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UteWeu

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.02.2025

Charmanter nostalgischer Krimi

Campion. Tödliches Erbe
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London, 1931 – ein abgerissen wirkender junger Mann irrt durch die Straßen auf der Suche nach einem ruhigen Ort für die Nacht. Als er einen schmuddeligen kleinen Platz betritt und sich auf eine der wackeligen ...

London, 1931 – ein abgerissen wirkender junger Mann irrt durch die Straßen auf der Suche nach einem ruhigen Ort für die Nacht. Als er einen schmuddeligen kleinen Platz betritt und sich auf eine der wackeligen Holzbänke setzt entdeckt er zu seinem größten Erstaunen auf dem Boden einen an ihn gerichteten Brief … Klingt spannend ? Ist es auch ! Und wer jetzt wissen möchte wie es weiter geht, dem empfehle ich dringend die Lektüre dieses spannenden und unterhaltsamen Kriminalromans.
Der Klett Cotta Verlag hat den 3. Band der Albert Campion Reihe aus dem Jahr 1931 neu aufgelegt.
Ich hatte von der Autorin und ihrem Detektiv vorher weder gehört noch etwas gelesen. Sie vermochte mich aber, nach einigen kurzen Anlaufschwierigkeiten (ich stolperte ebenso verwirrt wie der Protagonist zusammen mit ihm durch Londons Straßen), recht schnell in die Handlung zu ziehen. Aufgrund des bildhaften und detailreichen Schreibstils fühlte ich mich direkt in das England der 30er Jahre zurückversetzt und konnte mir alles sehr genau vorstellen: Die Großstadt London mit ihren dunklen Ecken und kleinen Kneipen ebenso wie die herrschaftlichen Familiensitze des Adels und die kleinen Gasthäuser auf dem Land. Ich habe das Eintauchen in diese Zeit sehr genossen.
Schön finde ich auch das sich die Autorin Zeit lässt und den Fall ganz langsam entwickelt. Nach etlichen falschen Fährten die die Autorin geschickt zu legen versteht fügt sich dann ein Teil in das Andere und langsam wird das große Ganze enthüllt, das Rätsel aufgelöst. Wobei auch am Ende des Falls noch manches absichtlich im dunkeln gelassen wird und nicht alles dem Leser erklärt wird. Wer diese Art zu schreiben mag der ist hier bestens bedient. Auch der feine, hintergründige Humor tut ein Übriges um das Buch zu einem echten Lesevergnügen zu machen.
Auch die Personen haben mir allesamt gut gefallen, allen voran der Meisterdetektiv Albert Campion und sein Kammerdiener, der ehemalige Verbrecher Magersfontein Lugg. Die beiden haben ein äußerst spezielles Verhältnis zueinander und bei den Dialogen musste ich ziemlich oft grinsen. Aber auch Percival (Val), der Erbe der Familie Gyrth, zukünftiger Hüter eines uralten Kelchs der von einem internationalen Verbrechersyndikat geraubt werden soll und ebenjener junge Mann dem wir ganz am Anfang begegnen und seine Schwester Penny, eine moderne junge Frau mit vorlautem Mundwerk und einer ausgeprägten eigenen Meinung, sind toll beschrieben. Margery Allingham schafft es mit wenigen Worten ihre Personen so zu beschreiben dass ich direkt ein Bild von ihnen im Kopf hatte. Fazit: Wer die „gute alte Zeit“ mag, ein Faible für unaufgeregte aber doch spannende und humorvolle Krimis hat, wer es gut findet, das man nicht hinter jedem Busch eine Leiche findet und nicht jedes Verbrechen bis zum letzten Blutstropfen beschrieben wird der wird dieses Buch, genau wie ich, mit großem Vergnügen lesen.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Nicht nur zur Weihnachtszeit bereitet dieses Buch großes Lesevergnügen

Morden ohne Sorgen - Tannenmord im Weihnachtswald
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Eigentlich sollte Frederik Loebell nur einen Weihnachtsbaum für das Lordmaschallhaus in dem er nun Quartier genommen hat besorgen. Ach ja, und den Tannenbaum den seine Mutter schon im Oktober bestellt ...

Eigentlich sollte Frederik Loebell nur einen Weihnachtsbaum für das Lordmaschallhaus in dem er nun Quartier genommen hat besorgen. Ach ja, und den Tannenbaum den seine Mutter schon im Oktober bestellt und bezahlt hat, abholen. Und Kekse backen, da er in der nächsten Woche für das Befüllen des bunten Tellers im Gemeinschaftsraum zuständig ist. Und dann ist da ja auch noch die Guerilla Aktion zu planen die im Garten des Oberbürgermeisters von Potsdam stattfinden soll. Seine große Liebe Fleur will mit ihm partout Sushi essen gehen und Dackel Wilhelm soll ja auch nicht zu kurz kommen. Bei diesem etwas vollen Terminplan muss er, bei einem nächtlichen Ausflug in die Tannenbaumschonung, nun ausgerechnet auch noch eine Leiche finden... Und damit ist es vorbei mit der Besinnlichkeit. Loebell und sein Team von den Stadtnachrichten beginnen wieder zu ermitteln. Diesmal Seite an Seite mit Kriminalhauptkommissarin Edda Kleist. Wie das kommt und ob sie es schaffen den Mörder zu überführen und was die Weihnachtsbaum Mafia mit dem Ganzen zu tun hat – das solltet ihr unbedingt selbst lesen. Ich hatte einen großartigen Lesespaß mit dem neusten Werk von Andreas K. Buchholz.
Gewohnt spritzig und humorvoll erzählt der Autor das neuste Abenteuer des Reporters bei den Stadtnachrichten. Die Geschichte nimmt schon auf den ersten Seiten Fahrt auf und hält dieses Tempo bis bis zum Schluss. Loebell kommt kaum zum verschnaufen und ist ständig in Aktion. Und mit ihm das liebenswerte Chaotenteam aus der Redaktion. Diesmal müssen sie sich nicht nur mit Leichen befassen sondern auch mit viel Schnee und einem singenden Schützenverein. Und Andreas K. Buchholz beschreibt das Ganze so bildlich und treffend das ich mir alles bestens vorstellen konnte und immer an der Seite seiner Figuren war, sei es bei Loebells Landpartie mit Hien oder im Garten von Oberbürgermeister Frank Hagemann bei der Weihnachtsbaum Guerilla Aktion. Langweilig wurde es mir beim Lesen keine Sekunde.
Auch die Personen sind wieder gut herausgearbeitet und haben alle ihren eigenen Charakter und ihre Ecken und Kanten. Das beginnt bei den Hauptprotagonisten und geht bis in die kleinen Nebenfiguren. Das hat mir sehr gut gefallen und ich konnte mich gut in die Geschichte hineinversetzen.
Der Kriminalfall ist ebenfalls sehr gut und überlegt aufgezogen. Es führen viele Spuren ins Nichts und es werden falsche Fährten gelegt. Man stellt diese und jene Überlegungen an die dann aber widerlegt werden. Und am Ende gibt es ein grandioses Finale auf dem Weihnachtsmarkt und alles wird logisch aufgelöst und lässt mich als Leser mit einem Schmunzeln und sehr zufrieden das Buch zuklappen.
Große Leseempfehlung und ich freue mich schon auf den nächsten Band mit Frederik Loebell und seinem Dackel Wilhelm.

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Veröffentlicht am 27.01.2025

Süßes Kinderbuch mit tollen Zeichnungen und einem wichtigen Thema

Magus der Magische
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In Feimor, im Königreich Trafall, lebt der 6jährige Junge Magus in einem Kinderheim. Sein größter Wunsch ist es, ein Hexer zu werden und dafür übt er in jeder freien Minute. Nur ist genau das leider verboten. ...

In Feimor, im Königreich Trafall, lebt der 6jährige Junge Magus in einem Kinderheim. Sein größter Wunsch ist es, ein Hexer zu werden und dafür übt er in jeder freien Minute. Nur ist genau das leider verboten. Ohne einen Lehrmeister dürfen Kinder sich nicht an Zaubersprüchen versuchen. Und Magus hat für seine verbotenen Versuche schon viel Ärger mit dem Heimleiter Herrn Makrosh bekommen. Auch bei den anderen Kindern ist er wegen seiner Zauberstreiche nicht sehr beliebt. Aber das stört ihn nicht weiter weil er ja seinen besten Freund Jurii hat, der mit ihm duch dick und dünn geht. Eines Tages entdeckt Magus zusammen mit Jurii ein altes Zauberbuch. In diesem steht ein Spruch der es den Beiden gleich angetan hat: Mit diesem Spruch kann man Zeichnungen zum Leben erwecken. Da die Jungen sich kurz vorher ein Fabelwesen namens Hawell'mug ausgedacht haben und Jurii von diesem auch eine wunderschöne Zeichnung angefertigt hat versuchen sie sofort ob der Zauber auch wirkt. Dabei geht leider etwas schief und die Zeichnung verbrennt. Dies trifft besonders Jurii sehr, er rennt aus dem Zimmer und will partout keine Entschuldigung von Magus annehmen, egal was dieser auch versucht. Das nimmt Magus ziemlich mit, doch zum Glück kommt es dann doch noch zum Happy End – Für Magus, für Jurii und auch für den Hawell'mug...
Ich habe das Buch, das den Auftakt einer ganzen Kinderbuchreihe bilden soll, sehr gerne gelesen. Einfühlsame Texte und wunderschöne Zeichnungen machen es zu einem echten Highlight. Das große Thema der Geschichte ist Freundschaft und sich Vertragen. Kurze, leicht verständliche Texte und eine kindgerechte Sprache sowie die Zeichnungen sorgen dafür das das Buch auch bestens als Vorlesebuch für kleinere Kinder geeignet ist. Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung und ich freue mich schon auf weitere Bücher der Autorin.

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Fulminante und temporeiche Fortsetzung

Ever & After, Band 2: Die dunkle Hochzeit (Knisternde Märchen-Fantasy der SPIEGEL-Bestsellerautorin Stella Tack)
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Der zweite Teil der Trilogie setzt zwei Wochen nach Ende des ersten Teils ein. Rain, die immer noch gezwungen ist im Carneval zu leben tut alles um ihre Wächter und den dunklen Prinzen auszutricksen und ...

Der zweite Teil der Trilogie setzt zwei Wochen nach Ende des ersten Teils ein. Rain, die immer noch gezwungen ist im Carneval zu leben tut alles um ihre Wächter und den dunklen Prinzen auszutricksen und zu entkommen. Doch welchen Weg sie auch nimmt, immer scheint sie in einer Sackgasse zu landen und wird von ihren Aufpassern wieder zurück gebracht. Ihr Cousin Avery ist ihr bei den Fluchtversuchen auch keine große Hilfe, hat er doch mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen...
Tempo- und Actionreich geht es auch in diesem Band zu. Ein Knalleffekt jagt den nächsten und es bleibt kaum, Zeit zum Verschnaufen. Und das ist auch mein kleiner Kritikpunkt: Ich hätte es besser gefunden ab und zu mal ein bisschen das Tempo zu drosseln und den Figuren etwas Raum zum runterkommen und nachdenken zu geben. Aber das ist, wie gesagt, nur meine Meinung.
Der Schreibstil der Autorin zeichnet sich durch viel Humor, ein hohes Erzähltempo und bildhafte Beschreibungen aus (Und Achtung – es wird auch blutig! Manchmal musste ich da schon schlucken wenn es bei den Kämpfen, z.B. im Haus der Pechmarie, sehr ins Detail ging...). Sie stellt die Heldengruppe oft in Situationen in denen ich beim Lesen dachte: Holla – wie wollen die da bloß wieder rauskommen. Das und auch die unglaublichen Wendungen die die Geschichte hin und wieder nimmt, der Plan B mit dem Niemand gerechnet hatte, machen einen Teil des Reizes der Geschichte aus. Stella Tack schafft es dass man förmlich durch die 700 Seiten fliegt und nie das Gefühl hat es wird anstrengend oder zäh zu lesen.
Sehr schön fand ich auch das jedem Kapitel ein kurzer Textauszug aus einem von Grimms Märchen vorangestellt ist an dem man erkennen kann dass es sich bei diesen „Kinder- und Hausmärchen“ im Original keinesfalls um die weichgespülten Disney Adaptionen von heute handelt. Analog zu diesen Märchenzitaten erfährt man auch im Buch selbst einiges über die Entstehung der Märchenfamilien und welche Geschichten ihnen zugrunde liegen. Das fand ich sehr interessant und es macht die ganze Erzählung irgendwie rund wenn man als Leser nach und nach immer mehr Hintergrundwissen bekommt. Das Buch hat ein fulminantes Ende mit dem ich so nicht gerechnet hatte. Ein Riesen Cliffhanger und ich bin gespannt wie die Autorin das ganze jetzt im dritten Band auflösen wird. Fans von actionreichen Märchenadaptionen werden das Buch lieben und von mir gibt es eine klare Leseempfehlung.
Wichtig: Das Buch kann nicht unabhängig vom ersten Teil gelesen werden.

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Veröffentlicht am 09.12.2024

Eine Erzählung die sich erst warmlaufen muss

Und Wien leuchtete
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Die Geschichte beginnt 1928 mit einem Treffen der drei alten Freundinnen Anna Sacher, Helene Stein-Kleinen und Emilie Flöge. Die drei Damen sind aufgeregt weil sich eine junge Journalistin aus Berlin, ...

Die Geschichte beginnt 1928 mit einem Treffen der drei alten Freundinnen Anna Sacher, Helene Stein-Kleinen und Emilie Flöge. Die drei Damen sind aufgeregt weil sich eine junge Journalistin aus Berlin, Elisabeth Wimmer, angekündigt hat um mit Sacher und anderen Damen der Wiener Gesellschaft Interviews zu führen. Keine der Drei kann sich denken was hinter diesem Ansinnen steckt doch sie sind vorsichtig und misstrauisch und beschließen das Fräulein Wimmer auszuhorchen was umso leichter zu fallen scheint da diese sich bei Anna im Hotel Sacher einquartiert hat.
Am Anfang hatte ich ziemliche Schwierigkeiten in die Geschichte reinzukommen besonders dadurch dass sich die Autorin immer wieder mit Erklärungen und Exkursen einmischte und so den Fluss der Geschichte unterbrach.
Bis ungefähr zur Hälfte der 235 Seiten langen Erzählung passierte außer Rückblicken in die Vergangenheit und Nachsinnen über dieselbe nicht viel. Auch die Figuren hielten Distanz zu mir.
Doch gegen Ende nahm das Buch dann nochmal richtig Fahrt auf, wurde spannend und interessant.
Die Personen wurden lebendig und öffneten sich mir und ich konnte das Buch nun nicht mehr aus der Hand legen weil ich so gespannt war, ob die Listen der „alten Fregatten“ Erfolg haben würden. Das Ende erfüllte mich mit großer Zufriedenheit.
Das Hauptaugenmerk der Autorin liegt eindeutig auf Anna Sacher, der Chefin des berühmten Hotels Sacher und „Königin von Wien“. Diese ist die Hauptperson und auch diejenige an deren Gedanken wir am meisten teilhaben dürfen.
Die (fiktive) Industriellengattin Helene Stein-Kleinen entwickelt sich im laufe des Buches von der betrogenen Ehefrau die sich von ihrem Mann kleinmachen lässt zu einer selbstbewussten Frau die weiß was sie möchte und wie sie es erreichen kann. Diese Entwicklung hat mir gut gefallen.
Emilie Flöge, Modedesignerin und die Muse des berühmten Jugendstil Malers Gustav Klimt, nimmt am wenigsten Raum ein. Von ihr und ihren Gedanken erfährt man fast gar nichts was ich schade fand.
Ebenfalls ziemlich blass bleibt „Das Fräulein“ Elisabeth Wimmer (auch „Die Kleine“ genannt) aus Berlin. Die (fiktive) Journalistin tritt am Anfang recht forsch auf lässt sich jedoch dann von Anna Sacher einwickeln die sie am Anfang nur aushorchen will. Doch im Laufe der Geschichte wandelt sich ihr Verhältnis und die beiden Damen verbindet erst Sympathie und später sogar Freundschaft. Als Frl. Wimmer sich mit einem stadtbekannten Casanova einlässt – und das mit Folgen – setzt sie Ereignisse in Gang die zu einem Finale führen das mich zu einem großen Grinsen gebracht hat.
Alles in allem konnte das Buch für mich leider nicht die Atmosphäre des Wiens zu jener Zeit vermitteln, vom Zeitkolorit war wenig zu spüren. Auch die Figuren blieben für mich größtenteils blass was ich sehr schade fand. Mit dem Schreibstil der Autorin hatte ich Probleme, war er doch mehr im Stil einer Reportage geschrieben als in dem eines Romans. Das letzte Drittel hat es wieder etwas rausgerissen aber wirklich überzeugen konnte mich das Buch leider nicht.

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