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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2017

Gefühlsgeladener Prolog, danach sehr oberflächlich.

All for You - Sehnsucht
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Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, ...

Das Buch beginnt mit einem fantastischen Prolog, der das Interesse des Lesers weckt und die Gefühle der Protagonisten unglaublich gut rüberbringt. Die intensiven Gefühle, die die beiden füreinander hegen, kommen beim Leser an und lassen diesen mitfiebern. Nach den fünf Jahren Kontaktlosigkeit ist die Beziehung jedoch völlig anders geartet, als sich die beiden wieder näherkommen: Es gibt unglaublich viele nervige Streitereien und mindestens genauso viel Versöhnungssex. Die Beziehung scheint auf einmal nur noch körperlicher Art zu sein und von den ach so tiefen Gefühlen, die die beiden füreinander hegen, merkt der Leser leider nur wenig. Dies zieht sich bis zum Ende hin und wurde in meinen Augen auch leider nicht mehr besser. Es wird viel auf Drama gemacht, aber statt den Leser in diesen Momenten mitzureißen und mitfühlen zu lassen, wirkten diese Momente auf mich pseudotiefgründig und melodramatisch. Der Eindruck einer tiefen Verbindung zwischen den Protagonisten konnte bei mir nicht mehr geweckt werden, obwohl das Buch in dieser Hinsicht mit dem Prolog so stark begann.

Obwohl der Schreibstil durchgehend angenehm und flüssig zu lesen war und die Liebeszenen unglaublich gut und ansprechend geschildert waren (obwohl sie auf der Gefühlsebene zu wünschen übrig ließen), baute das Buch für mich immer weiter ab, sodass mir auch die Lust am Weiterlesen irgendwann abhandenkam. Dies ist auch den Protagonisten verschuldet. Maya war eine Protagonistin, mit der ich im Prolog richtig mitgelitten habe. Sie schien, ein schweres Geheimnis mit sich herumzutragen, das sie Cameron nicht anvertrauen konnte und aufgrund dessen sie seinen Heiratsantrag ablehnen musste. Leider war das Geheimnis in meinen Augen ziemlich mau. Es war nichts, was sie mit Cam nicht hätte besprechen können. Aufgrund dessen wirkte das Beziehungsdrama der beiden unnötig an den Haaren herbeigezogen und die ach so tiefe Verbindung von Maya und Cam bekam für mich einen Dämpfer, da hier offenbar eine Vertrauensbasis fehlte. Dazukam, dass Maya sich nach den fünf Jahren wirklich drastisch verändert hat, was natürlich nachvollziehbar war, mir aber zunehmend auf die Nerven ging. Sie war verständlicherweise abweisend und in Bezug auf Cam sehr vorsichtig, gleichzeitig aber auch verantwortungslos, was sich in ihrem enormen Alkoholkonsum äußerte. Ihr offensichtliches Unglücklichsein und ihr Kontrollverlust drückten auf die Stimmung, sprachen aber nicht mein Mitgefühl an. Sie ging mir zunehmend auf die Nerven, was sich bis zum Ende nicht mehr besserte. Ihre Entwicklung auf den letzten zwanzig Seiten war viel zu schnell und unrealistisch, sodass die eingeflochtenen Themen (beispielsweise die Alkoholabhängigkeit) nicht zufriedenstellend abgehandelt wurden. Daraus hätte man viel mehr machen können.

Cam war daneben etwas sympathischer, aber auch nicht immer ein angenehmer Protagonist. Man merkt schon im Prolog, dass er klammernd und besitzergreifend ist, Mayas Wünsche auf etwas Bedenkzeit nicht akzeptieren kann, sondern auf eine sofortige Entscheidung pocht. Dadurch beginnt überhaupt erst das ganze Drama und er scheint auch nach fünf Jahren nicht sehr viel dazugelernt haben. Immer noch ist er besitzergreifend und will zu schnell zu viel, obwohl er sich zumindest Mühe gibt, etwas geduldiger zu sein. Die aktuelle Maya, die neue Maya, scheint er dabei aber irgendwie nicht zu sehen, er verrennt sich in der Vorstellung seiner früheren Beziehung mit ihr, liebt ihr altes Ich und akzeptiert nicht so richtig, dass sich Maya nach all der Zeit stark verändert hat, obwohl er ihr das vor allem auf den letzten Seiten versichert. Bei mir kam das leider nicht an. Hinzukommt, dass er Maya in absolut unangebrachten Momenten Vorwürfe macht, in denen sie eigentlich seine Unterstützung benötigen würde, wodurch meine Sympathie für ihn kleine Dämpfer bekommen hat. Cameron ist ein Protagonist, den man akzeptieren kann, der aber doch eher Durchschnitt ist. Ein Stereotyp – der besitzergreifende und schließlich durch die Frau weichgekochte Mann, den darüber hinaus aber keine besonderen Charaktereigenschaften auszeichnen. Er war irgendwie langweilig.

Die Nebenfiguren waren dagegen deutlich sympathischer, obgleich auch nichts Neues in dem Genre. Bei Maya waren das der schwule beste Freund Eli und die beste Freundin Vanessa. Bei Cam der Aufreißer-Bruder und beste Freund Darren und die besorgte und deshalb Maya gegenüber abweisende Schwester Olivia, die beide in den nächsten Bänden ihr Glück finden sollen. Da diese doch schon interessantere Charaktereigenschaften aufwiesen, werde ich den nächsten Bänden vielleicht noch eine Chance geben.

Fazit

Insgesamt hat mich das Buch sehr enttäuscht, da ich mir durch den Prolog sehr viel mehr erwartet habe. Im NA-Genre sticht dieses Buch leider nicht heraus – ich finde sogar, dass es etwas schlechter ist als der Durchschnitt, da mir irgendwann die Lust vergangen ist und ich mit den Protagonisten nicht mehr mitfühlen konnte. Von daher würde ich „All for you“ nur bedingt weiterempfehlen. Ich vergebe 2,5 Sterne und hoffe, dass die nächsten Bände mehr überzeugen können.

Veröffentlicht am 03.02.2018

Ziemlich belanglose Handlung, hat mich leider nicht berührt.

Mein Leben oder ein Haufen unvollkommener Momente
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Klappentext (LovelyBooks)

Getroffen haben sich Tess und Jonah nur ein einziges Mal. Obwohl sie sieben Monate zusammen waren. In dieser Zeit haben sie alles miteinander geteilt per Chat, Facebook, Tweets, ...

Klappentext (LovelyBooks)

Getroffen haben sich Tess und Jonah nur ein einziges Mal. Obwohl sie sieben Monate zusammen waren. In dieser Zeit haben sie alles miteinander geteilt per Chat, Facebook, Tweets, haben sich herzzerreißende E-Mails geschrieben, ihr Innerstes preisgegeben, sich gegenseitig ihre Liebe erklärt. Und trotzdem hat Tess es nicht kommen sehen: Jonahs Selbstmord. Doch Tess sendet weiter Nachrichten an Jonah, ihre erste Liebe. Es ist ihre Art, die Trauer zu verarbeiten. Und eines Tages erhält sie tatsächlich Antwort …

Meine Meinung

»Unser ganzes Leben ist ein einziger Haufen unvollkommener Momente.« (S. 241)

Als ich die Leseprobe zu diesem Buch las, dachte ich mir: Hey, cool! Ein neues Jugendbuch, das von ernsteren, traurigen Tönen zu lockeren, witzigen hin und her springt. Eine Liebesgeschichte mit traurigem Hintergrund, aber einer sarkastischen Protagonistin! Solche Bücher liebe ich nämlich.

»Tessie, du gehst jetzt in dein Zimmer und ziehst dir eine richtige Hose an.«
»Wie bitte? Eine richtige Hose?«
»Du weißt schon, was ich meine. Eine hosige Hose eben.« (S. 71)


Hinsichtlich dieser Einschätzung habe ich mich bei dem Buch auch nicht getäuscht, aber … ich habe doch mehr erwartet.

Zunächst einmal steht die Liebesgeschichte nicht im Vordergrund. Das ist an sich ja nichts Schlimmes, aber hier wurde sie dadurch irgendwie „wirklich“ unbedeutend und nebensächlich – ich konnte mich nicht für sie begeistern. Was schade ist, weil ich beim Lesen des Klappentextes sogar gedacht habe, dass wir hinsichtlich dessen Großes erwarten können.

Stattdessen geht es vielmehr um sehr düstere Themen wie Selbstmord, Trauer und dem Umgang mit dieser. Ernste Themen, die für mich aber unzufriedenstellend behandelt wurden. Nicht nur die Liebesgeschichte, sondern die ganze Story erschien für mich irgendwie belanglos. Tess setzt sich mit ihrer Trauer auseinander (oder auch nicht), indem sie die Schule abbricht und schließlich ihrem Vater in seinem unkonventionellen Bestattungsunternehmen zur Hand geht (zu Beginn des Buches schickt er die Überreste eines Hundes mit einer Rakete in den Weltraum). Wir begleiten Tess also auf ihrem Weg zu verschiedenen Kunden, erfahren die Geschichte der Verstorbenen und erleben mit, wie deren ungewöhnliche, aber persönliche Beerdigungen ausgerichtet werden. Ich muss sagen: Das fand ich eher weniger spannend, fast schon langatmig, weil ich keine tiefere Message mitnehmen konnte.

Die Handlung dümpelt so ein bisschen vor sich hin. Die Nachrichten, von denen im Klappentext die Rede ist, sind am Anfang noch sehr präsent, dann irgendwann gar nicht mehr vorhanden, weil sich erstaunlich schnell persönlich getroffen wird und dann geht es vor allem um Tess‘ persönliche Trauerbewältigung. Es war alles so … na, wie soll ich es sagen? Unspektakulär! Die Idee hätte viel viel mehr hergegeben. So war es irgendwie keine Geschichte, die unbedingt hätte niedergeschrieben werden müssen, so heftig es auch klingt.

Mir fehlten ganz klar die großen Gefühle, das Mitfühlen und -leiden – einfach die Seele in jedem Wort. Ich wurde stellenweise zum Schmunzeln gebracht, aber nicht berührt. Einfach auch, weil die Charaktere dafür nicht gut genug ausgearbeitet waren.

Abschließend finde ich, dass wir im Deutschen außerdem um den berührenden Originaltitel betrogen wurden. „Things I’m Seeing Without You“ heißt das Buch eigentlich und man erfährt schon zu Beginn der Geschichte, wieso es diesen Namen trägt. Meiner Meinung nach steckt in diesem Satz einfach viel mehr Gefühl und er trifft den Gedanken des Buches besser…

Fazit

Ich bin leider relativ enttäuscht von dem Buch, weil ich einfach mehr erwartet habe. Ich musste mich nicht zum Lesen zwingen, aber richtig gefesselt war ich auch nicht, weil die Handlung bloß vor sich hinplätscherte und große Gefühle auf der Strecke blieben. Deshalb nur 2,5 Sterne von mir.

Veröffentlicht am 23.01.2018

Oh. Mein. Gott. Was war das für ein geniales Ende?

Pheromon 1: Sie riechen dich
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Wahnsinn! Ich bin von dem Ende dieses Buches immer noch völlig geplättet. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sich die Handlung in diese Richtung entwickeln würde. Rainer Wekwerth und Thariot haben ...

Wahnsinn! Ich bin von dem Ende dieses Buches immer noch völlig geplättet. Niemals hätte ich damit gerechnet, dass sich die Handlung in diese Richtung entwickeln würde. Rainer Wekwerth und Thariot haben mit diesem Reihenauftakt eine vielversprechende und völlig neue Idee ins Leben gerufen, die meine Erwartungen um einiges übertroffen hat.

Die Handlung spielt sich auf zwei verschiedenen Zeitebenen ab. In der Zeitebene der Gegenwart, im Jahre 2018, begleiten wir Jake, einen 17-jährigen Schüler, der seit Neuestem merkwürdige Veränderungen an sich beobachtet: Er braucht auf einmal keine Brille mehr, kann die schwierigsten Matheaufgaben im Kopf lösen und vor allem sein Geruchssinn scheint um einiges ausgeprägter, denn er meint auf einmal, Gefühle und Charaktereigenschaften riechen zu können. Auch wenn ihn seine neuen „Fähigkeiten“ beunruhigen, stößt Jake schon bald auf weit größere Probleme, die das Schicksal der ganzen Welt zu betreffen scheinen.

Abwechselnd zu diesem Handlungsstrang folgen wir im Jahre 2118 den Spuren des 68-jährigen Travis‘, einem Arzt in Rente, der ehrenamtlich in einer Klinik für Obdachlose und Hilfsbedürftige arbeitet, nachdem einige Ereignisse in der Vergangenheit sein Leben auf den Kopf gestellt haben. Schon gleich zu Beginn des Buches wird er in seiner heruntergekommenen Wohngegend von drei jungen Männern in Begleitung eines schwangeren Mädchens überfallen, das kurz darauf in der Klinik auftaucht. Bei ihrer Untersuchung tritt eine beunruhigende Meldung auf, die Travis dazu bringt, weiter nachzuforschen und der verdächtigen Hilfsorganisation Human Future Project größere Beachtung zu schenken, ohne zu ahnen, in welche gigantische Sache er da hineinschlittert.

Während mich Jakes Handlungsstrang zu Beginn ein wenig an Spiderman erinnert und sofort abgeholt hat, hatte ich mit Travis zunächst meine Schwierigkeiten, da ich dessen Verhalten stellenweise nicht nachvollziehen konnte. Mit Voranschreiten der Handlung wird man jedoch immer mehr in seine Vergangenheit und seine Beweggründe eingeweiht, sodass sich dieses Problem bald in Luft auflöste. Langsam aber sicher konnte ich sowohl Jake als auch Travis ins Herz schließen, gefolgt von vielen „Nebencharakteren“, die die Handlung entscheidend vorantreiben und die beiden bei ihren jeweiligen Vorhaben unterstützen.

Beide Handlungsstränge sind interessant und spannend zu verfolgen: Während bei Jake vor allem seine neuen Fähigkeiten faszinieren, ist es bei Travis die Zukunftsversion. Ohne mit zu vielen Infos überfordert zu werden, lernt man die Welt in 2118 kennen, die mit vielen technischen Neuerungen aufwartet und dabei nicht überspitzt, sondern sogar denkbar erscheint.

Das Buch gefiel mir immer besser, je mehr es auf das Ende zusteuerte. Es wird durchgehend spannender, wichtige Ereignisse folgen irgendwann Knall auf Fall und ständig werden neue Fragen aufgeworfen, die man am liebsten sofort beantwortet haben möchte. Allen voran die Frage danach, wie die beiden Zeitebenen überhaupt miteinander zusammenhängen. Die Handlung steigert sich stetig und entlädt sich dann auf den letzten Seiten, sodass ich dort sogar richtig Gänsehaut hatte. Hier gibt es wirklich einige überraschende Wendungen, die mich kalt erwischt haben. Umso neugieriger bin ich nun auf den zweiten Band, der nach diesem fiesen Ende einiges verspricht.

Fazit

Aufgrund der Unterschiedlichkeit zwischen beiden Zeitebenen finde ich es schwer, das Buch einem Genre zuzuweisen. Bei Jakes Kapiteln würde ich zu einem Jugendbuch tendieren, bei Travis‘ zu einem SciFi-Roman für Erwachsene, sodass ich das Buch definitiv beiden Altersgruppen ans Herz legen kann.
Es verspricht in jedem Fall spannende Unterhaltung und jede Menge Miträtseln. Ein fesselnder Reihenauftakt, der Lust auf mehr macht.
Ich vergebe fast perfekte 4,5 Sterne.

Veröffentlicht am 19.01.2018

Das kann die Autorin besser!

Tempting Love - Hände weg vom Trauzeugen
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Schon seit einer Weile geistere ich um die "Tempting Love"-Reihe herum und war überrascht, was für mittelmäßige Bewertungen der erste Band erhalten hatte. Auf Jennifer L. Armentrout / J. Lynn halte ich ...

Schon seit einer Weile geistere ich um die "Tempting Love"-Reihe herum und war überrascht, was für mittelmäßige Bewertungen der erste Band erhalten hatte. Auf Jennifer L. Armentrout / J. Lynn halte ich seit Dark Elements große Stücke, weshalb ich mir nicht vorstellen konnte, dass mich eines ihrer Bücher enttäuschen könnte.
Und doch war "Hände weg vom Trauzeugen" genau das: Enttäuschend.

Mit dem Plot erfindet die Autorin das Rad nicht neu. Es geht um eine (vermeintlich) unerwiderte Jugendliebe und (wie meistens) das Zusammenfinden der Protagonisten. Madison hängt ihrem Bruder Mitch und dessen bestem Freund Chase schon jahrelang am Rockzipfel und hat ihre Schwärmerei für Chase bis heute nicht ablegen können, trotz der Tatsache, dass sie vor drei Jahren bereits einmal von ihm zurückgewiesen wurde. Seitdem ist ihre Freundschaft nicht mehr wie vorher, sie fühlen sich unbehaglich in der Nähe des anderen und müssen sich noch dazu, weil sie im gleichen Gebäude wohnen, jeden Tag sehen. Als Maddies Bruder heiratet und Madison und Chase zu den Trauzeugen ernannt werden, kann sie ihm nicht länger aus dem Weg gehen. Erst recht nicht, als etwas mit den Reservierungen im Hotel schiefläuft, und sich die beiden auf einmal eine kitschige Honey-Moon-Suite teilen müssen.

Der Klappentext hatte mich trotz der Tatsache, dass es nichts völlig Neues in dem Genre ist, sofort angesprochen. Jugendliebe ist immer gut und dann ein gezwungenes Zusammenwohnen? Klingt doch amüsant.
Die Hälfte des Buches hat mir deshalb auch gut gefallen. Man lernt erst Maddie und ihre hoffnungslose Sehnsucht für Chase kennen, dann findet ein Perspektivenwechsel statt und wir dürfen Chase' Standpunkt zu den Dingen erfahren. Und hey, Überraschung: Er fühlt sich ebenfalls zu ihr hingezogen! Beide Charaktere waren mir auf Anhieb sympathisch, da Maddie trotz ihres Rotwerdens und ihrer manchmal unsicheren Art Chase ordentlich einheizt, und Chase ein lustiger, provokanter, aber eben auch lieber Protagonist ist, wie man ihn eigentlich nur mögen kann.

Aber beide entwickeln sich leider etwas ins Negative:
Maddie ist mir zu nachgiebig. Aufgrund ihrer starken Sehnsucht nach Chase wirkt sie schwach, lässt emotional fast alles mit sich machen und heult dann rum, wenn Chase auf ihrem Herzen herumtrampelt. Zwar geigt sie ihm auch immer wieder die Meinung, aber nur um ihm bei der geringsten Annäherung seinerseits dann wieder willig um den Hals zu fallen. Ein bisschen Unnahbarkeit hätte ihr nicht geschadet.
Und bei Chase ... eigentlich mag ich ihn. Wirklich. Aber man könnte auch meinen, der Typ wäre ein bisschen schwer von Begriff. Nicht nur lässt er zweideutige Kommentare vom Stapel, die Maddie ja missverstehen MUSS, nein, er checkt auch jedes Mal viel zu spät, warum sie wütend ist, obwohl das eigentlich naheliegend scheint...

Das gilt aber eigentlich für beide: Sowohl Maddie als auch Chase scheinen sich dumm zu stellen und nehmen jedes Missverständnis mit, das möglich ist. Dadurch werden unnötige Dramen heraufbeschworen, um das Zusammenfinden der beiden möglichst lange hinauszuzögern, während der Leser kopfschüttelnd dasitzt und die beiden am liebsten nur schütteln würde. Jedes Hindernis erscheint lachhaft und würde sich sofort aus der Welt schaffen, wenn die beiden einfach nur mal richtig miteinander reden würden (obwohl sie das eigentlich oft tun, aber die beiden wollen ja anscheinend alles falsch verstehen). Theoretisch gesehen könnte man das Buch dann auf 100 Seiten runterbrechen und sich das unnötige Hin und her sparen. Vor allem, weil jeder Streit relativ schnell und unspektakulär wieder abgehakt ist und wie eine dämliche Kleinigkeit erscheint, aber für die "Spannung" gibt es davon dann eben sehr sehr viele. Wobei Spannung hier falsch gewählt ist, denn das Buch ist von vorne bis hinten vorhersehbar...

Trotzdem war das Buch jetzt nicht grauenhaft. Es hat Spaß gemacht, wenn ich mich nicht über die oben genannten Kritikpunkte aufregen musste, und auch das Ende hat mir gut gefallen: Ein süßes, romantisches Finale, das sich die Protagonisten auf anstrengende Weise erarbeitet haben. Bei mir hat sich Erleichterung eingestellt, dass das Herumeiern endlich vorbei war. Wieso nicht gleich so?

Fazit

Insgesamt ein ganz unterhaltsames Buch für zwischendurch, wenn man sich nicht an künstlichem Drama, zahlreichen Missverständnissen und einer Protagonistin stört, die emotional viel zu viel mit sich machen lässt. Ich bin von der Autorin Besseres gewohnt - schade! Trotzdem noch durchschnittliche 3 Sterne.

Veröffentlicht am 15.01.2018

Spannender Auftakt mit neuen Ideen und vielschichtigen Charakteren!

Die Chroniken von Azuhr - Der Verfluchte
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Klappentext (LovelyBooks)

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der ...

Klappentext (LovelyBooks)

Der junge Milan Tormeno ist dazu ausersehen, seinem Vater Nandus in das Amt des Erzpriesters zu folgen: Er soll einer jener mächtigen Auserwählten werden, die die Geschicke der Welt Azuhr lenken. Doch Milan kann nicht akzeptieren, dass sein Schicksal vorherbestimmt ist. Er rebelliert – und verstrickt sich mit der Meisterdiebin Felicia und der geheimnisvollen Konkubine Nok in ein gefährliches Netz von Intrigen. Gemeinsam geraten sie in den Bann einer alten Prophezeiung steht – einer Prophezeiung, nach der die Ankunft des »Schwarzen Mondes« in Azuhr ein neues Zeitalter der Magie einläuten wird ...

Meine Meinung

Dies war mein erstes Buch von Bernhard Hennen und ich bin mehr als positiv überrascht. Mit „Die Chroniken von Azuhr – Der Verfluchte“ hat Hennen einen spannenden Auftakt einer vielversprechenden Fantasy-Trilogie geschaffen, dessen Folgebände ich schon jetzt gespannt erwarte.

Der Autor entführt uns in eine Welt, die mich an eine Mischung aus Game of Thrones, Assassin‘s Creed und mittelhochdeutscher Literatur erinnert hat. Sowohl Handlung als auch Orte sind historisch angehaucht: Wir finden Elemente wie die Pest, Feldzüge und öffentliche Hinrichtungen. Die Namen der Orte und Figuren sind zweifellos italienischen Ursprungs und zaubern dem Leser entsprechende Bilder in den Kopf. Neben der historischen Komponente tritt in der zweiten Hälfe des Buches auch eine Fantasy-Komponente in Erscheinung, für die sich das Warten definitiv lohnt. Wir werden nicht mit typischen Fantasyelementen bzw. -figuren abgespeist wie Vampiren oder Werwölfen, sondern bekommen Gestalten vorgesetzt, die der Geschichte eigen und vom Autor selbsterfundenen Mären entsprungen sind. Besonders der Krähenmann übte eine besondere Faszination auf mich aus und gab der Geschichte einen stellenweise unheimlichen Unterton.

Der Autor erzählt die Geschichte in einem der Zeit angemessenen, flüssigen Schreibstil und wechselt zwischen den verschiedenen Figuren hin und her, sodass auch immer wieder Ortswechsel stattfinden, über die uns eine kurze Beschreibung wie diese informiert:

Arbora, Atrium hinter dem Oktagon,
früher Abend, 7. Tag des Hitzemondes,
53. Jahr vor Sasmiras zweiter Thronerhebung

(S. 7)

Schon durch diese kleinen Details kommt eine ganz besondere Atmosphäre auf, durch die man förmlich in die Geschichte gesogen wird. Hennen versteht sich zudem darauf, Handlung und Umgebung bildhaft zu schildern und bei dem Leser ständig ein Kopfkino ablaufen zu lassen. Es ist, als wäre man ein Teil der Geschichte und würde alles hautnah miterleben.

Stellenweise habe ich mich jedoch etwas erschlagen von der Flut an Informationen gefühlt, da sich viele Bezeichnungen erst mit der Zeit ergeben und man dadurch zunächst mit einigen Wissenslücken lesen muss. Man muss die ganze Zeit mitdenken und vielleicht auch noch einmal zurückblättern, um etwas nachzulesen – wie das bei High-Fantasy eben so ist. Mit der Zeit gewöhnt man sich aber daran. Auch wegen der relativ schonungslosen, aber zu der Atmosphäre des Buches passenden Erzählweise, würde ich jedoch davon absehen, das Buch bei den Jugendbüchern einzuordnen.

Charaktere gibt es unglaublich viele und von keinem weiß man so richtig, wo er einzuordnen ist. Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint, keine Figur ist lediglich Schwarz oder Weiß, niemand lässt sich in eine Schublade stecken. Kaum fand ich eine Figur sympathisch, ließ sie mich im nächsten Moment an meiner Einschätzung wieder zweifeln. Man wird laufend überrascht und hat bis zuletzt (und darüber hinaus) überhaupt keine Ahnung, wer hier eigentlich gut oder böse ist.

Der männliche Protagonist Milan ist eine der wenigen Figuren, die ich durchgehend sympathisch fand, obwohl auch er seine schwierigen Seiten hat: Er ist in seinem jungen Alter noch sehr form- und manipulierbar, was sich vor allem die Frauen in seinem Leben, Nok und Felicia, zunutze machen. Aber auch, wenn er noch ein bisschen grün hinter den Ohren ist, steht er hinter seinen Überzeugungen, tritt für sein Verständnis von Gerechtigkeit ein und zeigt immer wieder aufs Neue, wie intelligent und mutig er ist. Er ist ein Protagonist, den ich gerne auf seinem Weg begleitet habe, und da macht das Lesen doch gleich viel mehr Spaß.

Je mehr die Geschichte schließlich ihrem Ende entgegensteuert, desto besser wird sie. Sie wartet nicht nur mit steigender Spannung, sondern auch neuen Charakteren und überraschenden Lachern auf. Plätschert die Handlung vor allem am Anfang eher noch vor sich hin, damit man die einzelnen Personen und Orte näher kennenlernen kann, so nimmt die Handlung in der zweiten Hälfte immer mehr an Fahrt auf, um uns dann mit ganz vielen offenen Fragen und Lust auf den zweiten Band zurückzulassen. Man kommt eigentlich nicht drumherum, auch die nächsten Bände zu lesen.

Fazit

Hennen hat einen spannenden High-Fantasy-Auftakt mit neuen Ideen, fragwürdigen Charakteren und vielen offenen Fragen geschaffen, die den Leser den zweiten Band sehnsüchtig erwarten lassen. Ich hatte sehr viel Spaß beim Lesen und bin überzeugt davon, dass in der Geschichte noch einiges drinsteckt und die Folgebände diesen hier wahrscheinlich noch toppen können. Deshalb für den Anfang zuversichtliche 4 Sterne!