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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.07.2020

Abenteurer auf zwei und vier Pfoten…

Einmal mit der Katze um die halbe Welt
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Auf dieses Buch wurde ich bereits durch das Cover aufmerksam - eigentlich braucht‘s dazu gar keinen Titel mehr, denn es ist aussagefähig genug…
Martin Klauka möchte sich einen Traum erfüllen und mit dem ...

Auf dieses Buch wurde ich bereits durch das Cover aufmerksam - eigentlich braucht‘s dazu gar keinen Titel mehr, denn es ist aussagefähig genug…
Martin Klauka möchte sich einen Traum erfüllen und mit dem Motorrad bis nach Dubai zu einem Kumpel fahren, die Planung läuft und kurz vor der Abreise stolpert ein junges Kätzchen in sein Leben und sein Herz: Mogli oder auch „Prinzessin“ genannt.
Die Optionen nicht zu fahren oder Mogli nach dem Aufpäppeln wieder abzugeben stehen gar nicht erst zur Debatte und so treten beide eine erlebnisreiche Reise mit dem Motorrad quer durch Europa, via Türkei und Iran nach Dubai an. Und hier ist das große Abenteuer noch nicht zu Ende: Nepal wartet als nächstes Ziel…
Der Einstieg ist super gelungen und man ist sofort "dabei". Meine Eindrücke bereits nach den ersten paar Seiten waren sehr positiv, Martin ist mir sehr sympathisch und man merkt auch das dieser Wunsch nicht nur aus einer Laune heraus erfolgt. Die Reisepläne wirken auf mich sehr gut durchdacht und vor allem mit langfristiger Vorbereitung. Das mit Ankunft von Mogli auch für diese die notwendigen Planungen einbezogen wird, zeugt von Verantwortung, allerdings auch von Mut, denn es war bestimmt nicht abzusehen, das sich Mogli doch als recht pflegeleicht herausstellt. Katzen sind doch nun mal recht eigensinnige Wesen mit einem sehr starken Willen.
Sehr mutig finde ich die Entscheidung die Reise allein (also ohne "menschliche" Begleitung durchzuführen). Denn man könnte durchaus in Situationen geraten, wo man vielleicht Hilfe oder Unterstützung gebrauchen könnte.
Es ist unglaublich schön diese Reise durch die bildhafte und treffend charakterisierte Beschreibung quasi selbst zu erleben. Es erstaunt mich, das alles im Großen und Ganzen ohne gravierende Probleme ablief. Entweder war es einfach Glück – oder Negatives verblasst in der Erinnerung.
Gelungen abgerundet wird dieses Buch durch sehr schöne und gut dosiert in die jeweiligen Kapitel eingearbeitete Bilder.
Insgesamt verbreitet dieses Buch eine sehr positive und offene Einstellung, und man bekommt regelrecht Lust, diese doch eher abseits gängiger Reisen liegenden Orte wie den Iran oder Pakistan selbst zu erleben.
Mir hat dieses Buch sehr gut gefallen – es hat mir erlebnisreiche und unterhaltsame Lesemomente beschert. Gern empfehle ich dieses Buch weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.07.2020

Puzzleteil für Puzzleteil zur grausigen Wahrheit

Liebes Kind
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Vor 13 Jahren verschwand die Studentin Lena spurlos. Während ihre Mutter resigniert, steigert sich ihr Vater Matthias wie in einen Wahn, sie finden zu wollen.
Nach einem Autounfall wird eine junge Frau ...

Vor 13 Jahren verschwand die Studentin Lena spurlos. Während ihre Mutter resigniert, steigert sich ihr Vater Matthias wie in einen Wahn, sie finden zu wollen.
Nach einem Autounfall wird eine junge Frau ins Krankenhaus eingeliefert. Bei ihr ist ein dreizehnjähriges Mädchen, Hannah – ist sie ihre Tochter? Und ist diese junge Frau Lena – und wenn ja, wo war sie die ganze Zeit?
Nach und nach kommen puzzlestückweise – und durch die Autorin gut dosiert – Bruchteile der (einer) Wahrheit mit allen Grausamkeiten ans Licht: Eine einsame Hütte abseits im Wald, darin gefangen eine junge Frau, die die Rolle als Partnerin sowie Mutter für zwei Kinder erfüllen soll…
Aus den verschiedenen Perspektiven der Protagonisten: Lena, Hannah und Matthias (angenehm gesprochen von verschiedenen Sprechern) ergibt sich allmählich ein erschreckendes Gesamtbild, das ungeheuerliches Preis gibt.
Während Lena an sich und ihrer Wahrnehmung zweifelt und befürchtet, als irre weggesperrt zu werden, überrascht Hannah durch ihre präzisen, wie auswendig gelernten Kenntnisse, ist ansonsten aber zu keiner Gefühlsregung fähig. Mit Matthias wird die Verzweiflung des Vaters auf der Suche nach seiner Tochter deutlich – dabei legt er sich mit so ziemlich jeden an, der sich ihm in den Weg stellt.
Psychologisch sehr gelungen, dabei auf brutale und blutige Thrillerelemente verzichtend, fesselt Romy Hausmann den Leser an das Buch. Das Geschehen fügt sich im Kopf zusammen, ohne großartig ausgeschmückt werden zu müssen.
Für dieses Hörbuch habe ich mich entschieden, nachdem mich „Marta schläft“ von dieser Autorin sehr fasziniert hat – und ich habe dies nicht bereut.
Gern empfehle ich dieses Buch weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.07.2020

Nüchterne Betrachtung des Erleben des zweiten Weltkrieges aus Sicht eines Kindes

Der Hütejunge
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Als sechstes Kind, dessen Vater kurz vor der Geburt verstorben ist, schildert ein namenloser Junge sein Erleben und Empfinden vor und in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Familie ist arm, und schon ...

Als sechstes Kind, dessen Vater kurz vor der Geburt verstorben ist, schildert ein namenloser Junge sein Erleben und Empfinden vor und in den Zeiten des Zweiten Weltkrieges. Die Familie ist arm, und schon früh lernt der Junge, sich „unsichtbar“ zu machen – quasi als Überlebensstrategie. So idyllisch sein Heimatdorf in der Eifel auch liegt, das Grauen des Krieges macht vor ihm nicht Halt und hautnah müssen die Bewohner die Ardennenoffensive (üb)erleben.
Das Buch fesselt von den ersten Seiten durch den flüssigen und sehr gut lesbaren Schreibstil.
Jedoch musste ich immer mal wieder innehalten, denn das der Akteur nur als "Junge" bezeichnet wird macht es so austauschbar bzw. auf so viele Kinder zutreffend, die wohl während des Krieges Ähnliches erleiden mussten. Dieses Stilmittel, quasi das symbolische und stellvertretende "Umfassen" zahlreicher Schicksale, wirkt auf mich sehr stark. Die nüchternen Schilderungen zu dem Erleben und Erlebten, machen meiner Meinung nach sehr deutlich, dass vieles ohne großartige Diskussion einfach so hingenommen bzw. akzeptiert wurde, bzw. Erwachsene und Eltern noch als Autoritätspersonen wahrgenommen wurden. Was nicht heißen soll, das die Menschen damit durchweg „Duckmäuser“ waren. Meines Erachtens nach, gab es gar keine Zeit dafür, denn mit der „Ansage“ wurden quasi rasch Entscheidungen für Überleben oder Tod getroffen. Mitunter würde ich mir etwas von dieser Eigenschaft heutzutage wünschen, wo so vieles totdiskutiert werden muss. Dies ist meist nicht zielführend und kostet so viel Zeit und Kraft, die man besser einsetzen könnte.
Ulrike Blatter ist es sehr gut gelungen das alltägliche Alltagsgeschehen so zu schildern, dass man sich fühlt, als wäre man dabei. Mehr als einmal habe ich gedanklich den Hut vor diesen Menschen gezogen, das – die meisten – daran nicht zerbrochen sind. Diese pragmatische Überlebensstrategie spürt weit in nachfolgende Generationen nach: Disziplin und Sparsamkeit, allerdings auch psychische Probleme durch das Verdrängen.
Das Buch macht auf mich mit Lesebändchen, Hardcover und stabilen Schutzumschlag einen sehr hochwertigen Eindruck und liegt gut in der Hand. Abgerundet wird das ganze Werk durch einige exemplarische Fotos in der Mitte des Buches, die mit Nummer- und Seitenzahl-Verweis den Bezug zum Lesefortschritt schaffen. Auch wenn man diese Leute "nur" aus der Erzählung kennt, schaffen sie eine viel persönlichere Beziehung dazu - mir geht es zu mindestens so.
„Der Hütejunge“ hallte nach dem Lesen noch lange in mir nach – ich empfehle dieses Buch allen am Thema interessierten Lesern sehr gern weiter.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2020

Entscheidung zwischen Bleiben oder Gehen

Ich bleibe hier
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Nach der Machtergreifung Mussolinis werden die deutschen Einwohner Südtirols vor die Entscheidung gestellt, entweder nach Deutschland zu gehen, oder zu bleiben – doch dann quasi als Mensch zweiter Klasse. ...

Nach der Machtergreifung Mussolinis werden die deutschen Einwohner Südtirols vor die Entscheidung gestellt, entweder nach Deutschland zu gehen, oder zu bleiben – doch dann quasi als Mensch zweiter Klasse. Trina entscheidet sich bei ihrem Mann Erich zu bleiben, während ihre Tochter Marcia heimlich mit der Familie von Erichs Bruder Lorenz flieht.
Den Krieg in den Bergen versteckt überstanden, holt sie die Vergangenheit rasch wieder ein. Das Projekt Staudamm wird wieder in Angriff genommen und auch die Italiener dominieren weiter die daheimgebliebenen Deutschen.
Dieses Buch zeigt die innere Zerrissenheit zwischen Gehen und Bleiben der Bewohner am Beispiel Trina's Familie sehr deutlich auf, wobei dies auch exemplarisch für die verschiedenen Generationen stehen kann. Wer (seine Heimat aufgeben) kann, zieht nach Deutschland, worin vor allem die Jungen ihre Zukunft sehen. Die die zurück bleiben (müssen), werden in den Mühlen der Politik zermahlen. Was diese Umstände mit den Menschen machen, wird in diesem Buch sehr deutlich. Meines Erachtens ist Marco Balzano damit ein ergreifendes Buch zu einer Thematik gelungen, die vielleicht noch zu wenig bekannt ist. Sehr gern empfehle ich dieses Buch weiter!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.06.2020

Selbstfindung auf der Insel

Ein Sommer auf Sylt
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Julia reist mit ihrer Mutter sowie deren zwei Schwestern nach Sylt um das Erbe ihres Vaters, ein Haus, anzutreten und den Verkauf selbigen vorzubereiten. Gemeinsam mit ihrem Freund Jo ist das Geld für ...

Julia reist mit ihrer Mutter sowie deren zwei Schwestern nach Sylt um das Erbe ihres Vaters, ein Haus, anzutreten und den Verkauf selbigen vorzubereiten. Gemeinsam mit ihrem Freund Jo ist das Geld für die Erweiterung ihrer Firma eingeplant. Vor Ort erwartet Julia jedoch eine unangenehme Überraschung: im Haus wohnt die Geliebte ihres Vaters.
Die ursprünglich so unkompliziert angedachte Fahrt entwickelt sich für Julia zu einer Findungsreise zu ihrem Ich – mit den Wünschen und Träumen die sie selbst hat, und nicht das, was andere immer von ihr erwarten. Somit hinterfragt sie nicht nur ihr bisheriges Leben, sondern stellt auch ihre Beziehung zu Jo in Frage. Und das liegt nicht nur an dem smarten Hoteliers Mats.
Gesprochen wird „Ein Sommer auf Sylt“ von Sandra Voss, der es wunderbar gelingt durch Stimmlage und Tonierung die Charaktere der Protagonisten herauszuarbeiten. Bei der Schwere der zu bewältigenden Probleme bleibt jedoch auch immer der Gesamteindruck einer angenehmen und heiteren Plauderei. Ich finde es einfach amüsant zuzuhören, wie Julia in ein Fettnäpfchen nach dem anderen tritt und es ist köstlich, die überzogenen Gespräche und überraschenden Wendungen zu erleben, erkennt man sich doch oft selbst in ähnlichen Situationen.
Auch wenn das Geschehen ziemlich vorhersehbar ist, habe ich jede Minute dieses Hörbuchs genossen. Eine erfrischende Unterhaltung tut auch mal gut – und dafür ist dieses Buch super geeignet!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere