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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.02.2019

Still Missing

Still Missing – Kein Entkommen
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Still Missing ist die Geschichte einer Entführung. Dass die Entführung mit der Befreiung von Annie endet, weiß der Leser von Anfang an, denn sie erzählt hier rückblickend ihre Geschichte in Form von Therapiesitzungen. ...

Still Missing ist die Geschichte einer Entführung. Dass die Entführung mit der Befreiung von Annie endet, weiß der Leser von Anfang an, denn sie erzählt hier rückblickend ihre Geschichte in Form von Therapiesitzungen.

So erfahren wir nach und nach, wie es zu der Entführung kam, was ihr in den Händen des Psychopathen alles passierte, wie sie schließlich freikam und wie sie sich nun ins Leben zurück kämpft. Und die große Frage dabei ist: Warum sie? Denn sie weiß, dass speziell sie ausgesucht wurde.

Ich hatte die etwas mehr als 400 Seiten in 3 Tagen durch, was zum großen Teil der Spannung geschuldet ist, aber auch dem flüssigen Schreibstil. Die Seiten fließen nur so durch die Hände.

Annie erzählt ihre Geschichte schonungslos offen. Viele Details haben mir Gänsehaut bereitet und gegen Ende kann man das Buch wirklich gar nicht mehr weglegen.

Veröffentlicht am 15.02.2019

Freund = Feind

Wolfsschwestern
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Wolfsschwestern erzählt die Geschichte der gleichzeitigen Freundschaft und Feindschaft zwischen Margaret Tudor, Königin von Schottland mit ihrer Schwester Mary Tudor, Königin von Frankreich und ihrer Schwester ...

Wolfsschwestern erzählt die Geschichte der gleichzeitigen Freundschaft und Feindschaft zwischen Margaret Tudor, Königin von Schottland mit ihrer Schwester Mary Tudor, Königin von Frankreich und ihrer Schwester im Geiste, Katharina von Aragon, die erste Frau von Margarets Bruder Heinrich VIII.

Die Geschichte beginnt kurz vor Margarets arrangierter Eheschließung mit dem König von Schottland. Wo in anderen Geschichten oft vom Kummer der zukünftigen Ehefrau über ihren fremden und oft auch viel älteren Ehemann berichtet wird, freut sich Margaret darauf. Denn sie wurde dazu erzogen, Königin zu werden und möchte nichts lieber als ihre Schwester und ihre Schwägerin zu übertrumpfen. Nach der Eheschließung geht diese Rivalität weiter mit dem Erkämpfen von Macht, Land, dem Gebären von Söhnen oder dem Gewinnen von Kriegen.

Dabei ist Margaret so inkonsequent wie illoyal. Bei der Auswahl ihrer Verbündeten, Freunde und Feinde geht es einzig und allein darum, für sich den größten Vorteil herauszuschlagen. Und so wechselhaft sind auch die Argumente, mit denen sie über sich selbst oder eine ihrer beiden Schwestern urteilt.

Obwohl Margaret alles anderes als sympathisch ist, ist ihre Geschichte dennoch unglaublich spannend und abwechslungsreich. Nie scheint etwas sicher zu sein, gerade noch am Boden, ist sie ein Jahr später schon auf dem Weg ihre Macht zurück zu erlangen. Dabei kann es um Politik oder auch Liebe gehen. Gerade für sie als Frau, die sehr bald zur Witwe wird, hat sie mit vielen Rivalen zu kämpfen, die ihr Geld, ihre Macht oder den Thronanspruch ihres Sohnes für sich gewinnen wollen.

Ich habe lange gezögert, dieses Buch zu lesen, nicht zuletzt da Margaret in der großen Geschichte um die Tudors ja eher eine Nebenrolle spielt, da sie weder Ehefrau noch Tochter von Heinrich VIII ist. Philippa Gregory schafft es allerdings mal wieder eine neue Perspektive zu schaffen, die die Herrschaft von Heinrich ausgiebig beleuchtet. Der neue Blickwinkel und Margarets Eigenheiten erschaffen eine frische und interessante Geschichte.

Für mich eine sehr spannende Geschichte, die mich von Anfang bis Ende bestens unterhalten hat.

Veröffentlicht am 30.01.2019

Gute Idee, schlechte Umsetzung

Anatomie eines Skandals
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Sophie und Kate sind zwei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Das Einzige, das die beiden verbindet, ist der Vergewaltigungsprozess gegen James Whitehouse. Kate, stark, abgeklärt, ein Arbeitstier, ...

Sophie und Kate sind zwei Frauen, die kaum unterschiedlicher sein könnten. Das Einzige, das die beiden verbindet, ist der Vergewaltigungsprozess gegen James Whitehouse. Kate, stark, abgeklärt, ein Arbeitstier, führt die Anklage. Sophie, treu, naiv, aus gutem Hause, ist die betrogene Ehefrau, die nun an James Seite um seine Karriere und sein Ansehen bangen muss.

Neben der Frage, ob James wirklich schuldig ist, geht es hier auch um die Frage, wie Wahrheit definiert wird. Denn die legt jeder in diesem Buch ein bisschen anders aus, ganz nach den persönlichen Zielen.
Für mich klang die Idee dieser Geschichte unglaublich interessant, und was so alles im Verlauf des Geschehens aufgedeckt wird, hat unglaublich viel Potential. Damit ist aber leider auch schon alles Positive, was man über dieses Buch sagen kann, gesagt. Denn die Umsetzung ist leider alles andere als gelungen.

Zunächst einmal sind die Charaktere für mich sehr klischeehaft und oberflächlich. James ist der Macho, der schon immer alles getan und gelassen hat, was er wollte, ohne irgendwelche Konsequenzen fürchten zu müssen. Sein Wille war schon immer Programm. Und dementsprechend ist auch sein Frauenbild. Sophie ist die Vorzeigeehefrau, die eigentlich nur aufs College gegangen ist, um dort einen geeigneten Ehemann zu finden. Kate ist ein Gegensatz dazu, stark, auf sich allein gestellt, musste sich alles hart erkämpfen.
Keiner von ihnen entwickelt sich, lernt dazu oder hat auch nur eine Spur von Konsequenz in seinem Verhalten.

Der Skandal, der sich in diesem Buch dann herauszukristallisieren scheint, landet am Ende aber einfach unter dem Tisch. Das war für mich die größte Enttäuschung, den hier auf eine Konfrontation zu fiebern, war für mich der Grund weiterzulesen. Aber auch hier fehlt wieder jegliche Konsequenz, sowohl von Seiten der Protagonisten, die dafür nur eins und eins zusammenzählen müssten aber auch von Seiten der Autorin. Dafür deckt sich ganz zum Schluss aber ein neuer auf, der notgedrungen zusammengeschustert ist, mit dem restlichen Geschehen nichts zu tun hat und für dieses auch vollkommen belanglos ist.

Dazu kommt noch ein Schreibstil, der sehr einfach und langatmig ist. Dieses Buch könnte locker 20 Seiten kürzer sein, wenn man einfach die ausschweifenden und nichtssagenden Beschreibungen weglassen würde. Dann hätte das Ganze vielleicht auch doch noch etwas mehr Pfiff.

Leider ein sehr schwaches Buch, dass weder mitreisen
noch begeistern kann. Mir fallen so viele Dinge ein, die dieses Buch zu einer wirklich tollen Geschichte hätten machen können, sowohl gesellschaftskritisch als auch spannend. Nichts davon konnte die Autorin umsetzten.

Veröffentlicht am 02.01.2019

Vox

Vox
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Auf „Vox“ bin ich, vermutlich wie viele andere auch, gestoßen weil es einen unglaublichen Hype darum gab. Und als ich den Klappentext durchlas wurde ich auch sofort angesteckt.

Frauen dürfen nur noch ...

Auf „Vox“ bin ich, vermutlich wie viele andere auch, gestoßen weil es einen unglaublichen Hype darum gab. Und als ich den Klappentext durchlas wurde ich auch sofort angesteckt.

Frauen dürfen nur noch 100 Wörter am Tag reden, sie dürfen nicht arbeiten, nicht mitbestimmen, brauchen für alles die Erlaubnis ihres Mannes. Unglaublich aber trotzdem irgendwie vorstellbar. Natürlich hat es mich sehr interessiert, was die Autorin aus dieser Geschichte macht. Und ich finde leider, dass man aus dieser Idee viel mehr hätte herausholen können.

Zu Anfang lernen wir Jean kennen, die einst eine angesehene Wissenschaftlerin war. Quasi DAS Vorbild für Frauen, gebildet, intelligent, aber trotzdem liebende Mutter von vier Kindern. Heute sieht ihr Leben allerdings anders aus, denn auch sie musste ihren Job aufgeben und den ganzen Tag zu Hause bleiben. Verständlicherweise staut sich in ihr viel Verbitterung und Wut an, nicht nur auf Grund der Ungerechtigkeit, sondern auch deren Auswirkungen auf ihr Familienleben. Wenn ihre kleine Tochter nachts weint kann sie sie nicht trösten. Im Gegenteil, sie muss ihr den Mund zu halten, da auch kleine Mädchen schmerzhafte Stromstöße bekommen, wenn sie mehr als 100 Wörter reden.

Mir war der Anfang allerdings etwas zu plump. Die Beschreibung der Situation war zwar einleuchtend und mir hat auch gefallen die unterschiedlichen Auswirkungen geschildert zu bekommen, allerdings war die Grundaussage, die dabei für mich herüberkam „Männer und die christliche Religion sind durch und durch schlecht“. Denn der Grundstein für die Situation in diesem Buch wurde von einem religiösen Fanatiker gelegt, der die Frau in seine ursprüngliche, „reine“ Rolle zurückdrängen will. Und das ist alles was in diesem Buch über Religion ausgesagt wird. Ich finde diese Darstellung viel zu einseitig und oberflächlich.

Ich konnte auch überhaupt nicht nachvollziehen, wie es überhaupt zu dieser Situation kommen konnte. In dem Buch werden so viele intelligente und selbstbewusste Frauen beschrieben, die aber anscheinend völlig blind für die Veränderungen waren, die zu dieser Situation geführt hatten. Jeans ehemalige Mitbewohnerin war, wie es scheint, die einzige Frau in ganz Amerika, die irgendwie versucht hat, die Menschen aufzuklären und zu kämpfen. Ich kann mir vorstellen, dass die Autorin mit dieser Schilderung Menschen, und vielleicht gerade Frauen, aufrütteln will, genauer hinzusehen und zu handeln, aber mir kam es doch so vor als hätte es sich die Autorin hier sehr leicht gemacht. Denn einerseits beschreibt sie Jean als mutig und aufständisch, andererseits realisiert sie das Ausmaß der Veränderungen erst, als ihr ihr Pass abgenommen wird und sie einen Wortzähler angelegt bekommt. Wie soll das zusammenpassen?

Was mir dagegen sehr gut gefallen hat, war der innere Konflikt in Jean zwischen ihrer Mutterliebe und dem Idealismus ihres Sohnes, der die neue Regierung zunächst sehr gutheißt. Das war für mich eine der wenigen Passagen, in denen dieses schwierige Thema wirklich differenziert ausgearbeitet wurde.

Den Mittelteil fand ich in weiten Teilen gut, es kommt zu einigen Entwicklungen, die unvorhersehbar waren und endlich den Aufstand der Bevölkerung ankurbeln. Das Ende ist jedoch wieder einfach nur plump und nicht ausgearbeitet. Ich habe nachdem ich das Buch beendet hatte einige Rezensionen durchgelesen, in denen es unter anderem hieß „Es wirkt als hätte die Autorin am Ende einfach keine Lust mehr auf die Geschichte gehabt“, und dieser Aussage kann ich nur zustimmen. 50 Seiten mehr hätten der Geschichte auf jeden Fall gutgetan.

Veröffentlicht am 25.12.2018

Never Knowing

Never Knowing - Endlose Angst
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Sara wurde als Baby adoptiert. Viele Jahre späte, als sie bereits selbst Mutter ist und kurz vor ihrer Hochzeit steht möchte sie ihren leiblichen Eltern finden und engagiert einen Privatdetektiv. Doch ...

Sara wurde als Baby adoptiert. Viele Jahre späte, als sie bereits selbst Mutter ist und kurz vor ihrer Hochzeit steht möchte sie ihren leiblichen Eltern finden und engagiert einen Privatdetektiv. Doch was der herausfindet, hätte sie nie für möglich gehalten: Sie ist das Produkt einer Vergewaltigung, ihre Mutter ist die einzige Frau, die dem berüchtigten Champ Side-Killer jemals entkommen konnte.

Die Kapitel sind im Stil von Therapie-Sitzungen bei Saras Psychotherapeutin Nadine verfasst und in der Ich-Perspektive verfasst. Die Einblicke in Saras Leben und ihre Gedankenwelt sind von daher tiefgehend und man lernt sie gut kennen. Sowohl ihre guten als auch ihre schlechten Eigenschaften. Es hilft, sich in ihre Lage zu versetzten und das Geschehen geht so mehr unter die Haut.

Die Geschichte läuft in Teilen etwas schleppend, ist aber trotzdem größtenteils spannend. Ich kann mir vorstellen, dass die „Längen“ teilweise auch gewollt sind, um die Protagonistin noch besser kennen zu lernen, da auf ihre Persönlichkeit sehr genau und detailliert eingegangen wird.

Die Geschichte um den Camp Site-Killer und die Ermittlungen zu seiner Fassung ist aber sehr spannend und hält einige unvorhersehbare Wendungen bereit.
Alles in allem eine wirklich großartige Unterhaltung, die Lust auf mehr von der Autorin macht.