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Veröffentlicht am 06.08.2021

Zu glatte Liebesgeschichte, aber mit hinreißendem männlichen Protagonisten!

Girl At Heart
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Der Klappentext zu „Girl at Heart“ hat mich sofort angesprochen. Ich liebe Liebesgeschichten, die an der Highschool spielen, und habe auch eine kleine Schwäche für kitschige Teenieromanzen – das ist mein ...

Der Klappentext zu „Girl at Heart“ hat mich sofort angesprochen. Ich liebe Liebesgeschichten, die an der Highschool spielen, und habe auch eine kleine Schwäche für kitschige Teenieromanzen – das ist mein Guilty Pleasure. Daher habe ich das Buch auch sofort vorbestellt, obwohl ich tatsächlich ganz leichte Bedenken hatte, da mir „V is for Virgin“ von der Autorin leider nicht so gut gefallen hat.

Nun ja. Meine Meinung siedelt sich diesmal im mittleren Bereich an. Es hat mich nicht von den Socken gehauen, weil mich manche Dinge doch gestört haben, aber das Buch wusste mich merkwürdigerweise trotzdem zu unterhalten. Es gab Stellen, an denen ich blöd vor mich hin gegrinst habe.

Ich muss sagen, dass ich von dem Plot des Buches überrascht bin. Er weicht von typischen Klischees ab und ist für Überraschungen gut. So ist zum Beispiel Jace von Anfang an sehr offen in Bezug auf seine Absichten gegenüber Charlie und die Entwicklung ihrer Beziehung erfolgt sehr natürlich, ohne große Dramen oder Hindernisse, obwohl ich gegen Ende eigentlich fest damit gerechnet hatte. Ich dachte wirklich, ich hätte das Buch komplett durchschaut und würde den großen Wendepunkt schon von Weitem kommen sehen, aber falsch gedacht. Und das war echt erfrischend.

Aber auch wenn ich die Momente zwischen Jace und Charlie herzzerreißend süß fand, weil Jace einfach der perfekte männliche Protagonist ist – unfassbar lieb und zuvorkommend, aber gleichzeitig auch neckend und schelmisch – fehlte mir doch etwas … Aufregung. Das Geheimnisvolle, das Ungewisse. Dadurch, dass Jace‘ Absichten so offen auf dem Tisch lagen, war die Handlung mal überraschend anders, aber für mich gleichzeitig auch etwas zu glatt.

Betrachtet man das Buch nicht vorwiegend als Liebesgeschichte, sondern eben auch als ein Buch über Identitätsfindung – was es nun mal auch ist – dann sieht meine Meinung etwas anders aus. Ich finde es schön, wie Charlies Wandlung zu ihrem neuen Ich beschrieben wird und dass thematisiert wird, wie ihr Umfeld darauf reagiert. Dass nicht alle Reaktionen positiv ausfallen und sie – nicht immer konstruktive – Kritik einstecken muss, Charlie letztendlich aber lernt, zu sich selbst zu stehen und ihr wahres Ich der Welt zu zeigen. Das hat mir sehr gut gefallen – und dass sie dabei von Jace unterstützt wird, ist das Sahnehäubchen. Der Kerl ist einfach ein Schatz.

Woran ich mich etwas gestört habe, sind die … Figurenklischees. Die Autorin versucht damit zwar an manchen Stellen zu brechen, indem sie die Cheerleader beispielsweise nicht zu „oberflächlichen Zicken“ macht, wie das ja so häufig in Teenieromanzen der Fall ist, aber sie entwirft ein „Mädchenbild“, das überspitzt und einem Teenie-Film entsprungen ist. Mädchen werden über Kichern, Quietschen, schwungvolle Umarmungen, Shoppen, Übernachtungsparties, etc. definiert. Nicht, dass irgendetwas falsch daran wäre, diese Dinge zu tun oder zu mögen, aber ich störe mich daran, dass das in diesem Buch als „typisch mädchenhaft“ angesehen wird und jedes, absolut jedes vorkommende Mädchen diesem Bild entspricht. Auch Charlie ist dies tief in ihrem Inneren und muss diese Seite an sich nur nach außen kehren.

Das stört mich und ich hätte mir gewünscht, dass die Autorin eher die Botschaft vermittelt, dass es kein Rezept gibt, um ein Mädchen zu sein und als solches „anerkannt“ zu werden, sondern dass Menschen nun mal individuell sind. Vielleicht hat sie das durch Charlie versucht, die gerne Baseball spielt und „eine von den Jungs“ ist, gleichzeitig aber auch Sehnsucht nach „Mädchendingen“ hat und als Mädchen betrachtet werden möchte. Damit ist sie aber der einzige weibliche Charakter in diesem Buch, denn alle anderen sind nach diesem "Mädchenbild" entworfen. Das ist heutzutage doch eine überholte Auffassung, von der man sich eigentlich distanzieren sollte.

Abschließend muss ich doch noch einmal auf Jace eingehen, denn er war mein absolutes Highlight. Er war der Grund, warum ich manchmal nicht mehr aus dem Grinsen rauskam und warum mir das Buch wirklich Spaß gemacht hat. Hätte es ihn nicht gegeben, dann hätte ich das Buch vermutlich nicht beendet, weil mich der Plot ohne ihn leider nicht genug gefesselt hätte.

Fazit

Ein ganz unterhaltsamer Liebesroman, der zwar manche typische Klischees bedient, mit anderen aber auch bricht, um einen überraschend anderen Plot zu verfolgen, als den, den man vielleicht erwarten würde. Mir war es in Bezug auf die Liebesgeschichte zu glatt, der Teil mit der Identitätsfindung hat mir (trotz des zweifelhaft entworfenen Bildes eines „typischen Mädchens“) gut gefallen. Besonders ins Herz geschlossen habe ich Jace und seinen besten Freund Reynolds. Von mir gibt es 3,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2021

Zwei authentische Protagonisten, amüsante Schlagabtäusche und ganz viel Herzklopfen - schön!

Ex Talk – Liebe live auf Sendung
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Als ich den Klappentext zu „Ex Talk“ gelesen habe, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Er klang nach einer Liebesgeschichte mit unterhaltsamen Schlagabtäuschen und damit nach genau dem Richtigen für mich.

Rachel ...

Als ich den Klappentext zu „Ex Talk“ gelesen habe, wollte ich das Buch unbedingt lesen. Er klang nach einer Liebesgeschichte mit unterhaltsamen Schlagabtäuschen und damit nach genau dem Richtigen für mich.

Rachel Lynn Solomons Debüt im Erwachsenenbereich wurde meinen Erwartungen vollends gerecht. Nicht nur punktet die Story mit den erwähnten witzigen Schlagabtäuschen, sondern auch mit einer ganzen Menge Emotionen. Ich habe geschmunzelt, gegrinst und schließlich sogar ein paar Tränchen verdrückt, weil ich mit Shay mitgefühlt habe. Sei es, weil mich ihre Erinnerungen an ihren Dad berührt haben, oder wegen Dominic. Den zweiten Teil lasse ich mal so vage stehen.

Shay als Protagonistin ist schlichtweg sympathisch. Auch wenn sie zu Beginn Dominic gegenüber etwas gehässig ist, was mir etwas weniger gefallen hat, war ihr Verhalten doch nachvollziehbar – ja, menschlich. Nach den ersten Seiten habe ich sie als selbstbewusste, schlagfertige Frau wahrgenommen, die verdammt gut in ihrem Job ist und das auch weiß. Dann wird man davon überrascht, dass sie aber auch unsicher ist, und Träume hat, die ihr bisher verwehrt geblieben sind. Sie wirkt echt und authentisch – und das sind die besten Charaktere. Mir hat ihre Entwicklung unglaublich gut gefallen – sie lernt, für sich einzustehen und sich nicht alles gefallen zu lassen.

Dominic kommt mindestens genauso authentisch und echt daher. Anfangs wirkt er etwas überheblich und eingebildet, mit der Zeit dürfen wir aber mit Shay gemeinsam hinter seine Fassade blicken und auch seine Unsicherheiten sehen. Besonders die Momente, in denen er sich Shay gegenüber verlegen und unsicher gezeigt hat, haben mich besonders für ihn eingenommen. Trotz allen Selbstbewusstseins und amüsanter Schlagfertigkeit ist er eben auch ein junger Mann, der sich Shay Schritt für Schritt öffnet und sich schließlich als liebevoll und verletzlich entpuppt.

Wegen dieser Authentizität hat ihre Liebesgeschichte besonders viel Spaß gemacht. Ich habe mich nicht nur von ihren witzigen Unterhaltungen, sondern auch von ihren ernsten, tiefschürfenden Gesprächen sehr gut unterhalten gefühlt. Man hat die Gefühle, die sich zwischen ihnen entwickeln, und die Chemie, die schon gleich zu Beginn zwischen ihnen ist, wirklich gefühlt und das macht nun mal die besten Liebesromane aus.

Gut hat es mir gefallen, dass „Ex Talk“ auch Themen wie Diversität und Misogynie behandelt. Es wird zwar nicht tiefergehend auf diese eingegangen, die Liebesgeschichte bleibt stets im Vordergrund, aber sie werden als wichtige Themen gewürdigt und immer wieder aufgegriffen. Sehr erfrischend fand ich es, dass beispielsweise die Bisexualität einer Nebenfigur ganz beiläufig behandelt und von der Protagonistin nicht einmal adressiert wurde. Es war kein großes Ding, ganz natürlich, was es eben auch IST, und das wünsche ich mir für mehrere Bücher, Serien, Filme, den Alltag.

Fazit

Ein sehr schöner Liebesroman, der mich für einige Stunden unglaublich gut zu unterhalten wusste. Ich habe Shay und Dominic ins Herz geschlossen und werde mir ihre Geschichte vielleicht irgendwann noch einmal durchlesen – „Ex Talk“ kann ich jedem empfehlen, der gerne eine Liebesgeschichte liest, in denen Feinde zu Freunden und schließlich zu Liebenden werden. Witzige Schlagabtäusche, süße Dialoge und große Gefühle – 4,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.07.2021

Nach anfänglicher Skepsis überzeugend - Durchhalten lohnt sich!

The Chase – Gegensätze ziehen sich an
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Dieses Buch habe ich mir direkt vorbestellt, als ich mir zum ersten Mal den Klappentext durchgelesen habe. Die Story klang einfach genau nach meinem Geschmack - generell liebe ich Geschichten, in denen ...

Dieses Buch habe ich mir direkt vorbestellt, als ich mir zum ersten Mal den Klappentext durchgelesen habe. Die Story klang einfach genau nach meinem Geschmack - generell liebe ich Geschichten, in denen die Protagonisten gemeinsam in einer WG leben und aufs College gehen, und wenn dann auch noch Eishockey eine Rolle spielt, ist mein Interesse endgültig geweckt.

Deshalb war ich beim Lesen einige Zeit erstmal etwas enttäuscht, weil ich irgendwie keinen Zugang zur Protagonistin gefunden habe. Summer wirkt am Anfang leider wirklich sehr wie ein oberflächliches Partygirl, weshalb man Fitzy auch keinen Vorwurf machen kann, dass er am Anfang auch genau das über sie denkt. Auch manche männlichen Charaktere wirkten auf mich irgendwie oberflächlich und hohl, sodass ich echt mit dem Gedanken gespielt habe, das Buch abzubrechen.

Aber ich bin so froh, dass ich das nicht getan und durchgehalten habe. Denn auch wenn es einige Zeit braucht, macht das Buch schließlich doch noch sehr viel Spaß und man kann Summer immer mehr ins Herz schließen (bei Fitzy hatte ich da sowieso keine Bedenken). Wie Fitzy stellt man fest, dass hinter dem ersten selbstbewussten, oberflächlichen Eindruck von Summer doch mehr steckt. Ein verletzliches, unsicheres Mädchen, das sich für ihre Freunde und auch für Fremde einsetzt, wenn es darauf ankommt. Mir hat sie von Seite zu Seite mehr gefallen. Ihre Selbstzweifel und ihre verletzten Gefühle angesichts Fitzys anfänglicher Meinung über sie haben mich mit ihr mitfühlen lassen.

Fitzy war mir schon von Anfang an sympathisch, denn trotz seines verwegenen guten Aussehens ist er im Herzen doch eher ein introvertierter Nerd, der lieber Videospiele spielt, als auf Partys zu gehen, und nicht gerne im Mittelpunkt steht. Seine bescheidene, ruhige Art hat mir sofort imponiert und war mal etwas anderes. Umso interessanter war auch der Kontrast zwischen ihm und Summer, der letztendlich eine schöne Liebesgeschichte bereitgehalten hat.

Die Unterhaltungen - vor allem auch die hitzigen Unterhaltungen, manchmal voller verletzter Gefühle - zwischen den beiden haben mich sehr gut unterhalten. Die Gefühle, die sich zwischen ihnen aufgebaut haben, fand ich authentisch und haben zum Mitfiebern angeregt. Sehr erfrischend fand ich es, dass Summer zwar immer als Drama-Queen bezeichnet wird, letztendlich aber ihr Verhalten reflektiert und Fitzy gegen Ende auch entgegenkommt - in anderen Büchern wäre dies vermutlich zu einem riesengroßen Gefühlsdrama ausgeschlachtet worden, während dies hier sehr realistisch und angenehm gelöst wurde. Es entwickelt sich alles irgendwie natürlich, was es umso schöner macht.

Neben dem Haupthandlungsstrang kommen noch ein paar andere „Probleme“ und Themen auf, die ich auch sehr interessant zu verfolgen fand. Nichtsdestotrotz darf man hier natürlich keine großen Plot Twists oder Überraschungen erwarten, die Handlung ist durch und durch vorhersehbar. Das hat mir persönlich aber nicht den Spaß am Lesen genommen.

Abschließend hat mir auch das „Wiedersehen“ mit Charakteren aus der Off-Campus-Reihe gefallen, obwohl man bei mir streng genommen nicht von einem Wiedersehen sprechen kann, da ich noch keinen der Bände gelesen habe. Mir hat es aber Spaß gemacht, das Lesen immer mal kurz zu pausieren, um mir den Klappentext der Geschichten zu Figuren durchzulesen, die ich gerade kennenlerne. Es ist auch mal ganz interessant, Charaktere erstmal als Paar kennenzulernen, bevor man sich durchliest, wie sie überhaupt zu einem solchen geworden sind. Deshalb kann ich das Buch auch dann empfehlen, wenn man noch kein einziges aus diesem Universum gelesen hat.

Fazit

Ein unterhaltsamer Liebesroman für zwischendurch, dem man trotz eventuell vorhandener Skepsis zu Beginn eine Chance geben sollte, denn er weiß doch noch zu überzeugen. Für mich sind es 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 30.07.2021

Ein Herzklopfen bescherender Liebesroman, der einen laut zum Lachen bringt. Was will man mehr?

New Promises
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Bei diesem Buch habe ich mal wieder so richtig das Bedürfnis, eine Rezension zu schreiben. Weil es das verdient hat. Weil ein paar wenige Worte nicht ausreichen, um meiner Euphorie nach Beenden des Buches ...

Bei diesem Buch habe ich mal wieder so richtig das Bedürfnis, eine Rezension zu schreiben. Weil es das verdient hat. Weil ein paar wenige Worte nicht ausreichen, um meiner Euphorie nach Beenden des Buches gerecht zu werden.



Ich liebe Friends to Lovers-Geschichten, deshalb hat mich Izzy und Wills Geschichte schon in New Beginnings total angesprochen und mir war sofort klar, dass ich auch den zweiten Band würde lesen müssen. Zudem haben mir die Charaktere schon im ersten Band imponiert, was mich nur noch neugieriger gemacht hat.



Die Geschichte hat mich nicht enttäuscht und meine Erwartungen komplett erfüllt. Ich habe Izzy und Will in diesem Band noch sehr viel mehr ins Herz geschlossen. An Will hatte ich sowieso schon einen Narren gefressen, auch wenn er der typische Aufreißer ist und dementsprechend auch für einige nervenaufreibende eifersuchtsgeschwängerte Momente sorgt, die jedoch durch den Auftritt Coles gut ausgeglichen werden. Eifersucht gibt es von beiden Seiten zu einer Portion, die gut unterhält.



Wer mich aber wirklich von den Socken gehauen hat, ist Izzy, denn ich hatte sie irgendwie nicht so schlagfertig und lustig in Erinnerung. Sie hat mich mehr als einmal laut (!) zum Lachen gebracht. Der Humor ist der Autorin wirklich unglaublich gut gelungen, ich hab mich sehr gut unterhalten gefühlt. Dass Izzy sich nicht alles gefallen lässt und ihren Mitmenschen, insbesondere Will, Kontra gibt, macht sie zu einer spannenden Protagonistin, mit der ich sehr gerne mitgefiebert habe.



Überraschenderweise war ein weiteres Highlight für mich die entstehende Freundschaft zwischen Izzy und Cole, die ich so nicht erwartet habe. Er ist hier definitiv nicht nur Mittel zum Zweck, um Will mal endlich wachzurütteln, sondern kommt als Charakter daher, den man in dieser Geschichte nicht missen möchte. Ich freue mich, dass er in einem späteren Band seine eigene Geschichte bekommt.



Was Will und Izzy (um es mit Lenas Worten zu sagen: Wizzy) angeht, so liefert die Autorin uns die komplette Gefühlspalette. Es gibt authentische und freundschaftliche Wohlfühlmomente, hitzige, spannungs- und gefühlsgeladene, bedrückende, nervenaufreibende und dann wieder emotionale und süße Momente, bei denen man die beiden begleitet. Man leidet mit Izzy angesichts ihrer scheinbar unerwiderten Gefühle, fiebert aber auch mit ihr bei den kleinsten Anzeichen mit, die darauf hindeuten, dass ihre Gefühle eben doch nicht so unerwidert zu sein scheinen. Als Leser fühlt man die starke Freundschaft und schließlich auch die tiefen Gefühle der beiden.



Das Buch ist ein absolutes Wohlfühlbuch, das einen am Schluss mit einem glücklichen Lächeln zurücklässt. Ich kehre immer wieder gerne nach Green Valley zurück.



Fazit



Ein neuer Favorit unter den New Adult-Romanen, der durch seine Emotionen, aber vor allem durch die wunderbaren Charaktere und den genialen Humor punktet. Ich liebe Wizzy. 5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.05.2020

Hohe Erwartungen enttäuscht - Mangel an großen Emotionen und ein kindischer Protagonist.

V is for Virgin
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Von „V is for Virgin“ habe ich mir wirklich eine Menge erwartet. Nicht nur habe ich von „Cinder & Ella“ viel Gutes gehört, auch die Leseprobe hat mir unheimlich gut gefallen und mir Lust auf das Weiterlesen ...

Von „V is for Virgin“ habe ich mir wirklich eine Menge erwartet. Nicht nur habe ich von „Cinder & Ella“ viel Gutes gehört, auch die Leseprobe hat mir unheimlich gut gefallen und mir Lust auf das Weiterlesen gemacht. Leider konnte der weitere Verlauf der Geschichte meinen hohen Erwartungen gar nicht mehr gerecht werden, im Gegenteil: Ich war stellenweise sogar etwas genervt von dem Geschehen und den Charakteren. Sehr schade!

Der Schreibstil hat mir eigentlich gut gefallen. Er liest sich schnell und flüssig und hat mich gelegentlich auch zum Grinsen gebracht. Lediglich in Bezug auf die Emotionen, die ja für einen Liebesroman (aber natürlich auch für andere Genre) sehr wichtig sind, ließ er stark zu wünschen übrig. Ich habe bis auf die sexuelle Anziehung zwischen Kyle und Val nichts gefühlt, aber dazu gleich mehr.

Val ist mir in der Leseprobe sehr sympathisch geworden: Mir hat es gefallen, dass sie als nicht übermäßig selbstbewusst dargestellt wird, sich aber trotzdem für das einsetzt, was ihr wichtig ist. Ihr setzen die Kommentare ihrer Mitschüler zu, aber sie ist stark und steht zu ihrem Beschluss, mit dem Sex bis zur Ehe warten zu wollen. Die Tatsache, dass sie sich sogar dafür einsetzen möchte, dass sich niemand dafür schämen muss, Jungfrau zu sein und/oder mit dem Sex noch warten zu wollen, hat mich für sie eingenommen.

Leider hat sie diesen Eindruck schon innerhalb kürzester Zeit etwas zerstört. Im Laufe des Buches legt sich das zwar, aber vor allem am Anfang musste ich leider feststellen, dass Val nicht viel besser ist als manche ihrer Mitschüler, denn sie ist auch alles andere als tolerant. Manche ihrer Gedanken und auch Bemerkungen gehen schon in Richtung Slut Shaming, was für mich einiges – und vor allem ihren Charakter – kaputt gemacht hat. Besser hätte es mir gefallen, wenn Val wirklich das Vorbild ist, als das sie im gesamten Buch dargestellt wird, und klar die Botschaft in die Welt aussendet, dass jeder mit seiner Sexualität so umgehen dürfen sollte, wie er das möchte. Gegen Ende bekommt das Buch dahingehend zwar noch irgendwie die Kurve (wenn auch nur implizit), aber am Anfang ist mir das sehr bitter aufgestoßen.

Bei Kyle war es eher andersherum, auch wenn ich selbst jetzt noch nicht behaupten kann, dass er mir vollkommen sympathisch ist. Er tritt eigentlich die meiste Zeit sehr unsympathisch auf, macht mehr als deutlich, dass er Val nur ins Bett bekommen möchte, stellt sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit bloß und beutet sie gewissermaßen auch aus, um den Erfolg seiner Band zu steigern. Besonders auf die Nerven ging es mir aber, dass er sich oft sehr kindisch verhalten hat. Die meiste Zeit ist er herausfordernd und selbstbewusst, aber wenn Val den Spieß umdreht und seine Provokationen mit Nettigkeit plattmacht, dann entwickelt er sich in ein Kleinkind, das vor Wut mit dem Fuß aufstampft. Auch dass er ihr seine Erfolge unter die Nase reibt, insgeheim aber möchte, dass sie stolz auf ihn ist, ist kindisches Verhalten, das für mich zu einem um die Zwanzigjährigen nicht so recht passen wollte. Durch meinen negativen Eindruck von Kyle litt für mich die gesamte „Liebesgeschichte“, die ich leider nicht mal als solche bezeichnen würde.

Denn Kyle bessert sich mit der Zeit zwar etwas, aber die Verbindung zwischen ihnen bleibt doch bis zum Ende sehr oberflächlich. Man spürt die sexuelle Anziehungskraft und das Knistern, weil die beiden sich bei jedem Aufeinandertreffen irgendwie in die Haare bekommen (Val immer genervt und doch irgendwie angetan, Kyle meist amüsiert, wenn es darum geht, Val auf die Palme zu bringen), aber die tiefen Gefühle bleiben auf der Strecke. Erst gegen Ende werden zwei etwas tiefergehende Gespräche geführt, die die Liebe, die Val und Kyle angeblich füreinander empfinden, aber trotzdem nicht nachvollziehbar machen. Dadurch konnte ich bei der Geschichte leider gar nicht mitfiebern und habe im Gegenteil über manche Dinge sogar die Augen verdreht.

Insgesamt ist in dem Buch vieles überzogen und unglaubwürdig, Hindernisse sucht man vergeblich und das meiste ist einfach nur Friede-Freude-Eierkuchen. Es wendet sich immer alles zum Guten, Feinde werden zu Freunden und es wird sich zahlreich versöhnt, auch wenn es dafür mal einen Zeitsprung braucht. Besonders enttäuscht hat mich der Zeitsprung vor dem Epilog, der vier Jahre umfasst und der Autorin die Arbeit abnimmt, eine authentische Entwicklung von Kyle darzustellen, auf die ich eigentlich von seinem ersten Auftritt an gewartet habe. Dadurch und durch die fehlenden Emotionen und das fehlende Mitfiebern bei der „Liebesgeschichte“ ist meine Neugier auf Band 2 eher dürftig und ich weiß noch nicht, ob ich ihn wirklich lesen werde.

Fazit

Nach meinen hohen Erwartungen bin ich jetzt sehr enttäuscht. Das Lesen hat mir leider kaum Spaß gemacht, ich war im Gegenteil sogar stellenweise genervt und musste mich zum Weiterlesen zwingen, weil die Geschichte keinen Sog auf mich ausgewirkt hat. Sympathische Charaktere fehlen, tiefe Gefühle fehlen und eigentlich fehlt sogar die gesamte Liebesgeschichte. Sehr schade. Für mich sind es leider nur 2,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Gefühl
  • Geschichte
  • Figuren