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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 23.05.2017

Von Sehnsucht keine Spur

Die Sehnsucht des Vorlesers
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Inhalt
Guylain Vignolles liebt Bücher und das Lesen, hasst aber auch seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Heimlich stiehlt er einzelne Seiten aus der Schreddermaschine und liest diese jeden Morgen ...

Inhalt
Guylain Vignolles liebt Bücher und das Lesen, hasst aber auch seinen Job in einer Papierverwertungsfabrik. Heimlich stiehlt er einzelne Seiten aus der Schreddermaschine und liest diese jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit im Zug vor. Seine Mitfahrer genießen die Zeit mit ihm und lauschen jedem einzelnen Ton. Eines Morgens findet er einen USB-Stick bei seinem Stammplatz und nimmt ihn mit. Darauf findet sich 72 Dateien, in denen eine gewisse Julie über ihr Leben und ihren Job schreibt. Guylain ist total fasziniert von der Autorin und möchte sie unheimlich gerne kennen lernen.

Meine Meinung - Achtung, mit Spoiler
Ja, das Cover hat mich wirklich angesprochen. Es hat so eine gewisse ruhige und sehnsüchtige Stimmung. Dazu wusste ich, dass ziemlich viele Leser von dem Buch begeistert waren, weshalb ich spontan dazu griff.

Guylain Vignolles ist 36, lebt allein mit einem Fisch und ist eigentlich ganz schüchtern. Er liebt Bücher und hat einen Job, bei dem er Bücher vernichtet. Jeden Morgen im Zug zur Arbeit liest er aus seiner Seitensammlung. Diese sind die Überlebenden der Schreddermaschine, die er jeden Tag bedient. Heimlich fischt er sie heraus und bringt sie in Sicherheit. Dann findet er einen USB-Stick, den scheinbar eine Julie verloren hat, denn darauf finden sich Texte von ihr, die ihn irgendwie berühren.

Guylain hat zwei gute Freunde, die auf ihre Weise äußerst skurril sind. Zum einen Yvon, der ebenfalls in der Fabrik arbeitet. Der große Mann ist Wachmann, mit einer Schwäche für das Theater. Er spricht nur noch in Versen, weshalb so mancher von ihm irritiert ist. Zum anderen ist da Guiseppe. Er hat ebenfalls in der Fabrik gearbeitet und Guylain mit ausgebildet, doch dann hatte er einen Unfall, bei dem er seine Beine verlor. Nun ist er davon besessen ein bestimmtes Buch in einer bestimmten Auflage zu finden, denn diese Bücher haben etwas mit seinem Unfall zu tun.

Wo das Cover noch eine gewisse Stimmung aufzeigte, war auf den Seiten eher Tristheit zu finden. Guylain wurde für mich so gut wie nicht sympathisch. Ja, es hat ein romantisches Bild, dass ein Mann jeden Morgen seinen Zuhörern etwas vorliest, doch das war es auch. Er wirkte irgendwie stumpfsinnig. Dauernd jammert er, dass er seine Arbeit nicht ausstehen kann, dass es ihm das Herz bricht Bücher zu zerstören, doch er versucht nicht da raus zu kommen. Er denkt nicht einmal daran, dass er sich auch einen anderen Job suchen könnte. Er lügt sogar seine Eltern wegen des Jobs an, weil es ihm peinlich ist. Diese Einstellung konnte ich einfach nicht verstehen.

So folgt man also Guylains tristem Alltag, den er einfach nicht durchbrechen will. Es gibt nur wenige Ausbrüche aus diesem Grau. Dann findet er einen USB-Stick und ist besessen von den Texten darauf. Er schleppt sie überall hin mit, liest nur noch daraus und verliebt sich in die Vorstellung von der Frau, die sie geschrieben hat.

Hier könnte man sagen, dass er eine Sehnsucht nach dieser Frau entwickelt, die ihn sogar seinen Job weniger schlimm erscheinen lässt. Wobei man natürlich ihre Texte mit ihm liest. Nach dieser Lektüre wurde mir aber absolut nicht klar, wie er sich da so verlieben konnte. Mal ehrlich, sie schreibt über ihren Job und dieser scheint nicht sonderlich angenehm zu sein.

Am meisten hat mich aber eine Szene zum Ende hin gestört. Guylain findet heraus, wo Julie arbeitet und will sie treffen. Die Frau, die er aber dort trifft, entspricht nicht seinen Erwartungen, weshalb er sich traurig zurückzieht. Es hat mich wirklich irritiert. In den Texten gab es keine Beschreibung von ihr und nur weil sie seiner Vorstellung nicht entspricht, ist es schmerzlich für ihn. Natürlich gibt es später noch ein richtiges Happy End, doch es konnte mich nicht mehr wirklich überzeugen.

Fazit
So schön dieses Buch auch scheint, so enttäuschend war schließlich der Inhalt. Der Autor schreibt zwar überaus flüssig und irgendwie auch fesselnd, aber das Geschriebene selbst ist eher trist und drückend. Ich konnte Guylains Sehnsucht nicht nachvollziehen und ihn als Protagonist einfach nicht ins Herz schließen.

Veröffentlicht am 17.05.2017

Charlotte verliert sich selbst

FLOWER
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Inhalt
Charlotte ist 18, Jungfrau und hat ein festes Ziel. Um keinen Preis will sie so enden wie ihre Mutter und Schwester, die bereits sehr jung Kinder bekamen. Daher gibt es keine Dates, keine Partys ...

Inhalt
Charlotte ist 18, Jungfrau und hat ein festes Ziel. Um keinen Preis will sie so enden wie ihre Mutter und Schwester, die bereits sehr jung Kinder bekamen. Daher gibt es keine Dates, keine Partys und keine Jungs. Stattdessen wird hart gearbeitet, um nach Stanford zu kommen, in einem Blumenladen gejobbt und an einer Uni ausgeholfen. Doch eines Abends betritt der attraktive Tate ihre Welt und zum ersten Mal ist sie bereit ihre Regeln zu brechen. Tate ist allerdings nicht irgendwer, er ist ein Superstar. Während sie versuchen einander näher zu kommen, muss Charlotte erkenne, dass es an seiner Seite nicht immer einfach ist. In Tates Welt gibt es eigene Regeln und die Frage ist, ob er bereit ist diese zu brechen.

Meine Meinung
Liebe ist nicht immer einfach und genau das müssen auch die Protagonisten schmerzlich erfahren.

Charlotte kommt aus einem Haushalt, in dem die Frauen recht früh Mütter wurden, in der Liebe aber kein Glück hatten. Genau dem will sie entkommen. Sie stellt sich strikte Regeln auf und will keine Gelegenheit zulassen, die diese bedrohen würden.

Man lernt Charlotte als eine zielstrebige Person kennen. Sie hat ihre Ziele und kämpft dafür. Traurig ist aber, dass sie dadurch kaum am Leben gleichaltriger teilnimmt. Man bekommt den Eindruck, dass die sich selbst nicht traut. Trotz ihrer Überzeugungen glaubt sie scheinbar, dass sie auf einer Party schwach werden könnte.

Dann betritt Tate ihr Leben und sie verliebt ich augenblicklich. Obwohl sie erst versucht seinen Annäherungsversuchen zu widerstehen, wird sie sich schwach.

Sorry schon vorab, doch dieses Buch hat mich wahnsinnig gemacht. Als ich es gelesen habe, empfand ich die Geschichte noch als ganz ok, doch nachdem ich sie habe sacken lassen, sehe ich vieles mit anderen Augen.

Ich fand es gar nicht schön, wie Charlotte sich durch Tate veränderte. Ja, es ist süß, wie sie einander näher kommen und ihre ersten Dates haben, doch danach bricht wirklich Drama aus. Es kommt zu einem ständigen Hin und Her, das scheinbar in Schleife geschaltet wurde. Sie macht etwas, was ihm nicht gefällt, er verletzte sie, er kommt wieder angekrochen und sie verzeiht ihm. Sie geht es immer und immer weiter.

Er geht echt furchtbar mit ihr um, alles muss nach seinem Willen laufen. Am frustrierendsten war aber ihre Reaktion. Wo war die Charlotte von Beginn des Buches geblieben? Denn so wie sie sich entwickelte, könnte man meinen, sie hätte ihren gesunden Menschenverstand verloren. Plötzlich ist alles unwichtig, Hauptsache sie kann mit ihm zusammen sein. Das Mädchen, das niemals jung schwanger werden wollte, ist geradezu darauf versessen die Beine breit zu machen. Sie ist bereit alles umzuschmeißen, zu lügen und sich selbst zu verleugnen, um ihm zu gefallen.

Es geht mir echt gegen den Strich was dieses Buch vermittelt. Scheinbar dürfen junge Mädchen sich alles gefallen lassen, Hauptsache der heiße Kerl hat Interesse an ihnen. Wie oft soll man sich denn verletzen und demütigen lassen eher man einsieht, dass diese Beziehung nicht funktioniert?

Ich muss aber auch sagen, dass mich das Buch durchaus überraschen konnte. Während der Inhalt mich eher nervte, empfand ich den Schreibstil als angenehm. Er war irgendwie weich und fließend. Dank ihm ließ sich das Buch schnell lesen und war im Nu verschlungen. Er war es auch, der zu Lesen animierte. Bei diesem schönen Schreibstil ist es schade, dass das Autorenduo sich weniger Mühe mit dem Inhalt gegeben hat.

Fazit
Obwohl das Autorenduo sicherlich eine interessante Idee hatte, empfand ich die Umsetzung als misslungen. Die Protagonistin macht eine Entwicklung durch, die allem widerspricht, für das sie zu Beginn stand. Die Beziehung zwischen Charlotte und Tate bietet wenig positive Gefühle, von Liebe lässt sich ja kaum sprechen. Da die beschriebene Handlung mich mehr aufregte, als unterhielt, bin ich nicht bereit dieses zu empfehlen.

Veröffentlicht am 12.04.2018

Der Totenkaiser erhebt sich

Nebelmacher
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Inhalt
Es heißt, dass der Totenkaiser einer der besten Assassinen der Welt ist. Jeden Auftrag erfüllt er gewissenhaft, ohne Spuren zu hinterlassen. Er zerstört nicht nur den Körper, sondern auch die Seele ...

Inhalt
Es heißt, dass der Totenkaiser einer der besten Assassinen der Welt ist. Jeden Auftrag erfüllt er gewissenhaft, ohne Spuren zu hinterlassen. Er zerstört nicht nur den Körper, sondern auch die Seele seines Opfers. Im Auftrag der Göttin des Mordens erledigt er alles, was nötig ist. Clach ist stolz auf seine Arbeit, auf seinen Titel und darauf unsichtbar zu sein. Nach einem Auftrag bemerkt er aber etwas Seltsames und erfährt, dass seine letzten Tötungen nicht von der Göttin vorgesehen wurden. Jemand oder etwas hat die Todesbotin in seinem Bann und lässt durch sie gewisse Vorgänge in Kraft treten. Während Clach versucht zu ergründen, wer ihn für seine Zwecke benutzt hat, wird er selbst zum Gejagten. Mehrere Mächte sind darauf aus ihn und sein Leben für sich zu beanspruchen. Dabei ahnt keiner von ihnen, dass sie längst zu Spielfiguren einer unbekannten und dunklen Partei geworden sind.

Meine Meinung
Einst kämpften Götter und Titanen auf der Welt. Die Schlacht war furchtbar, das Land überzogen von Blut. Kaum jemand überlebte. Seit diesen Tagen ist die Welt von Nebel verhangen. Dieser Nebel, genährt von Angst und Blut, giert nach Opfern und verschlingt so manchen Toten im Geheimen. Er gibt nur wenige Menschen, die ihre Dörfer in diesen Nebeln erbauen. Die es wagen in dieser Wildnis zu leben und allen Widerständen zu trotzen, sie werden dafür als Barbaren bezeichnet. Zumeist suchen die Menschen Schutz in Städten, die von magischen Schutzschilden umgeben sind. Unter dieser Kuppel glauben sie vor dem Nebel sicher zu sein.

In dieser Welt folgt der Leser vier verschiedenen Charakteren. Sie alle kommen aus den unterschiedlichsten Gesellschaften, doch es ergibt sich, dass sie alle einander begegnen. Zwar sind dieser Begegnungen nicht gerade freundschaftlicher Natur, doch alle schicksalhaft.

Clach ist ein Assassine, der auch als Totenkaiser bekannt ist oder auch nicht. Es gehört zu seinem Job unsichtbar zu sein, in andere Rollen zu schlüpfen und gefühlskalt zu sein. Clach bildet sich viel auf seinen Ruf ein, doch sein Stolz hindert ihn nicht daran ein perfekter Killer zu sein. Er ist allerdings auch jemand, der Verrat nicht ausstehen kann und Verräter hart bestraft.

Morven ist eine Tempelritterin im Dienst des Lichtfürsten. Sie hat hart daran gearbeitet ihre Position zu erreichen, auch wenn ihr Vater wohl seine Finger im Spiel hatte. Sie möchte ihm beweisen, dass sie auch als Frau ihren Nutzen hat. Doch Morven lässt sich leicht von ihren Gefühlen leiten, was sie doch in so manche Schwierigkeiten bringt. Allerdings beweist sie auch immense Stärke und zerbricht nicht an dem Schmerz, den sie erfahren muss.

Fennek Greskegart ist ein Inquisitor, der seit Jahren auf der Jagd nach Clach ist. Zusammen mit seinem Partner Sanftleben, ist er dem Totenkaiser auf den Fersen. Fennek wirkt schmuddelig und unfähig, doch genau das will er. Er zeigt es nicht offen, doch auch er verfolgt ganz eigene Ziele, sucht nach Rache und scheut nicht vor Gewalt zurück.

Ormagair Steinviper ist ein Barbar, der bei seinem Volk im Nebel lebt. Er ist einer der besten Nebeljäger, wenn auch schon ein ziemlich alter. Mit seinen 50 kämpft er sich durch, auch wenn seine Knochen inzwischen bei jedem Schritt schmerzen. Er ist nicht so stark gebaut wie andere Barbaren, weshalb er seine Position anders und mit viel Köpfchen bestreitet. Bei einem Kampf mit einem verfeindetem Clan, stößt er auf ein ganz besonderes Schwert. Doch es gibt auch ein Versagen in seinem Leben und er hofft, dass er durch den Mord an Clach seinen Platz in der Halle der Ahnen einnehmen kann.

Bernhard Trecksel spinnt hier all diese Perspektiven. In jeder davon gibt es unheimlich viele Geschehnisse. Sie sind erstmal unabhängig voneinander, doch mit dem Fortschritt der Handlung erkennt man einzelne Verbindungen, Dinge, die früher oder später eine Rolle spielen. Seinen Protagonisten bereitet der Autor kein leichtes Schicksal. Insbesondere Clach, der dann doch irgendwie im Mittelpunkt stand, scheint einiges ertragen zu müssen, nicht, dass die anderen leicht davon kommen. Es ist aber auch so, dass er sich davon nicht unbedingt abgeneigt zeigt, schließlich gehört der Tod zu seinem Leben. Zukünftig scheint auf ihn aber noch so manches zu warten, was doch irgendwie verstörend und grausam klingt.

Überhaupt ist die Handlung mit reichlich Tod und Gewalt ausgeschmückt. Es werden immer wieder Kämpfe ausgefochten, Menschen getötet und Dinge ins Rollen gebrachte, die schließlich einem höheren Ziel dienen sollen. All die Hetzjagden und Verschwörungen kurbeln die Spannung so richtig an. Dem Autor gelingt es an vielen Kapitelenden Cliffhanger einzubauen, weshalb man einfach weiter lesen muss. Der Anriss des Dunkeln im Hintergrund ist wunderbar eingebracht. Er wird das Gefühl vermittelt, dass diese Welt noch viel Grausames erleben wird, denn so manches regt sich inzwischen und die Menschen sind zu blind es zu erkennen.

Fazit
Spannend, grausam und voller Gewalt wird ein großartiger Einstieg in die Welt des Nebels gewährt. Aus vier Perspektiven erzählt, bietet dieser Roman viele Wendungen, viel Hinterlist und so einige Verschwörungen. Ein erster Band, der unheimlich neugierig macht auf das Kommende.

Veröffentlicht am 05.04.2018

Verrückte Reise mit Selbsterkenntnis

Alles in Buddha
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Inhalt
Mias Leben liegt in Scherben. Ihr Freund hat sie verlassen, ihr Chef hat sie, wegen eines unglaublich peinlichen Vorfalls, entlassen und dazu hat sie sich auch noch vor ihren Freunden und Bekannten ...

Inhalt
Mias Leben liegt in Scherben. Ihr Freund hat sie verlassen, ihr Chef hat sie, wegen eines unglaublich peinlichen Vorfalls, entlassen und dazu hat sie sich auch noch vor ihren Freunden und Bekannten auf einer Party blamiert. Um endlich etwas zu ändern, fasst sie mit ihrem besten Freund Hugo den Entschluss eine kleine Weltreise zu machen. Dabei schließen sie eine Wette ab. Mia soll auf der Reise Mark, ihren Exfreund, endlich loslassen und Hugo seine Jungfräulichkeit verlieren. Während sie sich die Welt ein wenig ansehen, beginnt Mia ihre Fehler zu begreifen. Nach und nach wird ihr klar, dass ihre Beziehung sie nie hätte funktionieren können. Doch wird sie am Ende bereit sein sich von ihrem alten Ich zu lösen?

Meine Meinung
Zwei Freunde, eine Reise und drei Stationen um die Welt, bei denen sie über sich hinauswachsen wollen.

Mia Heinecke ist 27 und Fremdsprachenkorrespondentin. Gerade ist sie allerdings vom Pech verfolgt, denn ihr Freund hat verlassen, sie hat ihren Chef verärgert, der sie gefeuert hat, und sie hat es geschafft sich vor einer Partygemeinschaft zu blamieren. Obwohl sie alles getan hat, um perfekt zu wirken, ist nun alles zerbrochen. Zum Glück hat sie noch ihren besten Freund Hugo, der ihre eigenartige Art hinnimmt und sie auch ganz anders kennt. Obwohl er eigene Probleme hat, hört er ihr immer zu und steht ihr zur Seite. Als sie die Idee mit der Weltreise hat, ist er natürlich dabei. Sie schließen schließlich dafür auch eine Wette ab.

Hugo Helms ist 28, Langzeitstudent und noch Jungfrau. Irgendwie klappt es mit den Frauen und der Liebe einfach nicht. Wenigstens hat er noch seine Katze Marie und Mia als seine beste Freundin. Mit Mia kann er über alles reden und hört sich von ihr auch alles an. Daher kennt er ihre Probleme mit Mark und ist bereit über den peinlichen Vorfall mit dem Chef zu lachen. Als sie von der Weltreise spricht, ist er dabei. Er drängt sie schließlich dazu diese Reise auch zu tun.

So starten sie zu dritt um die Welt. Ja, zu dritt, Marie muss schließlich mitkommen. Da Marie nicht gerade an Flugreisen gewohnt ist, sorgt sie für einiges an Chaos. Sie liebt aber auch Hugo und findet daher, dass sie durchaus den Anspruch hat mitzuentscheiden, wer sein Herz erobern darf. Mia mag sie, da diese für Hugo nur tiefe Freundschaft empfindet.

Jedes der drei Reiseziele bringt die Freunde voran. Im Paris lernen sie einen Künstler kennen, der ihnen seine Stadt zeigt. Dadurch beginnen sie einfach mal was Neues zu versuchen, dass alles dabei gut geht, ist natürlich nicht gegeben. In Las Vegas geht das Entdecken weiter, sie schaffen es aber auch neues Selbstbewusstsein und schöpfen, Fehler zu entdecken und einfach Mal Spaß zu haben. Im buddhistischen Tempel in Korea haben sie endlich die Gelegenheit in sich selbst zu gehen und die eigene Mitte zu finden. Jede Station ist mit peinlichen Pannen und vielen Gefühlen verbunden, was nicht überraschend sein dürfte.

Victoria Seifried schreibt voller Humor, lässt viele Gefühle einfließen und zeigt ihren Lesern Fehler auf, die jeder von uns macht. So darf Mia einiges vermasseln und schließlich doch Erkenntnis erlangen. Verzweifelt versucht sie zu erkennen, weshalb ihre Beziehung zerbrach. Sie geht sogar so weit ihrem Ex nachzuspionieren, doch als sie die Wahrheit erkennt, wird es umso schmerzlicher. Sich einzugestehen, dass man selbst die Schuld trägt, ist nie einfach.

Während Mia Selbsterkenntnis erlangt, bekommt Hugo den Mut seine Schüchternheit zu überwinden. Nach und nach öffnet er sich, flirtet, macht bei einem Wet-T-Shirt-Kontest mit und verliebt sich schließlich. Auch bei ihm gibt es Rückschläge, doch davon lässt er sich nicht aufhalten.

Die Geschichte ist voller Pannen, Chaos und Katastrophen. Sie hat viel Witz und einen eigenen Charme. Die Protagonisten sind sympathisch und durchaus realistisch. Hier ist nichts perfekt, außer vielleicht der Reise, die alles verändert. Er gibt einiges an Herzschmerz, doch keinen Kitsch im Bezug auf Liebesgeschichten. Das Tolle an der Handlung ist ja, dass es zum Großteil einfach nur um zwei Freunde geht, die etwas verändern wollen.

Fazit
Eine schöne und verrückte Geschichte, die doch mehr beinhaltet, als man glauben würde. Obwohl nicht alle Taten der Protagonisten als positiv angesehen werden können, überwiegt doch deren Entwicklung. Auf humorvolle Weile wird dem Leser vor Augen geführt, dass man manchmal loslassen und neues wagen muss, wenn das Leben nicht mehr so läuft wie gewohnt. Es ist schwer über den eigenen Schatten zu springen, allerdings ist es oft die einzige Option, die bleibt.

Veröffentlicht am 24.03.2018

Feuer und Wind

Feuer und Wind
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Inhalt
In einer Zeit, in der die Natur dem kalten Stahl und Glas weichen musste, leben die Menschen für Träume. Sie schaffen sich virtuelle Realitäten, in denen sie ein anderes Leben betrachten können, ...

Inhalt
In einer Zeit, in der die Natur dem kalten Stahl und Glas weichen musste, leben die Menschen für Träume. Sie schaffen sich virtuelle Realitäten, in denen sie ein anderes Leben betrachten können, wenn nicht gar Teil davon werden. Jen arbeitet gerade an der Simulation Islands in der Zeit der Wikinger. Als Sprachkünstlerin versucht sie das Erlebnis so real wie möglich zu gestalten. Um ihre Arbeit zu überprüfen, steigt sie selbst in einen Tank, doch es geschieht das Unmögliche, statt in der Simulation, landet sie tatsächlich in Island des 10. Jahrhunderts. Heirik Rakknason, der Clanführer der Gruppe, die sie findet, nimmt sie als Gast in den Clan auf. Wegen seines Feuermals ist Heirik gefürchtet und geachtet, doch vor allem als unantastbar angesehen. Jen ist jedoch fasziniert von ihm und fühlt sich zu ihm hingezogen. Ist jedoch eine Zukunft mit ihm möglich, wenn alles eine Simulation sein könnte?

Meine Meinung
Eine Zeitreise in eine unbekannte Zeit. Alles sollte nur eine Simulation sein, doch plötzlich wird daraus harte Realität. Wie reagiert man, wenn man in eine solche Situation kommt? Wie erkennt man, dass man unwissend ist und doch viel Wissen besitzt? Jen wollte nur eine virtuelle Realität schaffen, dass es für sie zur Realität wird, damit hätte sie jedoch nicht gerechnet.

Jen ist eine Sprachkünstlerin, die versucht ein virtuelles Island entstehen zu lassen. Sie arbeitet hart daran, es so authentisch wie möglich zu gestalten. Ein altes Tagebuch hilft ihr dabei diese Welt aufzubauen. Für sie ist dieses Projekt etwas, was sie mit ganzem Herzen einnimmt. Sie hätte allerdings nie damit gerechnet, dass sie ihre erträumte Welt mal tatsächlich betreten würde. In der Vergangenheit angekommen, bleibt ihr nichts anderes übrig als zu lügen. Zwar glaubt sie erst in der Simulation zu sein, doch dafür fühlt es sich einfach zu real an. Dann begegnet sie auch noch Heirik, dem Clanführer, und verliebt sich Hals über Kopf in ihn. Während sie ihn näher kennen lernt, lebt sie sich im Clan ein und muss einsehen, dass nicht alle davon begeistert sind, das sie ihm näher kommt.

Heirik Rakknason ist mit seinen 22 bereits Clanführer. Die Menschen achten und fürchten ihn, denn ein großes Feuermal, das auch einen Teil seines Gesichts bedeckt, zeichnet ihn. Es heißt, dass seine Mutter einen Segen über ihn sprach, nachdem ihn niemand mehr berühren darf und auch er niemanden berührt. Heirik hält sich von den Menschen emotional fern, doch als er Jen, die durch ein Missverständnis Ginn genannt wird, kennen lernt, entdeckt er die Sehnsucht nach einer Partnerin. Obwohl er daran glaubt anderen Menschen durch Berührung Unglück zu bringen, kann er seine Gefühle ihr gegenüber kaum beherrschen. Doch darf er ihr tatsächlich näher kommen, wenn manche daran glauben, dass dies dem Clan schaden könnte?

Die Annäherung zwischen Jen/Ginn und Heirik verläuft nur langsam, denn obwohl das Interesse vorhanden ist, ist erstmal ein gewisser Abstand zwischen ihnen. Durch Blicke, Gespräche und schließlich Berührungen entstehen Nähe und damit auch Gefühle. Heirik, der daran gewöhnt ist allein zu sein, ist unerfahren, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht. Doch nach und nach wird klar, dass er nach dieser Nähe hungert.

Obwohl die Handlung nicht übermäßig vor Spannung trieft, ist sie überaus fesselnd. Larissa Brown legt Wert darauf, dass das Geschehen sich um Jen/Ginn abspielt. Sie lernt das Leben in der fremden Zeit kennen, entdeckt neues und damit auch Heirik. Es ist dieses Kribbeln, die langsam aufkommenden Gefühle, der Drang mehr zu erfahren, wovon dieses Buch lebt.

Die Atmosphäre ist unglaublich, die Charaktere sympathisch und die Beschreibungen wunderbar bildhaft. Die Autorin schafft es den einfachen Alltag interessant zu gestalten und doch durch Wendungen immer wieder Höhepunkte aufzustellen. Die Antagonisten werden unauffällig eingeflochten, sie wollen die Beziehung zwischen Heirik und Ginn verhindern und stiften immer mal wieder Unruhe und sorgen für Unannehmlichkeiten. Der Leser darf sich über diese Charaktere aufregen, da er dich mehr bemerkt als die Protagonisten, da diese die Wahrheit manchmal nicht sehen wollen. Überaus gelungen waren auch die Beschreibungen der Landschaft. Die Wildheit der Natur und die Schwierigkeiten des Lebens wurden toll eingefangen und zu Papier gebracht.

Fazit
Aus dem 22. Jahrhundert ins Jahr 920, nicht gerade eine alltägliche Reise. Jen erlebt das Unmögliche und muss sich ein ganz neues Leben aufbauen. Sie reagiert zwar nicht immer auf die erwartete Weise, doch dadurch macht sie die Sache interessant. Brown hat keine einfache Geschichte geschrieben, allerdings eine überaus unterhaltsame. Darüber hinaus war es auch absolut faszinierend mal etwas über Island zu lesen, wenn auch der Großteil der Handlung Fiktion war.