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Tawny

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Veröffentlicht am 05.06.2020

Kriminalromane sind nicht so mein Ding, ABER...

Anonym
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... dieser hier hat es geschafft mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Per Mausklick eine gehasste Person aus deinem Leben entfernen; in "anonym" ist das möglich. In einem Internetforum können User anonym ...

... dieser hier hat es geschafft mich vom Gegenteil zu überzeugen.

Per Mausklick eine gehasste Person aus deinem Leben entfernen; in "anonym" ist das möglich. In einem Internetforum können User anonym auf eingereichte Vorschläge voten. Die Vorschläge umfassen Personen, die sich im Leben auf die ein oder andere Art und Weise Feinde gemacht haben. Der "Gewinner" des Votings wird kaltblütig ermordet und die Community darf daran teilhaben. Schnell wird da die Hamburger Mordkommission eingeschaltet, die den Betreiber der Seite ausfindig machen will, denn das nächste Voting ist bereits angekündigt...

Ich habe den Thriller von meiner Mutter geschenkt bekommen, da ich ein großer Fan der Jugend- und Erwachsenenliteratur von Ursula Poznanski bin. Bei diesem Projekt arbeiten sie und Arno Strobel zusammen und haben die Handlung so strukturiert, dass die Kapitel abwechselnd aus der Sicht des männlichen Kommissars Daniel Buchholz und seiner neuen Kollegin Nina Salomon beschrieben werden.
Zu Beginn mag dies verwirrend wirken, da beide Figuren in der ich-Perspektive berichten, sobald man sich aber eingelesen hat, ist dieser Schreibstil sehr interessant und ermöglicht es direkt zwei Personen näher kennenzulernen und die jeweiligen Gedankengänge zu verstehen.
Während ich es von anderen Büchern bisher gewöhnt war, dass es neben einer sympathischen Hauptfigur, in die man sich gut hineinversetzen und mit der man sich leicht identifizieren kann, eine zweite Person gibt, die es dem Leser durch ihre Eigenheiten schwieriger macht sie ins Herz zu schließen, schenken sich die beiden Hauptfiguren in "anonym" gegenseitig nichts. Da wäre zum einen die aufbrausende Kommissarin Nina, die sich schwer kontrollieren kann und oft ihre Mitmenschen durch Sticheleien verletzt oder vor den Kopf stößt und der penible Kommissar Daniel, der Ordnung etwas zu sehr liebt und dem sein Auftreten im perfekt sitzenden Anzug sehr wichtig ist. Beide Figuren sind nicht glattgebügelt und zu Beginn schwer einzuschätzen, was sie aber in einer Art und Weise auch authentisch und den Thriller interessant macht.

Der Thriller startet direkt mit Ninas erstem Arbeitstag und dem neuen Fall des ungleichen Ermittlerduos. Durch den schnellen Einstieg in den Fall wird die Spannung bereits zu Beginn des Thrillers auf ein hohes Niveau gesetzt, und bleibt dort meiner Meinung nach bis zum Ende des Buches (abgesehen vom Finale, da steigt es zusätzlich noch an). Ich habe den Thriller innerhalb von drei Tagen verschlungen, weil ich wissen wollte, wie der Fall ausgeht.

Das Thema des Thrillers ist sehr interessant und meiner Meinung nach gut umgesetzt. In Zeiten von Social Media und anonymer Internetpräsenz trifft die Handlung den Nerv der Zeit und geht einen Schritt über das gängige Moralverständnis hinaus. Auch die Umsetzung ist gut gelungen. Durch den Perspektivwechsel zwischen den Kapiteln und dem Einschub von Forenbeiträgen oder Messengernachrichten, ist der Thriller sehr aufgelockert und gut lesbar.

Obwohl ich bisher kein Fan von Thrillern war, die aus der Sicht von den ermittelnden Kommissaren oder Polizisten erzählt werden, hat mich der Thriller "anonym" vom Gegenteil überzeugt, was ich hauptsächlich durch die wechselnden Perspektiven der Erzählung begründen würde, die das ganze auflockern. Zudem wird viel Wert auf die Beschreibung des Miteinanders der Kommissare gelegt, wodurch der Ermittlungsalltag (zum Glück) etwas in den Hintergrund rückt. Mir hat der Thriller so gut gefallen, dass ich mich schon darauf freue einen weiteren Fall des Ermittlerduos in "invisible" kennzulernen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere