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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.03.2022

1923 war ein schlimmes Jahr - aber nicht nur

Im Rausch des Aufruhrs
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Beziehungsweise eine neue, ihr bisher unbekannte Welt, mit der sie auf eine zunächst für sie unerklärliche Weise verbunden ist.

Denn für ihre Mutter ist es eine Rückkehr, doch die geriert sich ...

Beziehungsweise eine neue, ihr bisher unbekannte Welt, mit der sie auf eine zunächst für sie unerklärliche Weise verbunden ist.

Denn für ihre Mutter ist es eine Rückkehr, doch die geriert sich seltsam verschwiegen, ja geheimnisvoll. Warum wissen alle genau, wer Sylvia ist, sie selbst hingegen gar nichts über die anderen?

So sehr die Mutter den Aufenthalt genießt, sie will am liebsten wieder Weg.

Doch dann trifft sie einen kleinen Jungen und dann auch dessen älteren Bruder, der sie mit sich zieht. In einen ganz schön verwirrenden Strudel von Eindrücken und Erlebnissen. Die allesamt aufs Engste mit der Natur verbunden sind.

Das war ein origineller, aber für mich nicht sehr eindringlicher Lesegenuss. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ihn so manch ein junger Mensch als recht oede bzw. langweilig empfinden wuerde. Eine tolle Idee, deren Realisierung allerdings recht ausbaufähig ist.

Veröffentlicht am 14.03.2022

Sylvia entdeckt die Welt

Bone Music
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Beziehungsweise eine neue, ihr bisher unbekannte Welt, mit der sie auf eine zunächst für sie unerklärliche Weise verbunden ist.

Denn für ihre Mutter ist es eine Rückkehr, doch die geriert sich ...

Beziehungsweise eine neue, ihr bisher unbekannte Welt, mit der sie auf eine zunächst für sie unerklärliche Weise verbunden ist.

Denn für ihre Mutter ist es eine Rückkehr, doch die geriert sich seltsam verschwiegen, ja geheimnisvoll. Warum wissen alle genau, wer Sylvia ist, sie selbst hingegen gar nichts über die anderen?

So sehr die Mutter den Aufenthalt genießt, sie will am liebsten wieder Weg.

Doch dann trifft sie einen kleinen Jungen und dann auch dessen älteren Bruder, der sie mit sich zieht. In einen ganz schön verwirrenden Strudel von Eindrücken und Erlebnissen. Die allesamt aufs Engste mit der Natur verbunden sind.

Das war ein origineller, aber für mich nicht sehr eindringlicher Lesegenuss. Ich kann mir auch gut vorstellen, dass ihn so manch ein junger Mensch als recht oede bzw. langweilig empfinden wuerde. Eine tolle Idee, deren Realisierung allerdings recht ausbaufähig ist.

Veröffentlicht am 28.02.2022

Unwirklich und nicht schlüssig

Das verschlossene Zimmer
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Marie hat einen Vater, der sich aufopferungsvoll um sie kümmert - er ist Arzt in einem großen Krankenhaus, dennoch findet er jeden Abend Zeit, für sie zu kochen und sich auch sonst eindringlich ...

Marie hat einen Vater, der sich aufopferungsvoll um sie kümmert - er ist Arzt in einem großen Krankenhaus, dennoch findet er jeden Abend Zeit, für sie zu kochen und sich auch sonst eindringlich um sie zu kümmern. Mehr noch, als um seinen Beruf und in dem geht er wirklich auf.

Doch er hält sich sehr zurück, was die Vergangenheit angeht. Marie kann fragen und fragen, doch so richtige Antworten erhält sie nicht. Weder in Bezug auf seine Vergangenheit, noch - was Marie noch viel mehr interessiert - auf die ihrer Mutter.

Anderen Menschen gegenüber verhält er sich tolerant, verständnisvoll und duldsam. Daher ist Marie sowohl erstaunt als auch befremdet, dass er etwas gegen ihre Heirat mit dem Juden Ben, schon seit Kindertagen der Mann ihres Lebens hat. Und sie wählt einen ausgesprochen ungewöhnlichen und zugleich gefährlichen Weg, um ihr Ziel zu erreichen.

Unwirkliche Geschichten zu ernsten, ja tragischen historischen Themen können etwas ganz Besonderes, kunstvoll gearbeitetes sein, durch das man das Wesen des Ereignisses oder der Epoche noch einmal neu bzw. von einer anderen Seite aus entdeckt. Gute Beispiele sind für mich "Die Bücherdiebin" und "Der Junge im gestreiften Pyjama".

Hier hingegen strahlt Protagonistin Marie eine seltsame Naivität aus. Ihre Aktionen - allen voran der Übertritt zum Judentum sind mutig, aber komplett undurchdacht und damit ausgesprochen gefährlich. Sowohl für sie selbst als auch für andere.

Leider kann ich den Roman dadurch nicht so recht ernst nehmen - stellenweise kommt es mir vor, als ob die Autorin selbst einige der Ereignisse, Umstände und Fakten, von denen sie erzählt, nicht umfassend verstanden hat. Meiner Ansicht nach kann man durch die Lektüre dieses Romans einen komplett falschen Eindruck von der beschriebenen Zeitspanne, dem Jahr 1939, erhalten.

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  • Thema
Veröffentlicht am 19.02.2022

Kaiserstuhl

Kaiserstuhl
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Wie es sich in einem Roman mit dem Titel "Kaiserstuhl" gehört, stehen Menschen, die beruflich mit Wein, Sekt und auch mit Champagner zu tun haben, im Mittelpunkt: die Freiburger Weinhändlerin Henny Köpfer ...

Wie es sich in einem Roman mit dem Titel "Kaiserstuhl" gehört, stehen Menschen, die beruflich mit Wein, Sekt und auch mit Champagner zu tun haben, im Mittelpunkt: die Freiburger Weinhändlerin Henny Köpfer und der ehemalige elsässische Soldat Paul Duringer aus Strassburg, den es nur kurzfristig in diese Branche führt. Für einen Kriegskameraden, mit dem gemeinsam er auf der französischen Seite kämpfte, soll er eine Flasche besten 1937er Champagner beschaffen, die dieser ihm zum Kriegsende zur Aufbewahrung anvertraute. Damals begegneten sich Henny und er auf einem badischen Weingut auf dem Kaiserstuhl und hätten fast geheiratet. Besonders Paul knabbert immer noch an dieser Geschichte.

Ihnen gemeinsam aus dieser Zeit ist Ziehsohn Kaspar, der auf ebendiesem Gut aufwuchs, ein Findelkind, das den einzigen großen Bombenangriff auf Freiburg überlebte - im Gegensatz zu seiner Mutter. Der soll Paul den Champagner bringen, doch auf einmal ist er weg. Und Kaspar und Paul sind in der Bredouille.

Was tun? Auch andere sind an dieser Flasche interessiert, und zwar solche, die es im Jahr 1962 eigentlich gar nicht mehr geben sollte, zumindest nicht frei herumlaufend: zu nahe waren sie dran an den Großen des Nationalsozialismus, vor allem an Göring.

Der erste von Brigitte Glasers historischen Romanen, in dem die großen Politiker selbst keine Rolle spielen. Denn der Schampus wird für eine ganz besondere Zusammenkunft zwischen de Gaulle und Adenauer benötigt, doch die beiden Herren halten sich raus aus dem Roman, über sie wird nur gesprochen.

Gefällt mir ganz gut, erhalten die eigentlichen Protagonisten dadurch doch einen größeren Raum in der Handlung. Und Historisches ist auch hier zur Genüge dabei - die Autorin hat einmal mehr akribisch recherchiert und ihre "Fundstücke" in eine spannende Geschichte eingearbeitet.

Ein historischer Roman nicht ganz ohne Anspruch, der vor allem die Leser ansprechen wird, die sich für den Zweiten Weltkrieg und das Leben danach interessieren.

Veröffentlicht am 13.02.2022

Kraus gegen Rilke

Janowitz
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Es geht um die schöne Sidonie, Herrin auf Schloss Janowitz. Im Sommer 1914 treffen sich dort Karl Kraus und Rainer Maria Rilke, beide nicht zum ersten Mal dort.

Beiden geht es um die Gunst der Dame, wenn ...

Es geht um die schöne Sidonie, Herrin auf Schloss Janowitz. Im Sommer 1914 treffen sich dort Karl Kraus und Rainer Maria Rilke, beide nicht zum ersten Mal dort.

Beiden geht es um die Gunst der Dame, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Und beiden gewährt sie sie gewissermaßen, wenn auch auf völlig unterschiedliche Art und Weise.

Eine Art Showdown und zwar ausgerechnet in Mittelböhmen, das vom in Kürze ausbrechenden Großen Krieg alles andere als unberührt bleiben wird. Die Zeichen des Untergangs deuten sich schon an, da wirbt Kraus unverdrossen um Sidonie, die er gern ehelichen würde. Rilke will bewundert werden und erwartet ein anderes Zeichen der Gunst - nämlich schnöden Mammon. Und bekommt ihn auch, solange es noch welchen gibt.

Der Autor Rolf Schneider zeichnet eine Welt im Untergang und er zeichnet sie eindringlich. Ab und zu bleibt für mich der ein oder andere relevante Aspekt auf der Strecke, doch sowohl die Atmosphäre der herrschatlichen Gesellschaft vor dem Abgrund als auch deren Absurdität ist messerscharf getroffen. Ein unterhaltsamer Lesespaß auf sehr hohem Niveau für Histo-Fans.