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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 11.08.2022

Hat Potenzial zu einer Reihe

Tod am Neusiedler See
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Nikolaus Lauda, nach eigenen Angaben mit dem Rennfahrer weder verwandt noch verschwägert, sondern ein ursprünglich aus Wien stammender Kriminalbeamter, der jahrelang in Essen gelebt und gearbeitet hat, ...

Nikolaus Lauda, nach eigenen Angaben mit dem Rennfahrer weder verwandt noch verschwägert, sondern ein ursprünglich aus Wien stammender Kriminalbeamter, der jahrelang in Essen gelebt und gearbeitet hat, will in der kleinen Freistadt Rust am Neusiedlersee untertauchen. Er war in Essen einem Mafiaclan auf der Spur, der seine Ehefrau Luise ermordet hat.

Doch auch in Rust kommt er nicht zur Ruhe, denn just am Tag nach seiner Ankunft wird im nahen Steinbruch St. Margarethen, die Leiche einer Journalistin gefunden. Für den Chefinspektor Kammer ist klar: der Neue, der Fremde muss der Täter sein.

Um seine Unschuld zu beweisen, stellt Nikolaus Lauda eigene Ermittlungen an. Unterstützt wird er dabei von Bella, einer herrenlosen Hündin. Ein Wettlauf mit der Zeit beginnt, denn auch die Mafia kommt ihm wieder auf die Spur und schickt ein Vollstrecker-Duo.

Als dann noch Kammer, der sich ja auf Lauda als Mörder ziemlich schnell festgelegt hat, ermordet wird, ist das Problem für Nikolaus nicht wirklich kleiner geworden.

Meine Meinung:

Lukas Pellmann hat einen etwas eigenwilligen Schreibstil, der allerdings zu diesem Krimi recht gut passt. Mit seinem trockenen Humor enthüllt der als Ich-Erzähler auftretende Nikolaus Lauda häppchenweise die gesamte Geschichte.

Wir begegnen unterschiedlen Charakteren, um nicht zu sagen „Typen“. Manche(s) wirkt überzeichnet wie die dümmlichen Mafiakiller oder die neugierigen Dorfbewohner oder die allen Fremden gegenüber misstrauischen Polizisten. Eine recht einnehmende Figur ist die Taxilenkerin, allgemein nur „Taxiprucknerin“ genannt, die Laudas Frau Luise von früher her kennt oder die Bürgermeisterin, die immer nur „Josef“ gerufen wird, weil das der unter Österreichs Bürgermeistern der häufigste Vorname ist. Und überhaupt spielt das dichte Beziehungsgeflecht von Rust und der näheren Umgebung eine gewichtige Rolle.

Allerdings finden auch ernste Themen Eingang in diesen Krimi: So kommen Umweltverschmutzung durch im Steinbruch vergrabene Fässer mit Giftmüll zur Sprache wie auch die Machenschaften einzelner Baukartelle. In einem Ort, in dem man sich kennt, werden, weiß am auch um solche offenen Geheimnisse.

Grinsen musste ich über die Namen einzelner Mitspieler. Denn auch wenn zu Beginn (wie in jedem Buch) steht, dass dieser Roman reine Erfindung wäre und die Namen der Personen rein zufällig sind, gibt es doch einige Namen, die uns Lesern bekannt vorkommen. Neben dem Nikolaus Lauda kommt auch ein Günter Netzer vor – Fußballfans werden den bei Borussia Mönchengladbach und später bei Real Madrid bzw. Grashoppers Zürich spielenden Langhaarigen sicher kennen. Witzig auch, dass Lukas Pellmann eine TV-Serie, die in der Gegend spielte, mehrfach nennt.

Der Autor kann ein wenig seine persönliche Herkunft in diesem Krimi unterbringen, ist er doch 1975 selbst in Essen geboren und lebt seit 1990 in Wien.

Bin schon gespannt, ob Nikolaus Laude hier in Österreich weiter ermitteln darf. Einige Figuren hüten so manch ein Geheimnis, das Potenzial zu einer Fortsetzung hat.

Fazit:

Ein gelungener Regionalkrimi, der Land und Leute sehr gut beschreibt. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Mühlviertler Gift
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Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der ...

Das Team rund um Oskar Stern hat sich noch kaum von Edwins Tod erholt hat, als ein, in der Politik gut bekannter Geschäftsmann auf einer Parkbank sitzend tot aufgefunden wird. Schnell ist klar, dass der Mann vergiftet worden ist.

Um Mara Grünbrecht, Edwins Verlobte aus ihrer Trauer herauszuholen, beschließt Chefinspektor Oskar Stern, sie in die Ermittlungen einzubeziehen, vor allem als klar wird, dass der Tote seine Ehefrau regelmäßig schwerst misshandelt hat. Stern zählt auf Maras Instinkt und darauf, dass die Ehefrau des Mordopfers eher mit einer Frau als mit einem Mann über ihr Martyrium spricht.

Natürlich sind die nahen Angehörigen in erster Linie verdächtig. Vor allem in diesem Fall, in dem die Mutter und die Schwester der Witwe einen Freudentanz aufführen und auch noch wie Pech und Schwefel zusammenhalten.

Doch ist die Lösung des Falls wirklich so simpel?

Meine Meinung:

Eva Reichl hat hier einen ganz tollen Krimi geschrieben. Zum einem thematisiert sie das Trauma, wenn ein Kollege im Dienst stirbt und zum anderen schreibt sie über häusliche Gewalt, die quer durch alle Gesellschaftsschichten präsent ist.

Gut gelungen ist die Gratwanderung bei der Trauerbewältigung um Edwins Tod (siehe „Mühlviertler Kreuz-4“). Der Dienst, der durch den Verlust eines Kollegen stark belastet ist, muss weitergehen. Die Kollegen sind da ziemlich gefordert und der Neue im Team hat es nicht wirklich leicht. Doch Oskar Stern ist ein guter Vorgesetzter, der auch die manchmal unwirsch reagierende Mara Grünbrecht zur Räson bringt.

Eva Reichl legt sowohl für die Leser als auch für die Ermittler zahlreiche Spuren, von denen die eine oder andere anfangs viel verspricht, um anschließend in einer Sackgasse zu münden.

Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Sie dürfen ihre Ecken und Kanten haben, sowie Gefühle wie jeder Mensch zeigen.

Schmunzeln musste ich, als Mara den Dienstwagen havariert hat, das Team auf ein neues, schnelles Fahrzeug hofft und alle enttäuscht werden.

Fazit:

Ein sehr gut gelungener Krimi, der ernste Themen anspricht und sehr gut auflöst. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Eine widersprüchliche Persönlichkeit

Der Kinderpapst
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Peter Prange ist der Großmeister des historischen Romans und hat sich diesmal einer höchst umstrittenen Persönlichkeit gewidmet: Papst Benedikt IX., jenem Mann, der eigentlich Theophylakt III. von Tusculum ...

Peter Prange ist der Großmeister des historischen Romans und hat sich diesmal einer höchst umstrittenen Persönlichkeit gewidmet: Papst Benedikt IX., jenem Mann, der eigentlich Theophylakt III. von Tusculum heißt, und hier latinisiert zu Teofil wird, und der zwischen 1032 und 1048 insgesamt dreimal zum Papst ausgerufen worden ist.
Man schreibt das Jahr 1032. Papst Johannes XIX., Teofils Onkel ist eben gestorben und nun soll der noch minderjährige Teofil seinen Platz einnehmen, um Ansehen, Macht und Vermögen der Familie zu mehren. Teofil wird von seiner bigotten und ehrgeizigen Mutter in die Rolle des Papstes getrieben, obwohl er viel lieber mit Chiara di Sasso eine Familie gründen möchte. Sowohl Teofil als auch Chiara werden zu Spielbällen der Politik, die weder vor Intrigen und Mord zurückschreckt. Was letztendlich dabei herauskommt sind Aufstände in Rom, die zur (mehrmaligen) Absetzung von Benedikt IX. führen sowie mehr oder weniger zeitgleich drei Päpste.

Meine Meinung:

Die Lebensgeschichte des historischen Theophylakt III. von Tusculum bietet, da weder sein Geburts- noch sein Sterbedatum exakt überliefert sind, Stoff für den vorliegenden dramatischen historischen Roman. Selbst ob er wirklich mit 10, 12 oder 14 Jahren zum Papst gemacht worden ist, liegt im Dunkel der Geschichte. Nachfolgende Päpste bzw. Geschichtsschreiber haben ihn natürlich in ihrem Sinne verunglimpft. Ob er wirklich der beschriebene Wüstling und Machtmensch war, lässt sich ob der dürftigen Quellenlage nicht feststellen. Vermutlich wird wohl ein Körnchen Wahrheit in den Überlieferungen stecken. Wasser für die Gläubigen predigen und selbst Wein trinken, war schon seit Langem geübtes Brauchtum in der Kirche.

Aber, es wäre nicht Peter Prange, der aus einer solchen widersprüchlichen Figur einen opulenten historischen Roman erzeugen könnte. Dem Menschen Teofilo stellt Peter Prange zwei Menschen zur Seite, die seinen Werdegang bestimmt maßgeblich beeinflusst haben: Da ist zu einem seine äußerst ehrgeizige und bigotte Mutter Ermilina und zum anderen den Kanzler des Papstes Petrus da Silva. Für da Silva kann ich ja noch Sympathien aufbringen, doch Ermilina ist mir zutiefst unsympathisch mit ihrer Frömmlerei.
Der Schreibstil ist wie immer opulent. Doch hin und wieder blitzt eine viel zu moderne Sprechweise durch. Gut getroffen ist der Sprachduktus, wenn Teofil spricht von sich spricht: Er hat es nicht verinnerlicht von sich im Pluralis Majestatis zu sprechen.

Fazit:

Trotz dürftiger Quellenlage ein spannender historischer Roman. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 09.08.2022

Open Your Mind - mit und ohne Chemie

Yoga, Tee, LSD
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Open Your Mind – mit und ohne Chemie!

Andrea Jungaberle ist Notfallmedizinerin und Anästhesistin. Als solche sind ihr Drogenge- und missbrauch sehr gut bekannt. Zusätzlich forscht sie seit Jahren intensiv ...

Open Your Mind – mit und ohne Chemie!

Andrea Jungaberle ist Notfallmedizinerin und Anästhesistin. Als solche sind ihr Drogenge- und missbrauch sehr gut bekannt. Zusätzlich forscht sie seit Jahren intensiv zum Thema Bewusstseinserweiterung. Nun hat sie dieses Sachbuch geschrieben.

Obwohl es hier um ein ernstes Thema geht, kommt auch der Humor nicht zu kurz. Jedes Kapitel hat einen Songtext als Überschrift:

Let`s Talk About Drugs, Baby
It Ain´t Me Babe - Was hat das alles mit dir zu tun?
Skandal im Sperrbezirk - legale und illegale BEwusstseinsänderung
Money for Nothing - Von Gurus, Möchtegern-Experten und dreisten Abzockernn
Walking on the Moonv- Erleben in psychedelischen Erfahrungen
No Milk Today - nichtpaharmakologische Techniken, um das Bewusstsein zu erweitern
Light my Fire - Alkohol, Nikotin und Koffein
Black Hole Sun - Antidepressiva und Antipsychotika
The Drugs don`t Work - Opiate, Beruhigungsmittel, Ketamin, Stimulantien und Cannabis
The End Of The World We Know It - Psychedelika und Entaktogene
Losing My Religion - Das Problem der kulturellen ANeignung und die gesellschaftliche Verantwortung
Major Tom To Ground Control - Integration und bewusster Substanzgebrauch
I Just DIed In Your Arms Tonight - Tripsitting, Notfälle und und psychische Störungen
Wind Of Change - Magic Mushrooms auf Rezept

Die Autorin lädt in ihrem Buch die Leser ein, sich eingehend mit dem Thema zu beschäftigen und zu hinterfragen, was Drogen eigentlich wirklich „können“ und was nicht.

Der Schreibstil ist weder reißerisch noch verharmlosend, sondern fachlich fundiert. Die zahlreichen weiterführenden Tipps regen an, sich mit der Materie weiter zu beschäftigen.

Fazit:

Das Buch ist unterhaltsam, persönlich und mit großem Engagement geschrieben. Risken und Nebenwirkungen? Eine Horizonterweiterung für diejenigen, die sich mit diesem Thema befassen wollen. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 06.08.2022

1919 - Jahr der Frauen?

1919 - Das Jahr der Frauen
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Unda Hörner beleuchtet in diesem Buch das Leben verschiedener, vornehmlich deutscher Frauen im Jahr 1919.

Die Idee, die Ereignisse jeweils nach den Kalendermonaten zu sortieren hat mir ausnehmen gut ...

Unda Hörner beleuchtet in diesem Buch das Leben verschiedener, vornehmlich deutscher Frauen im Jahr 1919.

Die Idee, die Ereignisse jeweils nach den Kalendermonaten zu sortieren hat mir ausnehmen gut gefallen. Was mir weniger gut gefallen hat, ist die Tatsache das Alma Mahler-Gropius (später dann Alma Mahler-Werfel) sage und schreibe in 10 (zehn!) Monaten vorkommt. Alma Mahler-Gropius ist eine egoistische Frau, die für andere bzw. nachfolgende Frauen genau gar nichts getan hat. Ihr ganzes Bestreben kreist um Alma Mahler-Gropius. Der Rest der Welt ist ihr egal.

Dabei gäbe es in Österreich andere Ereignisse und interessante Frauen, die im Jahr 1919 von Bedeutung sind: Adelheid Popp, Maria Tusch, Hildegard Burjan und weitere sieben Frauen ziehen in diesem Jahr erstmals ins Parlament ein. Frauen werden endlich zum Studium an der Technischen Hochschule, Tierärztlichen Hochschule, Hochschule für Bodenkultur, zu den Rechts- und Staatswissenschaftlichen Studien und zur Hochschule für Welthandel zugelassen. Da braucht es die exzentrische Alma nicht.

Der Schreibstil selbst ist locker und flüssig. Die einzelnen Personen können natürlich nur angerissen werden.

Was ich vermisse: Quellenangaben und weiterführende Literatur.

Fazit:

Wer gerne einen kurzen Überblick über das Jahr 1919 aus Frauensicht haben möchte, ist hier richtig. Für mich ist die Suppe ein wenig zu dünn, daher nur 3 Sterne.