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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.01.2026

Hochspannend, teilweise ausgesprochen brutal

Rostiges Grab
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Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, ...

Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, denn Jahre zuvor wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt, brutal getötet, deren Ehemann schnell unter Verdacht gerät, aber seitdem verschwunden ist. Man vermutet, dass er sich im Rostskogen versteckt hält, einem großen Wald- und Sumpfgebiet, in dem früher Torf abgebaut wurde. Dort steht auch noch die alte Torffabrik, mittlerweile ein Lost Place und abgeriegelt. Eines Tages jedoch erhält ein junges YouTuber-Paar einen Schlüssel zugeschickt mit den Koordinaten der alten Fabrik und hofft auf außergewöhnliches Filmmaterial. Dort treffen sie auf eine verwirrt wirkende Frau, die ihnen mit geheimnisvollen Kommentaren einen Finger übergibt, der sich als Ringfinger der getöteten Frau herausstellt. Leo Asker zögert zunächst, weil eine Beförderung für sie ansteht, aber dann übernimmt die Kommissarin des 'Dezernats für Verlorene Seelen' der Polizei in Malmö mit ihren Leuten den Fall.
Leo ist eine taffe junge Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend gelernt hat, sich zu verteidgen, koste es, was es wolle. Sie hat etwas von einer 'Wonderwoman', mit Superkräften, befreundet sein möchte ich mit ihr nicht. So nimmt sie es auch mit schwierigen Gegnern auf, die in Überzahl erscheinen und trotzdem vor ihr kapitulieren müssen. Das gönnt man ihr zwar, aber bisweilen erscheinen diese Szenen etwas unrealistisch. Ich weiß nicht mehr, wie viele gebrochene Nasenbeine im Buch vorkommen....Aber sie ist ein aufrichtiger Charakter, der für seine Prinzipien steht und sich nicht davon abbringen lässt.
Diese 'Nahkampfszenen' sind teilweise sehr brutal, aber noch viel schlimmer sind ein paar Seiten mit Tierquälerei, die in mir ein fürchterliches Grauen ausgelöst haben. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber man sollte darauf gefasst sein.
Auch die anderen Protagonisten finden nicht meine uneingeschränkte Sympathie, da sie entweder total korrupt sind oder irgendetwas verheimlichen oder vertuschen wollen.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, so dass man peu à peu immer mehr erfährt und sich ein Gesamtbild erstellen kann. Das Ganze wird begleitet von einer bedrohlichen Atmosphäre, die sich beständig hält.
Der Schreibstil ist flüssig, abwechslungsreich und konnte mich bis zum Ende fesseln, denn der Autor Anders de la Motte versteht es, Spannung aufzubauen und diese auch logisch zu steigern bis zu der Auflösung und einem rasanten Showdown. Immer wieder schiebt er neue Spannungselemente ein, so dass man das Buch nicht weglegen möchte. Immer wenn ich eine Pause einlegen wollte, habe ich zunächst in das neue Kapitel hineingelesen....
Das Cover ist übrigens beeindruckend gestaltet, der Titel in rostähnlicher Prägung und darunter ein präparierter Totengräberkäfer, der im Buch auch eine Rolle spielt. Die Grundfarbe ist natürlich schwarz.
Ich habe das Buch gern gelesen (bis auf die Tierquäler Szenen) und möchte es jedem empfehlen, der nervenaufreibende Thriller mag.

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Veröffentlicht am 05.12.2025

Perfider Thriller - Spannung bis zum Schluss

Safe Space
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Anna ist forensische Psychologin und will ihren ersten Job in der JVA Weyer antreten. Dafür hat sie ihre Gründe, die sich nach und nach kristallisieren, denn Anna ergreift diesen Job aus sehr persönlichen ...

Anna ist forensische Psychologin und will ihren ersten Job in der JVA Weyer antreten. Dafür hat sie ihre Gründe, die sich nach und nach kristallisieren, denn Anna ergreift diesen Job aus sehr persönlichen Gründen. Man bekommt das Gefühl, dass sie nur auf dieses Ziel hinarbeitet, alles andere ist zweitrangig, sogar die Beziehung zu ihrem Freund Jonathan.
Von Anfang an ist dieser Thriller so spannend, dass man ihn nicht aus den Händen legen möchte. Wenn Anna z.B. in der JVA ein Notsignalgerät bekommt, zeigt dies, wie gefährlich der Job ist und dass sie es sicher brauchen wird. Aber dies ist nur ein harmloser Spannungsmoment, viel intensivere folgen, die teilweise dazu führen, dass man die Luft anhält. Nur im mittleren Teil des Buches erschienen mir einige Passagen etwas langatmig und gedehnt. Gegen Ende jedoch überschlugen sich die Ereignisse und überraschenden Wendungen.
Die Story wird aus verschiedenen Perspektiven und auf zwei unterschiedlichen Zeitebenen erzählt. Die Autorin führt diese meisterhaft zusammen, so dass am Ende alles zusammenpasst, wenn auch einiges etwas realitätsfern erscheint.
Sehr ergreifend sind die eingeschobenen Rückblicke auf das Leben des kleinen Leon, der unter seinem sadistischen Vater leidet.
Sehr atmosphärisch wird die Situation und das Klima in der JVA beschrieben. Anna wechselt hier zwischen starkem Selbstbewusstsein und frappierender Unsicherheit im Umgang mit den Häftlingen, aber auch bei ihren Kollegen. Wem kann sie trauen? Der Verrat lauert überall.
Man rätselt immer mit, aber die Autorin baut sehr geschickt Hinweise ein, die einen nicht weiterbringen oder die sich als falsche Fährten entpuppen. Zahlreiche Cliffhanger an den Enden der Kapitel bewirken, dass man immer weiter lesen möchte. Nur noch ein Kapitel...
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Die einzelnen Charaktere werden detailreich abgebildet, so dass man ein Bild im Kopf hat, besonders von Anna und Leon. Richtig sympathisch ist mir dabei keine der Figuren, alle haben mentale Störungen und verhalten sich nicht normal. Manchmal tun sich sogar tiefe Abgründe auf. Auch Tierquälerei und Kindesmisshandlung finden sich auf einigen Seiten, die den Leser tief berühren könnten.
Alles in allem hatte ich eine gute und spannende Lesezeit, war stets beteiligt am Geschehen, weil ich die Lösung finden wollte. Trotz der sich bisweilen ergebenden Realitätsferne kann ich das Buch empfehlen.

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Veröffentlicht am 15.11.2025

Ambivalenz in Leben und Gedanken

Dius
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Diese Ambivalenz zeichnet beide Hauptprotagonisten in diesem Buch aus und durchzieht auch ihre Freundschaft.
Diese Freundschaft ist ungewöhnlich, denn sie besteht zwischen einem Kunststudenten und seinem ...

Diese Ambivalenz zeichnet beide Hauptprotagonisten in diesem Buch aus und durchzieht auch ihre Freundschaft.
Diese Freundschaft ist ungewöhnlich, denn sie besteht zwischen einem Kunststudenten und seinem Dozenten und zwar auf Betreiben des Studenten hin. Egidius de Blaeser, genannt Dius, steht eines Tages vor der Tür seines Dozenten Anton und wirbt um seine Freundschaft. Er lockt ihn, indem er ihm einen großartigen Arbeitsplatz anbietet, um seine Dissertation zu schreiben. Er bietet ihm ein atmosphärisches Plätzchen nahe einem Gutshaus, im sogenannten Dorfhaus, abgeschieden, ruhig und umgeben von viel Natur.
Der Leser erlebt die Geschichte aus Antons Perspektive, der sich über seine Bereitschaft, auf Dius Vorschlag einzugehen, selber wundert. Aber wider Erwarten ist er sehr angetan von dem neuen Arbeitsplatz und auch von den nun folgenden häufigen Kontakten zu Dius. Die beiden Männer verbringen viel Zeit miteinander und führen tiefgehende Gespräche, wobei das Hauptthema die Kunst ist. Wen wundert das?
Verschiedene Themenbereiche der Kunst werden dann auch intensiv in diesem Buch behandelt. Dies ist mit Sicherheit sehr spannend für Leser, die sich dafür interessieren. Ich fand diese Seiten recht langatmig und habe sie meist nur überflogen, weil ich teilweise überhaupt keinen Zugang dazu habe. Es zeigte jedoch die enge Verbundenheit zwischen Anton und Dius in ihren Gedanken und Wertschätzungen. Mein großer Respekt geht hier an den Autor, der diese Ausführungen sehr detailreich gestaltet.
Der Schreibstil insgesamt ist intensiv und anschaulich. Manche Sätze musste ich mehrmals lesen, um ihren Sinn zu ergründen.
Diese Freundschaft zwischen den Männern hat viele Facetten, erstreckt sich von vollem Vertrauen bis hin zu bitterer Enttäuschung. Sie ist aber stärker als beider Verbindung zu ihren Lebenspartnerinnen. Man gewinnt den Eindruck, dass nur die Männerfreundschaft Bestand hat.
Überzeugend finde ich die Verbundenheit der Männer mit der Natur. Sie erleben tief betroffen aus nächster Nähe, wie und wofür ein Stück heile Natur zerstört wird. Ebenso sind die Beschreibungen der Natur im Polderdorf detailliert und atmosphärisch.
Alles in allem ein Buch mit Tiefgang, das den Leser animiert, über eigene Freundschaften nachzudenken.

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Veröffentlicht am 13.10.2025

Was ist damals passiert?

Mörderische Brise - Der Tote am Sandstrand
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Das ist die Frage, die sich durch dieses Buch zieht, von Anfang an bis zur Aufklärung am Schluss. Damals ist nämlich eine junge Frau aus Hannahs Clique bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Dieses ...

Das ist die Frage, die sich durch dieses Buch zieht, von Anfang an bis zur Aufklärung am Schluss. Damals ist nämlich eine junge Frau aus Hannahs Clique bei einem Bootsunglück ums Leben gekommen. Dieses Unglück ist noch bei vielen Bewohnern von Ostersande in trauriger Erinnerung, auch nach über 20 Jahren.
Hannah Bülow zieht nach dem plötzlichen Unfalltod ihres Mannes zurück in ihr Heimatdorf an der Ostsee. Sie war Kommissarin in Münster, möchte aber nun einen Neustart, zumal ihre Töchter erwachsen sind und nicht mehr bei ihr leben. Sie hat durch Vermittlung ihrer Freundin Constanze eine Stelle in der örtlichen Polizeidirektion bekommen. Zunächst zieht sie mit Tobby, ihrem Hund, zu ihrem Vater, der etwas Unterstützung brauchen kann.
Nach einem spannenden und ergreifendem Prolog, in dem eine Frau ihren Suizid auf einem Boot angeht, senkt sich das Spannungslevel enorm ab, denn nun wird auf ca. 80 Seiten das Dorfleben in Ostersanden beschrieben und man wird sehr detailliert mit den Protagonisten bekannt gemacht. Das fand ich recht langatmig, denn da ist vieles redundant und man hat ja schließlich einen Krimi lesen wollen. Aber dann steigt die Spannung wieder an, und man kann endlich miträtseln, was bis zum Schluss anhält, denn es gibt immer wieder Überraschungen und plötzliche Wendungen.
Nach und nach erschließen sich dem Leser Details aus der Vergangenheit, die bei den damaligen Ermittlungen nicht bekannt waren. Dabei bleibt die Spannung bis zur Auflösung am Ende komplett erhalten, da die Rückblicke stets zu neuen Theorien anregen, aber nie zu viel verraten. Das finde ich gelungen.
Der Schreibstil ist flüssig und liest sich angenehm. Alles wird sehr detailliert dargestellt, so dass man im Kopf Bilder von Personen und Situationen hat. Allerdings sind dann auch manchmal Umstände beschrieben, die eher unwichtig erscheinen, z.B. wie viele Fischbrötchen welcher Art die einzelnen Personen essen. Das sind Seitenfüller, die ich unwichtig finde.
Die Charaktere sind überwiegend sympathisch. Am besten gefallen mir Kommissar Grewe, seine Assistentin Mara und der Psychologe Fleming. Hannah ist mir zu dominant, sowohl im privaten Umfeld als auch in der Polizeistelle. Sie ist mutig, hat einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, erscheint mir aber zu perfekt.
Sehr unrealistisch finde ich die enge und andauernde Zusammenarbeit zwischen Hannah und der Kriminalpolizei. Oft sind sie zu dritt unterwegs, was wohl im wahren Leben nicht denkbar wäre. Und es gibt auch noch andere Begebenheiten, die man unter dichterischer Freiheit verbuchen sollte.
Alles in allem hat mir die Krimihandlung in diesem Buch gut gefallen, als sie dann so richtig in Schwung kam, und ich kann das Buch jedem empfehlen, der leichte Kriminalliteratur bevorzugt, die zum Miträtseln einlädt.

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Veröffentlicht am 11.10.2025

Humorvoll, unterhaltsam, aber spannungsarm

Über die Toten nur Gutes
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Ich habe mit Begeisterung die 'Wege der Zeit' Trilogie und 'Kein guter Mann' von Andreas Izquierdo gelesen. Alle vier Bücher haben mich beeindruckt, da der Schreibstil mich sehr angesprochen hat. Detailreiche ...

Ich habe mit Begeisterung die 'Wege der Zeit' Trilogie und 'Kein guter Mann' von Andreas Izquierdo gelesen. Alle vier Bücher haben mich beeindruckt, da der Schreibstil mich sehr angesprochen hat. Detailreiche Beschreibungen, liebevoll skizzierte Figuren und intensive Emotionen sind die charakteristischen Merkmale des Schreibstils, an die ich mich gut erinnere.
Auch in diesem Buch ist der Schreibstil überzeugend, wobei hier noch eine gehörige Prise Humor dazukommt, der teilweise durchaus makaber ist. Das fängt schon direkt im ersten Kapitel an, als man sich auf einer Trauerfeier wähnt, jedoch bald eines Besseren belehrt wird. Formulierungen wie 'Mads krähten Kassandrarufe durch den Kopf' sind einfach genial, und da könnte ich noch viele mehr zitieren.
Besonders gefallen haben mir die beiden Hauptprotagonisten Mads und Fridtjof, die sehr eigenwillige Charaktere haben, was vom Autor prägnant dargestellt wird. Sie wirken sogar skurril, so dass man öfters schmunzeln muss. Auch die eifersüchtige Malteserhündin wird liebevoll skizziert. Die Kommissarin mit dem Beinamen 'Mills Kills' fand ich sehr realitätsfern, ihre Verhaltensweisen total überzogen.
Mads Madsen ist Trauerredner mit vollem Einsatz, denn er liebt seinen Beruf. Er ist alleinstehend, lebt mit seiner Malteserhündin und seinem Vater Fridtjof unter einem Dach. Eines Tages erfährt er vom Tod seines alten Freundes Patrick, den er ganz aus den Augen verloren hatte, an den er aber sehr emotionale Erinnerungen hegt. Patrick wurde angefahren und starb an den Folgen. Wegen der folgenden Fahrerflucht besteht der Verdacht, dass es sich um Mord handeln könnte. Das lässt Mads keine Ruhe, und er fängt an zu ermitteln.
Daraufhin habe ich spannende Ermittlungen erwartet, da das Buch ja als Kriminalroman deklariert ist. Leider kam Spannung aber selten auf, und man bekam auch nicht genügend Informationen, um miträtseln zu können. Das blieb alles ziemlich an der Oberfläche, so dass ich mich bisweilen zwingen musste, weiter zu lesen. Zwar ist der Autor bemüht, Cliffhanger einzubauen, die für mich aber nicht sehr überzeugend waren. Irgendwie hatte ich immer das Gefühl, dass die Krimihandlung Nebensache war, während das Familien Miteinander zum Leitthema wurde.
Die Bingo-Szenen waren zwar sehr humorvoll geschildert, besonders im Hinblick auf Fridtjof, waren mir aber für einen Kriminalroman viel zu langatmig und bedeutungslos.
Alles in allem hatte ich einen Kriminalroman erwartet, wurde aber mit einem amüsanten Unterhaltungsroman überrascht und bin deshalb gewissermaßen enttäuscht.

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