Es sind immer die anderen
Die Lügen der Anderen.. die etwas Falsches, Verbotenes tun, zumindest nach Außen hin - Hauptsache, man selbst schafft es, den Schein zu wahren!
Lügen und Betrügen - man lernt schon als kleines Kind, dass man das nicht tun ...
.. die etwas Falsches, Verbotenes tun, zumindest nach Außen hin - Hauptsache, man selbst schafft es, den Schein zu wahren!
Lügen und Betrügen - man lernt schon als kleines Kind, dass man das nicht tun sollte. Später lernt man dann, dass kleine Notlügen das Leben enorm erleichtern können, sie werden verständlich und entschuldbar. Doch hier geht es um den Tod eines 13jährigen, geistig zurückgebliebenen Mädchens.
Eines Mädchens in Sarasota, Florida, wo drei britische Paare aus der Mittelklasse gemeinsam Urlaub machen. Sie lernen sich dort erst kennen, freunden sich an und machen viel, aber nicht alles gemeinsam. Da sind die rundliche Angie mit ihrem aufbrausenden Ehemann Barry, beide irischstämmig, die eine Patchworkfamilie mit recht komplexen Strukturen bilden. Dann die ruhige, überlegen wirkende Lehrerin Sue, die einen tiefen Schmerz in sich trägt mit ihrem lebenslustigen Gatten Ed, der seine Blicke ständig schweifen lässt und gelegentlich in fremden Gefilden wildert. Schließlich das etwas jüngere, ein wenig geheimnisvoll wirkende Paar Dave und Miriam - er IT-Experte, sie Arzthelferin und eine milchkaffeefarbene Schönheit, die von einer Karriere als Schauspielerin träumt. Bei ihnen wundern sich alle, was sie zusammengebracht hat. Auch dem 13jährigen Mädchen begegnen sie, allerdings nur flüchtig, bis es an ihrem letzten Urlaubstag verschwindet.
Es gibt Wiedersehen im heimatlichen London - reihum laden sich die Paare zum samstäglichen Dinner ein, während dieser Zeit wird die Leiche des Mädchens gefunden und der Fall kehrt mit voller Wucht ins Bewusstsein der Engländer zurück, da sie befragt werden. Aber hatten sie, hatte eine oder einer von ihnen tatsächlich was damit zu tun?
Mark Billingham schreibt eloquent und eindringlich, er entwickelt gekonnt eine gewisse Spannung, die er aus meiner Sicht aber nicht durchgehend halten kann. Die Charaktere sind sehr gut ausgearbeitet, man kann sich jeden der sechs Engländer wie auch weitere Figuren, die im Erzählverlauf eine Rolle spielen, sehr gut vorstellen. Es ist ein eher ruhiger Spannungsroman, der überhaupt nicht auf Knalleffekte setzt, sondern auf subtile Schwingungen und Verwebungen. Leider zeichnete sich für mich der mögliche Täter sehr früh ab, eine Annahme, die sich dann auch bestätigte. Auch wurden einige - und zwar gerade die interessantesten - Erzählstränge nicht aufgelöst. Ein solider, aber nicht herausragender Krimi nicht ohne Anspruch, der sich für Leser eignet, die nicht auf blutdrünstige Sensationen, wohl aber auf durchdachte, gut strukturierte Handlung und auf gewählte Sprache setzen.