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Veröffentlicht am 19.07.2025

Was geschah damals auf dem Campingplatz Donkerbloem?

Der Trailer
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Das Buch beginnt mit einem düsteren Prolog, in dem der belgische Campingplatz Donkerbloem in den Ardennen beschrieben wird. Es ist der erste Teil einer Trilogie von Linus Geschke, der mit diesem ersten ...

Das Buch beginnt mit einem düsteren Prolog, in dem der belgische Campingplatz Donkerbloem in den Ardennen beschrieben wird. Es ist der erste Teil einer Trilogie von Linus Geschke, der mit diesem ersten Band ein vielversprechendes Debüt präsentiert.
Dieser Thriller ist ein absoluter Pageturner. Man liest immer noch in das nächste Kapitel hinein, um noch etwas Neues zu erfahren. Denn der Autor lässt eine sich ständig steigernde Spannung dadurch entstehen, dass er die Wahrheit über das, was damals passierte, nur scheibchenweise aufdeckt.
Inhaltlich geht es um die vermisste Lisa, die vor 14 Jahren verschwand, als sie allein auf dem besagten Campingplatz war und am Wochenende eine mysteriöse Party stattfand. Seitdem ist Lisa verschwunden und man ahnt Schreckliches....Nach und nach erfährt man mehr über das damalige Geschehen, denn unter Mitwirkung der suspendierten Kommissarin Frieda Stahnke gibt es einen True-Crime Podcast, der Licht in das Dunkel bringen soll. Und hier tritt dann auch Wout in das Geschehen ein, ein kleinkrimineller Barbesitzer, der damals auch in Donkerbloem war und Lisa gesehen hat.
Unvermittelt gerät man als Leser in die Rolle des Suchenden, denn man rätselt herum, wer wohl der geheimnisvolle Maskenmann sein könnte, der Lisa verfolgt hat. Aber erst auf den letzten hundert Seiten kommt allmählich Licht ins Dunkel und war für mich die absolute Überraschung, aber durchaus nachvollziehbar.
Der Autor bedient sich des Perspektiven- und Zeitwechsels, so dass die Geschichte von allen Seiten beleuchtet wird. So baut sich eine Spannung auf, die den Leser dazu bringt, weiter zu lesen. Mir hat dies sehr gut gefallen.
Die Protagonisten werden detailliert und überzeugend beschrieben, obwohl ich mit keinem so richtig warm werden konnte. Aber darauf kommt es ja nicht an.
Das ist nun schon mein vierter Thriller dieses Autors, und ich kann es kaum erwarten, das nächste Buch dieser Trilogie zu lesen.
Mir gefällt so richtig gut, dass diese Bücher zwar unglaublich spannend sind, es aber keine heldenhaften und unrealistischen Action Szenen oder bluttriefende Abenteuer gibt, sondern alles nahezu nachvollziehbar bleibt.
Das Cover wurde treffsicher gewählt, es zeigt einen Trailer in pechschwarzer Nacht. Es strahlt eine unheimliche Atmosphäre aus, genau wie der grandiose Farbschnitt mit Trailernähten rundum.
Von mir gibt es eine eindeutige Leseempfehlung und fünf Sterne.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Schwierige Mordermittlung im Stau

Der Stau
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Dies war mein erster Locked-Room Thriller, und die Lektüre dieses Buches zeigt die Schwierigkeiten in einem solchen Fall deutlich auf. Der Kontakt zu Kollegen ist nur sehr eingeschränkt möglich, und es ...

Dies war mein erster Locked-Room Thriller, und die Lektüre dieses Buches zeigt die Schwierigkeiten in einem solchen Fall deutlich auf. Der Kontakt zu Kollegen ist nur sehr eingeschränkt möglich, und es gibt auch persönliche Probleme, die die Arbeit behindern.
In diesem Buch lernen wir Belinda Kidd kennen, kurz Billy genannt. Sie ist Police Sergeant und kurz vor dem Ruhestand. Sie befindet sich auf der Rückfahrt vom Flughafen, in einem Mietauto, leidet unter Jetlag und freut sich auf ihr Zuhause. Doch dann kommt alles ganz anders, Billy muss aktiv werden, denn durch eine terrorgesteuerte Explosion im Deadwall Tunnel kurz vor London, die für einen gigantischen Stau sorgt, findet sie sich plötzlich dienstlichen Pflichten gegenüber. Unweit von ihrem Auto findet sich eine Leiche in einem Wagen, der Fahrer muss im Stau erstochen worden sein....
Es entstehen viele Verdächtigungstheorien, die teilweise widerlegt werden oder sich aber hartnäckig halten. Da man bei diesen Ermittlungen sehr viele Charaktere kennenlernt, bringt man schnell einiges durcheinander, so dass ich mir dann erstmal eine kleine Liste mit Namen angelegt habe. Zu einzelnen Charakteren gibt eigene kleine Kapitel, die das Verdachtsmoment entweder verstärken oder abschwächen, aber selten aus dem Weg räumen.
Trotz alledem hält sich der Spannungsbogen nicht konstant aufrecht, sondern es entstehen Längen, wenn es z.B. um Billys Beziehung zu ihrem Kollegen am Telefon geht oder um Billys dringendes 'Bedürfnis'. Außerdem sorgen die vielen Charaktere für gehemmten Lesefluss. Ich würde dies nicht als Thriller bezeichnen, denn zum Weiterlesen musste ich mich oft aufraffen. Zwar sind die Ermittlungen interessant, aber vielleicht ist zu wenig Bewegung im Spiel (staubedingt!). Nervenkitzel gibt es aber auch, z.B. als im Schrottauto eine Autobombe vermutet wird.
Der Schreibstil gefällt mir, er ist gut verständlich und enthält versteckten schwarzen Humor, was mir gut gefällt. Überwiegend lesen wir über Billys Sicht auf die Dinge, und sie entwickelt dabei einen gewissen hintergründigen Witz. Z.B. erfindet sie Spitznamen für die Beteiligten, die sich entweder auf das Aussehen oder bestimmte Eigenheiten beziehen: Schinkenkopf, Retromann, Silberfuchs oder Die Unflätige ....
Sehr überzeugend fand ich die Verhaltensbeschreibung der Personen in dieser Ausnahmesituation und auch das soziale Miteinander, geprägt von Angst, Panik oder auch Mitgefühl.
Alles in allem hat mich das Buch recht gut unterhalten, aber ich hatte mehr Spannung erwartet.

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Veröffentlicht am 08.06.2025

Ausgeliefert!

Am Meer ist es schön
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Thema dieses Buches sind die Auswirkungen, die ein Aufenthalt in einem sogenannten 'Verschickungsheim' nach sich ziehen konnte. Es gab diese Heime bis in die 90er Jahre hinein, und die Eltern glaubten, ...

Thema dieses Buches sind die Auswirkungen, die ein Aufenthalt in einem sogenannten 'Verschickungsheim' nach sich ziehen konnte. Es gab diese Heime bis in die 90er Jahre hinein, und die Eltern glaubten, ihren Kindern etwas Gutes zu tun, bis dann so peu à peu die grausamen Maßnahmen in diesen Heimen bekannt wurden. Die Kinder waren ohne Schutz den dortigen Betreuern ausgeliefert.
So erging es auch Susanne, die die Hauptprotagonistin in diesem Buch ist. Schon im Prolog erfahren wir, wie grausam die Kinder bestraft wurden, physisch und psychisch, wobei es keinen eklatanten Grund dafür gibt.
Das Buch schildert, wie eine solche traumatische Trennung vom Elternhaus, auch wenn es nur für ein paar Wochen ist, Auswirkungen auf das gesamte Leben haben kann, denn auch die erwachsene Tochter Susannes merkt, dass mit ihrer Mutter etwas nicht stimmt. Und selbst 50 Jahre später hat Susanne noch Albträume, die auf diese Zeit zurückfallen. Da sie damals aus ihrem vertrauten Umfeld gerissen wurde, ist die Familie sehr wichtig für Susanne. Die Familie kommt nun am Totenbett der Mutter zusammen.
Es gibt keine Möglichkeit für die Verschickungskinder, ehrlichen Kontakt zu ihren Eltern aufzunehmen, denn ihre Briefe werden zensiert. Susanne hat dazu noch das Pech, dass man ihr nach der Tortur nicht glaubt und sie als undankbar darstellt. Gerade für Mädchen muss diese Erfahrung besonders schlimm gewesen sein, denn sie wurden damals zum Angepasstsein erzogen. Susanne durchschaut jedoch diese Strukturen und wehrt sich. Und wahrscheinlich haben sich in diesen Heimen jene Kinder, die sich total in ihr Schicksal ergaben, wohlgefühlt.
Susannes Mutter liegt nun im Sterben und entschuldigt sich bei ihrer Tochter. Diese weiß sofort, worum es geht, und so erfahren wir gemeinsam mit Susannes Familie welche Grausamkeiten sich während der 'Verschickung' zugetragen haben. Susanne begreift, dass dies nun ihre große Chance ist, die Traumata dieser Zeit endgültig zu überwinden.
Ich sehe hier auch die Botschaft, mehr miteinander zu reden, auch über unangenehme Erfahrungen, nichts in sich hineinfressen, sondern ein Ventil suchen.
Der Schreibstil der Autorin ist gut zu lesen, man fliegt durch die Zeilen und bekommt einen detaillierten Eindruck der jeweiligen Situation und auch der jeweiligen Gefühlswelt, sowohl damals als auch in der Gegenwart.
Die Spannung entsteht u.a. durch den frühen Hinweis, dass wegen Susanne jemand gestorben ist. Man ahnt zwar schon, um wen es sich handeln könnte, aber erst gegen Ende erfährt man Genaueres.
Ich hatte eine interessante Lesezeit, die mich zu vielen Gedanken anregte, besonders da wir in unserem Umfeld zwei Erwachsene haben, die auch von ihren Eltern 'verschickt' wurden, weil man ihnen etwas Gutes tun wollte.

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Veröffentlicht am 11.05.2025

Gegensätzlich - und doch erfolgreich

Ein Mord im November - Ein Fall für DI Wilkins
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Hier lernen wir ein Ermittlerduo kennen, das gegensätzlicher nicht sein könnte, obwohl sie fast den gleichen Namen tragen.
Da ist auf der einen Seite Ryan Wilkins, 27 Jahre alt, Vater eines zweijährigen ...

Hier lernen wir ein Ermittlerduo kennen, das gegensätzlicher nicht sein könnte, obwohl sie fast den gleichen Namen tragen.
Da ist auf der einen Seite Ryan Wilkins, 27 Jahre alt, Vater eines zweijährigen Kindes, alleinerziehend und sehr unkonventionell. Letzteres bezieht sich sowohl auf sein Erscheinungsbild, als auch auf seine Ermittlungsmethoden. Er ermittelt in Jogginghosen, die Glock in der Hosentasche und nimmt kein Blatt vor den Mund. Seine Ermittlungen sind oftmals respektlos und sehr direkt.
Auf der anderen Seite steht Ray (Raymond) Wilkins, ein Oxford Absolvent, verheiratet, kinderlos, der ein sehr angepasstes Leben und Arbeitsverhalten an den Tag legt. Er ist dementsprechend gebildet, elitär, hat einwandfreies Benehmen und trägt hochwertige Markenkleidung. Bei seinen Ermittlungen verhält er sich seriös und einfühlsam.
Durch einen Irrtum wegen des gleichlautenden Nachnamens wird Ryan zum ehrwürdigen Oxford College geschickt, als dort eine Leiche gefunden wird. Ray wird nach Aufdeckung des Irrtums auch noch mit dem Fall betraut, um dem renommierten Umfeld gerecht zu werden.
Die Krimihandlung nimmt ihren Lauf, am Ende wird sie überraschend, aber schlüssig gelöst. Ich muss aber ehrlich sagen, dass für mich eher das Zusammenspiel bzw. die Teamarbeit der der beiden DIs im Vordergrund stand. Es war sehr interessant und verlockend, im Kopf ein Soziogramm der beiden so verschiedenen Protagonisten zu erstellen, die Distanz zwischen ihnen zu beleuchten und eine Annäherung im Team bis hin zu einem respektvollen Umgang miteinander festzustellen. Das hat mir sehr gut gefallen.
Der Schreibstil des Autors gefällt mir sehr gut, denn er ist ironisierend und humorvoll, allein schon die Gedanken des Provost, als er den ungeliebten Gast herumführt, haben mir manches Grinsen hervorgelockt. Die Beschreibungen sind so detailreich, dass man sich gut in die jeweilige Situation eindenken kann. Und ich hoffe, dass wir noch mehr über dieses Ermittlerduo lesen werden.
Bleibt noch zu erwähnen, dass auch der kulturelle Hintergrund des Oxford College und seiner Traditionen sehr informativ und lesenswert sind.

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Veröffentlicht am 22.04.2025

Packender Thriller, der mich begeistert hat

Die Nacht (Art Mayer-Serie 3)
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Dies ist nun schon der dritte Teil der Art-Mayer-Reihe und für mich ein absolutes Muss, nachdem ich bereits die ersten beiden Bände dieser Serie 'verschlungen' hatte. Marc Raabe schafft es auch mit dieser ...

Dies ist nun schon der dritte Teil der Art-Mayer-Reihe und für mich ein absolutes Muss, nachdem ich bereits die ersten beiden Bände dieser Serie 'verschlungen' hatte. Marc Raabe schafft es auch mit dieser Reihe, für spannende und schlafraubende Unterhaltung zu sorgen.
Der Schauplatz dieses Thrillers ist wieder Berlin, und diesmal lernen wir eine abgelegene alte Wohnwagensiedlung kennen, die von einem Waldbrand bedroht ist. Es gibt Hinweise, dass Dana sich dort aufgehalten hat, sie war Arts Nachbarin und ist seit einiger Zeit verschwunden. Danas Tochter Milla lebt nun allein mit der dementen Großmutter und hat in Art eine enge Bezugsperson gefunden. Um Milla eine Heimeinweisung zu ersparen, möchte er ihre Mutter unbedingt finden oder zumindest ihr Schicksal aufklären. In der unheimlich wirkenden Wohnwagensiedlung finden sich tatsächlich Hinweise auf Dana, aber auch die furchtbar zugerichtete Leiche eines Berliner Richters.
Der Schreibstil des Autors lässt sich flüssig lesen und ist von Anfang an sehr spannend. Der Autor schildert die jeweilige Situation sehr detailliert und gleichzeitig atmosphärisch, so dass man sich im Kopf ein Bild des jeweiligen Schauplatzes erstellt und man alles aus nächster Nähe erlebt. Schon den Prolog verfolgt man in der Erwartung, dass bald etwas Schlimmes passieren wird. Diese Hochspannung bleibt bis zum Ende erhalten, wobei der Autor immer wieder überraschende Wendungen und Informationen einbaut und sich am Ende eine plausible Entwirrung der oftmals rätselhaften Geschehnisse auftut. Einfach grandios!
Neben Art ist auch seine Kollegin Nele ein tragender Charakter, sie ist zwar noch im Mutterschutz, fühlt sich aber nicht ausgelastet und möchte Art bei der Suche nach Millas Mutter unterstützen. Teilweise fand ich sie etwas herzlos im Umgang mit ihrem Lebensgefährten und dem kleinen Sohn. Aber andererseits leistet sie vollen Einsatz, obwohl sie noch von Traumata geplagt wird. Art und Nele haben sich zu einem Ermittler-Duo entwickelt, das gut aufeinander zugeschnitten ist. Mittlerweile kennen sie sich so gut, dass sie einander einschätzen können und einander vertrauen.
Es gibt auch in diesem Band wieder zwei Handlungsstränge, denn außer den gegenwärtigen Ermittlungen erfolgen immer wieder Rückblicke aus Danas Sicht, die sich sehr rätselhaft und bedrohlich darstellen. Das war die Zeit, als Dana noch in der Wohnwagensiedlung lebte. Und damals verschwand auch Rocco, Danas Stiefbruder, und die Ermittlungen verliefen im Sande. Es schien kein großes Interesse zu bestehen, den Fall zu klären....genau wie der gegenwärtige Fall Dana.
Alles in allem empfiehlt sich das Buch als spannender Pageturner, denn auch wenn man die Lektüre unterbrechen muss, liest man erst noch in das nächste Kapitel hinein...Ich freue mich jetzt schon auf den vierten Band der Reihe, der in 2026 erscheinen soll.

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