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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.02.2023

Andrea Maria Schenkel: Botschafterin eines prägnanten Stils und leiser Töne

Finsterau
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Der lakonische Stil der Autorin ist genau wie die Wahrnehmung des Geschehenen aus unterschiedlichen Perspektiven quasi ihr Markenzeichen, das sich durch ihre Werke (ich muss gestehen - "Bunker" kenne ich ...

Der lakonische Stil der Autorin ist genau wie die Wahrnehmung des Geschehenen aus unterschiedlichen Perspektiven quasi ihr Markenzeichen, das sich durch ihre Werke (ich muss gestehen - "Bunker" kenne ich nicht) zieht.

Ausgangssituation bei "Finsterau" ist die Ermordung einer jungen Frau und ihres unehelichen Sohnes kurz nach dem 2. Weltkrieg . Der Verdacht fällt auf ihren Vater,einen gottesfürchtigen Mann, der den Lebenswandel seiner Tochter mißbilligte und sie das auf Schritt und Tritt spüren ließ - er wird zur Rechenschaft gezogen und in eine Irrenanstalt - heute würden wir es als Psychatrische Klinik bezeichnen - gesperrt. Jahre später wird der Fall neu aufgerollt...

Kurz und prägnant zeichnet die Autorin die Perspektiven aller Beteiligten - auf eindringliche Art und Weise, die mich als Leserin in ihren Bann zieht. Parallelen zu "Tannöd" tun sich schon wegen des Ortes des Verbrechens und des Erzählstils - Aufrollen des Ereignisses aus verschiedenen Perspektiven auf, aus meiner Sicht hat jedes dieser beiden Werke trotzdem einen eigenen Charakter. Was das nachhaltige Lesevergnügen eher beeinträchtigt, ist der schnörkellose Aufbau der Story - belanglos würde ich es nicht nennen, aber es wird auch nicht ein Krimi sein, der mir lange Jahre lebhaft im Gedächtnis bleiben wird.

Zu empfehlen als Reiselektüre, für Menschen, die nicht gern dicke Bücher lesen, aber trotzdem einen gewissen Anspruch an deren Inhalt haben und mit Einschränkun

Veröffentlicht am 25.02.2023

Die erste Frau in der Antarktis

Das Lachen der Pinguine
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Das war Caroline Mikkelsen, dänische Ehefrau eines norwegischen Hochseekapitäns, die beim Betreten des Landes die norwegische Flagge hissen durfte - das war am 20. Februar 1935. also vor fast neunzig Jahren. ...

Das war Caroline Mikkelsen, dänische Ehefrau eines norwegischen Hochseekapitäns, die beim Betreten des Landes die norwegische Flagge hissen durfte - das war am 20. Februar 1935. also vor fast neunzig Jahren. Autorin Arabella Meran hat dieser tapferen Frau einen wunderbar warmherzigen und vor allem atmosphärischen Roman gewidmet, in dem sie Caroline als ebenso moderne wie gefühlvolle Frau zeichnet, die nie etwas anderes vorhatte, als eine gute Ehefrau und gleichzeitig berufstätig zu sein - in der damaligen Zeit blieb dies wohl oftmals ein exotischer Wunsch!

Nicht so für Caroline, die ihren Weg - beziehungsweise ihre Wege ging, wie sie es wollte - dabei behielt sie stets die Fürsorge für ihr Umfeld im Blick. Mir persönlich gefiel der zweite Erzählstrang mit der ausgesprochen ehrgeizigen australischen Journalistin Jesse Brubaker, einer fiktiven Figur, die in den 1990ern nach der fast vergessenen Caroline suchte, nicht ganz so gut - dennoch ist dies ein wunderbarer historischer Roman, den ich von Herzen weiterempfehle!

Veröffentlicht am 24.02.2023

Unter Wölfen

Wolfskinder
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Vera Buck versteht es, ein Stimmungsbild zu malen, das seinesgleichen sucht. Ich fühlte mich von ihren Szenarien gleich wieder gepackt, ja gefangen - diesmal handelt es sich bei ihrem Werk ja ...

Vera Buck versteht es, ein Stimmungsbild zu malen, das seinesgleichen sucht. Ich fühlte mich von ihren Szenarien gleich wieder gepackt, ja gefangen - diesmal handelt es sich bei ihrem Werk ja um einen Thriller und ich gestehe, ich wollte nicht nur einmal das aktuelle Szenario schnellstmöglich verlassen, weil es einfach zu gruselig war. Gottseidank fiel mir sofort wieder ein, dass ich ja in einer fiktiven Welt bin.

Nach einer leichten Einstiegsschwierigkeit hat mich die von ihr diesmal geschaffene Welt bis zum Schluss nicht wieder losgelassen.

Ohne viel Tamtam gelingt es der Autorin, eine Spannung zu erzeugen, die sehr stark auf den von ihr geschaffenen Charakteren und von deren Wirkung auf weitere Charaktere abhängt und unmittelbar auf den Leser übergeht - jedenfalls auf mich.

Auch wenn ich jetzt noch darüber rätsele, wie manche der von ihr getanen Schachzüge in der realen Welt passieren könnten, war dies für mich ein eindrucksvolles Leseerlebnis. Ich empfehle das Buch Lesern, für die sich ein Thriller auch im Alltäglichen abspielen kann, ganz und gar ohne Effekthascherei.

Veröffentlicht am 23.02.2023

Ein gezeichneter Mobbing-Western

Antoinette kehrt zurück
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Antoinette führt ein Luxusleben in Hollywood - ein toller Beruf, ein gutaussehender, berühmter und allseits begehrter Mann, der seinerseits aber nur sie begehrt - alle beneiden sie! Aber tief in ihr drin ...

Antoinette führt ein Luxusleben in Hollywood - ein toller Beruf, ein gutaussehender, berühmter und allseits begehrter Mann, der seinerseits aber nur sie begehrt - alle beneiden sie! Aber tief in ihr drin steckt eine andere Wahrheit, eine Vergangenheit in einer deutschen Kleinstadt, eine Vergangenheit als Mobbing-Opfer.

Antoinette kehrt zurück zur Stätte ihrer Pein und der Leser dieser sehr detailliert und emotional gezeichneten Graphic Novel darf sie dabei begleiten. Und ich kann Ihnen versprechen - es tun sich Abgründe auf! Dieser gezeichnete Band ist nicht jugendfrei und das definitiv nicht in der herkömmlichen Art und Weise, denn Antoinette kommt nicht nur zurück, sie schlägt auch zurück.

Ein Buch für Leser, die gut reflektieren, die gut die Wirklichkeit von Fiktion trennen und so auch dieses Mobbing-Erlebnis ins Irreale verbannen können. Und es geht wirklich nahe - beginnt es noch sehr allgemein und ziemlich an der Oberfläche, geht die Zeichnerin und Texterin Olivia Viehweg in die Vollen. Und sie kann es ! Der aufmerksame Leser erfasst, dass sie ihren Dürrenmatt gelesen und reflektiert hat, es ist auch anzunehmen, dass sie sich mit der Western-Kultur auseinandergesetzt hat - eindeutige Parallalen zu Bildern und Schnitten des Filmes "Zwölf Uhr mittags" - oder ähnlichen Produktionen - sind, so finde ich, unübersehbar, wenn auch auf die ureigene Art und Weise der Autorin umgesetzt und die ist wirklich sehr emotional und heftig. Man muss sich dem Thema, der Problematik schon stellen wollen und in Kauf nehmen, dass Unerwartetes passiert.

Ein harter, trotzdem märchenhafter Mobbing-Western, der schockt und polarisiert, keineswegs jedoch kalt lässt. ich finde, hineinschauen bzw. -lesen lohnt sich, man sollte jedoch Antoinettes Praktiken im wahren Leben im Märchenland lassen und seine Rache - falls eine solche gewünscht wird - friedlich beim Rezipieren dieses treffend gezeichneten und gestalteten Bandes ausleben!

Veröffentlicht am 20.02.2023

Ein bisschen gemächlich, der Einstieg

Der Donnerstagsmordclub und die verirrte Kugel (Die Mordclub-Serie 3)
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Dies ist ein sehr altergerechter Einstieg in den Krimi - als ob man sich mit einem Menschen der Generation Ü80 unterhält. Die fangen ein Gespräch auch häufig so an, als ob man sich schon bestens ...

Dies ist ein sehr altergerechter Einstieg in den Krimi - als ob man sich mit einem Menschen der Generation Ü80 unterhält. Die fangen ein Gespräch auch häufig so an, als ob man sich schon bestens in ihrem Leben auskennen müsste.

So kommt es mir auch vor, obwohl ich bisher noch keinen Band dieser Reihe gelesen habe.

Andererseits - selbst schuld, ich hätte mich auch vorher schon drum kümmern können. Aber wie auch immer, ich habe mich auf eben diese generationengerechte Art - ich bin zwar jünger, gehöre aber auch schon zum älteren Eisen - den vier zentralen Charakteren Elizabeth, Joyce, Ron und Ibrahim genähert und würde sie jetzt definitiv zu meinem Freundeskreis zählen.

Zumal der Fall - ein Cold Case, in dem der Todesfall von Journalistin Bethany neu aufgewärmt wird - ziemlich bald deutlich an Fahrt aufnimmt und man rasch merkt, dass alte Besen gut kehren. Diese hier auf jeden Fall! Jetzt bin ich richtig froh, dass mir noch zwei ungelesene Fälle bevorstehen.