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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 26.01.2020

Ubuntu für alle

I am because you are
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Während einige Lektionen sehr nach an Persönlichkeitsentwicklungen, Achtsamkeitstraining und inneren Einstellungen sind, gehen andere anhand historischer Belege und Beispielen einen anderen Weg. Diese ...

Während einige Lektionen sehr nach an Persönlichkeitsentwicklungen, Achtsamkeitstraining und inneren Einstellungen sind, gehen andere anhand historischer Belege und Beispielen einen anderen Weg. Diese Mischung fand ich sehr gelungen, um zu zeigen, wie Ubuntu jeden Lebensbereich durchdringt. Denn zur Philosophie gehört nicht nur, dass jeder Mensch sich aus seinen oder ihren Mitmenschen selbst erkennt, sondern auch, dass er/sie/es jeden anderen Menschen mitprägt. Ubuntu predig also Reflexion über unsere eigene Individualität, sondern auch die über die Auswirkungen, die unser Handeln bei anderen hat.
Jedem Kapitel geht ein weisendes Zitat voran und jedes wird durch eine kurze Zusammenfassung abgeschlossen. So erzeugt das Eingangszitat bereits bestimmte Stimmungen, die durch Erklärungen, Anekdoten und Geschichten ausgeführt werden und am Ende übersichtlich und prägnant auftauchen. Eine gelungene Mischung, um das Gelesene auf sich wirken zu lassen und die Erkenntnisse auf mehreren Ebenen zu verinnerlichen.
Faszinierend fand ich vor allem den historischen Bezug zur Anti-Apartheit-Bewegung und der gesellschaftlichen Aufarbeitung des kulturellen Trauma. Ein Bereich in dem ich – shame on me – nur rudimentäre Kenntnisse habe und das hier über unterschiedliche Fakten und Bezüge immer wieder angerissen wird. Gerade hier wird die Bedeutung und Auswirkung von Ubuntu beeindruckend deutlich und wichtig gemacht. Die Möglichkeiten zur Aussöhnung und zur persönlichen wie gesellschaftlichen Weiterentwicklung finde ich großartig.

  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 29.11.2019

Spaß für die ganze Familie

Emmi und Einschwein 4
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Es ist Einschweins erste Weihnachten und natürlich soll das wunderwonnig werden. Es wird dekoriert und gebacken und natürlich auch die Wunschzettel geschrieben, damit Wuschel, der Wunschwichtel, dem Weihnachtsmann ...

Es ist Einschweins erste Weihnachten und natürlich soll das wunderwonnig werden. Es wird dekoriert und gebacken und natürlich auch die Wunschzettel geschrieben, damit Wuschel, der Wunschwichtel, dem Weihnachtsmann sagen kann, was die Kinder sich wünschen. Doch irgendetwas stimmt mit Wuschel nicht. Seltsame Briefe flattern in die Briefkästen aller Leute in Wichtelstadt. Emmi und Einschwein wird klar, sie müssen etwas unternehmen, um Weihnachten zu retten.
Die Handlung selbst ist großartig angelegt und mitreißend spannend. Emmi und Einschwein begeben sich auf Spurensuche und enttarnen so, wie arg es um das Weihnachtsfest tatsächlich steht. Dabei sind die beiden relativ souverän und manchmal kommen sie mit den einfachsten Ideen am weitesten. Schön für die Vorweihnachtszeit ist natürlich, dass die 24 Kapitel sich zum Adventslesen anbieten. Auch für Kindergartengruppen und Schulklassen kann das Buch, gerade weil Weihnachten ohne religiösen Bezug daherkommt, eine Möglichkeit für die gemeinsame Gestaltung des Dezembers sein.
Mit amüsanten, aber vor allem spannenden Wendungen und Kapiteln, die keinesfalls überbrücken, sondern immer eine eigene kleine Geschichte erzählen und dabei den großen Spannungsbogen nicht vergessen, ist auch dieses Emmi und Einschwein Buch großartig zum Vorlesen oder für junge Leser:innen geeignet. Einschweins Wortspielereien können aber mitunter für Verwirrung sorgen, machen aber auch beim gemeinsamen Lesen großen Spaß. Schön ist, dass seine Formulierungen oft nochmal von der personalen Erzählstimme kommentiert werden. Das wirkt aber zum Glück eher wie eine Ergänzung, als wie eine Erklärung.
Emmi ist ein Charakter, den Kinder wie Erwachsene lieben. Sie ist weder affektiert noch überaus impulsiv, sondern reflexiv und nachdenklich. Vielleicht manchmal etwas zu reflexiv für eine Zehnjährige, aber das macht Einschwein mit einer Infantilität wieder wett. Gemeinsam sind die beiden ein super Team, dass bei uns geschlechtsunabhängig und altersunabhängig großen Spaß verbreitet hat.

Veröffentlicht am 29.11.2019

Toller Lesespaß

Lara und die freche Elfe im Winterwald
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Lara und ihre Mama stapfen durch einen verschneiten Wald zum Tiergehege mit den Wildschweinen. Dort angelangt stellt Mama fest, dass ihr Handschuh fehlt. Doch nicht nur sie hat etwas verloren. Die freche ...

Lara und ihre Mama stapfen durch einen verschneiten Wald zum Tiergehege mit den Wildschweinen. Dort angelangt stellt Mama fest, dass ihr Handschuh fehlt. Doch nicht nur sie hat etwas verloren. Die freche Elfe Fritzi vermisst ihre Mütze. Waren es etwa gemeine Mützendiebe? Gemeinsam machen sich Lara und Fritzi auf Mützensuche. Allerlei seltsame Spuren und Überraschungen warten dabei auf sie.

Lara und Fritzi sind erfrischend lebensecht. Zwischen der frechen und willensstarken Elfe ist Lara fast schon eine erwachsene Instanz. Sie erinnert Fritzi daran, dass sie bei der Kälte eine Mütze braucht und beruhigt das erhitzte Gemüt, sobald der vermeintliche Mützendieb gefunden ist. Die energiegeladene Fritzi ist so ganz untypisch elfisch, dass hier nicht etwa Klischees bedient, sondern innovativ Literatur für junge Leser geschaffen wird.

Für Erstleser angenehm sind Wortgruppen, die sich wiederholen und dabei nicht immer stupide reproduziert, sondern in Varianten genutzt werden. Das freut auch zuhörende Eltern. Nach jedem Kapitel dürfen die Kinder sich einen Sticker einkleben, der bei uns immer heiß ersehnt wird. „Mama, ich lese noch bis zum nächsten Aufkleber“, heißt es dann und schwubbs, lesen wir halt nochmal ein Kapitel.

Veröffentlicht am 29.11.2019

Bin begeistert

Wasteland
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Wie schreibt man eine Rezension, die mit jedem Wort schreibt, dass ich begeistert bin, denn dieser Roman hat mich regelrecht umgehauen. Nicht nur, dass im Roman wie versprochen gendergerecht jegliche uns ...

Wie schreibt man eine Rezension, die mit jedem Wort schreibt, dass ich begeistert bin, denn dieser Roman hat mich regelrecht umgehauen. Nicht nur, dass im Roman wie versprochen gendergerecht jegliche uns bekannten geschlechtsabhängigen Strukturen abgelegt wurden, es treten auch Enbys und trans Personen auf, verschiedene Gesellschaftsentwürfe und soziale Konzepte. Durchaus lässt sich eine im Roman als ideal erscheinende Lebensweise herauslesen. Der handgebundene Markt, auf dem Zeeto lebt, ist eine Art Polyamouröse Großfamilie mit drei Matriarchinnen, die durchaus mehr zu sagen haben, obwohl auf dem Markt theoretisch jede Stimme gleich gewertet wird. Ihr merkt, auch dort sind alle gleich, aber manche noch ein bisschen gleicher.
Auch andere Gesellschaften kommen vor. Strikte Hierarchien, ominöse Sekten, Kleinfamilien, wobei „Monarchien“, Demokratien, Kommunismus und andere nahezu den gleichen Raum im Roman einnehmen. Diese Vielfalt finde ich für eine Postapokalypse sehr logisch und auch die Art und Weise, wie sie dargestellt werden, ist absolut durchdacht und wirklich grandios. Genauso genial sind die Ausarbeitungen der Figuren. Keinesfalls werden hier einfach nur typische Frauen- und Männerrollen zu vertauscht. Stattdessen wird gerade das „Typische“ komplett aufgebrochen und absolut geschlechtsunabhängig verteilt.
Faszinierend finde ich auch, wie sehr mich das Buch zum Nachdenken und Umdenken angeregt hat. Wie oft ich etwas für selbstverständlich angenommen habe und danach erkannt habe, dass gerade darin ein Problem besteht, kann ich nicht erzählen, ohne zu spoilern. Doch ich finde es erschreckend, wie oft ich toxisches Verhalten als „normal“ empfunden habe. Übergriffigkeiten und anscheinende Erhabenheiten werden als solche enttarnt und das Buch hat das beste gemacht, was ein Buch machen kann: mich als Mensch zum Besseren verändert.

Veröffentlicht am 09.10.2019

Ausführliche Übungen

Yoga nach der Schwangerschaft
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Nach der Geburt ihres Kindes war Romana Lorenz-Zapf schnell frustriert. Ihre Vorstellung, wie einfach es sein würde, nach der Geburt weiterhin Yoga zu machen und zu unterrichten, entsprach nicht der Realität. ...

Nach der Geburt ihres Kindes war Romana Lorenz-Zapf schnell frustriert. Ihre Vorstellung, wie einfach es sein würde, nach der Geburt weiterhin Yoga zu machen und zu unterrichten, entsprach nicht der Realität. Sie musste nicht nur mit der Versorgung ihres Kindes einen neuen Alltag kennenlernen, sondern sich auch mit den Veränderungen ihres Körpers durch die Schwangerschaft und die Geburt klarkommen. Von diesen Erlebnissen ist die Einführung in das Buch geprägt. Immer wieder wird dabei darauf zurückgegriffen, dass Yoga dem eigenen Körper und den eigenen Möglichkeiten angepasst werden darf und soll.
Dabei gilt den psychischen Veränderungen und der nötigen Reflexion genauso viel Platz wie den möglichen körperlichen. Auf die Belastung des Beckenbodens und des Gewebes wird ebenso eingegangen, wie auf mütterliche Erschöpfung und die Verantwortung, mit der die Mutter durch die Geburt des Kindes konfrontiert wird. Etwas verloren geht mir dabei eine kritische Betrachtung gerade des zweiten Punktes. Mutterschaft wird teilweise als höhere Aufgabe mystifiziert. Gelungen fand ich dagegen die Einführung in Yoga selbst, die Bedeutung der Atemtechniken und die Philosophie dahinter.
Den Überlegungen schließen sich ausführliche Beschreibungen von Übungen mit Bildern an. In verschiedenen Schwierigkeitsgraden haben die Autorin und der Autor Yoga-Einheiten zusammengestellt, die unterschiedliche Körperregionen ansprechen. Je nach eigener Einschätzung, Zeit und Trainingsgrad kann man so ein individuelles Training absolvieren. Auch eine leichte Reihe für den Einstieg oder sehr stressige Tage ist dabei, genauso aber auch regelrechte Profi-Übungen.