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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ganz große Erzähkunst

Dein Schatten tanzt in der Küche
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Die Doyenne der anspruchsvollen, österreichischen Literatur, Barbara Frischmuth hält mit diesem Buch den zahllosen Büchern, die sich mit „Männergeschichten“ beschäftigen, entgegen.

Ich zitiere die Autorin ...

Die Doyenne der anspruchsvollen, österreichischen Literatur, Barbara Frischmuth hält mit diesem Buch den zahllosen Büchern, die sich mit „Männergeschichten“ beschäftigen, entgegen.

Ich zitiere die Autorin aus den Salzburger Nachrichten vom 14.05.2021: "ich schreibe Frauengeschichten, weil ich eine Frau bin. Seit Jahrtausenden werden Männergeschichten erzählt. Mich interessiert es, über Frauen zu schreiben; da gibt es viel zu entdecken"g

In fünf Erzählungen stellt sie Frauen vor, die ihre Leben meistern, aber auch scheitern (dürfen).

Dein Schatten tanzt in der Küche (Darya)
Enkelhaft (Agnes)
Kein Engel vor meiner Tür“ (Amelie)
Die Katze, die im Sprung gefror (Paula)
Die Rötung der Tomaten im Winter (Doris)

Der Tod ist wie das Leben gegenwärtig.

"Es ist unsere Zeit, wann dann, wenn nicht jetzt, wo wir einander haben. Es gibt kein später, auf das man sich verlassen kann."

Fazit:

Barbara Frischmuth hat mit diesen Essays ganz, ganz große Literatur geschrieben. Dafür gebühren natürlich 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ein komplexer Krimi

Dezembermord
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Klappentext:

Ein packender Kriminalroman im winterlichen Stauferland – knallhart und verstörend realistisch.
Wer ist der unbekannte Mann, der im Göppinger Stauferbrunnen ertränkt wurde? Es gibt keine ...

Klappentext:

Ein packender Kriminalroman im winterlichen Stauferland – knallhart und verstörend realistisch.
Wer ist der unbekannte Mann, der im Göppinger Stauferbrunnen ertränkt wurde? Es gibt keine Zeugen, und die wenigen Spuren führen in eine Sackgasse. Dann wird ein zweiter Toter gefunden, auch er starb durch Ertrinken. Auf den ersten Blick haben die beiden Fälle nichts miteinander zu tun, doch schon bald droht der ehemalige SEK Ermittler Moritz Kepplinger in einem Strudel unvorstellbarer Gewalt unterzugehen. Kann er den nächsten Mord verhindern?

Meine Meinung:

Jochen Frech ist Polizeibeamter und kennt daher das Procedere der Ermittlungen genau. Sehr detailliert schildert er deshalb das Vorgehen der Polizisten. Das geht leider ein wenig auf Kosten des Leseflusses und der Übersicht. Denn es sind, wie in Wirklichkeit, zahlreiche Personen an der Auflösung des komplexen Falles beteiligt. Den einsamen Wolf oder ein sich ergänzendes Duo, mit denen es der Leser häufig in Krimis zu tun bekommt, sucht man hier vergebens. Teamwork ist angesagt, auch wenn es zwischen den einzelnen Personen manchmal knirscht.

Schnelle Perspektivenwechsel zwischen vier Ermittlern und zwei Tätern verwirren den einen oder anderen Leser genauso wie die große Anzahl von Mitwirkenden. Das geht leider auf Kosten der Spannung, weil man sich überlegen muss, in wessen Kopf man gerade steckt. Mir persönlich macht so ein verzwickter Plot nichts aus, aber ich bin eben nicht der Durchschnitt der Krimileser.

Ich habe etwa ab der Hälfte des Krimis gewusst, wer für die Morde verantwortlich ist, dennoch habe ich das Buch gerne zu Ende gelesen. Mich interessiert immer, welche Schlussfolgerungen die Polizei aus den Spuren zieht.

Fazit:

Ein komplexer Krimi mit ungewöhnlich vielen Personen, die in das Geschehen involviert sind. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

In der Fremde
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Josef Vierziger hat nach dem brutalen Tod seiner Freundin Conny den Dienst bei der Wiener Polizei quittiert. Nun versucht er, gemeinsam mit Hund Nero, in Apulien zwischen Trulli und Olivenbäumen sein Leben ...

Josef Vierziger hat nach dem brutalen Tod seiner Freundin Conny den Dienst bei der Wiener Polizei quittiert. Nun versucht er, gemeinsam mit Hund Nero, in Apulien zwischen Trulli und Olivenbäumen sein Leben wieder in Gleichklang zu bringen. Doch das ändert sich schlagartig, als ein durch Schüsse schwer verletzter Afrikaner vor seiner Haustür liegt. Vierziger versorgt ihn, ruft einen Arzt und findet wenig später die verstümmelte Leiche der Frau seines Schützlings am Strand.

Während sich Jacopo, der Afrikaner, langsam erholt, gerät Vierziger in einen Strudel von Ereignissen, in denen ein Flüchtlingslager, ein jugendlicher Kindsmörder sowie eine rechtsgerichtete Partei eine Rolle spielen.

Bald weiß Vierziger nicht mehr, wer Feind oder Freund ist. Obwohl er den Polizeidienst quittiert hat, sind seine Intuition und sein Scharfsinn nicht erloschen. Dennoch gerät er ins Fadenkreuz der „Sacra Corona Unita“ nicht, die krakenartig ihre Arme quer durch alle Gesellschaftsschichten ausbreitet.

Meine Meinung:

Wie so häufig, beginne ich eine Krimi-Reihe mit dem letzten Fall. So auch hier, wobei die Vorgänger bereits auf dem Stapel liegen und darauf warten, gelesen zu werden.

Dieser Krimi ist fesselnd und hervorragend geschrieben.

Sehr genau werden die Zustände in unserem Nachbarland beschrieben. Flüchtlinge, die zu Hungerlöhnen in Fabriken schuften, die in Lager gepfercht werden. Das Schicksal Jacopos ist stellvertretend für alle jene, die es schaffen und gleichzeitig für alle jene, die auf dem gefährlichen Weg in ein besseres Leben, genau dieses verlieren.

Die Charaktere, vor allem Josef Vierziger, Loredana und Franca gefallen mir sehr gut. Bei Di Gaetano habe ich ein wenig gezweifelt, auf welcher Seite er steht. Dass der Rechtsanwalt und der Arzt Dreck am Stecken haben, war ein wenig vorauszusehen: ihre Gier ist förmlich zu spüren.

Ich freue mich schon darauf, die Vorgänger zu lesen und hoffe auf einen nächsten, fünften Fall für Josef Vierziger. Bin gespannt, ob er sich der Gruppe rund um Franca anschließen wird, die der Gerechtigkeit ein wenig auf die Sprünge hilft.


Fazit:

So muss ein Krimi sein: spannend, anfangs ein wenig undurchsichtig und mit einer stimmigen Auflösung. Dieser hier verdient 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Eine spannende Reise auf Österreichs höchsten Berg

Eine Reise auf den Glockner
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Heutzutage benötigt der Reisende ca. 5 Stunden von Wien bis nach Heiligenblut, das am Fuße von Österreichs höchstem Berg liegt. In 36 Kehren überwindet man anschließend den majestätisch aufragenden Berg. ...

Heutzutage benötigt der Reisende ca. 5 Stunden von Wien bis nach Heiligenblut, das am Fuße von Österreichs höchstem Berg liegt. In 36 Kehren überwindet man anschließend den majestätisch aufragenden Berg. Auf der 48 km langen Straße, die in nur 5 Jahren in den 1930er Jahren errichtet worden ist, gelangt man von Heiligenblut in Kärnten nach Ferleiten in Salzburg. Was heute selbstverständlich ist, war 1802 ein unüberwindliches Hindernis, oder?

Mit diesem prachtvoll ausgestatteten Buch bewegen wir und zurück in das Jahr 1802. Die Napoleonischen Kriege haben einen kurzen Augenblick Pause und so macht sich ein kleines Grüppchen von nur sieben Personen, darunter Arzt und Wissenschaftler Joseph August Schultes (1773-1831) und die ungarischen Brüder, die Grafen Apponyi, von Wien aus auf, den (Groß)Glockner zu besteigen.

Die Reise startet am 10. August 1802 in Wien und endet am 24. September daselbst. Dazwischen liegen Wochen der Strapazen, des Staunens und der wissenschaftlichen Experimente.

Dr. Christoph Braumann hat die vier Bücher, die Joseph August Schultes bereits 1804 veröffentlicht hat, behutsam redigiert und für uns lesbar gemacht. Wer sie im Original lesen möchte, dem sei Google-books empfohlen, den dort sind sie als Digitalisat kostenfrei erhältlich. Allerdings bringt man sich um den Genuss, die zahlreichen, teils farbigen Bilder, die hier in diesem Buch abgebildet sind, anzusehen. Viele der Bilder sind erst Jahre später entstanden und spiegeln eine romantisierte Welt wieder.

Wie es sich für Gelehrte dieser Zeit gehört, wird kartografiert und dokumentiert. Abbildungen dieser Dokumente sind hier liebevoll in den Text integriert. So erhält der Leser Einblick in die Originallithografien und Zeichnungen. Teilweise handkoloriert vermitteln sie einen prächtigen Eindruck, den die Reisegruppe erleben konnte: zuerst in Kärnten die Klagenfurter Residenz, das Schloss Wernberg bei Villach, die Drau-Stadt Villach, das Mölltal mit der ehemaligen Bergwerksstadt Obervellach und dann anschließend das Salzburgische wie der Gasteiner Wasserfall, Lend, Burg Hohenwerfen.

Diese Reise gilt als erste touristische Reise ins alpine Gelände. Die Erstbesteigung des Glocknermassivs erfolgte bereit 1800.

Fazit:

Dieses aufwendig produzierte Buch aus dem Anton-Pustet-Verlag beleuchtet die Anfänge des alpinen Tourismus und verdient 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ein gelungener biografischer Roman

Lady Churchill
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Dieser biografische Roman beschäftigt sich mit Clementine Churchill, der Ehefrau von Winston Churchill, dem ehemaligen Premierminister von Großbritannien.
Clementine, 1885 als Clementine Hozier geboren, ...

Dieser biografische Roman beschäftigt sich mit Clementine Churchill, der Ehefrau von Winston Churchill, dem ehemaligen Premierminister von Großbritannien.
Clementine, 1885 als Clementine Hozier geboren, heiratet den Politiker 1908, bekommt fünf Kinder und steht ihm unterstützend zur Seite. Nur unterstützend? Manchmal habe ich den Eindruck, dass SIE die treibende Kraft hinter ihrem Mann ist, da sie selbst keine politische Karriere machen kann.

Gemeinsam erleben sie zwei Weltkriege, Höhen und Tiefen der Politik und im Privatleben. Sie ist aufmerksame Gastgeberin, hält sich selbst aber für eine schlechte Mutter und hadert mit der Gesellschaft, die Frauen als minderwertig darstellen. Manchmal scheint ihnen das Geld auszugehen, da wird improvisiert.

Marie Benedict erzählt in Ich-Form aus Clementines Sicht, in der Regel chronologisch. Ihr Schreibstil liest sich recht leicht und flüssig. Nicht abschätzen kann, wie hoch der Anteil der Fiktion ist. Clementine Churchill hat Tagebuch geschrieben und es sind zahlreich Briefe erhalten.

Interessant ist, dass das Ehepaar Churchill ebenso wie die königliche Familie während der Bombardierung Londons vor Ort bleiben, um den Menschen Mut zu machen..

„...Ich bin sicher, wie ihr geht es allen Briten – ihnen muss Mut gemacht werden für die bevorstehenden Schlachten, und wenn das gelingt, werden alle sich erheben, wenn man sie ruft...“