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Veröffentlicht am 06.06.2020

Emotional vollgepacktes Familiendrama mit einer Liebesbeziehung voller Missverständnisse

It was always you
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Nikola Hotel ist mir schon aus ihren früheren Romanen bekannt, vor allem von ihren Romantasy Büchern “Rabenblut-Saga”, die sie in Selbstpublikation veröffentlicht hat. Sie hat mich in diesem Genre, wie ...

Nikola Hotel ist mir schon aus ihren früheren Romanen bekannt, vor allem von ihren Romantasy Büchern “Rabenblut-Saga”, die sie in Selbstpublikation veröffentlicht hat. Sie hat mich in diesem Genre, wie aber auch in ihren humoristischen Liebesromanen, immer voll überzeugt und besonders mit ihrer Sprache und Schreibstil begeistert!

Coverbild
Das Cover ist genau mein Geschmack und ein absoluter Hingucker! Auf türkis-blau-grün schimmernden Hintergrund mit vielen gesprenkelten Glitterpunkten erstreckt sich über die gesamte Größe der in goldenen Handlettern gesetzte Titel “It was always you”. Ein typisches Romance-Cover, dass mir eine schöne Liebesstory verspricht.

Handlung
Nach 4 Jahren kehrt Ivy, auf die unmissverständliche Bitte ihres Stiefvaters hin, zu ihm und ihren beiden Stiefbrüdern Asher und Noah zurück. Die Rückkehr fällt ihr nicht leicht, denn damals hat ihr Stiefvater ihre Sachen gepackt und die 15 Jährige 2 Wochen nach dem Tod ihrer Mutter in ein Internat nach New York verfrachtet. Ihr Stiefbruder Asher begegnet ihr auch mit offensichtlicher Verachtung, wie damals, als er sie als 20 Jähriger ständig geärgert hat und sie sich immer gestritten haben. Aber warum hat ihr Stiefvater sie nach Hause beordert und warum steckt noch so viel Hass und Unausgesprochenes zwischen ihr und der Familie Blakely?

“Einerseits habe ich das Bedürfnis, ihm meine ganze Wut und all meine Fragen an den Kopf zu knallen, andererseits würde ich mich am liebsten in seine Arme werfen, weil ich nur noch ihn habe.”

Nikola Hotel “It was always you (Blakely Brüder 1)”, S.92 (©2020 Kyss - endlichkyss.de / Rowohlt Verlag GmbH Hamburg eBook kindle Version)

Buchlayout / eBook
Besonders hervorzuheben ist natürlich die Gestaltung des gesamten Buches passend zum Cover. Die über 440 Seiten werden in 31 Kapitel aufgeteilt. Die Kapitelüberschriften sind in Handletterings gesetzt. Dazwischen sehen wir immer wieder Handletter-Illustration über eine gesamte Buchseite mit Zitaten, die von der Illustratorin Carolin Magunia selbst gestaltet wurden. Das hat mir sehr gut gefallen.

Idee / Plot
Eine verbotene Liebe zwischen Stiefgeschwistern ist immer ein heikles Thema. Da sich Ivy und Asher aber erst spät kennen gelernt haben und beide schon in der Pubertät waren, kann man eine sich entwickelnde Jugendliebe nachvollziehen. Der dominante Vater aber will die Kontrolle über seine Kinder und Familie nicht verlieren und schreitet mit vermeintlich gutem Vorsatz ein. Doch unausgesprochene Wahrheiten verhindern, dass man Beweggründe versteht und einander verzeihen kann. So werden über Jahre sich Umstände und Verhalten eingeredet, ohne auch die andere Seite kennenzulernen und nachvollziehen zu können.

“Ich habe mich besser gefühlt, weil ich auf ihn sauer sein konnte, nach dem, was an meinem letzten Tag auf der Insel passiert ist. Aber es ist meine eigene Erinnerung daran, und vielleicht hat Asher eine ganz andere.”

Nikola Hotel “It was always you (Blakely Brüder 1)”, S.213-214 (©2020 Kyss - endlichkyss.de / Rowohlt Verlag GmbH Hamburg eBook kindle Version)

Emotionen / Protagonisten
Ich fand Ivy von Anfang an sympathisch. Ihr Gefühlschaos bezüglich Asher kam bei mir sehr gut an und es machte mich einfach kirre, dass ich lange nicht wusste, was da wirklich vorgefallen war. Auf jeden Fall sind Ivys Gefühle für und gegen Asher sehr intensiv. Manchmal ist mir Ivy aber, vor allem am Anfang, doch zu sehr devot und entschuldigt sich für meine Verhältnisse zu oft, wo ich mich dann doch das ein oder andere mal gewundert habe, dass sie so gar kein Rückgrat beweist. Das ändert sich später aber und sie beginnt endlich auch die richtigen Fragen zu stellen.

Asher ist wirklich lange Zeit extrem kühl und abweisend zu Ivy und verhält sich manchmal wie ein eingeschnappter Teenager. Mit der Zeit konnte ich ihm aber den arroganten Mistkerl nicht abnehmen, auf mich wirkte er einfach oft nur enttäuscht.

Die Spannung, die sich zwischen den beiden aufbaut, konnte ich gut nachvollziehen und hat mir auch sehr gut gefallen. Das Knistern war definitiv da! Und immer, wenn man dachte: Okay, jetzt wissen wir alles und sie können sich irgendwie auf ihre Beziehung einlassen, kam dann noch mal eine Schippe Drama drauf.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Nikola Hotel hat die Spannung geschickt aufgebaut. Der Anfang ist mir persönlich ein bisschen zu zäh, bzw. zu sehr darauf bedacht, Ivy so demütig und passiv zu zeichnen. Aber ab der Hälfte des Buches zieht die Autorin die Handlung rasant an. Ab da konnte und wollte ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen, weil Nikola das Drama immer wieder mit neuen Offenbarungen unterfüttert hatte.

Das Ende ist dann doch plötzlich da, hat mich aber glücklich zurück gelassen - für mich absolut passend ohne unnötig in die Länge zu ziehen.

Szenerie / Setting
Der Kontrast zwischen einem idyllischen Familienansitz in den New Hampshire auf einer eigenen kleinen Insel und der monströsen Stadt New York kann unterschiedlicher nicht sein. Aber auch genauso zwiegespalten fühlt sich Ivy in ihrer Welt. Teil einer heilen Welt bei ihrer Stieffamilie sein zu wollen, wurde sie aber abgeschoben in das turbulente New York.

Sprache / Schreibstil
Sprachlich hat mich Nikola schon wieder sofort abgeholt. Sie hat eine flotte und authentische Sprache und schmückt mit absolut passenden Metaphern aus, ohne langatmig zu werden.

“Die Worte meines Stiefvaters klirren in meinem Kopf, und Ashers Blick wirft sie wie ein Echo zurück.”

Nikola Hotel “It was always you (Blakely Brüder 1)”, S.419 (©2020 Kyss - endlichkyss.de / Rowohlt Verlag GmbH Hamburg eBook kindle Version)

Die Geschichte wird aus Ivys Perspektive als Ich-Erzähler im Präsens erzählt.

FAZIT
Anfangs etwas zäh, dafür zum Ende hin ein emotional vollgepacktes Familiendrama und einer Liebesbeziehung voller Missverständnisse. Sprachlich absolut top, hat mich Nikola mit dieser Geschichte wieder sehr begeistert. Ich bin gespannt auf den 2. Band!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.05.2020

Großes Kino - nicht nur für K-Pop-ertierende Teenager!

When We Dream
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Meine Tochter hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Sie ist ausgesprochener BTS Fan und hat mich so ein bisschen in die K-Pop Welt eingeführt. Und ich bin dem K-Pop auch gar nicht so abgeneigt, ...

Meine Tochter hat mich auf dieses Buch aufmerksam gemacht. Sie ist ausgesprochener BTS Fan und hat mich so ein bisschen in die K-Pop Welt eingeführt. Und ich bin dem K-Pop auch gar nicht so abgeneigt, wobei ich die etwas rockigere Variante lieber mag (The Rose).

Kurzum habe ich mein Glück bei Netgalley Versucht und siehe da! Ich durfte es lesen! An dieser Stelle sei dem LYX Verlag und NetgalleyDE herzlichst für mein Rezensionsexemplar gedankt!

Coverbild
Das Cover erinnert mich sehr an ein typisches K-Pop Cover, wobei ich mich da nicht so sehr auskenne. Aber meine Tochter hat mich dann darauf aufmerksam gemacht, dass ein BTS-Cover auch ziemlich ähnlich ist.

Das gesamte Bild changiert zwischen einem Rosa bis Blasslila. Darauf sind zwei weiße, geschwungene Linien zu sehen, dazwischen ist der Titel des Buches ebenfalls in Weiß gesetzt. Links und Rechts am Rand verteilen sich ein paar goldene Glitzersplitter.

Tatsächlich passt dieses Cover wie die Faust aufs Auge zu einer zuckersüße Lovestory. Aber ob sie wirklich so klebrig süß ist?

Handlung
Die 19 jährige Ella Archer lebt zusammen mit ihren Schwestern in Chicago und studiert Wirtschaft. Durch Zufall lernt sie einen jungen asiatischen Mann kennen, der ihre Liebe zu Büchern teilt. Aus dem ersten Kennenlernen entwickelt sich eine zarte Liebe. Doch ist diese Liebe auf sehr dünnen Pfählen gebaut. Das Leben mit den Schwestern ist nicht einfach, die Eltern vor Jahren bei einem Unfall ums Leben gekommen, zieht sie sich von der Außenwelt zurück. Und auch Jae-yong ist viel unterwegs und sie können oft nur über Chatnachrichten kommunizieren. Als sie erfährt, dass Jae-yong aber ein weltberühmter K-Pop-Star ist, wird die Beziehung noch schwieriger. Alles muss geheim bleiben, auch vor ihren eigenen Schwestern. Und ausgerechnet Liv, die jüngere Schwester, ist ein absoluter Fan von genau der K-Pop-Gruppe, in der Jae-yong Bandmitglied ist.

Buchlayout / eBook
Das Buch ist recht einfach gestaltet. Die 416 Seiten sind in 28 Kapitel mit sehr angenehmer Leselänge aufgeteilt. Jedes Kapitel wird nur mit der Kapitelnummer und “Kapitel” eingeleitet. Hier hätte ich mir gewünscht, ein bisschen mehr Bezug zu K-Pop zu ziehen, vielleicht eine Songtext-Zeile, oder einen Songtitel, auch wenn sie erfunden wären.

Idee / Plot
Sind wir mal ehrlich. Eine Liebesgeschichte zwischen einem Popstar (oder irgendeinem anderen gearteten Star) und einem “Normalo” ist nichts Neues und der Inhalt eines jeden Traumes pubertierender Teenager. K-Pop gibt es ja nun schon länger und FanFictions schon so lange, wie die Träumereien. Dank Wattpad werden auch sehr erfolgreich mehr oder weniger gute FanFictions veröffentlicht. Das Thema ist also nicht neu, und lässt sich auf jedes Musikgenre übertragen, egal ob Volksmusik, Pop, Rock etc. Also, warum nicht K-Pop, der im Moment genau den Puls der 13-16 jährigen Mädchen trifft (hüstel, ich bin schon Ü40)?

Aber, was mir hier besonders gut gefällt, ist, dass dieses Buch so viel mehr ist. Es ist keine romantisierte, glitzig-zuckersüß verklärte Popstar-Love-Geschichte. Das K-Pop Geschäft und die koreanischen Entertainments sind knallhart und nur auf Leistung getrimmt, so wie die gesamte koreanische Gesellschaft. Spielst du nicht mit, fliegst du raus. Dies vermittelt die Autorin hier sehr schön und anschaulich. K-Pop bedeutet die Erfüllung eines Traumes der jungen koreanischen Männer, für das sie so gut wie fast alles aus ihrem alten Leben aufgeben: Familie, Geborgenheit. Dies alles finden sie aber in ihrer Band, mit der sie nun gemeinsam leben und leiden, und in ihren Fans, mit denen sie ihre Erfolge feiern, oder gemeinsam untergehen.

Zum anderen beschreibt dieser Roman auch noch sehr schön und berührend einige andere Konflikte. Zum Beispiel die drei Schwestern, die nach dem Tod der Eltern zusammenleben müssen und zwischen denen so viel Unausgesprochenes liegt, dass es irgendwann zur Explosion kommen muss. Es geht um Vertrauen und Aufopferung. Jeder opfert sich für irgendetwas auf. Ob das gesund ist oder nicht, ist fraglich.

Und da ist diese aufkeimende Liebe zwischen zwei Menschen - eine zarte, rosa Kirschblüte - die so liebevoll beschrieben wird. Und doch ist der Verlust von Familie, Geborgenheit und Vertrauen in allen Beziehungen in diesem Roman ein sehr deutlicher Tenor.

Emotionen / Protagonisten
Ich muss zugeben, Ella Archer ist mir manchmal ein bisschen zu sehr auf unbedarftes, graues Mäuschen geschnitten. Sie ist ein Bücherwurm und zeichnet sehr gerne. Besucht ihr Studium sehr gewissenhaft, um später ihre Schwester entlasten zu können. Mir ist klar, dass die Autorin die Protagonistin so ein bisschen (K-Pop-)weltfremd zeichnen musste, sonst hätte der Plot nicht funktioniert und Ella wäre zunächst nicht unvoreingenommen ihm gegenüber gewesen. Also passt es auch für mich.

Ella ist die Mittlere der drei Schwestern und steht auch ein bisschen zwischen zwei Stühlen. Mit ihrer jüngeren Schwester Liv versteht sie sich eigentlich sehr gut. Die Ältere, Mel, hat die Mutterrolle übernommen und opfert sich beruflich für ihre Schwestern auf, um ihnen gemeinsam das Leben zu ermöglichen. Da ist viel Konfliktpotenzial, welches die Autorin auch wirklich gekonnt herausgearbeitet und ausgeschöpft hat.

Der junge Koreaner Jae-yong ist ganz bezaubernd, wie er sich um Ellas Aufmerksamkeit bemüht. Und ich kann ihn irgendwie total gut verstehen, dass er Ella erst mal nicht erzählt hat, was er wirklich ist. Ellas unvoreingenommene und sehr ehrliche Art hat ihn angezogen und er hat sich wahrscheinlich auch deswegen in sie verliebt. Eine Flucht aus den Spotlights und dem 24/7 Ausbreiten des Privatlebens als K-Pop Star in der Social-Media-Öffentlichkeit.

„Ich lachte freudlos auf. »Du findest, ich übertreibe? Die ganze Welt kennt dich, Jae-yong. Hollywoodstars sind deine Freunde. Du bist eine Berühmtheit!«
»Ich bin auch ein Mensch«, brach es aus ihm hervor. »Ich bin nur ein Mensch, Ella.“

Anne Pätzold „When We Dream.“ S. 139 (©2020 LYX by Bastei Lübbe AG, Köln)

Vor allem wird aber deutlich, dass Ella ihren Traum, Kunst zu studieren, aufgegeben hat und damit nicht glücklich ist, genauso wie Jae-yong, der seinen Traum lebt, aber anscheinend genauso unglücklich ist.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Die Handlung hat einen klassischen Verlauf, was aber nicht schlecht ist. Nach einer kurzen Einführung in Ellas Welt lernen sie und Jae-yong sich recht bald kennen. Aus dem anfänglichen Chat-Flirt wird aber immer mehr und Ella, die eigentlich mit Jungs wenig am Hut hat, ist von Jae-yongs liebevollen und auch ein bisschen undurchsichtigen Art schnell eingenommen. Doch dann gibt es schon mal einen kleinen Handlungspeak, als Ella erfährt, wer Jae-yong eigentlich ist. Darauf wird die Spannung bi zum Schluss ziemlich weiter getrieben bis es dann noch mal sehr dramatisch wird und ich zurück bleibe nach diesem wirklich fiesen Cliffhanger mit einem gebrochenem Herzen.

Szenerie / Setting
Zugegeben, ein paar Klischees werden bedient, die ich nicht unbedingt gebraucht hätte: Bücherwurm, Harry Potter, Disney-Filme… Aber ansonsten gefällt es mir sehr gut, wie Anne Pätzold mir die Umgebung bildlich darstellen kann. Auch die ganzen Gegebenheiten bezüglich K-Pop und den Entertainments kann sie sehr gut darstellen. Auch wenn ich schon einiges von meiner Tochter vorher wusste, ist es für die Leser, die sich da noch nicht auskennen eine gute Erklärung des K-Pops. Auch hat mir das Setting der Drei Schwestern sehr gut gefallen. Die USA passen soweit sehr gut für mich, da K-Pop Bands eher öfter in die USA reisen und dort Auftritte haben als (zum Leidwesen meiner Tochter) nach Deutschland oder England.

Sprache / Schreibstil
Absolut mitgerissen hat mich Anne Pätzolds wirklich frischer, jugendlicher aber authentischer Schreibstil! Manche Dialoge sind wirklich köstlich und allgemein kann die Autorin mit passenden Metaphern mir die Situationen bildlich darstellen und hat mich auch des öfteren mit ihren Worten stark berührt. Sehr toll!

Wir erleben die Geschichte für einen New Adult typisch aus der Ich Perspektive im Präteritum.

„Kaum eine Sekunde später ertönte das penetrante Klingeln eines Skype-Anrufes. Ich nahm den Videoanruf an und wurde von Tausenden und Abertausenden Pixeln begrüßt, die sich langsam zu meiner besten Freundin zusammensetzten“

Anne Pätzold „When We Dream.“ S. 159 (©2020 LYX by Bastei Lübbe AG, Köln)

FAZIT
Ein wunderschöner Liebesroman der gar nicht pudrig verklärte Pop-Love-Schmonzette ist, sondern ein Geflecht aus vielen Beziehungen und einer sehr zarten und feinfühligen Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen ist, die jeder für sich seine Ängste, Sorgen und Träume hat. Das alles gepaart mit einem wunderbare humorvollen und abwechslungsreichen Schreibstil hat dieses Buch für mich zu einer absoluten Überraschung gemacht!

Und wo bitteschön bekommt man einen Hotteok zum Probieren?!?!

„Schon nahm ich den Hotteok in die Hand und biss genüsslich davon ab. Wenn Süßes in Südkorea so schmeckte, fragte ich mich ernsthaft, warum ich bisher noch nicht dort gewesen war. [..]
»Du schaust ihn an, als würdest du ihm einen Heiratsantrag machen wollen«, sagte Jae-yong in die Stille.
Ich hielt meinen Zeigefinger in die Höhe. »Shh. Gib uns einen Moment.“

Anne Pätzold „When We Dream.“ S. 282 (©2020 LYX by Bastei Lübbe AG, Köln)

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.05.2020

Enttäuschend und unspektakulär - ohne großer Magie

Das Flüstern der Magie
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Die Autorin Laura Kneidl war mir schon länger auch aus den Sozialen Medien bekannt, wobei ich bisher nur eines ihrer früheren Werke, “Elemente der Schattenwelt”, gelesen habe. Das war aber vor meiner Zeit ...

Die Autorin Laura Kneidl war mir schon länger auch aus den Sozialen Medien bekannt, wobei ich bisher nur eines ihrer früheren Werke, “Elemente der Schattenwelt”, gelesen habe. Das war aber vor meiner Zeit als Buchbloggerin und ich kann micht nicht mehr genau daran erinnern. Da dieses Buch ein Einzelband ist und es bei Netgalley.de angeboten wurde, habe ich meine Chance ergriffen und ich durfte das Buch lesen. Vielen Dank an dieser Stelle auch an den Piper Verlag.

Coverbild
Das Cover ist ein echter Hingucker. Da es so ähnlich wie Marah Woolfs neuen Buch der Hexenschwestern ist, hatte mich alleine schon das Cover neugierig gemacht. Quer über das gesamte Bild erstreckt sich ein Gewirr aus Rauch, Wolken, Ornamenten und Flammen. Alles in einem recht düsteren, dunklen Ton gehalten. Im Hintergrund kann man auch noch technische Zeichnungen erkennen. Der Buchtitel erstreckt sich großformatig in der in letzter Zeit sehr häufig verwendeten Cinzel-Font in goldenen Lettern über die gesamte Breite. Das Cover versprich mir eine spannende und doch auch etwas düstere Story passend zu dem Genre Romantasy.

Handlung
Die 19 jährige Fallon Emrys entspringt einem geheimen Geschlecht der Archivare von magischen Dingen. Auch wenn Sie dafür noch recht jung ist, haben ihre Eltern ihr ein Archiv, getarnt als ein Antiquitätengeschäft, in Edinburgh überlassen. Mit Hilfe dem Flüstern der Magie, das nur Archivare hören können, und ihres besten Freundes Jess, spürt sie magische Dinge auf und holt diese in ihr Archiv. Auf ihren Streifzügen durch Edinburghs Nachleben läuft ihr der sympathische und aufgeschlossene Reed Mitchell über den Weg. Irgendwas scheint mit ihm nicht zu stimmen, und ausgerechnet er klaut ihr ein magisches Tarotspiel. Um das Antiquariat zu behalten und um ihr Ansehen ihren Eltern gegenüber nicht zu verlieren, muss sie unbedingt diese Karten wieder beschaffen und braucht ausgerechnet Reeds Hilfe dazu.

Buchlayout / eBook
So schön das Cover, so einfach ist die Innengestaltung des eBooks. Ein bisschen schade finde ich es schon, da man ja mit den Tarotkarten und all den magischen Elementen vom Cover auch im Inneren hätte etwas spielen können, zumal jedes Kapitel mit dem Namen einer Tarokarte betitelt ist. Wobei sich mir der Zusammenhang der Karte mit dem Inhalt des Kapitels nicht ganz erschließt. Die gut 400 Seiten werden in 21 Kapitel aufgeteilt und bleiben ohne Ausschmückung, haben aber eine angenehme Leselänge.


Idee / Plot
Ein junges Mädchen möchte auf ihren eigenen Beinen stehen und sich von ihren übergriffigen Eltern lösen. Sie muss beweisen, dass sie alleine die große Verantwortung des magischen Archivs übernehmen kann und dem gewachsen ist. Besonders spannend fand ich die Idee des verborgenen Archivs mit magischen Dingen.

Emotionen / Protagonisten
Fallon ist ganz auf ihre Aufgabe konzentriert und sehr selbständig. Manchmal handelt sie für meine Begriffe zu sorglos und unbedacht, zumal sie ja sehr häufig Angst davor hat, Fehler zu machen und dass ihr das Archiv weggenommen wird. So ganz kann ich sie nicht greifen und ihre Handlungen oft nicht nachvollziehen. Und manchmal ist sie mir vor allem aber einfach viel zu überheblich und wirkt ganz schön arrogant.

Genauso wenig kann ich das Knistern zwischen ihr und Reed spüren. Die erste körperliche Begegnung kommt ziemlich plötzlich und ist total lieblos. Klar, Fallon möchte etwas Spaß haben ohne große Gefühle. Aber die darauf folgende Entwicklung der Beziehung zu Reed ist mir zu blass und oberflächlich. Reed ist mir auch viel zu unkantig und ja, auch irgendwie langweilig. Am Anfang dachte ich, dass ihn ein mysteriöses Geheimnis umgibt. Die Auflösung war dann aber eher unspektakulär.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Nach einer etwas langatmigen Einführung wird es kurz spannend, als Fallon versucht einer magischen Kerze auf die Spur zu kommen. Danach bleibt die Handlung aber eher flach, als Reed und Fallon versuchen, das Tarot wieder zu finden. Am Ende hebt sich der Spannungsbogen wieder ein klein wenig. Besonders mitgerissen hat es mich aber nicht und ich musste mich dann doch immer dazu ermahnen, weiter zu lesen. Eine unvorhergesehene Wendung gab es für mich nicht, die Auflösung um Reeds Geheimnis kam recht bald.

Szenerie / Setting
Edinburgh mit seinen sehr altertümlichn und dem sehr mystischen Mary Kings Close ist schon mächtig spannend und auch ein bisschen gruselig. Da passt die Vorstellung von magischen Dingen und einem verschrobenem Antiquariat sehr gut hinein. Laura Kneidl konnte mir die Umgebung gut und bildhaft präsentieren.

Sprache / Schreibstil
Bei der Sprache habe ich so meine Probleme. Ansich schreibt Laura Kneidl recht flüssig. Aber tierisch auf den Kecks ist mir die sehr häufige Wiederholung von “Das Flüstern der Magie” gegangen. Wobei ich es sehr schade fand, dass auf das Flüstern gar nicht näher eingegangen wurde. Was für ein Flüstern war es? Hat jeder Gegenstand sein eigenes Flüstern? Seine eigene Tonart oder Stimme? Sind es Worte oder was kann man da genau hören? Irgendwie fand ich das dann etwas phantasielos, zumal es ja der Titel des Buches ist - hat mir hier einfach was gefehlt.
Auch sonst benutzt die Autorin einige Wörter recht häufig, vor allem bei den Satzanfängen. Ich habe in einem Abschnitt gefühlt 5 x “jedoch” gelesen. Manchmal gibt es dann auch ein paar Ungereimtheiten und zeitliche Sprünge, die nicht ganz gepasst haben.

Die Geschichte wird in der Ich-Perspektive aus Fallons Sicht im Präteritum erzählt.

FAZIT
Insgesamt eher enttäuschend und langatmig. Ich hatte mir mehr Magie und Zauber erwartet, es blieb aber eher unspektakulär und konnte mich gar nicht mitreißen.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.04.2020

Phantasievoller und zauberhafter Jugendroman mit viel Charme und Spannung

Ruby Fairygale - Der Ruf der Fabelwesen
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Dieses Buch habe ich als Überraschungspaket von der Autorin Kira Gembri zugesendet bekommen. Kira Gembri kenne ich schon länger als selbstpublizierende Autorin aber auch von ihren frisch-frechen Jugend-Liebesromanen. ...

Dieses Buch habe ich als Überraschungspaket von der Autorin Kira Gembri zugesendet bekommen. Kira Gembri kenne ich schon länger als selbstpublizierende Autorin aber auch von ihren frisch-frechen Jugend-Liebesromanen. Mein großer Dank gilt aber auch dem Loewe Verlag, der mir dieses Buch als Rezensionexemplar überlassen hat. Ruby Fairygale ist nun Kiras erstes Kinder- und Jugend-Fantasybuch.

Coverbild
Das gesamte Cover ist in einem fröhlichen Grün gehalten. Im oberen Drittel ist der Buchtitel mit roten handgeschriebenen Lettern gesetzt, der von grünen Pflanzenranken eingerahmt wird. Darunter sieht man ein freches Mädchengesicht mit stechend grünen Augen, vielen Sommersprossen und einer wallenden, roten Mähne, die sich über die gesamten zwei Drittel verteilen. Das handgezeichnete Bild passt perfekt zu der auf Irland spielenden Geschichte und ist ein typisches Kinder- und Jugendbuchcover.

Handlung
Die junge Ruby Fairygale lebt mit ihrer Großmutter auf einer kleinen aber sehr idyllischen Insel in der Nähe der Westküste Irlands. Gemeinsam kümmern sich die beiden um die Tiere der Insel. Aber die beiden teilen sich auch ein Geheimnis, denn sie betreiben auch eine Krankenstation für die Fabelwesen der Insel. Doch das Geheimnis ist in Gefahr als bekannt wird, dass ein amerikanischer Junge auf der Insel Urlaub machen soll. Und zunächst macht sich Noah auch bei den Inselbewohnern durch sein verzogenes Verhalten auch nicht gerade sehr beliebt.
Buchlayout / Haptik
Das gesamte Buch wurde durchweg unheimlich liebevoll gestaltet. Die Illustratorin Verena Körtling zeichnet sich nicht nur für das Buchcover verantwortlich, sondern auch für die Elemente der Innengestaltung. Jedes Kapitel wird mit einer Illustration und dem Titel des Kapitel in handschriftlichen Lettern eingeleitet. Jede Seitenzahl wird von kleinen Zeichnungen eingerahmt und immer wieder tauchen zwischen den Zeilen kleine hübsche Bildchen auf. Alle Zeichnungen erscheinen in der Anmutung von feinen Bleistiftzeichnungen. Die 315 Seiten werden in 27 Kapitel von angenehmer Leselänge aufgeteilt. Die Schrift ist, für Kinderaugen gerecht, etwas größer gesetzt.

Idee / Plot
Natürlich leben auf einer irischen Insel nicht nur Menschen. Aber in dieser Geschichte geht es um noch so viel mehr. Hier geht es um Vertrauen und auch darauf, auf sein eigenes Herz zu hören und nicht nicht nur das zu glauben, was einem vorgegaukelt wird. Jeder soll eine Chance haben, und sollte nicht vorverurteilt werden, nur weil ihm Gerüchte vorauseilen.

Emotionen / Protagonisten
Das 13 jährige Mädchen Ruby wurde als kleines Baby von Cleo Collins aus dem Wasser gerettet. Seit dem verbindet diese beiden eine ganz besondere Beziehung. Und ganz besonders auch die Liebe zu Tieren und den Fabelwesen der Insel. Ruby ist ein fröhliches Kind, das ihr Herz auf dem rechten Fleck hat.

Sie fasst schnell Vertrauen zu Noah, dem mysteriösen und verschlossenen Typen. Noah ist mit seinem Aufpasser auf die Insel gekommen, um Urlaub zu machen. Aber sein Vater, ein berühmter Architekt in Amerika, möchte den als schwer erziehbar geltenden Jungen am liebsten sofort auf ein Internat schicken. Und obwohl Noah auf der Insel gleich einen schlechten Start hat, entpuppt er sich als ein sehr interessierter und offener Junge, der sehr unter der Abweisung seines Vaters leidet.

Kira Gembri hat noch viele weitere Charakter geschaffen, die alle auf ihre eigentümliche Art bezaubernd sind. Besonders liebe ich den Irish Woolfhound Schmuggel, ein zunächst mürrisch wirkender Windhund, der aber ein ganz treuer und liebevoller Begleiter wird.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Schon im Epilog wird es spannend und der Leser ist dabei, wie Cleo das kleine Baby aus den Wellen rettet. Danach begleiten wir die junge Ruby bei ihrem Abenteuer mit Noah. Kira Gembri baut die Spannung nach einer Einführungsphase gekonnt aus. Dabei besteht sie nicht nur aus aufregenden Erlebnissen, sondern vor allem in den zwischenmenschlichen Beziehungen. Das Buch endet nach einem sehr aufregenden Höhepunkt mit einem schönen Happy End, hält aber noch viel Potenzial für weitere Bände bereit. Zumal auch noch nicht geklärt ist, warum Ruby so viel Angst vor Wasser hat und wer ihre wahre Eltern sind.

Szenerie / Setting
Ganz besonders gefällt mir der fantasievolle Zauber, den Kira Gembri in die Geschichte eingebaut hat. Dabei schöpft sie aus den für Irland bekannten Mythen der Fabelwesen. Kira Gembri kann mir die Umgebung absolut bildhaft darstellen und ich fühle direkt das Mythische und Eigentümliche der Insel und seiner Bewohner ohne es zu übertreiben.

Sprache / Schreibstil
Wir erleben die Gesichte aus Rubys Perspektive als Ich-Erzähler im Präteritum. Kira Gembri hat eine wunderbar flüssige und witzige Sprache, die einem mit passenden Metaphern die ganze Szenerie bildhaft darstellen konnte:

»In Fernsehkrimis rannten Spürhunde doch immer sofort los, die Nase dicht am Boden und mit einer Zielstrebigkeit, die perfekt zur spannenden Hintergrundmelodie passte. Schmuggel hingegen benahm sich, als hätte er Fahrstuhlmusik im Kopf.«

Kira Gembri “Ruby Fairygale - Der Ruf der Fabelwesen” S. 266 (©2020 Loewe Verlag GmbH)

FAZIT
Eine wundervoll phantasievolle und aufregende Geschichte für junge Leser und Leserinnen mit der richtigen Portion Spannung, viel irischer Mystic aber auch ein bisschen Romantik. Perfekt für junge Selbstleser*innen aber auch als Vorlesebuch ideal. Absolut bezaubernd!

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 05.04.2020

Fantastisch-magisches Jugendbuch, und doch so philosophisch

Serafin. Das Kalte Feuer
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An dieser Stelle möchte ich den S. Fischer Verlag herzlich dafür Danken, dass ich bei der Aktion mitmachen durfte und dafür alle 4 Bände des Merle Zyklus erhalten habe. Die ersten 3 Bände von Merle hat ...

An dieser Stelle möchte ich den S. Fischer Verlag herzlich dafür Danken, dass ich bei der Aktion mitmachen durfte und dafür alle 4 Bände des Merle Zyklus erhalten habe. Die ersten 3 Bände von Merle hat Kai Meyer vor 20 Jahren geschrieben. Diese hätte ich immer noch sehr gerne als Hörspiel, vor allem auf langen Autofahrten. Mit „Serafin. Das kalte Feuer“ setzt der Autor die Geschichte fort und schafft damit auch einen Abschluss der gesamten Reihe.

Coverbild
Für die Neuerscheinung des Buches wurden auch die 3 Merle Bücher in einer Neuauflage neu gestaltet und alle 4 Bücher erscheinen im gleichen Layout. Die Illustratorin Jana Heidersdorf hat für alle 4 Bücher das Cover neu gezeichnet. Das Cover von Serafin ist ganz in orangegelb gehalten. In der Mitte des Bildes steht ein Junge auf einem Dach, aus seiner Hand wächst eine Feuerkugel. Neben ihm fliegt eine goldene Katze mit Flügeln. Dahinter steht ein Mädchen ganz in schwarz gekleidet mit flatterndem rotem Schal und einen Säbel in der Hand. Es ist ein ganz typisches Cover für jugendliche Fantasy und gefällt mir sehr gut. Alle Bänder ergeben ein wunderschönes Gesamtbild.

Handlung
Auf der Suche nach Merles Vater und vor der Flucht der Kartographen landen die beiden Freundinnen mithilfe Junipas Spiegelmagie wieder in einem der vielen Abbilder von Venedig. Auch hier leben und walten die Personen, die sie auch aus ihrem eigenen Venedig kennen und auf die sie immer wieder in jeder Venedig-Spiegelung begegnet sind. So auch Serafin, der diesmal ein Schlammsammler, der in den leeren Kanälen Venedigs nach Schätzen sucht und so auf die beiden Mädchen stößt. 2 Jahre ist es nun her, seit dem Merle ihren Serafin verloren hat. Doch viel Zeit haben die Mädchen nicht, denn auch in diesem Venedig werden sie von mächtigen Gegnern gejagt. Die einzige Hoffnung ist, Merles Vater zu finden und damit auch das Herz der Stadt.
Buchlayout / Haptik
Die Gestaltung der gebundenen Ausgabe kommt eher schlicht daher. Die Buchdeckel sind in einfachem Karton und die Innengestaltung ist sehr einfach gehalten. So werden die Kapitel lediglich mit einer Ziffer eingeleitet. Da die Erzählung aus zwei Perspektiven erzählt wird, hätte ich mir hier eine optische Hervorhebung des Protagonisten gewünscht. Insgesamt werden die 350 Seiten in sehr angenehme 35 Kapitel eingeteilt.

Idee / Plot
Ganz klar war, dass die Geschichte mit Merles 3. Band, und dem Verlust ihrer großen Liebe Serafin, es keine Wiederauferstehung geben soll. Aber trotzdem ist die Idee, 20 Jahre nach der Erscheinung der Merle-Trilogie in die Spiegelwelten einzutauchen und die Figuren wieder aufleben zu lassen, wirklich grandios. Vor allem begeistert mich die Vorstellung, dass die Welten oder Städte allein durch die Vorstellungskraft existiert:

»Und jede dieser … Manifestierten Städte existiert mehr als einmal?«
»Dutzendfach, vielleicht hundertfach oder sogar noch öfter«, sagte Junipa. »Es hängt davon ab, wie viele Geschichten sich die Menschen darüber erzählen und wie klar die Vorstellung ist, die die Leute davon haben. Über Venedig gibt es so viele Legenden, Märchen, dann all die Bücher … Nicht jeder dieser Versionen manifestieren sich und wird real, aber doch sehr viele.«

Kai Meyer “Serafin - Das Kalte Feuer”, S. 143-144 (© 2020, Fischer Kinder- und Jugendbuchverlag / Sauerländer)

Was für eine hohe philosophische Ansicht! Sind wir wirklich real, oder nur der Vorstellung eines höheren Wesens entsprungen? Wie viele Realitätn gibt es von uns?

Emotionen / Protagonisten
Serafin ist ein anderer Serafin, als der, den Merle und Junipa in ihrem Venedig kannten. Aber er ist trotzdem immer noch ein draufgängerischer und mutiger Junge, der sein Herz am rechten Fleck hat. Um seiner schwerkranken Mutter zu helfen, geht er bewusst Risiken ein, und so war es auch nicht verwunderlich, dass er den beiden Mädchen auf ihrer Suche nach Merles Vater gleich geholfen hat. Ich habe Serafin gleich in mein Herz geschlossen.

Auch Merle und Junipa waren mir von Anfang an gleich wieder sehr präsent und ich konnte immer gut mit ihnen mitempfinden. Mir hat es gefallen, dass Merle sich bewusst ist, dass es ein anderes venedig und ein anderer Serafin ist, aber sie auch wehmütig an ihre Zeit damals zurück gedacht hat. Trotzdem ist sie tapfer mit ihrer Freundin Junipa durch dieses Abenteuer gegangen.

Natürlich gibt es noch viele andere Charakter, die Kai Meyer Leben eingehaucht hat. Zu erwähnen wäre hier Cagliostra, eine fliegende goldene Katze. Die Beziehung zwischen ihr und Serafin hat mir sehr gut gefallen. er ist schnippisch und typisch katzenhaft arrogant, hat aber ein sehr weiches Herz.

Handlungsaufbau / Spannungsbogen
Wie auch schon in den vorangegangenen Merle Büchern wird die Handlung immer stetig vorangetrieben. Es gibt keine Längen und die Spannung wird kontinuierlich aufgebaut. Bis es zum Ende hin noch mal sehr aufregend und spannend wird für die Drei! Und ja, es gibt auch eine Liebesgeschichte, die mir sehr gut gefallen hat und der ganzen fantastisch magischen Welt noch einen zarten Hauch von Romantik verliehen hat, ohne kitschig zu werden.

Auch wenn es ein Folgeband der Merle-Trilogie ist, kann man das Buch unabhängig davon lesen. Was ich aber nicht empfehlen würde. Es gibt doch einige Situationen oder Parallelen, die man besser mit dem Vorwissen verstehen und nachvollziehen kann.

Szenerie / Setting
Wie von Kai Meyer nicht anders zu erwarten hat er auch hier wieder ein fantastisches Setting geschaffen. Denn dieses Venedig ist doch ganz anders als das von der Merle-Trilogie, und doch ist es einfach nur faszinierend und berauschend, wie Kai Meyer dem Leser die Umgebung und die Stimmung passend darstellen kann. Venedig kenne ich selber und es zählt zu meinen Lieblings-Städten, und diese Stadt hat einfach was extrem Magisches.

Sprache / Schreibstil
Wir erleben die Abenteuer der drei Freunde jeweils in der Multiperspektive aus der Sicht von Merle oder von Serafin als personaler Erzähler im Präteritum. Kai Meyer hat einen extrem flotten und eingängigen Schreibstil, so, dass die Seiten einfach nur dahin fliegen und trotzdem sprüht er vor lauter Fantasie.

FAZIT
Es ist eine wundervolle, magisch-fantastiche Geschichte für Jung und Alt und der Beweis, dass Jugendbücher sehr viel philosophischer sein können. Mir hat das Buch unheimlich Spaß gemacht! Ich kann aber nur empfehlen, vorher die Merle-Trilogie zu lesen bevor man sich in den Zauber dieses Buches begibt um die Zusammenhänge doch besser verstehen zu können.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere