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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.08.2020

Auftakt einer phantastischen Reihe

Die Spiegelreisende
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Eigentlich haben mich Cover und Titel sofort angesprochen. Die phantastische und geheimnisvolle Zeichnung des schwebenden Schlosses hat mich neugierig gemacht auf die Welt, die Christelle Dabos erschaffen ...

Eigentlich haben mich Cover und Titel sofort angesprochen. Die phantastische und geheimnisvolle Zeichnung des schwebenden Schlosses hat mich neugierig gemacht auf die Welt, die Christelle Dabos erschaffen hat. Aber die Reihe besteht schon aus mächtigen Wälzern, also habe ich erst einmal gezögert mit dem Lesen zu beginnen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass die Seiten nur so dahinfliegen und ich das Buch in wenigen Tagen gelesen hatte.

Wir lernen Ophelia kennen, die ein wenig verschroben und eigenbrötlerisch ist. Niemals unfreundlich, aber doch wenig gesellig. Die Welt ist zersplittert, um ihren Kern herum schweben Reste der Erdkruste, die Archen genannt werden. Jede Arche beherbergt ein (oder mehrere) Familienclans und hat eine/n Ältesten. Ophelia wohnt auf Anima und gehört zu den Animisten. Diese können Gegenständen „Leben“ einhauchen und so gibt es kaum etwas auf Anima, dass unbelebt ist. Möbel drücken ihr Unbehagen durch Knarren und Poltern aus, Telefone verbinden sich selbst mit dem richtigen Anschluss und Ophelias alter Schal kuschelt sich eng an ihren Hals, wo er auch bisweilen einschläft. Außerdem können Animisten in Gegenständen „lesen“. Sie können die Gedanken und Gefühle erkennen, die Menschen hatten, während sie die Gegenstände berührten. Dafür müssen sie den Gegenstand anfassen – was natürlich auch Erinnerungen darauf überträgt. Trotzdem eine sehr nützliche Fähigkeit, genauso wie eine Eigenart, die Ophelia hat: Sie kann durch Spiegel wandern, solange diese nicht zu weit auseinander stehen. Auf eine andere Arche kann sie so nicht gelangen und überhaupt kennt sie außer Anima nicht viel. Als sie verheiratet werden soll, kann sie kaum noch ablehnen, denn das hat sie bereits mehrfach getan. Also sagt sie zu, auch wenn ihr Verlobter auf der Arche namens „Pol“ lebt, vermutlich echte Überreste eines Pols. Zumindest ist es dort ständig kalt und die Sonne wandert kaum über den Himmel. Auch die Stimmung ist dort frostig, denn scheinbar hassen sich die Menschen dort gegenseitig. Unter einer Fassade von Glitzer und Freundlichkeiten brodeln tiefe Feindschaften zwischen den Clans.

Auch ihr Verlobter Thorn wirkt eisig und unfreundlich, aber man weiß einfach, dass Ophelia sein Herz schmelzen wird. Obwohl sie es nicht wirklich versucht, aber sie hat auch genug andere Probleme. Er ist der perfekte Bad Boy und auch sonst gibt es wenig Charaktere auf Pol, denen man vertrauen kann. An diesem Punkt fühlte ich mich ein wenig in die Verstrickungen an einigen Höfen von Game of Thrones versetzt. Natürlich ist es eher eine Jugendgeschichte, trotzdem finde ich den Harry-Potter-Vergleich auf dem Buch eher unpassend.
Ophelia ist eine ganz eigene Heldin und muss erst einmal allein bestehen. Sie hat keine Freunde und kann sich eigentlich an niemanden gefahrlos wenden. Ihr Verlobter redet nicht viel, lässt sie aber wissen: „Du wirst deinen ersten Winter hier nicht überleben.“

Ich bin begeistert von diesem Buch und der ganzen Welt, die die Autorin hier erschaffen hat. Ich mag Ophelia, auch wenn sie manchmal wiedersprüchlich handelt. Sie ist schüchtern und leise, sagt aber trotzdem ihre Meinung. Diese Ehrlichkeit tut ihr nicht immer gut und natürlich gerät sie auch dadurch in Schwierigkeiten. Aber sie ist liebenswert und macht ihren Weg, trotz aller Widrigkeiten auf dieser lebensfeindlichen Arche.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.08.2020

Überwachung als Normalzustand

Paradise City
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Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Durch den Klimawandel ist die Temperatur gestiegen und mit ihr der Meeresspiegel. Es gibt einige Megacitys in Deutschland, der Rest ist nur schwach besiedelt. ...

Deutschland in einer nicht allzu fernen Zukunft: Durch den Klimawandel ist die Temperatur gestiegen und mit ihr der Meeresspiegel. Es gibt einige Megacitys in Deutschland, der Rest ist nur schwach besiedelt. Durch mehrere Pandemien ist die Bevölkerung insgesamt geschrumpft, aber mittlerweile ist das Gesundheitssystem gut entwickelt und die Infrastruktur (zumindest in den Megacitys) gut ausgebaut. Der Staat überwacht die Menschen mit Kameras und Gesundheits-Chips, die implantiert werden. Dass Daten auch gehandelt werden ist ein offenes Geheimnis und kaum jemand regt sich wirklich mehr darüber auf.

Liina arbeitet für eine Zeitung, die von den „Wahrheitsmedien“ des Staats unabhängig ist. Wie die anderen Mitarbeiter auch, tut sie das heimlich und hat deshalb einige Tarnidentitäten. Ihr Chef schickt sie allerdings zu einem sehr langweiligen Fall, angeblich wurde eine Frau in der Uckermark von Schakalen getötet. Durch den Klimawandel sind diese Tiere durchaus in Europa heimisch geworden, fallen aber in der Regel keine Menschen an. Irgendetwas scheint hier nicht zu stimmen, aber eine große Story vermutet Liina nicht dahinter.
Wieder in Frankfurt erfährt sie, dass ihr Chef einen Unfall hatte. Sie ist geschockt und versucht herauszufinden, was passiert ist.

Nach und nach erfährt man mehr aus Liinas Vergangenheit und sie kommt natürlich einer Verschwörung auf die Spur.

Mir hat die Darstellung der Zukunft sehr gut gefallen. Die Grundhaltung der Bevölkerung, es schon kaum noch als Skandal zu sehen, dass z.B. Gesundheitsdaten an Firmen verkauft werden finde ich sehr realistisch.
Das Ende lässt mich allerdings etwas ratlos zurück, nachdem die Geschichte gut aufgebaut wurde, war die Auflösung dann doch etwas merkwürdig. Irgendwie war es dann doch nicht rund und hat mich nicht gänzlich überzeugt. Alles in allem ein solider Zukunftsroman, der noch etwas Feinschliff und ein paar Seiten mehr hätte vertragen können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.08.2020

Tolle Bilder und praktische Ideen

Biene, Igel, Schmetterling. So wird Ihr Garten zum Naturparadies.
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Ich habe ein Buch mit Tipps gesucht, wie ich unseren Garten mit kleinen Veränderungen für Tiere freundlicher gestalten kann. Und genau das bietet dieses Buch: Allerlei Unterkünfte für kleinste Insekten ...

Ich habe ein Buch mit Tipps gesucht, wie ich unseren Garten mit kleinen Veränderungen für Tiere freundlicher gestalten kann. Und genau das bietet dieses Buch: Allerlei Unterkünfte für kleinste Insekten bis hin zu dicken Igeln. Für jeden ist etwas dabei, man muss nicht unbedingt ein Profi-Heimwerker sein, aber alle Vorschläge sind durchdacht und helfen Nützlingen dabei sich im Garten wohl zu fühlen. Natürlich gibt es auch Tipps gegen ganz spezielle Schädlinge, allgemeine Hinweise zum Anlegen und Gestalten eines Gartens oder zur Bepflanzung.

Garniert wird das Buch mit zahlreichen gelungenen Fotos aller möglichen Gartentiere. Allein wegen dieser Bilder darf dieses Buch eigentlich in keinem Bücherregal eines Gartenfreundes fehlen.

  • Cover
  • Erzählstil
Veröffentlicht am 21.07.2020

Björn Diemal mordet mit seinem inneren Kind

Das Kind in mir will achtsam morden
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Das Buch knüpft inhaltlich genau dort an, wo „Achtsam morden“ aufhört. Dann folgt ein kleiner Zeitsprung und wir merken, dass Björn Diemel nicht mehr so ausgeglichen ist, wie er gern wäre. Er verliert ...

Das Buch knüpft inhaltlich genau dort an, wo „Achtsam morden“ aufhört. Dann folgt ein kleiner Zeitsprung und wir merken, dass Björn Diemel nicht mehr so ausgeglichen ist, wie er gern wäre. Er verliert die Beherrschung und begeht dadurch Fehler. Also sucht er wieder seinen Achtseimkeits-Coach Joschka auf, der ihm die Lösung seiner Gereiztheit präsentiert: Björns inneres Kind ist verletzt und schlägt deshalb um sich, wenn es sich nicht gehört fühlt. Björn beschließt also in der nächsten Zeit ganz besonders auf sein inneres Kind zu hören und sich dadurch wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Auch in diesem Buch nutzt Autor Karsten Dusse die Situationskomik des Alltags und nimmt dabei vor allem die Öko-Eltern des Initiativkindergarten aufs Korn. Auch dieses Mal spielt die Mafia natürlich wieder eine Rolle, in Form eines noch lebenden Mafiabosses.

Alles in allem wieder sehr gelungen und stellenweise Urkomisch. Persönlich fand ich das Thema „inneres Kind“ weniger interessant als „Achtsamkeit“, aber es ist trotzdem sehr gut umgesetzt. Das Lesen hat viel Spaß gemacht und ich musste immer wieder laut lachen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.07.2020

Achtsamkeit in ihrer lustigsten Form

Achtsam morden
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Nach Außen läuft es gut Björn Diemel: Als Anwalt in einer guten Kanzlei ist er erfolgreich, er hat eine tolle Frau und eine wunderbare Tochter. Die Wahrheit ist, dass er in der Kanzlei nur die zwielichtigen ...

Nach Außen läuft es gut Björn Diemel: Als Anwalt in einer guten Kanzlei ist er erfolgreich, er hat eine tolle Frau und eine wunderbare Tochter. Die Wahrheit ist, dass er in der Kanzlei nur die zwielichtigen (aber lukrativen) Mandanten betreut, an denen seine Kollegen sich die Finger nicht schmutzig machen wollen. Seine Frau nörgelt und kritisiert gern, seine Tochter sieht Björn so gut wie nie, weil er viel arbeitet.
Bevor seine Ehe endgültig scheitert, beschließt Björn an sich zu arbeiten und geht zu einem Achtsamkeits-Coach. Der hat tatsächlich viele nützliche Ratschläge, auch wenn Björn sie teilweise sehr eigenwillig umsetzt.

Auch wenn man es zunächst denken könnte, dieses Buch möchte Achtsamkeit nicht auf die Schippe nehmen. Im Gegenteil, die Ratschläge und Zitate aus dem imaginären Buch des Coaches sind wirklich sinnvoll und man lernt quasi nebenbei etwas über das Thema.
Dies ist aber nicht theoretisch und trocken, sondern sehr humorvoll mit viel Augenzwinkern. Der Autor hat einen sehr angenehmen und intelligenten Schreibstil. Das Buch ist dadurch recht flott zu lesen, auch weil man gern wissen möchte, wie es mit den Personen weiter geht. Er hat einen ironischen Blick auf den Microkosmos von Diemels Welt, die aus Mafia, Ökokindergarten und Anwaltskanzlei besteht.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere