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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.12.2019

Guter Thriller, der noch Feinschliff nötig hätte

DRAUSSEN
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Zu Beginn lernen wir die Jugendliche Cayenne kennen, die mit ihrem Bruder Joshua und dem erwachsenen Stephan in einem Wohnwagen im Wald lebt. Stephan ist nicht ihr Vater, aber die drei leben zusammen und ...

Zu Beginn lernen wir die Jugendliche Cayenne kennen, die mit ihrem Bruder Joshua und dem erwachsenen Stephan in einem Wohnwagen im Wald lebt. Stephan ist nicht ihr Vater, aber die drei leben zusammen und scheinen ständig auf der Flucht zu sein. Um Geld zu verdienen, arbeitet Stephan als „Experte“ in Wildnis-Kursen, die von Mitgliedern der Prepper-Szene besucht werden. Viel tiefer wird in diese Thematik nicht eingedrungen, was mit etwas enttäuscht hat. Aber darum geht es in diesem Buch auch gar nicht.

In einem zweiten Erzählstrang begleiten wir den jungen Rekruten Etienne bei seinem Einstieg in die Fremdenlegion. Seine Geschichte ist berührend, scheint anfangs aber kaum zu den aktuellen Ereignissen zu passen.

Nach und nach tauchen noch andere Personen auf, die in Ereignisse verstrickt sind, die erst sehr spät beleuchtet werden. Man weiß, dass etwas passiert sein muss, was Stephan und die beiden Kinder zusammengebracht hat und gleichzeitig der Auslöser für die Flucht war.
Die Geschichte ist spannend und die Auflösung im Ganzen schlüssig, aber von dem Autorenduo hätte ich doch mehr Feinheiten erwartet. Ich hoffe darauf, dass es noch mehr Thriller aus deren Feder geben wird, denn es war bis zum Schluss unterhaltsam.

Ich liebe Dietmar Wunder als Sprecher und auch dieses mal hat er seinen Job großartig gemacht. Er erweckt die Charaktere zum Leben und man hat keinerlei Probleme sie zu unterscheiden. Dabei wird es nie übertrieben und die Atmosphäre bleibt düster und spannend.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.12.2019

Gut gemachte Täterjagd in einem eingeschneiten Berghotel

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Digital-Detox ist angesagt und tut jedem gut. Die Reiseagentur TrippleO hat das erkannt und bietet eine Handyfreie Reise zu einem einsamen Berghotel an. Dieses ist noch nicht eröffnet und das einzige Personal ...

Digital-Detox ist angesagt und tut jedem gut. Die Reiseagentur TrippleO hat das erkannt und bietet eine Handyfreie Reise zu einem einsamen Berghotel an. Dieses ist noch nicht eröffnet und das einzige Personal besteht aus zwei kauzigen Hausmeistern. Sogar ganze Trakte können noch nicht genutzt werden, da sie noch in der Renovierungsphase sind. Diese Kulisse allein bietet schon die Garantie für eine spannende Geschichte, denn als einer der Teilnehmer angegriffen wird, ist klar, dass der Täter innerhalb der Reisegruppe zu suchen ist. Oder hat sich ein Unbekannter im Hotel versteckt? War am Ende doch der Hausmeister zu dieser Tat fähig?
Abgesehen von Protagonistin Jenny, die diese Reise mit ihren Kollegen über den Arbeitgeber gesponsort bekommen hat, könnte es jeder gewesen sein. Das Grauen nimmt seinen Lauf und ein weiterer Angriff geschieht. Wer wird das nächste Opfer sein und wie können die anderen sich schützen? Bleiben sie alle zusammen, ist so gut wie sicher, dass auch der Täter bei ihnen ist. Sich trennen ist aber auch keine gute Idee…

Ich hatte mehrere Theorien, von denen sich eine letztendlich als richtig erwiesen hat. Mit Sicherheit hätte ich bis zum Schluss nicht sagen können, wer am verdächtigsten ist. Die Auflösung war gut, ist aber auch ein klein wenig offen gehalten.

Ein klassischer Strobel-Thriller, der bis zum Ende spannend bleibt und von der Atmosphäre des einsamen Hotels getragen wird.

Herbert Schäfer liest das Buch großartig, er verleiht den Figuren Charakter ohne zu übertreiben. Es hat Spaß gemacht ihm zuzuhören und sich dabei zu gruseln.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 28.10.2019

Sehr spannender Regiokrimi um Liebe, Kontrolle und Verrat.

Schafkopf
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Regiokrimis, insbesondere bayrische, neigen manchmal dazu in den Klamauk abzudriften. Die eigentümliche Sprache und ein kauziger Ermittler tragen ihr übriges dazu bei, dass der Mordfall nicht mehr im Vordergrund ...

Regiokrimis, insbesondere bayrische, neigen manchmal dazu in den Klamauk abzudriften. Die eigentümliche Sprache und ein kauziger Ermittler tragen ihr übriges dazu bei, dass der Mordfall nicht mehr im Vordergrund steht.
Ganz anders die Bücher von Andreas Föhr. Er hat einen wirklich spannenden Fall konstruiert, bei dem mir bis ganz zum Schluss nicht klar war, wer es nun eigentlich war. Die Personen sind dabei auf verschiedene Weisen miteinander verbunden und es ist nicht leicht, alles zu entwirren.

Es beginnt mit dem Morda an Stanislaus Kummeder, der eigentlich so gar kein Opfertyp ist. Sofort wird ein Zusammenhang mit dem Verschwinden seiner Freundin vermutet. Dies ist allerdings schon eine Weile her und niemand weiß, wo sie sich aufhält oder ob sie überhaupt noch lebt. Durch viele Rückblicke erfahren wir langsam, was der Nacht geschah, als seine Freundin verschwand. In dieser spielte Kummeder nämlich eine legendäre Partie Schafkopf, an der auch ein Polizist beteiligt war…

Die Ermittler Kreuthner und Wallner sind ein gutes Team und es hat Spaß gemacht, sie bei den Ermittlungen zu begleiten. Einige private Verwicklungen gab es natürlich auch, das hat aber das Hörbuch eher interessanter gemacht.

Der Sprecher Michael Schwarzmaier hat das Buch phantastisch gelesen. Alle Charaktere haben eigene eigene Stimme bekommen und sind sehr gut zu unterscheiden. Das Bayrische ist gut zu verstehen und trotzdem immer authentisch und passend. Er bringt die richtige Atmosphäre an diesen Schauplatz im Mangfalltal.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Gute Idee, in der Umsetzung deutlich schwächer als ihre anderen Bücher.

Layers
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Das Buch beginnt mit Dorian, der seit kurzem auf der Straße lebt. Er ist klug, liebenswert und ein wenig naiv. Er schlägt sich durch, bis er eines Nachts einen Albtraum erlebt. Ein anderer Obdachloser, ...

Das Buch beginnt mit Dorian, der seit kurzem auf der Straße lebt. Er ist klug, liebenswert und ein wenig naiv. Er schlägt sich durch, bis er eines Nachts einen Albtraum erlebt. Ein anderer Obdachloser, mit dem Dorian kurz zuvor Streit hatte, ist tot. Ist Dorian ein Mörder? Zeit darüber nachzudenken hat er nicht, denn er bekommt ein Hilfsangebot, dass sich fast zu gut anhört um wahr zu sein. Er wird zu einer Villa gefahren, in der bereits andere Jugendliche Wohnen. Die ehemaligen Straßenkinder bekommen dort Kleidung, Essen, Unterricht und natürlich ein eigenes Zimmer. Der Betreiber gibt sich als großzügiger Gutmensch, der als Gegenleistung lediglich kleine Dienste verlangt. So muss Dorian in der Stadt Flugblätter für wohltätige Organisationen verteilen. Diese Arbeit ist langweilig und wenig anspruchsvoll, aber scheinbar muss er nicht mehr tun um in der Villa eine Unterkunft zu haben. Schon bald kommen ihm aber einige Dinge merkwürdig vor, die er sich nicht erklären kann. Immer mehr Fragen tauchen auf und niemand ist bereit, ihm Antworten zu geben. Bis er scheinbar in der Gunst des Betreibers steigt und wichtigeren Aufgaben zugeteilt wird. Von da an scheint alles für ihn zu einem einzigen Horrortrip zu werden.

Ich muss zugeben, dass ich großer Fan der Autorin bin und deshalb hohe Erwartungen an das Buch hatte. Schon der Titel macht neugierig… Schichten? Wahrheiten? Informationen? Die Idee – die ich hier erst einmal nicht verraten möchte – ist gut. Ein aktuelles Thema, das mit technischen Entwicklungen und ihren Möglichkeiten zu tun hat. Dieses Potential wurde meiner Meinung nach nicht ganz ausgeschöpft. Einerseits blieben für mich am Ende auch einige Dinge unklar. Vielleicht ist es auch nicht leicht, ein Buch über eine Technik zu schreiben, die sich in der Realität immer weiter entwickelt. Einige Jahre nach der Veröffentlichung ist vielleicht manches überholt oder zumindest weit weniger spektakulär. Doch viel mehr stört mich die Naivität des Hauptcharakters, der sich stellenweise ziemlich unlogisch verhält (damit die Geschichte weiter geht). Hier zwingt die Autorin Dorian zu seinen Handlungen, indem er sich unsterblich in eine andere Bewohnerin verliebt. Das muss man als Leser aushalten um eine spannende Story zu erhalten.

Zur Versöhnung muss ich anmerken, dass ich dieses Buch aus der Bücherei geliehen habe. Dort stand es bei den Jugendbüchern – und dort ist es gut aufgehoben. Für Erwachsene ist es durchaus lesenswert, allerdings mit kleinen Abstrichen bei den Charakteren.
Insgesamt ein gutes Buch, aber nicht das beste von Ursula Poznanski.

Veröffentlicht am 19.10.2019

Lesenswerter Thriller in gewohnt gutem Stil

R.I.P.
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Mit diesem Buch hat die Autorin den dritten Band der Reihe um Kommissar Huldar, seine Chefin und seine Kollegen sowie Kinderpsychologin Freya geschrieben. Obwohl die Figuren und ihre Beziehung zueinander ...

Mit diesem Buch hat die Autorin den dritten Band der Reihe um Kommissar Huldar, seine Chefin und seine Kollegen sowie Kinderpsychologin Freya geschrieben. Obwohl die Figuren und ihre Beziehung zueinander sich weiterentwickeln und für das Buch eine Rolle spielen, kann man es trotzdem eigenständig lesen. Einige Geschichten aus den Vorgängern werden kurz angerissen.

Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr gut, das Buch hat unglaublich spannende Stellen und brachte mich trotzdem manchmal zum Schmunzeln. Vor allem aber macht es nachdenklich.

Die Geschichte beginnt direkt mit dem ersten Mord: Eine Schülerin arbeitet nebenbei im Kino und wird dort auf brutalste Art ermordet. Der Täter zwingt sie per Snapchat Entschuldigungen zu verschicken, bevor er sie tötet. Zunächst ist nicht klar, wofür und bei wem sich das Mädchen entschuldigen musste. Aber Huldar und sein Team finden heraus, dass sie kein Engel war. Aber was rechtfertigt einen Mord? Und wer könnte ihn begehen?
Nach und nach ergeben sich Beziehungsgeflechte und Verstrickungen, diese bleiben aber lange diffus und unklar. Erst am Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Bild zusammen.

Das Thema ist aktuell und dennoch zeitlos. Die Autorin schafft es, Mobbing aus verschiedenen Perspektiven zu betrachten. Zunächst natürlich die Hilflosigkeit der Opfer, die keinen Ausweg aus ihrer Situation sehen. Sie resignieren manchmal, suchen die Schuld bei sich selbst und einige versuchen sogar sich selbst umzubringen. Auch die Eltern der Kinder wissen sich nicht zu helfen, da Mobbing mittlerweile vermehrt in sozialen Medien stattfindet, nehmen die Kinder ihre Peiniger sozusagen mit nach Hause. Rat suchen Eltern bei der Schule – die meist nicht sehr hilfreich ist. Die Möglichkeiten sind begrenzt, auch ein Psychiater, der Betroffene behandelt kommt in dem Buch zu Wort.
Trotz der differenzierten Betrachtung will das Buch keine Lösungen liefern, es erzeugt Spannung und ist durch und durch ein Thriller. Diesen Spagat zu schaffen ist an sich schon eine Leistung, die dieses Buch lesenswert macht. Die unvergleichbare Atmosphäre Islands bietet einen schönen Schauplatz, der oft sehr düster und trist daherkommt. Der Alltag ist auch in dem mittlerweile beliebten Urlaubsland nicht für jeden Bürger immer einfach.