Was auf dieser Insel passiert, bleibt nicht verborgen
Die Insel - einer kennt die ganze WahrheitIch habe das Buch mit gemischten Erwartungen angefangen. Ein Sommerhaus auf einer abgelegenen Insel, alte Konflikte, ein dunkles Familiengeheimnis, das alles klang vielversprechend. Und tatsächlich, die ...
Ich habe das Buch mit gemischten Erwartungen angefangen. Ein Sommerhaus auf einer abgelegenen Insel, alte Konflikte, ein dunkles Familiengeheimnis, das alles klang vielversprechend. Und tatsächlich, die Atmosphäre im Buch hat mich direkt abgeholt. Das Setting auf Gotland war richtig stimmungsvoll beschrieben, fast schon ein bisschen unheimlich. Ich spürte spürt von Anfang an, dass unter der sonnigen Oberfläche etwas ganz und gar nicht stimmt.
Was mir besonders gut gefallen hat, war der psychologische Aufbau. Die Figuren, vor allem Isak und sein Vater, tragen ordentlich Ballast mit sich herum, und das spürt man. Auch die Spannungen innerhalb der Gruppe waren echt gut dargestellt. Es war kein typischer Thriller mit viel Action, eher ein leises, schleichendes Unbehagen, das sich langsam aufbaut.
Allerdings muss ich sagen, dass ich stellenweise etwas mehr Spannung erwartet hätte. Die Geschichte entwickelt sich eher langsam, manchmal sogar etwas zäh. Es gibt keine riesigen Überraschungen oder Wendungen, wie man sie vielleicht von einem klassischen Psychothriller kennt. Aber trotzdem wollte ich wissen, wie alles zusammenhängt und was am Ende rauskommt, also hat es mich doch schon bei der Stange gehalten.
Der Schreibstil ist angenehm, nicht zu kompliziert, und die Dialoge wirkten meist natürlich. Man merkt, dass Kvensler auf Zwischenmenschliches setzt statt auf Blut und Drama, was ich grundsätzlich gerne mag, auch wenn ich mir in diesem Fall manchmal ein bisschen mehr Tempo gewünscht hätte.
Nachdem ich bereits „Der Ausflug“ von Ulf Kvensler gelesen habe und davon richtig begeistert war, wollte ich natürlich wissen, ob „Die Insel“ da mithalten kann. Auch wenn es für mich nicht ganz an die Spannung und Dynamik von „Der Ausflug“ herankommt, hat das Buch auf jeden Fall gezeigt, dass Kvensler ein gutes Gespür für Atmosphäre und zwischenmenschliche Spannung hat. Ich bin gespannt, was noch von ihm kommt, und freue mich schon auf weitere Bücher.
Auf jeden Fall ist „Die Insel“ eine lesenswerte Geschichte mit glaubwürdigen Figuren und einer unterschwelligen Spannung, die vor allem durch das Unausgesprochene wirkt. Wer sich auf eine eher ruhige, psychologische Erzählweise einlassen kann, wird hier auf seine Kosten kommen.
Natürlich ist das nur meine persönliche Meinung. Was mir zu ruhig oder zu subtil war, kann für andere genau das sein, was das Buch besonders macht. Deshalb, am besten selbst lesen und sich ein eigenes Bild machen.