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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.05.2021

Eine spannende Reise auf Österreichs höchsten Berg

Eine Reise auf den Glockner
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Heutzutage benötigt der Reisende ca. 5 Stunden von Wien bis nach Heiligenblut, das am Fuße von Österreichs höchstem Berg liegt. In 36 Kehren überwindet man anschließend den majestätisch aufragenden Berg. ...

Heutzutage benötigt der Reisende ca. 5 Stunden von Wien bis nach Heiligenblut, das am Fuße von Österreichs höchstem Berg liegt. In 36 Kehren überwindet man anschließend den majestätisch aufragenden Berg. Auf der 48 km langen Straße, die in nur 5 Jahren in den 1930er Jahren errichtet worden ist, gelangt man von Heiligenblut in Kärnten nach Ferleiten in Salzburg. Was heute selbstverständlich ist, war 1802 ein unüberwindliches Hindernis, oder?

Mit diesem prachtvoll ausgestatteten Buch bewegen wir und zurück in das Jahr 1802. Die Napoleonischen Kriege haben einen kurzen Augenblick Pause und so macht sich ein kleines Grüppchen von nur sieben Personen, darunter Arzt und Wissenschaftler Joseph August Schultes (1773-1831) und die ungarischen Brüder, die Grafen Apponyi, von Wien aus auf, den (Groß)Glockner zu besteigen.

Die Reise startet am 10. August 1802 in Wien und endet am 24. September daselbst. Dazwischen liegen Wochen der Strapazen, des Staunens und der wissenschaftlichen Experimente.

Dr. Christoph Braumann hat die vier Bücher, die Joseph August Schultes bereits 1804 veröffentlicht hat, behutsam redigiert und für uns lesbar gemacht. Wer sie im Original lesen möchte, dem sei Google-books empfohlen, den dort sind sie als Digitalisat kostenfrei erhältlich. Allerdings bringt man sich um den Genuss, die zahlreichen, teils farbigen Bilder, die hier in diesem Buch abgebildet sind, anzusehen. Viele der Bilder sind erst Jahre später entstanden und spiegeln eine romantisierte Welt wieder.

Wie es sich für Gelehrte dieser Zeit gehört, wird kartografiert und dokumentiert. Abbildungen dieser Dokumente sind hier liebevoll in den Text integriert. So erhält der Leser Einblick in die Originallithografien und Zeichnungen. Teilweise handkoloriert vermitteln sie einen prächtigen Eindruck, den die Reisegruppe erleben konnte: zuerst in Kärnten die Klagenfurter Residenz, das Schloss Wernberg bei Villach, die Drau-Stadt Villach, das Mölltal mit der ehemaligen Bergwerksstadt Obervellach und dann anschließend das Salzburgische wie der Gasteiner Wasserfall, Lend, Burg Hohenwerfen.

Diese Reise gilt als erste touristische Reise ins alpine Gelände. Die Erstbesteigung des Glocknermassivs erfolgte bereit 1800.

Fazit:

Dieses aufwendig produzierte Buch aus dem Anton-Pustet-Verlag beleuchtet die Anfänge des alpinen Tourismus und verdient 5 Sterne.

Veröffentlicht am 30.05.2021

Ein gelungener biografischer Roman

Lady Churchill
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Dieser biografische Roman beschäftigt sich mit Clementine Churchill, der Ehefrau von Winston Churchill, dem ehemaligen Premierminister von Großbritannien.
Clementine, 1885 als Clementine Hozier geboren, ...

Dieser biografische Roman beschäftigt sich mit Clementine Churchill, der Ehefrau von Winston Churchill, dem ehemaligen Premierminister von Großbritannien.
Clementine, 1885 als Clementine Hozier geboren, heiratet den Politiker 1908, bekommt fünf Kinder und steht ihm unterstützend zur Seite. Nur unterstützend? Manchmal habe ich den Eindruck, dass SIE die treibende Kraft hinter ihrem Mann ist, da sie selbst keine politische Karriere machen kann.

Gemeinsam erleben sie zwei Weltkriege, Höhen und Tiefen der Politik und im Privatleben. Sie ist aufmerksame Gastgeberin, hält sich selbst aber für eine schlechte Mutter und hadert mit der Gesellschaft, die Frauen als minderwertig darstellen. Manchmal scheint ihnen das Geld auszugehen, da wird improvisiert.

Marie Benedict erzählt in Ich-Form aus Clementines Sicht, in der Regel chronologisch. Ihr Schreibstil liest sich recht leicht und flüssig. Nicht abschätzen kann, wie hoch der Anteil der Fiktion ist. Clementine Churchill hat Tagebuch geschrieben und es sind zahlreich Briefe erhalten.

Interessant ist, dass das Ehepaar Churchill ebenso wie die königliche Familie während der Bombardierung Londons vor Ort bleiben, um den Menschen Mut zu machen..

„...Ich bin sicher, wie ihr geht es allen Briten – ihnen muss Mut gemacht werden für die bevorstehenden Schlachten, und wenn das gelingt, werden alle sich erheben, wenn man sie ruft...“

Veröffentlicht am 30.05.2021

Eine gelungene Fortsetzung

Bretonisch mit Aussicht
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In diesem zweiten Krimi rund um die Schweizerin Tereza Berger, die in der Bretagne im Haus der verstorbenen Tante eine Buchhandlung betreibt, haben die aktuellen Ereignisse mit jenen aus dem Zweiten Weltkrieg ...

In diesem zweiten Krimi rund um die Schweizerin Tereza Berger, die in der Bretagne im Haus der verstorbenen Tante eine Buchhandlung betreibt, haben die aktuellen Ereignisse mit jenen aus dem Zweiten Weltkrieg zu tun.

Tereza stolpert, wie schon im ersten Band („Bretonisch mit Meerblick“) über eine Leiche und stochert neugierig im Leben des Toten sowie dessen Sohn herum, sehr zum Missfallen von Gabriel Mahon, dem schottischstämmigen Kriminalbeamten. Als dann noch kurz vor dem Auftritt einer bretonischen Sängerin und dem Nonnenchor mehrere Personen nach dem Genuss (?) einer Fischsuppe an einer Vergiftung leiden, zählt neben der verschwundenen Nonne Nominoë, Tereza zu den Hauptverdächtigen.

Erst mit der Hilfe von ihrer Freundin in der Schweiz kann Tereza den Verdacht entkräften. Doch, wer ist der wahre Täter?

Meine Meinung:

Der Autorin ist wieder ein spannender Krimi gelungen, der nicht nur durch die unkonventionelle Zusammensetzung des „Personals“ besticht, sondern durch die Beschreibung von Land und Leuten. Man kann das Rauschen des Atlantik hören und den Duft des Meeres riechen. Für Landratten wie mich, ein schönes Erlebnis.

Der Plot lässt die Leser mitraten und führt immer wieder mal in eine Sackgasse.

Die Charaktere haben alle ihre Ecken und Kanten und sind manchmal schwer einzuordnen. Bahnt sich zwischen Tereza und Gabriel etwas an? Das eine oder ander Mal scheint es so zu sein, dass Mahon seine raue Schale ein wenig beiseiteschiebt, doch dann macht er wieder wie eine Auster zu. Aber, da sind wir ja richtig: Austern sind eine bretonische Delikatesse, die für Tereza gewöhnungsbedürftig sind.

Fazit:

Eine gelungene Fortsetzung, der ich gerne 4 Sterne gebe.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Eine Hommage an Venedig

Als ich einmal in den Canal Grande fiel
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Üblicherweise steht die Anzahl der Sterne am Ende einer Rezension. Doch für diese Hommage an die Serenissima breche ich mit dieser Gewohnheit: 5 Sterne für Petra Reskis leidenschaftliches Plädoyer für ...

Üblicherweise steht die Anzahl der Sterne am Ende einer Rezension. Doch für diese Hommage an die Serenissima breche ich mit dieser Gewohnheit: 5 Sterne für Petra Reskis leidenschaftliches Plädoyer für die Erhaltung der Lagunenstadt, dem ich mich gerne anschließe.

Also von Beginn an:

Petra Reski, die deutsche Journalistin und Buchautorin, die durch ihre Sizilien-Krimis rund um Serena Vitale bekannt ist, lebt seit 1991 in Venedig, weil ihr ein Venezianer über den Weg gelaufen ist (dessen Name sie hier niemals nennt, sondern nur vom „Venezianer“ spricht.

Sie schreibt voller Leidenschaft von Ebbe und Flut, von morschen Pfählen, von zerbröselndem Mauerwerk, korrupten Stadtväter, die die Stadt dem Verfall preisgeben, von Venezianern, die, weil sie das große Geld wittern, ihre Wohnungen verkaufen oder an Touristen vermieten.

„Nicht mal die Pestepidemie von 1630 war so effektiv bei der Beseitigung der letzten Venezianer wie die Erfindung der Ferienwohnung: in Venedig vermietet niemand mehr Wohnungen an Venezianer, sondern nur noch an Touristen.“

Sie schreibt von Kreuzfahrtschiffen, die durch ihre Bugwellen das ohnehin schon poröse Mauerwerk weiter zerstören, vom Ausverkauf historischer Palazzi durch die Stadtväter, die gleich eine Baugenehmigung für allerlei gesichtslose Hotels oder Konsumtempel dazulegen und vom Widerstand gegen diese Machenschaften. Zahlreiche Bürgerinitiativen kämpfen gegen diese mafiösen Strukturen.


„Der Tourist will allein sein auf der Welt, das ist sein größtes Problem.“ Ich war vor rund 30 Jahren das letzte Mal in Venedig. Manchmal habe ich Sehnsucht nach der Stadt, die seit Jahrhunderten den Gezeiten trotzt. Doch will ich nicht auch noch (m)einen Beitrag zur Zerstörung der Serenissima leisten. Deshalb verkneife ich mir eine Reise in die Lagunenstadt. Ich möchte sie so in Erinnerung behalten, wie sie damals war: kleine Geschäfte wie Bäcker, Pastaladen, Gemüsehändler, Fleischhauer, Blumenläden und natürlich (ganz wichtig für mich) Schuhgeschäfte, statt der gesichtslosen, uniformen Kaufhausketten, deren Ware man in jeder größeren Stadt der Welt bekommt.

Petra Reski lässt mit ihrer Schilderung ihre Leser das alte Venedig noch einmal (?) Revue passieren. Mit ihrem flüssigen und farbenprächtigen Erzählstil, nimmt sie uns an die Hand, schlendert mit uns über die zahlreichen Brücken (über 450) und durch verwunschene Calli. Sogar einen der seltenen Gärten dürfen wir an ihrer Seite entdecken.

Schmunzeln musste ich über die ungewöhnliche Wahl der Hochzeitslocation: statt Venedig (wie 100.000 andere weit gereiste Paare), eine Feier im Ruhrgebiet.

Fazit:

Wer Venedig wirklich liebt, reist umweltfreundlich mit der Bahn an. Ich stimme Petra Reski zu, dass es an uns allen liegt, die Serenissima zu erhalten. Gerne gebe ich dieser Hommage an die Serenissima 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 23.05.2021

Very British

Mord in Sussex
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Das südenglische Sussex ist derzeit wegen des abtrünnigen Paares aus der königlichen Familie ein Begriff. Wenig wissen, dass hier in den Chalklands Kalk abgebaut und als „gebrannter Kalk“ auf zahlreichen ...

Das südenglische Sussex ist derzeit wegen des abtrünnigen Paares aus der königlichen Familie ein Begriff. Wenig wissen, dass hier in den Chalklands Kalk abgebaut und als „gebrannter Kalk“ auf zahlreichen Baustellen verwendet wird. Ein solcher Kalkbrennofen spielt in diesem Krimi aus dem Jahr 1936 eine große Rolle.

Worum geht’s also?

John Rother, ein Unternehmer in eben diesem Kalkbrenner-Business, verschwindet plötzlich. Man findet nur sein Auto: verlassen und mit Blutspuren. Ist John einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Wo ist dann die Leiche? Hat sein Bruder William etwas mit dem Verschwinden zu tun? Die beiden Geschwister sind sich ja seit Jahren nicht allzu zugeneigt? Und welche Rolle spielt Williams Frau?

Als dann auf einer Baustelle menschliche Knochenreste gefunden werden, ist klar, John ist ermordet worden und die zerstückelte Leiche im Kalkbrennofen verbrannt worden. Superintendent Meredith wird mit der Ermittlung beauftragt und lässt die Knochen zu einem beinahe vollständigen Skelett zusammenbauen. (Der fehlende Teil wird noch eine Rolle spielen.)
Ein weiteres Rätsel gibt dann der Tod des verdächtigen Bruders auf. Unfall, Selbstmord oder doch Mord?

Superintendent Meredith hat alle Hände voll zu tun, den zahlreichen Hinweisen nachzugehen.

Meine Meinung:

Der Verlag Klett-Cotta legt seit einigen Jahren klassische Krimis aus dem vorigen Jahrhundert neu auf und bewahrt sie damit vor der Vergessenheit.
Ganz im Stil von Agatha Christie wird hier penibel ermittelt ohne Nerven aufreibende Verfolgungsjagden zu Wasser oder zu Land. Die Ermittlungen ohne DNA-Abgleich und anderen forensischen Gutachten muten seltsam antiquiert an, verleihen diesem Krimi aber einen gewissen Charme.

Der fehlende Skelettteil hat mich auf eine Idee gebracht, die sich dann als richtig erwiesen hat. Superintendent Meredith lässt sich durch die vielen kleinen Hinweise, die ihn manchmal in Sackgassen führen, nicht entmutigen. An einigen Stellen blitzt der herrliche britische Humor auf, der die Leser Schmunzeln lässt.

Witzig finde ich auch, wie sich SI Meredith mit dem Kriminalgeschichtenautor berät.

Fazit:

Ein gelungener Krimi, der ohne Hektik auskommt und zu Unrecht beinahe vergessen worden ist. Gerne gebe ich hier 4 Sterne.