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Veröffentlicht am 18.04.2018

Fieser Fund am Decksteiner Weiher

Zirkus Mortale
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m neuen Köln-Krimi von Bärbel Böcker "Zirkus Mortale" spielt das Thema Zirkus eine eher untereordnete Rolle: illegale Adoption aus Drittländern - Guatemala in diesem Fall - ist das große Thema.

Eine Leiche ...

m neuen Köln-Krimi von Bärbel Böcker "Zirkus Mortale" spielt das Thema Zirkus eine eher untereordnete Rolle: illegale Adoption aus Drittländern - Guatemala in diesem Fall - ist das große Thema.

Eine Leiche - eine Enddreißigerin mit Mann und - wie sich herausstellt - adoptierter Tochter wird mit entstelltem Gesicht am Decksteiner Weiher gefunden. Kein schöner Anblick für den Findenden, einen Rentner und die Polizei und keine schönen Gedanken für den Journalisten Florian Halstaff, ihre Jugendliebe, der - wie schon im vorhergehenden Fall "Henkersmahlzeit" wie zufällig in die Ermittlungen gerät, denn Sabrina Delson - so der Name der Toten - wurde entstellt.

Und was für eine Rolle spielt die Guatemaltekin Dele, die beim Zirkus Roncalli jobbt, in dieser Geschichte?

Ein spannender Krimi. mit ein paar Längen und Unklarheiten zwar, trotzdem ein Lesegenuss, der vor allem Liebhabern des kölschen Lokalkolorits wärmstens ans Herz zu legen ist. Die kölsche Seele kommt hier definitiv nicht zu kurz! Wer die Krimis von Brigitte Glaser um die Spitzenköchin Katharina Schweitzer, die von Stephan Brüggenthies um Kommissar Zbigniew Meier oder auch die von Myriane Angelowski um die Ermittlerinnen Lou Vanheyden und Maline Brass liebt, wird auch die Bücher von Bärbel Böcker lieben.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Die Flora lebt!

Stulpen und Buschwindhöschen
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Wie genau, das erfährt der Leser von Gabriele Volkmanns Buch "Stulpen und Buschwindhöschen". Der Leser? Naja, er ist in diesem Buch vor allem auch ein Seher, denn Frau Volkmann hat dieses Buch eigenhändig ...


Wie genau, das erfährt der Leser von Gabriele Volkmanns Buch "Stulpen und Buschwindhöschen". Der Leser? Naja, er ist in diesem Buch vor allem auch ein Seher, denn Frau Volkmann hat dieses Buch eigenhändig liebevoll und ausgesprochen individuell illustriert.

Worum geht es hier - nun, wie es bereits der Untertitel verrät: es ist ein heiteres Pflanzenraten, auf das sich der Rezipient dieses Buches einlässt, Nicht nur Stulpen und Buschwindhöschen, nein, eine ganze Reihe weiterer geheimnisvoller Gewächse, von denen ich noch nicht zu viel verraten will, geben sich hier die Ehre.

Ein Geschenk, das unterhält und auch durchaus gesellig sein kann, kann man sich doch die Fragen in Form eines heiteren Fragespiels gegenseitig vorlesen. Ein nettes kleines Geschenkbüchlein für Pflanzenfreunde und solche, die es werden möchten. Der Humor der Autorin ist nicht immer ganz der meinige - ich fand es teilweise ein wenig zu betulich und nicht richtig witzig. Doch die herrlichen, liebevollen Bildchen haben mich bei der Stange gehalten und ich denke,für Leser, die den Sinn für Humor mit der Autorin teilen, ist dies eine runde Sache!

Veröffentlicht am 18.04.2018

Ruhiger Western

Kanada
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Eine Art Western der Neuzeit - so präsentiert sich das schwermütige Epos des Autors Richard Ford, in dem Dell Parson auf eine Episode in seiner Jugendzeit zurückblickt, die sein gesamtes Leben verändert ...

Eine Art Western der Neuzeit - so präsentiert sich das schwermütige Epos des Autors Richard Ford, in dem Dell Parson auf eine Episode in seiner Jugendzeit zurückblickt, die sein gesamtes Leben verändert hat.
In einer für die ganze Familie schwierigen Situation werden Dells Eltern zu Bankräubern, das Leben der bis dahin "anständigen" Familie verändert sich von einem auf den anderen Tag und Dell und seine Zwillingsschwester Berner müssen mitansehen, wie ihre Eltern verhaftet und als Verbrecher abgeführt werden. Es folgt ein Leben außerhalb der Gesellschaft - so erscheint es zumindest unmittelbar danach.

Doch es gibt auch ein Davor: detailliert wird der Leser eingeführt in die Verhältnisse und Hintergründe der Familie Parson - für meinen Geschmack teilweise zu detaillert, verliert sich der Autor doch seitenweise in Einzelheiten.

Als Folge der Tat seiner Eltern wird Dell durch Zufall von seiner Schwester getrennt und kommt nach Kanada, wo er eine neue, noch größere Dimension von Einsamkeit erfährt und Zeuge einer Gewalttat, eines noch schlimmeren Verbrechens wird.

Auf mich wirkt diese Schilderung wie eine Art moderner Western - vergleichbar mit dem Film "12 Uhr mittags", in dem alles auf diesen Zeitpunkt hinausläuft, an dem die Handlung kulminiert und die entscheidende Wendung erfolgt. In diesem Buch ist es nicht ein, sondern mehrere Momente, die jedoch alle in eine bestimmt Phase von Dells Leben fallen - es ist also eine entscheidende Episode, die hier als westernartige Abrechnung geschildert wird - wenn man die Geduld hat, sich auf die bereits erwähnten Details einzulassen, kommt man hier in den Genuss einer großen literarischen Leistung, denn der Pulitzer-Preisträger Ford kann schreiben, und wie!

Nichts für Freunde actionreicher Erzählkunst, wohl aber für diejenigen, die die neue amerikanische Literatur, aber auch deren Tradition schätzen, denn in diese fügt sich Fords neuester Roman "Kanada" nahtlos ein.

Veröffentlicht am 18.04.2018

(K)Eine Liebesgeschichte, die Emotionen weckt

Nach dem Winter
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Und zwar Emotionen der unterschiedlichsten Art. So erging es zumindest mir bei der Lektüre von "Nach dem Winter", dem ersten Roman der mexikanischen Autorin Guadeloupe Nettel.

Es ist nicht eine Liebesgeschichte, ...

Und zwar Emotionen der unterschiedlichsten Art. So erging es zumindest mir bei der Lektüre von "Nach dem Winter", dem ersten Roman der mexikanischen Autorin Guadeloupe Nettel.

Es ist nicht eine Liebesgeschichte, die sie beschreibt, sondern mehrere. Im Erzählverlauf tauchen zwei Protagonisten auf, aus deren Perspektive jeweils berichtet wird: Cecilia, eine in Paris lebende und studierende Mexikanerin und Claudio, ein Kubaner, der seit mehreren Jahren in New York ansässig ist und dort arbeitet. Während Cecilia eine ruhige, zurückhaltende, durchaus selbstkritische Person ist, die äußerst reflektiert, aber nicht ohne Emotionen auf die Welt blickt, ist Claudio sehr auf sich selbst fixiert, was im Prinzip alle Handlungen, in die er involviert ist, auf die ein oder andere Weise bestimmt. Somit sind es nicht nur ihre Lieben, sondern vielmehr ihre Leben, in die dem Leser im Handlungsverlauf ein ausführlicher Einblick gestattet wird.

Claudio und Cecilia treffen aufeinander, doch das ist nur ein Ereignis in einer Reihe verschiedener Geschehnisse und Aktivitiäten. Es entsteht eine kurze, aber intensive Liebesgeschichte, die ganz klar von Claudio initiiert und auch maßgeblich moderiert wird, wenn man dieses für eine solche Beziehung äußerst untypische Wort zulässt. Mir erscheint es an dieser Stelle außerordentlich passend.

Die Handlung wird in großem Maße getragen durch die aus meiner Sicht gewaltige Erzählkraft der Autorin, die eine Meisterin in der Wiedergabe und im Wechsel sowohl von Stimmungen als auch von Perspektiven ist. Ein Roman, der mich sehr berührt hat - allerdings nicht durchgehend, sondern ganz klar an bestimmten Stellen, an denen die Autorin besonders eindringlich "zuschlug". Guadelupe Nettel - ein Name, den man sich merken sollte, wenn man sich ungewöhnlich erzählte Lebensgeschichten und eine ungeheure, für mich nicht dagewesene Kraft der Worte einlassen will.

Im Übrigen auch virtuos übersetzt von Carola Fischer. Das erlaube ich mir jetzt einfach mal so zu beurteilen, auch wenn ich kein Spanisch spreche. Denn wie sonst hätte diese von mir auf Deutsch gelesene Geschichte eine so gewaltige Wirkung auf mich hinterlassen können?

Veröffentlicht am 18.04.2018

Fiese Morde - Fiese Typen

Tödliche Fortsetzung
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und das merkwürdigerweise nicht nur unter den "Bösen"! Nein, in Marc-Oliver Bischoffs Frankfurt-Krimi "Tödliche Fortsetzung" kommt ausser dem integrativen, väterlichen Abteilungsleiter bei der Polizei ...

und das merkwürdigerweise nicht nur unter den "Bösen"! Nein, in Marc-Oliver Bischoffs Frankfurt-Krimi "Tödliche Fortsetzung" kommt ausser dem integrativen, väterlichen Abteilungsleiter bei der Polizei Hartmann sowie dem lieblichen kleinen Mädchen Luzie so gut wie jeder erstmal als ziemlicher Unsympath rüber. Nun, auch das Thema ist kein schönes: es geht um Morde im Prostituiertenmilieu, die gleichwohl nahtlos an eine Jahre zurückliegende Serie anschließen. Diese wurde vom Schriftsteller Kanther in seinem sensationellen, vielgepriesenen Debutroman "Drachentöter" akribisch beschrieben, doch die Morde konnte man ihm nie nachweisen. So iist er bei den neuen Morden wiederum der Hauptverdächtige, schreibt er doch offenbar die Fortsetzung zu seinem Erfolgsroman. Doch alles ist ein wenig anders - hier ermittelt Hartmanns Frankfurter Team, allen voran die Polizeipsychologin Nora, auf der ein schweres Schicksal lastet und der aus der Innenrevision hinzugezogene Gideon Richter, zwischen denen bald ein Konkurrenzkampf tobt - falllen diesem die sachorientierten Ermittlungen zum Opfer?

Alles in allem ein Krimi über ein interessantes, doch nicht allzu originelles Thema, in dem einiige ausserordentlich gute Ideen angerissen, doch oft nicht abgerundet werden, so auch die Charaktere der Figuren. Ein solider Krimi mit leider viel zu wenigen Alleinstellungsmerkmalen - ich jedenfalls habe wenige Tage nach dem Lesen vieles schon wieder vergessen. Aber die Grundlagen sind da - mit ein bisschen Pfiff ließen sich einige Figuren - vor allem das Kripoteam - zu veritablen und charismatischen Serienfiguren ausbauen, zu denen der Leser immer wieder gern zurückkehrt. Wobei - neue Krimis, die im Frankfurter Raum spielen, haben mit großen Vorbildern wie der wunderbaren Nele Neuhaus und dem nicht minder eindrucksvollen Jan Seghers zu tun - es sind nicht gerade kleine Fußstapfen, in die sie treten. So auch "Tödliche Fortsetzung": ein eher unauffälliger Krimi mit ganz viel Potential nach oben!