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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2017

Gute Reihe, etwas schwächerer Band

Versiegelt (Ryder Creed 2)
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Ryder Creed, Hundeführer, bekommt einen neuen Auftrag. Er soll nach einem großen Erdrutsch mit seinem Spürhund Menschen finden – tot oder lebendig. Und auch Maggie O`Dell wird in dieses Katastrophengebiet ...

Ryder Creed, Hundeführer, bekommt einen neuen Auftrag. Er soll nach einem großen Erdrutsch mit seinem Spürhund Menschen finden – tot oder lebendig. Und auch Maggie O`Dell wird in dieses Katastrophengebiet geschickt, ohne genau zu wissen was dort ihre tatsächliche Aufgabe ist. Als dann die erste Leiche geborgen wird, wird beiden Ermittlern klar, dass hier noch etwas anderes hinter dem Einsatz stecken muss. Denn das Erdrutsche die Opfer mit einem Kopfschuss erledigen, ist eine ganz neue Erfahrung. Bald stellt sich außerdem die Frage, was in der verschütteten, streng geheimen Forschungseinrichtung der Regierung vor sich ging und ob Gefahr durch die zerstörten Labore droht..

Stil, Machart, Meinung

Der zweite Teil der Serie setzt zeitlich recht schnell nach den Geschehnissen aus Band 1 an. Die Personen aus Band 1 finden sich schnell auch in Band 2 wieder, nach der Lesepause sind die schnellen Erinnerungen hilfreich, um sich gut einzufinden. Man braucht Teil 1 nicht vorher zu lesen, sollte es aber nach Möglichkeit tun.
Alex Kava schreibt wie immer fluffig und – zu meiner großen Freude – ohne sich in großem Geschwafel zu verlieren. Ich mag ihre schnelle Schreibweise und die kurzen Kapitel sowie die Perspektivenwechsel.
Thriller steht drauf, Thriller ist drin. Laut Wikipedia schreibt Frau Kava psychologische Suspense – Romane. Das klingt auch passend. Wir haben typisches Thrillermaterial inklusive politischem Skandal, hochbegabten Hunden und der nebenbei erwähnten Gefühlswelt einer emotional etwas kaputten FBI- Agentin, die auf den ebenfalls etwas kaputten, heißen Hundeführer steht. Während die Geschichte vielleicht ein bisschen interessanter für die männlichen Leser sein könnte, ist die emotionale Entwicklung wohl doch mehr etwas für die weiblichen Leser. Die Mischung macht’s.
Die Länge der Geschichte und die Entwicklung des ganzen haben mich ein wenig verwirrt. Während das Buch sofort mitten in der Panik vor dem drohenden Erdrutsch beginnt, bekommt der Leser mit wie die beiden Ermittler zu ihrem Auftrag kommen. In einem Nebenstrang sitzt eine Senatorin, ebenfalls aus dem vorherigen Band bekannt, in einem Ausschuss zu einem benachbarten Thema mit Bezug zum aktuellen Fall. Vor Ort gibt es dann ein paar Leichen, die beim Erdrutsch wohl schon tot waren. Auf einmal gibt’s dann schon „den Showdown“ , man kennt zwar die Bösewichte, aber die Geschichte ist ganz offensichtlich noch nicht vorbei.
Und da kommen wir zu einem Thema, dass mir schon bei der Besprechung von „Wintergäste von Sybil Volks“ einiges an Kritik einbrachte. Ein Buch endet, aber die Geschichte nicht. Kann man machen, ist für den Leser allerdings recht unbefriedigend. In Reihen um Ermittler tauchen ja immer mal wieder alte Bekannte (Bösewichte) auf, und das kann auch sehr gut sein. Dann gibt es Reihen, zum Beispiel die „Post Mortem – Reihe“, bei der weiß man vorher, dass die Handlung in Buch 2 ihr Ende finden wird. Ich fand die Balance hier etwas merkwürdig, das Buch las sich schnell weg – und man hätte die weiteren Geschehnisse gern mit in diesen Band packen können. Ich werde mir den nächsten Band wohl zulegen, weil ich die Autorin schon aus einigen Büchern kenne und noch nie komplett enttäuscht wurde. Trotzdem mag ich es einfach, wenn mit dem Ende des Buches auch ein Fall abgeschlossen ist und ich nicht auf diese Art zum Kauf des nächsten Bandes genötigt werde.

Die Reihe

Dieses Buch ist der zweite Teil der Reihe um Maggie O´Dell und Ryder Creed. Natürlich macht es Sinn, mit Teil 1 anzufangen.
Maggie O`Dell kennt man vielleicht noch aus der Vorgängerserie der Autorin, in der die FBI Agentin die Hauptrolle spielt. Von 2002 – 2014 erschien diese Serie in insgesamt 11 Büchern. Ich habe diese Serie gern gelesen, allerdings irgendwo bei Band 7 oder 8 das ganze aus den Augen verloren. Ryder Creed hilft ihr dort im letzten Band anscheinend auch schon bei einem Fall, zwischen den beiden knistert es immer so hin und her, diese Zusammenarbeit hat eine Menge Potential und scheint deshalb nun auch in der neuen Serie um die beiden fortgesetzt werden.

Hier habe ich etwas gekürzt, den vollständigen Artikel mit „was lernen wir daraus?“ gibt’s auf meinem Blog: www.dietipperin.wordpress.com

Fazit

Ich mag den schnellen und spannenden Schreibstil der Autorin Alex Kava, bei dem trotzdem interessante Details auftauchen. Das Thema der Story war nicht so hundertprozentig meins, aber trotzdem interessant. Das besondere an der Reihe sind die Hunde, mit denen Ryder Creed arbeitet. Das finde ich auch im zweiten Band sehr interessant gemacht, ich habe einiges gelernt. Die Beziehung der beiden Ermittler zueinander hat definitiv noch immer Potential. Wer an der Reihe interessiert ist, kann mit diesem Band anfangen – sollte es aber nach Möglichkeit mit dem ersten Band auch zuerst versuchen. Den dritten Band werde ich auch lesen, dieser hier bekommt 3 von 5 Sternen. Denn das Thema und die Balance der Geschichte mit dem abrupten Ende machen diesen zweiten Band in meinen Augen etwas schlechter als den ersten. Trotzdem las ich das Buch schnell durch, war nie gelangweilt und wollte die ganze Zeit wissen, wie es denn weitergeht.

Veröffentlicht am 11.01.2019

Es plätschert so dahin..

Der Tod kommt nach Mitternacht
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Lydia ist ein Buchliebhaber durch und durch. Sie arbeitet in einem Buchladen, der eher eine Bibliothek oder ein Sozialprojekt zu sein scheint und hat damit ihren perfekten Job gefunden. Als eines Nachts ...

Lydia ist ein Buchliebhaber durch und durch. Sie arbeitet in einem Buchladen, der eher eine Bibliothek oder ein Sozialprojekt zu sein scheint und hat damit ihren perfekten Job gefunden. Als eines Nachts ein Stammkunde in dem Laden Selbstmord begeht, gerät Lydias Welt aus den Fugen. Nicht nur, dass sie den Toten findet und er ein Kinderfoto von ihr in der Tasche hat – er vermacht ihr auch noch seine wenigen Habseligkeiten und hat dabei in seinen Büchern ein Rätsel für sie versteckt. Noch dazu finden ihr Vater und ihr bester Freund aus Kindheitstagen sie durch den Zeitungsartikel zum Selbstmord, sodass die Dämonen der Vergangenheit auf einmal wieder überaus präsent sind. Denn als Kind erlangte sie als einzige Überlebende des Massakers vom Hammermann traurige Berühmtheit. Und der Hammermann wurde bis heute nicht gefasst.

Stil, Machart, Meinung
Obwohl der Kriminalroman direkt mit dem Selbstmord anfing, brauchte die Geschichte ein wenig, bis sie mich packte. Durch die liebevolle Beschreibung des Buchladens und der Bücherfrösche gerät die Spannung etwas in den Hintergrund. Die Vergangenheit der Hauptperson Lydia nimmt erwartungsgemäß viel Raum in der Geschichte ein. Das dient der Geschichte auf jeden Fall, hätte aber etwas weniger ausführlich sein können. Im Vergleich zur Vergangenheit kommt mir die Hauptperson der Gegenwart doch recht blass vor und hätte irgendwie mehr Farbe verdient.
Nachdem der Leser dann auch über das Massaker informiert wurde, welches die Hauptperson als 10jährige überlebte, stellen sich 2 wichtige Fragen: Was hat der Selbstmörder mit Lydia zu tun? Wer ist der Hammermann? Da hat der Leser dann gleich auch ein paar Verdächtige im Visier. Die Auflösung war schlüssig, etwas überraschend und insgesamt zufriedenstellend. Der Weg dahin war mir jedoch einfach zu lang.

Fazit
Ich vergebe 3 Sterne. Ich habe nicht viel Kritik, war aber zwischenzeitlich auch nicht sonderlich gefesselt von der Geschichte. Ich las bis zum Ende, weil ich natürlich wissen wollte was dahinter steckt. Aber ich war auch nicht wirklich traurig, als ich es dann endlich geschafft hatte..
Diese Geschichte ist ein Krimi der dann im Laufe der Geschichte auch ein paar Verdächtige präsentiert, aber nicht wirklich große Dringlichkeit zur Auflösung des Falles vermittelt. Buchliebhaber, die gleichzeitig Krimis mögen und vielleicht nicht zu viel Action erwarten, dürften dennoch Spaß an der Geschichte haben. Ich habe gerade mal geschaut, wie viele Sterne sonst so vergeben werden: Im Schnitt sind es eher so 4 Sterne, wie immer ist der eigene Geschmack ja sehr subjektiv. Ich bin jedenfalls froh, dass ich mit dem Buch fertig war, denn ich war zwischenzeitlich echt nicht sehr motiviert, das Buch wieder in die Hand zu nehmen..

Veröffentlicht am 15.12.2018

TRump, Fake News und Honigfallen

Codename Eisvogel – »The Kingfisher Secret«
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Grace ist eine Journalistin, die seit 20 Jahren bei einem Klatsch – Magazin festhängt. Als sie ein Pornosternchen aufgetrieben hat, welches den Präsidentschaftskandidaten der USA mit einer vergangenen ...

Grace ist eine Journalistin, die seit 20 Jahren bei einem Klatsch – Magazin festhängt. Als sie ein Pornosternchen aufgetrieben hat, welches den Präsidentschaftskandidaten der USA mit einer vergangenen Affäre den Wahlkampf kosten kann, sieht sie ihre Karriere voranschreiten. Nur leider unterstützt ihr Chef ebendiesen Kandidaten und möchte die Story nicht bringen. Stattdessen schickt er Grace mit der Exfrau des Präsidentschaftskandidaten in die ehemalige Tschechoslowakei, wo sie deren Werbetournee begleiten soll. Die Exfrau, Elena, hat eigentlich eine sehr freundschaftliche Beziehung zu Grace, bricht diese jedoch abrupt ab, als sie zu viele Fragen stellt. Nun ist Grace auf sich allein gestellt und wittert ein großes Geheimnis. Wie groß das Geheimnis dann wirklich ist, konnte sie jedoch auch nicht ahnen. Ich möchte nicht zu viel verraten. Die Organisation, die sie plötzlich gegen sich hat, ist sehr mächtig. Und scheint den bald mächtigsten Mann der Welt total in der Hand zu haben.

Stil, Machart, Meinung
Dieser Spionage – Thriller lebt von der mysteriösen Aura und der Frage „was wäre wenn?“. Was wäre, wenn diese Story wahr wäre? Es beginnt damit, dass der Autor unbekannt bleibt. Das kann ein sehr guter Werbekniff sein, oder der Autor hat Angst, weil etwas Wahres dran ist. Der Autor bleibt also unbekannt, schnell bekannt werden dem Leser jedoch die Parallelen zu Donald Trump. Vom Pornosternchen bis zur Exfrau über eine kompromittierende Sexparty in Moskau denkt man schnell drüber nach, warum das Ganze eigentlich nicht stimmen sollte..
Wenn wir mal die Parallelen zur Realität weglassen, die als Marketinginstrument für das Buch natürlich echt clever wären, dann bleibt die Story. Die Story an sich kommt erst langsam ins Rollen, wird mit der Zeit dann jedoch immer actionreicher, bis sich irgendwann auch mal Autos auf Autobahnen überschlagen. Zwischendrin liegt eine Menge Recherche über den kalten Krieg, der ja eigentlich vorbei ist. Die Hauptperson, Grace, startet als graues Mäuschen und geht zunächst meiner Meinung nach etwas unbedarft und nicht so schlau mit der Situation um. Aber die Geschehnisse zwingen sie, sich um 180° zu drehen. Der Schreibstil gefällt, wenn mir auch nichts Besonderes aufgefallen ist. Die Perspektivenwechsel und der damit verbundene Wissensvorsprung des Lesers sind gut gemacht und die Story hat ein sehr interessantes Ende.

Fazit
In meinem zweiten Abschnitt zwischen den mysteriösen Parallelen zu Trump und der Story ohne die Parallelen kam mir die Erkenntnis, dass diese Story gerade von den Parallelen lebt. Ich stehe eigentlich nicht so wirklich auf Spionage – Geschichten. Die Story an sich war nicht schlecht, aber für mich wurde sie durch den ständigen Gedanken „das könnte so passiert sein!“ im Hinterkopf erst so richtig gut. Wer also die Präsidentschaft des Herrn Trump verfolgt und einigermaßen im Thema ist, dürfte hier wirklich großen Spaß (oder große Angst vor den politischen Methoden) haben. Wer sich da nun nicht für interessiert oder sich nicht auf das Gedankenspiel einlassen kann, dass der Autor vielleicht wirklich die Geschichte kennt, der wird von dem Buch vielleicht nicht so ganz begeistert sein. Ich muss sagen: auch ohne die Parallelen wäre die Story solide, aber mit den Parallelen wird sie erst gut. Ich vergebe 4 Sterne und hoffe, dass nicht so viele wichtige Politiker ihre Vorliebe für Osteuropäische Models entdecken..

Veröffentlicht am 21.11.2018

Es waren einmal zwei Freundinnen..

Missing - Niemand sagt die ganze Wahrheit
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In einem englischen Küstenstädtchen wuchsen Francesca und Sophie zusammen auf. Die besten Freundinnen waren zwar sehr unterschiedlich, aber meist nur im Doppelpack erhältlich. Als Sophie eines Nachts spurlos ...

In einem englischen Küstenstädtchen wuchsen Francesca und Sophie zusammen auf. Die besten Freundinnen waren zwar sehr unterschiedlich, aber meist nur im Doppelpack erhältlich. Als Sophie eines Nachts spurlos verschwindet, zieht Francesca weg.
18 Jahre später bekommt sie überraschend einen Anruf von Daniel, dem Bruder ihrer ehemals besten Freundin. Eine Leiche wurde angespült, und sie soll mit Daniel die Identifizierung durchführen und herausfinden, was mit Sophie damals wirklich geschehen ist. Und so macht sich die mittlerweile erfolgreiche Geschäftsfrau auf den Weg in ihr altes Leben, in dem noch einige Abgründe warten.

Stil, Machart, Meinung
Der Thriller ist für mich jetzt nicht so richtig Thriller, aber schon ein bisschen. Psychothriller oder Kriminalroman hätte es irgendwie auch treffen können, eine Einordnung ist mal wieder nicht so eindeutig möglich. Von Anfang an wird der Leser eingeladen, mitzudenken und hinter die Ereignisse von damals zu kommen. Dafür wird die Geschichte in der aktuellen Ebene von Francesca erzählt, abwechselnd mit den Tagebucheinträgen von der verschwundenen Sophie. In beiden Perspektiven gibt es Anspielungen auf Geheimnisse aus der Vergangenheit, in der Gegenwart wird das damalige Geschehen dann durch private Ermittlungen noch einmal auf die Probe gestellt.
Bei mir kamen sofort Erinnerungen an den Thriller „Tick Tack“ von Megan Miranda hoch. Auch hatte ich schnell einige Ahnungen, die sich am Ende dann so ähnlich auch als richtig herausgestellt haben. Trotzdem war das Ende sehr gut gemacht!
Das recht dicke Buch hätte sicher an einigen Stellen gekürzt werden können, aber irgendwie hatte jede Kindheitserinnerung auch einen Sinn und ich war nicht gelangweilt und schnell in der Story drin. Ich mag die Atmosphäre, die von der Autorin kreiert wurde.

Fazit
Ich vergebe 4 Sterne, denn ich war einfach sehr gut unterhalten. Da ich am Ende nicht ganz so überrascht war und sich die Auflösung für mich lange andeutete, reichte es dann doch nicht zu 5 Sternen. Es war auch nicht das beste oder spannendste Buch, was ich je gelesen habe, aber eine gute, solide Leistung. Wer Tick Tack mochte, wird dieses Buch auch mögen. Ansonsten dürften Leser, die die Aufklärung vergangener Mordfälle und Geschehnisse mögen, ihren Spaß haben. Es ist spannend, atmosphärisch, gut geschrieben und nicht langweilig.

Veröffentlicht am 21.11.2018

Scheisse, das könnte passieren!

Die Hungrigen und die Satten
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Deutschland, in eventuell ein paar Jahren: Deutschland hat die Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt und Europa hat sich komplett abgeschottet, um keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu müssen. Nur noch sehr ...

Deutschland, in eventuell ein paar Jahren: Deutschland hat die Obergrenze für Flüchtlinge eingeführt und Europa hat sich komplett abgeschottet, um keine Flüchtlinge mehr aufnehmen zu müssen. Nur noch sehr wenige können sich die wahnsinnig hohen Kosten für die Schlepper leisten, und so gibt es viele große, elende Flüchtlingslager und unzählige Menschen ohne Perspektive.  Einer dieser Flüchtlinge, er nennt sich Lionel, hat in einem der größten Lager eigentlich nichts außer Zeit, und so kommt ihm eine Idee. Was wäre, wenn man einfach zu Fuß nach Europa, genauer gesagt Deutschland, läuft?

Als dann ein Trash – TV – Fernsehteam mit einer vollkommen schrillen und überzeichneten Moderatorin, Nadeche Hackenbusch, in ebendieses Camp kommt, um dem deutschen Fernsehzuschauer das Elend vorzuführen, kommt Lionel durch ein Casting als ihr Begleiter ins Fernsehen und wird mit ihr Zusammen zum Publikumsliebling. Als die beiden dann, auch über sehr amüsant dargestellte Verständigungsprobleme hinweg, ein Paar werden, ist seine Chance gekommen. Er schlägt ihr seine Idee vor, und sie ist begeistert. So macht sich bald eine riesige Flüchtlingskaravane auf den Weg nach Deutschland, und schnell wird die gut geplante Reise zu einer Gelddruckmaschine für einige. Bald fragen sich auch die Politiker und Menschen in Deutschland, ob das nicht wirklich klappen kann. Und ob das so gut wäre. Und ob man etwas dagegen tun muss. Und während sich viele Leute viele Fragen stellen, kommt die Karavane immer näher. Ein dramatisches Ende kündigt sich an.

Stil, Machart, Meinung

Wer vielleicht schon „Er ist wieder da“ gelesen oder gesehen hat, der weiß: Bei Timur Vermes gibt es knallharte Satire, gleichzeitig böse, komisch, überspitzt, radikal und auch irgendwie aktuell. So ist es auch hier, denn dem Leser wird schnell klar: So komisch die Geschichte beginnt und so überspitzt die handelnden Personen auch sind – das alles ist von der Realität nicht so weit entfernt, wie man es gern hätte. Es könnte irgendwie tatsächlich passieren.

Durch viele Perspektiven erzählt der Autor seine Geschichte. Da wäre der Flüchtling Lionel, das extravagante TV – Sternchen Nadeche, die von sich sehr überzeugte Klatschreporterin Astrid, der clevere Innenminister, der schwule Staatssekretär und die Frau vom Innenminister. Zwischen den Perspektiven gibt es immer mal die Artikel in der Klatschpresse, die total überzogen das Geschehene auf typischem Niveau berichten.

Alle diese Perspektiven haben so ihre Eigenheiten, alle sind komisch aber auch mit diesem bekannten wahren Kern, der einem schnell bewusst wird. Als Leser wird man wohl fast keinen dieser Charaktere so richtig mögen. Die Sympathie gehörte in meinem Fall eher der Organisation dieser riesigen Sache und den realen Hintergründen, die man hinter der Satire ausmachen konnte.

Damit man so richtig den Überblick behält und die Satire erkennt, sollte man  in den Bereichen Politik und Allgemeinbildung einigermaßen fit sein. Ich denke, ohne dieses Hintergrundwissen sowie Interesse in diesen Bereichen wird man keinen Spaß an der Lektüre haben. Es dürfte auch etwas mehr Spaß machen, wenn man etwas Englisch kann (die Moderatorin spricht ein furchtbares Englisch, was ganz witzig ist). Es ist also gehobene Satire, die wohl nicht für jeden etwas sein wird. Ein besonderes Augenmerk liegt dabei, wie man sich wohl schon denken kann, auf der Flüchtlingspolitik. Je näher man als Leser dem Ende kommt, desto mehr Gedanken macht man sich über die ganze Sache.

Ich will das Ende nicht spoilern, aber ich sage Folgendes: Es ist krass! Man weiß schon von Anfang an, dass am Ende eine Konfrontation steht. Die Spannung steigt. Ich habe jedoch niemals erwartet, was der Autor dann einfach getan hat. Und der Schock saß verhältnismäßig tief. Ich habe das Buch jetzt schon seit ein paar Wochen beendet, brauchte aber etwas Zeit, um den Inhalt vor einer Rezension erst einmal sacken zu lassen. Es ist nicht nur Unterhaltung und Satire, es macht etwas mit dem Leser und es ist irgendwie erschreckend nah an der Realität. In den letzten Tagen musste ich oft an dieses Buch denken, als ich von der Karavane der Mexikaner in Richtung der USA las.


Fazit

Ich musste lange überlegen, wie ich dieses Buch überhaupt finde. Heute gibt es nach dieser reiflichen Überlegung 5 Sterne von mir. Das Buch wird nicht für jeden so gut sein, viele werden sich vielleicht angegriffen fühlen oder mit dem Humor nicht zurechtkommen. Ich jedoch weiß, dass mir dieses Buch sehr lange in lebhafter Erinnerung bleiben wird. Beim Lesen habe ich einige Emotionen durchlebt, es war lustig, radikal, erschreckend und am Ende verflucht real. Die überspitzte Darstellung der verschiedenen Charaktere und das dramatische Ende, an dem dann der Humor auch versiegt, zeigt einem auch im Nachhinein noch vieles auf. Es ist ganz anderes und kann wohl auch mehreren Genres zugeordnet werden. Ungewöhnliche, gute Unterhaltung und (das habe ich mir bis zum Schluss aufgehoben!) sogar der Mut, eine Lösung der Flüchtlingsproblematik vorzustellen!