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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2019

Ada erinnert sich

Solange sie tanzen
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Und das kann sie gut! Jedenfalls an Ereignisse, die lange zurückliegen, wie das kennenlernen ihres geliebten, nun auch schon verstorbenen Ehemannes Hans. Und sie denkt gern zurück - auch wenn die Zeiten ...

Und das kann sie gut! Jedenfalls an Ereignisse, die lange zurückliegen, wie das kennenlernen ihres geliebten, nun auch schon verstorbenen Ehemannes Hans. Und sie denkt gern zurück - auch wenn die Zeiten nicht immer rosig waren, hatten Hans und sie es doch immer gut miteinander - allein schon, weil sie zusammen waren, weil sie sich gefunden hatten!

Nun ist Ada allein, naja, allein zusammen mit ihrem riesigen Boxer Hemingway, beide von Hans zurückgelassen. Und sie hat ja auch noch ihre Kinder Susanne und Thomas, aber die führen ja längst ihr eigenes Leben.

Ein warmherziger, dabei ausgesprochen humorvoller Roman zu einem ernsten und gegenwärtig sehr präsenten und durch die demographische Verschiebung in den nächsten Jahren noch dringlicher werdenden Thema ist der Autorin Barbara Leciejewski gelungen. Über eine solche Problematik mit leichter Feder zu schreiben, ohne dabei oberflächlich zu werden oder die Probleme kleinzumachen - das ist schon große Kunst!

Ich wünsche diesem ausgesprochen gelungenen Buch viele Leser - vielleicht vermag es dem ein oder anderen, dessen Angehörige an Demenz und/oder Alzheimer leiden, eine Stütze zu sein oder in der ein oder anderen Hinsicht die Augen zu öffnen. Denn dass man hier gemeinsam und mit Liebe und Achtung sehr viel weiter kommt, das ist eine der zentralen Botschaften des Buches, das ich jedem Leser empfehle, der ein unterhaltsames Buch mit Tiefgang sucht!

Veröffentlicht am 30.05.2019

Eine Geschichte von Liebe und Finsternis

Nichts weniger als ein Wunder
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Markus Zusak, der Schöpfer der Bücherdiebin, setzt in "Nichts weniger als ein Wunder" anstelle des Todes einen durchaus irdischen Erzähler ein, nämlich Matthew, den ältesten der fünf Dunbar-Brüder. Um ...

Markus Zusak, der Schöpfer der Bücherdiebin, setzt in "Nichts weniger als ein Wunder" anstelle des Todes einen durchaus irdischen Erzähler ein, nämlich Matthew, den ältesten der fünf Dunbar-Brüder. Um sie geht es in diesem Buch, ebensosehr jedoch um ihre Eltern Penny und Michael.

Penny kam aus Polen - wir Leser lernen es nur als Osteuropa kennen und wird erst in den neuen Welt zu Penny. Aus der alten Welt nimmt sie nur die Liebe zu ihrem Vater und zum Klavierspiel mit, alles andere ist ein Neubeginn, zu dem - allerdings erst nach etlichen Jahren auch die Liebe und die Ehe mit Michael Dunbar gehört, der allerdings eine eigene Geschichte hatte.

Fünf Brüder werden geboren, jeder ein ganz eigener Typ. Aus meiner Sicht pflegt Zusak in diesem Buch seinen aus der Bücherdiebin bekannten, fabel- bzw. märchenhaften Stil noch um einiges stärker, aber es kann auch sein, dass er mir stärker ins Auge fällt, weil die Handlung diesmal eine durchaus irdische ist. Es geht um Liebe, aber auch um Trennung, um Vertrauen und Unterstützung und um eine Brücke, die der Vater der Jungen bauen will. Weit weg von ihnen - er bittet sie um Hilfe, doch sie halten sich fern von dem Vater, den sie jetzt Mörder heißen - warum wohl?

Die Zusammenhänge erfährt der Leser in zig Sprüngen und Rückblenden - mir war es schon bald zu umständlich und zu langatmig.

Aber der große Zusak hat mich trotz kleiner Einbrüche zwischendurch gut am Ball halten, rühren und bewegen können, aber dennoch: ich werde jetzt erstmal eine ganze Weile kein Buch von ihm in die Hand nehmen, da ich sonst ganz schnell von seinem ganz speziellen Stil übersättigt wäre, denn kurz davor bin ich schon. Ein eindringliches Buch, das mich trotz Lesefreude an meine Grenzen brachte - fast jedenfalls.

Wenn es den Begriff naive Schriftstellerei gäbe, würde ich Zusak darunter einordnen. So würde ich sagen, er ist für die Literatur das, was Henri Rousseau für die Malerei ist.

Veröffentlicht am 29.05.2019

Napoleon und ich

Napoleon
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Bevor ich begann, mich mit dem kleinen großen Korsen, der es zumindest zeitweise schaffte, die Welt - bzw. Teile davon - zu malen, wie sie ihm gefällt, habe ich mir überlegt, was mir wichtig ist. Will ...

Bevor ich begann, mich mit dem kleinen großen Korsen, der es zumindest zeitweise schaffte, die Welt - bzw. Teile davon - zu malen, wie sie ihm gefällt, habe ich mir überlegt, was mir wichtig ist. Will ich alles erfahren oder gut unterhalten werden? Bei ersterem hätte ich mit Sicherheit zum Opus "Bonaparte" des französischen Historikers Patrice Gueniffey gegriffen und irgendwann, wenn ich gaaanz viel Zeit und Muße habe, werde ich das möglicherweise noch nachholen. Aber gut unterhalten über Napoleon und sein Umfeld wurde ich bereits im Alter von 12, 13 Jahren mit der Schmonzette "Désiree", dessen Inhalt ich zumindest ganz zu Beginn für bare Münze genommen habe.

Also schon eine "richtige" Biographie: da bot sich dann die des Journalisten (und studierten Historikers) Günter Müchler an. Er schreibt auf jeden Fall unterhaltsam und schafft es, den Blick des Rezipienten auch auf das Umfeld zu richten, also Napoleon und seine Geschicke in den welthistorischen Rahmen seiner Zeit einzubetten. Dies ist ein Punkt, der mir ganz besonders wichtig ist und da habe ich dann schon ein bisschen was zu beanstanden: denn Müchler stellt Napoleon schon ein bisschen als tollen Hecht dar, der mit manch einem Zeitgenossen - allen Voran Alexander I. - den Molly macht. Genauer gesagt, werden nur die Rahmeninfos eingefügt, die zu dem Gesamtbild, das Müchler von Napoleon vermitteln will, passen. Und das ist - so finde ich - nicht mehr ganz zeitgemäß.

Wenn ich es jemandem weitergeben würde, würde ich also durchaus den unterhaltsamen Stil, die Fülle an Informationen loben. Auf der anderen Seite würde ich aber genau das, nämlich das Fehlen gewisser Informationen bemängeln. Sowie auch das Fehlen einer Zeittafel zur Person Napoleons - für mich das Nonplusultra bei jeder Biographie.

Veröffentlicht am 29.05.2019

Auf der Schnauze

Hinterhaus
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landet Caro jäh und unvorhergesehen - bisher lebte sie ein privilegiertes Jet-Set-Leben an der Seite ihres Freundes, des attraktiven Orthopäden Jens, in einer schicken Wohnung in Prenzlauer Berg. Aus der ...

landet Caro jäh und unvorhergesehen - bisher lebte sie ein privilegiertes Jet-Set-Leben an der Seite ihres Freundes, des attraktiven Orthopäden Jens, in einer schicken Wohnung in Prenzlauer Berg. Aus der sieht sie sich nun unversehens hinauskatapultiert. Statt dass sie das Weite sucht, zieht Mandy, eine Nachbarin, die sie bisher nur vom Sehen kannte, zu sich herein und nimmt sich ihrer an.

So lernt Caro das Hinterhaus kennen, wo allerdings ein ganz anderer Wind weht als vorne. Von Schickimicki keine Spur! Im Gegenteil, noch nicht einmal ein Bad gibt es hier. Und ihre restlichen Nachbarn lernt Caro nun auch so langsam, aber sicher von einer ganz, ganz anderen Seite kennen. Und nicht nur das: ihr Minijob als gefeierte Radiosprecherin geht ebenso den Bach runter wie vorher schon Beziehung und Wohnung. Auf der anderen Seite kümmern sich Menschen um sie, von denen sie es nicht im Traum gedacht hätte.

Die Vielfalt der Vergangenheit und Gegenwart von Prenzlauer Berg: in diesem Regionalkrimi erhält man mehr als nur einen kleinen Happen davon und genau das hat mir ganz außerordentlich gefallen. Weniger allerdings die Fäkalsprache und -thematik wie auch einige weitere recht derbe Szenen, in denen es ausgesprochen deutlich zur Sache ging. So etwas muss ich in einem Krimi nicht habe und auch dieser hätte mir "ohne" noch um einiges besser gefallen.

Wenngleich - der Charme der vergangenen, teilweise noch bestehenden Welt im Berliner Osten, die teilweise grausam, teilweise aber auch berührerend ist und war, hat mich so richtig gepackt. Ich würde mich also über einen weiteren Prenzlauer-Berg-Krimi der Autorin Lioba Werrelmann freuen, wenn auch nicht unbedingt Caro im Fokus stehen muss. Aber es gibt auch noch andere, vielversprechende Figuren im Krimi, die sich durchaus nicht nur für Nebenrollen eignen. Ein ungewöhnlicher Krimi also in ansprechendem Setting, aber leider mit ein paar extremen - für mich zu extremen - Szenen und Worten.

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Veröffentlicht am 23.05.2019

Nichts Halbes und nichts Ganzes

10 Stunden tot
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Was habe ich mich auf diesen Fall und auf den Ermittler Fabian Risk gefreut, den ich durch Kommentare und Bewertungen als unheimlich charismatischen Typen abgespeichert hatte! Statt dessen traf ...

Was habe ich mich auf diesen Fall und auf den Ermittler Fabian Risk gefreut, den ich durch Kommentare und Bewertungen als unheimlich charismatischen Typen abgespeichert hatte! Statt dessen traf ich einen überforderten Familienvater mit Eheproblemen und (aus meiner Sicht) schlechtem Musikgeschmack, der mit zur Auffrischung der Beziehung zu seiner Frau mit einem Besuch im Swingerclub liebäugelte. Und er trat erstmal - da beurlaubt - gar nicht als Teil der Ermittlerteams in Erscheinung, auch wenn er privat an dem ein oder anderen Fall herumdokterte.

Das weitere Team - zu dem Risk irgendwann dann doch hinzustieß - war mit einer Reihe von Fällen beschäftigt, die mit rechtsradikalen Motiven, Kindesmißbrauch und Serienmorden an Frauen aus sexueller Motivation zu tun hatten - oder sich vielleicht auch vermischten. In mir keimte ab und an der Verdacht auf, dass der Autor Stefan Ahnhem selbst noch so recht keine Ahnung hatte, ob und wie das alles ineinander verstrickt war.

Musste er auch nicht, da sich - zu meiner großen Enttäuschung - die wenigsten Fälle im Handlungverlauf auflösten, es erschien mir eher wie ein Intermezzo, das andere Handlungsteile miteinander verbindet und vor allem dazu gedacht ist, einen weiteren lukrativen Verkaufsschlager zu generieren.

Ein bisschen hat mich all das an das gute, alte Mikado erinnert: Lauter Handlungsstränge, die wie Stäbchen auseinanderfallen & liegen bleiben. (Fast) Nichts davon wird aufgelöst. Es gab nicht nur einen Cliffhanger, sondern eine ganze Reihe davon, die sich an unterschiedlichen Stellen im Buch auftaten und dann einfach nicht wieder aufgegriffen wurden. Wahrscheinlich sollte ich nun gespannt darauf sein, wie sie sich auflösen werden und voller Erwartung dem nächsten Band des Autors entgegenblicken, doch das Gegenteil ist der Fall: in mir hat sich eine Art Trotzreaktion entwickelt: ich habe überhaupt gar keine Lust, mich weiter mit Fabian Risk und seinen Kollegen zu beschäftigen und breche meine Verfolgung ihrer Geschicke nach Vollendung der Lektüre dieses Bandes einfach ab! Basta!