Profilbild von Stinsome

Stinsome

Lesejury Star
online

Stinsome ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stinsome über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.03.2020

Dieser Schreibstil. Dieses Ende. Ich brauche Band 2!

Gods of Ivy Hall, Band 1: Cursed Kiss
0

Griechische Mythologie. Rachegöttinnen. Ein verbotener Kuss. Der Klappentext von »Cursed Kiss« hat mich auf Anhieb angesprochen, trotzdem habe ich versucht, meine Erwartungen angesichts einiger mittelmäßiger ...

Griechische Mythologie. Rachegöttinnen. Ein verbotener Kuss. Der Klappentext von »Cursed Kiss« hat mich auf Anhieb angesprochen, trotzdem habe ich versucht, meine Erwartungen angesichts einiger mittelmäßiger Bewertungen etwas zu drosseln. Was soll ich sagen? Das Buch hat mich in mehr als einer Hinsicht positiv überrascht, gleichzeitig kann ich aber auch die bescheideneren Bewertungen verstehen – oder zumindest leuchtet mir ein, warum gewisse Dinge manchen nicht so gefallen könnten.

Zunächst einmal zu meiner Überraschung Nummer 1. Ich hatte bisher noch nichts von Alana Falk gelesen und kannte ihren Schreibstil daher noch nicht. Ich habe mich schon innerhalb weniger Seiten in ihn verliebt. Sie schreibt unglaublich atmosphärisch, findet träumerische, fast poetische Beschreibungen für die simpelsten Dinge und zieht den Leser durch ihre bildhafte Sprache gnadenlos ins Geschehen. Vor allem die Gegenwart Hades‘, diese kalte, alles verschlingende Finsternis, kleidet sie so gekonnt in Worte, dass ich gebannt an den Seiten klebte. Ich habe mir auch die eine oder andere Textstelle markiert, weil sie so schön klang.

"Sie schweigt, ich auch. Ich weiß, dass der Moment vorbei ist. Was ich nicht weiß, ist, ob wir noch einmal die Gelegenheit bekommen werden, uns einen winzigen Splitter aus der Ewigkeit zu brechen." (S. 202)

Der Schreibstil hat es mir wirklich angetan – dazu kam die Tatsache, dass wir nicht nur aus Erins, sondern auch aus Ardens Sicht lesen und somit auch in seinen Kopf hineinschauen können. Er lässt uns zwar nicht so tief einblicken, wie es Erin tut, weil es schließlich auch noch ein paar Spannung schürende Geheimnisse geben muss, aber ich habe sehr gerne aus seiner Sicht gelesen, weil mich vor allem seine Gedanken über Erin nicht selten zum Lächeln gebracht haben. Mit ihm haben wir einen männlichen Gegenpart, wie wir ihn immer seltener in Büchern zu lesen bekommen, denn er ist ein Good Guy durch und durch. Das hat mich zu keinem Zeitpunkt gestört, im Gegenteil, ich mochte ihn sofort und habe seine hilfsbereite, verständnisvolle, aber auch frech-charmante Art sehr genossen.

Neben ihm hatte es Erin wirklich schwer, zu meinem Buchliebling zu werden, aber sie hat sich gut geschlagen. Es mag ein paar Momente geben, die sie egoistisch oder kindisch erscheinen lassen (das habe ich jedenfalls einigen Rezensionen entnommen), ich persönlich konnte ihr Handeln jedoch immer nachvollziehen. Ich habe ihre tiefe Liebe zu ihren Schwestern gefühlt, verstanden, dass sie alles für sie tun würde, und fand es klasse, wie oft sie ihr Handeln reflektiert und ihre Möglichkeiten durchdenkt. Es fiel mir nicht schwer, sie zu mögen.

Das Beste in diesem ersten Band war für mich tatsächlich die Liebesgeschichte zwischen Erin und Arden. Sie stand eindeutig im Mittelpunkt, aber ohne alles andere unwichtig werden zu lassen – sie fügt sich wahnsinnig gut in den Fantasy-Aspekt ein. Der Autorin gelingt es außerdem, die Gefühle zwischen den beiden, die tiefe Bindung, die sie nach und nach zueinander aufbauen, beim Leser glaubwürdig ankommen zu lassen. Und dann ist da noch diese knisternde Spannung zwischen ihnen, weil ihre Gefühle füreinander so offensichtlich sind, sie gleichzeitig aber keine wirkliche Zukunft haben, denn ein Kuss würde Arden zu einem Leben als seelenloser Zombie verurteilen. Diese Spannung ist so intensiv dargestellt, dass es mich teilweise echt frustriert hat – in einem durchweg positiven Sinne.

Der Fantasy-Aspekt ist durchgehend präsent und wird von der Liebesgeschichte zu keinem Zeitpunkt verdrängt, trotzdem habe ich nach dem Ende – diesem wahnsinnigen Ende – das Gefühl, dass da noch so viel mehr auf uns zukommen könnte, weil wir in Band 1 einfach noch nicht so tief drin sind.

Nach einem sehr interessanten, spannenden Start gibt es in der Mitte ein paar Längen, aber ich habe mich trotzdem zu keinem Zeitpunkt gelangweilt. Manchmal kam es mir nur so vor, als würde Erin unnötige Umwege gehen, anstatt sich dem Problem direkt anzunehmen, aber mit dem Ende ergeben auch diese Umwege einen Sinn. Was man dem Buch auf keinen Fall vorwerfen kann, ist die Tatsache, dass es nicht viel Handlung gäbe, denn es passiert ständig etwas – und manche Ereignisse sind so spannend, dass man immerzu weiterlesen möchte.

Meine zweite große Überraschung war das Ende. Ich habe mir von Anfang an so meine Gedanken gemacht, was am Ende herauskommen und wie sich alles auflösen könnte, aber zu keinem Zeitpunkt bin ich der wirklichen Auflösung auch nur nahegekommen. Ich glaube, das kann man auch gar nicht vorhersehen, weil es einfach zu komplex ist – und noch dazu gut durchdacht. Aber das Beste: Es ist so vielversprechend für den zweiten Band, der noch viel viel besser werden könnte als der Auftakt. Das ist jedenfalls mein Gefühl nach diesen krassen Enthüllungen. Schon während des Lesens der letzten Seiten habe ich die Spannung und meine Vorfreude auf den zweiten Band gespürt und das, obwohl es nicht einmal einen richtigen Cliffhanger gibt. Klar, es bleibt einiges offen, aber man könnte es so auch enden lassen (zugegeben: wenn man fies wäre). Glücklicherweise geht es noch weiter, denn ich glaube, das kann richtig richtig gut werden. Ich bin jetzt so gespannt auf Band 2 und würde ihn am liebsten sofort lesen.

Fazit

Ein wirklich guter Auftakt, der für den zweiten Band so viel verspricht und eine riesige Vorfreude schürt. Gäbe es das Ende nicht, würde ich wegen der paar Längen zu vier Sternen tendieren, so aber muss ich diese geniale Idee mit einem weiteren halben Stern belohnen (der Schreibstil hat das auch verdient!). Für mich sind es also 4,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.03.2020

Verwirrende Details, die zu viel Druck für das Ende aufbauen. Mir fehlte der Wow-Effekt.

Liebes Kind
0

»Dieser Thriller beginnt, wo andere enden.«

Diese Aussage war es unter anderem, die mich auf das Buch ungemein neugierig gemacht hat. Dementsprechend waren auch meine Erwartungen in Bezug darauf sehr ...

»Dieser Thriller beginnt, wo andere enden.«

Diese Aussage war es unter anderem, die mich auf das Buch ungemein neugierig gemacht hat. Dementsprechend waren auch meine Erwartungen in Bezug darauf sehr hoch, dass sich dieser Thriller von anderen abhebt, was ich beim Lesen aber nicht so empfunden habe. Klar, die Handlung setzt ein, nachdem Lena ihrem Entführer entkommen konnte, letztendlich gab es für mich aber keine Details, die mich in besonderem Maße weggefegt hätten, obwohl ich mich insgesamt trotzdem ganz gut unterhalten fühlte.

Romy Hausmanns Schreibstil fand ich sehr angenehm und fesselnd zu lesen. Besonders der Sichtwechsel, der auch Änderungen in der Erzählweise mit sich gebracht hat, hat mir sehr gut gefallen, auch wenn ich für die wenigsten Charaktere Sympathie aufbringen konnte. Das hing zu einem großen Teil auch damit zusammen, dass Verwirrung von Beginn an der ununterbrochene Begleiter des Lesers ist. Immer wieder werden einem mysteriöse Häppchen hingeworfen, die weitere Fragen aufwerfen und dadurch auf der einen Seite natürlich Spannung erzeugen, andererseits aber auch ein gelegentliches Stirnrunzeln zur Folge haben. So warf das Verhalten einiger Charaktere immer wieder Fragen auf, die sich für mich auch nach Beenden des Buches teilweise noch unbeantwortet anfühlen. Ich hatte hier am Ende das Gefühl, dass in manche Aspekte einfach nicht genug Einblick gegeben wird, um die Figuren, deren Handeln und ihre Gedanken vollständig verstehen zu können. Aufgrund dessen habe ich manches einfach als merkwürdig empfunden, ohne eine Erklärung dafür zu bekommen.

Die Tatsache, dass so viele neugierig machende Puzzleteile zusammenkommen, hat mich bis zum Ende an die Seiten gefesselt, obwohl ich gleichzeitig nicht behaupten würde, dass sich handlungstechnisch besonders viel tut. Ich habe die Handlung doch eher als ruhig wahrgenommen, die Spannung ist unterschwellig spürbar und schraubt sich in einigen wenigen Szenen in die Höhe, sodass man sich hier noch stärker an den Seiten festsaugt. Die Cliffhanger der einzelnen Erzählperspektiven sind gut gesetzt und werfen dem Leser spannende Häppchen hin, die teilweise vorhersehbar sind, teilweise aber auch völlig unerwartet kommen, weil man in die Richtung gar nicht gedacht hat.

Durch die vielen verwirrenden Aspekte wird natürlich ordentlich Druck für die Auflösung aufgebaut. Das Ende kann dem in meinen Augen aber leider nicht standhalten. Zwar gab es ein paar Wendungen – und seien sie noch so klein –, die mich überrascht haben, weil ich manche Dinge gar nicht infrage gestellt oder in eine ganz andere Richtung gedacht habe, letztendlich fehlte mir aber vor allem bei der großen Auflösung das gewisse Etwas, das mich von den Socken haut. Ich fand es nicht vorhersehbar, objektiv betrachtet sogar interessant und pfiffig eingefädelt, aber zwischen mir und den Enthüllungen hat es irgendwie trotzdem nicht gefunkt. Ich hatte mehr erwartet, Außergewöhnlicheres, weil diese ganzen merkwürdigen Details das eigentlich erhoffen ließen.

Fazit

Ein Buch, das mich bis zum Ende zu fesseln wusste, dem in der Auflösung aber das gewisse Etwas fehlte, um richtig zu begeistern. Außerdem fühlte ich mich nicht hundertprozentig zufriedengestellt, weil manches unklar bleibt. Deshalb sind es für mich 3,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.03.2020

Süße Eishockey-Lovestory, die einfach glücklich macht.

Maybe this Time - Und auf einmal ist alles ganz anders
0

Mich haben im Klappentext viele Aspekte angesprochen, weshalb das Buch schon seit einer ganzen Weile sein Dasein auf meinem SuB gefristet hat. Jetzt habe ich es endlich davon befreit und muss sagen, dass ...

Mich haben im Klappentext viele Aspekte angesprochen, weshalb das Buch schon seit einer ganzen Weile sein Dasein auf meinem SuB gefristet hat. Jetzt habe ich es endlich davon befreit und muss sagen, dass „Maybe this Time“ meine Erwartungen voll und ganz erfüllt hat: Man erwartet eine süße Liebesgeschichte zum Wohlfühlen und bekommt auch genau das.

Jennifer Snows Schreibstil liest sich angenehm und leicht, der Ton des Buches ist überwiegend positiv, nur gelegentlich drängen sich ein paar negative Gefühle wegen Abbys Exmann auf, die aber nie drückend werden. „Maybe this Time“ ist ein Wohlfühlbuch durch und durch, bei dem man sich entspannt zurücklehnen, aber trotzdem schwärmend mitfiebern kann.

Besonders imponiert haben mir die beiden Protagonisten, die wirklich unglaublich sympathisch sind. Auf der einen Seite haben wir Abigail, die sich gerade von ihrem Eishockeyspieler-Mann Dean scheiden lässt und mit ihrer neunjährigen Tochter in ihre Heimatstadt zurückzieht, um einen Neuanfang zu wagen. Die Umstände ihrer Scheidung, Deans aktuelles Verhalten, Jacksons anfängliche Einstellung und die eingeschnappte Haltung ihrer Tochter Dani zu Beginn haben mich auf Anhieb mit der alleinerziehenden Mutter mitfühlen lassen. Die ehrlichen Gefühle für ihre Tochter werden sehr authentisch transportiert und haben sie mir nur noch sympathischer gemacht, während ich mich über Dean immer wieder geärgert habe.

Jackson mochte ich hingegen von Anfang an: Abigail nimmt ihn zwar als distanziert und abweisend wahr, weil er sich in ihrer Gegenwart bewusst so gibt, um seine wahren Gefühle zu verschleiern, aber durch den regelmäßigen Sichtwechsel wird dem Leser recht schnell klar, dass der arme Kerl sich schon seit Jahren nach Abigail verzehrt. Seine Gedanken über sie haben mich regelmäßig zum Lächeln gebracht und man kann Jackson gar nicht nicht mögen, weil er der Inbegriff eines guten Kerls ist.

Ich liebe Liebesgeschichten, bei denen die Protagonisten eine Vorgeschichte haben, was ja auch hier der Fall ist. Gelegentlich bekommen wir durch kurze Rückblenden einen kleinen Einblick in die Vergangenheit der beiden, wodurch ich vor allem Jackson immer stärker ins Herz geschlossen habe. Die Tatsache, dass er schon seit Jahren in sie verliebt ist, das aber mit abweisendem Verhalten zu verschleiern versucht, und sie sich in der Highschool in seinen besten Freund verliebt und ihn dann sogar geheiratet hat, bietet für mich die perfekte Ausgangssituation für eine rundum süße Liebesgeschichte. Ich habe von Seite 1 an mit den beiden mitgefiebert und mich regelmäßig dabei ertappt, wie ich über ihre Dialoge und Annäherungen breit gegrinst habe. „Maybe this Time“ ist einfach genau das: Eine süße Liebesgeschichte, bei der man schwärmend mitfiebern kann. Und noch dazu eine, in der Eishockey eine große Rolle spielt. Nach „The Ivy Years“ bin ich ein großer Fan von Eishockey-Liebesgeschichten, deshalb werde ich mir definitiv auch noch die Bücher mit Jacksons Brüdern vorknöpfen!

Fazit

„Maybe this Time“ ist eine süße Liebesgeschichte, bei der man sich rundum wohlfühlen und bis zum Ende mitfiebern kann, ohne dass es trotz garantiertem Happy End langweilig wird. Ich hatte viel Spaß bei Abigail und Jacksons Geschichte und freue mich auf die anderen Bücher der Autorin. 4 Sterne!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2020

Entspannende Liebesgeschichte zum Abschalten, ohne Bauchkribbeln und neue Ideen.

No Sweeter Love
0

Von Olivia Miles habe ich bereits »Weihnachten in Briar Creek« gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Ich war also schon mit dem Schreibstil der Autorin vertraut und habe mir einiges von der Geschichte ...

Von Olivia Miles habe ich bereits »Weihnachten in Briar Creek« gelesen, das mir sehr gut gefallen hat. Ich war also schon mit dem Schreibstil der Autorin vertraut und habe mir einiges von der Geschichte erhofft, vor allem auch, weil sie ein Thema anschneidet, das ich in Liebesromanen eigentlich ganz gerne lese: das Führen einer Fake-Beziehung. Mittlerweile merke ich aber, dass ich des Themas auch langsam überdrüssig werde, weil man es wirklich unheimlich oft zu lesen bekommt, und letztendlich scheint auch jede dazugehörige Geschichte sehr ähnlich zu sein und nichts Neues mehr zu bieten. Leider trifft das auch auf »No Sweeter Love« zu, auch wenn man der Autorin zugestehen muss, dass sie zumindest mit einigen Erwartungen bricht.

Olivia Miles‘ Schreibstil liest sich auch hier wieder sehr angenehm, sie schreibt leicht, ohne drückende Töne, entwirft authentische Dialoge und sympathische Figuren, die aber nur eine sehr geringe Tiefe aufweisen. Sowohl Claire als auch Ethan habe ich auf den ersten Blick liebgewonnen und vor allem mit Claire von der ersten Sekunde an mitgefühlt, weil man direkt in ihre „Probleme“ hineingeworfen wird. Besonders imponiert hat mir die starke Freundschaft zwischen den beiden, weshalb es mir nicht schwerfiel, auf mehr zwischen ihnen hinzufiebern, da die Chemie und die Verbindung zwischen ihnen sehr glaubwürdig rüberkamen.

Wegen der klischeehaften Storygrundlage fehlte es der Geschichte aber leider erheblich an Spannung. Zwar erwartet man hier und da bestimmte Geschehnisse bzw. Verhaltensweisen der Figuren, die dann erfrischender Weise doch ganz anders kommen, aber im Grunde genommen weiß man eigentlich von Anfang an, wo die Geschichte hinführt. Es gibt die langsamen Annäherungen, den großen Knall und das Happy End – also keine Überraschungen, die etwas Spannung aufbauen würden. Mir persönlich fehlte es außerdem auch an den Schmetterlingen im Bauch und der kribbeligen Aufregung, die ich mir von Liebesromanen erhoffe – das hat hier völlig gefehlt. Die Liebesgeschichte ist ruhig und entspannend, aber leider auch kaum Aufsehen erregend.

Fazit

Eine Liebesgeschichte für zwischendurch, bei der man entspannen und abschalten kann, die aber leider ohne Bauchkribbeln daherkommt und alles andere als innovativ ist. Bedauerlicherweise verpasst man nichts, wenn man sie nicht liest. 3,5 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.02.2020

Guter Folgeband, der Sages Entwicklung weiterhin authentisch schildert.

Verliere mich. Nicht.
0

Nach dem fiesen Cliffhanger in Band 1 musste ich mir direkt Band 2 vorknöpfen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. New Adult Büchern, die sich über zwei oder mehr Bände erstrecken, bin ...

Nach dem fiesen Cliffhanger in Band 1 musste ich mir direkt Band 2 vorknöpfen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. New Adult Büchern, die sich über zwei oder mehr Bände erstrecken, bin ich meistens etwas skeptisch gegenüber, da die Geschichte meiner Erfahrung nach oft nur unnötig in die Länge gezogen wird. Die Befürchtung hatte ich auch hier, sie hat sich aber nur in kleinen Teilen bestätigt.

Schon in meiner Rezension zu Band 1 habe ich geschrieben, dass das Drama am Ende des Buches in meinen Augen recht unnötig ist – das Happy End wird hinausgezögert, wie man das aus vielen Büchern des Genres kennt. Das hat sich in zwei Dritteln des Folgebandes für mich auch dezent bestätigt, weil letztendlich alles doch so viel einfacher sein könnte. Dies ist jedoch aus zwei Gründen verzeihlich.

Zum einen wird Sages Handeln dadurch nachvollziehbarer und realistischer. Oft geht es in New Adult Büchern in Hinblick auf die Konfliktlösung viel zu schnell, wodurch der Konflikt letztendlich als nichtig und lächerlich erscheint – warum wird so ein großer Wirbel um diese Sache gemacht, wenn die Lösung dann doch so einfach ist? Das ist hier authentisch gelöst: Die Lösung ist dem Konflikt angemessen, es wird sich Zeit genommen, um dorthin zu gelangen. Ob sich zu viel Zeit genommen wird, ist dann die andere Frage, die sich für mich aber erst 60 Seiten vor Ende des Buches wirklich gestellt hat, denn erst da kam bei mir der Gedanke auf, dass ich jetzt eigentlich gerne schon am Ende des Buches angelangt wäre. Auf den letzten 60 Seiten ist aber noch viel Wichtiges für die Geschichte passiert, deshalb ist dieser kurze Anflug von Lustlosigkeit kaum der Rede wert.

Zum anderen habe ich dieses „Hinauszögern des Happy Ends“ als nicht so drastisch empfunden, weil es der Autorin dennoch gelungen ist, mich durchgehend zu unterhalten. Ich hatte zu keinem Zeitpunkt den Drang, die Augen über das Herumeiern der Protagonisten zu verdrehen, denn letztendlich gibt es für Sages Verhalten, für ihr Zögern und ihr Zurückziehen, nachvollziehbare Gründe, auch wenn man hier und da argumentieren könnte, dass sie es sich unnötig schwer macht. Ihre schwierige Vergangenheit lässt den Leser das aber verstehen. Dadurch, dass ich nie die Lust verloren habe, weiterzulesen, dadurch, dass immer irgendetwas Spannendes, Interessantes oder Schönes passiert ist, wiegt dieser Kritikpunkt für mich nicht so schwer.

Sages und Lucas Geschichte – und auch Sages eigene Geschichte im Besonderen – hat mir bis zum Ende Spaß gemacht, wobei ich auch dieses Mal wieder sehr angetan davon war, wie die Autorin Sages Entwicklung beschrieben hat. Ihre Ängste lösen sich nie völlig in Luft auf, aber es wird glaubwürdig dargestellt, wie diese immer weniger Macht über sie haben. Und mit ihnen ihr personifizierter Albtraum.

Das Ende hat mir sehr gut gefallen und hat die Geschichte für mich nahezu perfekt abgeschlossen. Wir dürfen noch ein letztes Mal erleben, wie stark unsere zu Beginn verängstigte und vorsichtige Protagonistin geworden ist, wie sehr die Erlebnisse in den beiden Büchern sie verändert und gestärkt haben. Das einzige, was ich am Ende auszusetzen habe, ist die Tatsache, dass wir im Epilog fast nichts mehr über die Nebencharaktere erfahren, obwohl sich das eigentlich angeboten hätte. Zuvor wurden einige mögliche Entwicklungen für sie angedeutet, auf die ich zum Teil auch gehofft habe (Stichwort: Connor und Aaron?), die hier aber nicht nochmal thematisiert und offengelassen wurden. Das finde ich etwas schade. Ich weiß nicht, ob die Autorin bezüglich ihrer Nebencharaktere noch irgendetwas geplant hat (vielleicht ist mir auch etwas entgangen?), aber ich hoffe jedenfalls stark darauf, denn ich habe den Freundeskreis um Sage und Luca sehr ins Herz geschlossen und würde gerne mehr von ihnen lesen.

Fazit

Ein solider Folgeband, der genauso gut unterhält wie „Berühre mich. Nicht.“ und die Geschichte zufriedenstellend abschließt. Nur von den Nebencharakteren würde ich gerne noch mehr lesen, weil mir da zu viel offenbleibt. Ich vergebe wieder 4 Sterne.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere