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Veröffentlicht am 09.05.2025

Wohlfühlroman mit toller Protagonistin

Camp Rainbow - Über mir der Himmel
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Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher ...

Direkt zu Beginn erzählt die Autorin uns von Malins Leben. Durch Rückblenden erfahren wir wie Malin aufgewachsen ist und wem sie in ihrer Familie am nächsten steht. Außerdem ist sie in der Schule eher die die stille Beobachterin, hat dafür aber im Camp Rainbow ihre besten Freund:innen Flo und Basti gefunden. Und nun ist es endlich soweit und sie darf, wie schon einige Sommer zuvor, endlich ins Camp zurückkehren. Und vielleicht erlebt die 17-jährige nun auch endlich ihren ersten Kuss, jedenfalls wählt sie sich dafür schon ein paar Jugendliche aus, die sie gerne küssen würde.

Ich finde das Camp richtig schön, mit den Hütten unterschiedlicher Farben, der Natur ringsum und den tollen AGs voller sportlicher oder kreativer Aktivitäten. So wohl wie sich Malin im Camp fühlt, so angenehm fand ich diese Geschichte zu lesen. Malin und ihre Freund:innen haben eine innige Beziehung und alle anderen Teilnehmer:innen sind auch super sympathisch, wenn auch der ein oder andere Charakter etwas eigen. Ich mag auch, wie sich die Geschichte entwickelt und Malin allmählich versucht ihren Plan in die Tat umzusetzen, während wir bei den ereignisreichen Camp-Aktivitäten dabei sind.

>>Manchmal beobachte ich die Menschen um mich herum und frage mich, wieso es für sie so leicht ist. Das Leben. Die Liebe. Es fühlt sich an, als hätten sie alle einen Leitfaden gelesen, den ich nie erhalten habe.<< S. 17

Dass das Buch so angenehm und ereignisreich zu lesen ist, hat auch der tolle Schreibstil von Alicia Zett dazu beigetragen. Malin ist nicht nur queer, sondern auch neurodivergent. Und obwohl ich mit ihr nicht die offensichtlichsten Merkmale gemein habe, konnte ich mich immer in sie hineinversetzen und verstehen. Die Autorin hat Malins Charakter wirklich rund, aber auch mit Ecken und Kanten und diese total nachvollziehbar dargestellt. Ich hab es echt genossen, in Malins Kopf und Herz spicken zu können, sodass mir das Lesen viel Spaß gemacht hat. Die übrigen Charaktere sind ebenfalls wirklich anschaulich dargestellt und ich finde es schön, dass nicht nur Malins Liebesleben, sondern auch ihre Freundschaften eine zentrale Rolle im Buch einnehmen. Und die aufkommenden romantischen Momente sind meiner Meinung nach auch wirklich schön beschrieben! Ich fands ein ums andere Mal richtig romantisch und bin dahin geschmolzen, vor allem die Gespräche haben mich oft lächeln lassen. Malin hat sich mir mit ihren Eigenheiten, ihren bewundernswerten Stärken und ihren (romantischen) Gefühlen ins Herz geschrieben. Ach ja, und überraschen konnte mich die Autorin in der zweiten Hälfte des Buches auch noch.


Fazit:
„Camp Rainbow – Über mir der Himmel“ ist ein wunderschönes Wohlfühlbuch. Es ist romantisch, ereignisreich, vielfältig, heimelig und überraschend. „Camp Rainbow“ ist nicht nur für die Protagonistin Malin eine Art Zuhause, sondern genauso auch für uns Leser/innen für ein paar Stunden ein freundschaftlicher Ort zum ankommen und genießen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Gefühl
Veröffentlicht am 09.05.2025

Herzzerreißend schön

Gestern waren wir unendlich
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Die jungen Männer Henry und Louis sind seit einigen Jahren ein Paar, das schon vieles erlebt hat und immer für einander einsteht. Doch eines Abends, bei einem Autounfall, stirbt Henry. Louis ist am Boden ...

Die jungen Männer Henry und Louis sind seit einigen Jahren ein Paar, das schon vieles erlebt hat und immer für einander einsteht. Doch eines Abends, bei einem Autounfall, stirbt Henry. Louis ist am Boden zerstört, doch der nächste Tag ist wieder der Tag des Unfalls, der darauf auch, und wieder und wieder... kann Louis Henrys Tod verhindern?

>>„Das ist keine wirkliche Kraft“, sagt Adam, als hätte er meine Gedanken gelesen, und berührt mit der rechten Hand seinen linken Oberarm. Dann streckt er sie aus und legt sie auf meine Brust, knapp oberhalb meines Herzens. „Die wirkliche Kraft sieht man nicht. Sie steckt da drin. Und du hast sie.<< S. 242f

Zu Anfang lesen wir direkt das Kennenlernen von den beiden, als Henry mit seinem treuen Hund auf Louis trifft, der traurig wirkt. Von da an gibt es immer wieder Kapitel aus der Vergangenheit der beiden aus Henrys Perspektive, bis man auf das Heute trifft. Dazwischen werden die Kapitel über den heutigen Tag, der sich immer wieder wiederholt, aus Louis Sichtweise erzählt. Ich war überrascht, dass die beiden am Unfalltag zerstritten sind, was diesen noch tragischer gemacht hat. Wir folgen Louis, der sauer, aber auch getroffen und traurig über die momentane Situation ist. Man merkt direkt, wie sie leiden. Ich hab die beiden von Anfang an ins Herz geschlossen. Nicht zuletzt wegen Dominik Gaidas tollem Schreibstil. Die Protagonisten wurden von Anfang an sehr nahbar, detailgenau und gefühlsbetont beschrieben, sodass ich von ihnen direkt eingenommen war.

Die Geschichte verläuft emotional und tragisch, ist aber auch sehr spannend wegen der Zeitschleife. Denn was beeinflusst Louis heute und kann er damit endlich Henry retten? Mit der Zeit hat mich etwas an Louis' Verhalten gestört, weil die Geschichte nicht mehr ganz so harmonisch war wie bisher, aber das wurde später nochmals aufgegriffen, deswegen war es für mich letztlich okay. Und das Ende? Nun ja, es hat mich direkt ins Herz getroffen!


Fazit:
"Gestern waren wir unendlich" ist eine wunderschöne, bittersüße Liebesgeschichte zweier ganz toller Personen und gleichzeitig eine spannende Erzählung über eine Zeitschleife und deren Veränderungen. Der Schreibstil und das herzliche Paar sind wunderschön und haben mir unglaublich gut gefallen. Ich freu mich schon sehr auf den zweiten Teil!

Veröffentlicht am 09.05.2025

Hatte mehr erwartet, vor allem, dass mich mehr Emotionen erreichen

Warte auf mich am Meer
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Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden ...

Evelyn und Joseph unterbreiten ihren Kindern einen schockierenden Plan: In genau einem Jahr möchten sie sich gemeinsam das Leben nehmen, da Evelyn Parkinson hat und nicht von der Krankheit besiegt werden will. Joseph kann sich ein Leben ohne sie nicht vorstellen, denn beide waren Nachbarskinder und haben sich als Jugendliche direkt verliebt: Die große und eine Liebe. Die Kapitel schildern abwechselnd das Heute und Damals. Wir Leser/innen können in die 60 Jahre Beziehung von Evelyn und Joseph eintauchen, die aus beiden Sichtweisen erzählt wird.

Ich liebe Liebesromane und ich liebe große Emotionen, weil mich Geschichten im Herzen berühren müssen. Diese Geschichte klingt genau danach, jedoch hatte ich hier irgendwie von Anfang an das Gefühl, dass mich Evelyns und Josephs Problem nicht emotional erreichen konnte, vielmehr die ungläubige Reaktion der drei Kinder, die ich aber auch erstmal kennenlernen musste. Deswegen habe ich das Buch sogar zwei Mal begonnen, weil es mich beim ersten Versuch überhaupt nicht mitreißen konnte. Ich glaube, ich hätte zuerst von der großen Liebe zwischen den beiden Protagonisten lesen und auch zunächst ihre drei Kinder und deren unterschiedlichen Charaktere kennenlernen wollen, bevor das alte Paar die große Bombe platzen ließ, sodass ich emotional schon mit allen Buchfiguren verbunden gewesen wäre.

Dass auch die vielen schweren und glücklichen Momente in den 60 Jahren von Evelyn und Joseph erzählt werden, finde ich richtig schön. Deren Liebesgeschichte ist romantisch und schmerzhaft und hat mich schon bald berührt. Die Geschichte ist insgesamt aber nicht unbedingt leicht zu lesen, weil es im Heute immer um die lebensverändernde Entscheidung des alten Pärchens geht und diese auch schon in jungen Jahren viel durchmachen mussten, was sich auf den Beginn ihrer Beziehung ausgewirkt hat. Es folgen Höhen und Tiefen mit ihrem Umfeld, ihren Kindern, ihrem Beruf und auch sich selbst. Dabei hat mich ein Detail während der Vergangenheitskapitel sehr genervt: Evelyn erscheint irgendwann unddankbar und frustriert. Die junge Frau hat viele Träume und schwere Situationen erleben müssen, während Joseph mit Evelyn an seiner Seite in ihrer Heimatstadt vollkommen zufrieden ist. Sie will so viel mehr vom Leben und ist unzufrieden, was sie Joseph auch spüren ließ, der sie ihrerseits stets auf Händen trug. Das fand ich stellenweise unfair und ich hatte Mitleid mit ihm, denn er hätte ihr aus Liebe bestimmt Vieles ermöglicht.


Fazit:
„Warte auf mich am Meer“ bietet eine interessante Idee und eine vielversprechende Liebesgeschichte. Doch leider konnte mich das Paar und dessen Familie von Anfang an nicht emotional mitnehmen. Die Kapitel über die jungen Jahre ihrer Beziehung sind romantisch und ereignisreich, weshalb mich diese berühren konnten. Der Konflikt im Jetzt hat sich jedoch irgendwann im Kreis gedreht und ich bin mit dem Ende auch nicht vollständig zufrieden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.05.2025

Lustig, fesselnd und wunderschön

Breakups and Butterflies
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Mara ist seit vielen Jahren in einer Beziehung mit Sebastian und auch bereits verlobt. Außerdem ist sie die Assistentin einer erfolgreichen Modebloggerin, für die sie deren Account und sogar das halbe ...

Mara ist seit vielen Jahren in einer Beziehung mit Sebastian und auch bereits verlobt. Außerdem ist sie die Assistentin einer erfolgreichen Modebloggerin, für die sie deren Account und sogar das halbe Leben managed. Ein ziemlich schönes Leben also, würde sie ihr steifer Freund nicht plötzlich betrügen und vor die Tür setzen. So strandet sie mit dem Hund ihrer Chefin Alex, die spontan Urlaub macht, und drei großen Koffern im Gemeinschaftsbüro auf dem Sofa. In der Küche trifft sie immer wieder auf Marius: Etliche Jahre jünger, locker, lebt von heute auf morgen. Doch irgendwas zieht die beiden an und Mara findet durch ihn, trotz ihres Trennungsschmerzes, wieder Leichtigkeit.

Mich hat das Buch von Anfang an direkt abgeholt. Trotz der fiesen Trennung von dem steifen, arroganten Sebastian und Maras Liebeskummer, ist dieses Buch sehr lustig. Kyra Groh hat einen lockeren und amüsanten Schreibstil, der die Geschichte einfach besonders macht. Maras Gefühle und die doch ernsteren Themen in der Geschichte werden dadurch nicht relativiert, das Buch aber nicht bedrückend, sodass es einfach Spaß macht Mara zu begleiten. Diese lernt nach der Trennung einiges über sich selbst und ich habe ihren Weg gerne verfolgt. Viele Situationen, z. B. dass Mara Sicherheit in Plänen findet und ihre Träume hinten anstellt, sind so nachempfindbar. Es gibt so viele Sätze mit denen man sich identifizieren kann, wie Lebensweisheiten, nur schöner in Worten verpackt. Die sympathische Protagonistin und der amüsante Schreibstil haben für mich ein perfektes Wohlfühlbuch geschaffen. Ich habe mich richtig in einem Lesesog befunden, weil mich Maras Geschichte so gefesselt und begeistert hat. Ein Detail im Geschehen habe zwar ich bald erahnt, aber dafür hat mir die Begegnung mit einem späteren außergewöhnlichen männlichen Charakter sehr gut gefallen!

>>Wenn es da diese Person gibt, die rund um die Uhr mit einem zusammen sein möchte, dann kann man doch gar nicht so schrecklich sein, wie man es sich in den dunkelsten Stunden einzureden versucht. Oder? Wenn es diese Person mit mir auszuhalten vermag, dann ist zumindest ein kleiner Teil von mir liebenswert.<< S. 199

Zur neuen Jubelausgabe: Ich hab die erste Ausgabe nicht gelesen und weiß deshalb nicht, wie sehr die Geschichte erweitert worden ist. Finde sie aber so wie sie heute ist, perfekt. Der Farbschnitt ist einfach gehalten. Auf die Bemerkungen der Autorin habe ich mich sehr gefreut. Es ist total interessant, wie sie selbst über ihren Text oder Charaktere denkt. Die ca. 30 Markierungen reichen von Unterstreichungen oder Smileys/Herzen bis zu Kommentaren, was Kyra Groh beim Schreiben dabei dachte.


Fazit:
„Breakups and Butterflies“ hat mich von Anfang an richtig begeistert, wie ich es gar nicht erwartet hätte. Maras Weg ist so fesselnd, nachempfindbar und durch den Schreibstil vor allem amüsant. Ich habe jede Seite dieses Buches genossen und bin richtig verliebt! Eine wunderschöne Geschichte für alle, die sich selbst erst als Erwachsene gefunden haben oder immer noch auf der Suche sind!

Veröffentlicht am 17.04.2025

Fesselnder Jugendthriller mit unbefriedigender Auflösung

Seven Ways to Tell a Lie
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An Jonahs Schule taucht ein Fakevideo auf, in dem er und seine ehemalige Clique in einem Bus gezeigt werden, der dann tödlich verunglückt. Daraufhin werden noch weitere Deepfakes veröffentlicht, in denen ...

An Jonahs Schule taucht ein Fakevideo auf, in dem er und seine ehemalige Clique in einem Bus gezeigt werden, der dann tödlich verunglückt. Daraufhin werden noch weitere Deepfakes veröffentlicht, in denen es jeweils um eine Person der Freundesgruppe geht. Wer hat es auf die Jugendlichen abgesehen? Und vor allem: Hat es etwas mit Enyas Entführung im Jahr zuvor zu tun? Seitdem sie verschwunden ist, ist die Clique auseinandergebrochen, doch nun können die Freund/innen wieder zusammenfinden.

Der Anfang startet wirklich rasant, weil man direkt ins Geschehen geworfen wird. Das erste Video taucht sehr schnell auf und wir lernen die sieben Jugendlichen der Freundesclique kennen. Jedoch fand ich es mit all den Charakteren etwas verwirrend, wer jetzt wie lebt und was gemacht hat. Mit der Zeit habe ich sie aber alle gut zuordnen können, auch Thea, die nun eine gute Freundin von Jonah geworden ist, nachdem sich die Clique aufgelöst hat. Die vielen Geschehnisse und Charaktere tragen aber perfekt dazu bei, dass man gut Rätselraten kann, ob Enya noch leben könnte und wer sie entführt hat. Hier konnte mich der Autor ein ums andere Mal überraschen und nein, die Auflösung habe ich so überhaupt nicht kommen sehen.

Die Geschichte ist wie gesagt wirklich spannend und fesselnd geschrieben. Auch die vielen Details und Videos, die nach und nach eingestreut und aufgedeckt werden, tragen dazu bei. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen. Außerdem hat es mich anfangs etwas an „Pretty Little Liars“ erinnert, aufgrund der Person, die Jonahs Clique verfolgt, später mit den Videos und Jonahs Rolle sehr an „Tote Mädchen lügen nicht“ und auch an „A good Girl’s Guide to Murder“, weil Jonah mithilfe einer Pinnwand den oder die Täter/in zu finden versucht und immer mehr Details ans Licht kommen, die teilweise darauf hinweisen, aber überhaupt nicht die ganze Tragweite zeigen kann, die sich am Ende zeigt.

Das Ende… hat mich schockiert und erschüttert, aber auch unbefriedigt zurückgelassen. Ich empfand diesen Jugendthriller auf den letzten Seiten als sehr brutal (ein wichtiger Punkt wurde in der Triggerwarnung vergessen!). Eine Wendung fand ich wirklich gut und raffiniert aufgebaut (Thea), wohingegen ich es schade finde, dass Rubys Rolle so nichtssagend und offen endet, was für mich überhaupt keinen Sinn ergibt. Das hat mich während des krassen Showdowns schon enttäuscht.



Fazit:
„Seven Ways to tell a Lie“ ist ein unglaublich fesselnder Jugendthriller, der sehr spannend aufgebaut ist. Ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, weil es so dramatisch und raffiniert erzählt wird. Das Ende hat mich nicht ganz überzeugt und vor allem mit seiner Gewalt und Brutalität überrascht, was ich für ein Jugendbuch nur bedingt gelungen finde (und es als Fehler betrachte, dass ein Detail nicht in der Triggerwarnung aufgeführt wurde). Für Fans von „Tote Mädchen lügen nicht“ und „A good Girl’s Guide to Murder“!

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