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Veröffentlicht am 19.11.2025

Eine Geschichte mit Aufs und Abs

Café Finito
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Und zwar in vielerlei Hinsicht: sowohl, was die Geschichte betrifft, aber auch in bezug auf die Erzählqualität. Ersteres ist kein Wunder, denn der hauptsächliche Schauplatz ist der sicher vielen bekannte ...

Und zwar in vielerlei Hinsicht: sowohl, was die Geschichte betrifft, aber auch in bezug auf die Erzählqualität. Ersteres ist kein Wunder, denn der hauptsächliche Schauplatz ist der sicher vielen bekannte Dorotheenstädtische Friedhof in Berlin-Mitte, der sowohl aktuell, als auch in DDR-Zeiten und lange davor die Gräber vieler Berühmtheiten beherbergte. Aber auch ganz normaler Menschen.

Hier erleben wir einen Mix beider Seiten, denn wir lernen sowohl die für den Friedhof zuständigen (fiktiven) Charaktere kennen als auch eine ebenfalls fiktive Trauergruppe ganz normaler Menschen, die von Kristof, Totengräber und gute Seele des Friedhofs, die sich in dem zu meinem Leidwesen ebenfalls fiktiven titelgebenden Café Finito versammelt.

Hier treffen in jeder Hinsicht völlig unterschiedliche Menschen aufeinander, die eines gemeinsam haben: sie trauern. Die meisten, aber nicht alle, trauern um Menschen, deren Gräber sich auf dem "Doro" befinden und da sie so unterschiedlich sind, knallt es manchmal zwischen ihnen, ebenso wie zwischen dem Personal, das neben Kristof (der sehr friedlich ist), aus vollkommen verschiedenen Zwillingsschwestern mit den passenden Namen Dorothee und Dorothea besteht .

Insgesamt eine sehr interessante Dynamik, die jedoch zeitweise ins Übersinnliche abgleitet, was mir deutlich zu viel war. Wie auch das Gewusel in der Schlussszene, dass meine Bewertung um mindestens einen Stern nach unten gedrückt hat.

Dennoch kann ich dieses Buch empfehlen, vor allem Internationalisten, die sich für Trauer- und Beerdigungsrituale fremder Länder interessieren. Nicht unbedingt jedoch für Leser, die wie ich selbst sehr angetan von einem früheren Roman der Autorin Sybil Volks, nämlich Torstraße 1, waren. Es kann Ihnen gefallen, muss aber nicht, denn dies ist etwas völlig anderes!

Veröffentlicht am 17.11.2025

Wie kann ich zu mir selbst zurückkehren?

Mich selbst nicht gesucht und dabei gefunden - Vorwort von Melanie Pignitter
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Ob das Raphael gelingt? Zu Beginn des Buchs sieht es nicht so aus, weil er so ziemlich am Ende ist. Frau weg, das gesamte Firmenkonto geplündert (nicht von der Frau) - schlimmer geht es fast gar nicht ...

Ob das Raphael gelingt? Zu Beginn des Buchs sieht es nicht so aus, weil er so ziemlich am Ende ist. Frau weg, das gesamte Firmenkonto geplündert (nicht von der Frau) - schlimmer geht es fast gar nicht mehr!

Aber seine Frau Klara hat ihm etwas hinterlassen, wenn auch ungewollt: ein Büchlein mit verschiedenen Adressen, die Raphael alle kontaktiert und 13 Menschen kennenlernt, von denen jeder einzelne ihm etwas gibt. Etwas, von dem er gar nicht wusste, dass er es brauchte.

Vielleicht brauchen es auch andere Leser dieses Buches, zumindest teilweise. Ich selbst wohl eher nicht, auch wenn so einiges spannend oder berührend zu sein scheint. Auch wenn dies das Ziel des Buches ist: nicht nur Raphael Anregungen zu positiven Veränderungen seines Ichs zu geben.

Veröffentlicht am 14.11.2025

Auenland (fast) vor der eigenen Haustür

Deutschland für »Herr der Ringe« Fans
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Fans der "Herr der Ringe" Bücher haben sich bestimmt schon mal ins Auenland geträumt. Oder wollten so kuschelig wie die Hobbits wohnen. Wer hätte gedacht, dass man in der Pfalz fast schon im Auenland ist. ...

Fans der "Herr der Ringe" Bücher haben sich bestimmt schon mal ins Auenland geträumt. Oder wollten so kuschelig wie die Hobbits wohnen. Wer hätte gedacht, dass man in der Pfalz fast schon im Auenland ist. Und Beutelsend nahe Halberstadt liegt. Die gruseligen Totensümpfe dagegen mitten in Baden Württemberg! Und wer Mordor meiden will, der sollte auch nicht unbedingt in die Jüterboger Heide begeben. Oder vielleicht gerade deswegen? Denn dort wird man sicher nicht von so schaurigen Gestalten erwartet wie in Tolkiens Universum.

Hier kommen Tolkien-Fans voll und ganz auf ihre Kosten! Denn das Mittelerde-Erlebnis entpuppt sich als richtiggehender Reiseführer mit einer ganzen Menge von Links, Hinweisen, aber auch Anregungen zu weiteren, ähnlichen Erlebnissen.

Ich kann nur sagen: sehr gelungen! Die Fotos sind ein wahrer Traum und wenn auch die Berichte zu jedem Reiseziel nur 2-3 Seiten lang sind, geben sie nicht nur Impulse, sondern handfeste Informationen - und sei es nur in der Form eines Links. Häufig ist es aber deutlich mehr. Das Buch beinhaltet sogar ein paar unbekanntere Infos zum HdR-Universum und vor allem einen Nachhaltigkeits-Kodex! Ich empfehle es wärmstens allen reisefreudigen Fans der grandiosen Trilogie!

Veröffentlicht am 10.11.2025

Wie eine Feuerbrunst

Der brennende Garten
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Erzählt wird aus der Sicht der jungen Tamilin Sashi, die wohlbehütet in einer Familie mit vier älteren Brüdern aufwächst und kurz davor steht, ihr Studium der Medizin aufzunehmen: sie möchte ...

Erzählt wird aus der Sicht der jungen Tamilin Sashi, die wohlbehütet in einer Familie mit vier älteren Brüdern aufwächst und kurz davor steht, ihr Studium der Medizin aufzunehmen: sie möchte Ärztin werden und zieht dafür zu ihrer Großmutter, um sich mit Begeisterung in ein neues, akademisches Leben zu stürzen.

Das jedoch wird jäh unterbrochen durch den Beginn des Bürgerkrieges und sie muss miterleben, wie in der Nachbarschaft, ja gar in der eigenen Familie, die Interessen aufeinander prallen - mit häufig tödlichem Ende zumindest für eine Seite. An ein Studium ist bald für niemanden in Sri Lanka auch nur zu denken.

Als angehende Ärztin steht Sashi zwischen den Seiten, sie ist sich bald schon im Klaren darüber, was sie selbst für richtig hält, doch auch die anderen, in deren Reihen viele ihrer Freunde, Bekannten, ja, sogar ihre Brüder stehen, benötigen ihren medizinischen Beistand. Und sie folgt der Ethik der Mediziner, dass man wirklich jeden behandeln sollte und sieht daher deutlich mehr, als eine junge Frau, ein Mädchen fast noch, sehen sollte. Sie bekommt durch ihre frühere Professorin eine Möglichkeit, ihren Drang nach Gerechtigkeit zu stillen, nämlich durch die Dokumetation des Grauens, der sich in ihrer Heimat vollzieht.

Ein Roman, der schmerzhaft und quälend ist - ich brauchte einige Wochen, um ihn abzuschließen, nicht, weil er mir nicht zusagte, sondern weil er mich in meinem Innersten traf. Ich hatte streckenweise das Gefühl, selbst im Krieg zu sein!

Ein starkes Buch, das nichts für schwache Nerven ist. Dennoch empfehle ich den Roman von ganzem Herzen - er zeigt klar und deutlich, was Krieg eigentlich bedeutet und was er jeden einzelnen Menschen im Einzugsbereich kostet. Trotz meines langsamen Lesens fegte er wie eine Feuerbrunst durch meine Sinne und durch meinen Geist, ich denke nicht, dass ich ihn je vergessen werde. Das hat er auch nicht verdient!

Veröffentlicht am 09.11.2025

Fiktiver Einblick in das Leben einer sehr besonderen Frau

Prinzessin Alice
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Aus meiner Sicht ist Prinzessin Alice von Battenberg, spätere Königin von Griechenland, eine außerordentlich interessante historische Figur - leider eine ausgesprochen tragische! Und zwar bereits von Geburt ...

Aus meiner Sicht ist Prinzessin Alice von Battenberg, spätere Königin von Griechenland, eine außerordentlich interessante historische Figur - leider eine ausgesprochen tragische! Und zwar bereits von Geburt an, kam sie doch bereits gehörlos zur Welt.

Quasi als Ausgleich wurde ihr (aus damaliger Sicht) ungeheure Schönheit geschenkt, aufgrund derer sie viele Männer begehrten und ebenso viele Frauen beneideten.

Was aber wahrscheinlich für die meisten Leser am interessantesten ist: sie war die Mutter von Prinz Philipp, dem langjährigen Ehemann der britischen Queen Elizabeth.

Für mich persönlich jedoch ist deutlich bemerkenswerter, dass sie in in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern geehrt wird, da es ihr während des Zweiten Weltkriegs gelang, einige Juden in ihrer damaligen recht ärmlichen Bleibe in Athen zu verstecken und damit zu retten, was allerdings Jahre nach dem hier geschilderten Lebensabschnitt von Alice geschah.

Dieser faszinierenden Person, einer Mutter von fünf Kindern, deren Mann, der griechische Prinz Andreas, sie bereits vor der Volljährigkeit der jüngsten Kinder verlies, widmet Autorin Irene Dische nun ihren neuen Roman.

Hier wird Alice, die viele Jahre lang als wunderlich oder gar schizophren galt, als leidende, gleichwohl den meisten Menschen geistig weit überlegene Person dargestellt, die nach der Abkehr ihres Gatten mittellos mit den Kindern klarkommen muss und einen ganz eigenen Weg geht. Einen, der einigen ihrer Kinder durchaus peinlich ist. Wir begleiten Alice in eine Klinik und auch wieder dort hinaus, treffen sie in Paris zunächst als mittellose Mutter, dann als von den meisten, auch von ihren Töchtern verstoßene Person, die auf die Unterstützung zweier Schwägerinnen, Mary und Edwina angewiesen ist, mit denen sie es auch nicht gerade leicht hat.

Ich glaube, wenn ich nicht schon vor Jahren eine umfangreiche Biographie über Alice gelesen hätte, wäre ich hier vollkommen verloren, wobei ich nicht weiß, ob das besser oder schlechter wäre. Denn so war ich der mehrfachen eleganten Volten der Autorin gegenüber doch sehr misstrauisch und habe überlegt, ob das nun Fiktion ist oder einen wahren Kern hat.

Ein Roman, der keine leichte Kost ist, aber durchaus lesenswert für Rezipient:innen, die auch mal gerne fiktive Werke über reale Persönlichkeiten lesen!