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Veröffentlicht am 18.04.2018

Wellness in Düsseldorf

Frösche, die quaken, töten nicht
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Wellness in Düsseldorf - und zwar vom Feinsten: das ist das Setting, in dem dieser handlungsreiche, humorvolle und unterhaltsame Krimi der Autorin Vera Sieben spielt.
Das Setting: die Düsseldorfer Kriminalreporterin ...

Wellness in Düsseldorf - und zwar vom Feinsten: das ist das Setting, in dem dieser handlungsreiche, humorvolle und unterhaltsame Krimi der Autorin Vera Sieben spielt.
Das Setting: die Düsseldorfer Kriminalreporterin Liv Oliver braucht Erholung und hat beschlossen, dass sie diese am effizientesten in einem Wellnesstempel in ihrer Heimatstadt erlangen kann und sich kurzerhand für ein paar Tage eingecheckt. Doch bereits am ersten Morgen wird sie Zeugin eines Todesfalles: an einem der Nachbartische stirbt ein älterer Herr, der sich als Besitzer der Wellnessanlage herausstellt - wohlgemerkt als nicht gerade beliebter Chef bei den ehemaligen Mitarbeitern. Er hinterlässt: eine getrennt lebende Ehefrau, 2 erwachsene Kinder aus erster Ehe, die im Betrieb mitarbeiten und eine knackig-junge Geliebte. Sie alle spekulieren aufs Erbe, sind damit verdächtig, einen Mord begangen zu haben. Dazu kommt noch eine Reihe von Hotelangestellten mit eigenen Interessen... und prompt verwandelt sich Livs Erholungsurlaub in einen von einer Zeitung finanzierten Arbeitsaufenthalt. Trotzdem lässt sie sich die Butter nicht vom Brot nehmen, ermittelt vor, während und nach der Anwendungen, die sie nun auf Zeitungskosten genießt ... und konkurriert bzw. kooperiert dabei - man kann es unterschiedlich sehen - mit ihrem ehemaligen Freund Frank, der als ermittelnder Kommissar für den Fall zuständig ist....

Ein spannend angelegter Krimi, in dem das Düsseldorfer Lokalkolorit aus jeder Zeile springt und der Nicht-Düsseldorfern gut als Ergänzung zum Reiseführer bei einem Stadtbesuch dienen kann: enthält er doch neben Beschreibungen diverser Sehenswürdigkeiten auch Hinweise auf kulinarische Düsseldorfer Spezialitäten und das nicht zu knapp: das beste Düsseldorfer Alt, der scharfe Löwensenf, die berühmte Konditorei Heinemann mit ihren Pralinen - das alles wird so anschaulich dargestellt, dass man es als Schleichwerbung sehen kann - für mich waren es gute Tipps, so anschaulich beschrieben, dass mir das Wasser im Munde zusammenlief und der nächste Trip nach Düsseldorf bereits in Planung ist.

Ein rundes Ding also - der neue Krimi von Vera Sieben? Naja, sagen wir, ein ovales, das Ende war dann doch ein bisschen ohne "Schmackes", wie der Rheinländer zu sagen pflegt und der ein oder andere Erzählstrang blieb unaufgelöst. Nichtsdestotrotz von mir eine klare Leseempfehlung mit einprägsamen Hinweis zum Schluss:

Willst Du Dich in Düsseldorf verlieben
lies den Krimi von Vera Sieben!

Veröffentlicht am 18.04.2018

Nachkriegskindheit im Pott

Gummitwist in Schalke Nord
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Fast jeder der in den 50er und 60er Jahren geborenen, vor allem die in westdeutschen Siedlungen aufgewachsenen Nachfahren der Kriegsflüchtlinge aus dem Osten, hat Gummitwist gespielt, ob in Schalke-Nord, ...

Fast jeder der in den 50er und 60er Jahren geborenen, vor allem die in westdeutschen Siedlungen aufgewachsenen Nachfahren der Kriegsflüchtlinge aus dem Osten, hat Gummitwist gespielt, ob in Schalke-Nord, oder, wie in meinem Fall, in Köln-Süd. Vieles von dem, was Elke Schleich über ihre Nachkriegskindheit schreibt, erkenne ich, obwohl zehn Jahre jünger, wieder und kann es fast wortgetreu auf die eigene Erlebniswelt oder die von Freundinnen übertragen.
18 kleine Geschichten fügen sich hier zu einer und damit zur Beschreibung von Lenis - so heißt die Hauptperson in Schleichs kleinem Büchlein - Kindheit und Jugend zusammen, wobei durch das spezielle Lokalkolorit des Ruhrgebiets noch eines draufgesetzt wird. Ob erfüllte und - vor allem - unerfüllte Wünsche, die Begleitung des Vaters beim sonntäglichen Kneipengang, die Reisen zur Verwandtschaft in der Ostzone und natürlich die erste Liebe: alles wird wiedergegeben in diesem ganz spezifischen Lokalkolorit.

Ein Buch für alle in den 1950er und 60er Geborenen, ein Buch für die Ruhrpottler und natürlich für die, die lernen wollten/sollen/müssen, dass Schalke mehr ist als die Farben Blau-Weiß in einem Fußballstadion, Verzeihung, in einer riesigen Arena.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Luft nach oben

Schwarzer Neckar
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In seinem ersten, im beschaulichen Schwarzwald spielenden Krimi "Schwarzer Neckar" geht Thilo Scheurer gleich in die Vollen: der ermittelnde Kommissar Wolfgang Treidler ist gerade vom Mord an seiner schwangeren ...

In seinem ersten, im beschaulichen Schwarzwald spielenden Krimi "Schwarzer Neckar" geht Thilo Scheurer gleich in die Vollen: der ermittelnde Kommissar Wolfgang Treidler ist gerade vom Mord an seiner schwangeren Frau freigesprochen worden - allerdings nur aus Mangel an Beweisen -, ihm wird die ostdeutsche Kollegin Carina Melchior zur Seite gestellt, mit der auch einiges im Argen zu sein scheint... und die aufgefundene Leiche weist auf eine Einbindung der russischen Mafia in den nun vorliegenden Fall vor. Außerdem tauchen immer mal wieder vereinzelt Rückblicke auf jemanden mit einer vollkommen zerrütteten Kindheit auf, der mit Sicherheit auch eine bedeutsame Rolle spielt, auf den ersten, zweiten und dritten Blick jedoch nicht einzuordnen ist. Ganz schöne Granaten, die da aufgefahren werden, entsprechend hoch die Erwartungen des Lesers: kein behäbiger Regionalkrimi soll dies werden, nein: Als fetziger Thriller soll das Buch zeigen, was Schwaben so an kriminellen Energien zu bieten hat.

Erfüllt werden konnten diese Erwartungen aus meiner Sicht jedoch nur teilweise. In der Tat wurde die Spannung des Lesers auf geschickteste Art und in vielerlei Hinsicht geweckt - bis zum "bitteren Ende" aufrecht erhalten werden konnte sie jedoch nicht und zwar vor allem aus einem Grund: zu viele Erzählstränge verliefen einfach im Sande, zu Vieles blieb offen. Wie ich aus zuverlässiger Quelle weiß, soll aus diesem ersten Band eine Serie werden und mit diesem Hintergrundwissen wird klar, dass in Bezug auf die Protagonisten noch nicht alles sofort verraten werden soll. Doch die vorliegenden Informationen sind einfach zu spärlich und zudem werden auch nicht alle Punkte, die sich auf diesen einen Fall beziehen, schlüssig aufgelöst. Doch der Ansatz gefällt mir und so werde ich mich auch an die Fortsetzung von "Schwarzer Neckar" wagen.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Rote Locken auf dem Cover

Feuerrot
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Rote Locken auf dem Cover - mit Recht, denn die Opfer in Annegret Koerdts neuem Krimi sind alle "fussig" wie wir hier im Rheinland sagen, also rothaarig. Genauer gesagt handelt es sich um attraktive rothaarige ...

Rote Locken auf dem Cover - mit Recht, denn die Opfer in Annegret Koerdts neuem Krimi sind alle "fussig" wie wir hier im Rheinland sagen, also rothaarig. Genauer gesagt handelt es sich um attraktive rothaarige Frauen, die zunächst in keinem für den Leser ersichtlichen Zusammenhang zueinander stehen. Durch einen Beschattungsauftrag für eines der Opfer gerät Angela Merckel, genannt Ela, ihres Zeichens Privatdetektivin und ebenfalls rothaarig, ins Zentrum des Geschehens... möglicherweise auch ins Visier des Mörders?

Zunächst jedoch kommen Angela und ihr Kompagnon Bruno, der so klein wie sie groß, so unscheinbar wie sie attraktiv ist, dem ermittelnden Kommissar Jan Jakobson ins Gehege - oder er ihnen?

Spannung wird hier ordentlich aufgebaut, auch durch unheimliche Einschübe - aus Mördersicht? Dazu kommen weitere Einblicke in das Leben eines regelmäßigen Bordellbesuchers... alles sehr geheimnisvoll.

Dass ich nicht vollauf begeistert bin, liegt einerseits an der starken Dominanz erotischer Komponenten, andererseits an der nicht immer logischen Auflösung. Und wer auf Düsseldorfer Lokalkolorit hofft, für den ist dieser Roman schon gar nichts, denn abgesehen von kurzen Hinweisen, meist logistischer Art, könnte dieser Krimi in jeder X-beliebigen deutschen Stadt spielen, was aus meiner Sicht jedoch nicht störend ist. Zudem sollten Freunde des klassischen Whodunnit eher die Finger davon lassen, denn stellenweise wird die Krimihandlung eher zur Marginalie - dagegen sollten Fans richtig saftiger Ladythriller hier ohne Bedenken zugreifen, denn für sie ist dies die passende "Nahrung"!

Veröffentlicht am 18.04.2018

Beatas Geschichte

Wachkoma
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Eine Art Gleichnis zu einem ernsten und sehr, sehr brennenden Thema - nämlich Burnout bzw. Work-Life-Balance - das ist das schmale Bändchen "Wachkoma" von Jasmin P. Meranius. Das Büchlein wirkt in seiner ...

Eine Art Gleichnis zu einem ernsten und sehr, sehr brennenden Thema - nämlich Burnout bzw. Work-Life-Balance - das ist das schmale Bändchen "Wachkoma" von Jasmin P. Meranius. Das Büchlein wirkt in seiner gefälligen Gestaltung zunächst eher wie eines dieser Geschenkbüchlein mit weisen Sprüchen, doch ist der Inhalt ein anderer, obwohl weise Sprüche durchaus einen Platz darin haben.

Die Geschichte von Beata und ihren Erlebnissen nach einem schweren - ja, was? Sturz, Unfall, Schock? - kommt fast im Gewande eines Märchens daher. Die Idee ist eine gute, doch beinhaltet die Umsetzung aus meiner Sicht zu viel Allgemeinplätze, zu viel bereits dagewesenes und zu wenig Kraft, um mich wachzurütteln - und dies ist, wenn ich es recht verstanden habe, durchaus ein Anspruch, den die Autorin an ihr Werk stellt. Dies mag bei anderen Lesern, die sich noch nicht ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und zudem einen Sinn für Plakatives haben, anders ankommen - für mich war dies eher eine Enttäuschung, zumal der Erzählstil ein belehrender ist, mit dem ich mich nicht so recht anfreunden kann. In einer Situation, in der ich mich mit solchen Themen beschäftigen will bzw. muss, möchte ich sanft und verständnisvoll aufgefangen und klug begleitet werden, ob durch Fiktives oder Beratendes. Auch der Schreibstil sagt mir nicht allzusehr zu, er ist mir nicht flüssig und gekonnt genug. Gleichwohl sehe ich die Lektüre von Beatas Geschichte nicht als verlorene Zeit, sie hat mich auf jeden Fall zur weiteren bzw. anderweitigen Beschäftigung mit diesem Thema angeregt.