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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.09.2019

Bringt verworrene Psyche sehr gut rüber

Echo eines Freundes
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Dies ist der fünfte Teil der Elling-Reihe. Er spielt einige Zeit nach den Ereignissen des letzten Bandes. Elling ist mittlerweile 58 Jahre alt und wird aus der vorherigen betreuten Wohnsituation entlassen. ...

Dies ist der fünfte Teil der Elling-Reihe. Er spielt einige Zeit nach den Ereignissen des letzten Bandes. Elling ist mittlerweile 58 Jahre alt und wird aus der vorherigen betreuten Wohnsituation entlassen. Er ist fest entschlossen es alleine zu schaffen und kehrt nach Oslo zurück, wo er die Einliegerwohnung einer älteren Dame bezieht.

Ich habe die Vorgänger nicht gelesen, was vielleicht besser gewesen wäre. So war ich doch relativ verwirrt, wenn Elling über die Vergangenheit oder seine beiden besten Freunde gesprochen hat, die beide bereits verstorben sind. Da half mir auch das Nachwort der Übersetzerin nicht wirklich weiter.

Elling ist ein sehr spezieller Charakter. Er spekuliert aus der Ferne über die Persönlichkeit und das Leben der Menschen in seinem Umfeld. Besonders betroffen von diesen Phantasien sind die Frauen, bei denen er sich fragt, ob sie an ihm interessiert sein könnten und wie es wäre eine Beziehung mit ihnen zu führen. Er ist eine Gestalt der Gegensätze: obwohl er eher introvertiert ist, wünscht er sich Kontakt, Freunde, Anerkennung und eine feste Beziehung. Er schwankt immer zwischen himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, wirkt schon fast manisch-depressiv. Außerdem ist er ziemlich launenhaft. Im einen Moment ist er freundlich, zuvorkommend und charmant, nur um sich plötzlich aufbrausend, zornig und unberechenbar zu verhalten. Klar ist, dass er hauptsächlich in seiner Gedankenwelt lebt, analysiert, spekuliert und phantasiert und dabei manchmal vielleicht selber gar nicht mehr weiß, was jetzt Realität oder Phantasie ist.

Der Schreibstil ist interessant und bringt seine verworrene Psyche sehr gut rüber. Teilweise ist er auch humorvoll, obwohl Elling als Person gar nicht witzig sein will. Seine Vorstellungen, Spekulationen und seine Gedankenwelt kommen einfach so absurd und skurril rüber. Generell muss man aber sagen, dass nicht übermäßig viel passiert und das Buch auch eher langatmig ist. Der Leser begleitet Elling während seines Alltags und wird Zeuge der Irrungen und Wirrungen seines Geistes.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Unterhaltsam, überzogen und aus dem Leben gegriffen

OMG, diese Aisling!
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Aisling wohnt mit 28 Jahren noch bei ihren Eltern und träumt von der großen Liebe und einem Ring am Finger. Doch ihr langjähriger Freund John hat da offenbar andere Pläne. Als ihr das klar wird, trennt ...

Aisling wohnt mit 28 Jahren noch bei ihren Eltern und träumt von der großen Liebe und einem Ring am Finger. Doch ihr langjähriger Freund John hat da offenbar andere Pläne. Als ihr das klar wird, trennt sie sich kurzerhand von ihm und zieht in eine WG in Dublin.

So weit, so gut. Für mich klang das nach einer starken Protagonistin, einem großen Abenteuer und einem Befreiungsschlag, um Träume zu verwirklichen. Nun ja, in dieser Hinsicht wurde ich leider enttäuscht. Aisling verhält sich so, dass sie dem Titel "OMG, diese Aisling!" mehr als gerecht wird. Denn wie oft habe ich über sie den Kopf geschüttelt, mir an den Kopf gefasst und gegen die Stirn geschlagen?

All ihre Freundinnen sind verlobt oder schon verheiratet. Und auch Aisling sieht ihre Zukunft schon rosarot vor sich: Traumhochzeit, Traumhaus auf dem Land und dann ließe auch der Nachwuchs nicht mehr lange auf sich warten. Als John ihre Träume dann durchkreuzt, macht sie aus heiterem Himmel, scheinbar völlig unüberlegt und ohne große Erklärung Schluss. In den nächsten Wochen lebt sie zwar zusammen mit neuen Freundinnen in einer Traumwohnung, aber das ist schließlich nicht das, was sie immer wollte. Und so reagiert sie dementsprechend verschnupft, wenn es Neuigkeiten von John gibt oder der sich eben nicht meldet. Beides passt ihr nicht. Obwohl Aisling bereits 28 Jahre alt ist und in vielen Dingen eine total spießige und altbackene Denkweise hat, führt sie sich auf der anderen Seite auf wie eine Pubertierende. Ständig beschäftigt sie sich mit Markenprodukten, Gratis-Essen oder Gratis-Proben und preist das tolle Aussehen von diesem oder jenem Typen an. Dabei ist sie stets für eine ordentliche Portion Klatsch und Tratsch zu haben und hat natürlich zu allem eine (meist herablassende und besserwisserische) Meinung. Tatsächlich wird sie in allem völlig überzogen dargestellt. Einige meiner Mitleser/innen bei der Leserunde haben hier Absicht vermutet und das dies eben der spezielle Humor des Buches sei. Teilweise fand ich es auch unterhaltsam und absurd, aber eben leider auch oft ein wenig nervig. Zum Glück macht sie im Verlauf der Geschichte eine Veränderung ins Positive durch, denn das durch sie dargestellte Frauenbild ist doch mehr als rückständig und hat mir überhaupt nicht gefallen. Letztendlich muss man sagen, dass hin und wieder wahrscheinlich eine kleine Aisling in jedem von uns durchschimmert. In dem ein oder anderen Punkt kann sich bestimmt jede Leserin zumindest ein wenig mit ihr identifizieren.

Große Abenteuer bestreitet Aisling im Buch zwar nicht, dennoch halten ihre neuen Mitbewohnerinnen sie ganz schön auf Trab. Sie durchlebt die Tiefen des Liebeskummers, mutiert zur Partylöwin, auf der Arbeit geht es drunter und drüber und bei den Eltern ist auch nicht alles wie man es sich wünschen würde. Außerdem scheint jemand ein Auge auf sie geworfen zu haben. Es sind eben die kleinen oder größeren Aufregungen des Alltags an denen die Autorinnen uns teilhaben lassen. Das macht Aisling zu einer von uns, denn ihre Probleme oder zumindest so ähnlich, haben wir alle bestimmt schon gehabt. Ob es am Ende zum Befreiungsschlag kommt, müsst ihr selber lesen ;)

"OMG, diese Aisling!" ist unterhaltsam, überzogen und aus dem Leben gegriffen. Die Protagonistin ist definitiv speziell und ab und zu ein wenig nervig. Dennoch hat das Buch seinen eigenen Charme.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Berührendes und emotionales Kinderbuch

Ein Bruder zu viel
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Sara ist neun Jahre alt als die beste Freundin ihrer Mutter plötzlich verstirbt und dabei einen Sohn hinterlässt. Dieser soll von nun an bei ihnen leben. Doch damit nicht genug: Sara muss ich auch noch ...

Sara ist neun Jahre alt als die beste Freundin ihrer Mutter plötzlich verstirbt und dabei einen Sohn hinterlässt. Dieser soll von nun an bei ihnen leben. Doch damit nicht genug: Sara muss ich auch noch ihr Zimmer mit ihm teilen. Das passt ihr überhaupt nicht, schließlich ist Steinar klein, nervig und heult ständig. Dementsprechend kann sie einfach nicht nett zu ihm sein, auch wenn ihr eigentlich klar ist, dass er ihr Mitgefühl und ihre Rücksicht verdient hätte. Doch dann belauscht sie ein Gespräch zwischen ihren Eltern und plötzlich ist ihr klar, was sie tun muss.

Dies ist ein berührendes und emotionales Kinderbuch über Verlust und Trauer. Geschrieben aus Saras Sicht wird diese Geschichte besonders kindlich erzählt und ist damit auch sehr leicht zu lesen. Man kann Saras Gefühle und ihre Zerrissenheit gut nachempfinden und fühlt auch ihre Wut, Verzweiflung, Ängste und Eifersucht, aber auch die tiefe Zuneigung und Liebe gegenüber ihrer Familie. Man kann verstehen, dass sie sich teilweise ungerecht behandelt und verraten fühlt.

Auf der anderen Seite tut einem natürlich auch Steinar unheimlich Leid, der ziemlich traurig und traumatisiert ist und nicht versteht wo seine Mutter ist und warum sie nicht wieder kommt. Aber auch Saras Leben und das ihrer Familie wurde auf den Kopf gestellt. Daraus entstehen viele herzzerreißende, aber auch einige schöne Szenen.
Das Buch ist außerdem bebildert. Fast auf jeder Seite befinden sich auf den Text abgestimmte Illustrationen, die alle so wie das Cover in blau und gelb gehalten sind.

"Ein Bruder zu viel" ist auch geeignet für Kinder, die noch ein Geschwisterchen bekommen haben, egal ob blutsverwandt oder vielleicht durch das Entstehen einer Patchwork-Familie. Es ist eine schöne Geschwister- und Familiengeschichte, die bewegt und zum Nachdenken anregt.

Veröffentlicht am 08.09.2019

Kurz, anschaulich und verständlich

Kleine Gase – Große Wirkung
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Die Autoren studieren Wirtschaftswissenschaften am Bodensee. Aufgrund der aktuellen Debatte um den Klimawandel wollten sie sich selber ein Bild zum Thema machen. Dabei waren sie auf der Suche nach einem ...

Die Autoren studieren Wirtschaftswissenschaften am Bodensee. Aufgrund der aktuellen Debatte um den Klimawandel wollten sie sich selber ein Bild zum Thema machen. Dabei waren sie auf der Suche nach einem Buch, das anschaulich, wissenschaftlich fundiert und in kurzen Texten das Wichtigste über den Klimawandel zusammenfasst. Weil es ein solches Buch nicht gab, beschlossen sie es selber zu schreiben. Ziel ist es mit Hilfe des Buches möglichst viele Menschen über die Ursachen und Auswirkungen des Klimawandels zu informieren und sie zu motivieren sich für Umwelt- und Klimaschutz einzusetzen. Denn es ist klar, dass man zwar alleine nicht viel erreichen kann, doch je mehr Menschen sich für das Thema interessieren und etwas bewegen wollen, desto mehr kann letztendlich auch erreicht werden.

Und das Buch macht klar: es muss etwas geschehen! Wir müssen endlich anfangen unsere Umwelt zu schützen, in dem wir beispielsweise unseren CO2-Verbrauch deutlich reduzieren. Das ist wichtig für unsere Zukunft und die der Erde.

Meiner Meinung nach ist die Umsetzung des Buches sehr gut gelungen. Es beschreibt kurz, anschaulich und verständlich wie es zum Klimawandel kommt, wer oder was daran Schuld ist, welche Auswirkungen das auf unsere Umwelt, Flora und Fauna, das Wetter und eben auch auf den Menschen hat. Es wird auch angerissen, was jeder für sich tun kann, um einen positiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das Verstehen wird durch zahlreiche Illustrationen, Graphiken und Diagramme unterstützt.

"Kleine Gase - große Wirkung" kostet nur 5 Euro. Diese kann man gut und gerne investieren, um sich über ein sehr wichtiges und aktuelles Thema zu informieren. Meiner Meinung ist dieses Buch sehr lesenswert. Nach der Lektüre hat man das Gefühl etwas gelernt zu haben und etwas verändern zu wollen!

Veröffentlicht am 02.09.2019

Lass die Puppen tanzen: verrückt, skurril, aber auch sehr humorvoll

Dorian Hunter - Dämonen-Killer / Der Puppenmacher
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Hier treffen Dorian Hunter und Donald Chapman das erste Mal aufeinander. Dieser wurde vom Secret Service geschickt, weil Dorians Taten der letzten beiden Folgen nicht ganz unbemerkt blieben. Doch Chapman ...

Hier treffen Dorian Hunter und Donald Chapman das erste Mal aufeinander. Dieser wurde vom Secret Service geschickt, weil Dorians Taten der letzten beiden Folgen nicht ganz unbemerkt blieben. Doch Chapman glaubt absolut nicht an das Übernatürliche. Selbst wenn es direkt vor seiner Nase sitzt, denkt er immer noch, dass solche Dinge unmöglich sind. Ich mag seinen Charakter total gerne und hoffe, ihn Zukunft mehr von ihm zu hören. Das Zusammenspiel zwischen den beiden Männern ist teilweise wirklich zu komisch.

Die Hörspielserie basiert auf der Heftromanserie "Dämonenkiller" der österreichischen Autoren Ernst Vlcek und Kurt Luif. Diese erschien zwischen 1973-1977 und wird seit 2008 von Zaubermond-Audio neu aufgelegt. Dazu wurde die Handlung der Geschichte in die Gegenwart übertragen.

Jede Folge ist zwar auf der einen Seite blutig, brutal und düster, überzeugt aber auch besonders durch einen trockene Humor. Hier wird es teilweise schon ein bisschen verrückt, skurril und auch beängstigend.

Bis zur aktuellen Folge (42.2) haben 14 verschiedene Sprecher ihr Können unter Beweis gestellt. Jeder Charakter wird dadurch absolut toll umgesetzt und authentisch dargestellt. Generell zieht die Akustik einen direkt in seinen Bann: durch Musik, Geräusche oder Stimmen wird eine ganz spezielle, gruselige, düstere und bedrückende Atmosphäre geschaffen.

Für Mystery und Horror Fans ein Muss!