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Veröffentlicht am 02.02.2018

In Paris gibt's ein Lokal

Baedeker Reiseführer Paris
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das Café Oriental!
Dass es noch zig mehr Cafés und andere Lokale in dieser Metropole gibt, lässt sich unschwer erahnen. Und die meisten haben auch bereits von anderen Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, ...

das Café Oriental!
Dass es noch zig mehr Cafés und andere Lokale in dieser Metropole gibt, lässt sich unschwer erahnen. Und die meisten haben auch bereits von anderen Sehenswürdigkeiten wie dem Eiffelturm, dem Montmartre, Notre Dame und anderen gehört, ganz egal, ob sie bereits in der Stadt gewesen sind oder nicht. Ebenso wie von den vielen ganz besonderen Museen, dem Louvre, dem Centre Georges Pompidou oder auch dem Musee d'Orsay.

Kann man alles zwischendurch mal besichtigen, auch ganz ohne Reiseführer. Wer es jedoch gründlich angehen will und gut recherchierte, fundierte und ansprechend transportierte Informationen wünscht, der greift bereits seit 1855 - damals erschien der erste Baedeker über Paris - zum bewährten Band. Dass jedoch Tradionelles nicht verstaubt sein muss und ganz nah am Puls der Zeit schlägt - das zeigt die neueste Ausgabe von 2018, die zugleich innovativ und edel, poppig und traditionell, unterhaltsam und fundiert ist und ohne die ich ganz sicher nicht in die Stadt der Liebe (naja, eine davon) reisen werde.

Auf den ersten Blick habe ich mich in dieses wunderbare Werk verliebt, es ist so prall gefüllt mit Überraschungen! Die Erste davon befindet sich gleich hinten auf dem inneren Einband, dort sind zehn Souveniers (nicht nur Gegenstände, sondern auch Erinnerungen) aufgeführt - so originell und liebevoll, als wäre es nur für mich gemacht! Und auch innen trägt der bewährte Reiseführer ein neues Gewand! Er ist gespickt mit frechen und unterhaltsamen Infos wie den Listen zu magischen Momenten und zu Überraschendem - Sie dürfen gespannt sein! Zusätzlich erfreuen eine ganze Menge ganz besonderer Fotos das reiselustige Auge und steigern die Vorfreude auf den Paris-Besuch.

Alte Werte wie detaillierte (natürlich aktuelle) Informationen zu Unterkunft, Speisen, Museenöffnungzeiten und -preisen und vielem mehr wie auch die detaillierte und fundierte Erläuterung vieler Sehenswürdigkeiten sind geblieben, neue kommen dazu! Der Baedeker ist jung geworden, hat aber die bewährten "Falten" mitgenommen. Es ist keine glättende Schönheitsoperation, sondern eine liebevolle Restaurierung.

Und natürlich liegt auch ein Stadtplan bei, so dass Sie gleich nach Ihrer Ankunft losziehen können!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Ihr bisheriges Leben hinter sich lassen

Die Liebe zum Regen
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zumindest auf Zeit, das hat Vera im Sinn, als sie kurzerhand ein Angebot, als AuPair nach London zu gehen, annimmt. Und dabei ist sie schon Ende 50, zwar noch nicht im Oma-Alter, aber durchaus schon als ...

zumindest auf Zeit, das hat Vera im Sinn, als sie kurzerhand ein Angebot, als AuPair nach London zu gehen, annimmt. Und dabei ist sie schon Ende 50, zwar noch nicht im Oma-Alter, aber durchaus schon als reiferer Semester zu bezeichnen. So kommt ihr diese Offerte gerade recht. Sie kann für eine gewisse Zeit aus ihrem bisherigen Leben ausbrechen, Abstand von ihrem langjährigen Ehemann Gernot nehmen und das hat sie auch bitter nötig - zu viel Verwirrendes ist zuletzt passiert, sie muss einfach mal weg.

Und "weg", das heißt: hinein in ein neues Leben, in eines mit drei Mädchen und das, wo sie doch nie Mutter war! Jetzt hat sie eine im Teenageralter, eine darunter und dazu die kleine, quicklebendige Zoe, die noch nicht einmal zur Schule geht.

Ganz schön schwer, mit der neuen Situation klarzukommen, zumal sich der Vater der drei britischen Girls, Mr. Hastings, mehr als zurück hält. Überhaupt verhält sich die Familie ziemlich eigenartig, die Mutter scheint komplett verschwunden zu sein. Was ist also los und wird Vera mit der Situation zurechtkommen?

Ein ziemlich schräges, manchmal (zu) weit hergeholtes, in weiten Teilen aber sehr warmherziges und auch witziges Werk über Zusammenhalt, Einsamkeit, Verlorenheit, Zugehörigkeit und noch vieles andere!

Vera ist eigentlich eher der norddeutsche Typ und sieht alles - aus ihrer Sicht wird erzählt, ein bisschen reduziert, hat aber Humor und das Herz durchaus auf dem richtigen Fleck. Wenn sie sich denn einmal gefunden hat, denn auch sie ist verloren.

Mir hat die eher sparsame Erzählweise bis auf ein paar Passagen durchaus zugesagt, mir gefällt es auch, eine ältere Dame als AuPair werkeln zu sehen. Dabei kommt es durchaus zu der ein oder anderen überraschenden Situation wie auch zu manch gutem Spruch wie bspw.den, dass Vera ihre Ehe irgendwann mal wie ein Joghurt vorkommt, bei dem sich der Deckel bedrohlich wölbt - irgendwie abgelaufen (S. 273). Ob sie sich aber trennt, oder ob sich dieses Zitat auf frühere Zeiten bezieht, dass müssen Sie sich schon selbst erlesen! Ich finde, dieser Ausflug nach London lohnt sich durchaus und ist als Urlaubsbegleiter bestens geeignet - ob es nun nach London oder auch in wärmere Gefilde geht, das Herz des Lesers wird er auf jeden Fall erwärmen!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Wenn der weiße Flieder wieder blüht

Die Fliederinsel
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und der hell- und dunkellilane und rosafarbene auch, dann malt Ruth ihre schönsten Bilder! Und das in einer mehr als dunklen Zeit, denn Ruth und ihr Mann Jakob sind Juden und befinden sich im Exil auf ...

und der hell- und dunkellilane und rosafarbene auch, dann malt Ruth ihre schönsten Bilder! Und das in einer mehr als dunklen Zeit, denn Ruth und ihr Mann Jakob sind Juden und befinden sich im Exil auf der dänischen Insel Fünen, wo es ihnen ganz gut geht, bis, ja bis der Deutsche (ein nicht ganz so klangvoller Ausdruck wie "Der Russe") auch hier vor der Tür steht, denn es ist der nationalsozialistischen Regierung gelungen, auch diesen Land zu besetzen. Inzwischen Eltern geworden, ist es nun für Ruth und Jakob doppelt schwierig geworden, die richtige Entscheidung zu treffen.



Ein Buch, das für mich in zwei Teile zerfällt. Insgesamt ist es über fünfhundert Seiten lang und der erste Teil könnte gut um die Hälfte gekürzt werden, so langatmig und verschlungen kommen die Schilderungen daher, so behäbig sind die Entwicklungen. Die dargestellten Fakten jedoch wie auch den Kern der Geschichte empfand ich aber als sehr fesselnd und hatte so keine Schwierigkeiten, am Ball zu bleiben, was mir nach gut der Hälfte des Buches auch eine unerwartete Belohnung einbrachte. Dieser zweite Teil ist nämlich der, wo die Autorin Sylvia Lott ihr wahres Können zeigt und auch wenn hier - in merkwürdigem Kontrast zu Teil 1 - einige Erzählstränge einfach versanden, die es durchaus wert gewesen wären, weiter verfolgt zu werden - dieses Buch zu einem wirklich inhaltsreichen Roman werden lässt.



Nicht nur zeigt sie die unterschiedliche Entwicklungen von Menschen in Extremsituationen ausgesprochen einfühlsam und tiefgründig auf, nein, es wird auch deutlich, wie solche Schicksalsjahre wie diejenigen des Zweiten Weltkrieges einen Jeden geprägt und auf seine Art verändert haben: am Ende hat ein jeder, auch diejenigen, die noch Säuglinge waren, sein Päckchen zu tragen und darüber hinaus auch die nachgeborenen Generationen: ein Umstand, den ich aus vollem Herzen bestätigen kann! Nicht zuletzt erfährt man eine ganze Menge über die Situation in Dänemark in den Jahren des Zweiten Weltkriegs - und hier hatte zumindest ich noch eine ganze Menge Nachholbedarf.



Ein Buch, das ich im Nachhinein von ganzem Herzen empfehlen kann, zumindest denjenigen, die bereit sind, mehr als 250 Seiten geduldig zu erlesen - hier wiederholt sich doch so einiges, vieles wird auch sehr ausgeweitet. Aber wie gesagt, es lohnt sich durchaus! Am Ende blicken Sie zurück auf einen sehr ungewöhnlichen Roman über die Jahre vor und während des Zweiten Weltkriegs und erfahren auch über das "Danach" so einiges. Auch wenn manches bereits früh abzusehen ist, ist die Entwicklung doch eine klare und schlüssige. Ein Roman auch für den Strandkorb auf Bornholm oder Fünen, den Ort des Geschehens, zumindest für Leser, die sich nicht nur berieseln lassen wollen!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Alte Fotos - alte Geschichten

Die Mädchen von der Englandfähre
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so ist es oft, aber meist weiß man wenigstens genau, um was es geht, handelt es sich doch um die eigene Vergangenheit oder zumindest die nahestehender Personen. Warum sonst sollte man diese Erinnungstücke ...

so ist es oft, aber meist weiß man wenigstens genau, um was es geht, handelt es sich doch um die eigene Vergangenheit oder zumindest die nahestehender Personen. Warum sonst sollte man diese Erinnungstücke aufbewahren? Der dänischen Journalistin Nora Sand, zur Zeit in London ansässig, passiert aber etwas ganz anderes: sie ersteht bei einem Trödler einen alten Koffer und entdeckt darin Fotos, die ihr aus irgendeinem Grund bekannt vorkommen. Bald ist es klar: es sind die beiden dänischen Mädchen, die auf einer Fähre von Dänemark nach England verschwanden und nie mehr gesehen wurden! Jahrzehnte ist das her und die Mädchen waren arme Kreaturen, die aus ihren Familien herausgenommen worden waren bzw. keine mehr hatten. Kein besonders heimeliges Umfeld also, in dem Nora - eigentlich ist sie Kriegsjournalistin nun recherchiert und auf eine Spur nach der anderen stößt, von denen viele jedoch im Sande verlaufen.

Nora Sand will eines nicht: ihrem Namen alle Ehre machen und ihre Nachforschungen im Sande verlaufen lassen und bleibt daher am Ball - und gerät dadurch mehr und mehr in ein Fadenkreuz - möglicherweise in das eines Mörders? Denn der Hauptverdächtige ist ein Serienmörder, der seit Jahren in Haft ist und Nora gelingt es, zu ihm vorzudringen. Er scheint einiges zu wissen - oder tut er nur so?

Nora will den Fall lösen, wird gleichzeitig aber auch im privaten Bereich auf eine - bzw. gleich mehrere - harte Proben gestellt. Bis es dann zum Showdown kommt, das seinem Namen alle Ehre macht, aus meiner Sicht jedoch nicht so recht zu dem Buch passt und zudem eine ganze Reihe unlogischer Entwicklungen beinhaltet.

Mein Fazit: vielversprechende und interessante Ansätze, die jedoch nicht in Gänze ausgereizt werden konnten. Hier ist noch ordentlich Luft nach oben. Dennoch, ich will wissen, wie es weiter geht bei Nora Sand und freue mich schon jetzt auf ihren nächsten Fall!

Veröffentlicht am 02.02.2018

Das Schicksal der Daheimgebliebenen

Die Stunde unserer Mütter
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Eine dramatische und bewegende Familiengeschichte schildert die Autorin Katja Maybach in ihrem Roman "Die Stunde unserer Mütter" und taucht dabei tief ein in die Geschichte des nationalsozialistischen ...

Eine dramatische und bewegende Familiengeschichte schildert die Autorin Katja Maybach in ihrem Roman "Die Stunde unserer Mütter" und taucht dabei tief ein in die Geschichte des nationalsozialistischen Regimes - hier geht es um die letzten Jahren, also die Zeit des zweiten Weltkriegs. Thematisiert wird aber nicht das Leben an der Front, sondern das der Daheimgebliebenen, also der Frauen sowie der Eltern der Soldaten. Hier geht es um Maria, wohnhaft in einer bayrischen Kleinstadt, die von ihrem Bruder Philipp gebeten wird, seine englische Frau Vivien und ihre Tochter Antonia bei sich aufzunehmen, da er in der gemeinsamen Wohnung Juden unterbringen und somit vor der Deportation schützen will. Auch Maria, deren Mann Werner an der Front ist, hat eine Tochter im Teenageralter und so geht es hier um Mütter und um Töchter und auch um die Generation davor, nämlich um die Eltern von Maria und Philipp, wohnhaft in der Pfalz.

Ein Konzept, das nicht neu ist bei Katja Maybach, doch der historische und auch dramatische Kontext ist wie jedesmal vollkommen unterschiedlich zu den Gegebenheiten der vorherigen Romane und wird wie immer eindringlich geschildert.Wie immer jedoch bei Katja Maybach - und das mag ich ganz besonders gern - sind es die Frauen, denen eine ganz besondere Rolle und Relevanz zukommt.

Diesmal erlebt der Leser die letzten Jahre des Nationalsozialismus fern von der Front sehr realitätsnah und authentisch, zudem hat Katja Maybach wie immer sorgfältig recherchiert und mitreißend geschrieben. Eine Autorin, auf die man sich verlassen kann, sowohl hinsichtlich der historischen Einbettung als auch der Erzählkunst, die so gekonnt ist, dass es schwer ist, die Lektüre vor dem eigentlichen Ende zu unterbrechen. In diesem Roman hat mich ganz besonders die Einbindung des eigenen Familienschicksals der Autorin bewegt - sie hat nämlich Briefe ihres Vaters von der Front und auch andere Elemente aus ihrer eigenen Vergangenheit - bzw. der ihrer Familie - in die Handlung eingebunden.

Was ich noch an den Romanen von Katja Maybach schätze: ihre Protagonisten sind keineswegs durchgehend Sympathieträger. Im vorliegenden Buch fiel es mir bis zum Schluss schwer, Verständnis für einige Handlungen ganz besonders der beiden Töchter Antonia und Anna zu entwickeln, was aber meiner Lesebegeisterung keinen Abbruch tat. Was man auch von Katja Maybach kennt: sie steht nicht unbedingt für ein überraschendes Ende. So ist auch diesmal wieder die Entwicklung in groben Zügen vorauszusehen. Doch auch das stört kein bisschen!


Alles in allem macht dieses Buch große Lust auf weitere Roman von Katja Maybach, soweit man die noch nicht alle verschlungen hat. Der vorliegende ist wärmstens zu empfehlen für jeden, der gerne einen gelungenen, in die Zeit des 2. Weltkriegs spielenden Roman liest und es liebt, sich von der Geschichte entführen zu lassen, darin zu schwelgen. Ein Buch, das eher die weibliche Leserschaft adressiert, doch aufgrund der atmosphärischen Schilderung und der vorzüglichen Rechercheleistung auch dem ein oder anderen historisch interessierten Herren - sofern er einer süffigen Erzählweise mit romantischen Elementen nicht abgeneigt ist - eine interessante Lektüre bescheren könnte