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Veröffentlicht am 05.01.2018

Der Teufel hat den Schnaps gemacht

Der Gentleman
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das hat jeder schonmal gehört, der den deutschen Schlager liebt und auch so mancher, der ihm auszuweichen versucht. Im vorliegenden Roman des jungen britischen Autors Forrest Leo kommt dem Höllenfürsten ...

das hat jeder schonmal gehört, der den deutschen Schlager liebt und auch so mancher, der ihm auszuweichen versucht. Im vorliegenden Roman des jungen britischen Autors Forrest Leo kommt dem Höllenfürsten eine ganz andere Rolle zu - falls er das überhaupt ist. Denn der Ich-Erzähler, der blutjunge unglücklich verheiratete Dichter Lionel Savage erzählt hier eine Geschichte, die man gar nicht glauben mag, zumal sie von jemandem kommentiert wird, dessen Identität erst am Ende herauskommt.

Savage leichtsinnig zu nennen wäre die Untertreibung des Jahrhunderts und so verwundert es nicht, dass er für sich bereits mit Anfang 20 keinen anderen Ausweg als die Heirat sieht. Um dann schnell zu merken, dass er nicht so richtig klarkommt in seiner Ehe mit der schönen und stolzen Vivien, die offenbar so etwas ganz anderes vom Leben erwartet als Savage. Als einzigen Ausweg sieht er den Selbstmord, aber irgendwie ist das alles zu kompliziert.

Wer gerne die Vorfahren Monty Pythons kennenlernen will - die Geschichte spielt im 19. Jahrhundert und findet, dass Literatur und Klamauk zusammenpassen, für den ist dieses spritzige, teilweise absurde Buch wie gemacht. Mir war es allerdings teilweise fast zu abwegig, auch wenn ich immer wieder mal auf den richtigen Weg zurückfand und Spaß daran hatte. Die Figuren, die Forrest Leo hier kreiert hat, scheinen sich zu verselbständigen und ihren eigenen Weg zu gehen - einen wahrhaft wilden und extremen. Wer eine ganz spezielle Art des literarischen Personals kennenlernen will, die neue Wege geht, der wird diese ganz besonderen Charaktere mögen.

Tollkühnheit gepaart mit klassischer Erzählkunst und ein bisschen Verrücktheit - klingt das für Sie nach etwas Britischem? Wenn ja, dann sind Sie auf dem richtigen Wege und wenn das für Sie ein attraktiver ist, dann sollten Sie zu diesem Buch greifen!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Ein kleiner Buchladen mitten in den Cotswolds

Liebe zwischen den Zeilen
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unweit von Oxford - das ist Emilias Erbe, das sie von ihrem viel zu früh verstorbenen Vater Julius erhält. Ein wunderbarer Mensch war er, der ihr eine herrliche Kindheit und Jugend ermöglicht hat. Dass ...

unweit von Oxford - das ist Emilias Erbe, das sie von ihrem viel zu früh verstorbenen Vater Julius erhält. Ein wunderbarer Mensch war er, der ihr eine herrliche Kindheit und Jugend ermöglicht hat. Dass Julius dennoch nicht perfekt war, erfährt sie nur allzu bald. Denn Finanzen waren im Gegensatz zu Menschen und Büchern seine Sache nicht. Aber Emilia merkt schnell, dass sie nicht allein ist - ihr charismatischer Vater hatte einen Kreis ganz besonderer Menschen um sich versammelt, der sich auch ihr zur Verfügung stellt. Und es kommen weitere hinzu.

Ja, die Menschen und ihre Schicksale - man merkt schnell, dass Autorin Veronica Henry ein ganz besonderes Händchen für sie hat. Nicht nur die Figuren sind liebevoll und warmherzig gezeichnet, nein, hinter jeder steht auch eine individuelle Geschichte, die dem jeweiligen Charakter in wenigen Sätzen einen so stabilen Hintergrund verleiht, wie ich es selten in einem Unterhaltungsroman wie diesem erlebt habe!

Auch die Umgebung - zwar nicht die Cotswolds, wohl aber der Buchladen und weitere Settings sind überaus atmosphärisch dargestellt.

Ganz klar ist dies ein Roman, der dazu einlädt, es sich mit ihm gemütlich zu machen, auf der Couch, auf einer schattigen Bank im Grünen, im Strandkorb oder aber auch am Kaminfeuer oder bei Kerzenschein. Ja, wenn ich es mir genauer überlege, passen die beiden letzten Settings doch mit Abstand am besten, denn wenn ich ihn auch im Sommer mit Genuss gelesen habe, ist dies doch eigentlich ein perfekter Winterroman und damit auch als Weihnachtsgeschenk von ganzem Herzen zu empfehlen. Schenken sie es denjenigen, denen sie ein wohliges, warmes Gefühl vermitteln wollen, denen, die ihnen besonders am Herzen liegen. Denn neben Gemütlichkeit vermittelt dieser Roman mit seinen Auf und Abs eine Menge Herzenswärme. Ich habe ihn in wenigen Stunden durchgehabt - und bin nun wirklich traurig, dass es schon vorbei ist!

Seien Sie froh, es noch vor sich zu haben und wählen Sie für Ihre Lektüre einen ganz besonderen Zeitraum aus, in dem sich selbst etwas Gutes tun möchten! Machen Sie es sich bequem in jeder Hinsicht - und ich bin sicher, dass Sie sich zu einem Erlebnis verhelfen, an das sie noch lange gern zurückdenken.

Veröffentlicht am 05.01.2018

Hefe in Hülle und Fülle

Backen mit Christina
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braucht man, um die von der Österreicherin Christina Bauer hier vorgestellten Rezepte nachbacken zu können. Nur in ganz wenigen davon ist es nicht enthalten und das ist kein Wunder, handelt es sich doch ...

braucht man, um die von der Österreicherin Christina Bauer hier vorgestellten Rezepte nachbacken zu können. Nur in ganz wenigen davon ist es nicht enthalten und das ist kein Wunder, handelt es sich doch zu einem großen Teil um Brote und Brötchen.

Auch Kleingebäck ist Bestandteil des Buches, was mich besonders entzückt hat, denn zu dem, was wir hier im Rheinland "Teilchen" nennen und was woanders im Land "Hefestückchen" heißt, fehlten mir noch gute und schnell zu realisierende Rezepte. Am meisten entzückt jedoch hat mich die Rubrik zum pikanten Kleingebäck - gefüllte kleine Röllchen und so - also eine tolle Alternative zum doch recht fettigen Blätterteigebäck, welches ich oft in Form von schnell zubereiteten Käsestangen und Lachstaschen (die brauchen was länger) zur abendlichen Suppe serviere.

Hier war ich ein bisschen enttäuscht, denn es gab nicht soooo vieles, was sich extrem voneinander unterschied und vor allem wenig Fleischloses. Schinken und Wurst ist schon ein wichtiger Bestandteil der Füllung, die oft aus meiner Sicht sehr einfach und wenig originell gehalten ist. Fisch ist gar nicht dabei, was sich vielleicht dadurch erklärt, dass dieser im meerfernen Österreich nicht gerade hoch gehandelt wird. Aber als langjährige Köchin habe ich genug Erfahrung, Phantasie und auch Mut, um mir hier etwas einfallen zu lassen!

Auch bei den Teilchen ist nicht gerade eine große Vielfalt vorhanden: mein Favorit sind die Topfengolatschen - Käseteilchen auf Deutsch bzw. Rheinisch. Dann gibt es noch was mit Marmelade und mit Mohn und dann hört die Bandbreite fast schon auf. Hier ist allerdings der besondere Charme, dass ein Teig vorgeschlagen wird, aus dem man viele Rezepte machen kann - vielleicht lasse ich mir da noch was mit Marzipan und Obst einfallen.

Dennoch ein sehr inspirierendes und vor allem auch schön aufgemachtes Backbuch mit leckeren Ideen, das vor allem für diejenigen spannend sein dürfte, die ihr Brot dauerhaft selbst backen wollen, denn hierzu gibt es richtig viele Ideen.

Aber auch ich werde immer mal gern darauf zurückgreifen. Geeignet ist es für erfahrene, experimentierfreudige Bäckerinnnen mit wenig Zeit - vieles ist doch nur sehr knapp erklärt und ich habe zu spüren bekommen, dass die angebene Dauer der Backzeiten in allen ausprobierten Fällen viel zu lang ist - oft würde gut die Hälfte reichen, weswegen ich empfehle, mit Vorsicht ans Werk zu gehen. Und was toll ist: die meisten Rezepte sind recht schnell und unkompliziert zu realisieren, vor allem auch wegen der kurzen Backzeit!

Also dann: guten Appetit mit Christina!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Eine schöne Idee

Mini Meditationen (Doppel-CD) - Geführte Meditationen für zwischendurch und zum Einschlafen
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anstelle oder nach der Gute-Nacht-Geschichte für Groß und Klein. Wenn man nicht einschlafen kann zum Beispiel und die Gedanken wandern! Mir hingegen geht es so, dass ich Meditationen zu ganz bestimmten ...

anstelle oder nach der Gute-Nacht-Geschichte für Groß und Klein. Wenn man nicht einschlafen kann zum Beispiel und die Gedanken wandern! Mir hingegen geht es so, dass ich Meditationen zu ganz bestimmten Zwecken nutze bzw. zu nutzen versuche (denn nicht immer klappt auch mit den besten Vorlagen, dessen muss man sich bewusst sein). Beispielsweise, wenn ich unter Druck stehe oder mich angegriffen fühle.

Während man für die erstgenannte Situation gut sogenannte Traumreisen nutzen kann, sind für die zweite klar definierte, zweckorientierte Vorlagen viel zielführender und das sind auch die, die ich in der Regel verwende. Davon gibt es eine Unmenge auf YouTube, viele davon orientieren sich an Konzepten von Luise Reddemann.

Möglicherweise auch diese? Im weitesten Sinne? Anhaltspunkte habe ich dafür nicht gefunden, doch auch sie gehen durchaus pragmatisch vor.

Insgesamt sind es sechs Meditationen und ich finde es besonders gut, das gleich mit angeführt wird, wozu eine jede der etwa 12-minütigen Sequenzen am besten geeignet ist:

1. Gelassenheit - zum Loslassen wiederkehrender Gedanken
2. Mut - gegen Zukunftsangst und Unsicherheit
3. Ich bin genug - zur Steigerung des Selbstwertgefühls
4. Deine Vorfahren - zur Selbstakzeptanz und Kräftigung
5. Ich hab mich lieb - zur Stärkung der Selbstliebe
6. Heilkraft - zur Unterstützung der Selbstheilung

Tobias Diakow ist ein guter Sprecher, mit einer angenehmen Stimme. Er artikuliert klar und einfühlsam, übertreibt aber auch nicht. Die Meditationen sind gut angelegt, nicht zu kindgerecht. Ich finde sie für eine kurze Auszeit sehr angenehm zu verwenden - wenn ich mich gerade mal wieder selbst finden muss, in der ein oder anderen Art und Weise. Durch die schöne Aufmachung auch ein tolles Geschenk!

Veröffentlicht am 05.01.2018

Eine Seuche der besonderen Art

Beste Absichten
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Nämlich eine Rockband dieses Namens, die von Äppstiehn, einem eher unspektakulären Typen, der so genannt wird in Anlehnung an den großen Manager der Beatles, Brian Eppstein, gemanagt wird. Er, der eher ...

Nämlich eine Rockband dieses Namens, die von Äppstiehn, einem eher unspektakulären Typen, der so genannt wird in Anlehnung an den großen Manager der Beatles, Brian Eppstein, gemanagt wird. Er, der eher durch Zufall an diesen "Job" gerät, ist der Protagonist, der Erzähler dieses Romans.

Die DDR befindet sich in ihren letzten Zuckungen, auch wenn es noch nicht allen klar zu sein scheint und jeder will in den Westen. Jeder außer den Mitgliedern der "Seuche", die einfach nur Musik machen und einigermaßen nett leben wollen.

Dazu ist aber einiges nötig und so nimmt uns Thomas Brussig mit zu so denkwürdigen Ereignissen wie dem Umtausch von Westgeld in große Scheine, dem Abkaufen der Trabis von Botschaftsflüchtlingen in Prag kurz vor Genschers Rede oder auch einfach nur in die Wohnung der dicksten, aber wirklich allerdicksten Frau der DDR, die schon lange nicht mehr draußen war - es geht einfach nicht mehr.

Thomas Brussig ist dem geneigten Leser seit Jahren, was sage ich - seit Jahrzehnten bekannt als DDR-Chronist der besonders witzigen, dennoch anrührenden Art. Mein persönliches Highlight wird immer die "Sonnenallee" bleiben, daran kommt nichts anderes ran, nicht einmal "Helden wie wir", was mir auch sehr zugesagt hat. "Beste Absichten" geht in diese Richtung, auch wenn es leider stellenweise doch ein bisschen belanglos bleibt, was aber in der Absicht des Autors liegen kann - es schlittert einfach vorbei an den relevanten Punkten - genau wie es Äppstiehn und seine Kollegen in Wendezeiten tun - um dann ganz zufällig doch wieder auf den Zug aufzuspringen - quasi aus Versehen. Und man fragt sich immer wieder, welcher Zug eigentlich gemeint ist. Sind die Seuche-Typen eigentlich im richtigen Film? Ist es denn der Leser? Und vor allem: welcher Film ist das eigentlich, der wirklich richtige? Aber das sind eigentich Kernfragen, die allen Brussig-Büchern zugrunde liegen und gewissermaßen seinen Sinn des Lebens definieren - so jedenfalls die Botschaft, die bei mir ankommt.