchtigten Silvesterkuss, von dem im Klappentext von „New Promises“ die Rede ist, dürfen wir schon hier miterleben, ebenso die Auswirkungen, die er vor allem auf Will hat, der von den Gefühlen seiner besten Freundin bisher nichts ahnt. Das klingt nach einer süßen Liebesgeschichte und ich freue mich schon auf ein Wiedersehen mit den Charakteren.

Fazit

Ein schöner Liebesroman mit ein wenig Tiefgang, der aber hauptsächlich in der lockerleichten, entspannten Atmosphäre verbleibt und mit witzigen Schlagabtäuschen, süßen Annäherungen und einem Hauch Eifersucht punktet. Ein paar unterhaltsame Lesestunden sind garantiert – von mir gibt es 4 Sterne!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 27.04.2020

Ich bin etwas verwirrt und unzufrieden angesichts des Endes, aber ich liebe diese Reihe abgöttisch.

Wo das Dunkel schläft
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Achtung! Hierbei handelt es sich um den letzten Band einer Reihe, deshalb könnte die Rezension Spoiler zu den Vorgängern enthalten.

Okay. Nach diesem Ende bin ich verwirrt. Und traurig. Und ein klitzekleines ...

Achtung! Hierbei handelt es sich um den letzten Band einer Reihe, deshalb könnte die Rezension Spoiler zu den Vorgängern enthalten.

Okay. Nach diesem Ende bin ich verwirrt. Und traurig. Und ein klitzekleines Bisschen enttäuscht – es tut mir selbst weh, das sagen zu müssen, weil ich die Charaktere und diese Geschichte einfach so sehr liebe. Aber es ist leider leider die Wahrheit, auch wenn das Buch für mich wie seine Vorgänger trotzdem zu meinen Lieblingsbüchern zählt. Ich bin einfach in diese Reihe verliebt.

Ja, wie verfasst man eine aussagekräftige Rezension zu einem Abschlussband, ohne zu viel zu spoilern? Ich versuche, mich einfach mal so vage wie möglich zu halten.

Seit Band 1 fragen wir uns, ob und wie Blue und die Raven Boys Glendower finden werden. Und vor allen Dingen, wie bzw. ob Gansey überhaupt sterben wird oder man es doch irgendwie verhindern kann. Diese Fragen sind es, die in diesem letzten Band die Spannung hochtreiben. Am Anfang plätschert alles noch ein wenig vor sich hin, der große Showdown wird vorbereitet, aber am Ende passiert so viel, dass ich das Buch voll kribbeliger Aufregung gar nicht mehr zur Seite legen konnte, weil ich wissen musste, wie es endet. Ich hatte überhaupt kein gutes Gefühl, weil ich Gansey, der mein absoluter Lieblingscharakter ist, nicht sterben sehen wollte. Und alle anderen natürlich auch nicht.

Das Problem ist, dass die Autorin so viele Köder ausgelegt hat, die den Leser zum Miträtseln animieren, dass ich auf einmal offenbar völlig unrealistische Erwartungen hatte. Ich hatte so viele Ideen und habe Verbindungen gesehen, die anscheinend gar nicht existieren. In Hinblick auf diese ganzen Details, die seit Band 1 in die Geschichte einfließen, war das Ende so … wenig. Ich dachte irgendwie, dass hinter manchem mehr steckt, als es den Anschein hat, aber das war irritierenderweise nicht der Fall, auch wenn das Buch natürlich trotzdem mit ein paar Überraschungen um die Ecke kommt (der große Plot-Twist, von dem in manchen Rezensionen die Rede ist, war für mich aber nicht annähernd so erschütternd wie der in Band 1). Manche Szenen, die etwas aus den Vorgängerbänden aufgreifen (wie ich einigen Twitter-Posts der Autorin entnommen habe), beeindrucken mich jetzt erst im Nachhinein und zeigen, wie durchdacht diese Geschichte eigentlich ist.

Umso verwirrter bin ich nun, weil hinter manchen „Zufällen“ (wie die Jungs gerne sagen, wenn sie glauben, dass es ganz und gar kein Zufall ist) einfach gar nichts steckt, obwohl man es erwarten würde. Ich habe bei manchen Dingen das Gefühl, dass sie offen und ungeklärt sind, was bei mir leichte Unzufriedenheit auslöst. Hier und da fehlt mir eine Erklärung.

Das bedeutet aber nicht, dass mich das Ende nicht trotzdem berührt hätte. Das vorherrschende Gefühl ist zwar ganz klar Verwirrung, aber ich habe auf den letzten Seiten auch ein paar (oder auch ein paar mehr) Tränen vergossen, war wütend und dann doch wieder hoffnungsvoll. Neben der Verwirrung bin ich jetzt auch traurig und fühle mich ein bisschen leer, wie das immer ist, wenn man eine Reihe beendet, deren Charaktere und Geschichte man ins Herz geschlossen hat und vermissen wird. Gansey, Adam, Ronan, Noah und Blue (und noch eine weitere Person, die mir in diesem Band durch ihre amüsanten Bemerkungen sehr schnell ans Herz gewachsen ist) sind für mich ganz besondere Charaktere und werden mir noch lange im Gedächtnis bleiben, auch weil sie so erschreckend echt wirken – ich habe mich über jeden einzelnen von ihnen hin und wieder geärgert, um ihn in einem anderen Moment dann wieder abgöttisch zu lieben. Es ist aber vor allem auch ihre starke, bedingungslose, aufopfernde Freundschaft, die diese Reihe zu einem wahren Genuss macht – und die Liebesgeschichten, die für mich ein persönliches Highlight in diesem Buch waren. Jede einzelne dieser Szenen hat bei mir Herzklopfen ausgelöst.

Was die „Leere“ ein bisschen erträglicher macht, ist die Aussicht auf die „Dreamer“-Trilogie, die im geliebten Raven Cycle-Universum spielt und Ronan in den Fokus rückt. Ich hoffe sehr, dass es auch ein Wiedersehen mit den anderen geben wird. Ich vermisse sie alle jetzt schon.

Fazit

Ich habe noch nie etwas Vergleichbares gelesen.
Ich habe jeden einzelnen der Protagonisten geliebt.
Ich bin von Maggie Stiefvaters Schreibstil, der stimmungsvoll und atmosphärisch ist und den Leser jedes Mal zwingt, das zu fühlen, was er gerade fühlen soll, immer noch geplättet.

Mich fasziniert diese Wahnsinnsidee, die der Geschichte zugrunde liegt, die Szenen, die mehr bedeuten, die liebevoll gestalteten Charaktere, die besondere Freundschaft unseres Quintetts und die schönen Liebesgeschichten. Das für mich verwirrende und etwas unzufriedenstellende Ende trübt nicht meine Liebe für die Charaktere und die Geschichte, die Reihe bleibt für mich etwas Besonderes. 4,5 Sterne, weil für mich alles andere mehr wiegt als die verwirrenden Nuancen des Endes.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.04.2020

Der spannendste Band der Reihe, aber trotzdem nicht ganz so gut wie Band 1.

Was die Spiegel wissen
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Achtung! Hierbei handelt es sich um den dritten Band einer Reihe, deshalb könnte die Rezension Spoiler zu den Vorgängern enthalten.

Auch durch Band 3 bin ich wieder einmal durchgeflogen und konnte das ...

Achtung! Hierbei handelt es sich um den dritten Band einer Reihe, deshalb könnte die Rezension Spoiler zu den Vorgängern enthalten.

Auch durch Band 3 bin ich wieder einmal durchgeflogen und konnte das Buch kaum zur Seite legen. Ich bin immer noch begeistert von der Geschichte, den genialen Ideen der Autorin und diesen wunderbaren, teilweise schwer durchschaubaren Charakteren. Die Reihe hat sich schon jetzt einen Platz bei meinen Lieblingsbüchern verdient.

Nachdem in Band 2 vor allem Ronan im Mittelpunkt stand, hatte ich hier den Eindruck, dass vor allem Blue und Adam zu Wort kommen und ihre jeweiligen „Fähigkeiten“ und Gefühle im Vordergrund standen. Adam geht seinen Aufträgen für Cabeswater nach und wird dabei von Persephone etwas an die Hand genommen, Blue hadert vor allem mit ihren Gefühlen für Gansey. Letztere sind immer präsent, fließen hier und da in einigen süßen Momenten stärker ein, verdrängen aber nie die eigentliche Handlung. Immer noch geht es vor allem um die Suche nach Glendower, dem sie jetzt immer näher zu kommen scheinen.

In diesem Band war der Spannungsgrad im Vergleich zu den Vorgängern am stärksten. Band 1 hatte einen krassen Twist, Band 2 hat uns Ronan und seine Gabe besser kennenlernen lassen und Band 3 ist voll von der geheimnisvollen Suche nach dem walisischen König, dem Überwinden von Hindernissen und dem Lösen kleiner Rätsel. Es ist mystisch, unheimlich und spannend, dauernd passieren Dinge, mit denen man nicht gerechnet hat und die für die weitere Handlung ein neues Bild ergeben. Maggie Stiefvater hat sich hier eine unglaublich komplexe Geschichte ausgedacht, die unmöglich vollständig zu erahnen ist – ganz so, als würde man die gegebenen Puzzleteile immer weiter zu einem großen Ganzen zusammensetzen, aber jedes einzelne Puzzleteil ist verschwommen und gibt nichts von dem Motiv des Puzzles her, bevor man es nicht komplett zusammengesetzt hat.

Neben dieser spannenden Suche sind es aber natürlich wieder die Charaktere, die die Geschichte auch schon allein zu etwas ganz Besonderem machen. Ich habe selten so komplexe Charaktere kennengelernt, die gleichzeitig widersprüchlich, unberechenbar und authentisch wirken. Jeder ist für Überraschungen gut. In diesem Band haben mir vor allem die Momente zwischen Gansey & Blue (natürlich), Adam & Ronan und Ronan & Blue gefallen – Noah macht aber auch jede Szene zu einem kleinen Highlight. Irgendwie ist er wie ein Welpe, den man einfach nur gernhaben kann.

Ich bin jetzt einerseits kribbelig und andererseits ängstlich, wenn es um den vierten Band geht. Jetzt wird sich hoffentlich alles auflösen, aber man muss auch Abschied von diesen wunderbaren Charakteren nehmen, was mich jetzt schon traurig stimmt. Ist es naiv, auf ein Happy End zu hoffen?

Fazit

Für mich ist „Was die Spiegel wissen“ der bisher spannendste Band der Reihe und damit fast auf der gleichen Stufe wie Band 1, der mich (vor allem wegen des Plot Twists) noch am meisten umgehauen hat. Ich möchte mich gar nicht von den Charakteren verabschieden, weil ich sie so liebgewonnen habe, gleichzeitig möchte ich aber auch unbedingt wissen, wie es weitergeht. Also auf zu Band 4. Band 3 bekommt von mir wieder die volle Punktzahl.

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