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Veröffentlicht am 17.12.2022

Liebe in Zeiten des Brexit

Just Like You
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Letztes Wochenende hatte ich wieder einmal Lust auf etwas Romantisches. „Just like you“ von Nick Hornby kam mir da gerade recht. Der Titel könnte auch lauten „Liebe in Zeiten des Brexit“. Das Buch schafft ...

Letztes Wochenende hatte ich wieder einmal Lust auf etwas Romantisches. „Just like you“ von Nick Hornby kam mir da gerade recht. Der Titel könnte auch lauten „Liebe in Zeiten des Brexit“. Das Buch schafft es, die Beziehung der in Scheidung lebenden Lucy und ihrem jungen Babysitter Joseph, der noch dazu eine andere Hautfarbe hat, auf spannende Weise mit dem Brexit-Referendum zu verknüpfen. Von Anfang an ist klar: Kompliziert wird beides.
Lucy engagiert Joseph, um sich auf ein weiteres Blind Date einzulassen. Ihre Söhne sind beeindruckt von seinen Fähigkeiten beim Fußball-Videospielen. Lucys mag, dass er nachdenklich, freundlich, fleißig, zuverlässig und selbstbewusst ist, obwohl sie keine Ahnung von der Clubmusik hat, die er komponieren möchte. Es ist nicht nur der Sex, Ihre Bindung ist von Anfang an eine emotionale.
Eine Geschichte über gespaltene Meinungen, die die Briten im Rückblick schon viel länger begleiten, als uns. Es geht nicht nur um politische Neigungen, sondern auch um Geschmack in Kleidung, Musik und Büchern.
In scharfen Dialogen schafft es der Autor, die Charakter zu definieren und komplizierte Fragen einzuleiten, während er die Figuren luftig und sympathisch beschreibt. Es ist immerhin nicht einfach, einen ungebildeten Charakter darzustellen, ohne herablassend zu wirken. Die Romanze bleibt dabei nie wirklich vorhersehbar. Einmal ruft einer von Lucy`s Nachbarn die Polizei wegen des schwarzen Jugendlichen, der spät in der Nacht vor ihrer Haustüre steht. Dann ist Joseph beschämt, als er Lucy seinen neuen Track vorspielt und sie wie eine ermutigende Mutter mitnickt. Beide reagieren äußerst empfindlich auf jedes Anzeichen dafür, dass der andere sich dessen bewusst ist, was sie trennt. Aus der Verliebtheit der zwei entsteht eine Geschichte über Liebe, Rassismus, Klassen- und Altersunterschiede. Immer wieder betonen beide, dass ihre Love Story unmöglich ist und die Beziehung keine Chancen hat.
Doch es gibt Menschen, die passen einfach perfekt zueinander. Eine Liebesgeschichte ganz nach meinem Geschmack.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.10.2022

Emotionen sind was anderes als Gefühle ...

Sexuelle Liebe auf göttliche Weise
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Ich schreibe ja leidenschaftlich gerne Liebesromane. Ganz ohne Recherche komme ich bei gewissen romantischen Szenen aber halt auch nicht aus. Deshalb dachte ich mir, lies halt dieses alte Buch vom „Tantra“-Guru ...

Ich schreibe ja leidenschaftlich gerne Liebesromane. Ganz ohne Recherche komme ich bei gewissen romantischen Szenen aber halt auch nicht aus. Deshalb dachte ich mir, lies halt dieses alte Buch vom „Tantra“-Guru Barry Long. Und was soll ich sagen ...
Zu Beginn war ich nicht sehr begeistert. Der Autor empfiehlt beim Sex „emotionslos“ zu sein! Damit konnte ich als Schriftstellerin erst einmal gar nichts anfangen. Bei meinen Liebesszenen geht es meist um die vielleicht stärksten Gefühle der Welt. Aber das Buch ist ziemlich dünn und deshalb habe ich es zu Ende gelesen. Zum Glück!

Ich hatte die englische Version und der Begriff „Emotion“ hat mich verwirrt. Inzwischen weiß ich dank Wikipedia, dass die Emotion als Gefühlsregung vom Fühlen oder dem Gefühl zu unterscheiden ist. Tatsächlich erlauben Barry Longs Ansichten einen völlig neuen Blick auf die körperliche Vereinigung. Ohne eines der Geschlechter zu verdammen, stellt er die schwierigen Verhältnisse zwischen Mann und Frau dar und gibt klare Antworten. Eine Lösung bietet der Autor zum Beispiel so: „Um richtig zu lieben, muss der Mann lernen, während des Aktes sein Penis zu sein, sich seiner größeren Intelligenz zu überlassen, statt ihm seine sexbesessene emotionale Mentalität aufzuzwingen, mit dem Ergebnis, dass der Penis seine eigentliche Aufgabe nicht erfüllen kann.“
Anders gesagt: Man muss einfach den Kopf und auch die Phantasie aussperren, um die Energie fließen zu lassen. Die Liebenden sollen im Augenblick leben und sich einfach gegenseitig Energie spenden.

Schon als Kind im Biologieunterricht erfährt man, dass wir Menschen etwas wider die Natur laufen. In der freien Wildbahn tragen immerhin die Männchen die bunten Federn, damit das Weibchen gleich erkennen kann, wer gesund und zur Fortpflanzung geeignet ist. Die Mädels tragen eher gedeckte Farben zum Schutz. Nun ist es aber in der westlichen Kultur eher umgekehrt. Junge Frauen werden nicht genug vor der mitunter missbräuchlichen männlichen Energie geschützt. In unserer patriarchalen Welt hängen sich die Frauen die bunten Federn um, und trauen sich kaum ungeschminkt aus dem Haus.
Ich kann das Büchlein deshalb jedem empfehlen, der das Thema Sexualität aus einem neuen Blickwinkel betrachten und darüber reflektieren möchte.

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  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 10.09.2022

BOUM ist nicht La Boum - leider

Boum
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Was habe ich mir von „Boum“ erwartet? Natürlich einen mit spitzer Feder geschriebenen Roman voller tabuloser, böser Satire. Soweit so gut. Diesen Anspruch hat Lisa Eckhart auf jeden Fall wieder bravourös ...

Was habe ich mir von „Boum“ erwartet? Natürlich einen mit spitzer Feder geschriebenen Roman voller tabuloser, böser Satire. Soweit so gut. Diesen Anspruch hat Lisa Eckhart auf jeden Fall wieder bravourös gemeistert. Das Cover – der reinste Hingucker.

Weshalb sich meine Begeisterung dennoch in Grenzen hält, lässt sich nicht so einfach erklären. Immerhin will ich ja nicht für eine Kulturbanausin gehalten werden. Außerdem bin ich noch immer ein großer Fan und bewundere die Künstlerin Lisa Eckhart für Ihre Fähigkeit mit der Sprache generell umzugehen. Aber dieses Buch? Keine Frage, es hat super begonnen, auch spannend, wie ein Krimi, aber dann ...

Die blutjunge, naive Aloisia aus der österreichischen Provinz, die in Paris auf die fantasievollsten Figuren trifft, kann eigentlich keine autobiografische Version von La Eckhart sein. Dafür spricht sie mir zu wenig. Vielleicht ist sie eine Mischung aus ihr und Prinzessin Peach.
Ich habe die Geschichte insgesamt nicht wirklich verstanden, deshalb fällt es mir schwer, eine Zusammenfassung zu schreiben. Boum ist für mich so etwas wie eine Horrorversion für Erwachsene von Alice im Wunderland und schon dieses Buch habe ich nie verstanden.
Statt einem weißen Kaninchen folgt Aloisia einem vermeintlichen Serienmörder in die Katakomben von Paris. Von dort gibt es eine Verbindung ins Reich der „Veuf“, die dort wie Heidi Klum über einen bizarren Haufen junger Mädchen regiert.

Die Geschichte ist wirklich ziemlich abstrus und ausgefallen. Ich glaube nicht, dass ich das Buch gerne selbst gelesen hätte. Mit der Stimme von Lisa Eckhart fiel das Eintauchen und Abtauchen in diese (Alb-)Traumwelt leichter.

Sicher, zwischen drinnen gab es immer wieder tolle Sätze, wo man aufwacht. Sich denkt: Wow! Aber mir fehlte dann doch eine gewisse Struktur in der Handlung. Ein Ende, das man versteht. Auch wenn sehr viele Botschaften dabei waren, die ich verstanden habe, war es mir dann doch insgesamt zu derb und ordinär. Wenn ich mir vorstelle, dieses Buch wird eines Tages verfilmt. Na dann gute Nacht! Wer will sowas sehen?

Was bleibt? Ich bin noch immer eine Verehrerin der Autorin, aber eine verwirrte.

Ich habe etwas zu hohe Erwartungen in die Handlung gesetzt. Das banale Ende war für mich unbefriedigend.

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  • Erzählstil
  • Sprecherin
  • Cover
  • Spannung
  • Atmosphäre
Veröffentlicht am 15.08.2022

Liebenswerte Charaktere

Du bist dran
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Ich oute mich jetzt hier einfach einmal als Fan von den „Liebesg´schichten und Heiratssachen“ (Kuppelfernsehshow im ORF). Keine andere Sendung bietet meiner Meinung nach einen so intimen Einblick in das ...

Ich oute mich jetzt hier einfach einmal als Fan von den „Liebesg´schichten und Heiratssachen“ (Kuppelfernsehshow im ORF). Keine andere Sendung bietet meiner Meinung nach einen so intimen Einblick in das Leben von einsamen Menschen. Zuzusehen, wie sich so mancher ins Zeug wirft, singt, tanzt, oder nackt zwischen seinen Gartenzwergen herumläuft, um den passenden Partner zu finden, rührt mich immer wieder zu Tränen. Ich liebe es, mich, mit Hilfe der Kamera in fremden Wohnungen umzusehen. Vergleiche, was andere Leute so an Staubfängern bei sich daheim herumstehen haben, oder welche Stofftiere sie aufgehoben haben. Sind wir nicht alle irgendwie ein bisschen eigen und auf eine spezielle Art und Weise etwas verrückt?

„Du bist dran“ von Mieze Medusa kann ich allen empfehlen, die auch hin und wieder die Bestätigung brauchen, dass es da draußen jede Menge Unikate gibt, deren Leben nicht gänzlich ohne Probleme verläuft, um nicht zu sagen, ziemlich verkorkst ist. Da ist der Teenager Agnesa, die die Schule abgebrochen hat, der Computer Nerd Eduard und die in die Jahre gekommene Feministin Felicitas. Zwischen den Blickwinkeln dieser drei Generationen springen die Kapitel wahllos hin und her. Ich nehme an, darauf wird sich auch der Titel beziehen. Oft habe ich ein paar Absätze gerätselt, wer die Geschichte gerade weitererzählt, aber insgesamt hat mir das Buch sehr gut gefallen. Eben weil es mich ein wenig an die obige Sendung erinnert hat. Und am Ende verknüpfen sich diese drei Lebensgeschichten und man fühlt sich, wie bei den letzten Episoden der „Liebesg´schichten“, wenn man sieht, dass selbst die schrulligsten Teilnehmer ihren Herzensmenschen gefunden haben.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 23.07.2022

Ich werde alt...

Walking Disaster
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Dieses Buch ist der endgültige Beweis.
Die Inhaltsangabe liest sich nicht so schlecht. Irgendwie hatte ich eine nette, unterhaltsame Liebesgeschichte erwartet. In meiner Jugend habe ich leichte Liebesromane ...

Dieses Buch ist der endgültige Beweis.
Die Inhaltsangabe liest sich nicht so schlecht. Irgendwie hatte ich eine nette, unterhaltsame Liebesgeschichte erwartet. In meiner Jugend habe ich leichte Liebesromane (Historical, falls das noch jemandem etwas sagt) wöchentlich verschlungen. Schon damals gab es diesen Bad Boy-Typen, der allerdings im Highlander-Outfit, Cowboy-Stiefeln oder in aristokratischer Garderobe, manchmal auch in Ritterrüstung, daherkam. Gerne verliebten sich diese Romanhelden in junge Frauen, die allesamt eine Version von Aschenputtel hätten sein können. Weil die Helden durchwegs gute Schwertkämpfer oder Revolverhelden waren, gelang es ihnen „immer“, die widerspenstige Holde aus den Fängen irgendwelcher skrupellosen Bösewichte zu befreien. Nun also, so etwas in der Art hatte ich erwartet, nur eben als moderne Version.
Warum habe ich nur dem Titel nicht mehr Beachtung zukommen lassen? Disaster heißt auf Italienisch disastro, also wörtlich: Unstern. Gerade bei mir als Hobbyastrologin hätten alle Alarmglocken läuten müssen. Im Deutschen ist ein Desaster ein verhängnisvolles Unglück oder schweres Missgeschick. Sinnverwandte Wörter sind: Debakel, Fiasko, Flop, Reinfall. So gesehen hat das Buch einen wirklich treffenden Titel. Wir alle kennen ja den Begriff Bildungs-Desaster. Nichts anderes, vermute ich, kann der Grund für die mehrheitlich positiven Kritiken dieses Romans sein. Bei meinen Recherchen musste ich feststellen, dass es einen Vorgänger-Band mit dem Titel „Beautiful Disaster“ gab. Der schildert wohl haargenau dieselbe Nerv tötende Handlung nur aus der Sicht eines anderen Protagonisten. Generell eine witzige Idee, die mir das erste Mal in der Fernsehserie „The Affair“ untergekommen ist. Allerdings wechselten sich dort die Blickwinkel immer wieder ab. Selbst wenn die Autorin Jamie McGuire das auf dieselbe Weise in einem Buch gelöst hätte, wäre das Ergebnis in meinen Augen trotzdem noch ein Desaster geblieben. Die Figuren verhielten sich zwar ihrer Herkunft nach psychologisch sehr nachvollziehbar, aber ihre Denkweise und Argumentation war für mich einfach nur quälend und langatmig. War ich nach den ersten fünfzig Seiten noch geduldig auf den Beginn der eigentlichen Handlung gespannt, so musste ich nach etlichen weiteren todlangweiligen Kapiteln zum Querleser-Modus übergehen. Auf eine interessante Wendung bin ich allerdings bis zum Epilog nicht gestoßen. (Nicht das dieser die erwartete Wendung gebracht hätte.) Die Handlung hier komprimiert zusammengefasst: Ein gewaltbereiter Bad Boy verliebt sich in eine auf den ersten Blick unnahbare Schönheit (man könnte auch „Dummchen“ sagen), die wie er selbst keine leichte Kindheit hatte. Ja, leider gelang es mir beim besten Willen nicht, sonst etwas Erwähnenswertes herauszufiltern.
Spätestens nach der Lektüre dieses Buches müssten sich tausende junge Leserinnen vor ihre Laptops setzen und anfangen, sich selbst spannendere Geschichten auszudenken und sie aufzuschreiben. Bei mir hat der Konsum der Historical-Romane das immerhin bewirkt, obwohl in diesen zumindest ein halbwegs nachvollziehbarer, authentischer geschichtlicher Rahmen vorhanden war und auch eine entsprechende Handlung.
Werde ich die anderen beiden Bände der Buchreihe lesen? Sorry, dafür gibt es viel zu viele wirklich gute Bücher, die darauf warten gelesen zu werden.

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