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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 22.10.2025

Eine runde Sache

Was du siehst
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Hanna und Ruth, die künftigen Mütter von Andi und Jule, begegnen sich während ihrer Schwangerschaften und werden zu Freundinnen. Ihre Kinder sind beste Freunde von Geburt an und später ein Liebespaar in ...

Hanna und Ruth, die künftigen Mütter von Andi und Jule, begegnen sich während ihrer Schwangerschaften und werden zu Freundinnen. Ihre Kinder sind beste Freunde von Geburt an und später ein Liebespaar in dem kleinen Dorf an der Elbe. Wenn auch nicht durchgehend, dazu ist Jules Leben zu kompliziert. Zunächst sucht sie nach der Bedeutung des (bzw. ihres) Lebens, dann nach einem wichtigen Familienmitglied.

Andi, Jule und ihre engste Umgebung sthen im Zentrum des Romans, alles andere, auch die DDR und deren Auflösung, passiert quasi drumherum. Was nicht bedeutet, dass die junge Autorin dies ignoriert, nein, sie deutet es geschickt an. Auch wenn man es teilweise nur bei sehr aufmerksamer Lektüre "auffangen" kann, aber diese hat das Buch verdient. Definitiv.

Laura Maaß entwickelt in ihrem Erstling bereits einen ausgesprochen individuellen Stil, zu dem ihr Sinn für Humor und Ironie sehr gut passt.

Wer Romane liebt, in denen es einen Anfang und ein Ende gibt, ist hier an genau der richtigen Adresse: die Handlung beginnt mit bzw. vor der Geburt der beiden Protagonisten Jule und Andi und endet mit... nun, lassen Sie es auf sich zukommen, es lohnt sich!


Veröffentlicht am 22.10.2025

Das Wesentliche

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Eine Familiengeschichte sollte in erster Linie ausführlich sein und möglichst viele Wendungen und (Ab)Wege berücksichtigen. Warum eigentlich? Es geht doch darum, den Charakter, den Geist der ...

Eine Familiengeschichte sollte in erster Linie ausführlich sein und möglichst viele Wendungen und (Ab)Wege berücksichtigen. Warum eigentlich? Es geht doch darum, den Charakter, den Geist der Familie zu erfassen und das tut jeder Chronist sowieso auf seine individuelle, ureigene, subjektive Art und Weise. Vor allem, wenn aus dem entstehenden Werk ein belletristisches werden soll.

Anna Maschik geht in ihrem ersten Roman - als solcher wird das Werk zumindest auf Schutzumschlag und Deckblatt bezeichnet - einen völlig neuen, aus meiner Sicht innovativen Weg, indem sie verschiedene Stile kombiniert: Auflistung, Zusammenfassung, Zitat(artiges).

Man könnte meinen, dass dieses Meisterwerk - denn das ist es für mich - auch inhaltlich knapp gefasst ist, doch das Gegenteil ist der Fall. Die wenigen Worte und kurzen Passagen sind inhaltlich so dicht, so aussagekräftig, symbollastig und bedeutsam, dass Entwicklungen, Schwingungen, Umschwünge etc. absolut klar und deutlich zu erfassen und nachzuvollziehen sind. Einfach großartig!

Veröffentlicht am 20.10.2025

Von Menschen in schwierigen Zeiten

Lebensbande
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Ein Roman, in dem die Lebenswege verschiedener Menschen zusammenfließen: Zunächst begegnen wir Lotte als alter Frau - wie kommt es, dass sie, die eigentlich ganz im Westen Deutschlands, nämlich in der ...

Ein Roman, in dem die Lebenswege verschiedener Menschen zusammenfließen: Zunächst begegnen wir Lotte als alter Frau - wie kommt es, dass sie, die eigentlich ganz im Westen Deutschlands, nämlich in der Eifel aufwuchs, zur Zeit der Wiedervereinigung in Kühlungsborn, in der ehemaligen DDR lebt und dort auch viele Jahre ihres Lebens zugebracht hat? Wir folgen ihrem Rückblick aufs Leben und wundern uns bald über gar nichts mehr. Ihre Biografie trifft auf die von Nora und Lene - Nora war als Krankenschwester tätig und hat während der Zeit des Nationalsozialismus viel gesehen und noch mehr durchgemacht. Lene durfte den Mann, den sie liebte, nicht heiraten, was fatale Folgen für sie und ihr Umfeld hatte.

Wieder einmal legt Mechtild Borrmann einen grandiosen Roman vor, der den Dingen auf den Grund geht und sich nicht scheut, die Menschen in ihren dunkelsten Stunden zu porträtieren. Zartbesaitet darf man bei der Lektüre ihrer Bücher wirklich nicht sein. Immer wieder fasziniert mich, dass sie Menschen am Rande der Gesellschaft in den Fokus nimmt und ihnen eine Stimme gibt. Ihre historischen Romane gewähren Einblicke, die man sonst schwerlich erlangt. Hier ist ihr wieder einmal ein absoluter Volltreffer gelungen!

Veröffentlicht am 20.10.2025

Sigi auf dem Weg ins Erwachsenenleben

Der Plattenspieler unter der Dachschräge
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Und dieser Weg wird dem österreichischen Jugendlichen vom Dorf nicht gerade leicht gemacht, weil sich seine Eltern gerade in Trennung befinden, was natürlich nicht der einzige Stolperstein für ihn ist: ...

Und dieser Weg wird dem österreichischen Jugendlichen vom Dorf nicht gerade leicht gemacht, weil sich seine Eltern gerade in Trennung befinden, was natürlich nicht der einzige Stolperstein für ihn ist: er findet sich zu dick, hat zu wenig Geld, nur wenige Freunde und mit den Mädchen läuft es auch nicht so richtig. Wobei sich Sigi aus meiner Sicht ausgesprochen selbstbewusst gibt - ich hätte, als ich in seinem Alter war, diese Chuzpe nicht aufgebracht.

Herbert Dutzler beschreibt auch in diesem vierten Band der Reihe Sigis Werdegang ausgesprochen unterhaltsam, dazu mit viel Verständnis, Warmherzigkeit und stets mit einem Augenzwinkern. Sigi manövriert sich öfter mal in Schieflagen, findet aber immer wieder hinaus. Ich hatte wieder sehr viel Spaß mit Sigi und den Seinigen, habe aber stellenweise auch ganz schön mit ihm gelitten.

Während der Lektüre tauchten in mir jede Menge persönlicher Erinnerungen an diese Zeit meines Lebens auf und ich muss zugeben, dass ich mich nicht einen Deut umsichtiger verhalten habe als Sigi!

Veröffentlicht am 19.10.2025

Ganz und gar nicht mein Fall!

Garden Girls
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Ein ungewöhnlicher Krimi: das Setting, die Figuren und das ganze Vorgehen ist ziemlich eigen und erinnert zumindest mich an eine Hexenjagd mit sowohl männlichen als auch weiblichen Hexen auf ...

Ein ungewöhnlicher Krimi: das Setting, die Figuren und das ganze Vorgehen ist ziemlich eigen und erinnert zumindest mich an eine Hexenjagd mit sowohl männlichen als auch weiblichen Hexen auf beiden Seiten der Front.

Gibt es denn keinen, der bei den "Guten" ist? Doch irgendwie schon, das gesamte Ermittlerteam nämlich. Aber auch dort ist niemand das, was er zunächst zu sein scheint!

So ist der Protagonist, Ermittler Tiberius Granger ein ehemaliges Sektenmitglied, das auf seine frühere Auserwählte, mit der er vor Jahrzehnten von dort fliehen wollte, trifft. Weiter hergeholt könnten die Zusammenhänge gar nicht sein!

Je mehr Räuberpistolen die Autorin auspackte, desto mehr verlor ich die Lust an dieser im negativen Sinne absolut märchenhaften Lektüre, so dass ich das Buch ab etwa der Hälfte nur noch überflog. Und auch so habe ich den Eindruck, dass ich deutlich zu viel Zeit darauf ver(sch)wendet habe!