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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Mordsand
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Auch in ihrem vierten Krimi rund um Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Kriminalpolizei Itzehoe sorgt Autorin Romy Fölck für Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Ein junges Paar entdeckt ...

Auch in ihrem vierten Krimi rund um Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn von der Kriminalpolizei Itzehoe sorgt Autorin Romy Fölck für Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.

Ein junges Paar entdeckt auf der kleinen Insel Bargsand einen Totenschädel, der wie man wenig später zu einem 30 Jahre alten Skelett gehört, das sitzend aufgefunden wird. Zunächst deutet nichts auf Fremdverschulden hin, was sich spätestens bei der nächsten Leiche, die kurz darauf in ähnlicher Stellung gefunden wird, relativiert. Diesmal weiß man allerdings sofort, wer der gefesselt eingegrabene Tote ist. Es ist ein Baulöwe, der durch seine skrupellose Art mehr Feinde als Freund hatte.

Noch kann niemand einen Zusammenhang zwischen den beiden Toten herstellen. Frida Paulsen und Bjarne Haverkorn tappen im Dunkeln. Die Spuren führen in die Jugendwerkhöfe der ehemaligen DDR und zu vier Jungen, die das Schicksal für immer auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden hat.

Meine Meinung:

Romy Fölck ist wieder eine tolle Fortsetzung gelungen. Besonders interessant sind die Schicksale der vier Jungs, die in den Jugendwerkhöfen zu angepassten Bürgern erzogen werden sollten. Doch statt Fürsorge erleben die Jungen Terror und Sadismus, der auch innerhalb ihrer Gruppe gelebt wird. Puh, ganz schön heftig!

Gut gefällt mir, dass die Krimihandlung und die privaten Seiten der Ermittler ausgewogen sind. Die Leser erfahren einiges aus dem Privatleben von Frida und ihren Eltern. Z.B. wie sie mit Mühe den Bauernhof ihrer Eltern vor dem Bankrott gerettet hat oder von Bjarne und seiner kranken Tochter. Auch das zarte Pflänzchen der Zuneigung zwischen dem Rechtsmediziner Thorsten und Frida ist elegant in die Handlung eingewoben. Die kratzbürstige Frida hat auch ihre empfindliche Seite. Sie kann sich gut in andere hineinversetzen und so findet auch ein ausgerissenes Mädchen Unterschlupf bei den Eltern auf dem Hof. Alle diese Nebenhandlungen sind perfekt in die Krimihandlung eingebettet und tragen zum Fortgang zu den Ermittlungen bei und sind nicht nur Beiwerk.

Das eine oder andere Mal habe ich mich fast auf den Holzweg führen lassen, denn zum einem hätte die eine oder andere Figur hätte wohl das Potenzial zum Täter gehabt, und zum anderen hat die Autorin recht geschickt Fallstricke und Sackgassen in die Story eingebaut.

Fazit:

Wieder eine gelungene Fortsetzung, die durch penible Recherche zu einem unrühmlichen Teil der DDR-Geschichte positiv auffällt. Aufgrund des wohldosierten Lokalkolorits und dem fesselnden Schreibstil, kann ich gerne 5 Stern vergeben.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Fesselnd bis zur letzten Seite

Finstere Havel
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Krimiautor Tim Pieper lässt seinen KHK Toni Sanftleben nun zum 5. Mal ermitteln. Gemeinsam mit seinem Team, dem u.a. Phong und Gesa angehören, muss er den unklaren Todesfall einer jungen Frau aufklären, ...

Krimiautor Tim Pieper lässt seinen KHK Toni Sanftleben nun zum 5. Mal ermitteln. Gemeinsam mit seinem Team, dem u.a. Phong und Gesa angehören, muss er den unklaren Todesfall einer jungen Frau aufklären, die in ihrem Auto sitzend aus der Havel geborgen wird. Unfall, Suizid oder doch Mord?

Bei den Recherchen zu Melanie fallen gleich ein paar Ungereimtheiten auf. Der Ex-Ehemann, der nicht kapieren will, dass die gemeinsame Zeit vorbei ist und sich mit Melanie einen Rosenkrieg um die Tochter liefert, der übergriffige Chef und der gewalttätige Nachbar, der Melanie mit Hasspostings eindeckt. Hinzu kommt, dass Melanie durch ihre Hypersensibilität ein wenig verschroben wirkt und ähnlich wie Autisten, Menschen eher meidet.

Zwischen dem polizeilichen Alltag erhalten wir im Rückblick Einblicke in Melanies Leben. Erst nach und nach enthüllt sich die gesamte Tragödie um die junge Frau.

Meine Meinung:

Tim Pieper ist wieder ein großartiger Krimi gelungen, der nicht nur durch den komplexen Plot und die authentisch beschriebenen Charaktere besticht, sondern auch durch die wunderbaren Landschaftsbeschreibungen. So konnte ich mich wieder an meinen Ausflug auf den Potsdamer Telegrafenberg erinnern, den ich 2019 besucht habe, und habe mich gleich wieder zwischen Einstein- und Helmert-Turm zurechtgefunden. Für Nicht-Ortskundige ist das Renaturierungsprojekt der Havel ein interessantes Thema, das nachgelesen werden sollte. Es birgt jede Menge Konflikte, die vermutlich für mehrere Krimis reichen würden.

Der Krimi ist niemals langweilig. Tim Pieper nimmt uns auf eine polizeiliche Ermittlung mit, bei der anfangs nicht klar, was ihn (und die Leser) erwartet. Für gewiefte Krimileser ist Selbstmord oder Unfall natürlich keine Option. Nur, wer war’s? Gemeinsam mit Toni Sanftleben und seinem Team begeben wir uns auf Spurensuche und müssen die eine oder andere Sackgasse hinnehmen. Dabei müssen wir erkennen, das hinter mancher biederer Fassade der Wolf im Schafspelz steckt.

Fazit:

Wer einen penibel recherchierten, sprachlich und stilistisch gut geschriebenen Krimi lesen will, der durch seinen komplexen Plot fesselt, ist hier richtig. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Regt zum Nachdenken an

Wir
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„Das WIR gibt es nicht“ - mit diesen provokanten Worten beginnt Judith Kohlenbergers Buch.

Dieses Pronomen führt uns vor Augen, wie schnell es abgrenzt. Das WIR im Gegensatz zu den anderen. Das WIR als ...

„Das WIR gibt es nicht“ - mit diesen provokanten Worten beginnt Judith Kohlenbergers Buch.

Dieses Pronomen führt uns vor Augen, wie schnell es abgrenzt. Das WIR im Gegensatz zu den anderen. Das WIR als eingeschworene Gemeinschaft, die keine Durchlässigkeit duldet. Daher muss das WIR immer im Kontext betrachtet werden.

Sprachlich ausgefeilt und mitreißend zeigt Kohlenberger die Herausforderungen, Probleme und Chancen, die sich aus dem WIR ergeben.

Fazit:

Dieser Essay "Wir" ist eine inspirierende Lektüre, die, ohne belehrenden Finger, zum Nachdenken anregt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Fräulein Gold: Scheunenkinder
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Diese Fortsetzung der Geschichte rund um die Hebamme Hulda Gold ist ein gut gelungenes Abbild der frühen Zwanziger Jahre. Die Hyperinflation bringt auch ehemals Wohlhabende beinahe an den Bettelstab, doch ...

Diese Fortsetzung der Geschichte rund um die Hebamme Hulda Gold ist ein gut gelungenes Abbild der frühen Zwanziger Jahre. Die Hyperinflation bringt auch ehemals Wohlhabende beinahe an den Bettelstab, doch zu kaufen gibt es ohnehin nichts mehr. Der Kampf um ein Stück Brot, einen vergammelten Kohlkopf oder einen Schluck verwässerte Milch hält die Menschen auf Trab. Die Arbeitslosigkeit steigt rasant und viele Familien brechen auseinander.

Während Hulda ihrem Beruf nachgeht, ist Karl North mit einem abscheulichen Verbrechen konfrontiert: Man findet eine Wagenladung voll Kinderleichen. Es scheint, als ob ein Kinderhändlerring sein Unwesen treibt. Üblicherweise bespricht Karl verbotenerweise seine Fälle mit Hulda, die mit ihrem analytischen verstand häufig einen Lösungsansatz findet. Doch diesmal schweigt er, bis Hulda von einem verschwundenen Säugling erzählt, den sie wenige Tage vorher auf die Welt geholt hat. Das Baby ist eines der sogenannten „Scheunenkinder“, aus jenem Viertel von Berlin, in dem neben den Ärmsten der Armen auch zahlreiche jüdische Familien angesiedelt haben. In dieser Familie scheint einiges nicht zu stimmen, denn das Verhältnis zwischen der Wöchnerin und ihrer Schwiegermutter ist über die üblichen Ausmaße zerrüttet. Hulda beginnt zu recherchieren und wird Zeugin eines der zahlreichen antisemitischen Überfälle.

Meine Meinung:

Auch dieses Buch ist weniger Krimi als historischer Roman. Sehr gut gelungen ist die Darstellung der politischen Situation. Zuerst die Hyperinflation, dann die Einführung der Rentenmark, die den Deutschen ein wenig Hoffnung macht und gleichzeitig das Erstarken der antisemitischen Kräfte. Hitler sitzt zwar gerade in der Festung Landsberg ein, aber, wie die weitsichtige (und vermutlich schwule) Bert, feststellt, wird er dadurch zum Märtyrer hochstilisiert.

Erschreckend ist, wie viele Polizisten bereits dem rechten Lager angehören und die Polizei unterwandert haben. Ich gehe davon aus, das Norths Kollege Fabricius auch einer dieser Sorte ist.

Der interessant ist, wie Hulda stetig an ihre eigene jüdische Herkunft erinnert wird. Die Gestalt des Bert gefällt mir sehr gut, denn er ist so etwas wie der Rufer in der Wüste. Über ihn wüste ich gerne mehr.

Die Autorin hat penibel recherchiert und stellt die Situation im Berlin von 1923 authentisch dar.

Sowohl Hulda als auch die anderen Charaktere sind vielschichtig angelegt und schön ausgearbeitet.

Fazit:

Gerne gebe ich hier 4 Sterne.

Veröffentlicht am 03.04.2021

Hat mich nicht vollends überzeugt

Waldviertelblut
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Der Klappentext verspricht einen interessanten Krimi aus der Reihe mit Walli Winzer:

„Walli Winzer kann es kaum fassen! Die modebewusste Wiener PR-Agentin erhält den Auftrag, die neue Kollektion einer ...

Der Klappentext verspricht einen interessanten Krimi aus der Reihe mit Walli Winzer:

„Walli Winzer kann es kaum fassen! Die modebewusste Wiener PR-Agentin erhält den Auftrag, die neue Kollektion einer türkischen Stardesignerin für den Wohnbereich zu betreuen. Alles klappt, bis bei der Präsentation der Kreation ein Toter aus einem Teppich kullert. Für diesen Fall ist nun die Wiener Polizei zuständig. Der Täter scheint bald gefunden, doch Walli und Dorfpolizist Grubinger zweifeln. Ihr Entschluss steht fest - es wird parallel ermittelt.“

Doch leider habe ich hier einen mäßig spannenden Krimi erhalten. Es dauert eine kleine Ewigkeit, bis die „Ermittlungen“ von Walli und dem Dorfpolizisten Grubinger in Gang kommen. Dazwischen nimmt der Kater von Walli ungebührlich viel Platz ein, ohne dass es die Handlung weiterbringt. Auch die Nebenhandlung in der Walli um lukrative Aufträge gebracht wird, dient meiner Meinung nach nicht dem Fortgang der Ermittlungen, sondern lenkt eher ab.

Dabei böte das (Grund)Thema jede Menge Spannung (und Sprengstoff), handelt es sich doch die Ausbeutung von türkischen Frauen (und Kindern), die in mühevoller Heimarbeit zu Niedrigstlöhnen prachtvolle Teppiche knüpfen, die dann in Europa in Möbelhäusern billig verkauft werden.

Allerdings habe ich mich über die Wortschöpfungen bei der Namenswahl des Waldviertler Betriebes und seinem Standort amüsiert, zumal sie nahe an ihre echten Vorbilder angelehnt sind. Die Nachforschungen führen Walli nicht nur nach Gmünd im Waldviertel, sondern auch in ein türkisches Dorf, wo sie gleich mehrmals in den Fettnapf tritt. Das passt gute zu ihrem umtriebigen Charakter und den drei Vorgängern. Interessant ist die Entwicklung von Sepp Grubinger, der Walli nicht mehr so ablehnend gegenübersteht und sich diesmal, um einen Freund von einem Mordverdacht reinzuwaschen, sogar mit ihr verbündet.

An sich mag ich ruhige Krimis, die in vertrauter Umgebung spielen, doch hier ist es mir doch zu gemächlich zugegangen.

Fazit:

Hier habe ich mir mehr doch erwartet und kann nur 3 Sterne vergeben.