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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 16.10.2022

Eine gelungene Fortsetzung

Tausend wogende Wellen
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Als der frühpensionierter Kriminalbeamte Joe Prohaska anlässlich der Beerdigung seiner alten Tante Olga in dem kleinen Ort in Slawonien eintrifft, begegnet er seiner Jugendliebe Lydia, die seinerzeit mit ...

Als der frühpensionierter Kriminalbeamte Joe Prohaska anlässlich der Beerdigung seiner alten Tante Olga in dem kleinen Ort in Slawonien eintrifft, begegnet er seiner Jugendliebe Lydia, die seinerzeit mit ihrer Mutter nach Kanada ausgewandert ist. Sie zeigt ihm einen geheimnisvollen Brief, den Olga ihr hinterlassen haben soll und recht bald wird Joe mit Gerücht, die alte Olga sei keines natürlichen Todes gestorben, konfrontiert. Doch wie recherchiert man ohne Befugnis und noch dazu im Verwandtenkreis?

Und was haben die seltsamen Andeutungen von Neven Popović Lydia gegenüber zu bedeuten?

Als Joe sich dann doch breitschlagen lässt, ein wenig nachzuforschen, kommen einige streng gehütete Familiengeheimnisse ans Tageslicht, die vermutlich besser ungedeckt geblieben wären.

Meine Meinung:

Dieser 5. Fall für Joe Prohaska ist eher das Psychogramm einer Sippe, denn ein Krimi. Ja, es wird zwar gemordet und irgendwie sind einige Familienmitglieder darin verstrickt, aber wer einen Krimi mit „Tat, Kriminaltechnik, Tätersuche und Fahndungserfolg“ erwartet, liegt hier nicht ganz richtig. Joe Prohaska ist nach einem missglückten Einsatz in Deutschland frühpensioniert worden und verbringt seinen Lebensabend in Kroatien. Ermitteln will er eigentlich nicht mehr. Dennoch stolpert er in den einen oder anderen Todesfall - wie eben jenen von Tante Olga. Obwohl der Krimi eher langsam daherkommt, ist es spannend Joe bei seinen Recherchen über die Schulter zu schauen. Die dabei entdeckten Familiengeheimnisse werfen ein nicht allzu schönes Bild auf so manches Familienmitglied.

Fazit:

Ein ruhiger Krimi, der ob der Verstrickungen diverser Familienmitglieder der Vergangenheit und Gegenwart, ein interessantes Psychogramm einer Sippe abgibt. Gerne bewerte ich diese Geschichte mit 5 Sternen.

Veröffentlicht am 11.10.2022

Mehr Action als Thriller

Der Diamanten-Coup
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Richter und Autor Patrick Burow hat den spektakulären Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden von 2019 als Hintergrund für sein vom Benevento-Verlag als Thriller beworbenes Buch gewählt.

Der Inhalt ist ...

Richter und Autor Patrick Burow hat den spektakulären Einbruch in das Grüne Gewölbe in Dresden von 2019 als Hintergrund für sein vom Benevento-Verlag als Thriller beworbenes Buch gewählt.

Der Inhalt ist schnell erzählt:

Innerhalb weniger Minuten bricht eine Gruppe Schmuckräuber in das Dresdner Stadtschloss ein und raubt die wertvollsten Diamanten Sachsens und verschwindet unerkannt.

Weil sich der Kunstprofessor und Detektiv Adrian Falke ein paar Tage zuvor ein wenig zu intensiv für die Sicherheitsvorkehrungen im Grünen Gewölbe interessiert hat, was auf den unscharfen Überwachungsvideos deutlich zu sehen ist, wird er sofort von den Ermittlern als Hauptverdächtiger eingestuft.

Es kommt wie es kommen muss: Eine Jagd quer durch Europa, die bis nach Dubai führt.

Meine Meinung:

Ich habe das Buch auf der Bahnfahrt von Wien nach Dresden gelesen. So quasi als Einstimmung auf den Besuch in das Grüne Gewölbe, das allerdings gerade nicht zugänglich war. Die „Türkische Camer“ hat allerdings einen Eindruck geboten, welche Pracht die Königlichen Juwelen dargestellt haben müssen.

In zahlreichen kurzen Kapiteln, die immer wieder die Perspektive wechseln, erhöhen die Spannung. Durch Zeit- und Ortsangaben weiß der Leser immer wann er wo gerade ist und welche Perspektive er einnimmt.

Aus den spärlich bekannt gegebenen Fakten und viel Fantasie „bastelt“ der Autor einen Thriller, der zwar als Script für einen Action-Thriller à la Hollywood taugt, aber bei mir einiges an Kopfschütteln ausgelöst hat. Da sind zum Beispiel die ermittelnden Polizisten, die ziemlich jämmerliche Figuren abgeben. Sie schießen sich ausschließlich auf Adrian Falke ein und ignorieren alles andere. Auch die Schnitzeljagd bis nach Dubai ist vielleicht in den Augen des Autors dramaturgisch notwendig, realistisch ist sie für mich nicht. Ich kenne zwar das Budget der sächsischen Polizei nicht, kann aber nicht vorstellen, dass zwei Beamte der mittleren Ebene einfach mal dahin und dorthin jetten dürfen.

Die Charaktere sind ziemlich schwarz und weiß gehalten: hier die Guten, da die Bösen dazwischen die Doofen.

Besonders Adrian Falke erscheint als Wunderwuzzi, der ähnlich wie Indianer-Jones und James Bond so ziemlich alles kann und nebenbei noch charmant und unwiderstehlich ist, so dass die Direktorin des Grünen Gewölbes Julia Graf natürlich seinem Charme erliegt. Gemeinsam jagen sie die Diebe, die einem arabischen Clan angehören, dem schon mehrere Juwelendiebstähle angelastet werden. Doch wer ist der Auftraggeber? Der wird, für meinem Geschmack, letztlich ein bisschen wie das sprichwörtliche Kaninchen aus dem Zylinder gezaubert.

Doch ich will nicht nur meckern. Die Aufmachung des im Benevento-Verlag erschienene Buch ist aufwändig und optisch sehr gut gelungen. Da muss man dem Grafiker ein großes Lob aussprechen.

Der Schreibstil ist dem Genre gemäß einfach, aber effektvoll. Das Buch lässt sich locker in wenigen Stunden lesen.
Was ein wenig schmerzt, ist die Marketing-Strategie, die vorgibt, diese Geschichte wäre ein „True-Crime“-Thriller. Das ist das Buch mitnichten. Der außergewöhnlich Coup dient nur als Aufhänger.

Fazit:

„Der Diamanten-Coup“ beschert seinen Lesern einige spannende Lesestunden, ist aber für mich kein Thriller. Das Buch hat mich gut unterhalten, erhält aber wegen der zahlreichen Ungereimtheiten nur 3 Sterne.

Veröffentlicht am 11.10.2022

Interessantes Sachbuch

Global Female Future
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Herausgeberin Andrea Zelinka sammelt in diesem Buch die Statements 40 verschiedener Frauen aus verschiedenen Ecken der Welt.

Diese Frauen betrachten die feministischen Auseinandersetzungen der letzten ...

Herausgeberin Andrea Zelinka sammelt in diesem Buch die Statements 40 verschiedener Frauen aus verschiedenen Ecken der Welt.

Diese Frauen betrachten die feministischen Auseinandersetzungen der letzten Jahrzehnte. So erhält die Leserschaft Einblick in die Fortschritte auf dem Weg zu einem selbst bestimmten Lebensweg und noch viel mehr in die feministischen Auseinandersetzungen, wenn es darum geht, Veränderungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft durchzusetzen.

Die Beiträge sind in sechs Themengruppen eingeteilt:

(Anti)Rassismus und Postkolonialismus
Gewalt
Reproduktion
Politik
Arbeit
Umwelt und Klima

Beiträge und Interviews mit Cânân Arın, Iris Frey, Verónica Gago, Wendy Harcourt, Naila Kabeer, Gaby Küppers, Shalini Randeria, Rocío Silva Santisteban, Nadia Shehadeh, Christa Wichterich, Weina Zhao sowie anderen, zeigt deutlich, dass das Ende des Kampfes noch lange nicht vorbei ist.

Meine Meinung:

Das Buch spricht viele feministische Themen an, ist aber in erster Linie eine Hommage an Sigrun Berger (1934-2021), eine der Initiatorinnen der „Frauen*solidarität“.

Diese Zusammenfassung über 40 Jahre Kampf um Gleichstellung, lässt die aktuelle Genderdiskussion in den Hintergrund treten, denn sehr viele der Autorinnen bezahl(t)en ihre Aktivitäten mit dem Verlust von Heimat oder gar mit ihrem Leben.

Fazit:

Eine interessante feministische Sichtweise, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 01.10.2022

Drei Schwestern und ein Versprechen für die Ewigkeit

Die Schwestern von Auschwitz
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Die slowakischen Schwestern Cibi, Magda und Livia versprechen einander und ihrem Vater, immer zusammen zu bleiben. Doch 1942 kommt alles anders! Während die älteste Schwester Magda durch einen Krankenhausaufenthalt ...

Die slowakischen Schwestern Cibi, Magda und Livia versprechen einander und ihrem Vater, immer zusammen zu bleiben. Doch 1942 kommt alles anders! Während die älteste Schwester Magda durch einen Krankenhausaufenthalt der Deprtation vorerst entkommt, bringt man Cibi und Livia nach Auschwitz. Dort müssen sie am Aufbau des Lagers Birkenau mitarbeiten. 1944 wird auch Magda deportiert und die drei Schwestern trotzen gemeinsam dem KZ und den anschließenden Todesmärschen.

Nach Kriegsende kehren die Schwestern noch einmal in ihr Heimatdorf zurück und müssen feststellen, dass ihr Elternhaus von einer fremdem Familie bewohnt wird. Sie verlassen ihre alte Heimat, um im neu gegründeten Staat Israel ein neues Leben zu beginnen.

Meine Meinung:

Dieser Roman ist der zweite, den ich von der Autorin gelesen habe und muss gestehen, „Der Tätowierer von Auschwitz“ hat mir besser gefallen.

Die Geschichte der drei slowakischen Schwestern ist mir persönlich von viel zu vielen Zufällen geprägt, die das Überleben erst möglich gemacht haben. Soviel Glück kann es gar nicht gegeben haben. Natürlich hängt das Überleben in einer Diktatur und hier in der Herrschaft der KZ-Aufseher immer von der Willkür der Mächtigen ab, aber trotzdem bleibt bei mir ein leises Unbehagen.

Im Nachwort beschreibt die Autorin, dass dieser Roman nach wahren Schicksalen und Ereignissen verfasst worden ist. Es sind mehrere Geschichten von Überlebenden zusammengeführt worden. Interessant auch das weitere Leben der Schwestern.

Der Schreibstil ist emotional und balanciert manchmal - für meinen Geschmack - am Rande des Kitsches. Wer es, wie ich, ein wenig sachlicher haben möchte, muss Bücher anderer Autoren lesen.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem emotionalen Roman über drei Schwestern, die Auschwitz überlebt haben, 4 Sterne.

Veröffentlicht am 28.09.2022

Herrlicher Krimispaß

Kalamitäten im Sparverein
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Dass in einem Krimi nicht immer erwürgt, erschossen, erstochen oder sonst wie gestorben werden muss, um eine spannende Geschichte zu erzählen, beweist Thomas Hrabal mit diesem Buch.

Auf Wunsch oder besser ...

Dass in einem Krimi nicht immer erwürgt, erschossen, erstochen oder sonst wie gestorben werden muss, um eine spannende Geschichte zu erzählen, beweist Thomas Hrabal mit diesem Buch.

Auf Wunsch oder besser gesagt auf Befehl des kürzlich verstorbenen Bürgermeisters wird dessen Schwiegersohn, der zugezogene Steuerberater Peter Gerl, als Kassier des örtlichen Sparvereins gewählt. Die Freude der Mehrheit der Sparvereinsmitglieder hält sich in Grenzen, zumal es langjährige Gepflogenheiten gibt, die nun aufzufliegen drohen.

Noch bevor man sich weitere Gedanken machen kann, macht sich Peter Gerl unter Mitnahme der Sparvereinskassa mit dem Stolz der Freiwilligen Feuerwehr, dem Oldtimer-Feuerwehrauto „Barbara“ auf und davon. Die Empörung ist groß, die Wut auch. Als die „Barbara“ in den sozialen Medien als Star einer Fahrzeugbergung in Ungarn gefeiert wird, macht sich eine Gruppe der Dorfbewohner auf, den abtrünnigen Kassier die Leviten zu lesen.

Meine Meinung:

Mit diesem Buch hat mir Autor Thomas Hrabal einige amüsante Lesestunden beschert. Leider war das Buch ruckizucki ausgelesen. Ich hätte da noch einige Seiten mehr „vertragen“.

Thomas Hrabal zeichnet das Bild einer scheinbaren dörflichen Idylle hinter der es brodelt. Obwohl in der Gemeinschaft wenig verborgen bleibt, tut man so als ob alles in Ordnung wäre. Erst mit dem Ausflug auf dem Balkan zerbröckelt die Scheinwelt und die Beziehungen werden neu gemischt.

Die Geschichte wird kurzweilig und flott erzählt und die Charaktere sind gut ausgearbeitet.

Das Glossar am Ende des Krimis gibt Auskunft über nationale Eigenarten der deutschen Sprache.

Fazit:

Ein köstlicher Krimi, der in einer dörflichen Idylle angesiedelt ist, die so idyllisch gar nicht ist. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.