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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.07.2018

Mit einem Knall

K - Kidnapped
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nämlich einem ausgesprochen ereignisreichen Prolog, startet die neue Thrillerreihe von Chelsea Cain, in deren Mittelpunkt Kick Lannigan, die als Kind jahrelang Opfer einer Entführung war, steht. Am Anfang ...

nämlich einem ausgesprochen ereignisreichen Prolog, startet die neue Thrillerreihe von Chelsea Cain, in deren Mittelpunkt Kick Lannigan, die als Kind jahrelang Opfer einer Entführung war, steht. Am Anfang steht nämlich ihre Befreiung, die der Leser zunächst zwar als spannend erlebt, deren Bedeutung als absolute Schlüsselszene sich ihm aber erst nach und nach eröffnet.

Wir erleben Kick im weiteren Verlauf als junge Erwachsene, deren Entwicklung einen grundlegend anderen Weg als den üblichen genommen hat: Abwehrmechanismen - sowohl bewaffnete als auch unbewaffnete - spielen darin eine nicht unerhebliche Rolle und aufgrund ihrer dramatischen Vergangenheit gerät sie in das Netz aktueller Fälle von Kindesentführung und -mißbrauch.

Spannend und originell gestaltet sich die Geschichte um Kick Lannigan, doch für meinen Geschmack kommt sie ein klein wenig zu actionreich daher. Das Innenleben der Figuren spielt kaum eine Rolle, eine Kampfszene wird von der nächsten abgelöst. Ein Thriller mit begrenzter Tiefenwirkung, doch aufgrund seines ungewöhnlichen Rahmens trotzdem einer, den man nicht so schnell vergisst. Lektüre für Thrillerfans, die es actionreich lieben, dabei aber durchaus eine Ader für Außergewöhnliches und Originelles haben

Veröffentlicht am 27.07.2018

Mein Freund, der Baum

Baumwelten
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... ist in diesem Falle nicht, wie einst Alexandra schlagerstark verkündete, tot. Nein, er lebt und zwar wie! Hier zumindest ist ihm ein ganzes Buch gewidmet - ein riesiger Bildband,

Um Bäume und um Wälder ...

... ist in diesem Falle nicht, wie einst Alexandra schlagerstark verkündete, tot. Nein, er lebt und zwar wie! Hier zumindest ist ihm ein ganzes Buch gewidmet - ein riesiger Bildband,

Um Bäume und um Wälder im deutschsprachigen Raum, die der österreichische Fotograf Conrad Amber liebevoll abgelichtet hat, geht es hier: besondere, alte, riesige Bäume und eindrucksvolle Waldgebiete - sie stehen hier im Fokus. Über die Qualität der Bilder mag man geteilter Meinung sein: vielleicht ist es nicht das allerwertvollste künstlerische Format, in dem hier gearbeitet wurde, doch der Autor hat mit Empathie gearbeitet und sein Herzblut hier hineingesteckt - diesbezüglich also ein sehr persönliches Buch.

Und es ist ja auch nicht gerade ohne, nach diesen Riesen zu fahnen: die ausgesprochen angewandte Recherche- und Forschungsarbeit ist in diesem Falle also definitiv nicht zu unterschätzen. Bäume als Persönlichkeiten, als Wesen - so stellt Conrad Amber sie vor und für meinen Geschmack hätte er hier ruhig mehr in die Vollen gehen können, für meinen Geschmack ist es dann doch zu sachich gehalten. Das Buch enthält genaue Angaben über die Bäume und Wälder - man kann sie also leicht ausfindig machen und selbst "besuchen" - doch das geht ganz klar auf Kosten ihrer geheimnisvollen Kraft und Mystik, die dem Leser ja durchaus versprochen wird.

Ein Buch also, das zwar interessant ist, aber nicht ganz hält, was es verspricht. Wem soll man es bloß empfehlen. Biologen oder anderen Naturwissenschaftlern? Dafür ist dann doch zu wenig Sachlich-Fachliches enthalten. Liebhabern der Sagen und Märchenwelt? Auch nicht so ganz. Vielleicht am besten Naturfreunden, die mit einem offenen Herzen durchs Leben und sich gerne die Besonderheiten der Natur anschauen und den Anregungen des Autors bei der nächsten Gelegenheit folgen. Wobei - so richtig geeignet als Reiseführer ist dieser an die drei Kilo schwere Bildband definitiv nicht!

Veröffentlicht am 27.07.2018

Ein Mädchen verschwindet

Lauras letzte Party
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... und mehrere Szenarien werden entwickelt. Klingt ein bisschen wie "Twin Peaks", die Mutter aller wirklich coolen Fernsehserien? Soll es auch, denke ich mir! Und warum eigentlich Fernsehserie und nicht ...

... und mehrere Szenarien werden entwickelt. Klingt ein bisschen wie "Twin Peaks", die Mutter aller wirklich coolen Fernsehserien? Soll es auch, denke ich mir! Und warum eigentlich Fernsehserie und nicht Kriminalroman? Weil es mit einem klassischen Krimi nicht viel zu tun hat - finde ich jedenfalls!

Es ist eigentlich nicht die verschwundene Laura, die im Mittelpunkt der Ereignisse steht, sondern Miia Pohjavirta, die als Schulpädagogin eine zweite Karriere gestartet hat, nachdem es bei der Polizei aus gewissen Gründen nicht so recht geklappt hat. Ausgerechnet an ihrer alten Schule startet sie durch und es ist ihr eigener Bruder, der als Schulpsychologe im Büro neben ihr als ihr Kollege arbeitet.

Die Beschreibung sowohl der Charaktere als auch der Umgebung ist dem Autorenteam, das sich unter dem Pseudonym J.K. Johansson verbirgt, wirklich gut gelungen - mit wenigen Worten gelingt es ihnen, Figuren und das spezifisch finnische Setting fast plastisch werden zu lassen.

Doch wer einen spannenden Kriminalfall mit klarer Auflösung erwartet, wird aus verschiedenen Gründen enttäuscht werden. Dieser erste Band eines Dreiteilers ist wie ein Puzzlestein, der ohne die beiden anderen unvollständig ist.

Veröffentlicht am 27.07.2018

I'm going to Jackson

Auf und davon
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ist ein Lied von Johnny Cash und seiner Frau June Carter, das ich sehr liebe, doch ich bin ihnen nie dorthin gefolgt bzw. nachgegangen.

Und auch die 16jährige Mim, die Protagonistin des Jugendromans "Auf ...

ist ein Lied von Johnny Cash und seiner Frau June Carter, das ich sehr liebe, doch ich bin ihnen nie dorthin gefolgt bzw. nachgegangen.

Und auch die 16jährige Mim, die Protagonistin des Jugendromans "Auf und davon" geht dort nicht hin, im Gegenteil: sie verlässt Jackson/Missisippi zugunsten von Cleveland/Ohio, wo ihre "echte" Mum lebt, die sehr, sehr krank ist und verlässt somit ihren Vater und ihre noch sehr neue und ungeliebte Stiefmutter - der Bruch in der Kernfamilie erfolgte plötzlich und hat so seine Spuren hinterlassen. Jetzt will sie schauen, wie es ihrer Mutter geht, von der sie seit einiger Zeit nichts gehört hat - nicht ihre eigene Entscheidung, versteht sich.

Mim ist eine typische Amerikanerin und büxt per Greyhound aus - im Bus trifft sie ein ganzes Bataillon von Menschen: Begegnungen, die ihr Leben verändern bzw. prägen werden. Ein Buch über neue und andere Sichtweisen auf Dinge und vor allem auf Personen, über (Selbst)Erkenntnis - und über Läuterung.

Ich möchte ganz klar darauf verweisen, dass in diesem Buch nicht die Handlung, sondern die Charaktere im Vordergrund stehen, es ist also definitiv kein actionreicher Roman - wem so etwas wichtig ist, der sollte definitiv die Finger davon lassen. Hier steht und fällt alles mit den Personenbeschreibungen sowie mit der Entwicklung, die diverse Figuren - allen voran Mim - durchmachen. Und es ist durchaus starker Tobak der behandelt wird, da Themen wie Scheidung, Krankheiten und Behinderungen den ganzen Erzählverlauf durchdringen - auch da, wo man es nicht erwartet. Einem 12- oder 13jährigen Kind würde ich es nicht schenken, bei einem 15jährigen würde ich es von der individuellen Entwicklung abhängig machen.

Der Erzählstil des Autors ist sehr individuell und vielgelobt, trifft meinen Geschmack aber ganz und gar nicht. Böse Zungen, zu denen ich mich in diesem Falle zähle, würden "eigen" sagen - oder sogar "sperrig" - auch wenn offenbar Warmherzigkeit transportiert werden soll. Bei mir kommt es so nicht an. Doch es ist definitiv ein sehr ungewöhnliches und anspruchsvolles Buch mit kraftvollen Botschaften, das man so schnell nicht vergisst.

Veröffentlicht am 27.07.2018

Abgründe tun sich auf

Nebelkind
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Bei den Mordermittlungen um einen leitenden Mitarbeiter der Asylbehörde tun sich alsbald Abgründe auf - nichts ist mehr so, wie es war oder schien. Ist die Gattin, die ein ordentliches Päckchen zu tragen ...

Bei den Mordermittlungen um einen leitenden Mitarbeiter der Asylbehörde tun sich alsbald Abgründe auf - nichts ist mehr so, wie es war oder schien. Ist die Gattin, die ein ordentliches Päckchen zu tragen hatte, tatsächlich die Täterin? Und was hat der Halbbruder des Opfers mit dem Ganzen zu tun? Aber es gibt auch noch weitere, unerwartete Baustellen, mit denen die Ermittler und natürlich die Leser konfrontiert werden.

Durchaus spannend, wenn auch nicht unbedingt dramatisch gestalten sich die Ermittlungen in diesem Fall, der zur Abwechslung mal nicht in Stockholm, sondern in Norrköping, einer kleineren Stadt im mittelschwedischen Östergötland angesiedelt ist. Die junge schwedische Autorin Emelie Schepp schreibt eindringlich und originell, wenn auch mit Längen, gerade wenn es darum geht, Charaktere einzuführen. Man erfährt über das durchaus vielschichtige Team der Ermittler so einiges und obwohl es definitiv kleiner ist als bspw. das A-Team bei Arne Dahl, hätte hier ein wenig Dahlscher Pragmatismus kein bisschen geschadet. Wobei die Dynamik dennoch ausgesprochen treffend beschrieben ist, vor allem die Rolle der jungen Staatsanwältin Jana Berzelius sowohl innerhalb des beruflichen Umfelds als auch im Fall selbst. Soziale Differenzen, gesellschaftspolitische Probleme und die Asylpolitik sind Themen, die eine Rolle spielen, Themen, die gerade jetzt auch in Deutschland, ja, überall in Europa von brennender Relevanz sind und eine Reflexion der diesbezüglichen Situation im eigenen Umfeld geradezu bedingen.

Ein brennend aktueller Krimi, dessen Autorin ihre Begabung der Figurenbeschreibung ein wenig zu sehr in den Vordergrund rückt, wodurch die Schilderungen stellenweise zu umständlich werden und an Spannung einbüßen. Auch wenn der Rezipient einen langen Atem braucht, lohnt sich die Lektüre dieses Krimis - denn das ist Emelie Schepps Werk aus meiner Sicht viel eher als ein Thriller - mit etlichen Alleinstellungsmerkmalen definitiv!