Hochspannend, teilweise ausgesprochen brutal
Rostiges GrabDies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, ...
Dies ist der 3. Band der Reihe 'Leo Asker'. Obwohl ich die ersten beiden Bände nicht gelesen habe, konnte ich mich gut einfinden und das Lesen genießen.
Inhaltlich geht es um einen ungelösten Cold Case, denn Jahre zuvor wurde die Leiche einer jungen Frau entdeckt, brutal getötet, deren Ehemann schnell unter Verdacht gerät, aber seitdem verschwunden ist. Man vermutet, dass er sich im Rostskogen versteckt hält, einem großen Wald- und Sumpfgebiet, in dem früher Torf abgebaut wurde. Dort steht auch noch die alte Torffabrik, mittlerweile ein Lost Place und abgeriegelt. Eines Tages jedoch erhält ein junges YouTuber-Paar einen Schlüssel zugeschickt mit den Koordinaten der alten Fabrik und hofft auf außergewöhnliches Filmmaterial. Dort treffen sie auf eine verwirrt wirkende Frau, die ihnen mit geheimnisvollen Kommentaren einen Finger übergibt, der sich als Ringfinger der getöteten Frau herausstellt. Leo Asker zögert zunächst, weil eine Beförderung für sie ansteht, aber dann übernimmt die Kommissarin des 'Dezernats für Verlorene Seelen' der Polizei in Malmö mit ihren Leuten den Fall.
Leo ist eine taffe junge Frau, die in ihrer Kindheit und Jugend gelernt hat, sich zu verteidgen, koste es, was es wolle. Sie hat etwas von einer 'Wonderwoman', mit Superkräften, befreundet sein möchte ich mit ihr nicht. So nimmt sie es auch mit schwierigen Gegnern auf, die in Überzahl erscheinen und trotzdem vor ihr kapitulieren müssen. Das gönnt man ihr zwar, aber bisweilen erscheinen diese Szenen etwas unrealistisch. Ich weiß nicht mehr, wie viele gebrochene Nasenbeine im Buch vorkommen....Aber sie ist ein aufrichtiger Charakter, der für seine Prinzipien steht und sich nicht davon abbringen lässt.
Diese 'Nahkampfszenen' sind teilweise sehr brutal, aber noch viel schlimmer sind ein paar Seiten mit Tierquälerei, die in mir ein fürchterliches Grauen ausgelöst haben. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, aber man sollte darauf gefasst sein.
Auch die anderen Protagonisten finden nicht meine uneingeschränkte Sympathie, da sie entweder total korrupt sind oder irgendetwas verheimlichen oder vertuschen wollen.
Die Handlung wird aus verschiedenen Perspektiven und auf unterschiedlichen Zeitebenen erzählt, so dass man peu à peu immer mehr erfährt und sich ein Gesamtbild erstellen kann. Das Ganze wird begleitet von einer bedrohlichen Atmosphäre, die sich beständig hält.
Der Schreibstil ist flüssig, abwechslungsreich und konnte mich bis zum Ende fesseln, denn der Autor Anders de la Motte versteht es, Spannung aufzubauen und diese auch logisch zu steigern bis zu der Auflösung und einem rasanten Showdown. Immer wieder schiebt er neue Spannungselemente ein, so dass man das Buch nicht weglegen möchte. Immer wenn ich eine Pause einlegen wollte, habe ich zunächst in das neue Kapitel hineingelesen....
Das Cover ist übrigens beeindruckend gestaltet, der Titel in rostähnlicher Prägung und darunter ein präparierter Totengräberkäfer, der im Buch auch eine Rolle spielt. Die Grundfarbe ist natürlich schwarz.
Ich habe das Buch gern gelesen (bis auf die Tierquäler Szenen) und möchte es jedem empfehlen, der nervenaufreibende Thriller mag.