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Veröffentlicht am 18.04.2018

Beatas Geschichte

Wachkoma
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Eine Art Gleichnis zu einem ernsten und sehr, sehr brennenden Thema - nämlich Burnout bzw. Work-Life-Balance - das ist das schmale Bändchen "Wachkoma" von Jasmin P. Meranius. Das Büchlein wirkt in seiner ...

Eine Art Gleichnis zu einem ernsten und sehr, sehr brennenden Thema - nämlich Burnout bzw. Work-Life-Balance - das ist das schmale Bändchen "Wachkoma" von Jasmin P. Meranius. Das Büchlein wirkt in seiner gefälligen Gestaltung zunächst eher wie eines dieser Geschenkbüchlein mit weisen Sprüchen, doch ist der Inhalt ein anderer, obwohl weise Sprüche durchaus einen Platz darin haben.

Die Geschichte von Beata und ihren Erlebnissen nach einem schweren - ja, was? Sturz, Unfall, Schock? - kommt fast im Gewande eines Märchens daher. Die Idee ist eine gute, doch beinhaltet die Umsetzung aus meiner Sicht zu viel Allgemeinplätze, zu viel bereits dagewesenes und zu wenig Kraft, um mich wachzurütteln - und dies ist, wenn ich es recht verstanden habe, durchaus ein Anspruch, den die Autorin an ihr Werk stellt. Dies mag bei anderen Lesern, die sich noch nicht ausführlich mit diesem Thema beschäftigt und zudem einen Sinn für Plakatives haben, anders ankommen - für mich war dies eher eine Enttäuschung, zumal der Erzählstil ein belehrender ist, mit dem ich mich nicht so recht anfreunden kann. In einer Situation, in der ich mich mit solchen Themen beschäftigen will bzw. muss, möchte ich sanft und verständnisvoll aufgefangen und klug begleitet werden, ob durch Fiktives oder Beratendes. Auch der Schreibstil sagt mir nicht allzusehr zu, er ist mir nicht flüssig und gekonnt genug. Gleichwohl sehe ich die Lektüre von Beatas Geschichte nicht als verlorene Zeit, sie hat mich auf jeden Fall zur weiteren bzw. anderweitigen Beschäftigung mit diesem Thema angeregt.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Ein Haus, in dem man nicht leben wil

Asoziales Wohnen
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Ein Haus, in dem man nicht leben will, mit dem man im Alltag dennoch konfrontiert wird, das zeichnet Dirk Bernemann in seinem neuen Werk "Asoziales Wohnen". Und Zeichnen ist hier durchaus ernst zu nehmen, ...

Ein Haus, in dem man nicht leben will, mit dem man im Alltag dennoch konfrontiert wird, das zeichnet Dirk Bernemann in seinem neuen Werk "Asoziales Wohnen". Und Zeichnen ist hier durchaus ernst zu nehmen, ähnelt das Buch, dessen Titel allein schon ein sozialkritisches Fotokunstwerk darstellt, eher einem sozialkritischen Gemälde des Briten Malcolm Morley als einem deutschen oder auch englischen Gegenwartsroman. Ein höchst ungewöhnliches Werk also, in dem die einzelnen Parteien ebenso enthüllend wie verwirrend beschrieben werden.

Eigentlich ein Buch, das polarisiert. Ich könnte mir vorstellen, dass die meisten Leser entweder begeistert oder vollkommen ablehnend reagieren, ich jedoch bin irritiert und zwiegespalten. Einerseits berührt mich die zum Teil wirklich poetische Sprache, andererseits frappiert mich die Direktheit. Die Geschichte der einzelnen Bewohner verwischen sich teilweise, verschwimmen ineinander und entwickeln ganz neue Zusammenhänge.

Nicht der Stil, den ich gerne lese, um nach einem anstrengenden Arbeitstag Entspannung und Kraft zu gewinnen - auf jeden Fall war es die eher anspruchsvollen Stunden, die recht viel Aufmerksamkeit erforderten, wert: Ich habe eine mir vollkommen neue literarische Welt kennengelernt und kann mir noch überlegen, ob und wie tief ich in diese eintauchen möchte, ob ich mich näher auf Dirk Bernemann und auf sein Umfeld einlassen mag. Sehr zu empfehlen allen Liebhabern innovativen Schreibens und Lesens, all denen, die mit dem Althergebrachten brechen möchten und dazu viel Zeit, Konzentration und starke Nerven mitbringen.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Jersey-Flop

Was du nicht weißt
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Ein Deutscher, der einen englischen Krimi schreibt: das hat es schon gegeben, so bspw. Petra Oelker. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden: gerade bei "Was Du nicht weißt" hoffte ich auf ein besonders ...

Ein Deutscher, der einen englischen Krimi schreibt: das hat es schon gegeben, so bspw. Petra Oelker. Dagegen ist zunächst nichts einzuwenden: gerade bei "Was Du nicht weißt" hoffte ich auf ein besonders atmosphärisches Werk, spielt es doch auf Jersey und kann mit der Teeverkäuferin Emily, die über ein (fast) absolutes Gedächtnis verfügt, eine besonders charismatische Protagonistin vorweisen. Das Buch enttäuscht dann auch nicht im Hinblick auf die Darstellung der Insel: zu jeder Minute kann ich es mir lebhaft vorstellen, den Entwicklungen der Geschichte auf Jersey beizuwohnen, die Landschaft zu bewundern, die Gerüche zu spüren, durch die Straßen zu wandeln, eine Tasse Tee zu trinken und natürlich vor allem die Gegenwart des Meeres auf mannigfaltigste Weise zu spüren.
Doch dieses so präsente Setting wird leider von so vielen Ereignissen, Figuren, Verflechtungen und im Sande verlaufenden Erzählsträngen überfrachtet, dass es nur gelegentlich mal aufblitzen kann.
Zur Geschichte: Es werden zwei Frauenleichen aufgefunden, die der Polin Jolanta, die kaum jemand kennt und die der allseits bekannten Inselbewohnerin Debbie, um die sich etliche Geheimisse ranken: allem voran die Identität zweier Väter - ihres eigenen und der ihres Kindsvaters. Auch ihr kleiner Sohn ist bereits verstorben und zwar auf überaus undurchsichtige Weise. Emily entdeckt Debbies Leiche und gerät dadurch ins Kreuzfeuer, wobei sie bald einen unerwarteten und unliebsamen persönlichen Bezug zu dem Fall feststellen kann.
Sie finden, das klingt wirr? Das ist es auch, zumal neben den Mordermittlungen unzählige alte und neue Liebesgeschichten aufgerollt werden. Der Autor hat jahrelang beim Fernsehen gearbeitet und das ist zu spüren: der Krimi gemahnt an die täglich gezeigten Vorabendserien, in denen sich immer wieder verblüffende und unerwartete Entwicklungen vollziehen und ein roter Faden nicht einmal im Ansatz zu erkennen ist - so wird bspw. das Thema um das "besondere" Gedächtnis Emilys nicht stringent durchgezogen - dass so eine Eigenschaft viel, viel besser und eindrücklicher in die Krimihandlung eingebunden werden kann, zeigt der ebenfalls kürzlich erschienene Krimi "Dornröschenschlaf" der amerikanischen Autorin Alison Gaylin.
Dies soll der erste Teil einer Serie werden und trotz meiner bisher fehlenden Begeisterung werde ich die Flinte noch nicht ins Korn werfen und beherzt auch zum Nachfolgeband greifen: ich bin nämlich sicher, dass sich der Autor gerade erst warmschreibt und wir noch einiges von ihm zu erwarten haben - zu groß ist das in diesem Krimi vorhandene Potential.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Sächsischer Ladythriller

Blutspur
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Das Cover von Romy Fölcks Krimi "Blutspur" ziert zwar eine der großen Dresdner Sehenswürdigkeiten - der Fürstenzug, doch ansonsten kommen Ambiente, Atmosphäre wie auch die Historie der Stadt nur ganz am ...

Das Cover von Romy Fölcks Krimi "Blutspur" ziert zwar eine der großen Dresdner Sehenswürdigkeiten - der Fürstenzug, doch ansonsten kommen Ambiente, Atmosphäre wie auch die Historie der Stadt nur ganz am Rande vor. Es handelt sich nämlich um einen Ladythriller deutscher Provinienz, in dem Liebe und Erotik und die damit verbundenen Animositäten einen mindestens genauso hohen Stellenwert haben wie die Krimihandlung.... und die hat richtig Zündstoff!

Die junge, hübsche und bezaubernde Rechtsreferendarin Anne West wird tot aufgefunden, an ihr Spuren von Mißhandlung. Ihre Kommilitonin und beste Freundin Lissy Santhen leidet sehr unter dem Verlust und beginnt auf eigene Faust zu ermitteln. Dabei lernt sie Tom, Annes in Amerika lebenden Bruder kennen und lieben und macht auch sonst einige überraschende Bekanntschaften aus Annes Umfeld und lernt einige vermeintlich bekannte Menschen ganz neu kennen. Sie erfährt, dass Anne etliche Geheimnisse hatte, dazu ist vieles anders, als sie bislang annahm...

Ein überraschender, spritziger Krimi mit viel erotischer Spannung und auch Sex... Lesern, die eine solche Mischung mögen, sei er wärmstens empfohlen. Ich selbst stehe mehr auf den klassischen Whodunnit und mag auch herkömmliche Regionalkrimis, weswegen hier mein persönlicher Geschmack nicht getroffen wurde. Doch spannend blieb es bis zum letzten Moment - schade nur, dass nicht alle Fäden entwirrt wurden.

Veröffentlicht am 18.04.2018

Ich singe den Leib, den elektrischen

Gebrauchsanweisung für die Welt
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Ich singe den Leib, den elektrischen - so Walt Whitman, der von Andreas Altmann Vielzitierte in einem seiner größten Gedichte ... und auch Altmann besingt hier den Leib der Welt, wenn auch nicht in Gedichtform. ...

Ich singe den Leib, den elektrischen - so Walt Whitman, der von Andreas Altmann Vielzitierte in einem seiner größten Gedichte ... und auch Altmann besingt hier den Leib der Welt, wenn auch nicht in Gedichtform. Er offenbart sich als Prediger der Achtsamkeit und diese kann für etliche Rezipienten, die damit einen Spiegel vorgeführt bekommen, zuweilen sehr schmerzhaft sein.

Ich selbst empfand das Buch als sehr, sehr sperrig und brauchte viel Zeit zum Lesen und Erfassen der diversen Botschaften von Andreas Altmann - aber ist nicht die Welt ein sperriger Platz? Von daher hat mich dies nicht weiter gestört, da es zum Thema passte, das aus meiner Sicht ein überaus individuelles ist, denn eine Gebrauchsanweisung für die ganze Welt kann zwangsläufig nur eine subjektive sein.

Der Leser sollte sich seine - ganz persönlichen - Juwelen heraussuchen: Das Kapitel über Sprache, Sprachempfinden und das Verhältnis zur Sprache finde ich bspw. wunderschön und sehe es als das für mich herausragende Element des Buches - m.E. sollte es in Schulbüchern abgedruckt werden, wenn auch noch zu überlegen wäre, in welchem Fach... Die Fähigkeit, Sprache zu lieben und zu schätzen, egal welcher Mißbrauch bereits im Laufe der Geschichte damit betrieben wurde, welche Gewalt in den Ländern, in denen sie gesprochen wird, herrscht bzw. herrschte und dass man zumindest "bitte" und "danke" in den Sprachen des Gastlandes lernen sollte, das alles hat mich sehr berührt. Andere Leser werden sich möglicherweise für andere Themen mehr erwärmen und sich so ihre eigenen Besonderheiten erwählen.

Auf der anderen Seite stört mich auch vieles: die vielen Frauengeschichten vor allem, die den Autor zum eitlen Geck werden lassen, aber es bringt mich auch etwas zum Lächeln. Nun ja, es ist sein persönlicher Akzent.

Nur in Einzelfällen prangert er andere Reisende an, so die Asien-Sextouristen: ich empfinde das als positiv. Das ist aus meiner Sicht ein Mißstand und er gehört angesprochen. Und er findet klare, harte Worte dafür: auch das ist ok für mich. Auf der anderen Seite kann er aber auch sehr zart sein wie in dem Bericht über Malouf, den afghanischen Jungen, der mich weinen ließ.

Ein Buch das polarisiert und das durchaus keine leichte Kost ist - mich haben die Erkenntnisse des Autors je nachdem nachdenklich, wütend, emotional werden lassen - und ein Buch, das so viele Botschaften beinhaltet und insgesamt lange nachwirkt, ist an sich schon die Lektüre wert!